Lade Inhalt...

Gesundheit beginnt im Kopf. Mentales Training als Unterstützung bei psychosomatischen Beschwerden

Diplomarbeit 2015 72 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychosomatik
2.1. Definition
2.2. Geschichtlicher Streifzug durch die Psychosomatik und ihre Modelle
2.2.1. Konversionsmodell (Freud 1895)
2.2.2. Lerntheoretisches Modell nach Pawlow (1905)
2.2.3. Stressmodell (Selye, 1936J
2.3. Psychosomatik heute
2.4. Psychosomatik im Alltag
2.4.1. Klinische Beispiele
2.4.2. Therapieformen

3. Das Mentale Training
3.1. Allgemeines
3.2. Definition und Ziele des mentalen Trainings
3.3. Bewusstsein - Unterbewusstsein - Gehirn
3.4. Glaubenssätze
3.4.1. Positives Denken - Macht der Gedanken

4. Techniken des Mentaltrainings zur Besserung von psychosomatischen Störungen
4.1. Problem erkennen, Ziel finden und definieren
4.2. Entspannung und Entspannungstechniken
4.2.1. Progressive Muskelentspannung
4.2.2. Hypnose
4.2.3. Autosuggestion
4.2.4. Autogenes Training
4.2.5. Atmen
4.2.6. Meditation
4.3. Visualisieren
4.3.1. Vergangene Erfolge als Kraftquelle
4.4. Affirmationen
4.5. Anker setzen
4.6. Klopfakupressur

5. Resümee

6. Literaturnachweis

7. Abbildungsverzeichnis

Anhang

Gleichheitsgrundsatz

Um nicht den Lesefluss durch eine ständige Nennung beider Geschlechter zu stören, wird entweder eine geschlechtsneutrale Formulierung verwendet oder es wird nur eines der beiden Geschlechter angegeben. Im letzteren Fall sind selbstverständlich beide Geschlechter gemeint.

1. Einleitung

Willst du den Körper heilen, musst du zuerst die Seele heilen.

(Platon, 427 - 348 od. 347 v. Chr.)

Laut Statistik Austria steigt der prozentuelle Anteil der Krankenstandstage von Menschen, die wegen psychischer Störungen krankgeschrieben werden, rasant weiter.1 Wie viel Prozent aller übrigen Krankheitsgruppen (z.B. Krankheiten der Haut, des Immunsystems, des Atmungssystems) aus der Tabelle psychische Ursachen haben, ist nicht ersichtlich und kann auch schwer erfasst werden. Diese alarmierenden Zahlen und eine schicksalhafte Erfahrung in der eigenen Familie haben mich bewogen, mich mit dem Thema Krankheiten, psychische Störungen, Ursachen von Krankheiten usw. auseinander zu setzen. Dabei bin ich immer wieder auf die Frage gestoßen, ob nicht ein Großteil der Krankheiten ihren Ursprung im seelischen Leiden hat. Die heutige westliche Gesellschaft ist geprägt vom Leistungsdruck, Stress, Schnelllebigkeit, Streben nach mehr usw., was sich zu allererst auf die „Psyche schlägt“ (z.B. Ängste, Depressionen) und schließlich in körperlichen Beschwerden endet. Die Psychosomatik kann sich aber nicht nur in Krankheiten oder Störungen, sondern auch positiv auf den Menschen auswirken.

Ich möchte mich in dieser Arbeit vorwiegend mit dem pathologischen Bereich auseinandersetzen und mögliche Hilfestellungen durch die Anwendung diverser Methoden des Mentaltrainings anbieten. Dadurch soll erreicht werden, dass sich die Lebensqualität von Betroffenen entscheidend verbessern kann. Zuerst möchte ich darlegen, was unter dem Begriff Psychosomatik zu verstehen ist und wie die Einheit von Körper und Seele, bzw. ihr Zusammenwirken geschichtlich gesehen wurde. Des Weiteren werde ich das Mentaltraining vorstellen und auf entsprechende Methoden näher eingehen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Psychosomatik und ihre Akzeptanz zu erklären und ich will mich damit auseinandersetzen, auf welche Art und Weise mentales Training positiven Einfluss auf psychosomatische Erkrankungen und deren Heilung haben kann.

Es wird die Methode des Literaturstudiums angewandt. Für die Recherche der entsprechenden Literatur werden einschneidende Fachbücher, Fachzeitschriften, Studien und Online-Artikel verwendet. Eine intensivere und mehr ins Detail gehende Ausarbeitung einzelner psychosomatischer Erkrankungen und die Be- und Aufarbeitung der Ursachen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Es soll jedoch ein Überblick verschafft und eine Bewusstmachung der möglichen Ursprünge diverser Erkrankungen und Störungen erreicht werden. Denn erst dadurch kann der Mensch das „Übel an der Wurzel packen“ und Schritte setzen, die Ursache seiner Störungen zu finden und zu bearbeiten. Oberstes Ziel eines jeden Menschen sollte es meiner Ansicht nach sein, das Gleichgewicht zu erlangen und zu halten, welches für die Gesundheit und vor allem auch für die Lebensfreude die wesentlichste Voraussetzung ist.

2. Psychosomatik

2.1. Definition

Das Wort Psychosomatik kommt ursprünglich aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern, Psyche was so viel wie Hauch, Atem, Seele und Soma was übersetzt Körper oder Leib bedeutet, zusammen.2 Im Brockhaus wird Psychosomatik als Richtung der Medizin definiert, die einen engen Zusammenhang zwischen somatischen Störungen, Symptomen oder Krankheitsbildern und der Psyche annimmt. Es wird davon ausgegangen, dass die Psyche starken Einfluss auf den Verlauf von verschiedenen Krankheitsbildern hat.3 4 Im Pschyrembel wird hinzugefügt: „Der psychische Anteil ist immer von unterschiedlicher Art und Gewicht für jeden einzelnen Patienten, was der Psychosomatik etwas sehr Individuelles gibt.‘A

Es ist heute bewiesen, dass bei einem großen Prozentsatz der erkrankten Menschen nie nur die Seele oder der Körper alleine erkrankt, sondern, dass es ein Zusammenspiel zwischen Seele und Körper gibt, also eine „gemischte“ Erkrankung.5 Aus statistischen Daten ist ersichtlich, dass ein großer Teil der Bevölkerung an dauerhaften Gesundheitsbeschwerden leidet, wobei z.B. 6,6% an schweren Kopfschmerzen wie Migräne, 3,4% an Depressionen und 1,8% an chronischen Angststörungen, 1,7% an Lernschwächen beim Lesen, Schreiben oder Rechnen leidet.6 Das weist m.E. auf die Vielzahl der psychosomatischen Störungen in der Gesellschaft hin und soll eine Aufforderung sein, die Ursachen dieser zu finden und zu bearbeiten.

Die Forschung und Umsetzung von psychosomatischen Leiden in der Krankenbehandlung erfolgt in der psychosomatischen Medizin.

2.2. Geschichtlicher Streifzug durch die Psychosomatik und ihre Modelle

Die Psychosomatik ist erst Anfang des vorigen Jahrhunderts als eigene Wissenschaft in Erscheinung getreten.7 Ihre Ursprünge lassen sich jedoch bereits auf das 10. Jhdt. v. Chr. zurückführen, als Salomo, König in Israel, meinte „Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein."8

In der Antike setzte sich der griechische Arzt Hippokrates (etwa 460 bis 377 vor Christus) mit diesem Thema intensiv auseinander und bemerkte u.a., dass das menschliche Herz sich bei Freude erweitert und bei Angst zusammenzieht. Man ging also von einem Zusammenspiel von Körper und Seele aus.

Im Mittelalter hingegen war die mächtige Kirche überzeugt davon, dass die Seele von Gott erschaffen wurde und unsterblich sei. Der Köper war separiert davon zu betrachten. Körperliche Schmerzen mussten unbehandelt ertragen werden, denn sie galten als Gottes Strafe und die Erlösung von diesen als SEINE Gnade.

Auch nach dem französischen Philosophen René Descartes (1596 - 1650) existierten Körper und Seele getrennt voneinander, was er auf metaphysische und naturphilosophische Überlegungen stützte, d.h. für ihn, dass Seele und Körper zwei vollkommen verschiedene Substanzen sind.9

In der Mitte des 19.Jhdt. dominierten die Naturwissenschaften, was sich darin äußerte, dass die Medizin ohne Einbeziehung der Psyche arbeitete.

Der Begriff Psychosomatik wurde vermutlich erstmals von Johann Christian August Heinroth (1773-1843) erwähnt. Er war als Physiker der Auffassung, dass jede eigentliche „Seelenstörung“ in der Seele selbst entsteht. Daher bezog er auch die Biographie des Patienten in das Krankheitsbild mit ein.10

Im darauffolgenden Jahrhundert trug der österreichische Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker Siegmund Freud (1856 - 1939)11 massiv seinen Teil für die Psychosomatik bei. Er entwickelte das Konversionsmodell.

2.2.1. Konversionsmodell (Freud 1895)

Dieses ist auch heute noch von weitreichender Bedeutung. Freud definierte die Konversion (conversio, lat. Umwandlung) und bezeichnete damit die Umwandlung von seelischen Konflikten in körperliche Phänomene,12 d.h. dass psychische Erregung, die nicht adäquat verarbeitet oder abgeführt werden kann, in einen Körperteil springt, also in eine körperliche Beschwerde umgewandelt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - "Das Konversionsmodell nach Freud"“13

Beispiele für Konversionssymptome sind etwa Lähmungen, Sprechstörungen, Atembeschwerden, Durchfälle und ähnliche.14 Die Annahme des Unbewussten ist ein wichtiges Hauptmerkmal der Tiefenpsychologie und spielt auch im Mentaltraining eine enorme Rolle, worauf später noch etwas näher eingegangen wird.

2.2.2. Lerntheoretisches Modell nach Pawlow (1905)

Der russische Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow konnte durch empirische Experimente an Hunden beweisen, dass physiologische Abläufe durch bedingte Reflexe gelernt werden können. Er kombinierte dabei das Läuten einer Glocke mit der gleichzeitigen Futtergabe, wobei sich bei den Hunden vorerst nur dann Speichelfluss bildete, wenn sie das Futter sahen. Beim alleinigen Läuten der Glocke passierte nichts. Pawlow wiederholte die Kombination aus dem Läuten der Glocke und der Futtergabe mehrere Male und stellte danach fest, dass wenn die Glocke läutete, jedoch keine Futtergabe erfolgte, bei den Hunden trotzdem ein Speichelfluss auftrat.15 16 In dieser Weise kann nach Pawlow auch der Mensch konditioniert werden. Er meint, „dass Belastungen und konditionierte Reflexe körperliche Funktionen z.T. dauerhaft verändern können“™

2.2.3. Stressmodell (Selye, 1936J

Hans Selye (1907 - 1982) gilt als Vater der Stressforschung. Seiner Theorie nach ist Stress eine Aufforderung an den Organismus, durch die Verarbeitung von inneren oder äußeren Reizen das biologische Gleichgewicht des Körpers aufrecht zu erhalten. Das läuft Selyes Stressmodell zufolge in 3 Phasen ab:

1. Alarmreaktion (kurze Phasen körperlicher Erregung, die den Körper für energische Aktionen bereit machen)
2. Phase der Resistenz (Körper kann weiteren schwächenden Effekten der anhaltenden Stressoren widerstehen)
3. Phase der Erschöpfung (die Ressourcen des Körpers gehen zur Neige)17

Er meint, dass Stress nicht nur negativ zu sehen ist, sondern Stressreaktionen auch positive Konsequenzen haben können. Er gliedert den Stress in Eustress, der stimulierende Wirkung hat und Distress, der schädigende Wirkung auf den Menschen hat. Bei der schädigenden Wirkung von Distress kommt es zur Symptombildung, wobei das betroffene (meist schwache) Organ vom Zufall bestimmt wird.18 Es kann zu Magengeschwüren, Bluthochdruck oder zum Herzinfarkt kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 „Stressmodell nach Selye“19

Die bedeutendste Rolle in der Psychosomatik spielte schließlich der deutsche Internist und Psychoanalytiker Franz Alexander mit seinem eindrucksvollen Werk „Psychosomatische Medizin“, das er 1950 veröffentlichte. Er beschreibt darin die „Holy 7“, die sieben psychosomatischen Krankheiten:

1. Ulcus ventriculi (Magengeschwür) und Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)
2. Asthma bronchiale (Bronchialasthma)
3. Rheumatoide Arthritis (Chronische Polyarthritis)
4. Neurodermitis (Hauterkrankung)
5. Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck)18 19
6. Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
7. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn (chronisch entzündliche Darmerkrankungen).20

Diese Liste ist heute zwar bereits überholt, jedoch half Franz Alexander bei der Entwicklung der Psychosomatik und dabei, sie als eigenständige Disziplin in der Medizin anzuerkennen.

1977 wurde von George Engel, einem amerikanischen Arzt und Psychoanalytiker, das biopsychosoziale Krankheitsmodell (ein Stressmodell) vorgestellt. Ihm zufolge beeinflussen sich Körper, Psyche und soziale Umwelt wechselseitig Teile und werden zu einem verflochtenen Ganzen. Dieses Krankheitsverständnis stellt die Basis in der modernen Psychosomatik dar.21 22 Das Modell von George Engel ist auch die Grundlage für die Erklärung der Wirkung der Placebos, also von Medikamenten ohne spezifischen Wirkstoff.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 „biopsychosoziale Krankheitsmodell“22

Das Stressmodell führte zu Forschungsprojekten im Bereich der Stressresilienz und der Gesundheitsentstehung. Krankheit und Gesundheit werden nicht als zwei unterschiedliche Zustände angesehen, sondern sie stehen in enger dynamischer Wechselwirkung zueinander. Die Psychosomatik ist demnach eine medizinisch­psychologische Krankheitslehre, die davon ausgeht, dass psychische Prozesse und psychosoziale Einflüsse bei der Entstehung und Heilung von körperlichen Leiden eine wesentliche Rolle spielen und umgekehrt auch körperliche Faktoren für die Entstehung psychischer Störungen mitverantwortlich macht.23

Letztendlich kann gesagt werden, dass jede dieser Theorien zur Hypothese, dass - was bis dato nicht widerspruchsfrei geblieben ist - der Körper und die Seele Zusammenwirken, beigetragen hat.

2.3. Psychosomatik heute

„Geh Du vo r, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht.

Vielleicht hört er auf Dich“. „Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagt der Körper zur Seele.

(Ulrich Schaffer)

Schaffer trifft mit seiner Aussage präzise den Begriff der Psychosomatik. Er drückt damit aus, dass der Körper und die Seele miteinander in Wechselwirkung stehen und schließlich eine Einheit bilden. Dieses Zusammenwirken kann in der Praxis beim Lachen gut beobachtet werden. Es erfasst den ganzen Menschen und ist eine ganzheitliche (d.h. geistig-seelisch-körperliche) Reaktion. Die Lungentätigkeit wird dabei angeregt, der Kreislauf beschleunigt und die Muskeln angespannt. Dadurch fühlen wir uns wohl und belebt.24

Im Gegensatz dazu können seelische Probleme zu körperlichen Problemen bzw. Symptomen führen, das heißt, dass die Seele den Körper krank machen kann. Das ist die pathologische Form dieses Zusammenspiels, die Folge davon, wenn Körper und Seele aus dem Gleichgewicht geraten sind. In häufigen Fällen ist das bei Ängsten und Depressionen zu beobachten. Bei länger andauernden seelischen

Störungen kommt es schließlich u.a. zu Gewebeänderungen und Gewebeschäden.25 Eine Unterstützung bei der Findung der Ursache könnte die Tabelle von Ralf Bihlmaier (Anhang 1) sein.26 In dieser ordnet er Krankheiten den Organen zu wodurch sich ein mögliches Ursachenbild herauskristallisieren kann.

Obwohl in Österreich die Lebensumstände und das Gesundheitssystem weit besser sind als in vielen anderen Ländern, fühlen sich immer mehr Menschen oft nicht wohl und sind zunehmend öfter krank, als in den vergangenen Jahrzehnten. Ein großer Teil der Bevölkerung leidet an chronischen Rücken- und Kopfschmerzen, hat Probleme mit dem Verdauungstrakt oder fühlt sich einfach ausgepowert und müde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Krankenstandstage auf 1000 Erwerbstätige (Quelle Statistik Austria 2013)

Lt. Statistik Austria steigen die Krankenstandsfälle aufgrund psychischer Krankheiten in Österreich dramatisch an. Bei vielen anderen Krankheitsgruppen wie etwa Krankheiten des Nervensystems, des Verdauungssystems, des Atmungssystems und insbesondere auch bei Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten ist zwar nicht nachvollziehbar, ob sie psychische Ursachen haben und sich körperlich äußern, somit psychosomatische Erkrankungen sind, es ist jedoch grundsätzlich davon auszugehen. Jedenfalls sind psychische und psychosomatische Krankheiten sowohl für die Gesellschaft als auch für das Gesundheitssystem eine große Herausforderung.

Die Wissenschaft der Psychosomatik hat sich erfreulicherweise in Europa bzw. Österreich bereits gut etabliert, dennoch haben sehr viele Patienten einen Hürdenlauf hinter sich, bevor somatoforme Störungen als solche erkannt werden. Auf der anderen Seite fehlt oftmals noch das Verständnis der Patienten für eine psychische oder mentale Behandlung ihrer Leiden, sei es bei einem Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiatern oder sonstigen Therapeuten. Sie fühlen sich schließlich körperlich und nicht seelisch krank. Oftmals kommen die Äußerungen von Betroffenen: „Ich bin doch nicht verrückt“, „Will ja zu keinem Psychodoktor gehen“ oder ähnliche Aussagen.

Ein Umdenken wäre in diesem Bereich jedenfalls notwendig und erforderlich, sodass die Akzeptanz in der Gesellschaft für Psychosomatik noch mehr ansteigt und sodann die wichtigen Schritte gesetzt werden können, um die entsprechende und passende Behandlung in Anspruch nehmen zu können.

2.4. Psychosomatik im Alltag

Dass Emotionen den Körper beeinflussen ist schon seit jeher bekannt und spiegelt sich im täglichen Sprachgebrauch wieder: „Mir geht die Galle über“, „Es platzt mir der Kragen“, „Es bleibt mir die Luft weg“, „Ich habe eine Wut im Bauch“, „Etwas liegt mir schwer im Magen“. Weiters kennt bestimmt jeder Mensch Alltagssituationen, in denen er nervös und angespannt ist, wie beispielsweise vor einem Vortrag oder einem Vorstellungsgespräch. Das kann sich darin bemerkbar machen, dass der Magen rebelliert, durch vermehrten Harn- und Stuhldrang, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder ganz simpel, wenn die Hände feucht werden.

2.4.1. Klinische Beispiele

Neben diesen eher harmlosen Zeichen der Psychosomatik im Alltag gibt es aber auch eine Reihe von Krankheitsbildern aufgrund seelischer Belastungen, die bei wiederholtem Auftreten auf eine Krankheit hinweisen können. Auch wenn sich viele

Krankheitsbilder aufzählen lassen, gibt es das eindeutig erkennbare psychosomatische Leiden nicht. Doch inzwischen ist eine Anzahl von Erkrankungen bekannt und anerkannt, die in vielen Fällen psychosomatische Ursachen haben und so auch mit Erfolg behandelt werden können.

Dabei sind folgende Erkrankungen zu nennen:

- der Atmungsorgane (z.B. Asthma)
- des Magens und des Darms (z.B. Reizmagen)
- Erkrankungen des Immunsystems (z.B. Multiple Sklerose)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. erhöhter Blutdruck)
- Muskel- und Gelenkserkrankungen (z.B. Rückenschmerzen)
- Hauterkrankungen (z.B. Neurodermitis)
- Erkrankungen im Urogenitalbereich (z.B. sexuelle Probleme)
- Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus).27

2.4.2. Therapieformen

Aus diesem Zusammenspiel von Seele und Körper ergeben sich je nach Erscheinungsform sehr viele unterschiedliche mögliche therapeutische Maßnahmen. Das Ziel jeder Therapie sollte die Beseitigung der Ursache und nicht die der Symptome sein. Es gilt sowohl in der Alternativmedizin als auch in der Schulmedizin bereits die grundlegende Meinung, dass es bei der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen - wenn es notwendig ist - einerseits eine medizinische, auf der anderen Seite eine therapeutische Begleitung geben muss. Durch letztere kann eine Veränderung der Lebensumstände, der Denkweisen und der Glaubenssätze und dadurch auch eine Besserung des Gesundheitszustandes erreicht werden.

Für jeden Betroffenen kann die Krankheit auch einen Gewinn, bzw. ein Mittel zum Zweck darstellen. Etwa, wenn man sich durch die Krankheit den Weg in die Arbeit erspart, in die man sowieso nicht mehr gehen will und man sich nicht mehr vom verhassten Chef zurechtweisen lassen muss (das schwächt das Selbstwertgefühl massiv und dadurch ist man immer mehr einem innerlichen Stress ausgesetzt). Im Krankheitsfall kann auch keine außergewöhnliche Leistung von dem Betroffenen erwartet werden. Außerdem muss man sich, wenn man „rechtzeitig“ krank wird, nicht mit Menschen, die man nicht leiden mag oder die einem persönlich schaden, konfrontieren.

Manche Menschen werden auch krank, da sie besondere Aufmerksamkeit erst durch die Krankheit bekommen, die sie, wenn sie gesund sind, vermissen. Unser Unterbewusstsein erkennt unsere tiefen, inneren Bedürfnisse und schickt uns genau die Krankheit, die wir in der jeweiligen Situation brauchen und erfüllt ihren Zweck. Selbstverständlich ist sie im bewussten Erleben eine Last. Sobald aber die Ursache erkannt wird, die die Krankheit ausgelöst hat, kann diese Krankheit wieder verschwinden und Genesung eintreten.

Therapieformen von psychosomatischen Erkrankungen sind etwa die medikamentöse Behandlung, ärztliche Gespräche, eventuell auch stationäre Behandlungen, Injektionen, Psychotherapie, Hypnoseformen, Entspannungsübungen und weitere. Im Folgenden wird auf die Möglichkeiten der Behandlung von psychosomatischen Störungen durch Mentaltraining eingegangen. Denn durch die Macht der Gedanken, die bewusste Wahrnehmung der Botschaften des eigenen Körpers und das Ergreifen der Initiative durch den Betroffenen lässt sich oft schon sehr früh ein Risikopotenzial für die Gesundheit erkennen. Das Mentaltraining hilft den Lebensstil und die innere Einstellung positiv zu verändern, wodurch sich oftmals Krankheiten und Störungen verhindern lassen.

3. Das Mentale Training

3.1. Allgemeines

„Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” (Albert Einstein)

Das menschliche Gehirn speichert Erlerntes und ist in der Lage Bekanntes viel einfacher abzurufen als Neues. Das Selbstbild jedes Einzelnen, seine Gefühle und Handlungen beeinflussen seine „mentalen Programme“. Sind diese ungünstig, so hindern sie am Erfolg (Gesundheit, Beruf, Beziehung und Geld).28 Wie also der menschliche Körper trainiert werden muss, um gesund und fit zu bleiben, muss auch das Gehirn und die Gedanken trainiert werden, um das gewünschte Ziel zu erreichen. 80% des Erfolges oder Misserfolges - auch im gesundheitlichen Bereich - hängen von der Einstellung im Kopf ab.29 Die Gedanken und Glaubenssätze sind individuell und können den Einzelnen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Jeder gestaltet sich seine eigene Wirklichkeit.

Beispiel: Am 16.8.2009 lief Usain Bolt (Jamaika) 100 Meter in 9,58 Sekunden und das obwohl Wissenschaftler vorher berechnet haben, dass der menschliche Körper nicht imstande wäre eine Zeit unter 9,6 Sekunden zu laufen! Bolt hat diese wissenschaftliche Erkenntnis einfach nicht zur Kenntnis genommen, sondern war sich sicher seinen eigenen Weltrekord brechen zu können! In einem Interview hat er sein nächstes Ziel bekannt gegeben, nämlich die 9,58 Sekunden (Anm. richtig 9,6) zu unterbieten!30

Gewiss wird der Mensch im Laufe seines Lebens mit unterschiedlichen Herausforderungen, Krisen und Aufgaben auf die Probe gestellt, jedoch entscheidet jeder für sich selbst, was er daraus macht, ob er gestärkt aus dieser Situation herausgeht oder daran scheitert. Genau darauf baut das mentale Training: es kann sich jeder Einzelne (ausschließlich) seine eigenen Ziele selbst definieren und übernimmt dafür selbst die Verantwortung. Grundvoraussetzung für den Erfolg ist die Eigenverantwortung des Menschen für seine Probleme, sein Tun und sein eigenes Leben. Solange man jemand anderen, der Erziehung, dem Partner, der Welt, usw. die Schuld an seiner Situation gibt, wird keine Veränderung oder Besserung im eigenen Leben eintreten. Der psychosomatische Aspekt ist gerade in diesem Bereich nicht außer Acht zu lassen: gibt man bspw. dem Partner die Schuld für seine Magengeschwüre - „du machst mich krank“ -, wird sich der eigene Gesundheitszustand nicht ändern.31

3.2. Definition und Ziele des mentalen Trainings

Es gibt leider keine einheitliche Definition des Begriffes Mentaltraining. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Sportpsychologie und wurde im Spitzensport zur Optimierung der Bewegungsabläufe und zur Leistungssteigerung eingesetzt. Das Wort selbst: mental stammt vom lateinischen Wort „mens“, das Denkkraft, Geist, Gedanken bedeutet,32 Training ist die „planmäßige Durchführung eines Programms von vielfältigen Übungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit“33

Reinhard Sepac erklärte es vor 20 Jahren folgendermaßen: "Mentaltraining ist eine umfassende Methode der positiven Lebensgestaltung - die bewusste Beeinflussung des eigenen Denkens, Wollens und Tuns -, eine systematisch gegliederte Methode, die befähigt, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen - die gezielte Nutzung unserer geistigen Fähigkeiten, um bestehende Probleme und Konflikte zu lösen und Wünsche zu verwirklichen."34

[...]


1 Statistik Austria, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/krankenstandst age/index.html; dl. 2015-02-10.

2 Bräutigam, Psychosomatische Medizin, Ein kurzgefasstes Lehrbuch, 1997, S 2.

3 Der Brockhaus von A-Z, Enzyklopädie in drei Bänden, Bd. 3 PHO - Z, 2002, S 55.

4 Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch: 260. Auflage, 2004, S 981.

5 Bräutigam, Psychosomatische Medizin, Ein kurzgefasstes Lehrbuch, 1997, S 2.

6 https://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/gesundheitliche_beeintraechtig ungen/index.html. dl. 2015-02-19.

7 Bräutigam, Psychosomatische Medizin, Ein kurzgefasstes Lehrbuch, 1997, S 2.

8 Spr. 17,22; Elberfelder Übersetzung 1871.

9 http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/leib-seele-problem/6967, dl. 2015-02-11.

10 Janzarik, Themen und Tendenzen der deutschsprachigen Psychiatrie, 1974, S. 5.

Botorabi, Die Entwicklungstheorie nach Siegmund Freud, Studienarbeit, 2005, S. 3ff.

12. Götsch, Allgemeine und Spezielle Krankheitslehre, 2011, S. 665.

13 http://www.lza.de/downloads/material/index.php?title=Psychosomatische_Krankheiten_%E2%80%93_unse r_K%C3%B6rper_als_Spiegel_der_Seele.

14 Götsch, Allgemeine und Spezielle Krankheitslehre, 2011, S. 665.

15 Studt, Psychotherapeutische Medizin. Psychoanalyse, Psychosomatik, Psychotherapie. Ein Leitfaden für Klinik und Praxis, 2000, S. 5.

16 Bräutigam, Psychosomatische Medizin, Ein kurzgefasstes Lehrbuch, 1997, S 62f.

17 http://www.lza.de/downloads/material/index.php?title=Psychosomatische_Krankheiten_%E2%80%93_unser _K%C3%B6rper_als_Spiegel_der_Seele#cite_note-18. dl. 2015-02-12.

18 http://www.lza.de/downloads/material/index.php?title=Psychosomatische_Krankheiten_%E2%80%93_unse r_K%C3%B6rper_als_Spiegel_der_Seele#cite_note-18.dl. 2015-02-12.

19 http://www.lza.de/downloads/material/index.php?title=Datei:Psychosomatik2.png.dl.2015-02-08.

20 http://de.wikipedia.org/wiki/Holy_Seven, dl. 2015-02-11.

21 http://de.wikipedia.org/wiki/Biopsychosoziales_Krankheitsmodell. dl. 2015-02-11.

22 http://www.stress.org/placebos-and-psychosomatic-disease-part-2/, dl. 2015-02-09.

23 http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosoiTiatik- psychotherapie/psychosomatik.dl. 2015-02-12.

24 http://www.schulpsychologie-kaernten.ksn.at/pdf/bmukk00_seele_koerper.pdf; S 6, dl. 2015-02-11.

25 Liesenfeld, Psychosomatische Krankheitsbilder in der Praxis, 1989, S. 25.

26 http://www.bihlmaier-mentaltraining.de/tabelle.php. dl. 2015-02-14.

27 Liesenfeld, Psychosomatische Krankheitsbilder in der Praxis, 1989, S 8ff.

28 http://psychotherapie.bonesandbrain.de/psychosomatik.html. dl. 2015-02-10.

29 Ribaux, Mentaltraining - Die intelligente Art erfolgreich zu werden, kreativ, klar, zielgerichtet, 2013, S 5.

30 http://www.mentaltraining-eich.at/index.php?cat=03_Mentaltraining. dl.2015-02-14.

31 Tepperwein, Praxisbuch Mentaltraining, Entspannen - Neue Kraft schöpfen - Das Leben gestalten, 2006, S 25f.

32 Stowasser, Josef M., Der kleine Stowasser: Lat.-dt. Schulwörterbuch /von J.M Stowasser, 1987, S 279.

33 Der Duden: in 10 Bd.: d. Standardwerk zur dt. Sprache, 1985, S. 642.

34 Sepac, Erfolgreich durch Mentaltraining, 1991, S 12.

Details

Seiten
72
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656965930
ISBN (Buch)
9783656965947
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300275
Institution / Hochschule
Vitalakademie – Mentaltraining
Note
ausgezeichnet
Schlagworte
Mentaltraining psychosomatische Beschwerden Psychosomatik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Gesundheit beginnt im Kopf. Mentales Training als Unterstützung bei psychosomatischen Beschwerden