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Krisenbekämpfung der Europäischen Zentralbank mit unkonventionellen Maßnahmen. Verliert die EZB ihre Glaubwürdigkeit?

Essay 2014 9 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Geldpolitik und Glaubwürdigkeits-Problematik

Die unkonventionellen Maßnahmen der EZB
Bereitstellung von Liquidität über Mengentender mit Vollzuteilung
Erweiterung des Verzeichnisses zugelassener Sicherheiten
Längerfristige Liquiditätsbereitstellung
Bereitstellung von Liquidität in Fremdwährungen
Änderungen des Mindestreservesatzes
Ankauf bestimmter Schuldverschreibungen
ABS
OMT

Bewertung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit

Fazit

Einführung in die Geldpolitik und Glaubwürdigkeits-Problematik

Vorrangiges Ziel bei der Festlegung und Durchführung der Geldpolitik im Euroraum durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Dies ist im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) festgeschrieben. Dazu unterstützt die EZB auch die allgemeine Wirtschaftspolitik der Union, ohne dabei das Hauptziel der Preisstabilität zu gefährden.[1] Der Handlungsrahmen der EZB bietet ihr bei der Erfüllung ihrer Aufgaben einen großen Spielraum, da er zwar das Ziel und den Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb vorgibt,[2] der EZB jedoch Mittel und Wege, folglich ihre geldpolitische Strategie, selbst überlassen bleiben. Damit besitzt die EZB ein hohes Maß an Flexibilität für den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen und kann ihre geldpolitischen Instrumente an die Gegebenheiten auf dem Geldmarkt anpassen. Die Standard-Instrumente der EZB zur Einflussnahme auf das Preisniveau über die monetäre Analyse[3] zielen auf eine Veränderung des Geldmengenwachstums ab, das sich langfristig gesehen auf die Inflationsrate und das Preisniveau auswirkt. Dabei hat die EZB für das Geldmengenwachstum einen Referenzwert von 4,5 % festgelegt[4] und strebt eine Preissteigerungsrate von unter, aber nahe 2 % auf mittlere Sicht an.[5] Die wichtigsten geldpolitischen Instrumente der EZB hierfür sind Offenmarktgeschäfte (insbesondere Hauptrefinanzierungsgeschäfte), die ständigen Fazilitäten (Spitzenrefinanzierungs- und Einlagefazilität) und das Mindestreservesystem.[6] Zu beachten ist, dass die EZB nur indirekten Einfluss auf die Geldmenge in der Gesamtwirtschaft hat, da die ausschlagenden Kreditbeziehungen bei den nationalen Kreditinstituten und ihren Kunden liegen. Die EZB versucht daher über die genannten Instrumente, die sich auf die Liquidität der Banken auswirken, hauptsächlich auf deren Bereitschaft zur Kreditvergabe einzuwirken, um die Geldmengenentwicklung zu steuern.

Voraussetzung für das Funktionieren der Geldpolitik der EZB ist dabei ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Geldmenge zu kontrollieren. Nur dann können die Erwartungen der Wirtschaftsakteure über die zukünftige Inflationsentwicklung gelenkt und somit auch die Preisentwicklung beeinflusst werden. Diese Glaubwürdigkeit ist zur Verhinderung einer Preiserhöhung der Wirtschaftsakteure aus Angst vor steigender Inflation bzw. einer Preissenkung aus Deflationsbefürchtungen mit nachfolgender Abwärtsspirale unabdingbar.

Mit Einbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 hat die EZB eine Reihe von außergewöhnlichen Maßnahmen eingeleitet, um die ungewöhnlich hohe Unsicherheit und Instabilität an den Finanzmärkten zu bekämpfen. Neben konventionellen Zinssenkungen auf ein historisch niedriges Niveau[7] entschloss sich der EZB-Rat zur Einführung von erweiterten Maßnahmen zur Unterstützung der Kreditvergabe und ein Programm für die Wertpapiermärkte.[8] Angesichts der niedrigen Inflationsraten im Euro-Währungsgebiet,[9] die vom 2 %-Ziel weit entfernt sind, hat sich die EZB zudem für weitere unkonventionelle Maßnahmen entschieden, die nachfolgend ebenfalls beschrieben und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der EZB-Politik bewertet werden.

Die unkonventionellen Maßnahmen der EZB

Bereitstellung von Liquidität über Mengentender mit Vollzuteilung

Unter normalen Umständen beurteilt die EZB bei der Durchführung ihrer Offenmarktgeschäfte den Gesamtliquiditätsbedarf des Bankensektors und bietet diesen als festen Betrag in Ausschreibungen an. Durch die Geldnachfrage der Banken wird dann der Zins bestimmt, den die Banken bereit sind zu zahlen (Zinstenderverfahren). Alternativ kann die EZB ihre Ausschreibungen auch als Mengentenderverfahren durchführen, indem sie den Zinssatz vorgibt und die Banken die Menge des Geldes, die sie für den festen Zinssatz erwerben wollen, angeben. Dazu und zu einer vollständigen Zuteilung der erwünschten Beträge ist sie im Zuge der einsetzenden Finanzmarktanspannungen und Staatsschuldenkrise im Jahr 2008 übergegangen.[10] Somit hatten die zugelassenen Finanzinstitute des Eurogebiets – entgegen der üblichen Praxis – unbegrenzt Zugang zu Zentralbankliquidität zum geltenden Hauptrefinanzierungssatz.

Erweiterung des Verzeichnisses zugelassener Sicherheiten

Im Anschluss an den Tenderverfahrenswechsel beschloss der EZB-Rat die Erweiterung der Liste notenbankfähiger Sicherheiten bei der Kreditvergabe von Zentralbankgeld an die Geschäftsbanken.[11] Damit wurden Papiere, die durch Kredite an die Realwirtschaft besichert sind (Asset-Backed Securities) sowie nicht verbriefte Kredite (Kreditforderungen) als Sicherheiten zugelassen.

Am 08.12.2011 wurde diese Maßnahme zur Erhöhung der Verfügbarkeit von Sicherheiten durch die Herabsetzung des Bonitätsschwellenwerts für bestimmte ABS erweitert. Außerdem wurde den Zentralbanken eine vorrübergehende Hereinnahme von nicht notleidenden Kreditforderungen (d. h. Bankkrediten) als Sicherheiten möglich gemacht.[12]

[...]


[1] Art. 282 (2) S. 1-3 AEUV.

[2] Art. 127 (1) S. 2 AEUV

[3] Zweite Säule der geldpolitischen Strategie der EZB, vgl. EZB, 2011, S. 90 Abb. 3.3.

[4] Pressemitteilung vom 01.12.1998, online im Internet unter http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/1998/html/pr981201_3.en.html, Stand 19.12.2014 sowie die erneute Bestätigung in der Pressemitteilung vom 05.12.2002, online im Internet unter http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2002/html/pr021205_1.de.html, Stand 19.12.2014.

[5] Pressemitteilung vom 08.05.2003, online im Internet unter http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2003/html/pr030508_2.de.html, Stand: 13.12.2014.

[6] EZB, 2011, S. 104.

[7] Nach dem 09.10.08 senkte die EZB innerhalb von nur 7 Monaten den Hauptrefinanzierungssatz um 325 Basispunkte auf 1 %. Online im Internet unter http://sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=100000131, Stand: 13.12.2014.

[8] EZB, 2011, S. 137-139.

[9] Voraussage im November für das Jahr 2014 bei 0,3 %, online im Internet unter http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/refreshTableAction.do?tab=table&plugin=1&pcode=teicp000&language=de, Stand: 13.12.2014

[10] Pressemitteilung vom 08.10.2008, online im Internet unter https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2008/html/pr081008_2.de.html, Stand 13.12.2014.

[11] Pressemitteilung vom 15.10.2008, online im Internet unter https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2008/html/pr081015.en.html, Stand 13.12.2014.

[12] EZB-Monatsbericht Dezember 2011 vom 15.12.2011, online im Internet unter https://www.ecb.europa.eu/pub/mb/editorials/2011/html/mb111215.de.html, Stand 20.12.2014.

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656978060
ISBN (Buch)
9783656978077
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300316
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Europawissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Europäische Zentralbank EZB OMT unkonventionelle Maßnahmen Glaubwürdigkeit Geldpolitik EU

Autor

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