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Ethik und Politik bei Aristoteles und Platon. Ein Vergleich

Hausarbeit 2007 20 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Leben Platons

3. Das Leben des Aristoteles

4. Ethik
4.1 Ethik bei Platon
4.1.1 Die Seele
4.1.2 Die Seelenteile
4.1.3 Die Unsterblichkeit der Seele
4.1.4 Die Tugenden
4.1.5 Die Gerechtigkeit
4.1.6 Die Lebensformen
4.1.7 Die Ideen
4.2 Ethik bei Aristoteles
4.2.1 Güterlehre
4.2.2 Lebensformen
4.2.3 Tugendlehre
4.3 Gemeinsamkeiten der platonischen und aristotelischen Ethik
4.4 Unterschiede der platonischen und aristotelischen Ethik

5. Politik
5.1 Politik bei Platon
5.1.1 Utopia
5.1.2 Die Philosophenherrschaft
5.1.3 Formen des Verfalls
5.2 Politik bei Aristoteles
5.2.1 Der Mensch ist von Natur her zoon politikon
5.2.2 Die Polis
5.2.3 Die Verfassungstypen
5.2.4 Die Frage nach der besten Verfassung
5.3 Gemeinsamkeiten der platonischen und aristotelischen Politik
5.4 Unterschiede der platonischen und aristotelischen Politik

6. Fazit

7. Schluss

8. Anhang

1. Einleitung

Das moderne Bewusstsein hält oftmals die Ethik getrennt von der Politik. Obwohl das moderne Bewusstsein sich vergeblich wünscht Ethik und Politik zusammenzubringen erscheinen ihm ethische Prinzipien nur als gut gemeinte Postulate, die sich am bloßen Sollen orientieren, aber in der politischen Wirklichkeit nur selten befolgt werden. In der Philosophie des klassischen Griechentums besteht keine Kluft zwischen Ethik und Politik, vielmehr ist die Ethik in der Politik inbegriffen.1

Dieser Gedanke, der Zusammengehörigkeit von Ethik und Politik und dass nur auf dem Boden eines geordneten Gemeinwesens Sittlichkeit und Kultur entstehen könne ist seit dem Zeitalter Homers und Hesiods immer wieder wiederholt worden. Als Unterlage diente die Erkenntnis, dass der Mensch als sittliches Wesen in dem Rahmen eines gesellschaftlichen Ganzen unverzichtbar sei, so dass die sittliche Erziehung der Menschen als die oberste Aufgabe aller politischen Tätigkeiten angesehen werden konnte. Diese soziale Tendenz in der Ethik ist als Reaktion gegen den ethischen Individualismus hochgekommen, der im öffentlichen Leben Griechenlands seit den Perserkriegen aufkam und durch bestimmte Sophisten verteidigt wurde.2

Der Schwerpunkt dieser Arbeit ist auf die Themen Ethik und Politik gerichtet, indem Aspekte der Staatsphilosophie Platons mit denen seines Schülers Aristoteles verglichen werden. Um nun die groben Gemeinsamkeiten und Differenzen beider Denker herauszuarbeiten, bietet es sich aus dem Grund der Übersichtlichkeit an, zuerst die Ethik und anschließend die Politik beider Staatsphilosophen aufzuzeigen und zu vergleichen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, neben dem Aufzeigen von Gemeinsamkeiten und Differenzen der Philosophie beider Autoren, dem Leser einen Grundlegenden Einblick in die platonisch- aristotelische Auffassung des Staates und damit auch in das Selbstverständnis des klassischen Denkens zu gewähren.

Neben den Werken „Politik“ und „Nikomachische Ethik“ von Aristoteles und Platons Werk „Der Staat“ wurde Literatur des westlichen Sprachraums in dem Zeitraum von 1919 bis 2006 verwendet.

2. Das Leben Platons

Platon wurde 427 v. Chr. in Athen als Sohn von Periktione und des Ariston -einer angesehenen adligen Familie- geboren3, und hätte aufgrund seiner Herkunft aus der Oberschicht Athens eine Politikerkarriere ausüben können. Doch Platon entfremdete sich von seiner Vaterstadt und deren Politik aufgrund traumatischer Erfahrungen, die er dort erfuhr. Den Tod seines Lehrers Sokrates, der hingerichtet wurde, verstand er als Tod des Gerechten in einer ungerechten Stadt. Denn eine Stadt, die den einzig wahrhaft gerechten verurteilt, richtet sich selbst. Ebenso abschreckend fand er die Politik, die sein Verwandter Kritias betrieb. Dieser errichtete ein Schreckensregiment dem etliche politische Gegner zum Opfer fielen. Entfremdet und abgeschreckt von der Politik begab er sich auf Reisen. Seine Reise führte nach Sizilien an den Hof des Tyrannen von Syrakus - Dionysios. Platon bildete eine Freundschaft mit Dionysios Schwager Dion. Doch durch ein Zerwürfnis mit Dionysios wurde er verbannt.4 Daraufhin kehrte er nach Athen zurück und begründete um 387 v. Chr. im heiligen Hain des Akademos die danach benannte Akademie als die erste Athener Philosophenschule. Bis sie 529 n. Chr. von dem oströmischen Kaiser Justinian I geschlossen wurde, war sie die bedeutendste Universität der antiken Welt.5 Durch eine zweite Reise nach Sizilien auf Einladung des Tyrannen Dyonisios II, hoffte er den neuen jungen Machthaber für die Realisierung seines Idealstaates zu gewinnen. Doch Platon pflegte ein inniges Verhältnis zu Dion, der selbst dynastische Interessen verfolgte. Dyonysios II misstraute daher beiden und bezichtigte Dion des Hochverrats und internierte Platon. Im Jahre 365 v. Chr. gelingt Platon die Rückkehr nach Athen, womit auch seine zweite Reise mit einer Enttäuschung endete. Um das Jahr 368 v. Chr. trat Aristoteles in die Akademie ein. Platon tritt um das Jahr 361 v. Chr. seine 3. Reise nach Sizilien an, die aber ebenfalls erfolglos enden sollte.6 Daraufhin beendete er seine politischen Aktivitäten und widmete sich der Schriftstellerei und seinen Lehrtätigkeiten. Das Leben Platons endete 347 v.Chr.7

3. Das Leben des Aristoteles

Aristoteles wurde 384 v. Chr. als Sohn des Arztes Nikomachos und der Phaistis in der Stadt Stageira in Makedonien geboren. Im Alter von 17 Jahren kam er nach Athen und trat in Platons Akademie ein, der er 20 Jahre lang - anfangs als Student später als Lehrer - bis zum Tode Platons angehörte.8 Er verließ dann Athen, zum einen weil er nicht Platons Platz als Leiter der Akademie erbte, und zum anderen auch aufgrund der antimakedonischen Stimmung die in Athen herrschte. Aristoteles wurde an den makedonischen Hof gerufen und unterrichtete dort Alexander den Großen vor dessen Thronbesteigung. Über Aristoteles´ Einfluss auf einen der größten Eroberer der Geschichte gibt es viele Ungewissheiten, wenige Beweise und daher eine Vielzahl von Geschichten und Legenden. Gewiss ist jedoch, dass Aristoteles Alexander insgesamt nur drei Jahre, von seinem 13. bis zu seinem 16. Lebensjahr, unterrichtete. Durch veränderte politische Umstände kehrte Aristoteles nach Athen zurück und unterrichtete zwölf Jahre lang am Lykeion - einem für jedermann zugängliches Gymnasium. Nach dem Tode Alexanders gewann die antimakedonische Stimmung in Athen Oberhand, und Aristoteles kam aufgrund der damals engen Verbindung mit dem makedonischen Königshaus in Bedrängnis und zog sich auf das Landgut seiner Mutter bei Chalkis auf Euböa zurück und verstarb dort. Aristoteles wurde 62 Jahre alt.9

4. Ethik

Ethik ist in der Philosophie des klassischen Griechentums das grundsätzliche Wissen vom glücklichen Leben und den Tugenden des Menschen.10

4.1 Ethik bei Platon

4.1.1 Die Seele

Die Seele ist für Platon individuell und stellt das Mittlere zwischen Idee und Sittlichkeit dar, und fungiert damit als der Ort der Ideenerkenntnis. Seiner Ansicht nach ist die Seele nicht einheitlich, sondern besteht aus mehreren Teilen.11

Dies versucht er anhand eines seelischen Konfliktes zu erklären. Platon nimmt als Beispiel dafür einen Kranken, der durstig ist, aber sich dessen bewusst ist, dass das Trinken ihm schade. Demnach gibt es einen Teil seiner Seele der Trinken möchte und einen Teil, der dies nicht will. Der Teil der trinken möchte ist Platons Ansicht nach die Begierde und der Teil, der dies nicht will stellt die Vernunft dar. Wenn der Kranke seinem Trieb nachgeht und trinkt, wird es ihm später schlecht gehen und er wird sich ärgern nicht auf seine Vernunft gehört zu haben. Dieser Ärger entspricht einem seelischen Konflikt der daher rührt, dass die Vernunft ihren Teil, nämlich richtig zu denken und über die beiden anderen Seelenteile zu herrschen, nicht nachgegangen ist. Ebenso hat der Seelenteil der Begierde sich nicht nur auf seine Aufgabe beschränkt, sondern in das

Tätigkeitsfeld der Vernunft eingegriffen. Laut Platons Definition von Gerechtigkeit, dass jeder das Seine tun solle, herrschte demnach in diesem Beispiel Ungerechtigkeit.12

4.1.2 Die Seelenteile

Durch dieses Beispiel ist deutlich geworden, dass die Seele nicht einheitlich ist. Doch dadurch ist noch nicht gesagt worden wie Platon die Seele definiert.

Nun, die Seele besteht für Platon aus den drei Teilen, Begierde, Mut und Vernunft, wobei es der Seelenteil der Vernunft ist, der die jeweils anderen führen und lenken soll. Somit wird die Seele ernährt von den Begierden, verteidigt vom Mut und regiert von der Vernunft. Diese Dreiteilung der Seele veranschaulicht Platon durch das Bild einer Chimäre. Diese besteht aus der Hülle eines Menschen in dessen Innerem sich ein Löwe (Mut), ein vielköpfiges Ungeheuer (Begierde) und ein Mensch (Vernunft) befindet.13 Der Mensch im Inneren, das Logistikon, soll mit Hilfe des Löwen das Ungeheuer zähmen.

Zur Ungerechtigkeit kommt es, wenn entweder der Löwe oder das Ungeheuer oder gar beide die Oberherrschaft über das Logistikon an sich reißen, da Vielgeschäftigkeit (Polypragie) für Platon den Inbegriff der Ungerechtigkeit darstellt.14

4.1.3 Die Unsterblichkeit der Seele

Platon ist der Ansicht, dass der Körper der Seele nur ein Gefängnis ist, und sich die Seele vom Körper so wenig wie möglich beeinflussen lassen soll. Den Körper sieht er lediglich als zeitlich begrenzte Hülle an, da der wahre Mensch die Seele ist. Die Voraussetzung der Trennbarkeit von Körper und Seele ist Platons plausibelste Begründung der Unsterblichkeit der Seele. Die Seele ist seiner Auffassung nach bereits vor der Geburt und nach dem Tode existent.15 Die genaue Begründung und Argumentation Platons über die Unsterblichkeit der Seele wirft jedoch bei näherer Betrachtung etliche Fragen auf. Wie kann nun eine Seele individuell sein, wenn sie durch zahllose Menschenkörper wandelt.16 Zudem ist auch unklar, ob nun alle drei Seelenteile unsterblich sind, oder nur der Seelenteil der Vernunft. Seine Beweisargumentation geht von der Prämisse aus, dass alles Gute erhält, und alles Schlechte zerstört. Alles hat etwas spezifisch Gutes und etwas spezifisch Schlechtes. So ist der Rost dem Eisen und die Krankheit dem Körper das spezifisch Schlechte. Beides wird von dem Schlechten zerstört. Der Seele ist die Ungerechtigkeit das spezifisch Schlechte, doch sie wird nicht durch das Schlechte zerstört, sondern bleibt selbst dadurch unsterblich. Der Fehler der Argumentation liegt demnach auf der Hand. Man könnte daher annehmen, dass er dadurch seinen Glauben an die Unsterblichkeit der Seele lediglich dokumentieren wollte.17

4.1.4 Die Tugenden

Platon weist den drei Seelenteilen Tugenden zu: der Vernunft die Weisheit, dem Mut die Tapferkeit und der Begierde die Besonnenheit, oder Mäßigkeit, die alle der Tugend der Gerechtigkeit unterstellt sind. Diese vier Tugenden, Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit und Gerechtigkeit gelten heute als die vier Kardinalstugenden.18

4.1.5 Die Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit ist nicht in den drei anderen Tugenden enthalten, um sie zu leiten, vielmehr ist sie das Separierende zwischen den drei Tugenden. Gerechtigkeit ist Idiopragie, d.h. die Tugend, die jeden das Seine und nur das Seine tun lässt.19

4.1.6 Die Lebensformen

Platon leitet aus den Seelenteilen drei Lebensformen ab: das Leben der Lust, das Leben der Ehre und das Leben der Erkenntnis. Jeder wählt die Lebensform von der er meint, dass ihm durch diese das meiste Glück zukomme. Platon sieht in dem Leben der Erkenntnis die Erlangung der höchsten Form des Glücks. Dieses Leben ist das des Philosophen. Allein er ist in der Lage, bzw. hat die Kompetenz die anderen Lebensformen zu beurteilen.20

„Die[se] Glückslehre demonstriert […] Platons expertokratischen Wissensbegriff. Der Philosoph wird zum Fachmann, zum Experten für Lust und Glück […].“21

Der Philosoph ist daher ein Theoretiker, denn er kann das Glück nur von Ferne beurteilen, d.h. er kann das Glück des Kriegers nicht aus der Sicht des Kriegers beurteilen, sondern nur aus der eines Philosophen. Diese Sicht ist für Platon auch völlig ausreichend, da der Philosoph die Idee des Guten gesehen hat, und demnach das Wesen aller Dinge kennt.22

4.1.7 Die Ideen

Die Ideen sind für Platon die wahre Wirklichkeit und apriorisch, d.h. vor allen Erfahrungen. Sie stellen das Wesen aller Dinge dar. Die Idee ist eine sichtbare Gestalt oder Form, die sich aber nur dem geistigen Auge erschließt und demnach nicht sicht- sondern denkbar ist. Ideen sind eingestaltig und einheitlich und existieren an sich bzw. durch sich selbst. Demnach kann man Platons Idee des Guten auch als Grund aller Gründe bezeichnen. Die sinnlich erfahrbaren Dinge

[...]


1 Patt, Walter: Grundzüge der Staatsphilosophie im klassischen Griechenland, Königshausen & Neumann Verlag, Würzburg, 2002, S. 35f

2 Meyer, Hans Dr.: Platon und die aristotelische Ethik, C. H. Beck Verlag, München, 1919, S. 271f

3 Vgl. Maier, Hans / Denzer, Horst: Klassiker des politischen Denkens, 2 Bände, 2. Auflage, C.H. Beck Verlag, München, 2004, S. 15

4 Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Band 1, Teilband 2, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2001, S. 1-3

5 Vgl. Maier, Hans / Denzer, Horst: Klassiker des politischen Denkens, 2 Bände, 2. Auflage, C.H. Beck Verlag, München, 2004, S. 15

6 Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Band 1, Teilband 2, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2001, S. 1-3

7 Vgl. Blum, Wilhelm/ Rupp, Michael/ Gawlina, Manfred: Politische Philosophen, 3. Auflage, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München, 1997, S. 8

8 Vgl. Maier, Hans / Denzer, Horst: Klassiker des politischen Denkens, 2 Bände, 2. Auflage, C.H. Beck Verlag, München, 2004, S. 33

9 Vgl. Pechmann von, Alexander: Politische Theorie, Bayerischer Schulbuch-Verlag, München,1992, S. 8

10 Vgl. Patt, Walter: Grundzüge der Staatsphilosophie im klassischen Griechenland, Königshausen & Neumann Verlag, Würzburg, 2002, S. 36

11 Vgl. Blum, Wilhelm/ Rupp, Michael/ Gawlina, Manfred: Politische Philosophen, 3. Auflage, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München, 1997, S.18

12 Vgl. Bordt, Michael: Platon, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1999, S. 83f

13 Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Band 1, Teilband 2, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2001, S. 65-68

14 Vgl. Bormann, Karl: Platon, 3. Auflage, Karl Alber Verlag, München, 1993, S. 147f

15 Vgl. Blum, Wilhelm/ Rupp, Michael/ Gawlina, Manfred: Politische Philosophen, 3. Auflage, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München, 1997, S.18

16 Vgl. Bormann, Karl: Platon, 3. Auflage, Karl Alber Verlag, München, 1993, S. 137-139

17 Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Band 1, Teilband 2, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, 2001, S. 66f

18 Vgl. ebd., S. 35ff

19 Vgl. ebd., S. 36f

20 Vgl. ebd., S. 64

21 ebd., S. 64

22 Vgl. ebd., S. 64f

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656970286
ISBN (Buch)
9783656970293
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300388
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Aristoteles Nikomachische Ethik Platon Politik Ethik

Autor

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