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Gründe für das Auftreten von Depressionen im Hochleistungssport am Beispiel des Profifußballs

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 39 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil A

1. Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

2. Was ist Stress?
2. 1 Die Stressreaktion
2. 2 Stressoren: Auslöser der Stressreaktion

3. Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz
3. 1 Das Burnout- Syndrom
3. 2 Depressionen

4. Zusammenfassung

Teil B

1. Fußball als Beruf
1. 1 Der allgemeine Arbeitnehmerbegriff
1. 2 Der Lizenzspieler als Arbeitnehmer
1. 3 Das Verhältnis des Spielers zu den Verbänden

2. Psychische Störungen und Hochleitungssport
2. 1 Psychische Erkrankungen im Profifußball
2. 2 Burnout und Profifußball
2. 3 Depression im Profifußball
2. 4 Tabuisierung psychischer Erkrankungen im Profifußball

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Zur vereinfachten Lesbarkeit wird in der nachfolgenden Arbeit die männliche Form „Mitarbeiter, Arbeitnehmer etc.“ verwendet. Diese Form schließt selbstverständlich alle Mitarbeiterinnen, Arbeitnehmerinnen etc. ein.

Einleitung

„Wie erklärt sich das Auftreten von Depressionen im Hochleistungsport am Beispiel des Profifußballs?“ ist Titel und zugleich auch zentrale Fragestellung dieser Arbeit.

Im Herbst 2003 trat Sebastian Deisler, der als „Jahrhunderttalent“, „Messias“, und „Retter“ des deutschen Fußballs galt, mit folgenden Worten an die Öffentlichkeit: „Depression ist ein hässliches Wort. Ich möchte die Krankheit aber nicht mehr verbergen.“[1] Deisler ließ sich stationär behandeln und kehrte auf den Fußballplatz zurück. Im Jahr 2007 zwang ihn die Krankheit jedoch endgültig in die Knie und er beendete seine so verheißungsvolle Karriere im Alter von gerade einmal 27 Jahren. Bis zum 10. November 2009, jenem Tag, an dem sich der Fußballnationaltorhüter von Hannover 96 Robert Enke, in Folge einer schweren Depression das Leben nahm, sollte Sebastian Deisler der prominenteste Fall im deutschen Fußball sein, der eine psychische Erkrankung öffentlich bekannt gemacht hatte.

Zweieinhalb Jahre nach diesem bestürzenden Ereignis, welches nicht nur die Welt des Fußballs erschütterte, und fünf Jahre nach Deisler, stehen psychische Erkrankungen mehr als zuvor im Fokus des medialen Interesses. Grund dafür sind nicht nur die öffentlichen Bekenntnisse von Torhüter Markus Miller und Trainer Ralf Rangnick an psychischen Erschöpfungssyndromen zu leiden, sondern auch der Suizidversuch von Bundesligaschiedsrichter Babak Rafati am 19. November 2011 und der bereits dritte Selbstmordversuch des ehemaligen, an Depressionen erkrankten, Fußballprofis Andreas Biermann, in der Nacht auf den 10. Februar 2012.

Gerade in den letzten Jahren ist in der Arbeitswelt eine deutliche Veränderung im Hinblick auf arbeitsbedingte Erkrankungen festzustellen. Psychische Erkrankungen avancieren zu einer ernsthaften Bedrohung für die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und die gesundheitliche Unversehrtheit der Arbeitnehmer. Angststörungen, Suchterkrankungen, Depressionen aber auch Essstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, die am Arbeitsplatz auftreten.

Die nachfolgende Arbeit erhebt den Anspruch, Depressionen im Profifußball, ein eher ungewöhnliches Terrain der Arbeitswelt, zu analysieren und den Forschungsgegenstand dabei unter verschiedenen Kriterien genauer zu betrachten.

Im ersten Textteil soll ein allgemeiner Einblick in das Themenfeld der psychischen Belastungen und Beanspruchungen gegeben werden. Stress als Beanspruchungsfolge wird dabei eine besondere Rolle einnehmen. Auch werden den psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt am Beispiel von Depressionen und dem Burnout- Syndrom als Folge einer gescheiterten Stressreaktion Aufmerksamkeit geschenkt, um so die nötigen Grundlagen für das weitere Verständnis der Ausarbeitung zu vermitteln.

Der zweite Teil rückt den Profifußballspieler, auch Lizenzspieler genannt, in den Fokus der Untersuchung. Dabei wird der Lizenzspieler zuerst auf seine Arbeitnehmereigenschaften untersucht. Im weiteren Verlauf werden dann die Ergebnisse des ersten Teils auf den Arbeitnehmer Profifußballspieler projiziert und es sollen Antworten auf die zentrale Fragestellung der Arbeit gefunden und ausgeführt werden.

„Fußball ist nicht alles! Fußball, meine Damen und Herren, liebe Trauergemeinde, darf nicht alles sein. Das Leben, das uns geschenkt ist, ist vielfältig. Es ist lebenswürdig. Wir können auch auf das, was wir tun, ein Stück stolz sein […]. Denkt nicht nur an den Schein, an dass was sich dort zeigt, über die Medien verbreitet. Denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen. Fußball ist nicht alles […]. Ein wenig mehr, nach diesen schlimmen Tagen an die Würde des Menschen zu denken. In seiner Vielfalt, nicht nur in seiner Stärke sondern auch in seiner Schwäche, empfinde ich als Auftrag dieses an sich sinnlosen Sterbens. Wir alle sind dazu aufgerufen, liebe Trauergemeinde, unser Leben wieder zu gestalten, aber in ihm einen Sinn, nicht nur in überbordenden Ehrgeiz zu finden. Maß, Balance, Werte wie Fairplay und Respekt sind gefragt. In allen Bereichen des Systems Fußball. Bei den Funktionären, bei dem DFB, bei den Verbänden, den Clubs, bei mir, aber auch bei Euch liebe Fans. Ihr könnt unglaublich viel dazu tun, wenn ihr bereit seid, aufzustehen gegen Böses. Wenn ihr bereit seid, Euch zu zeigen, wenn Unrecht geschieht. Wenn ihr bereit seid, dass Kartell der Tabuisierer und Verschweiger einer Gesellschaft, die in soweit nicht menschlich sein kann zu brechen […]. Ein Stück mehr Menschlichkeit, ein Stück mehr Zivilcourage, ein Stück mehr Bekenntnis zur Würde des Menschen, des Nächsten, des Anderen. Das wird Robert Enke gerecht“[2].

Diese bewegenden Worte des damaligen DFB- Präsidenten Theo Zwanziger sind Ausschnitte aus der Trauerrede für Robert Enke. "Fußball ist nicht alles“ ist dabei der zentrale Leitsatz. Was aber hat sich seit dem Tod von Robert Enke wirklich in der Welt des Fußballs getan und was muss noch getan werden im Kampf gegen psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, bei Fußballspielern? Dieser und anderer Fragen soll abschließend und somit auch vorausschauend nachgegangen werden.

Teil A

1. Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Die Arbeitwelt ist heutzutage der Taktgeber für das gesamte moderne Leben. Ihre Kennzeichen sind Beschleunigung, Verdichtung, Komplexität, Globalisierung. Alles perfekt zu machen, ist zu einer gesellschaftlichen Norm erhoben worden. Diese Faktoren treiben viele bis zur totalen Erschöpfung – auch psychisch. Die Fehlzeiten der Beschäftigten aufgrund seelischer Erkrankungen haben seit 1994 um mehr als 80 Prozent zugenommen[3], bei gleichzeitigem Rückgang der absoluten Anzahl von Fehltagen. Psychische Belastungen haben also in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung innerhalb der Arbeitswelt gewonnen.

Jede Tätigkeit geht mit psychischen Belastungen einher. Diese sind normaler und notwendiger Bestandteil der Arbeit. Der Begriff „psychische Belastungen“ wird in der Arbeitswissenschaft als neutral verstanden und als die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse von außen, die auf den Menschen zukommen und bei ihm psychisch einwirken, definiert. Psychische Belastungen können sich aus dem Tätigkeitsinhalt, der Arbeitsorganisation oder auch aus besonderen Bedingungen (psychosoziale und betriebliche/ überbetriebliche Rahmenbedingungen) ergeben. Psychische Belastungen wirken auf alle Mitarbeiter, die sich diesen aussetzen, gleichermaßen[4].

Psychische Belastungen werden als neutral verstanden, da sie sowohl positive, wie auch negative Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden besitzen. Zu den positiven Auswirkungen zählen u. a. Anregungs- und Aktivierungsprozesse, die aber hier nicht näher beschrieben werden sollen, da sie für den weiteren Verlauf, wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr muss sich der negativen Effekte angenommen werden, da sie und ihre Folgen den eigentlichen Gegenstand der Ausarbeitung bilden.

Wie bereits erwähnt, wirken psychische Belastungen auf alle Mitarbeiter, die sich diesen aussetzen, gleichermaßen ein. Aus diesen Belastungen entstehen wiederum individuelle unterschiedlich wahrgenommene psychische Beanspruchungen der Beschäftigten[5].

Psychische Beanspruchung ist „die zeitlich unmittelbare, individuelle Reaktion auf vorliegende psychische Belastungen im Menschen“. In die psychische Beanspruchung fließen neben den psychischen Belastungen auch persönliche Leistungsvoraussetzungen und Ressourcen mit ein. Dazu gehören die jeweilige Qualifizierung, Erfahrungen, die jeweilige Motivation, der Gesundheitszustand, aber auch die eigene Fähigkeit mit psychischen Belastungen umzugehen. Erst durch die individuelle Reaktion bei psychisch belastenden Einflüssen entscheidet sich, wie beanspruchend eine Tätigkeit oder eine Situation vom Einzelnen erlebt wird[6].

In diesem Zusammenhang ist in der Arbeitswissenschaft häufig vom Belastungs- Beanspruchungs- Konzept die Rede. Es handelt sich dabei um ein Ursache- Wirkung- Modell. Dabei stellt die Belastung die Ursache und die Beanspruchung die Wirkung dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Modell zur Veranschaulichung der Beziehung zwischen Belastung und Beanspruchung[7]

Die Beanspruchungsfolgen negativer psychischer Belastungen lösen wiederum, sofern sie über einen längeren Zeitraum nicht beseitigt werden, weitere Reaktionen aus. Im schlimmsten Fall kann es schließlich zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen kommen.

Stresszustände als Folge negativer Beanspruchung rücken immer mehr in den Betrachtungsradius der Wissenschaft. Zahlreiche Forschungsergebnisse belegen mittlerweile, dass arbeitsbedingter Stress eine wesentliche Rolle bei der Entstehung gesundheitlicher Beschwerden einnimmt.

2. Was ist Stress?

Ein Hinweis vorab: Im Folgenden wird nicht auf den Unterschied zwischen positiven (Eustress) und negativen (Disstress) Stress eingegangen werden. Einzig die negative Form von Stress ist im weiteren Verlauf der Arbeit von Interesse. Ebenfalls werden Stressreaktionen und Stressoren nur trivial und grob beschrieben. Auf diesen wenigen Seiten ist es nicht möglich, die ganze Komplexität und biologischen Zusammenhänge eingehend zu beschreiben[8]. Es würde den Rahmen der Arbeit sprengen und die eigentliche Thematik verfehlen.

Es gibt viele unterschiedliche Definitionen für Stress. Seinen wissenschaftlichen Ursprung hat der Begriff Stress aus dem Bereich der Materialprüfung. Im Englischen bedeutet „stress“ Druck, Gewicht, Belastung oder auch Anspannung und Verzerrung von Metallen oder Glas[9].

Heute müssen sich Regierungen, Institutionen aus der Finanzwirtschaft, ja sogar Atomkraftwerke und ganze Bahnhöfe sog. Stresstests unterwerfen, in denen ihre Belastbarkeit getestet wird.

Auf den Menschen bezogen stellt Stress ein Ungleichgewicht im Verhältnis von Mensch und Situation dar. Betrachtet man Stress als Resultat einer Transaktion zwischen Person und Situation, entsteht Stress immer dann, wenn die Bewältigung einer Anforderung für eine Person wichtig ist, die Person aber die eigenen Bewältigungsvoraussetzungen als nicht ausreichend einschätzt. Die Person vernimmt eine Imbalance zwischen Anforderung und Bewältigungsmöglichkeiten, die als unangenehm oder als bedrohlich wahrgenommen wird und emotional mit Gefühlen von Angst verbunden ist. Damit ist Stress „ein subjektiv unangenehmer Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, eine aversive Situation nicht ausreichend bewältigen zu können“[10].

Stress ist ein Alarmzustand mit körperlichen und psychischen Anzeichen. Die von der EU-Kommission verwandte Stress-Definition lautet:

"Arbeitsbedingter Stress lässt sich definieren als Gesamtheit emotionaler, kognitiver, verhaltensmäßiger und physiologischer Reaktionen auf widrige und schädliche Aspekte des Arbeitsinhalts, der Arbeitsorganisation und der Arbeitsumgebung. Dieser Zustand ist durch starke Erregung und starkes Unbehagen, oft auch durch ein Gefühl des Überfordertseins charakterisiert“[11]

2.1 Die Stressreaktion

Wichtiger als die Definition von Stress ist die Frage „Wie funktioniert Stress?“. Zur Beantwortung der Frage ist es sinnvoll, Stress als einen Prozess, eine Reaktion zu verstehen[12]. Ursprünglich ist Stress ein Reaktionsmuster des Menschen zur Vorbereitung auf Kampf oder Flucht im Falle eines Angriffs auf Leib und Leben. Diese Stressreaktion diente dazu, sämtliche Körper- und Lebensfunktionen auf Maßnahmen zur Sicherung des eigenen Überlebens auszurichten. Seit Urzeiten ist dieser Mechanismus im Menschen einprogrammiert. Dabei läuft folgender Prozess – einfach dargestellt – ab:

1. Alarmphase: Aktivierung des vegetativen Nervensystems (Beschleunigung von Herzschlag und Atmung), Anspannung der Muskulatur.
2. Handlungsphase: Angriff oder Flucht unter Verbrauch der bereitgestellten Energien.
3. Erholungsphase: Ausruhen/Regeneration, Auffüllen der Energiespeicher[13].

Bei Stress handelt es sich um eine natürliche Reaktion, die unter normalen Umständen vom Körper problemlos toleriert wird. Dies liegt daran, dass eine Stressreaktion in der Regel zeitlich befristet ist und gestoppt wird, sobald der die Reaktion auslösende Faktor, der Stressor, bezwungen ist.

Wird eine betroffene Person ständig mit neuen, zusätzlichen Stressoren konfrontiert und das Eintreten in die Erholungsphase bis zur vollständigen Regeneration ist nicht möglich, so erweitert sich der Prozess um zwei weitere Phasen:

1. Alarmphase
2. Handlungsphase
3. Erholungsphase
4. Überforderung: Daueralarm auf Grund ständig neu auftretender Stressoren, keine Erholung möglich.
5. Erschöpfungsphase: Auftreten von Fehlleistungen und Erkrankungen[14].

Scheitert also die Demobilisierung, also das Nicht-Zurückfahren der Stressreaktion, so beginnt sie zu einer Gefahr für den Organismus zu werden[15].

2.2 Stressoren: Auslöser der Stressreaktion

Dem Stressor und seiner individuellen Verarbeitung kommt ein großer Einfluss auf die Form und Dauer der resultierenden Stressreaktion zu. So erklärt es sich, dass Stressreaktionen höchst individuell verlaufen und bei zwei verschiedenen Personen in derselben Situation überaus unterschiedliche adaptive Prozesse zu beobachten sind. Zentral ist dabei, dass schädlicher Stress vor allem dann entsteht, wenn ein Stressor als Bedrohung empfunden wird und es nicht gelingt, die Situation trotz Anstrengung und Mobilisierung von Ressourcen aufzulösen und in den Griff zu bekommen[16].

Es gibt eine Vielzahl von Stressoren die auf den Menschen einwirken und Stressreaktionen auslösen können.

Soziale Stressoren: Konkurrenz, mangelnde Anerkennung.

Individuelle Stressoren: Versagensängste, familiäre Probleme.

Körperliche Stressoren: Verletzungen, Krankheiten.

Physikalische Stressoren: Lärm, Hitze.

In der Arbeitswelt kommt eine weitere Kategorie hinzu:

Arbeitsorganisatorische Stressoren und Leistungsstressoren: unklare/ widersprüchliche Anweisungen, mangelnde Mitwirkungsmöglichkeiten, Überforderung, enge Zeit- und Terminvorgaben[17].

Die Arbeitswelt ist aus mehreren Gründen eine potentielle Quelle für Stressoren, die im Endeffekt krank machen können. Wie bereits erwähnt, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, damit Ereignisse als Stressoren wirken. Erstens müssen sie ein bestimmtes Bedrohungspotential besitzen und zweitens muss ihre Intensität so hoch sein, dass die individuellen Ressourcen nicht ausreichen, um angemessen zu reagieren bzw. dass es nicht möglich ist, die Stressreaktion wieder auf ein Normalmaß zurückzufahren und für Erholung zu sorgen. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Bedrohungspotential einer Situation mit der individuellen Bedeutung des betroffenen Lebensbereichs ansteigt. Für einen Großteil der Bevölkerung ist die Erwerbsarbeit in mehrfacher Hinsicht der zentrale Bereich des Lebens. Arbeit bietet die Möglichkeit, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften, um so die elementaren Bedürfnisse zu befriedigen. Arbeit ermöglicht in einem hohen Maße die Teilhabe an gesellschaftlichen Chancen, Gütern und Macht. Arbeit bestimmt den sozialen Status innerhalb der modernen Gesellschaft. Arbeit bedeutet gesellschaftliches Prestige und bildet einen prägenden Faktor der Identitätsbildung[18].

3. Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz

Deutsche Arbeitnehmer fehlen immer öfter auf Grund psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Mittlerweile gehen fast zwölf Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage auf das Konto psychischer Leiden. Arbeitnehmer mit psychischen Erkrankungen fehlen im Schnitt drei bis sechs Wochen, bei einer depressiven Erkrankung liegt die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit sogar bei sieben bis zwölf Wochen. Die vorliegenden Zahlen sind die Auswertung der Gesundheitsreporte der gesetzlichen Krankenkassen durch die Bundespsychotherapeutenkammer für das Jahr 2010[19].

Hinsichtlich berufsbedingter Erkrankungen ist der Anteil der Beschwerden, die das Muskel-Skelett- Systems betreffen, traditionell am größten, wobei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. Beim Anteil der psychischen und der Verhaltensstörungen hingegen ist ein drastischer Anstieg zu verzeichnen und die Tendenz ist weiter steigend. Ein Zusammenhang zwischen arbeitsbedingtem Stress und psychischen Erkrankungen ist somit nicht zu bestreiten. Es wird geschätzt, dass bis 2020 psychische Erkrankungen, insbesondere die depressiven Verstimmungen, nach den Herzerkrankungen an zweiter Stelle der weltweiten Krankheitsbelastung stehen werden[20].

[...]


[1] http://www.tagesspiegel.de/sport/depressionen-und-burnout-syndrom-verletzt-an-der-seele/4657140.html (Zugriff 23. März 2012)

[2] http://www.stern.de/sport/fussball/robert-enke-gedenkfeier-theo-zwanzigers-bewegende-trauerrede-1521999.html (Zugriff 23.März 2012)

[3] Dettmer, Markus/ Tietz, Janko: Jetzt mal langsam, in: Der Spiegel, Nr. 30, 25.07.2011, S. 60.

[4] Nawrath, Carola: Psychische Belastungen und Beanspruchungen, in: Bundesverband der Unfallkassen (Hg.): Psychische Belastungen am Arbeits- und Ausbildungsplatz – ein Handbuch. Phänomene, Ursachen, Prävention, München 2005, S. 12.

[5] http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Psychische-Fehlbelastung-Stress/ISO10075/FAQ/01/FAQ-01_content.html#faq1 (Zugriff: 23.03.2012)

[6] Nawrath (Psychische Belastungen und Beanspruchungen), S. 13.

[7] http://www.ergonassist.de/bel-bean_gefaehrdung/Belastung_Beanspruchung_Gefaehrdung.htm (Zugriff: 24.03.2012)

[8] Dragano, Nico: Arbeit, Stress und krankheitsbedingte Frührenten. Zusammenhänge aus theoretischer und empirischer Sicht, Wiesbaden 2007, S. 72.

[9] Walgenbach, Heike: Stress, in: Bundesverband der Unfallkassen (Hg.): Psychische Belastungen am Arbeits- und Ausbildungsplatz – ein Handbuch. Phänomene, Ursachen, Prävention, München 2005, S. 51.

[10] Ducki, Antje: Stress und Ressourcenmanagement, in: Busch, Christine/ Roscher, Susanne/ Ducki, Antje/ Kalytta, Tanja (Hg.): Stressmanagement für Teams in Service, Gewerbe und Produktion- ein ressourcenorientiertes Trainingsmanual, Heidelberg 2009, S. 16.

[11] http://www.ergo-online.de/site.aspx?url=html/gesundheitsvorsorge/psychische_belastungen_stress/ psychische_belastungen.htm (Zugriff: 23.03.2012)

[12] Walgenbach, S. 52.

[13] Robben, Claudia: Was ist Stress?, in Barmer GEK (Hg.): Kein Stress mit dem Stress. Ein kleiner Ratgeber zum richtigen Umgang mit Stresssituationen, Wuppertal, 2011, S. 7.

[14] Walgenbach S. 55.

[15] Dragano, S. 72.

[16] Ebd. S. 74.

[17] Walgenbach, S. 53.

[18] Dragano, S. 75- 76.

[19] http://www.bptk.de/presse/pressemitteilungen/einzelseite/artikel/arbeitnehmer.html (Zugriff: 26.03.2012)

[20] http://www.bdp-verband.de/aktuell/2008/bericht/BDP-Bericht-2008_Gesundheit-am-Arbeitsplatz.pdf (Zugriff: 26.03.2012)

Details

Seiten
39
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656975014
ISBN (Buch)
9783656975021
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300542
Institution / Hochschule
Universität Bremen – FB 11 Human-und Gesundheitswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Depression Fußball Arbeitswissenschaft psychische Erkrankungen Burn Out Stress Profifußball Arbeit und Gesundheit

Autor

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