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Transformation von Befreiungs- und Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien

von Stephen Karugu Njuguna Natalia Báez Zamudio Fabian Baumert Ali Naki Tutar Fadi Nassir Sebastian Von Spalding Daniel Taylor

Projektarbeit 2011 122 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG
1 Idee und Zielsetzung
1.1 Konzept
1.2 Projektorganisation und Verlauf
2 Methodik
2.1 Methodisches Vorgehen
2.2 Hintergrundkonzept
2.2.1 Definitionen
2.3 Systematisierung des Hintergrundkonzepts
2.3.1 Untersuchungsrahmen
2.3.2 Gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Variablen
2.3.3 Gruppeninterne, internationale und gruppenspezifische Variablen
2.4 Auswahl und Messen der Indikatoren
2.5 Kalkulation der Indexergebnisse
2.5.1 Aggregation
2.6 Präsentation der Ergebnisse

II. BEGRIFFSDEFINITORISCHE GRUNDLAGEN
1 Terrorismus
2 Guerilla
3 Partei
4 Transformation
5 Kriminelle Organisation

III. KONTEXTUALE FALLBEISPIELE
A) FALLBEISPIEL: AFRICAN NATIONAL CONGRESS (ANC), SÜDAFRIKA
1 Einleitung
2 Die Ursprünge, Ziele und Ursachen der politischen Aufstände des ANC
3 Der Verlauf vom gewaltlosen zum bewaffneten Kampf
4 Der Weg des ANC zum Erfolg
5 Gesellschaftliche Faktoren
6 Internationale Faktoren
7 Übergang vom Widerstand zur Politik
8 Zusammenfassung
9 Gesamtbewertung ANC:
B) FALLBEISPIEL: EUSKADI TA ASKATASUNA (ETA), SPANIEN/FRANKREICH
1 Einleitung
2 Entstehung der ETA
3 Faktoren des Transformationsprozesses
3.1 Gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Kriterien
3.2 Gruppeninterne und Internationale Faktoren
3.3 Spezifische Faktoren
4 Ergebnis
5 Gesamtbewertung ETA:
C) FALLBEISPIEL: FUERZAS ARMADAS REVOLUCIONARIAS DE COLOMBIA (FARC), KOLUMBIEN
1 Einleitung
2 Gesellschaftliche Faktoren
3 Sozio-ökomische Faktoren
4 Politische Faktoren
5 Gruppeninterne Faktoren
6 Internationale Faktoren
7 Fazit
8 Gesamtbewertung FARC:
D) FALLBEISPIEL FARABUNDO MARTÍ NATIONAL LIBERATION (FMNL), EL SALVADOR
1 Hintergrund und Geschichte
2 Gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Faktoren
3 Gruppeninterne und internationale Faktoren
4 Gesamtbewertung FMLN:
E) FALLBEISPIEL: FATAH, PALÄSTINA
1 Einleitung
2 Die Entstehungsphase
2.1 Palästinensischer Nationalismus
2.2 Aufbau der Infrastruktur
2.3 Strategie
2.4 Gründung der „Palestine Liberation Organization“ (PLO)
2.5 Fazit
3 Die Transformationsphase
3.1 Politische Faktoren
3.1.1 Machtübernahme innerhalb der PLO
3.1.2 Politisches System
3.2 Gruppeninterne Faktoren
3.2.1 Massenbewegung
3.2.2 Strategieanpassung
3.2.3 Personalisierung
3.3 Internationale Faktoren
3.3.1 Isolierung
3.3.2 Legitimität
4 Fazit
5 Gesamtbewertung Fatah:
F) FALLBEISPIEL: HAMAS, PALÄSTINA
1 Einleitung
2 Entstehung der Hamas
2.1 Gründung
2.2 Strategieänderungen und Wahlen
3 Vergleichskriterien
3.1 Gesellschaftliche Faktoren
3.2 Sozio-ökonomische Faktoren
3.3 Politische Faktoren
3.4 Gruppeninterne Faktoren
3.5 Internationale Faktoren
4 Fazit
5 Gesamtbewertung Hamas:
G) FALLBEISPIEL: SINN FEIN, NORDIRLAND
1 Einleitung
2 Gesellschaftliche Faktoren
2.1 Gesellschaftliche Spaltung
2.2 Soziale Netzwerke
2.3 Gesellschaftliche Legitimation
3 Ökonomische Faktoren
3.1 Wohlstand
3.2 Finanzielle Ressourcen
4 Politische Faktoren
4.1 Legislative Schranken
4.2 Politische Möglichkeiten
4.3 Anerkennung durch Regierung
5 Gruppeninterne Faktoren
5.1 Entwaffnung
5.2 Strategische Änderungen
5.3 Programmatische Änderungen
6 Internationale Faktoren
6.1 Internationale Unterstützung/ Anerkennung
6.2 Internationaler Druck
6.3 Internationale Rahmenbedingungen
6.4 Gruppenspezifische Faktoren
7 Gesamtbewertung Sinn Fein:

IV. SCHLUSSBETRACHTUNGEN
a.) Politische Faktoren
b.) Gruppeninterne Faktoren
c.) Internationale Faktoren

V. LITERATURVERZEICHNIS

I. Einleitung

1 Idee und Zielsetzung

Die Idee zu dem Projektstudium mit dem Thema „Transformation von Freiheitsund Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien“ formte sich erst über mehrere Sitzungen mit allen Mitgliedern der Projektgruppe hinweg. Den konzeptuellen Anfang für das Projekt bildete das Interesse einiger Projektgruppenmitglieder, im Bereich des Terrorismus ein Projekt zu beginnen. Erste Konzepte und Ideen hatten die Beschäftigung mit terroristischen Gruppen als thematischen Schwerpunkt. Dieser thematische Schwerpunkt verlagerte sich zunehmende in Richtung von extremistischen Gruppen, da die Projektgruppe mit neuen Mitgliedern auch neuen Input und neue Vorschläge für zu untersuchende Gruppierung einbrachte. Fest stand zudem auch, dass der Entwicklungsprozess dieser Gruppen von extremistischen Bewegungen zu politischen Parteien im Mittelpunkt stehen und das zentrale Element der Projektarbeit ausmachen sollte.

Im Verlauf dieser Findungs- und Diskussionsphase änderte sich ebenso der Schwerpunkt weg von einem qualitativen Ansatz, welcher für die Untersuchung einzelner Gruppen gedacht war hin zu einem quantitativen Ansatz für eine komparative Analyse der mittlerweile sieben Gruppen. Die Kernidee des Projektes bestand also aus einer komparativen Analyse des Transformationsprozesses von verschiedenen Freiheitsund Widerstandsbewegungen, namentlich der FMLN, der Hamas, der Fatah, der ETA, dem ANC, der FARC sowie der Sinn Fein, zu politischen Parteien.

Die Zielsetzung innerhalb der Projektgruppe war es, anhand der Analyse und Auswertung der einzelnen Fallbeispiele herauszufiltern, welches die entscheidenden Kriterien für eine erfolgreiche Transformation einer Freiheits- oder Widerstandsbewegung hin zu einer politischen Partei sind. Diese vorher definierten Kriterien waren die primäre Arbeitsgrundlage für das Analysieren der einzelnen Freiheits- und Widerstandsbewegungen. Im Zuge dieser Analyse musste zuerst ein System von Variablen definiert und ausgearbeitet werden, welches die inhaltliche und technische Grundlage für das weitere Vorgehen bildete und eine fundierte und tiefgreifende Analyse der Fallbeispiele ermöglichte. Mit der Ausgangssituation, dass fast alle zu untersuchenden Freiheits- und Widerstandsbewegungen in innerstaatlichen Konflikten involviert waren, war es für die Projektgruppe ein wesentliches Ziel, diese Situation in der Analyse und der Bewertung mit einzubeziehen. Die Komplexität innerstaatlicher Konflikte, insbesondere die Entstehungsgründe und mögliche Faktoren für einen Lösungsansatz wurde dabei berücksichtigt und ist in die Ausarbeitung mit eingeflossen. Die wesentlichen Ziele der Projektgruppe lassen sich somit folgendermaßen zusammenfassen:

1) Das Herausarbeiten und Definieren zentraler Faktoren des Transformationspro zesses von Freiheits- und Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien
2) Die Komplexität innerstaatlicher Konflikte in der Analyse zu verdeutlichen, dar zustellen und in der anschließenden Auswertung ausreichend zu berücksichtigen
3) Phasen für den Transformationsprozess zu entwickeln und diese einzelnen Pha sen des Transformationsprozesses exemplarisch darzustellen und genauer zu be schreiben
4) Die Einteilung und Darstellung des Transformationsprozesses in verschiedene Transformationsphasen und deren Definierung

1.1 Konzept

Nachdem im vorherigen Abschnitt die Idee, Ideengrundlage sowie Zielsetzung für das Projekt „Transformation von Freiheits- und Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien“ vorgestellt und erläutert wurde, soll an dieser Stelle das Konzept etwas näher betrachtet werden.

Das Konzept für das Projekt sah primär vor, mit Hilfe eines komparativen Vergleiches verschiedener Freiheits- und Widerstandsbewegungen zentrale Faktoren für die Transformation dieser Bewegungen zu politischen Parteien aus einer Reihe von Faktoren herauszufiltern. Am Anfang dieses Konzeptes stand jedoch zuerst die Recherche. Zunächst musste der Rahmen für die Wahl der einzelnen Bewegungen definiert werden, um diese auszuwählen und untersuchen zu können. Um das Konzept umsetzen zu können, mussten die einzelnen Bewegungen eingängig studiert werden: Die Geschichte der Bewegung, ihre Entstehungsursachen, ihre aktuelle Lage, ehemalige oder aktuelle Beteiligung an innerstaatlichen Konflikten, ihre Struktur, ihre Organisation und Überzeugungen wurden thematisiert und innerhalb der Literaturrecherche in Erfahrung gebracht.

Der nächste Punkt im Projektkonzept war die Erarbeitung der verschiedenen Variablen samt ihrer einzelnen Faktoren. Diese Variablen und Faktoren waren der Kern des Konzepts, auf dem die anderen Pfeiler aufbauten. Weiterhin wurde im Rahmen des Konzepts eine Bewertungsskala für die einzelnen Faktoren eingeführt. Diese Bewertungsskala orientiert sich an der Bewertungsskala des Freedom-House-Index (FHI) mit null bis vier Punkten pro Faktor. Anhand der Variablen und Faktoren sowie der Bewertungsskala konnten nun im nächsten Schritt des Konzepts das für die jeweilige Bewegung zuständige Projektgruppenmitglied auf Grundlage der Literaturrecherche die Variablen durchgearbeitet und die einzelnen Faktoren auf der Bewertungsskala mit Punkten versehen werden.

Der letzte Teil des Konzepts sah vor, die zuvor bewerteten Faktoren für jede Bewegung mit einfachen mathematischen Methoden in eine Punkt- und eine Prozentzahl umzuwandeln und abschließend auf einer Skala von 0-100% einzuordnen, welche den Transformationsprozess visualisieren soll. Je höher die Prozentzahl zum Schluss ist, desto weiter bzw. erfolgreicher ist die jeweilige Bewegung in ihrem Transformationsprozess. Das Konzept setzt sich also aus mehreren zentralen Teilen zusammen:

1) Rahmensetzung, Auswahl und die Recherche zu den einzelnen Bewegungen
2) Ausarbeitung der Variablen samt ihrer jeweiligen Faktoren als Bewertungs grundlage
3) Einführung einer Bewertungsskala und anschließende Bewertung aller Bewe gungen
4) Auswertung und Einordnung der Ergebnisse auf einer Transformationsskala

1.2 Projektorganisation und Verlauf

Das Projekt „Transformation von Freiheits- und Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien“ war ein zweisemestriges Projekt vom Wintersemester 2010/11 bis zum Ende des Sommersemesters 2011 an der Philipps-Universität Marburg. Das Projekt fand im Rahmen des Projektstudiums für den B.A. Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft innerhalb des Fachbereiches 03 statt. Betreut wurde das Projekt von Herrn Prof. Dr. Rachid Ouaissa vom Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Philipps-Universität Marburg.

Die Projektorganisation wurde während der konstituierenden Sitzung der Projektgruppe besprochen. Es wurde während dieser Sitzung festgelegt, dass sich die Projektgruppe wöchentlich einmal zusammenfindet. Diese Treffen fanden zumeist in der Philosophischen Fakultät der Universität statt und waren für alle Mitglieder der Projektgruppe verpflichtend. In arbeitsintensiveren Phasen, besonders gegen Ende des Projektes, fanden auch zweimal in der Woche Projektgruppentreffen statt, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Inhalte der Treffe waren:

Auswertung, Besprechung und Einordnung von Ergebnissen Diskussionen, Feedback und Problemlösungen zu projektbezogenen und konkreten Sachverhalten Verteilung und Zielsetzung von Aufgaben Generelle, projektspezifische oder organisatorische Fragen zum Projekt und deren Diskussion

Planung und Organisation des Projektes

Diese wöchentlichen bzw. zwei Mal innerhalb der Woche stattfindenden Treffen waren neben der Kommunikation via E-Mail der zentrale Ort für Kommunikation, Auswertung, Planung und Diskussion für die Mitglieder der Projektgruppe. Die Treffen wurden regelmäßig protokolliert und waren entscheidend dafür, dass alle Mitglieder immer auf dem aktuellen Stand der Dinge waren. Die Treffen waren neben den o.g. zentralen Inhalten immer auch ein wichtiger Ort, um Impulse und neue Ideen sowie Anregungen für das Projekt generell, aber auch für spezifische Fragestellung und Themen im Einzelnen zu erhalten. Innerhalb der Projektgruppe war die Arbeitsweise, je nach der aktuellen Arbeitsphase, meistens eine Mischung aus Einzeln- und Gruppenarbeit mit Schwerpunkt in die eine oder andere Richtung. Beispielsweise arbeitete die ganze Projektgruppe gemeinsam an der Ausarbeitung von Variablen und Faktoren für die Bewertung der einzelnen Transformationsprozesse, während die einzelnen Gruppenmitglieder nebenbei noch Informationen für ihre jeweilige Freiheitsoder Widerstandsbewegung recherchierten und über diese relevante Daten sammelten.

Der Projektverlauf soll im Folgenden nun phasenspezifisch beschrieben werden und dabei die Tätigkeiten und den Verlauf der einzelnen Phasen wiedergeben. Eine Auswertung der Ergebnisse und Erfahrungen ist in einem späteren Abschnitt des Berichtes zu lesen.

Phase 1 - Vorbereitungs- und Entwicklungsphase

Entwicklung und Spezifizierung der Fragestellung und generellen Rahmenbedingungen für das Projekt; Organisation und Planung des Projekts Erarbeitung der Variablen und Faktoren als weitere Arbeitsgrundlage Ausarbeitung von Auswahlkriterien für die Wahl von Freiheits- und Widerstandsbewegungen

Literaturrecherche und generelle Einarbeitung in die verschiedenen Bewegungen

Phase 2 - Bearbeitungsphase

Letzte Überarbeitung der Variablen und Faktoren sowie parallele Entwicklung und Anfertigung eines Bewertungssystems

Untersuchung der jeweiligen Bewegungen auf die spezifischen Variablen und Faktoren

Bewertung der einzelnen Variablen und Faktoren für jede Bewegung

Berechnung der Ergebnisse (sowohl Punkt- als auch Prozentzahl) jeder Bewegung durch mathematische Methoden

Phase 3 - Vergleichs- und Auswertungsphase

Vergleich aller Ergebnisse für die einzelnen Freiheits- und Widerstandsbewegungen innerhalb der Projektgruppe

Nach methodischen Schwierigkeiten folgt eine leichte Überarbeitung der Bewertungsskala für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Erarbeitung einer abschließenden Transformationsskala, in welcher die abschließenden Ergebnisse als Prozentwerte eingetragen werden, um die Ergebnisse zu visualisieren und besser vergleichen zu können

Diskussion der Ergebnisse sowie der angewandten Methoden und Instrumente

Abschließende Auswertung und Bewertung der durch das Projekt erlangten Ergebnisse und Einsichten

Formulierung und Aufstellung der Projektergebnisse und verschiedenen Thesen

2 Methodik

2.1 Methodisches Vorgehen

Im folgenden Teil wird das methodische Vorgehen unserer Gruppe erläutert. Wie in der Projektbeschreibung bereits angeführt besteht das Ziel einen Index zu bilden, welcher den Grad der Transformation einer militanten Gruppe hinzu einer politischen Partei misst.

Dabei birgt die Indizierung den allgemeinen Vorteil mehrere Indikatoren zusammenfassen und somit komplexe Zusammenhänge messen zu können (vgl. Schultze 2005: 363). Speziell für unsere Gruppe ergibt sich zudem ein weiterer Vorteil. Durch die Vielzahl an bestehenden und divergierenden Indizes, gibt es genug Anschauungsmaterial in der bestehenden Forschung, woran wir unseren Index ausrichten können. Dies trifft speziell, und wie sich später zeigen wird, für DemokratieIndizes zu. Diese fanden in der Forschung bereits oft Reputation und wurden bezüglich ihrer Stärken und Schwächen untersucht (vgl. Lauth 2004; Schmidt 2008).

Besondere Inspiration hat uns ein vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik herausgegebener Bericht gegeben. In diesem wird der Aufbau eines Index anhand von fünf verschiedenen Phasen erläutert (vgl. Mata/Ziaja 2009: 12). Diese Phasen sollen unserem Index in der Folge als Rahmen dienen. Folgende Abschnitte werden in diesem Bericht berücksichtigt:

1. Hintergrundkonzept
2. Systematisierung des Konzeptes
3. Auswahl und Messen der Indikatoren
4. Kalkulation der Indexergebnisse
5. Ergebnispräsentation

Das Stützen auf dieses formale Vorgehen entzieht unsere Methodik nicht der Notwendigkeit wissenschaftlichen Richtlinien zu befolgen. Dies misst sich bei empirischen Untersuchungen in der Regel an der Validität und der Reliabilität der Forschung. Also an ihrer Verlässlichkeit und der Gültigkeit (vgl. Lauth 2004: 227). Hans-Joachim Lauth führt als weiteres, die Reliabilität betreffendes Kriterium die Objektivität an (vgl. ebd.). Diese drei Kriterien versuchen wir im Folgenden zum einen durch die Anlehnung an andere Indizes und zum anderen durch die genaue Dokumentation, und durch Sorgfalt in unserem Vorgehen zu erreichen. Doch neben allgemeinen Validitäts- und Reliabilitätslücken in Indizes (vgl. Lauth 294-296), ergeben sich insbesondere aufgrund unserer Nähe zu dem Messkonstrukt des Freedom-House Index (FHI) schwächen. Diese liegen vor allem in der fehlenden Operationalisierung der Begriffe, die im Fall des FHI in den Checklisten, und in unserem Fall bei den Indikatoren verwendet werden (vgl. Schmidt 2008: 385). Die Reliabilität wird zudem dadurch eingeschränkt, dass die Summierung und Gewichtung der Beobachtungsergebnisse nicht immer eindeutig herzuleiten ist (vgl. ebd.).

In unserem Fall, kann dies als direkte Folge des Pilot-Charakters unseres Projektes angesehen werden. Zwar wurde bereits im Bereich der Transformation von militanten zu politischen Gruppen geforscht, eine Index-Bildung hat bisher jedoch nicht stattgefunden. Dies hat zur Folge, dass wir unser methodisches Vorgehen weitestgehend am qualitativen Paradigma ausrichten. In einem späteren Schritt werden wir diese Schritte nachträglich quantifizieren. Die qualitativen Aspekte wiederum bringen uns den Vorteil, zunächst offen an unser Forschungsprojekt herangehen zu können, und somit den Blick zunächst auf den Einzelfall zu richten (vgl. Hitzler/Hohner 2005: 802f.). Die hiermit verbundene Nutzung interpretativer Verfahren kann sich jedoch negativ auf die Objektivität auswirken (vgl. Krumm 2009: 96). Bei der späteren Indizierung eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten. Wir sehen es als unsere Aufgabe diese zu benennen, bzw. zu begründen worin die Vorzüge und Schwächen unseres Vorgehens liegen.

2.2 Hintergrundkonzept

Der Transformationsindex verfolgt das Ziel den Grad an Entwicklung auf dem sich eine militante oder ehemals militante Gruppierung auf dem Weg zu einer politischen Partei befindet, zu messen. Dies wird mit einer ersten Fallauswahl an Gruppen durchgeführt, ließe sich jedoch um weitere Gruppen erweitern. Hierbei gehen wir davon aus, dass eine Gruppe relativ manifeste Schritte auf ihrem Transformationsprozess durchläuft, bzw. feste Bedingungen erfüllt sein müssen, um den Transformationsprozess voranzutreiben.

2.2.1 Definitionen

Im folgenden Teil sollen nun kurz zwei Begriffe genauer definiert werden, welche eine zentrale Rolle innerhalb dieses Projektes eingenommen haben. Darüber hinaus soll ebenfalls noch der Entstehungskontext innerhalb der Projektgruppe näher erläutert werden, also wie es letztendlich zu der Verwendung der Begriffe gekommen ist. Zunächst soll erst einmal der Transformationsbegriff näher definiert werden. Dazu soll dieser dem Begriff der Transition gegenübergestellt werden. Der Begriff der Transformation wird oft als Synonym für den Begriff der Transition verwendet und umgekehrt. Dies führte dazu, dass wir innerhalb der Projektgruppe diese beiden Begriffe voneinander abgrenzen und die Unterschiede herausarbeiten mussten, bevor man sich festlegen konnte.

Die Analyse beider Begriffe bezüglich ihrer inhaltlichen und zeitlichen Dimension war dabei entscheidend. Für den Transformationsbegriff war folgende Ausführung die Arbeitsgrundlage:

Das Konzept der Transition bezieht sich auf den Übergang von einer konkreten Form eines nichtdemokratischen, insbesondere autoritären oder totalitären Regimes zu einer konkreten Form eines demokratischen Regimes und thematisiert damit ausschließlich Wandlungsprozesse innerhalb der politischen Sphäre. Transitionen sind damit hinsichtlich ihres Ausgangs- und Endpunktes klar bestimmbar und auf eine klar definierte Phase der unmittelbaren Etablierung eines demokratischen politischen Systems einzuschränken (Egger 2007: 154).

Der Transformationsbegriff bezeichnet innerhalb der Politikwissenschaft ebenfalls einen Systemwechsel. Jedoch ist damit nicht ausschließlich der politische Wechsel gemeint, sondern vielmehr das zeitgleiche Auftreten mehrerer interdependenter Prozesse, im Rahmen derer alle gesellschaftlichen Teilsysteme einer radikalen und umfassenden Veränderung unterworfen sind. Die grundlegendsten Wandlungen sind dabei die Umstellung der Ökonomie, in aller Regel vom Plan zum Markt, sowie auf politischer Ebene der Übergang von der Diktatur zur Demokratie (Egger 2007: 154).

Der erste zentrale Unterschied der beiden Begriffe ist also derer, dass der Transformationsbegriff anders als der Transitionsbegriff nicht nur um einen politischen Wechsel geht, sondern vielmehr „um den Übergang von einem gesellschaftlichen Systemtyp zu einem anderen“ (Egger 2007: 154f.). Den zweiten zentralen Unterschied, welcher ausschlaggebend für die eigentliche Begriffswahl war, wird durch die inhaltliche Bedeutung der beiden Begriffe impliziert. Die Transition ist ein endlicher Prozess und hat keinen ergebnisoffenen Ausgang: Das Ziel ist der Übergang eines autoritären bzw. totalitären Regimes hin zu einem konkreten, demokratischen Regime, was eine bestimmte Dauer in Anspruch nimmt.

Die Transformation ist ebenso wie die Transition ein endlicher Prozess, ist aber, was entscheidend ist, ein ergebnisoffener Prozess. Zwar sind auf der normativen Ebene das Ziel und das Handeln der Akteure „auf die Etablierung einer neuen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung ausgerichtet, [doch] ist die Transformation aufgrund der unterschiedlichen Ebenen, auf denen sie sich vollzieht, und den damit einhergehenden vielfältigen Interdependenzen, in ihrem Ergebnis doch prinzipiell offen“ (Egger 2007: 155).

Zwar handelt es sich beim Wandel von Freiheits- und Widerstandsbewegungen zu politische Parteien um einen politischen Wandel, jedoch ist dieser Wandel, ebenso wie der Transformationsbegriff, ein ergebnisoffener Prozess. Aus diesem Grunde wurde der Transformationsbegriff als Arbeitsgrundlage gewählt und auf den Transitionsbegriff verzichtet.

Eine Bezeichnung für die zu untersuchenden Gruppen war nur schwer zu finden. Anfangs wurde überlegt, den Terrorismus oder den Extremismusbegriff zu verwenden, was aber wieder verworfen wurde. Relativ spät wurde dann der Begriff der Freiheitsund Widerstandsbewegungen für die zu untersuchenden Gruppen verwendet. Dafür wurde folgende Definition herangezogen:

[Groups] operating primarily within state borders engaged in violent attempts to challenge or reform the balance and structure of political and economic power, to avenge past injustices and/or to defend or control resources, territory or institutions for the benefit of a particular ethnic or social group (Dudouet 2009: 5f.).

Innerhalb der Projektgruppe fand diese Definition viel Zuspruch, da sie:

1) Einen klaren Rahmen, in diesem Fall innerhalb der Staatsgrenzen, für die invol vierten Gruppen setzt und andere, z.B. transnationale Gruppen ausschließt
2) Die Ziele sehr ausgiebig beschreibt sowie diese hervorhebt und
3) Die Komplexität von innerstaatlichen Konflikten sehr gut wiedergibt

Neben diesen Kriterien war ebenfalls ein zentraler Punkt, dass der Begriff der Freiheitsund Widerstandsgruppen nicht die komplexen Terrorismus- oder Extremismusbegriffe voraussetzt, sondern ganz pragmatisch die primären Anliegen der jeweiligen Bewegungen beschreiben (Dudouet 2009: 5).

Folgende Gruppen wurden für die Untersuchung untersucht:

- African National Congress (ANC) - Südafrika
- Euskadi Ta Askatasuna (ETA) - Spanien
- Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) - Kolumbien
- Farabundo Martí National Liberation Front (FMLN) - El Salvador
- Fatah - Palästina
- Hamas - Palästina
- Sinn Fein (SF) - Nordirland

Die Gruppenauswahl geschah hauptsächlich aufgrund der in der Definition genannten Kriterien. Die geographischen Ursprünge der Gruppen spielten bei der Auswahl eine untergeordnete Rolle. Fanden jedoch soweit Einfluss den Index nicht auf einen kulturellen oder kontinentalen Raum (z.B. Europa) beschränken zu wollen. Die Zeitspanne in der geforscht wird umfasst den gesamten Bereich einer Gruppe indem eine Transformation möglich war. Somit von der Gründung der jeweiligen Gruppe bis zum heutigen Stand.

Die Gruppen werden, ähnlich dem Bertelsmann Transformation Index (BTI), anhand von Experten, die jeweils ein Land analysieren, untersucht (vgl. G.Pickel/S.Pickel 2006: 231).

2.3 Systematisierung des Hintergrundkonzepts

Folgende fünf Dimensionen wurden gewählt um die Gruppen zu untersuchen:

1. Gesellschaft
2. Sozioökonomie
3. Politisches Umfeld
4. Gruppenintern
5. International

Eine weitere, sechste Dimension kann je nach Gruppe hinzugefügt werden. Unter dem Begriff Gruppen-Spezifisch können Besonderheiten einer Gruppe aggregiert werden, die sich negativ oder positiv auf die Transformation einer Gruppe ausgewirkt haben.

Diese wird nur bei Bedarf, falls bei einer Gruppe ein Punkt durch die anderen Dimensionen nicht oder nur ungenügend abgedeckt wurde herangezogen. Dies soll es unseren Fallexperten ermöglichen spezifische Einflüsse auf eine Gruppe in das Gesamtergebnis einfließen zu lassen. Ein ähnliches Vorgehen wird bei dem FHI gewählt, indem zwei Zusatzfragen bei Bedarf vom jeweiligen Codierer herangezogen werden können (Vgl. Schmidt 2008: 383). Während diese jedoch fest vorformuliert sind, überlassen wir es dem einzelnen Fallexperten selbst, diese Dimension mit Inhalt zu füllen. Folglich kann von dieser Kategorie eine gewisse Willkür und Subjektivität des Codierers ausgehen. Diese kalkulieren wir mit dem Hinweis, im Sinne des qualitativen Paradigmas die Präzision bei der Messung des Einzelfalles zu erhöhen, mit ein (vgl. Krumm 2009: 99). Ein weiterer Vorteil ergibt sich für den Fall einer späteren Optimierung unseres Modells. Diese qualitative Interpretation der Dimension hilft dabei, Einflussfaktoren zu identifizieren, welche durch das Konstrukt nicht abgedeckt wurden (ebd.).

Die übrigen Dimensionen wurden auf zweierlei Weise erschlossen. Zum Einen über eine induktive Forschungslogik. Nach einer ersten und oberflächlichen Analyse der gewählten Gruppen, benannten wir die Dimensionen die einen Transformationsprozess positiv beeinflussen können. Die Parallele zu der induktiven Forschungslogik liegt hierbei im Schließen von dem Fall (Bsp.: Sinn Fein) und dem Resultat (Bsp.: Transformation zu einer Partei) auf die Regel (Bestimmte gesellschaftliche Faktoren stimulieren den Transformationsprozess der Sinn Fein) (vgl. ebd.: 102). Zur genaueren Verifizierung prüften wir diese anhand weiterer Literatur, um sie zusätzlich theoretisch zu fundieren.

2.3.1 Untersuchungsrahmen

In der konstituierenden Phase des Projektstudiums war eines der zentralen Anliegen die genaue Definition des Untersuchungsrahmens. Es musste also zuerst innerhalb der Projektgruppe erarbeitet werden:

1) Welche Freiheits- und Widerstandsbewegungen sollen untersucht werden bzw. unter welchen Kriterien soll dies geschehen?
2) Welche Variablen wollen wir zu dieser komparativen Untersuchung überhaupt heranziehen?

Bei der Entscheidung, welche Bewegungen nun letztendlich in Betracht kommen,

wurden nach einer längeren Diskussion einige Kriterien festgelegt:

1) Die Bewegung muss in den vorher definierten Rahmen einer Freiheits- und Wi derstandbewegung hineinpassen.
2) Es sollte auf den Gesichtspunkt eines transkontinentalen Vergleiches geachtet werden.
3) Die Bewegungen sollten möglichst diversifiziert sein und ein breites Spektrum an Bewegungen abdecken.

Der Entscheidungsprozess war innerhalb der Projektgruppe von längeren, aber konstruktiven Diskussionen geprägt, da jedes Gruppenmitglied durchaus eigene Ideen und Vorschläge für die zu untersuchenden Bewegungen vorbrachte. Die Wahl fiel am Ende auf zwei Bewegungen aus Lateinamerika, namentlich die FARC sowie die FMLN, den südafrikanischen ANC, die beiden europäischen Bewegungen ETA und Sinn Fein sowie zwei Bewegungen aus dem Nahen Osten, die Fatah und die Hamas. Überlegungen hin zur Wahl einer Bewegung aus dem Ozeanischen Raum bzw. Süd-, Südost- oder Ostasien wurden verworfen, da innerhalb der Projektgruppe Konsens darüber herrschte, Europa, den Nahen Osten sowie Lateinamerika mit je zwei Bewegungen abzudecken und Afrika nicht aus dem Blick zu verlieren.

Das Ergebnis des Auswahlprozesses ist gewesen, dass sowohl Europa, Lateinamerika und der Nahe Osten mit jeweils zwei Bewegungen und Afrika mit einer Bewegung abgedeckt waren. Innerhalb dieser Auswahl ist eine starke Diversifizierung erkennbar: Während Bewegungen wie die ETA, die Sinn Fein, die Hamas und die Fatah eher den Freiheitsbewegungen bzw. Unabhängigkeitsbewegungen mit Territorialansprüchen bzw. Autonomieforderung zuzuordnen sind, so tendieren die FARC, die FMLN und der ANC in die Richtung der Widerstandbewegungen, welche einen Systemwechsel oder Umsturz als Ziel haben oder sich für andere Ziele einsetzen.

Neben der Auswahl der zu untersuchenden Freiheits- und Widerstandsbewegungen und den dafür zugrunde liegenden Kriterien war im Anfangsstadium des Projektes ebenso die Auswahl der Variablen für die komparative Analyse von zentraler Bedeutung. Innerhalb der Projektgruppe hat es dazu zu allererst die Grundüberlegung gegeben:

Welche Faktoren sind für die Transformation dieser Bewegungen hin zu politischen Parteien von Bedeutung? Im Zuge dessen wurden zwei Ansätze verfolgt.

Ansatz eins verfolgte im Prinzip die Methode, jegliche potenzielle Transformationsfaktoren zu sammeln und anschließend die für das Projekt relevanten Informationen herauszufiltern. Dieser Ansatz führte zwar zu vergleichsweise vielen Informationen, welche aber teilweise den von uns gesetzten Rahmen überschritten und der Ansatz unserer Ansicht nach wenig zielorientiert war. Der zweite und schlussendlich auch angewendete Ansatz war der, erst einmal alle möglichen Faktoren zu bestimmen, welche innerhalb des unmittelbaren Umfelds der Bewegungen eine mögliche Rolle gespielt haben und sich dann immer weiter von der Bewegung zu distanzieren, bis zuletzt das internationale bzw. regionale Umfeld erreicht ist. Dieser Ansatz erbrachte bessere und wesentlich zielgenauere Informationen, da innerhalb der Projektgruppe nun strukturiert untersucht und analysiert werden konnte.

Die Auswertung und Verarbeitung der gesammelten Daten hat für die komparative Analyse die folgenden Variablen ergeben:

- Gesellschaftliche Faktoren
- Sozioökonomische Faktoren
- Politische Faktoren
- Gruppeninterne Faktoren
- Internationale Faktoren
- Gruppenspezifische Faktoren

Diese Variablen dienten der Projektgruppe als Arbeitsgrundlage für die Bearbeitung der einzelnen Bewegungen und die Einordnung der Bewegungen in eine entsprechende Bewertungsskala. Zunächst soll jedoch erläutert werden, wie die einzelnen Variablen zustande gekommen sind.

2.3.2 Gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Variablen

Bei der Formulierung der Variablen wurde der Fokus zunächst auf die Bewegungen und ihre Ursprünge gelegt: Aus welchen Beweggründen sind die verschiedenen Freiheits- und Widerstandsbewegungen entstanden bzw. welche Konfliktlinien haben diese Bewegungen erst hervorgerufen? Nach genauerer

Betrachtung der einzelnen Situationen für jede Bewegung konnte festgestellt werden, dass alle innerstaatlichen oder ethno-politischen Konflikte ihren Entstehungspunkt in ökonomischen, sozialen und politischen Differenzen haben (Dudouet 2009: 16). Diese Diskrepanzen wurden zwischen denen ohne Macht und denen mit Macht, also meist dem Staat, ausgetragen. Es mussten also gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Faktoren auf die Konfliktentstehung und somit auch auf die Entstehung der Freiheits- und Widerstandsbewegungen einen Einfluss haben. Diese Variablen mussten dementsprechend also auch für den Transformationsprozess von Bedeutung sein. Wenn der Transformationsprozess als System betrachtet wird, so unterhält das Transformationssystem Wechselbeziehungen zu anderen Systemen, darunter das gesellschaftliche, sozioökonomische und politische System.

Das politische System war und ist oft eines der Kerninteressen für Freiheits- und Widerstandsbewegungen. Das politische System als Ort der Machtausübung und Objekt zur Umgestaltung ist eine wichtige Schnittstelle innerhalb eines Staates und meistens erforderlich, um seine Ziele und Vorstellungen durchzusetzen. Doch ist das politische System wirklich eine unabdingbare und zentrale Variable innerhalb des Transformationsprozesses? Innerhalb der Projektgruppe wurde deshalb die Frage aufgeworfen, wie relevant nun das politische System und seine Faktoren für den Transformationsprozess und somit für die Bildung einer politischen Partei sind.

2.3.3 Gruppeninterne, internationale und gruppenspezifische Variablen

Der Transformationsprozess betrifft die jeweiligen Freiheits- und Widerstandsbewegungen unmittelbar. Innerhalb der Projektgruppe wurde diskutiert, inwieweit die internen Strukturen der einzelnen Bewegungen sich auf den Transformationsprozess auswirken könnten. Im Zuge dieser Diskussionen wurde offensichtlich, dass neben den internen Strukturen auch die Ziele der einzelnen Bewegungen, ihre Überzeugungen und ihre Strategie mit in den Transformationsprozess hineinwirken könnte und somit von maßgeblicher Relevanz für die Transformation zu einer politischen Partei sein könnte.

Das globalisierte Zeitalter bedeutet für jeden Staat eine starke regionale und internationale Vernetzung mit anderen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren. Informationen und Güter verbreiten sich ebenso schnell wie Ideen und Vorstellungen. Somit sind Staaten einer starken regionalen und internationalen Einflussnahme ausgesetzt, beeinflussen zugleich aber auch anderen Staaten und Institutionen. Aktionen anderer Staaten oder regionale bzw. internationale Dynamiken wie z.B. das Ende des Ost-West-Konfliktes oder die Arabischen Umbrüche seit dem Jahr 2010 haben neben regionalen auch starke internationale Einflüsse. Welchen Einfluss könnten also beispielsweise die Arabischen Umbrüche für die Hamas haben? Zwingt die zunehmende Demokratisierung in der arabischen Welt die Bewegung zu einem Prozess der Transformation hin zu mehr Demokratie oder bewirkt er evtl. sogar das Gegenteil? Gleiches gilt für Aktionen von Dritten Parteien in Innerstaatliche Konflikte. Was bewirkt die internationale Anerkennung sowie logistische und materielle Hilfe für solche Bewegungen wie z.B. momentan in Libyen? Eine weitere interessante Frage, welche innerhalb der Projektgruppe ausführlich diskutiert wurde, ist die Frage, ob Vermittlungs- und Mediationsversuche außenstehender Parteien, wie z.B. der UNO oder den USA im Nahen Osten eine Auswirkung auf den Transformationsprozess oder mögliche Transformationsprozesse bei diesen Bewegungen haben. Mit Blick auf regionale und internationale Dynamiken, weltweite Vernetzung sowie den Aktionen außenstehender Parteien wurde diese Variable in die Arbeitsgrundlage mit aufgenommen.

Die letzte und etwas besondere Variable ist die gruppeninterne Variable. So unterschiedlich die Art der Konflikte, die Strukturen, Ziele und Strategien der Bewegungen und innerstaatlichen Gegebenheiten sind, so sind auch die Transformationsprozesse keine linearen Prozesse mit klarem Anfang und klarem Ende, sondern sind immer offen und für jede Bewegung unterschiedlich. Für die eine Bewegung können ethnische Gründe für den Transformationsprozess von zentraler Bedeutung sein und für eine andere Bewegung könnte dies eben ein religiöser oder kultureller Grund sein. Die gruppeninterne Variable fokussiert sich nur auf die Besonderheiten der einzelnen Bewegungen und ihren Umständen, Beweggründen, ihrer Geschichte und eben ihren Besonderheiten, welche sie auszeichnen und von anderen Bewegungen abgrenzen. Diese Faktoren sollen in dieser Variable gebündelt werden und dazu dienen herauszufinden, ob diese Faktoren keinen, einigen oder vielleicht sogar maßgeblichen Einfluss auf den Transformationsprozess der jeweiligen Gruppe hatten.

Im Weiteren Forschungsverlauf werden uns diese Variablen ebenfalls als IndikatorenKategorien dienen. Ein ähnliches Vorgehen wurde bei dem Failed States Index der NGO Fund for Peace gewählt (vgl. Mata/Ziaja 2009: 12).

2.4 Auswahl und Messen der Indikatoren

Unter Punkt 2 wurde bereits beschrieben unter welchen Dimensionen die positive Transformation zu einem politischen Akteur verläuft. Im folgenden Teil wird es nun die Aufgabe sein, diese Dimensionen genauer zu spezifizieren und messbar zu machen. Messbar hinsichtlich unseres Erkenntnisinteresses. Dies bedeutete für uns, jene Punkte herauszufiltern, welche einen positiven Einfluss auf die Transformation bei vorhanden sein, und einen negativen Einfluss bei fehlen aufweisen. Positiv bedeutet in diesem Sinne die Transformation fördernd, negativ die Transformation hemmend bzw. zu einer Stagnation führend. Hinsichtlich der späteren Codierung sollen uns diese Merkmale als Indikatoren für das zu messende Phänomen dienen.

Wie bereits bei den Dimensionen erschlossen wir die Indikatoren durch Induktion. Da der Erfolg einer Messung stark von der Wahl der Indikatoren abhängt, unterzogen wir diese einer stärkeren Systematisierung. Hierbei folgten wir im weitesten Sinne der Forschungslogik der „Qualitative Comparative Analysis (QCA)“ (vgl. Lauth et al 2009: 120-129). Weitreichende Einschnitte mussten vorgenommen werden um die Komplexität zu reduzieren und um das Verfahren an unser Gesamtmodell anzupassen. Grundlegende Unterscheidungen ergaben sich dadurch, dass die hier verwendete QCA nur drei Faktoren zur Erklärung des Phänomens heranzieht, und dass es zwischen hinreichender und notwendiger Bedingung unterscheidet (vgl. ebd.: 120f.). Im Gegensatz hierzu verwenden wir eine größere Zahl an möglichen Faktoren zur Erklärung des Phänomens. Zudem sehen wir die einzelnen Faktoren jeweils als hinreichende Bedingung an. Dies hat zur Folge, dass auch andere Ergebniskombinationen zu einem positiven Ergebnis führen können (vgl. ebd.: 120f.).

Insgesamt hat sich unser Vorgehen weit von dem, der dort durchgeführten QCA entfernt, einzelne Aspekte wurden dennoch übernommen. Im Folgenden wird unser Vorgehen erläutert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundsätzlich finden vier verschiedene Datentypen Gebrauch in Indizes. Diese sind im Einzelnen: Öffentliche Statistiken, Experten Daten, Meinungsumfragen und Inhaltsanalysen (vgl. Mata/Ziaja 2009: 16f.).

Die Datenquellen können sowohl variabel, als auch sehr einheitlich sein. Oftmals beziehen verschiedene Indizes die gleichen statistischen Daten von internationalen

Organisationen wie der Weltbank (vgl. ebd.: 27). Dies lässt grundsätzlich auf eine hohe

Qualität der Daten schließen, sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen dass auch diese Mängel aufweisen können (vgl. ebd.: 16).

Wir verwendeten zur Analyse der Gruppen vorwiegend Monographien anderer Autoren und journalistische Quellen. Diese beiden Quellentypen können den Expertendaten zugesprochen werden. Letztere sind alleine durch die angestrebte Aktualität der Gruppenanalysen notwendig. Erstere bieten uns den Vorteil bereits einer Interpretation unterzogen worden zu sein. Zudem stützen sie sich in der Regel auf andere Autoren, was unseren Datenpool erweitert. Unter der nicht auszuschließende Subjektivität des Autors, und subjektive Einflüsse bei der Kodierung offenbaren sich jedoch Mängel bei der Objektivität (vgl. Gaber 2000: 121). Zudem wurden in vermindertem Maß Statistiken (bspw. Wahlergebnisse), und Inhaltsanalysen (bspw. Selbstdarstellung der Gruppe auf der Internetseite) genutzt.

Die Menge unterschiedlicher Quellen, stellt sich im Vergleich zu etablierten Indizes als überschaubar dar. Eine Parallele lässt sich wiederum zu der Entstehung des FHI ziehen. Dies soll folgendes Zitat verdeutlichen:

„Die ersten Berichte wurden von Gastil allein und mit wenigen Quellen (oftmals andere Monographien und/oder Tageszeitungen) angefertigt. Im Laufe der Zeit hat sich ein Mitarbeiterstab gebildet, der kontinuierlich das ganze Jahr an der Fertigstellung der Berichte arbeitet (Lauth: 268).“

Die von uns benutzten Quellen zur Erstellung der Länderberichte werden im Anhang an diese dokumentiert. Da die Untersuchung das erste Mal stattfand deckten wir den Bereich von der Gründung der jeweiligen Gruppe bis heute ab. Als hinterer Fix- Punkt wurde der Abschluss der Gruppenanalyse, der 01.08.2011 gewählt. Dies bedeutet, dass bei einer Aktualisierung der Ergebnisse, eine Analyse das Zeitfenster rückwirkend bis zu diesem Datum abdecken müsste.

2.5 Kalkulation der Indexergebnisse

Wie bereits beschrieben richteten wir unseren Index vorwiegend am qualitativen Paradigma aus. Um jedoch eine Vergleichbarkeit zwischen den Gruppen in Form einer Indexbildung herzustellen müssen die bisherigen Schritte quantifiziert werden. Dieser Schritt umfasst neben der Standardisation, die Aggregation und die Gewichtung der Daten (vgl. Mata/ Ziaja 2009: 17). Bei der Standardisation werden den möglichen Ausprägungen der Indikatoren feste Zahlenwerte zugeordnet. Diese finden sich in der Regel auf der späteren Index-Skala wieder (vgl. Mata/Ziaja 2009: 17).

Bei der Quantifizierung unseres Konzeptes orientieren wir uns an bestehenden Indizes. Einfluss fanden insbesondere der FHI und der Bertelsmann Transformation Index (BTI). Dies findet seine Begründung darin, dass deren Messungen ebenfalls auf qualitativen Daten basieren, welche erst nachträglich quantifiziert werden (vgl. Gaber 2000: 116). Indizes wie der Index of Democratization (IoD) eines Tatu Vanhanen, oder ein Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen, erwiesen sich als nicht angebracht. Indem sie ihre Analysen einzig auf statistische Daten stützen, weißen sie eine geringere Indikatorenvielfalt auf, aus welcher nicht selten ein beschränktes Konzept dessen entsteht, was gemessen werden soll. Dies trifft insbesondere auf das Messkonzept von Tatu Vanhanen zu. Indem er die Demokratie anhand von zwei statistischen Indikatoren misst, vernachlässigt er zentrale Bestandteile der Demokratie (vgl. Schmidt 200: 377). Demgegenüber benutzen sowohl der FHI als auch der BTI interpretative Verfahren zur Analyse und Standardisierung der vorwiegend qualitativen Daten. Wie bereits beschrieben, ist die Codierung unter den subjektiven Einflüssen des Codierers anfällig für Mengel in der Objektivität. Die hiermit verbundene höhere Anzahl an Indikatoren stellt sich demgegenüber durch den Probabilismuscharakter Sozialwissenschaftlicher Aussagen als Vorteilhaft dar (vgl. Krumm 2009: 94). Zudem versuchen wir die Objektivitätsmängel mit Codierregeln einzuschränken.

In Anlehnung an den FHI geben wir einem jeden Indikator fünf mögliche Ausprägungen. Dies umfasst die Zahlenwerte 0-4. Demnach bedeutet 0 keine Übereinstimmung und 4 höchstmögliche Übereinstimmung (vgl. Lauth 2004: 269). Auf eine weitere Angleichung wurde jedoch verzichtet, und ein eigenes Vorgehen gewählt.

Folgendes Beispiel soll die Bewertung der Indikatoren verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Beispiel soll die mögliche Bedeutung der Indikatorenwerte anhand eines Indikators aufzeigen und veranschaulichen. Eine Zuordnung der einzelnen Werte ist jedoch nicht bei jedem Indikator so einfach und eindeutig. Vielmehr stellen die einzelnen Ausprägungen Richtwerte dar, deren Bedeutung von dem jeweiligen Einzelfall abhängt. Indikatoren wie Machtfaktor Finanzierung oder Gesellschaftliche Legitimation lassen eine solche Zuordnung nicht in diesem Maße zu. Für Finanzierung könnte man zwar Einnahmen als Richtwert nehmen und für Gesellschaftliche Legitimation den Anteil der Wählerstimmen einer Gruppe am Wahlergebnis. Jedoch würde dies zu kurz greifen, da die Bedeutung der Wählerstimmen einer Gruppe zum Einen vom Wahlsystem eines Landes abhängen können, und zum Anderen eine einmalige hohe Stimmenanzahl ebenfalls als Zeichen einer Protestwahl gewertet werden könnte.

Ein zu enges fassen der Indikatoren würde im Endeffekt unser Ziel einer allumfassenden Beschreibung der Transformation einer Gruppe vernachlässigen, und würde der spezifischen Situation einer Gruppe innerhalb ihres Umfeldes nicht gerecht, welche nur durch ein Mindestmaß an Interpretation erreicht werden können. Daher gestehen wir dem einzelnen Codierer, wenn auch auf Kosten der Objektivität, zu die möglichen Werte den Indikatoren frei zuzuteilen. Hierbei werden ihm als Codierregel lediglich die Bedeutung der minimalen, sowie der maximalen Ausprägung gesetzt. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses, wenngleich auch künstlich, gesetzte Minimum und Maximum entzieht unsere Indikatoren einer zeitlichen Varianz. Ein wachsen der Ausprägungen gemessen am Transformationsprozess ist nicht möglich. Während bspw. das Maximum eines HDI durch neue empirische Daten nachträglich hoch gesetzt werden muss.

Als weitere Unterstützung folgt ein Codierer folgendem Schema:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Eigene Darstellung)

Es wird also unterstellt, dass mit Wachsen des Indikatorenwertes dieser einen höheren Einfluss auf die Transformation der Gruppe hat.

Ähnlich wie im Bertelsmann Transformation Index, ist es zum richtigen Verstehen der Indikatorenwerte notwendig diese anhand der Einzelberichte zu erschließen (Bertelsmann Stiftung 2010: 22). Die Zahlenwerte spiegeln empirische Beobachtungen und Annahmen wieder die in diesen ihre Begründung finden. Als abschließende und wichtigste Codierregel zur Standartisierung der Indikatoren gilt daher, die Wertzuordnung genau zu dokumentieren und zu begründen.

2.5.1 Aggregation

Bei der Aggregation der Indikatorenwerte zu einem Indexwert lässt sich zwischen zwei zentralen mathematischen Optionen unterscheiden, der Addition und der Multiplikation. Prinzipiell birgt das Additions- gegenüber dem multiplikatorischen Verfahren den, dass niedrige Ausprägungen einzelner Indikatoren, durch höhere Ausprägung anderer Indikatoren neutralisiert werden können. Dies gewinnt dann an Bedeutung, wenn bspw. ein Land in einem Demokratie-Index als demokratisch eingestuft wird, obwohl es keine freien oder fairen Wahlen abhält (Vgl. Gaber 2000: 119). Bei Multiplikationsverfahren tritt dieses Problem nicht auf. Jedoch muss man bedenken, dass ein einzelner Indikatorenwert 0 somit immer und zwangsläufig ein Gesamtergebnis von 0 zur Folge hat. Hierunter kann im Endeffekt die Vergleichbarkeit leiden, da stark divergierende Fälle auf eine Stufe gestellt werden (vgl. Mata/Ziaja 2009: 18).

Bei der Aggregation unserer Daten nutzen wir ein Additionsverfahren. Eben beschriebene Kritik an diesem, ist für unseren Index ohne Bedeutung. Dies liegt daran, dass wir den einzelnen Dimensionen und Indikatoren den gleichen Wert am gesamten Transformationsprozess beimessen und als notwendige Bedingung für selbigen ansehen. Folgendes Schema soll die Addition der Indexwerte anhand der fiktiven Gruppe X beispielhaft aufzeigen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zunächst werden die erzielten Werte der Indikatoren innerhalb einer Dimension summiert. Anschließend werden die Dimensionen miteinander addiert. Prinzipiell würde es keinen Unterschied machen, wenn man die Indikatoren direkt miteinander verrechnen würde. Der Zwischenschritt über die Indikatoren soll jedoch die Anschaulichkeit vergrößern. Hierdurch lässt sich der Fortschritt einer Gruppe bei einer Dimension aufzeigen.

Eine Besonderheit stellt wie bereits oben beschrieben die Dimension Spezifische dar. Diese enthält nur einen Indikator, der die Ausprägung -4 bis 4 einnehmen kann. Er wird am Ende addiert oder subtrahiert und dient wie bereits beschrieben als Korrektiv des Gesamtergebnisses.

Durch die Addition der fünf festen Dimensionen kann eine Gruppe zwischen 0 und 56 Punkten erreichen. Durch hinzuziehen der Dimension Spezifische lässt sich das mögliche Ergebnis von -4 bis 60 erweitern. Dieser Fall schließt sich jedoch aus, da bei einem Indexwert 0 kein niedrigerer, und bei einem Wert 56 kein höherer Transformationsstatus erreicht werden kann, was automatisch zum Ausschluss der Dimension führen würde. Daher wird bei der weiteren Rechenoption von der Spannweite 0-56 ausgegangen, welche später die Extremwerte für die Indexskala bilden.

Zur besseren Veranschaulichung, und zur Verortung auf der Indexskala wurden die Gruppenergebnisse anschießend in einen Prozentwert umgerechnet. Bezugspunkt bilden die beiden Extremwerte 56, welche mit 100% gleichzusetzen sind, und 0, welche dementsprechend einen Prozentwert von 0 % widerspiegeln.

Somit ergibt sich für Gruppe X folgende finale Rechenoperation durch Dreisatzbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gruppe X hat somit 69,6% des optimalen Transformationsprozesses abgeschlossen.

2.6 Präsentation der Ergebnisse

Wie soeben beschrieben werden die Gruppen anhand ihres prozentualen Wertes auf einer Skala mit den Extremwerten 0% - 100% verortet. Zudem wurden Kategorien gebildet um die erreichten Ergebnisse der Gruppen interpretieren und vergleichen zu können. Diese Kategorien unterliegen jedoch keiner theoretischen Fundierung. Zur Setzung der Grenzwerte einer Kategorie gibt es im Allgemeinen 2 verschiedene Verfahren. Diese werden i.d.R. Anhand des Rankings der Gruppen (Bsp.HDI), oder durch die Aufteilung der Skala in gleich große Teilabschnitte gesetzt (Bsp. BTI). Erstere Variante hat zur Folge, dass immer die gleiche Anzahl an Fällen, unabhängig ihres individuellen Ergebnisses, einer Kategorie angehört. Dieses Vorgehen befanden wir, alleine aufgrund unserer geringen Fallauswahl, als weniger angemessen.

Dementsprechend stellen unsere Kategorien gleich große Teilabschnitte der

Gesamtskala dar. Es wurde eine Einteilung in vier Kategorien gewählt, wobei jede einen Intervall von 14 Indikatorenpunkten, also 25% Prozentpunkten einnimmt. Die Kategorien wurden wie folgt aus den Indikatorenausprägungen abgeleitet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Gruppe gehört der höchsten Kategorie an wenn sie bei allen Indikatoren einen

Wert von 3 erreicht, sowie bei einem Indikator den Wert 4. Gleiches gilt bei

entsprechenden Zahlenwerten für die anderen Kategorien. Somit werden folgende Intervalle für die Kategorien der Index-Skala festgelegt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Indikator Spezifische wird bei der threshold- Setzung außen vor gelassen, da er ausschließlich als Korrektiv dient und nicht bei jeder Gruppe Anwendung findet. Die Extremwerte des Index bleiben wie bereits beschrieben unberührt von ihm.

Trotzdem kann diesem Indikator eine entscheidende Rolle zukommen, wie die

Verortung der fiktiven Gruppe X auf dem Modell der späteren Index- Skala zeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dadurch, dass der Gruppe 4 Punkte vom Gesamtergebnis abgezogen wurden sank ihr Wert von 43 auf 39. Dies entspricht 69,6%, wobei ein Wert von 43 einen Prozentwert von 76,8 ergeben hätte. Somit wäre die Gruppe eine Kategorie höher eingestuft worden. Die Interpretation der Kategorien stellen ausschließlich Prototypen zur Veranschaulichung dar. Diese unterliegen keiner theoretischen Fundierung, sondern spiegeln die Eindrücke nach den Auswertungen wieder. Im Endeffekt und zur genaueren Betrachtung einer Gruppe muss wiederum der Länderbericht zurate gezogen werden.

II. BEGRIFFSDEFINITORISCHE GRUNDLAGEN

Im Folgenden sollen die Begriffe Terrorismus, Guerilla, politische Partei, kriminelle Organisation und Transformation näher beleuchtet, damit die spätere Verfolgung der Transformationsanalysen der Befreiungs- und Widerstandsbewegungen vereinfacht wird.

[...]

Details

Seiten
122
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656967347
ISBN (Buch)
9783656967354
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300230
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Politikwissenschaften
Note
1,2
Schlagworte
Terrorismus Widerstandbewegungen Transformation komparative Analyse FMLN Hamas Fatah ETA ANC FARC Sinn Fein politische Parteien Friedens- und Konfliktforschung Politikwissenschaft Internationale Beziehungen Transformationsprozesse Freiheitsbewegungen

Autoren

  • Stephen Karugu Njuguna

    1 Titel veröffentlicht

  • Natalia Báez Zamudio

  • Fabian Baumert

  • Ali Naki Tutar

  • Fadi Nassir

  • Sebastian Von Spalding

  • Daniel Taylor

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Titel: Transformation von Befreiungs- und Widerstandsbewegungen zu politischen Parteien