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Die Ethik bei Aquin und Ockham mit Rücksicht auf Glücksvorstellungen

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Ethik im lateinischen Mittelalter
1.2 Glück(seligkeit) im Mittelalter
1.2.1 Glück
1.2.2 Glückseligkeit

2. Thomas von Aquin
2.1 Kurzbiographie
2.2 Zur Ethik
2.2.1 Der Begriff der Person
2.2.2 Die Tugenden
2.2.3 Die Vernunft
2.2.4 Die Gesetze
2.3 Glückseligkeit

3. William von Ockham
3.1 Kurzbiographie
3.2 Zur Ethik
3.2.1 Praxis und praktische Philosophie
3.2.2 Handlungen
3.2.3 Recta Ratio und das Gute
3.2.4 Über die Freiheit des Willens
3.2.5 Die Tugendlehre
3.3 Rückschlüsse auf das Glück

4. Die Glücksvorstellungen im Vergleich

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn unserer Betrachtungen steht die Karolingische Renaissance durch Karl den Großen (742-814). 787 verfügt Karl der Große in der „Epistula Litteris Colendis“ die Einrichtung von Schulen an allen Klöstern und Domstiften. Dies ist eine wichtige Grundlage, damit sich Philosophen (Theologen) wie Aquin und Ockham überhaupt herausbilden können. An den Schulen können Geistliche und einflussreiche Laien die „artes magicae“ (die sieben dunklen Künste), die „artes liberales“ (die sieben freien Künste) und die „artes mechanicae“ (die sieben Künste des Handwerks) studieren. Die sieben dunklen Künste haben auch den Beinamen „die Verbotenen“. Die Studenten lernen hier die Künste der „geomantia“ (Erde), der „hydromantia“ (Wasser), der „aeromantia“ (Luft), der „pyromantia“ (Feuer), der „nigramantia“ (Dunkel), der „chiromantia“ (Hand) und der „spatulamantia“ (Schulterblatt“ kennen. Die sieben freien Künste untergliedern sich in die „artes reales“ (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) und die „artes formales“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik). Die sieben Künste des Handwerks tragen auch den Beinamen „die Geschmähten“. Die Studenten lernen hier „lanificium“ (Wollarbeit), „armatura“ (Waffenbau), „navigatio“ (Handel), „agricultura“ (Ackerbau), „venatio“ (Jagd), „medicina“ (Medizin) und „theatrica“ (Schauspiel) kennen und nutzen.

Die Scholastik beginnt im 8. und 9. Jahrhundert mit der Vorscholastik. Ein wichtiger vorscholastischer Denker ist Johannes Scotus Eriugena (810-877). Aus der Vorscholastik entwickelt sich zum einen die Mystik mit Bernhard von Clairvaux (1090/91-1154) und die Frühscholastik (10-12 Jh.) mit Denkern wie Anselm von Canterbury (1033-1109), Petrus Abaelard (1079-1142) und Rocellinus (1050-1124). Der Vorscholastik folgt die Hochscholastik im 13. Jh. Wichtige Denker sind hier Bonaventura (1221-1274), Meister Eckhart (1260-1327), Dante (1265-1321) und Roger Bacon (1215-1295). Außerdem die Denker, welche von Ockham unter „via antiqua“ eingestuft werden wie Albertus Magnus (1193-1280), welcher auch Lehrer von Aquin war, Thomas von Aquin (1225-1274) und Johannes Duns Scotus (1265-1308). Aquin versucht als einer der Ersten die wissenschaftliche Lehre Aristoteles’ (Naturwissenschaft) mit dem christlichen Glauben zu verbinden. Dadurch kann im 19. Jh. der „Neuthomismus“ entstehen. Man kann sagen, dass die Lehre von Thomas von Aquin zur „Philosophie“ der katholischen Kirche wird.

Die Spätscholastik können wir abschließend im 14. Jh. verzeichnen. Einer der wichtigsten Denker ist William von Ockham (1285-1349) der seine Philosophie als „via moderna“ bezeichnet. Ockham ist jedoch nicht unmittelbar für seine „Ethik“ bekannt geworden, sondern für sein „Ökonomieprinzip“ (Ockhams Rasiermesser).

Nachdem wir sowohl Aquin als auch Ockham in die Scholastik eingeordnet haben, wollen wir die Begriffe Ethik und Glück(seligkeit) für das Mttelalter näher bestimmen.

1.1 Ethik im lateinischen Mittelalter

Augustinus sieht in der Ethik ein handlungsbestimmendes Ziel, er bezieht sich bei seinen Ausführungen auf die Mönchslehre, besonders auf die von Bernhard von Clairvaux, bei welcher Handlungen mit Gottesliebe (caritas) gestaltet werden. Wichtig sind hierbei natürlich die Sittengesetze, die Tugenden und die natürlichen Gesetze. Zeugnisse mittelalterlicher Ethik finden wir heute noch in der Dichtung, der bildenden Kunst, Bußbüchern und Briefen. Einen hohen semantischen Wert haben hier auch schon die Begriffe „Gewissen“, „Vernunft“ und die „Gesetze“, welche im Weiteren zu erläutern sind.

1.2 Glück(seligkeit) im Mittelalter

Heute verwenden wir den Ausdruck „Glückseligkeit“ kaum noch, um so weniger können wir uns heute vorstellen, dass im Mittelalter die Begriffe Glück und Glückseligkeit unterschiedliche Konnotationen hatten, welche im Folgenden geklärt werden sollen.

1.2.1 Glück

Dem Begriff Fortuna (Glück) kommen im Mittelalter mehrere Bedeutungen zu. Zunächst ist Fortuna ein Symbol des unbeständigen Glücks, bei welchem sie als Bringerin des Götterwillens (Fors, Fortuna) oder als selbstständige Göttin aufgefasst wird. In Nachahmungen Ciceros wird sie auch mit „Felicitas“ gleichgesetzt, welche das angeborene, bleibende Glück personifiziert.

Des weiteren ist Fortuna als Instrument der „Providentia Dei“ bekannt, die ihr Rad dreht und damit das irdische Glück der Menschen ändert, ohne dabei Einfluss darauf zu haben, was Gott für ewig vorbestimmt hat. Zuletzt bezeichnet Fortuna einen Bestandteil des Charismas, welches einem Menschen oder einem Volk eigen ist.

1.2.2 Glückseligkeit

Im Mittelalter waren die meisten Theorien der Antike über die Glückseligkeit bekannt. Der Begriff der „Glückseligkeit“ wurde jedoch erweitert. Glückseligkeit wurde oft mit „der Schau Gottes in einem Leben nach dem irdischen“ (videbimus eum, sicuti est) gleichgesetzt. Auch geläufig war die Gleichsetzung der Glückseligkeit mit der „beseligenden Schau Gottes“ (visio dei beatifica).

Da es im 12. und 13. Jh. abweichende Meinungen über die Glückseligkeit gibt, wollen wir im Weiteren unterteilen: Im 12. Jh. wurde der Standpunkt vertreten (auch Aquin), dass nicht jeder Mensch Anspruch auf ein derartiges glückseliges Leben habe. Die uneingeschränkte Allmacht der Gottheit weist unzulässige Begrenztheit auf, wenn ihr die Verfügungsgewalt über den Zustand absoluten Genießens ihrer Selbst genommen würde, daher bedarf es der göttlichen Gnade, die dem Menschen gemäß seinen Verdiensten zukomme (oder auch nicht), damit er in den Zustand ewiger Glückseligkeit versetzt werde.

Im 13. Jh. wurde dann der folgende Standpunkt vertreten, wobei es sich hier um sehr umstrittene Thesen handelt, die man nicht immer auf Ockham beziehen kann, dass die Glückseligkeit nicht unmittelbar von Gott eingegeben werden kann. Man kann nicht sagen, dass Gott dem einen Glückseligkeit gebe und dem anderen nicht. Zudem besitzt man die Glückseligkeit im diesseitigen Leben und nicht im jenseitigen.[1]

[...]


[1] Die Punkte 1.1 und 1.2 wurden anhand der Textgrundlage „Lexikons des Mittelalters“ erstellt.

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638313957
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30037
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Zentrum für Philosophie und Wissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Ethik Aquin Ockham Rücksicht Glücksvorstellungen Einführung Philosophie

Autor

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Titel: Die Ethik bei Aquin und Ockham mit Rücksicht auf Glücksvorstellungen