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Menschenrechte in Afghanistan

Facharbeit (Schule) 2011 11 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Grund für die Wahl dieses Themas

Menschenrechte allgemein

Menschenrechte allgemein in Afghanistan

Die Lage der Frauen

Einzelbeispiel

Quellenverzeichnis

Grund für die Wahl dieses Themas

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da meiner Meinung nach die Menschenrechte eines der höchsten Güter sind, über die die Menschheit verfügt. Sie sorgen dafür, dass jeder Mensch in Freiheit und Gleichheit seine Träume erfüllen kann und seine Persönlichkeit frei entfalten kann – leider nur theoretisch. Die Realität sieht auf der Welt leider ganz anders aus. Man muss nicht einmal von unserem Kontinent blicken, um Verletzungen von Menschenrechten zu beobachten. Zum Beispiel wurden Demonstrationen der Opposition, die sich über die Wahlfälschungen ärgerten, am Rande der Präsidentschaftswahlen 2010 brutal von der Polizei niedergeschlagen und über 600 Menschen festgenommen.[1] Bei den Wahlen 2006 wurde Oppositionellen sogar mit dem Tod gedroht.[2]

Eine viel verheerendere Situation stellt sich zur Zeit in Afghanistan dar, wo Frauen und Andersgläubige extrem unterdrückt werden. Außerdem stellt der Einsatz der Bundeswehr in diesem Land einen Bezug zu Deutschland her und betrifft uns alle daher ein Stück weit auch selbst.

Um die Menschenrechtslage in Afghanistan darzustellen, habe ich mich für dieses Thema entschieden.[3]

Menschenrechte allgemein

Die erste Verfassung, in der die Menschenrechte verankert waren, war die der USA von 1776.[4]

Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte fand am 10. Dezember 1948 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris statt.[5] Im deutschen Grundgesetz sind die Menschenrechte in Artikel 1 fest verankert und unterliegen der Ewigkeitsklausel.[6]

Jeder Mensch hat Anspruch auf die Menschenrechte, alleine deshalb, weil er ein Mensch ist. Die Erklärung wurde als Reaktion auf den zweiten Weltkrieg beschlossen und dient als Garantie, dass sich so etwas nie wieder wiederholt. Sie gewährt den Menschen ihr höchstes Gut: „Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not“[7]. Zudem besagt sie, dass keine Mensch auf Grund irgendeines Merkmales, sei es die Hautfarbe, das Geschlecht, das Vermögen oder die Religion, von den Rechten ausgeschlossen werden darf. Das freundschaftliche Zusammenleben und die Förderung von Wohlstand sind ebenso Ziele der Menschenrechte.

Für mich persönliche wichtige Artikel sind Artikel 1, der den Menschen gleiche Würde und gleiches Recht zugesteht, Artikel 2, der den Menschen den vollen Anspruch auf die Rechte gewährt, egal, welche persönlichen Merkmale sie haben, und egal, wie die Stellung seines Landes zu anderen ist, Artikel 3, der jedem Menschen „Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“[8] garantiert, Artikel 5, der Folter und andere unmenschliche Behandlungen untersagt, Artikel 8, der jedem Menschen das Recht auf Ahndung von Taten gegen seine Rechte garantiert, Artikel 10, der jedem Menschen das Recht auf einen fairen Prozess zugesteht, Artikel 14, der das Recht des Asyls gewährleistet, Artikel 16,1, der in einer Ehe beiden Partnern die gleichen Rechte gewährt, Artikel 19, der die Meinungsfreiheit beschließt, Artikel 21, der freie Wahlen und Mitwirken der Bürger in einem Staat vorsieht, und Artikel 30, der verbietet, diese Rechte abzuschaffen.[9]

Menschenrechte allgemein in Afghanistan

Amullah Khan war für zehn Jahre das Oberhaupt Afghanistans, nämlich von 1919 bis 1929. Er wollte Afghanistan, genau wie es die Türkei damals tat, modernisieren, den Staat von der Religion trennen und Männer und Frauen gleichberechtigen, die Schulpflicht einführen und allen Menschen die gleichen Rechte geben. Doch die Menschen hielten das nicht für richtig, sondern wollten lieber an ihren alten Traditionen festhalten. Wenigstens hielt Amullahs Nachfolger am Gesetz der Gleichheit aller vor dem Gesetz fest – jedoch nur vor dem religiösen.

1947 wurde das Land unabhängig. Während des kalten Krieges war die Außenpolitik Afghanistans so geschickt, dass man aus beiden Blöcken Gelder zur Förderung des Landes erhielt. Dadurch konnte die Infrastruktur des Landes, Schulen und Fabriken ausgebaut werden. Der Wohlstand in Afghanistan war zu dieser Zeit sogar so groß, dass es fast keine Proteste gab, als den Frauen erlaubt wurde, sich unverschleiert zu zeigen. Jedoch beruhte dieser Wohlstand fast ausschließlich auf den Krediten der ausländischen Geldgeber. Und diese Kredite mussten zurückgezahlt werden. Daher wuchs die Wirtschaft bald nicht mehr. In den 60er Jahren wurde das Land auch politische liberaler, denn Männer erhielten das Wahlrecht und es wurde eine demokratische Verfassung erlassen. Doch der damalige König Sahir Schah behielt die meiste Macht im Land. Sahir machte jedoch einige Fehler, die dazu führten, dass sein Unterfangen scheiterte. So sorgte er nicht dafür, dass die Menschen auf dem Land auch an der Demokratie teilnahmen.

Doch obwohl Parteien verboten waren, bildeten sich eine kommunistische Gruppe und eine islamistische. Die kommunistische wurde von der Sowjetunion unterstützt, die andere von Saudi-Arabien und Pakistan. 1973 gab es einen Putsch, der die Kommunisten an die Macht brachte. Doch den meisten Menschen auf dem Land gefiel das nicht und sie leisteten Widerstand. Während den Kämpfen zwischen beiden Lagern, bei dem die Islamisten auf Grund der Unterstützung der Bevölkerung mehr Macht gewannen, wurde der Präsident der neu entstandenen Republik ermordet. Der neue Präsident wollte den Kurs weg von den Kommunisten gestalten und verhandelte mit dem Westen. Dies verärgerte die Sowjets so sehr, dass sie 1979 in Afghanistan einmarschierten und es besetzten. Auf Grund des großen Leides während der Besetzung wuchs zwischen den Afghanen ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Als die Sowjets 1989 das Land wieder verließen, führte der Präsident noch drei Jahre sein Amtsgeschäft weiter, bevor er von den Taliban hingerichtet wurde. Nachdem nach vier Jahren die Kämpfe um die Herrschaft vorbei waren, kamen die Taliban an die Macht und stellte die Ordnung wieder her. Erst 2001 verloren sie ihre Macht wieder, da die Vereinten Nationen anfingen, Krieg gegen sie zu führen. Damit Afghanistan nicht wieder in das gleiche Chaos stürzte, wie es nach dem Abzug der Sowjets war, wurde ein Plan zum Wiederaufbau und zur Schaffung eines selbstständigen Planes entworfen. Doch eine Eskalation der Feindschaft zwischen den verschiedenen Stämmen und Volksgruppen konnte nur durch Blauhelme und später ISAF-Truppen[10] verhindert werden. Damit haben die Soldaten im Land bis heute zu kämpfen.

Danach begannen ausländischen Kräfte mit dem Wiederaufbau des Landes. Deutschland stellte dabei das drittgrößte Kontingent und half bei der Bildung der Karzai-Regierung. Der damalige Außenminister Joschka Fischer betonte dabei, dass es bei Aufbau des Landes auch darauf ankam, die Extremisten zu zerschlagen.[11]

Es wurden neue Schulen gegründet und Polizisten nach Afghanistan geschickt, die dort als Ausbilder tätig sein sollten. Den deutschen Soldaten kam dabei die Aufgabe zu, eben diese und weitere Unternehmungen zu schützen und zu koordinieren. Die Deutschen legten besonderen Wert auf die Unterstützung der Einheimischen und bekamen so deren Vertrauen. Die Einheimischen warnten die Deutschen daher, wenn ein Attentat auf sie ausgeübt werden sollte.[12]

Im Jahr 2007 beschloss Afghanistan mit seinen Verbündeten einen Plan, in dem es hauptsächlich um die Verbesserung der Sicherheit, die Förderung der Menschenrechte und die Entwicklungshilfe ging. Auf Grund der zwei parallelen Regierungen im Land, mussten viele Menschen Menschenrechtsverstöße nicht verantworten und internationale Truppen verstießen gegen die Menschenrechte. Menschen, die sich für die Menschenrechte einsetzten, wurden bedroht und sogar ermordet. Da vor allem die USA bei ihrem Kampf gegen die Taliban viele Kollateralschäden in Kauf nahmen, schlossen sich wieder vermehrt Afghanen den Taliban an.[13]

Auch nichtmilitärische Aufbauteams wurden zunehmend als Bedrohung angesehen, da sie meistens in Militärkonvois unterwegs waren und als Spione betrachtet wurden.[14]

Eine wichtige Rolle spielt das Opium. Da staatliche Kontrollen fehlen, wird der Anbau von Opium stark begünstigt. Doch Gründe dafür sind hauptsächlich der Kalte Krieg und Operationen von Geheimdiensten. Denn durch die Produktion von Opium wollte man die Sowjets schwächen und den Dschihad finanzieren. Zudem begünstigt die afghanische Infrastruktur den Anbau von Opium, da er lange haltbar ist und nicht schnell weitertransportiert werden muss, was sowieso unmöglich wäre in diesem Land.[15] Daher wird von vielen Experten gefordert, die Infrastruktur und den Marktzugang für die Bauern zu verbessern, anstatt das Opium zu verbieten.[16] Andere Gründe sind vor allem das Fehlen der Mittel für den Anbau von zum Beispiel Getreide und der höhere Erlös beim Opiumverkauf. Über 1,7 Millionen Afghanen leben von der Produktion von Opium. Das verdiente Geld unterstützt direkt die regionalen Machthaber und die Taliban.[17]

Die Lage der Frauen

Erst vor zwei Jahren wurde in Afghanistan ein Gesetz unterzeichnet, das besagt, dass Frauen eine Erlaubnis ihres Mannes brauchen, um das Haus zu verlassen oder am öffentlichen Leben teilzunehmen. Doch theoretisch sind die Frauen gleichberechtigt, zumindest steht es so in der Verfassung.[18]

Doch in der Verfassung steht auch, dass kein Gesetz gegen den Islam verstoßen darf und der Oberste Gerichtshof über die Interpretation von Gesetze bestimmen darf. Aber da der Gerichtshof hauptsächlich von strenggläubigen Männern besetzt ist, wird er das Gesetz wohl kaum verbieten.[19]

Zudem ist es noch wichtig zu wissen, dass die Macht des Staates nur in städtisch geprägten Gegenden gilt, auf dem Land herrschen die einheimischen Regeln. Und in den ländlichen Gegenden war Geschlechtertrennung nicht unüblich und die meisten Frauen arrangierten sich damit, da sie dennoch ein hohes Ansehen genossen. Denn die Regeln dort folgen meist dem paschtunischen Stammesrecht oder dem Recht der Islamisten.[20] Die geltenden Regeln beeinflussen heute sogar die Architektur der Häuser: sie werden so gebaut, dass man von außen fast keine Einsicht in das Haus hat, und der Mann kann seiner Frau verbieten, das Haus zu verlassen, egal was sie draußen machen möchte. Vielen Frauen ist es sogar verboten, unverheiratet mit einem anderen Mann zu sprechen. Außerdem dürfen sie das Haus nur in Begleitung eines männlichen Familienangehörigen verlassen und Feierlichkeiten, wie zum Beispiel Hochzeiten, werden getrennt gefeiert. Verschleierung ist sowieso an der Tagesordnung. Als Begleich der Schuld bei einem Verbrechen werden oft Frauen als Begleichungsmittel für die Schuld verwendet. Zwangsheirat ist häufig, ein Mann darf zudem bis zu vier Frauen heiraten und demütigt so seine anderen Frauen.[21]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahlen_in_Wei%C3%9Frussland_2010#Gro.C3.9Fdemonstration_am_Wahlabend

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Frussland#Wahlen

[3] http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001?lang=de%26mimetype%3Dtext%2Fhtml

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte#Vorl.C3.A4ufer

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte#Rechtliche_Verankerung_der_Menschenrechte_in_Deutschland Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Bonn, Stand: August 2006, Erscheinungsjahr: 1949

[7] http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001?lang=de%26mimetype%3Dtext%2Fhtml

[8] http://www.amnesty.de/umleitung/1899/deu07/001?lang=de%26mimetype%3Dtext%2Fhtml

[9] Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2006

[10] http://de.wikipedia.org/wiki/ISAF Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2006

[11] Geliebtes, dunkles Land – Menschen und Mächte in Afghanistan, Berlin, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2007

[12] Geliebtes, dunkles Land – Menschen und Mächte in Afghanistan, Berlin, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2007

[13] Amnesty International – Jahresbericht 2007, Frankfurt am Main, Deutsche Erstausgabe, Erscheinungsjahr: 2007

[14] Aus Politik und Zeitgschichte – Pakistan und Afghanistan: Bonn, Erscheinungsjahr: 2007

[15] Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2006

[16] Aus Politik und Zeitgschichte – Pakistan und Afghanistan: Bonn, Erscheinungsjahr: 2007

[17] Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2006

[18] Aus Politik und Zeitgschichte – Pakistan und Afghanistan: Bonn, Erscheinungsjahr: 2007

[19] Aus Politik und Zeitgschichte – Pakistan und Afghanistan: Bonn, Erscheinungsjahr: 2007

[20] Aus Politik und Zeitgschichte – Pakistan und Afghanistan: Bonn, Erscheinungsjahr: 2007

[21] Afghanistan – Wegweiser zur Geschichte, Paderborn, 1. Auflage, Erscheinungsjahr: 2006

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656969693
ISBN (Buch)
9783656969709
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300585
Note
2+
Schlagworte
Afghanistan Menschenrechte Bundeswehreinsatz Frauenrechte

Autor

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Titel: Menschenrechte in Afghanistan