Lade Inhalt...

Fällt der Apfel weit vom Stamm? Eine empirische Untersuchung des Einflusses der Eltern auf die Berufsfindung der Kinder

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

„Fällt der Apfel weit vom Stamm?“

1. Die Erweiterung des Bildungswesens mit den dadurch steigenden Anforderungen Großes Angebot und doch wenig Möglichkeiten

2. Schichtspezifische Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Beruf Wie die Eltern, so die Kinder!

3. Formulierung der Hypothesen

4. Ergebnisse der empirischen Analyse:
4.1 Hypothese 1:
4.2 Hypothese 2:
4.3 Hypothese 3:

Nur eines ist sicher: Der Apfel fällt irgendwann vom Stamm

Literaturverzeichnis

Tabellen für die 1. und 2. Hypothese:

SPSS – Syntax:

„Fällt der Apfel weit vom Stamm?“

Schon in jungen Jahren werden Kinder oft gefragt, oftmals von entfernten Verwandten auf Familienfeiern, was sie denn später einmal werden wollen. Die typischen Kinderantworten sorgen für kräftige Lacher und sehnsüchtiges Seufzen. Wer wollte denn früher nicht als Tierärztin niedliche Tiere retten bzw. als starker Feuerwehrmann kleine Katzen vom Baum holen. Diese Szenerie könnte sich auf ganz unterschiedlichen Familienzusammenkünften ereignen, man wird sicherlich immer die gleiche Palette von Berufen zu hören bekommen, die vom Polizisten über die Friseurin bis zum Piloten reicht. In jungen Jahren ist schon deutlich das geschlechtsspezifische Rollenverhalten zu erkennen. Doch spätestens beim Klassenbesuch einer Job-Messe lösen sich die Berufswünsche der Kinder in Luft auf. Plötzlich gibt es nicht mehr nur den Feuerwehrmann, sondern das Studium „Rescue Engineering“ wird einem anhand eines vierseitigen Flyers schmackhaft gemacht. Die Tierärztin wird durch eine Tierarzthelferin unterstützt, auch das kann man also werden und sowieso ist das Medizin-Studium viel zu aufwendig. Das umfangreiche und vielseitige Angebot an Ausbildungsplätzen für Jugendliche ist einerseits eine tolle Möglichkeit genau den richtigen Beruf für sich zu ergreifen, andererseits kann eine große Auswahl auch schnell ermüden und Orientierungslosigkeit hervorrufen. Zudem scheint es auch häufig nur so, dass die zahlreichen Berufe, Studiengänge und Ausbildungsmöglichkeiten uns zu Füßen liegen und nur darauf warten von uns ergriffen zu werden. Stattdessen laufen wir unseren Traumberufen nahezu hinterher und bewerben uns als 100. Kandidat auf eine Stelle. Unsere Lebensläufe werden nebenbei ebenfalls noch von Familie und Freunden beeinflusst und immer mal wieder ist der eine oder andere sicherlich dankbar, wenn er in die Fußstapfen seiner Eltern treten kann, so muss man sich jedenfalls keine Gedanken mehr machen, was einen in der Zukunft erwartet. Doch wann genau wird diese Möglichkeit auch zum Fluch? Inwieweit werden junge Erwachsene beim Eintritt in das Berufsleben von den Lebensläufen der Eltern überhaupt beeinflusst? Und welche Rolle spielt dieser Einfluss bei der Realisierung des Traumberufs? Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Hausarbeit wird der Fokus auf nur einen endogenen Faktor bei der Berufswahl der Jugendlichen gelegt. Die formulierten Hypothesen, welche aus dem theoretischen Teil abgeleitet wurden, bilden die Grundlage für den empirischen Teil der Arbeit. Die Daten werden aus dem Allbus 2010 herangezogen, abschließend erfolgt dann die Auswertung der gewonnenen Ergebnisse.

1. Die Erweiterung des Bildungswesens mit den dadurch steigenden Anforderungen Großes Angebot und doch wenig Möglichkeiten

Die Auswahl an Berufen und Ausbildungen ist mit den Jahren immens gestiegen, daher wird auch der Bedarf von Berufsberatungen und Berufsorientierungen immer größer. Früher war der Einfluss der Eltern offen erkennbar, denn die Söhne tendierten nicht gerade selten zum Beruf des Vaters. Das Interesse und die Fähigkeiten des Kindes spielten dabei keine ausschlaggebende Rolle, daher fungierten die Eltern von außen gesehen als die einzigen Berater (vgl. Stratmann 1967: 63). Diese Aussage kann man auf die heutige Zeit nicht mehr ganz anwenden, „gleichwohl hängen auch heute die Lebenschancen von Kindern entscheidend von der sozialen Situation ihrer Eltern ab“ (Hillmert 2011: 279). Eine Berufsausbildung oder auch die Absolvierung eines Studiums führen nicht mehr unmittelbar zu einem sicheren Arbeitsplatz und wenn man noch einen Schritt zurückgeht, dann erhält man auch durch einen guten Schulabschluss keine Garantie auf den jeweiligen Ausbildungsplatz (vgl. Beinke 2000: 21). „Heranwachsende müssen erhebliche Eigenleistungen bei der Gestaltung ihres Lebenslaufs erbringen“ (Heinz 2011: 16). Sicherlich hat jeder Jugendliche gewisse Ziele und Wünsche im Kopf, wie er sich sein späteres Berufsleben vorstellt. Jedoch zertrümmert eine niedrige Ausstattung der Kapitalsorten1 die Vorstellungen der Jugendlichen schnell (vgl. Heinz 2011: 16). Waren die Übergänge früher schärfer voneinander getrennt, so kommt es heute oftmals vor, dass nach einigen Jahren im Beruf noch einmal ein Studium bzw. eine Weiterbildung angestrebt wird. Mit dem Anstieg der Möglichkeiten im Beruf sowie im Bereich der Ausbildung und innerhalb des Studiums werden auch die Anforderungen an einen lückenlosen Lebenslauf immer höher. Mit verschiedenen Praktika im Ausland oder einer freiwilligen Mitarbeit bei sozialen Projekten versucht sich jeder aus der Masse hervorzuheben. Gerade diese Entscheidungen und auch die Umsetzung der Träume und Wünsche spiegeln soziale Ungleichheit wider, die durch die unterschiedliche Ausstattung von Ressourcen gekennzeichnet ist. Nicht jeder hat die Unterstützung des Elternhauses sicher und wächst in dem Bewusstsein auf, dass die Bildung des Kindes ein elementarer Grundstein für die berufliche Zukunft ist. Besonders in sozial schwächeren Familien wird häufig die Notwendigkeit einer Investition in die Ausbildung des Kindes nicht erkannt. Selbst wenn die finanziellen Mittel sogar zur Verfügung stehen, wird die Priorität häufig auf den schnellen Eintritt in das Berufsleben gelegt. Passend zu dieser Thematik gibt es eine Frage im Allbus, welche nach der Wichtigkeit der elterlichen Bildung fragt. Bei der Betrachtung dieses Balkendiagramms kommt man zu folgendem Resultat: Bei N= 1363 gültigen Fällen, lässt sich eine deutliche Gewichtung auf den Antworten sehr wichtig und einigermaßen wichtig konstatieren. Mit 41,5 % überwiegt die Antwort sehr wichtig, wohingegen 35,7 % die Bildung der Eltern immer noch als einigermaßen wichtig einstufen. Auffallend dabei ist, dass lediglich 8,8 % der Befragten gebildete Eltern für entscheidend hält, nur 3 % der Befragten empfingen es als gar nicht wichtig, welche Bildung ihre Eltern haben. „In der soziologischen Forschungstradition gilt der Zusammenhang zwischen familiärem Hintergrund, individuellem Bildungserfolg und folglich dem späteren Karriereerfolg als gesichert“ (Gebel 2011: 259). Ein Zitat, welches den Mangel an sozialer Mobilität in unserer Gesellschaft aufzeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 1: Wichtigkeit: Gebildete Eltern

2. Schichtspezifische Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Beruf Wie die Eltern, so die Kinder!

Sowohl der sozio-kulturelle Faktor der Schulbildung als auch der Beruf und die Bildung der Eltern haben einen sehr großen Einfluss auf die Berufswahl der Kinder (vgl. Beinke 2000: 13). Häufig wird diese Entscheidung komplett den Eltern zugeschrieben, „dabei spielt die Berufstradition und der Aufstiegswille der Eltern eine wesentliche Rolle“ (Beinke 2000: 13). Für den amerikanischen Soziologen Melvin Kohn spielt der Beruf der Eltern auch für die eigene Zuordnung innerhalb der Gesellschaft eine große Rolle.

„Melvin Kohns zentrale These lautet, daß der Beruf in merklicher Weise auf die Menschen einwirkt. Das findet seinen Niederschlag in deren Denken, Orientierungen und Verhaltensweisen. Da der Beruf wiederum in wesentlichem Maße den Ort eines Individuums in der sozialen Schichtung festlegt, folgt, daß die Schichtzugehörigkeit – in modernen industrialisierten Gesellschaften – das Denken und Handeln der Menschen beeinflußt“ (Kohn 1981: 9).

Laut der verwendeten Literatur steht also fest, dass der Beruf der Eltern auch das Denken im Hinblick auf die Berufswahl der Kinder beeinflusst. Daher ist es immer sehr interessant sich die Berufsbilder der Eltern im Vergleich mit den Berufswünschen der Jugendlichen anzusehen. Im folgenden Kapitel wird ein tabellarischer Blick genau auf diese Thematik geworfen, um dann eventuelle Rückschlüsse auf den Zusammenhang schließen zu können. Dabei konstatiert Kohn gerade zwischen den Arbeiter- und Mittelschichteltern einen Unterschied, der eine gewisse Berufseinstellung bedingt. Nicht nur das Einkommensniveau, sondern auch das gesellschaftliche Ansehen unterscheiden diese beiden Gruppen voneinander. Es ist daher nicht überraschend, dass ebenfalls verschiedene Ansichten bezüglich der Kindererziehung vorherrschen. „Eltern aus der Arbeiterschicht möchten, daß sich ihre Kinder äußerer Autorität anpassen, weil die Eltern selbst bereit sind, Achtung gegenüber Autorität als Gegenleistung für Sicherheit und Ansehen zu akzeptieren“ (Kohn 1981: 25). Das gesellschaftliche Ansehen stellt für die Mittelschichteltern kein Problem dar, daher werden deren Kinder auch gleich ganz anders vorbereitet und gefördert. Dabei darf man sich den Einfluss der Eltern nicht als gänzlichen autoritären Akt vorstellen, sondern eher das Erteilen von Ratschlägen in Gesprächen. Die Eltern wirken demnach als Entscheidungshilfe und die Jugendlichen treffen dann am Ende im Hinblick auf die Überzeugungen und Ratschläge ihre Entscheidung (vgl. Beinke 2000: 24). Zahlreiche Kenntnisse und auch die Erfahrung der Eltern auf dem Arbeitsmarkt prägen das Kind schon in jungen Jahren bezüglich der Berufsentscheidung, lange bevor das Thema für das Kind interessant und wichtig zu sein scheint. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen, wenn beispielsweise „nicht realisierte Berufswünsche der Eltern auf die Kinder projiziert werden“ (Beinke 2000: 22) oder aber auch, wenn Kinder durch die Tätigkeit der Eltern in ein bestimmtes Berufsfeld gedrängt werden. Das negativ konnotierte Verb drängen wird in diesem Kontext bewusst benutzt, um aufzuzeigen, dass es sich bei dieser Berufswahl eigentlich gar nicht um eine Wahl handelt, sondern eher um einen Zwang, der durch die Eltern auferlegt ist. Die Heranwachsenden wissen oftmals gar nicht um ihre eigentlichen Interessen und nehmen das vorgebaute Nest der Eltern hin.

Wie bereits im ersten Kapitel angeklungen, spielt auch die Schulbildung eine große Rolle für den späteren Berufsverlauf. In dieser Zeit werden, so sprichwörtlich, die Grundbausteine für die Zukunft gelegt. Und auch in diesem Zeitabschnitt lassen sich wieder schichtspezifische Ungleichheiten entdecken. Besonders der Nachhilfeunterricht trägt zu einer großen Abstufung zwischen schwachen und stärkeren Schülern in der Schule bei. Eltern aus höheren Schichten sind eher bereit in schulische Förderung zu investieren, als Eltern aus den unteren Schichten (vgl. Seifert 2005: 36). Schon zwischen den Bildungsabschlüssen der Eltern und deren Kinder gibt es zahlreiche Studien, die dort einen signifikanten Zusammenhang konstatieren. „Haben die Kinder Fachhochschulreife, dann liegt der Anteil der Kinder mit Abitur bereits bei 42,5 % (vgl. Seifert 2005: 3).“ Noch bedeutsamer ist der Zusammenhang zwischen Eltern mit Abitur und deren Kinder, davon gehen nämlich 67,1 % den gleichen Weg und verfügen ebenfalls über einen Gymnasialabschluss. Bei den niedrigeren Bildungsabschlüssen lässt sich durchaus eine intergenerationale Bildungsmobilität feststellen, denn 36,2 % der Kinder, wo die Eltern einen Hauptschulabschluss haben, bestehen die 10. Klasse am Ende mit einem Realschulabschluss. Es lässt sich also festhalten, dass es eine hohe Rate der Statusübertragung beim Abitur gibt, die niedrigeren Bildungsabschlüsse sich aber über die Generationen hinweg oftmals verbessern (vgl. Seifert 2005: 4).

3. Formulierung der Hypothesen

Der spätere Berufsstand der Jugendlichen lässt sich beinahe wie ein Prozess begreifen, der beim Niveau des Schulabschlusses beginnt. Wie bereits in den ersten Kapiteln angeklungen ist, besteht häufig in sozial schwächeren Familien ein geringeres Bewusstsein über die Wichtigkeit der guten schulischen Bildung, dazu kommen noch die fehlenden finanziellen Mittel, um die Schullaufbahn des Kindes zu bezahlen. Aufgrund dessen präferieren Eltern ohne Hochschulabschluss oftmals den schnellen Einstieg ins Berufsleben, in Akademiker-Familien wird hingegen viel in die Zukunft der Heranwachsenden investiert sowie der Ratschlag erteilt ebenfalls die Absolvierung eines Studiums anzuvisieren. Daran anschließend lässt sich folgende Hypothese aufstellen: Ein geringer Bildungsabschluss der Eltern hat oftmals eine niedrige Schichtzuordnung zur Folge. Für die nachfolgende Generation ergibt sich daraus ein Zusammenhang zwischen der subjektiven Schichtzugehörigkeit der Kinder und dem Schulabschluss.

Der Kausalzusammenhang zwischen einem eher geringeren Schulabschluss, welcher einen niedrigen Berufsstand bedingt, führt zur zweiten Hypothese: Je niedriger der Berufsstand der Eltern, desto geringer ist die Quote der jungen Erwachsenen, die einen hochqualifizierten Beruf erreichen.

Die Ressourcenkargheit, welche in den sozial schwächeren Familien vorwiegend vorherrschend ist, führt zu unrealisierten Traumvorstellungen der Jugendlichen. Die zahlreichen Möglichkeiten, die sich in der heutigen Zeit auftun, können aufgrund von fehlenden Mitteln nicht genutzt werden. Es könnte daher hypothetisch angenommen werden, dass sich der Berufsstatus der Jugendlichen dem der Eltern annähert und die eigenen Ziele nicht weiter verfolgt werden.

Im Folgenden sollen die drei Hypothesen mithilfe der Datenbasis des Allbus 2010 empirisch bearbeitet und am Ende entweder bestätigt oder falsifiziert werden. Dabei werden die zu erklärenden Variablen und Schritte genau beschrieben und analysiert.

[...]


1 Gemeint sind in diesem Fall die vier Kapitalsorten von Pierre Bourdieu: Soziales Kapital, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital und Symbolisches Kapital.

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656979197
ISBN (Buch)
9783656979203
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300386
Note
1,7
Schlagworte
fällt apfel stamm eine untersuchung einflusses eltern berufsfindung kinder

Autor

Zurück

Titel: Fällt der Apfel weit vom Stamm? Eine empirische Untersuchung des Einflusses der Eltern auf die Berufsfindung der Kinder