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Stabilisierungspolitik des IWF in Argentinien. Die Verantwortung der Währungsreform an der Finanzkrise von 2001/02

Hausarbeit 2004 30 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die wirtschaftliche Ausgangslage in Argentinien (1989-1991)

2. Neoliberale Wirtschaftsreformen: Der Plan-Cavallo
2.1 Liberalisierung der Außenwirtschaft
2.2 Privatisierung staatlicher Betriebe
2.3 Deregulierung des Kapital- und Finanzmarktes
2.4 Währungsreform
2.4.1 Monetär-technische Reform
2.4.2 Monetär-institutionelle Reformmaßnahmen

3. Auswirkungen des Currency Boards auf die Gesamtwirtschaft

4. Schwächen des Banken- und Finanzsektors

5. Makroökonomische Auswirkungen des Plan-Cavallos auf die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens
5.1 Der Weg zur Prosperität: 1991-1994
5.2 Rezession und Aufschwung: 1995-1998
5.2.1 Die Mexiko-Krise 1995
5.2.2 Die Konsolidierung 1996
5.3 Rezession und Krise: 1998-2001

6. Die Rolle des Currency Boards in der Argentinienkrise

7. Bilanz

Anhang

Literaturverzeichnis

Stabilisierungspolitik in Argentinien in den 1990er Jahren- Welche

Verantwortung trägt die Währungsreform an der Finanzkrise in 2001/2002?

Einleitung

Im Jahre 2001/2002 erfuhr Argentinien eines der schwersten Finanzkrisen seiner Geschichte. Der wirtschaftliche Niedergang Argentiniens hat die Frage aufgeworfen, warum ein Land durch die besonders konsequente Durchführung neoliberaler Wirtschaftsreformen so tragisch in einer Finanzkrise endete. Der Fall Argentinien ist einzigartig, da das Land eine der größten und komplexesten Ökonomien darstellt, in denen das Currency Board System funktionierte. Argentinien verzeichnete binnen 1990-1997 mit 6 % pro Jahr die stärksten Wachstumsraten in Lateinamerika und wurde infolgedessen vom IWF oft als „Wirtschaftswunder“1 bezeichnet (Mussa 2003, 1). Verweise auf „externe Schocks“2 im Sinne globaler Finanzkrisen sowie auf die fehlerhafte Umsetzung der neoliberalen Reformagenda als mögliche Ursachen für die argentinische Finanzkrise bieten keine umfassende Erklärung für das gescheiterte Reformprojekt. Wichtiger scheint eine konkrete Analyse der Währungsreform sowie der neoliberalen Reformen, die die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens seit Beginn der 1990er Jahre entscheidend beeinflussten. Daher sollen folgende Kernfragen Gegenstand der Untersuchung sein:

1. Inwiefern führte die neoliberale Reformagenda in Argentinien zu Wirtschaftswachstum?
2. Welche Verantwortung trug die Währungsreform an der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001/2002?

Rahmen der Untersuchung soll der Integrationsprozess Argentiniens in den Weltmarkt sein. Seit den 1990er Jahren befindet sich das Land in einem komplexen wirtschaftlichen Umbruch von der binnenmarktorientierten Importsubstitution hin zur Weltmarktorientierung. Ausgehend von der wirtschaftlichen Ausgangslage soll zunächst die Implementierung der Wirtschaftsreformen in Argentinien skizziert werden. Der Fokus richtet sich auf die Währungsreform. Im nächsten Abschnitt soll die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens von der wirtschaftlichen Neuorientierung bis in die Finanzkrise unter Bezugnahme auf makroökonomische Indikatoren beschrieben werden. Abschließend soll beantwortet werden, welche Verantwortung der Currency Board an der Argentinienkrise 2001/2002 trug.

1. Die wirtschaftliche Ausgangslage in Argentinien (1989-1991)

Die einschneidenden Reformen in Argentinien zu Beginn der 1990er Jahre können nur vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Ausgangslage verstanden werden. Die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens war infolge der Verschuldungskrise, die das Land 1981 befiel, durch ein chronisches Haushaltsdefizit und eine hohe Inflationsrate geprägt. Die Regierung neigte verstärkt dazu, das Staatsdefizit über die Zentralbank zu finanzieren (Boris 2001, 470). Oligopolistische Marktstrukturen und regulierende Eingriffe des Staates störten das marktwirtschaftliche System (Schmücker 1998, 30). Diese Ausgangssituation ergab, dass eine erfolgreiche Stabilisierungspolitik sich nicht auf eine Währungsreform beschränken durfte, sondern eine umfassende Transformation der Wirtschaftsordnung erforderte. Der Tiefpunkt der Entwicklung war 1990 erreicht: die Inflation lag seit Mitte der 1970er Jahre bei durchschnittlich rund 400 %, die Auslandsschulden lagen bei 60 Mrd. US-$, die Arbeitslosigkeit wuchs enorm und das Pro-Kopf-Einkommen sank im Vergleich zu 1975 um 25 % (Boris 2001, 471).

2. Neoliberale Wirtschaftreformen: Der Plan-Cavallo

Aufgrund der beschriebenen Ausgangslage wurde unter der Führung des Wirtschaftsministers Domingo Cavallo ein wirtschaftspolitisches Programm entwickelt, das als Plan-Cavallo bekannt wurde. Kernbestandteil des Cavallo-Plans war das am 1. April 1991 in Kraft getretene Konvertibilitätsgesetz (Ley 23.928 de Convertibilidad). Das Reformprogramm insgesamt umfasste jedoch darüber hinaus Vorkehrungen, die eine weitreichende Strukturanpassungs- und Stabilisierungspolitik ermöglichten. Der Fokus der Untersuchung sollen jedoch das Konvertibilitätsgesetz sowie die neoliberalen Reformen sein.

2.1 Liberalisierung der Außenwirtschaft

Zahlreiche Liberalisierungsmaßnahmen wurden durchgesetzt, um die argentinische Ökonomie marktwirtschaftlich zu strukturieren und in den Weltmarkt zu reintegrieren (Perez dos Santos 1998, 490). Zwischen dem Regierungsantritt Menems im März 1989 und April 1991 wurden im wesentlichen nicht-tarifäre Handelshemmnisse beseitigt und Subventionen für nichttraditionelle Exporte abgebaut. Die Liberalisierung umfasste in dieser Phase die Aufhebung aller Restriktionen für Exporte und Importe (mit Ausnahme der Importe der Automobil- industrie), die Annullierung nationaler Präferenzklauseln in öffentlichen Klauseln und die Vereinfachung von Zollformalitäten (Schmücker 1998, 47). Insgesamt wurde der durchschnittliche Einfuhrzoll von 39 % (1989) auf 10 % (1993) gesenkt. Die Export- und Importraten im Verhältnis zum BIP stiegen infolge der Reformen von 17 % (1990) auf 30 % (1996). Während die Exporte sich verdoppelten, vervierfachten sich die Importe. Die Exporte wurden von geringwertigen landwirtschaftlichen Produkten dominiert, während die Kapitalgüter und Endkonsumprodukte die Importe bestimmten. Die Industrieproduktion war eher kapitalintensiv und auf bestimmte Sektoren konzentriert: 1994 kontrollierten die 30 größten Exportunternehmen 55 % aller Exporte. Die 500 größten Unternehmen des Landes erwirtschafteten 30 % des BSPs in 1994, beschäftigten aber nur 20 % der Erwerbstätigen. Negativ war, dass die Exportdynamik vorrangig vom Haupthandelspartner Brasilien abhing, während die Exportraten in die OECD-Staaten rückläufig waren (Schweickert 2002, 34f.).

2.2 Privatisierung staatlicher Betriebe

Die weitaus größten Veränderungen im Staatshaushalt wurden bereits 1989 durch eine nahezu durchgängige Privatisierung des gesamten Staatsbesitzes eingeleitet. Die Regierung verkaufte staatliche Unternehmen im Industrie-, Dienstleistungs- und im extraktiven Bereich und konnte infolgedessen Einnahmen im Wert von etwa 20 Mrd. US-$ verzeichnen (Perez dos Santos 1998, 472). Primäres Ziel war die Finanzierung des wachsenden Budgetdefizits sowie die Attrahierung ausländischen Kapitals. Der Verkauf öffentlicher Unternehmen ermöglichte dem Staat eine beträchtliche Minderung der Schuldenlast3. Darüber hinaus konnten infolge dieser Konsolidierungspolitik durch die Zahlungen der privatisierten Unternehmen erhöhte Einnahmen bei der Einkommens- und Gewinnsteuer erzielt werden. Positiv war auch der Transfer von Know-how, Technologie und internationalen Standards, der im Rahmen der Firmenfusionen mit ausländischen Partnern erfolgte.

Das wesentliche Ziel der Privatisierungspolitik, funktionsfähige Märkte und einen institutionellen Rahmen für Transparenz und verstärkten Wettbewerb zu schaffen, wurde jedoch eindeutig verfehlt. Resultat der wirtschaftspolitischen Anstrengungen waren eine oligopolistische Marktstruktur, Interessenskonflikte unter den Unternehmen sowie steigende Kosten sowohl für die Privathaushalte als auch den Staatshaushalt (Schvarzer 1998, 76ff.). Das Fehlen funktions- fähiger Regulierungs- und Kontrollorgane (z.B. fehlende Monopolgesetzgebung) sowie die zu geringe Anzahl potentieller Käufer begünstigte in vielen Fällen nur die Umwandlung staatlicher in private Mono- oder Oligopole4 (Perez dos Santos 1998, 475). Von den 200 größten Unternehmen Argentiniens nahm nur ein Drittel an den Privatisierungen teil. Im Zuge der Privatisierung wurden 258.000 Beschäftigte (das sind rund ein Viertel der im öffentlichem Sektor Beschäftigten) innerhalb von vier Jahren entlassen (Perez dos Santos 1998, 474). Primär wurde das Ausgleichen des Haushalts- und Leistungsbilanzdefizits angestrebt und der Wechselkurs durch ausländische Kapitalflüsse stabilisiert. Diese Vorgehensweise hatte eine weitere Steigerung der Verschuldung zur Folge. Durch monopolistische Marktstrukturen schwächten überhöhte Preise die Wettbewerbsposition des Exportsektors. Insgesamt waren die Effekte des Privatisierungsprozesses auf die Investitionstätigkeit (z.B. auf den Exportsektor) nicht so positiv. Der hohe Anteil ausländischer Teilhaber an den Privatisierungen ließ zudem befürchten, dass zukünftige Gewinne der Unternehmen erneut ins Ausland abfließen würden (Schmücker 1998, 45).

2.3 Deregulierung des Kapital- und Finanzmarktes

Ziel der Deregulierungspolitik war es, binnenwirtschaftliche Preise vollständig zu liberalisieren, den Wettbewerb sowie eine optimale Allokation wiederherzustellen. Die Abschaffung staatlicher Preiseingriffe wurde hauptsächlich durch folgende Maßnahmen ergänzt: (a) die Einführung des Wettbewerbs für freiberufliche Tätigkeiten, (b) die Abschaffung von Steuern und Zwangsabgaben auf bisher regulierte Tätigkeiten, (c) die Auflösung von Handelsmonopolen, (c) Zollfreiheit für kapitalintensive Produktionssektoren sowie (d) die Deregulierung des Versicherungs- und Transportwesens (Perez dos Santos 1998, 489f.). Trotz der wirtschaftlichen Reformierung führten das Wechselkursregime, welches Anpassungszwänge ausübte, und die hohen Arbeitskosten, die den Wechsel von weniger produktiven in wettbewerbsfähigere Sektoren verhinderten, zu Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (Schweickert 2002, 37).

Eine zentrale Rolle im Reformprozess nahm die Deregulierung der Finanz- und Kapitalmärkte ein. Die Ley de Emergencia von 1989 ermöglichte ausländischen Unternehmen den freien Zugang zu inländischen Kreditmärkten, schaffte die Steuer auf ausländisches Kapital ab und stellte die Besteuerung in- und ausländischer Unternehmen gleich. Durch die Ley de Olvido Fiscal (1992) konnte ein Rahmen für ausländische Investitionen geschaffen werden und infolgedessen Kapitalflucht gemindert werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, hob die Zentralbank alle Barrieren für den Marktzugang auf und liberalisierte den Kredit- und Einlagenzins. Zudem führte die Zentralbank im Einklang mit den internationalen Standards eine Reihe von Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität und Solvenz des Finanzsystems ein. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Währungsreserven als Finanzierungsquelle für den Staat genutzt werden, wurden sie in Argentinien zur Sicherung der Bankeinlagen umfunktioniert (Kiguel und Nogues 1998, 140).

Die hohe Außenverschuldung brachte eine Abhängigkeit von ausländischen Kapitalimporten mit sich, die durch eine institutionelle Liberalisierung des Kapitalmarktes verstärkt wurde. Die durch die Einführung des Konvertibilitätsgesetzes 1991 und die Refinanzierung der Außenverschuldung im Rahmen des Brady-Plans 19935 neugewonnene Stabilität eröffneten Wege zu neuen Krediten auf dem internationalen Finanzmarkt (Messner 1998, 59). Die neuerworbenen Kredite wurden primär für die Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten und die laufenden Schuldenzahlungen genutzt. Der Ausbau des Aktienmarktes erleichterte die Attrahierung ausländischen Kapitals in den inländischen Kapitalmarkt6.

2.4 Währungsreform

2.4.1 Monetär-technische Reform

Die monetär-technischen Reformmaßnahmen wurden im Konvertibilitätsgesetz festgelegt, welches Ende März 1991 im argentinischen Parlament verabschiedet wurde. Kernelement dieses Gesetzesentwurfs war die volle Konvertibilität der argentinischen Landeswährung Austral in US-Dollar ab dem 1. April 1991 im Verhältnis von 10.000 Australs pro US-Dollar. Der argentinische Peso wurde somit im Verhältnis 1:1 fest an den US-Dollar gebunden. Die Änderung des Wechselkurses wurde durch die Notwendigkeit einer rechtlichen Grundlage erschwert, so dass eine Abwertung von nun an nur mit der Zustimmung des Parlaments erfolgen konnte (Perez dos Santos 1998, 469). Weitere Bestandteile des Konvertibilitätsgesetzes waren die folgenden:

(a) Die Zentralbank wurde verpflichtet, mindestens 100 % der monetären Geldbasis (Bargeld- umlauf, Kassenbestände, Einlagen der Geschäftsbanken) durch Gold- bzw. Devisenreserven (im Verhältnis ein Peso pro US-Dollar) zu decken. Diese Maßnahme sollte einerseits dazu dienen, den gesetzlich fixierten Wechselkurs aufrechtzuerhalten, andererseits sollte die bisherige hohe Geldschöpfung zur Finanzierung des Staatsdefizits unterbunden werden.
(b) Die Zentralbank durfte nur dann Australes emittieren, wenn die Geldmengenausweitung durch eine gleichzeitige Zunahme der Reserven gerechtfertigt war.
(c) Die Währungsreserven durften nicht zur Finanzierung des Schuldendienstes verwendet werden, sondern waren explizit zur Deckung der monetären Basis bestimmt.
(d) Die Zentralbank wurde verpflichtet, ausländische Währungen zum festen Preis zu verkaufen und die entsprechenden Australes aus dem Geldumlauf einzuziehen (Schmücker 1998, 34).
(e) Die Lohnindexierung, die zu einer Erhöhung der Inflation beigetragen hatte, wurde gesetzlich aufgehoben (Ley 23.928, Art. 7,8,10). Die Lohnentwicklung sollte sich zukünftig an der Produktivitätsentwicklung orientieren (Messner 1998, 59).

Die implementierten Reformen hatten zur Folge, dass die argentinische Zentralbank wie ein Currency Board funktionierte7. Das Konvertibilitätsgesetz hatte zwei wichtige Ziele: Zum einen sollten durch die Bindung der Landeswährung an den stabilen US-Dollar die Inflationserwartungen gedämpft und infolgedessen die Inflationsrate gesenkt werden. Zum anderen sollte durch die strikte Wechselkursfixierung die Glaubwürdigkeit des Reformprogramms erreicht und das Vertrauen in die heimische Währung aufgebaut werden. Der Abschluss von Verträgen und somit der gesamte Zahlungsverkehr wurde in US-Dollar legalisiert (Artikel 11).8 Die Kredittransfers der Zentralbank an die Provinzbanken (Artikel 19a) sowie das Garantiesystem der Bankdepositen, welches für einen Verlust von ca. 10,5 Mrd. US-$ (1980-89) in den Finanzen der Notenbank verantwortlich waren, wurden aufgehoben (Perez dos Santos 1998, 481).

Das Problem bei einem Währungskorb wie dem in Argentinien besteht darin, dass eine exakte Anpassung der Geldbasis an die Devisenreserven mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Schwankungen der Geldmenge führt. Ein Anstieg der Devisennachfrage bzw. Kapitalflucht führt in einem strikten Währungsboardsystem zu einer Kontraktion der Liquidität des Bankensystems. Wenn die Volkswirtschaft keine Reserven der inländischen Geldbasis aufgebaut hat, kann es schwierig sein, diese Spannungen zu handhaben, da es keine letzte Instanz für die Kreditvergabe gibt.9 Solche Engpässe können vermieden werden, wenn das Wechselkursregime von internationalem Charakter ist und Zugang zur Hauptliquiditätsschöpfung hat (Perez dos Santos 1998, 481ff.).

Die Indexierung von Preisen, Löhnen und Schuldkontrakten bei jeglichen Verträgen, die nach dem 1. April 1991 abgeschlossen wurden, wurde aufgehoben. Die Einführung eines nominalen Ankers in Form eines fixierten Wechselkurses stellte keine hinreichende Bedingung für Preisniveaustabilität dar. Vielmehr wurde Argentinien dem internationalen Wettbewerb und den Fluktuationen der internationalen Währungen ausgesetzt und geriet in ernste Schwierigkeiten, da die binnenwirtschaftlichen Strukturen nicht wettbewerbsfähig waren. Mit der Deindexierung wurden lediglich Beschränkungen der Preisanpassung in der Privatwirtschaft ausgeräumt (Schmücker 1998, 35).

Der wesentliche Erfolg des Konvertibilitätsplans von Cavallo war, dass die unkontrollierte Finanzierung des Haushaltsdefizits unterbunden und die Geldemission auf eine notwendige Deckung durch die Währungsreserven beschränkt wurde. Somit konnte eine stabile Währung hergestellt werden, die das Funktionieren der Wirtschaft ermöglichte (Baer et al. 2002, 64). Die Voraussetzungen waren die Senkung der Inflation auf das Niveau der Kopplungswährung des US-Dollars, da nur so die Überbewertung des Australs bzw. des Pesos vermieden und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sichergestellt werden konnte (Perez dos Santos 1998, 471).

2.4.2 Monetär-institutionelle Reformmaßnahmen

Neben einer restriktiven Geld- und Kreditpolitik wurden auch Maßnahmen zur institutionellen Absicherung eingeleitet, die die Stabilität der Währung garantieren sollten. Im September 1992 wurde demnach die Unabhängigkeit der argentinischen Zentralbank gesetzlich festgelegt. Der Banco Central de la Republica Argentina (BCRA)10 wurde die Rolle der monetären Instanz und Bankeninstitution zugeschrieben (Tavarone 1999, 139). Weitere Maßnahmen wurden eingeführt, die die Autonomie der Zentralbank in funktioneller, finanzieller und personeller Hinsicht festlegten:

[...]


1 Das Land gilt als die größte Erfolgsgeschichte des IWF der 1990er Jahre (Mussa 2003, 1).

2 Als externe Schocks der 1990er Jahre gelten: die Mexiko-Krise 1994, die Asienkrise 1997, die Russlandkrise 1998, die Brasilienkrise 1999 sowie die Türkei-Krise 2001.

3 Der Subventionsabbau führte zu signifikanten Einsparungen im Staatshaushalt, die auf jährlich 1,5 Mrd. geschätzt werden.

4 Wie im Fall von ENTel und Aerolineas Argentinas führte die Privatisierung nicht immer zu einer Entmonopolisierung.

5 Der Brady-Plan ist ein US-amerikanisches Programm der Schuldenumstrukturierung aus dem Jahre 1993 und gilt als Antwort auf die Schuldenkrise der 1980er Jahre.

6 Der Marktwert der Aktien stieg binnen zwei Jahren von 4 Mrd. US-$ (1990) auf das Siebenfache.

7 Darunter versteht man ein Währungsinstitut, in dem die Geldemission der Zentralbank durch die ausländischen Währungsreserven (hier Dollarreserven) gedeckt ist und es keine Absicherung gegenüber dem Kapitalzufluss gibt.

8 In den Geschäftsbanken wurden Dollareinlagen legalisiert (Perez dos Santos 1998, 481).

9 Hier wurde das Fehlen der Rolle des lenders of last resort deutlich.

10 Die BCRA ist die Zentralbank der Republik Argentinien.

Details

Seiten
30
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783668078284
ISBN (Buch)
9783668078291
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300168
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Argentinien Weltmarkt Importsubstitution Wirtschaftsreform Währungsreform Currency Board Argentinienkrise

Autor

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Titel: Stabilisierungspolitik des IWF in Argentinien. Die Verantwortung der Währungsreform an der Finanzkrise von 2001/02