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Konflikte und Unterrichtsstörungen in der Schule

Klausurfragen für das Examen

von Thomas Gantner (Autor)

Prüfungsvorbereitung 2014 7 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

1. Was sind Konflikte? Beziehen Sie Ihre Definition auf den schulischen Alltag!

Allgemein können Konflikte, so wie Krause dies darstellt, als inkompatible, unvereinbare Handlungen oder Handlungstendenzen charakterisiert werden. Sie differenziert zwischen intrapersonalen, nur eine Person betreffenden, oder interpersonalen Konflikten, welche mehrere Personen betreffen. Wesentliche Merkmale sozialer Konflikte sind nach Krause gegensätzliche Ziele, Interessen oder Denk- und Verhaltensweisen der interagierenden Personen, wobei eine der beteiligten Personen sich dieser Unvereinbarkeit bewusst sein muss.

Liegt eine starke Unvereinbarkeit vor, spricht man von einem ‚Echten Konflikt‘, der von einer einfachen Meinungsverschiedenheit abzugrenzen ist. Innerhalb eines ‚Echten Konflikts‘ kann es zu hohen Spannungen der interagierenden Personen kommen, aus denen psychische Stressreaktionen resultieren können. Diese wiederum nehmen Einfluss auf kognitive Fähigkeiten des Betroffenen sowie auf seine Wahrnehmung und das gezielte Planen. Somit ist nicht davon auszugehen, dass die Betroffenen eine Konfliktlösung selbst herbeiführen können. Becker definiert Konflikte ebenso allgemein und versteht darunter eine Auseinandersetzung, eine Belastung oder eine Schwierigkeit, die bei der oder den beteiligten Personen zu einer emotionalen Betroffenheit führen kann. Friedrichs bezieht den Konflikt speziell auf den Schulalltag und begründet, dass unterschiedliche Einstellungen und Erwartungen mehrerer Schüler einander gegenüberstehen. Sie sieht Konflikte als eine Chance zu einem positiven Klassenklima beitragen zu können. Werden Konflikte allerdings nicht konstruktiv gelöst, belasten sie den Einzelnen, die Klassengemeinschaft sowie den Unterricht selbst.

Besonders für die Lehrkraft ist es hierbei wichtig zwischen verschiedenen Konfliktarten zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln. Becker führt vier verschiedene Formen an. Scheinkonflikte führen lediglich zu einer momentanen Betroffenheit und hinterlassen keine Beeinträchtigungen. Randkonflikte sind hingegen mit geringen Beeinträchtigungen behaftet, sind aber auch nur von kurzer Dauer. Weitaus brisanter werden Zentral- oder Extremkonflikte eingestuft. Sie führen beide zu einer starken emotionalen Betroffenheit, wobei Extremkonflikte zu Beeinträchtigungen führen, die nicht korrigierbar sind. Diese können psychischer, physischer, sozialer oder kognitiver Natur sein. Jedoch können aber auch verschiedene Beeinträchtigungen gleichzeitig wirken.

Außerdem ist zu erwähnen, dass Konflikte nur zwischen mehreren Schülern entstehen können, sondern auch zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Lehrern und Eltern, zwischen Schülern und ihren Eltern, aber auch zwischen Lehrern selbst.

Die Ursachen für das Entstehen von Konflikten liegen nach Krause innerhalb dreier Bereiche. Konflikte können von einer Person ausgehen, die zum Beispiel ein starkes Einzelinteresse zeigt oder es nicht schafft Regeln einzuhalten. Weiterhin können die sozialen Beziehungen zwischen den beteiligten Personen gestört sein, was auf Rivalität oder das Nicht-Anerkennen von Leistungen zurückgeführt werden kann. Eine weitere mögliche Konfliktursache ist externer Natur und ist im außerschulischen Umfeld eines Schülers zu finden. Dies kann durch unklare familiäre Strukturen oder die allgemeine Lebenssituation für das Auslösen von Konflikten auf verschiedenen Ebenen verantwortlich sein. Göppel sieht allerdings noch weitere Ursachen für das Entstehen von Konflikten bei Schülern ab der Sekundarstufe I. Zuerst thematisiert er körperliche und seelische Reifeprozesse, die während der Pubertät auftreten. Der Hormonpegel steigt, das Gehirn wird neuronal restrukturiert, um soziale Wahrnehmung sowie das Konzept des eigenen Ichs förderlich zu machen. Außerdem durchläuft der Körper in der Pubertät Phasen der Veränderung. Diese Reifungsprozesse führen in vielen Fällen zu Stimmungsschwankungen und Aggressionen, aber auch zu einer Verlorenheit zwischen der kindlichen und erwachsenen Welt. Darüber hinaus ist die Pubertät durch Ablösungskämpfe mit den Eltern, der Entwicklung von Peergruppen sowie dem Kampf zur Selbstbestimmung gekennzeichnet.

2. Definieren Sie Unterrichtsstörungen! Welche Formen gibt es? Was sind ihre Ursachen?

Nach Claßen liegt eine Unterrichtsstörung vor, wenn die Beziehung der Schüler zum Unterrichtsgegenstand nachhaltig unterbrochen ist. Somit steht nach dieser Definition der Unterrichtsfluss im Fokus der Störbeurteilung. Schäfer verdeutlicht, dass sogar jeder einzelne kommunikative Prozess störanfällig sei, und dass jede Störung eine Ursache hat sowie Ziele verfolgt. Motive können hierbei das Vertuschen eigener Mängel oder das Erregen von Aufmerksamkeit sein. Winkel und Ortner definieren den Begriff gleichermaßen, wobei Letzterer hinzufügt, dass Schüler sich bewusst über Regeln und Normen hinwegsetzen und sich das Störverhalten gegen den Lehrer, gegen die Mitschüler, aber auch gegen den Unterricht selbst richten kann.

Von der Unterrichtsstörung abzugrenzen ist allerdings der Unterrichtsbruch. Dies ist gegeben, wenn eine Unterrichtsstörung von einem oder mehrerer Schülern oder der Lehrkraft subjektiv als störend empfunden wird.

Nolting trifft darüber hinaus eine weitere Unterscheidung, indem er aktive von passiven Unterrichtsstörungen abgrenzt. Aktiv meint ein Übermaß an unerwünschten Tätigkeiten, was Unruhe der Klasse fördern kann. Passive Unterrichtsstörungen sind als Mangel von erwünschten Handlungen zu verstehen, was den Lehrer sowie auch die Mitschüler stören kann.

Nach Bach sind die Ursachen von Unterrichtsstörungen besonders in der Unterrichtsgestaltung zu finden. Wenn der Unterricht langweilig, einseitig, schlecht vorbereitet oder nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler zugeschnitten ist, können Unterrichtsstörungen damit einhergehen. Weitere Ursachen können die Persönlichkeit des Lehrers, die Schulform, oder aber auch die Gemeindegrößte des Schulorts sein. Eine weitere Ursache können schulische Bedingungen, wie die Klassengröße, die Zusammensetzung der Klasse, zu große Schulen, oder zu kleine Klassenräume sein.

3. Stellen Sie Möglichkeiten zur Konflikthandhabung vor sowie Möglichkeiten zur Prävention

Becker unterscheidet zwischen äußeren differenzierenden Maßnahmen sowie inneren Maßnahmen. Unter äußeren Maßnahmen versteht er zum Beispiel das Reduzieren der Fächer innerhalb einer Schulwoche sowie die Einführung längerer Unterrichtseinheiten. Eine Möglichkeit der Realisierung wäre die Einführung von Epochenunterricht, wobei ein Fach als Projekt über eine oder mehrere Wochen unterrichtet wird. Weiterhin plädiert Becker für das Lernen in überschaubaren Lerngruppen sowie für die Abschaffung des Sitzenbleibens, da Lernzuwachs in Problemfächern nur selten zu beobachten sei und Konflikte der Schüler zum Unterricht oft verschärft werden. Darüber hinaus fordert Becker eine Eignungsprüfung für Lehrer bezüglich kognitiver und kommunikativer Fähigkeiten sowie psychischer und physischer Belastbarkeit, da in vielen Fällen die Lehrkraft der Konfliktverursacher ist. Als innere Maßnahmen schlägt Becker schülerzentrierte Unterrichtskonzeptionen, wie Projektarbeit oder Stationenlernen, vor um den Schüler zum selbstständigen Lernen anzuregen. Außerdem sollen die Lehrangebote vermehrt nach den Interessen der Schüler angepasst werden sowie die Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern intensiviert werden um Anonymität zu vermeiden. Weiterhin sind Regeln zum Sozial- und Arbeitsverhalten zu vereinbaren.

Bevor es zur Konflikthandhabung kommt, sollte die Lehrkraft eine Diagnose durchführen und die Brisanz des Konflikts einschätzen. Dazu eignet sich die von Becker vorgestellte ‚Handlungsmatrix zur Konfliktanalyse‘. Bei Scheinkonflikten soll nach Handlungsmöglichkeiten gesucht werden, um umgehend zu handeln. Bei allen weiteren Konflikttypen, dem Rand- Zentral sowie Extremkonflikt ist es wichtig im Vornherein die Ursachen zu hinterfragen, Ziele für weiteres Verhalten zu formulieren und daraufhin ebenso nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen und daraufhin zu handeln. Bei Extremkonflikten sollte sich die Lehrkraft zudem Informationen von einem Sozialarbeiter, einem Drogenberater oder der Polizei einholen, da er für die Handhabung solcher Konflikte nicht ausgebildet worden ist. Nach seinem Handeln ist es wichtig Feedback von dem oder den Schülern oder den Eltern zu bekommen, um eventuell weitere Schritte einzuleiten. Der Lehrkraft muss außerdem bewusst sein, dass eine Konfliktlösung nicht immer möglich ist. Deswegen wird in der Regel von ‚Handhabung‘ gesprochen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656976967
ISBN (Buch)
9783656976974
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300310
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Schulpädagogik
Note
Schlagworte
Konflikte schulischer Alltag Unterricht Unterrichtsstörung Unterrichtsbruch Konflikthandhabung Prävention Unterrichtseinheit Diagnose Gesprächsführung Ich-Botschaft kooperativ Methode Klassenrat Störung positive Verstärkung Trainingsraum Breite Aktivierung

Autor

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    Thomas Gantner (Autor)

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