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Ist die Europäische Währungsunion ein optimaler Währungsraum?

Seminararbeit 2015 23 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Was ist eine Währungsunion?

3. Was ist die Europäische Währungsunion?

4. Theorie optimaler Währungsräume
4.1 Ansatz von Robert A. Mundell
4.2 Ansatz von Ronald McKinnon
4.3 Ansatz von Peter Kenen

5. Ist die EU ein optimaler Währungsraum?
5.1 Kriterium der Faktormobilität
5.2 Kriterium des Offenheitsgrades
5.3 Kriterium der Diversifikation

6. Fazit und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: EU – Mitgliedstaaten mit Eurowährung

Abb. 2: Offenheitsgrad – Exporte plus importe zum BIP im Jahr 2013

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Nach dem zweiten Weltkrieg war die währungspolitische Integration Europas von Antagonismus zwischen Frankreich und Deutschland geprägt. Der Marshallplan und das deutsche Wirtschaftswunder, verhalfen der Deutschen Mark zu einer zunehmend starken Position unter den europäischen Währungen, was zu Spannungen mit Frankreich führte. Die Einbindung Deutschlands in die Montanunion und in der späteren EWG und Euratom sollten dessen starke Position deswegen eindämmen. Der Dollarverfall in den 80er Jahren bestärkte aber die Initiative viele Länder Europas, angeführt von Frankreich und Deutschland, das Europäische Währungssystem (EWS) zu gründen. Das eindeutige Ziel war die Schaffung einer Zone der Stabilität. Das EWS hat wesentlich dazu beigetragen in der EG sowohl die Bereitschaft zu wirtschaftspolitischer Konvergenz, als auch zu währungspolitischer Zusammenarbeit zu stärken. Dies ist auch der Grundstein des im Jahr 1991 formulierten Maastricht-Vertrages, der wiederum als Kompromiss zwischen unterschiedlichen Strömungen zu verstehen ist: Die Europäische Kommission sah in der EWU den richtigen Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion. Nach vielen gescheiterten Versuchen löste der Euro dann am 1.1.1999 die nationalen Währungen zumindest einiger Mitgliedstaaten ab. Der Traum einer Europäischen Währungsunion wurde damit verwirklicht.

1.2 Problemstellung und Zielsetzung

Bei der Gründung der EWU waren eher politische, statt wirtschaftliche Interessen ausschlaggebend. Denn bereits vor der Einführung der EWU im Jahr 1999 wurde intensiv darüber gestritten, ob die beteiligten Länder einen optimalen Währungsraum bilden könnten oder nicht. In der folgenden Arbeit soll nachträglich untersucht werden, inwiefern die heutige EWU die Kriterien eines optimalen Währungsraums erfüllt oder nicht.

1.3. Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst erläutert, was eine Währungsunion ist und welche Vor- und Nachteile eine Währungsunion für die beteiligten Länder mit sich bringt. Darauffolgend wird dem Leser erklärt, was die EWU ist, welche Länder ihr angehören und welche Kriterien ein Beitrittskandidat vor dem Beitritt erfüllen muss. Anschließend wird die Theorie optimaler Währungsräume und die drei klassischen Ansätze erläutert. Im fünften Teil wird die EWU auf Grundlage der vorgestellten Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume evaluiert. Abschließend wird eine Schlussfolgerung der Untersuchung gezogen und ein Ausblick in die Zukunft gewagt.

2. Was ist eine Währungsunion?

Unter einer Währungsunion versteht man das Führen einer gemeinsamen Währung von zwei oder mehreren Ländern.[1]

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten wie eine Währungsunion entstehen kann. Eine Möglichkeit ist, dass die beteiligten Länder anhand einer vertraglichen Abmachung eine neue gemeinsame Währung schaffen, oder eine der bestehenden Währungen zur gemeinsamen Währung erklären. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die EWU mit dem Euro als gemeinsame Währung.[2]

Die zweite Möglichkeit ist, dass ein Land die Währung eines anderen Landes übernimmt. Man spricht in diesem Fall auch von einer unilateralen oder de facto Währungsunion. Beispiele dafür sind Länder wie Andorra, Kosovo oder Montenegro, die den Euro praktisch als Währung nutzen, auch wenn sie nicht der EWU angehören. Da aber eine Währungsunion per Definition eine einheitliche Währung hat, müssen alle beteiligten Länder auch eine gemeinsame Währungspolitik führen. Diese wird entweder von einer einzigen gemeinsamen Zentralbank gemacht oder aber die nationalen Zentralbanken bestehen weiterhin und die Geldpolitik wird einfach von einer gemeinsamen Notenbank koordiniert.

„Eine Währungsunion kann folgende Vorteile für die beteiligten Länder bringen:

Administrative Vereinfachungen für die Unternehmen, aufgrund einheitlicher Währung.

Keine Wechselkursrisiken bei Transaktionen innerhalb der Währungsunion.

Stabilere Währung, wenn die gemeinsame Zentralbank eine restriktivere Geldpolitik fährt, weil sie z.B. unabhängiger von der nationalen Regierung ist.

Mehr Wettbewerb zwischen den beteiligten Ländern, weil grenzüberschreitende Transaktionen einfacher und die Preise besser vergleichbar sind.

Eine Währungsunion kann aber auch Nachteile mit sich bringen:

Auftreten von Schocks bei Ländern mit einer anderen Wirtschaftsstruktur als die Mehrheit der Mitgliedsländer. Die zwingend gemeinsame Währungspolitik kann deshalb für einzelne Länder überhaupt nicht angemessen sein.

Wenn die einzelnen Länder noch gewisse Zentralbankkompetenzen haben, kann ihre Geldpolitik negative Auswirkungen auf die anderen Länder der Währungsunion haben.

Wenn einzelne Länder eine zu expansive Fiskalpolitik betreiben (hohe Staatsausgaben) kann dies ebenfalls negative Auswirkungen auf die anderen Länder haben.

Aus diesem Grund gibt es in den meisten Währungsunionen (z.B. auch in der Europäischen Währungsunion) Höchstgrenzen für die Staatsdefizite und Schuldenquoten der Mitgliedsländer. Oftmals entstehen Währungsunionen im Zusammenhang mit Freihandelsräumen oder sogar einer engen politischen Zusammenarbeit der Mitgliedsländer.“[3]

3. Was ist die Europäische Währungsunion?

Die EWU bezeichnet den Zusammenschluss von EU-Mitgliedsstaaten auf dem Gebiet der Geld- und Währungspolitik. Seit ihrer Gründung 1999 mit elf Staaten (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien) traten mit Griechenland (2001), Slowenien (2007), Malta und Zypern (2008), der Slowakei (2009), Estland (2011) und Lettland (2014) sieben weitere Staaten bei. Folgende Grafik veranschaulicht, welche Länder der Währungsunion angehören und den Euro als Zahlungsmittel eingeführt haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: EU – Mitgliedstaaten mit Eurowährung [4]

Die EU-Staaten, die den Euro noch nicht eingeführt haben, sind grundsätzlich verpflichtet, der Währungsunion beizutreten, sobald sie die im EG-Vertrag festgelegten Konvergenzkriterien erfüllen. Ausnahmen bilden Dänemark und Großbritannien, die eine Sonderstellung haben ("Opting-out-Klausel"). Sie können aufgrund Ihrer Sonderstellung selbst entscheiden, ob sie Teil der EWU werden wollen, sofern sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

Damit ein EU-Mitglied der EWU beitreten kann, muss es zuerst bestimmte Kriterien erfüllen. Um zu beurteilen ob ein potenzieller Teilnehmer die Stabilität für einen Beitritt erreicht hat, sind im EG-Vertrag die sogenannten "Konvergenzkriterien" festgelegt worden, nach denen entschieden wird, ob ein Land den Euro einführen kann und darf. Bei den Konvergenzkriterien handelt es sich um folgende Punkte:

„Preisstabilität:

Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über derjenigen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer der Europäischen Union liegen.

Höhe der langfristigen Zinsen:

Die langfristigen Nominalzinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über den entsprechenden Zinssätzen der drei preisstabilsten Mitgliedsländer der Europäischen Union liegen.

Haushaltsdisziplin:

Das jährliche öffentliche Defizit sollte grundsätzlich nicht mehr als 3 %, der öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 % des Bruttoinlandsprodukts betragen.

[...]


[1] Vgl. Mundell, R. (1961), S. 4

[2] Vgl. Tavlas, S. (1994) , S. 94

[3] Vimentis: Lexikon Währungsunion

[4] Deutsche Bundesbank(http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Bilder/Bildstrecken/Mediathek/Infografiken/Europa/2011-08-15-Waehrung.jpg%3F__blob%3Dposter%26v%3D10)

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656976400
ISBN (Buch)
9783656976417
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300485
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
Währungsraum Währungsunion Optimal Ronald McKinnon Peter Kenen Robert Mundell

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