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Statische und Dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

Hausarbeit 2005 27 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen der Investitionstheorie
1.1 Einordnung der Investitionsrechnung in die allgemeine Betriebs- wirtschaftslehre
1.2 Investitionsarten
1.3 Ziele der Investitionsrechnung
1.4 Übersicht der Investitionsrechenverfahren

2 Statische Investitionsrechenverfahren
2.1 Kostenvergleichsrechnung
2.2 Gewinnvergleichsrechnung
2.3 Rentabilitätsvergleichsrechnung
2.4 Statische Amortisationsvergleichsrechnung
2.4.1 Durchschnittsmethode
2.4.2 Kumulationsmethode

3 Dynamische Investitionsrechenverfahren
3.1 Grundlagen der Finanzmathematik
3.2 Kapitalwertmethode
3.3 Annuitätenmethode
3.4 Interne Zinsfußmethode
3.5 Dynamische Amortisationsmethode

4 Ergänzungsverfahren bei unsicheren Faktoren
4.1 Korrekturverfahren
4.2 Sensitivitätsanalyse
4.3 Risikoanalyse
4.4 Entscheidungsbaumverfahren

Abkürzungen und Symbole

Literaturverzeichnis

1 Grundlagen der Investitionstheorie

1.1 Einordnung der Investitionsrechnung in die allgemei-

ne Betriebswirtschaftslehre

Investition, im Sinne der Betriebswirtschaftslehre, beschreibt die Auszahlung zum Erwerb eines Sachgutes, Rechtes oder Finanztitels. Investitionsgüter wer- den in der Bilanz in das Anlagevermögen aufgenommen und gelten als Wert- gegenstand des Unternehmens. Der Kapitalbestand ändert sich dadurch nicht. Investitionsgüter werden über den erwarteten Nutzungszeitraum abgeschrieben. Die Investitionsrechnung stellt, neben der Kosten- und Leistungsrechnung, ein weiteres Element des internen Rechnungswesen dar. Die ermittelten Ergebnisse dienen als Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensführung.1 2

1.2 Investitionsarten

Es werden folgende Arten der Investitionen unterschieden3:

- Objektbezogene Investitionen
- Sachinvestitionen (auch Leistungswirtschaftliche Investitionen, Pro- duktionswirtschaftliche Investitionen, Realinvestitionen) sind direkt am Leistungsprozess des Unternehmens beteiligt.
- Finanzinvestitionen (auch Finanzwirtschaftliche Investitionen, Nor- malinvestitionen) beziehen sich auf das Finanzanlagevermögen des Unternehmens.
- Immaterielle Investitionen (Unterteilung in Personalbereich, Forschungs- und Entwicklungsbereich und Marketingbereich) dienen dazu, das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten, oder die Wettbewerbsfä- higkeit zu erhöhen.
- Wirkungsbezogene Investitionen
- Nettoinvestitionen (als Gründungsinvestitionen oder Erweiterungsin- vestitionen) werden erstmalig im Unternehmen vorgenommen.
- Reinvestitionen (als Rationalisierungsinvestitionen, Umstellungsinves- titionen, Sicherungsinvestitionen oder Ersatzinvestitionen) bewirken das Wiederauffüllen des verminderten Bestandes an Produktionsfak- toren.
- Bruttoinvestition = Nettoinvestitionen + Reinvestitionen
Die Bruttoinvestition stellt somit die Gesamtheit der in einer Wirtschaftsperiode getätigten Investitionen dar.
- Sonstige Investitionen
- Hierarchiebezogene Investitionen (Strategische Investitionen, Takti- sche Investitionen, Operative Investitionen)
- Investorbezogene Investitionen (Investitionen der Unternehmen, der Öffentlichen Hand oder der Privathaushalte)
- Umschlagbezogene Investitionen (schnell, mittelfristig oder langsam umschlagende Investitionen)
- Umfangbezogene Investitionen (Routineinvestitionen, Unternehmens- politische Investitionen)
- Häufigkeitsbezogene Investitionen (Einzelinvestitionen, Investitions- folgen, Investitionsketten)
- Abhängigkeitsbezogene Investitionen (Isolierte oder Interdependente Investitionen)

1.3 Ziele der Investitionsrechnung

Die Ziele für den Investitionsbereich richten sich nach den allgemeinen Unter- nehmenszielen und werden anhand dieser entwickelt. Die wichtigsten Ziele sind die Liquidität, die Sicherheit, die Rentabilität und die Unabhängigkeit des Un- ternehmens.

Die Sicherung der Liquidität, also die uneingeschränkte Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens, ist für das Bestehen verpflichtend. Um die Zahlungsfähigkeit ein- schätzen zu können und zu gewährleisten, müssen die Liquidierungsdauer und der Liquidierungsbetrag eines Unternehmens bekannt sein. Die Liquidierungs- dauer ist der Zeitraum von der Entscheidung zur Liquidierung eines Vermögens- gegenstandes bis zu dem Eingang des Liquidationserlöses und ist von der Art des zu liquidierenden Gegenstandes und dessen Liquidierungsbetrag abhängig (siehe Abb. 1).

Investitionen sind eng mit der Gewinnerzielung eines Unternehmens verbunden. Jede Investition stellt aber auch ein gewisses Risiko dar, dass z. B. der Ge- winn nicht im erwarteten Umfang oder gar kein Gewinn erzielt wird oder die Investition verlustbehaftet ist. Da langfristig keine positive Entwicklung eines Unternehmens ohne angemessene Gewinne möglich ist, sind Investitionsrisiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Liquidierbarkeit in Abhängigkeit der Liquidierungsdauer und des Liquidierungsbetrages.

nicht zu vermeiden. Generell gilt: Je hochwertiger die Investitionsobjekte sind und je länger sie im Unternehmen eingebunden sind, desto höher ist das Risiko.

Die Rentabilität eines Unternehmens kann durch die Wahl wirtschaftlich vorteil- hafter Investitionsobjekte positiv beeinflusst werden. Sie errechnet sich aus dem Verhältnis von Gewinn und Kapital bzw. Umsatz und ist als Maßzahl sowohl für Eigenkapitalgeber als auch für Fremdkapitalgeber eine entscheidende Größe.

Die Unabhängigkeit eines Unternehmens beschreibt die Entscheidungsnahme ohne Einflussnahme Dritter. Dabei können Investitionen sowohl von innerbetrieblichen Faktoren als auch von außerhalb des Unternehmens befindlichen Institutionen z. B. Lieferanten, dem Staat oder Marktpartnern abhängen. Die Abhängigkeit eines Unternehmens zeigt sich an den Informationspflichten gegenüber Banken, Gesellschaftern und weiteren Institutionen oder, die stärkste Form der Abhängigkeit, als Beeinflussung.4

1.4 Übersicht der Investitionsrechenverfahren

Um eine Sachinvestition im Sinne der Investitionspolitik des Unternehmens zu beurteilen, gibt es verschiedene Berechnungsmethoden, die sich grundsätzlich in statische Methoden (Betrachtung einer Durchschnittsperiode) und dynamische Methoden (Betrachtung der erwarteten Nutzungsdauer) unterteilen lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Statische Investitionsrechenverfahren

Bei den statischen Verfahren zur Investitionsrechnung wird, bis auf die Kumu- lationsmethode (Kapitel 2.4.2), nur eine Periode betrachtet, d. h. der Zeitfaktor von Ein- und Auszahlungen wird nicht berücksichtigt. Die verwendeten Daten sind erwartete Resultate einer fiktiven, repräsentativen Durchschnittsperiode oder der ersten Nutzungsperiode nach der Investition, wobei die klassische Kos- tentheorie die Grundlage bildet. Dadurch ist der Aufwand für die Beschaffung der Daten relativ gering, jedoch sollte auch die Aussagekraft dieser Verfahren kritisch betrachtet werden. In Klein- und Mittelbetrieben finden sie häufig An- wendung, in Großbetrieben werden sie meistens nur als ergänzendes Mittel zu den dynamischen Verfahren eingesetzt. Um die Vorteilhaftigkeit von Investiti- onsobjekten zu beurteilen, werden bei den statischen Investitionsrechenverfah- ren die Kosten, die Gewinne, die Rentabilität und die Amortisationszeit als quantitative Bewertungskriterien verwendet.5 6

2.1 Kostenvergleichsrechnung

Die Kostenvergleichsrechnung beurteilt die Investion(en) auf Basis der durch- schnittlichen Kosten (bzw. der Kosten der ersten Nutzungsperiode) oder der damit verbundenen Stückkosten. Dabei gelten folgende Entscheidungskriteri- en7:

- Gibt es nur ein Investitionsobjekt, so realisiere es, wenn ihre Kosten geringer oder gleich dem Budget sind.
- Handelt es sich um alternative Investitionsmöglichkeiten, realisiere die mit den geringsten Kosten.

Zur Beurteilung der Investition werden alle durch das Investitionsobjekt ver- ursachten Kosten zusammengefasst. Es sind die anfallenden, entscheidungsre- levanten Betriebskosten, z. B. Personal-, Material-, Instandhaltungs-, Raum-, Energie- und Wartungskosten sowie die Kapitalkosten (kalkulatorische, lineare Absetzung für Abnutzung (auch Abschreibung genannt) nach Gleichung (1) und kalkulatorische Zinsen nach Gleichung (2)), Kostensteuern und Versicherungen als Kostenbestandteile zu addieren.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kapitalzinssatz iK stellt den betriebsinternen Zinssatz dar, um das im In- vestitionsobjekt gebundene Kapital angemessen zu verzinsen. Im Mittel nimmt dieser den Wert zwischen Ertragszinsen und Zinsen für geliehenes Kapital an. Bei der Kostenvergleichsrechnung muss auf die gleiche Nutzungsdauer und jähr- liche Kapazitätsauslastung geachtet werden. Ist die Kapazitätsauslastung bei allen Investitionsalternativen gleich, so ist es ausreichend die Gesamtkosten pro Periode nach Gleichung (3) der unterschiedlichen Alternativen zu vergleichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn alternativen Investitionsmöglichkeiten unterschiedliche Produktionsmengen zugeordnet werden, ist die Stückkostenermittlung nach Gleichung (4) und deren Vergleich notwendig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da Stückkosten häufig von der Produktions- oder Ausbringungsmenge abhän- gen, ist für eine genauere Beurteilung die kritische Stückzahl, d. h. die Stück- zahl, bei der sich die Relation der Kostenvorteile umkehrt, zu betrachten. Dazu wird der Schnittpunkt der Kostenfunktionen nach Gleichung (5) der Investiti- onsalternativen bestimmt (siehe Abb. 2). Ob eine höhere Produktion auch einen höheren Gewinn bedingt, kann die Kostenrechnung nicht klären. Dazu muss die Gewinnvergleichsrechnung (siehe Kapitel 2.2) herangezogen werden.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigenschaften der Kostenvergleichsrechnung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bestimmung der kritischen Stückzahl zur Beurteilung der Kosten der Investitionsalternativen in Abhängigkeit der Produktionsmenge.

- einfache Anwendung
- sinnvoll anzuwenden für Ersatz- und Rationalisierungsentscheidungen
- Bestimmung der kostengünstigsten Investition, nicht die des maximalen Gewinns (kann jedoch zum Gewinnmaximum führen, wenn alle Investitionen gleiche Erlöse bringen)
- nicht empfehlenswert bei unterschiedlich langen Nutzungsdauern der Investitionsobjekte, da die Nutzungsdauer nur indirekt über die Absetzung für Abnutzung berücksichtigt wird
- nicht einsetzbar bei unterschiedlich qualitativen Merkmalen der Investitionsalternativen
- erlaubt keine Analyse zur Rentabilität oder alternativer Geldanlagen
- keine Kalkulationsmöglichkeit veränderter Rahmenbedingungen

2.2 Gewinnvergleichsrechnung

Die Gewinnvergleichsrechnung ergänzt die Kostenvergleichsrechnung um die Er- löse. Dadurch lassen sich Aussagen zur absoluten Vorteilhaftigkeit (Gewinn) machen. Gewinne lassen sich nach Gleichung (6) aus der Differenz der Erlöse und Kosten errechnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Entscheidungskriterium bei der Gewinnvergleichsrechnung ist der durchschnittlich erwartete Gewinn pro Periode nach Gleichung (7). Dadurch werden unterschiedliche Kapazitäten und Kapazitätsauslastungen, sowie verschiedene Qualitäten des Investitionsobjektes berücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei gilt 10:

- Handelt es sich um eine einzelne Investition, so realisiere jede Investition mit positivem Gewinn.
- Handelt es sich um alternative Investitionsmöglichkeiten, so realisiere die mit dem größten positiven Gewinn.

Der Schnittpunkt der Ertragsfunktion mit der Kostenfunktion (siehe Abb. 3) ergibt den sogenannten „Break-even Point“, d. h. ab dieser Auslastung ist der Gewinn G>0, also ein positiver Gewinn.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bestimmung der Break-even Points zur Beurteilung der erwarteten Gewinne in Abhängigkeit der Auslastung.

Eigenschaften der Gewinnvergleichsrechnung11 12:

- Mit der Gewinnvergleichsrechnung ist eine Aussage zur absoluten Vor- teilhaftigkeit (Gewinn) möglich. Der mögliche Fall, dass alle Investitionen

[...]


1 Drosse (1997), S. 6

2 Weber (2003), S. 212

3 Olfert (2003), S. 29-34

4 Olfert (2003), S.45-53

5 Drosse (1997), S. 7

6 Distler (2000), S. 4-5

7 Buch (15.06.2005), S. 33

8 Distler (2000), S. 6

9 Drosse (1997), S. 12-16

10 Drosse (1997), S. 16

11 Distler (2000), S. 7-8

12 Drosse (1997), S. 17-18

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656966586
ISBN (Buch)
9783656966593
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300085
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
statische dynamische verfahren investitionsrechnung

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