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Bericht zum Hauptpraktikum an einem Gymnasium im Lehramtsstudium. Hospitationsprotokolle, Unterrichtsentwürfe und Reflexionen

von Julius Ledge (Autor)

Praktikumsbericht / -arbeit 2015 51 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

1. Vorwort

Vom 9. Februar bis zum 6. März bot sich mir die Möglichkeit nach meinem Studienbeginn im Oktober 2010, in den Schulalltag zurückzukehren und mein gelerntes Wissen und die gesammelten Erfahrungen aus dem Universitätsalltag in der Praxis am X-Gymnasium, sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II, anzuwenden. Dieses Mal war ich jedoch nicht als Schüler in der Klasse, sondern als zukünftiger Lehrer. Den Schulalltag aus der Sicht der Lehrerschaft zu erfahren, Schüler- und Lehrerhandeln zu beobachten, an Konferenzen teilzunehmen, eine Exkursion zu begleiten und natürlich das Unterrichten gehörte zu meinen Aufgaben.

Im Folgenden berichte ich über meine Erfahrungen und Erlebnisse, die ich während des vierwöchigen Praktikums machte. Erfahrungen über den Unterrichtsablauf, die Rolle des Lehrers, die Lernkultur, die Sozial- und Aktionsformen im Unterricht und die Methoden der Lehrkräfte den Unterricht interessant und motivierend zu gestalten, sind nur einige Auszüge, die ich hier ver- und bearbeiten werde.

Für das Gymnasium entschied ich mich, um meine Erfahrungen mit kleineren Schulen aus meiner Heimatstadt und meinem Studienort zu ergänzen. Mit dem Praktikum an einer der größeren Schulen gelang es mir, einen Eindruck vom Alltag in einer Großstadtschule zu erhalten. Auch das Niveau der Schule ist relativ hoch. So kommt der Großteil der Schüler sehr gerne zur Schule und ist ebenso lernwillig. Besonders wegen der Methodenvielfalt einiger Lehrer im Unterricht, dem Projekt- und Sportangebot, sowie wegen der zahlreichen Aktionen und Exkursionen ist die Schule nicht unbedingt ein Pflichtprogramm, sondern ein Ort an dem Lernen Spaß macht und Erfolge zeigt. So erhoffte ich mir von meinem Praktikum, dass ich einen intensiven Einblick in den Alltag des Lehrer erfahren kann.

2. Allgemeine Angaben zur Schule

Ursprünglich gegründet wurde das Gymnasium X als Mädchenschule am 22. April 1908. Nur fünf Jahre später wurde die Schule von preußischen Staat übernommen und unter die Aufsicht des königlichen Provinzialkollegiums gestellt. Im Zuge der Umbenennungen nach Kriegsende, erhielt sie ihren heutigen Namen. Im Jahr 1952 wurden erstmals auch Jungen in die Schule aufgenommen.

Eng verbunden fühlt sich die Schule mit der Namensgeberin, die sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als große Kämpferin für den Frieden in Europa erwiesen hat. Diese soll den Schülern als Vorbild für Unerschrockenheit, Beharrlichkeit und Klugheit dienen und auch wenn darum geht, sich für die richtige Sache einzusetzen. Neben dem Festhalten an traditionellen Werten und Inhalten, ist das Gymnasium aber auch offen für Veränderungen, wenn es um die Vorbereitung der Schüler auf ein Leben in einem neuen Europa und als Teil einer globalen Vernetzung geht.

Kontakt besteht 1 3 Partnerschulen, deren Standorte weit über den europäischen Kontinent hinaus reichen. So pflegt das Gymnasium die Zusammenarbeit mit Schulen in Namibia, Kanada und auch China.

Neben der Vorbereitung auf Sprachprüfungen, nimmt die Schule auch an Wettbewerben, wie Jugend debattiert, Debating oder Jugend forscht teil. Auch das Thema Berufsorientierung gewann in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Dazu kooperiert das Gymnasium auch immer mehr mit außerschulischen Partnern. Um den Schülern unterschiedlichste Einblicke in ein Berufsleben nach der schulischen Laufbahn zu geben, wird jedes Jahr in Zusammenarbeit mit Ehemaligen, Eltern und Partnern aus Wirtschaft und Universität, der sogenannte Carreers Day gestaltet. Dafür erhielt die X im Jahr 2014 das Qualitätssiegel für exzellente Berufsorientierung. Unter dem Motto Bildung mit Qualität, erwartet die Schule von ihren Schülern Engagement, Selbstständigkeit und Initiative.

3. Hospitationsprotokolle und Auswertungen

3.1. Hospitationsprotokoll 1

Schule: X Gymnasium

Klasse: 11 LK (2 Mädchen, 14 Jungen) Fach: Geschichte (Doppelstunde)

FachlehrerIn: Herr A.

Datum: 11.02.2015

Thema der Stunde: Renaissance

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungen: AB = Arbeitsblatt, EA = Einzelarbeit, FU = Frontalunterricht, GA = Gruppenarbeit, GD = Gruppendiskussion, L = Lehrer, LI = Lehrerinstruktion, LSG = Lehrer-Schüler- Gespräch, LV = Lehrervortrag, PA = Partnerarbeit, QA = Quellenarbeit, S = Schüler, StA = Stillarbeit, TA = Tafelarbeit, UE = Unterrichtseinheit, UG = Unterrichtsgespräch, Wdh = Wiederholung

Hospitationsreflexion 1 - Schwerpunkt: "Neue Lernkultur"

Am Mittwoch, den 11.02.2015 hospitierte ich bei Herrn A., in einer Doppelstunde Geschichte, im Leistungskurs der Klassenstufe elf. Herr A. machte auf mich von Beginn an einen sympathischen und vor allem auch kompetenten Eindruck. So Stand er zur Begrüßung auf und ließ dies auch die Klasse zu einem gemeinsamen "Guten Morgen" tun. Damit gewährleistete er, dass die volle Aufmerksamkeit der Klasse von Beginn an auf ihn gerichtet war.

Die erste Unterrichtsphase nutzte der Lehrer dazu, das Stundenthema vorzugeben und dieses in den Kontext einzuordnen. Bereits hier wurde die klare Strukturierung und das damit verbundene, gut funktionierende Unterrichtsmanagement deutlich. Es schloss sich die Erarbeitungsphase an, die mit einer Fragestellung an der Tafel begann. Nicht nur das Thema (Geldwesen und Handel im Spätmittelalter), sondern auch eine zum Nachdenken anregende Fragestellung (Ausdruck eines historischen Modernisierungsprozesses?), sorgten für eine aktive und qualitativ hochwertige, selbstständige Mitarbeit seitens der Schüler, bei der nicht nur Antworten zur Fragestellung gegeben wurden, sondern auch auf Aussagen der Mitschüler eingegangen und über deren Qualität diskutiert wurde. Auch mit Hilfe eines zum Thema passenden Textes, entstand in Kooperation von Lehrer und Schüler eine Übersicht an der Tafel. Vertieft und gesichert wurden die Ergebnisse im Anschluss, anhand eines Arbeitsblattes.

Der nächste Arbeitsschritt begann mit einer Mindmap zum Thema Renaissance. Hierbei arbeiteten die Schüler mit der Methode think - pair - share, was bedeutet, dass erst nach Einzel- und Partnerarbeit der Klassenbeitrag folgt. Die entstandenen Arbeitsergebnisse wurden auch bei dieser Erarbeitung bestens erläutert und ausgewertet. Während der anschließenden Vertiefungs- und Anwendungsphase, zog sich Herr A. weitgehend zurück und ließ die Schüler diesen Abschnitt selbstständig gestalten. Dabei setzte er sich in die Ecke eines Raumes und beobachtete den Werdegang der Diskussion, jedoch immer bereit einzugreifen. Aufgrund der qualitativ hochwertigen Beiträge der ohnehin durchweg intelligenten und scharfsinnigen Klasse, war dies allerdings nicht notwendig.

Der deutsche Erziehungswissenschaftler Herbert Gudjons spricht, im Hinblick auf die Anforderungen an das schulische Lernen, von einer neuen Unterrichtskultur und einer veränderten Lehrerrolle 1 , die durch gesellschaftliche Veränderungen und neue Erkenntnisse der Lernpsychologie einen Methodenwandel erfordern. Die von Gudjons beschriebenen Kernelemente einer neuen Unterrichtskultur, konnte ich auch bei Herrn A. feststellen. So förderte der Lehrer das selbstgesteuerte Lernen, indem er den Schülern das entdeckende Lernen an problematischen Aufgaben und einer aktiven Auseinandersetzung damit ermöglichte. Gleichzeitig hielt er sich dabei zurück und ermöglichte so das selbstgesteuerte Lernen der Klasse. In weiteren Hospitationsstunden konnte ich außerdem weitere selbstverantwortliche Arbeitsformen, wie Freiarbeit oder Projektarbeit beobachten, dazu kam eine vielfältige Vermittlung von Lern- und Arbeitsmethoden.

Auch gelang es Herrn A. Konstruktion und Instruktion zu vereinbaren. Hierbei wurde der "Frontalunterricht [...] von der traditionellen, nahezu alleinigen Unterrichtsform mit Allzweckcharakter zu einer Unterrichtsphase, die in ein Gesamtkonzept schüleraktiven (und in großen Teilen selbstgesteuerten) Unterrichts integriert ist."2 Der Frontalunterricht bei Herrn A. hatte dabei die Funktion, in das neue Thema einzuführen, den Unterricht zu koordinieren und zu planen und die Einzelergebnisse zu (aus Gruppen- oder Partnerarbeit) zu systematisieren, zu vernetzen und zu vertiefen.3

Dem Lehrer verstand es außerdem, situiertes und intelligentes Wissen zu vermitteln. Das bedeutet, dass, wie Gudjons meint, "Wissen [...] in der Regel in Interaktion von Menschen gemeinsam geschaffen/ entwickelt [wird]"4 So legte die Lehrkraft auch großen Wert auf das kooperative Lernen, was mit Herbert Gudjons Meinung untrennbar verbunden ist. Großen Wert legte A. ebenso auf die Verknüpfung von Wissen aus unterschiedlichen Bereichen, sowie aus bereits Gelerntem, zur Lösung neuer Probleme. Gudjons bezeichnet dies als Intelligentes Wissen.5

3.2. Hospitationsprotokoll 2

Schule: X Gymnasium

Klasse: 12 Gk (6 Mädchen, 15 Jungen) Fach: Geschichte (Doppelstunde)

FachlehrerIn: Herr B. Datum: 09.02.2015

Thema der Stunde: Nachkriegsdeutschland (Potsdamer Konferenz)

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hospitationsreflexion - Schwerpunkt: Interaktion/ Komunikation

Bei Herrn B. hospitierte ich am Donnerstag, 09.02.2015 im Fach Geschichte. Die Doppelstunde hatte Deutschland in der Nachkriegszeit zum Gegenstand Im speziellen ging es hierbei um die Potsdamer Konferenz. Der Geschichtsgrundkurs der 12. Klasse, bestand aus 6 Mädchen und 15 Jungen.

Ohne den Praktikanten vorzustellen, begann Herr B. seinen Unterricht mit einer Fragerunde zu den Truman Doktrin, als Wiederholung der letzten Unterrichtsstunde. Dass die Schüler mit Begeisterung bei der Sache waren, war für mich nicht erkennbar. Sie arbeiteten eher weniger aktiv mit und wurden vielmehr von der Lehrperson aufgerufen, um Antworten zu geben. Im Anschluss an die kurze Wiederholungsphase, bearbeiteten die Schüler, mit Hilfe der Hausaufgaben, ein Arbeitsblatt in Partnerarbeit. Die Arbeitsanweisungen wurden von Herrn B., in einem angemessenen Sprachniveau, verständlich und zielgerichtet formuliert, sodass Nachfragen, seitens der Schüler, nicht auftauchten. Allerdings formulierte der Lehrer seine Aufgaben sehr forsch und straff, was seine Kommunikation mit den Schülern fast schon militärisch wirken ließ. Rückmeldungen zu Schülerantworten gab es kaum und wenn, dann nur negative. Motivation konnte so nicht erreicht werden. Durch diese Art der Kommunikation, distanzierte sich die Lehrkraft vom Klassengefüge, sowohl der soziale Kontakt zu Einzelnen, als auch die Integration des Lehrers in die Schülergemeinschaft waren hierbei nicht gegeben.

Trotzdem verhielt sich die Lehrperson allen Schülern gegenüber respektvoll und bemühte sich, alle in den Unterricht einzubeziehen. Auch die Schüler untereinander gingen respektvoll miteinander um, so blieb der Unterricht frei von Beleidigungen oder aggressiven Verhaltensweisen. Die wenigen Störungen, durch Schwatzen mit dem Banknachbarn, wurden von Herrn B. schnell und deutlich unterbunden. Bei der Auswertung des Arbeitsblattes, welches den Kern der Doppelstunde darstellte, ließsich der Lehrer viel Zeit und versuchte dabei, in einem Lehrer-Schüler-Gespräch, den Unterricht zielgerichtet zu lenken. Er verstärkte dies, indem er durch knappe Thesen zum Stoff, die Schüler provozierte und damit zur Diskussion anregte. Sprache und Tonfall veränderten sich dabei jedoch nicht. Auch durch seine Körpersprache, symbolisierte Herr B. seine Dominanz in der Klasse. So ging er beispielsweise, während der Bearbeitungszeit der Arbeitsblätter "wächterähnlich" durch die Tischreihen und prüfte mit schnellen Blicken die Qualität der Arbeitsergebnisse. Insgesamt interpretiert Herr B. seine Lehrerrolle zwar weniger als Freund und Berater, sondern vielmehr als Oberhaupt und Leiter, dennoch ist die Qualität des Lernerfolges der Schüler durch die Effektivität des Unterrichts unbestreitbar.

Seinen Unterricht würde ich als traditionellen Frontalunterricht bezeichnen, da die festgestellten Merkmale mit der typischen Charakteristik übereinstimmt, die Hilbert Meyer in seinem Buch Frontalunterricht lebendiger machen 1 beschreibt. So hat Herr B. während der gesamten Zeit die Steuerung, Kontrolle und die Bewertung in seiner Hand. Auch die Kommunikation verläuft weniger unter den Schülern, sondern überwiegend zwischen Lehrer und Schüler. Der Unterricht war außerdem überwiegend thematisch orientiert, das heißt, eine kognitive, sprachlich vermittelte Strukturierung des Unterrichtsverlaufes dominierte und der Sprachanteil des Lehrers war höher, als der der Schüler.

3.3. Hospitationsprotokoll 3

Schule: X Gymnasium

Klasse: 11 (7 Mädchen, 4 Jungen) Fach: Deutsch (Doppelstunde)

FachlehrerIn: Frau C. Datum: 09.02.2015

Thema der Stunde: Dramenanalyse ("Nathan der Weise")

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Gudjons, Herbert: Neue Lernkultur - veränderte Lehrerrolle. Bad Heilbrunn 2006. S. 27 ff.

2 Gudjons, Herbert: Neue Lernkultur - veränderte Lehrerrolle. Bad Heilbrunn 2006. S. 18.

3 Ebenda. S. 19.

4 Ebenda. S. 20.

5 Ebenda.

1 Meyer, Hilbert; Paradies, Liane. Frontalunterricht lebendiger machen. Oldenburg 2005.

Details

Seiten
51
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668280250
ISBN (Buch)
9783668280267
Dateigröße
3.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300278
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Pädagogik und Pädagogische Psychologie
Note
1,2
Schlagworte
Hauptpraktikumsbericht Lehramt Praktikumsbericht Langentwurf Unterrichtsentwurf

Autor

  • Julius Ledge (Autor)

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Titel: Bericht zum Hauptpraktikum an einem Gymnasium im Lehramtsstudium. Hospitationsprotokolle, Unterrichtsentwürfe und Reflexionen