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Prädiktoren einer Postpartalen Depression

Literaturarbeit / Sozial- und Präventivmedizin

Rezension / Literaturbericht 2008 16 Seiten

AdA Gesundheit / Medizin / Sport / Soziales

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Einleitung

1. Pathophysiologie der PPD und medikamentöse Behandlung
1.1 Abnorme Neurosteroid Regulation
1.2 Medikamentöse Behandlung der PPD
1.3 Randomisierte klinische Studien

2. Prädiktoren der PPD
2.1 Psychosoziale und psychologische Faktoren
2.2 Der „Baby Blues“ / maternity blues als Prädiktor der PPD
2.3 Stress und Qualität der Partnerschaft als Prädiktoren der PPD

3. Früherkennung und Prävention der PPD
3.1 Stärkste Prädiktoren der PPD
3.2 Psychosoziale und psychologische Interventionen

4. Diskussion

Literatur

Zusammenfassung

Schwangerschaft, Geburt und die ersten Monate mit einem Neugeborenen bedeuten für jede Frau eine extreme Herausforderung. In dieser Zeit erhöhter Vulnerabilität kommt es häufig zu affektiven Störungen und Störungen der Befindlichkeit. Bei der postpartalen Depression (PPD) wird von einer Prävalenz von 3% bis zu 25% (aller Frauen im ersten Jahr nach einer Geburt) ausgegangen. Die Ursachenforschung bzw. die Forschung zu möglichen Prädiktoren der PPD konnte bisher keinen singulären, kausalen Faktor isolieren. Im Allgemeinen wird von einer multifaktoriellen Ätiologie der PPD ausgegangen. Die folgende Arbeit möchte mögliche Prädiktoren zusammenstellen und Ergebnisse entsprechender Studien zur Ursachenforschung der PPD vorstellen. Abschließend soll auf die Früherkennung der PPD und die Möglichkeiten präventiver Maßnahmen eingegangen werden.

Einleitung

Schwangerschaft und Geburt bedeuten für jede werdende Mutter eine extreme Herausforderung auf physischer und auf psychischer Ebene. „Pregnancy and peripartum/ perinatal periods are characterized by significant biologic as well as psychosocial processes and changes...“ schreibt Halbreich (2005, S.1312). Es erstaunt daher nicht, dass mit dieser speziellen Lebensspanne häufig Stimmungsschwankungen und Störungen der Befindlichkeit einhergehen. Die Stärke der affektiven Störungen in der postnatalen Phase variiert zwischen dem leichten und vorübergehenden „baby blues“, der bei etwa 50% bis 80% aller Frauen auftritt, bis hin zur postpartalen Psychose, die weniger als 1% aller Mütter betrifft und zur sofortigen Hospitalisierung der Betroffenen führen muss (Evins, 1997; zit. nach Dennis & Hodnett, 2007, S. 2). Unter allen symptomatischen Erscheinungen in der postnatalen Phase, ist die postpartale Depression (PPD) bekannt als eine nicht psychotische depressive Störung, die im ersten Jahr nach einer Geburt auftritt bzw. sich über das erste Jahr nach einer Geburt erstreckt. Symptome sind Unwohlsein, Reizbarkeit, Verwirrung und Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit, Unfähigkeit zur Freude, Müdigkeit, Angst, Schuldgefühle, Unfähigkeit mit der eigenen Lebenssituation fertig zu werden, bis hin zu Suizidgedanken. Die PPD tritt am häufigsten in den zwölf Wochen nach einer Geburt auf und hat eine Dauer, die von der Stärke des Leidens abhängt (Cox,1993; zit. nach Dennis & Hodnett, 2007, S. 2). Die PPD ist ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem für viele Frauen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Längsschnittstudien und epidemiologische Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Prävalenzen, die von nur 3% bis mehr als 25% (Frauen im ersten Jahr nach einer Geburt) variieren. Die sehr unterschiedlichen Raten sind auf Unterschiede bei den Stichproben, den Diagnosezeitpunkten, den Diagnosekriterien und den Studiendesigns zurückzuführen. So kommen retrospektive Studien in der Regel zu deutlich niedrigeren Raten als prospektive Studien (Dennis & Hodnett, 2007, S.2). Halbreich (2005, S.1314) geht sogar davon aus, dass die Prävalenz der PPD je nach Herkunftsland der Mütter zwischen 0% und 60% variiert. Er kritisiert, dass eine Beschränkung auf die PPD, die in der Regel über die Postnatale Depression Scale (EPDS) oder den Beck Depression Inventory gemessen wird, zu eng gefasst sei. Eine ganze Reihe unterschiedlichster postpartaler Störungen und Symptome seien bekannt, wie etwa verschiedene Angststörungen oder Störungen der Mutter-Kind-Beziehung. Postpartale Symptome des Zentralnervensystems (ZNS), des Autoimmunsystems und des Hormonsystems, die zu Störungen von Stimmung, Verhalten und Kognition führen, seien in der psychiatrischen Literatur weitestgehend vernachlässigt.

Es hat sich gezeigt, dass schon Kinder unter 3 Monaten die affektive Stimmung ihrer Mütter wahrnehmen und ihr eigenes Verhalten danach ausrichten. Kinder von Müttern mit PPD entwickeln meist schlechtere kognitive Fähigkeiten und werden vielfach verhaltensauffällig (Dennis & Hodnett, 2008, S.2). Vernachlässigung und Misshandlungen von Kindern ist ein weltweites Phänomen. Depressive Symptome der Mutter haben sich als konsistenter Prädiktor für zukünftige negative elterliche Verhaltensweisen (Schreien, Schlagen, Schütteln) gegenüber von Kindern erwiesen (Halbreich, 2005, S.1317). Und Frauen, die an einer PPD leiden, tragen ein zweifaches Risiko in den nächsten fünf Jahren eine erneute Depression durchzumachen (Cooper & Murray, 1995; zit. nach McQueen et al., 2008, S.127). Prävention von Depressionen bei Müttern sollte ein echtes Public-Health-Anliegen sein, um problematische Entwicklungen von Kindern und zukünftigen Eltern zu verhindern oder immerhin zu verringern. Die folgende Arbeit möchte der Frage nachgehen, welche Risikofaktoren die Entstehung einer PPD begünstigen. Anhand aktueller Studien und Ergebnisse soll die Thematik erarbeitet werden.

1. Pathophysiologie der PPD und medikamentöse Behandlung

Im folgenden Abschnitt soll skizzenhaft auf die biophysiologischen Ursachen der PPD eingegangen werden. Dies geschieht zum Verständnis der physiologischen Vulnerabilität des weiblichen Organismus während und nach einer Schwangerschaft und im Hinblick auf die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung der PPD.

1.1 Abnorme Neurosteroid Regulation

Abweichende Konzentrationen von Neurosteroiden im Zentralnervensystem (ZNS) stehen im Zusammenhang mit unterschiedlichen psychiatrischen und neurologischen Störungen, wie etwa dem prämenstruellen Syndrom (PMS), der menstruellen Migräne, der Depression im Allgemeinen, der PPD im Besonderen und verschiedenen Angststörungen (Maguire & Mody, 2008). Verminderte Neurosteroid-Konzentrationen konnten bei Patienten mit Depressionen festgestellt werden, während Antidepressiva zu einer Zunahme der Neurosteroid-Konzentration führen. Ihr therapeutischer Nutzen wird darauf zurückgeführt. Physiologisch scheinen die verschiedenen postnatalen Stimmungsstörungen durch den rapiden Abfall der reproduktiven Hormone nach einer Schwangerschaft ausgelöst zu werden. Andererseits führen exogene Verabreichung und erneuter Entzug von Steroiden, was die hormonellen Veränderungen einer Schwangerschaft imitieren soll, nur bei Frauen mit der Vorgeschichte einer PPD zu depressiven Symptomen (Bloch et al. 2000; zit. nach Maguire & Mody, 2008). Dies spricht für eine Prädisposition dieser Frauen. Die genaue Ursache der Prädisposition ist allerdings bisher ungeklärt (Magiure & Mody, 2008, S.207).

1.2 Medikamentöse Behandlung der PPD

Die PPD ist eine Erkrankung, die vielfach undiagnostiziert bleibt und daher auch nicht behandelt wird. Die betroffenen Frauen scheuen sich mit dem Hausarzt, Gynäkologen oder Kinderarzt über ihre Problematik zu sprechen, da sie die Angst als „schlechte“ Mutter oder als „verrückt“ bzw. mit einem psychiatrischen Problem stigmatisiert zu werden, davon abhält (Pearlstein, 2008, S.308). Bisher wurden sehr wenige Studien zur Behandlung der PPD mit Antidepressiva durchgeführt und es gibt noch kein Medikament, das durch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) für die Behandlung der PPD zugelassen wurde. Stillende Mütter werden von den meisten Studien ausgeschlossen. Es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass Medikamente zur Behandlung von MDD (major depressive disorder) auch gegen die PPD wirksam seien, was aber bisher nie systematisch untersucht worden ist. Einige Aspekte der PPD sind einmalig, wie die bereits beschriebenen extremen Fluktuationen im Hormonhaushalt, der mögliche Einfluss des Stillens auf die Stimmung, der Schlafentzug und der Stress durch das Neugeborene. Trotz ethischer Bedenken, wegen der schädlichen Wirkung der PPD auf das Kind, können letztlich allein Placebo-Kontroll-Studien die Wirksamkeit medikamentöser Behandlungen belegen (Pearlstein, 2008, S.308).

1.3 Randomisierte klinische Studien

In einer klinischen Studie von Appleby et al. (1997) wird die medikamentöse Behandlung durch Fluoxetine an einer Studiengruppe mit einer Kontrollgruppe, die nur Beratungsgespräche erhält, untersucht. Die Stichprobe umfasst insgesamt 87 Frauen. Stillende Mütter und Frauen, die länger als 2 Jahre an Depression leiden, wurden von der Untersuchung ausgeschlossen. Die randomisierte Zuordnung erfolgt zu einer der vier folgenden Gruppen:

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Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656979692
ISBN (Buch)
9783656979708
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300294
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Social and preventive medicine
Note
Schlagworte
prädiktoren postpartalen depression literaturarbeit sozial- präventivmedizin

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