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Die Teile der Katholischen Messfeier im Vergleich zum Evangelischen Gottesdienst

Hausarbeit 2004 30 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 LITURGIEGESCHICHTE

3 DIE MEßFEIER
3.1 Eröffnung
3.2 Wortgottesdienst
3.3 Eucharistiefeier
3.4 Abschluß

4 VERGLEICH ZUM EVANGELISCHEN GOTTESDIENST
4.1 Realpräsenz
4.2 Priesterfrage

5 FAZIT

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Geschichte Christentum

Tabelle 2: Vergleich katholische Messe und Gottesdienst (Frieling 1991:39)

1 Einleitung

Wir leben derzeit in einem Spannungsfeld, daß von Glaubenskriegen definiert ist. Zwar läßt sich sagen, daß die radikalen muslimischen Gruppen um die Al Quaida nur unter der Tarnung dieses Glaubenskriegs Haß schüren. Ebenso könnte bei dem Kampf der Israelis gegen die Palästinenser ein anderer Hintergrund bestehen. Und in Irland? Warum bekämpfen sich dort immer noch die Katholiken und die Protestanten? Hier sollen jedoch nicht alle Probleme, die sich in konfessionellen Gegensätzen begründet sein können, gelöst werden.

In dieser Arbeit wird die Frage erörtert, inwieweit sich die katholische Messe und der evangelische Gottesdienst von einander unterscheiden.

Zunächst richtet sich das Augenmerk auf die geschichtlichen Aspekte und beleuchtet somit historische Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die zur heutigen Ausprägung der Gottesdienste geführt haben.

Daran anschließend wird der Ablauf der Meßfeier dargelegt und dort bereits Parallelen und Differenzen zum Konfessionspendant erläutert.

Nicht zuletzt werden die Hauptargumente beschrieben, die letztlich dazu führen, daß auch heute noch kein gemeinsames Abendmahl von evangelischen und katholischen Christen möglich ist.

Äußern sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der eigentlichen Darbietungs- und Ausübungsform des Glaubens -,dem Gottesdienst-? Sind die beiden Hauptrichtungen des christlichen Glaubens zu verschieden, um eins zu sein, aber zu gleich um als grundsätzlich verschieden angesehen zu werden?

2 Liturgiegeschichte

Der Begriff „Liturgie“ faßt die Riten, Zeremonien und Offizien der Kirche zusammen, welche die Art beschreiben, dem Gott zu huldigen. Der eigentliche Begriff entstand erst im 20. Jahrhundert (Metzger 1998:10). Die Liturgie ist zentraler Bestandteil für die Tradition der Kirche, die von Generation zu Generation weitergegeben wird (Metzger 1998:13). Damit ist gewissermaßen eine Bedienungsanleitung zum Glauben gegeben, die als Richtschnur gilt. Sie ist im Verlauf der Jahre stets modifiziert worden und wird auch stetig überarbeitet. Um einen Eindruck davon zu bekommen, woraus sich der uns geläufige Glaube entwickelt hat, wird im Folgenden ein kurzer Rückblick gegeben, der die Zeit nach Christi Geburt besonders betont, da mit der lutherischen Revolution die für diese Arbeit relevanten Glaubensrichtungen entstanden sind.

Auch die Christen huldigten ihrem Gott in einer Art Opferkult. Die brachten täglich tierische Opfer, deren bestes Fleisch sie zu Ehren unseres Gottes verbrannten, auf daß ein „Wohlgeruch zu ihm aufsteigen sollte“. Die Ehre der Opferung wurde ausschließlich der Priesterklasse zuteil. (Metzger 1998:8)

Mit der Ankunft Jesu Christi änderte sich dies grundlegend. Er definierte sich als „vom Himmel herab gekommes lebendiges Brot“ (Joh 6,51 zit. nach Metzger 1998:8). Opferten die Menschen ihrem Gott zuvor ihre besten Tiere und dienten ihm so, war es nun umgekehrt. In Gestalt Jesu (be-) diente Gott die Menschen. Dadurch bekam das Wort „Gottesdienst“ eine ganz andere Bedeutung. Gott kommunizierte über die „Mitteilung des Wortes, des Brots und des Weins“ mit den Gläubigen (Metzger 1998:8f.).

Die Art, wie die Menschen die Eucharistie begingen, wich teilweise stark ab. So entschieden insbesondere materielle Möglichkeiten, geistiger und kultureller Horizont, sowie die politisch soziale Lage darüber (Metzger 1998:11).

Das Brotbrechen selbst wurde mancherorts im 1. Jahrhundert auch als „Herrenmahl“ bezeichnet. Im eigentlichen Sinne wurden gemeinsame Mahle vorbereitet, zu denen man sich versammelte. Dabei wurden Ansprachen gehalten, die Gott ehrten. In Zeiten der Hungersnöte war es nötig, karikative Spenden von Brot zu veranstalten (Metzger 1998:27). Die Passage im Vaterunser „unser täglich Brot gib uns heute“ könnte als Zeugnis der schlimmen Zeiten mit in unsere Zeit überliefert worden sein.

Literarisch gesehen, basiert das Christentum auf der hebräischen Bibel, deren Inhalte das Alte Testament der christlichen Bibel darstellen. Im jüdischen Glauben wird ebenfalls die hebräische Bibel zu Grunde gelegt. Die darin beschriebene „Geschichte [Gottes] mit dem Volk Israel“ (Scherer 2003:11ff.) führt zu einer gemeinsamen Basis von Juden- und Christentum. Das Neue Testament der christlichen Bibel spricht von der Art und Weise, wie sich Gott durch Jesus Christus den Menschen offenbarte. Ferner enthält es Geschichten und Briefe von Jesus, dessen Jüngern und weiteren Anhängerinnen des Christentums aus dem 1. Jhd. nach Christus (Scherer 2003:12f.).

Daraus läßt sich ersehen, daß nicht nur die beiden größten Konfessionen Deutschlands, römisch-katholisch und evangelisch, sondern auch das Judentum, gemeinsame Wurzeln haben. Beispielsweise haben die Christen vom Judentum den Wochenrhythmus übernommen, mit dem heiligen Sonntag, an dem Christus auferstand von den Toten (Metzger 1998:32).

Ein Blick auf die geschichtlichen Zusammenhänge, insbesondere deren Chronologie, unterstreicht die Gemeinsamkeiten. So zeigt die folgende Tabelle 1 auf, daß sich im Jahr 1054 die römisch-katholische Kirche als „Kirche des Westens“ etablierte und erst etwa 500 Jahre später durch Martin Luther die protestantische Konfession herausbildete.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Geschichte Christentum (Scherer 2003:0)

Die Adjektive „evangelisch“ und „protestantisch“ werden synonym verwandt. Im Wortsinn meint protestantisch, „eine Behauptung, Forderung, einen Vorschlag, o.ä. als unzutreffend, unpassend zurückweisen, widersprechen“ (Drosdowski 1997:666). Beginnend mit den lutherischen Thesen und über Veröffentlichungen wie „Von der Freiheit des Christenmenschen“ widersprach Luther dem totalitären und papstzentrierten katholischen Weltbild. Zur Entwicklung einer protestantischen Konfession trug auch die Übersetzung des Neuen Testaments bei, welche Luther im Jahr 1522 veröffentlichte. Dadurch ist die ehemals wenigen zugängliche Literatur in die Öffentlichkeit vorgedrungen. Luthers Weltsicht wird als „in scharfem Gegensatz zur katholischen Kirche“ beschrieben. Dies zeigt sich auch in seiner letzen Schrift „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“, welche 1545 erschien. (o.V. 1995B:6197).

In Deutschland herrschen im Wesentlichen zwei Glaubensrichtungen vor. Zum Einen ist dies laut REMID für November 2001 die rhömisch-katholische Kirche mit 27 Millionen, oder 32,9% der Bevölkerung. Zum Anderen die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) mit 26,8 Millionen , oder 32,6%. (o.v. 2004). Diese Zahlen können dahingehend interpretiert werden, daß es im Grunde gleichberechtigte Konfessionen sind, die in friedlicher Koexistenz in Deutschland zusammenleben.

Der wesentliche Unterschied beider kulminiert sich in zwei folgenden Aussagen:

Michael Schmaus, katholisch, faßt seine Sicht des Christentums zusammen als „Vom Wesen des Christentums reden, heißt vom Wesen der Kirche sprechen“. Gerhard Ebeling, evangelisch, kommentiert: „Fragt man nach dem Wesen des Christentums, so muß man nach dem Wesen des christlichen Glaubens fragen“ (Frieling. 1991:12f.)

Die zentralistischen Tendenzen der katholischen Kirche und die auf den Glauben des einzelnen fokussierte protestantische Glaubensrichtung spiegeln sich auch in den Meßfeiern beziehungsweise dem Gottesdienst wider, die im Folgenden behandelt werden.

3 Die Meßfeier

Schon in der Bibel selbst ist zu lesen, daß „man auf magische Formeln verzichtet und sich im Gebet ausschließlich einer verständlichen (...) Ausdrucksweise befleißigt (Mat 6,7 zit. nach Metzger 1998:139). Zu Beginn des Christentums war die Mehrheit noch der Lateinischen Sprache mächtig, so daß dieser Umstand erfüllt wurde. Aber mit zunehmender Christianisierung und damit geographischer Ausbreitung nahmen auch die kulturellen und vor allem sprachlichen Differenzen zu. Das führte in erster Linie dazu, daß es zu einer Mystifizierung der Messen kam, denn die Gläubigen verstanden nicht mehr, was sie im Kanon zu Gott beteten (Metzger 1998:139).

Mit Aufkommen des Buchdrucks im Mittelalter und der einhergehenden Zentralisierungsbestrebungen der katholischen Kirche wurde der traditionelle Kurs verstärkt, weil zuvor Liturgien in erster Linie mündlich überliefert und in vielen Varianten abgehandelt wurden, führte es zu zwei Phänomenen.

Zum Einen ist die aus kirchlicher Sicht anstrebenswerte Vereinheitlichung der Glaubensvermittlungen zu nennen. Zum Anderen ist damit eine quasi Unveränderlichkeit manifestiert worden. Da die Liturgie aus sprachlichen Gründen der Mehrheit der Christen verschlossen blieb, war eine dringend nötige pastorale Veränderung nicht mehr möglich. (Metzger 1998:138)

Menschen aus allen sozialen Schichten und Völkern kommen zusammen, um den Gottesdienst miteinander zu feiern. Ihre Gemeinsamkeit ist die Taufe und der Glaube an Jesus Christus. Die Unterschiedlichkeit der Menschen bringt auch unterschiedliche Glaubenspraxis hervor. Verschiedene Gottesbilder, Erfahrungen, Erlebnisse und Grundhaltungen resultieren in einem differenzierten Einsatz jedes Einzelnen in der Gemeinde.

Die ersten Christen spürten, dass der Christ nicht allein sein kann. Der Glaube an die Auferstehung Jesu führt Menschen regelmäßig zusammen und macht sie zu Schwestern und Brüder, wo einer den anderen stützt. Gemeinsame Erinnerung an Jesus Christus, und die Erfahrungen, dass Jesus gegenwärtig unter ihnen ist prägen ihre Feiern.

Zuerst kamen die Christen in kleinen Gemeinschaften in Privathäusern zusammen. An keiner Stelle wird der Ort, wo sich die christliche Gemeinde zur Liturgie versammelt, als Haus Gottes bezeichnet. Wo sich die Gemeinde Gottes versammelt, ist geheiligter Raum. Nicht die Würde eines der Gottheit vorbehaltenen Hauses teilt sich der Gemeinde mit, sondern umgekehrt: Die Würde der Gemeinde adelt den Raum. (Opp, Heribert 2003) Dies äußert sich auch in folgendem Bibelzitat:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt. 18,20 zit. nach Opp 2003).

Deswegen wundert es nicht, daß das Haus der Gemeindeversammlung in den ersten Jahrhunderten eine sekundäre Rolle spielte. Die jüdische und heidnische Vorstellung vom Wohnen Gottes in besonderen Räumen hatte für die Christen keine Gültigkeit mehr. So stellt Paulus vor den Athenern fest: „der Gott, der den Kosmos und alles in ihm erschaffen hat, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen gemacht sind“ (Apg 17,24 zit. nach Opp 2003).

Als die Wohnungen der Christen im 3. Jahrhundert nicht mehr ausreichten, um die Ortsgemeinden zu versammeln, entstanden die ersten Kirchenbauten. Vom 4. Jahrhundert an wurden die großen Basiliken erbaut. Man sieht in ihnen nicht Tempel nach heidnisch-jüdischer Art, sondern das Haus der Gemeinde Christi. Die Christengemeinden wurden größer. Es entstanden Gemeinden im ganzen Mittelmeerraum, deren Glieder Jesus selbst nicht mehr gesehen und gekannt haben. Dieser Umstand der aussterbenden Augenzeugen, die über die Präsenz Jesu berichten konnten führte zu einem Substitut. Es wurden Lesungen gehalten und die Feier bekam einen festen Rahmen, der gleichsam für einen Wiedererkennungswert in verschiedenen Gemeinden sorgte (Opp, Heribert 2003).

Das ältestes Zeugnis stammt aus dem 2. Jahrhundert, von Justin, der den christlichen Glauben verteidigte. Von hier an gibt es auch die älteste Darstellung der Grundelemente der Eucharistischen Feier (Meßner 2001:168).

Während des 3.-6. Jahrhunderts tauchen verschiedene Formen von Liturgien auf, die sich immer mehr verfestigt haben. z.B.in Antiochien die Jakobusliturgie, in Alexandrien die Markusliturgie, in Jerusalem, Byzanz und Rom die römische Liturgie. In dieser Zeit entstand auch der Übergang von der griechischen in die lateinische Sprache. Ebenfalls wurde während dieser Zeit die Form der römischen Messfeier festgeschrieben der sogenannte römische Kanon (Opp, Heribert 2003). Meßner ergänzt, daß es nicht möglich sei, den Übergang von ur- oder frühchristlichen Mahlfeiern zum Meßschema nachzuvollziehen, da es keine geeigneten Quellen dafür gebe. (Meßner 2001:168).

Wie Meßner schildert, werde in allen großen Kirchen, mit Ausnahme einiger evangelischer Kirchen der eucharisischen Versammlung das Schema der Messe zugrunde gelegt. Daher wird im folgenden der Ablauf beschrieben und die Bedeutung der Handlungen aufgezeigt.

Die Meßfeier besteht aus verschiedenen Elementen, oder auch Phasen. Diese sind im römisch-katholischen, wie im evangelischen Glauben grundsätzlich gleich.

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638314060
ISBN (Buch)
9783638650571
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30050
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
sehr gut
Schlagworte
Teile Katholischen Messfeier Vergleich Evangelischen Gottesdienst Bibel

Autor

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