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Die "4 Jahreszeiten“ im Leben einer Beziehung. Wie können Frauen mit schwacher Eltern-Kind-Bindung und frühzeitiger Trennung vom Vater in einer erfüllenden Partnerschaft leben?

Fachbuch 2015 15 Seiten

Ratgeber - Lebenshilfe, Psychologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Was bedeutet eine schwache Eltern-Kind-Bindung?
2.2. Wenn der Vater zu oft abwesend ist oder gar getrennt lebt
2.3. Lange Suche dort, wo es eine erfüllende Partnerschaft nicht geben kann
2.4. Plötzlich kommt ein beziehungsfähiger Partner und das Abenteuer beginnt

3. „4 Jahreszeiten“ im Leben einer Beziehung
3.1. Hoffnungsvolles Frühjahr!
3.2. Sommer, Alles ist noch schön!
3.3 . Herbst, Anfang der Krise
3.4. Winter, Krise und Chance auf den nächsten Frühling

4. Neugeburt und Wachstum einer erfüllenden Beziehung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Von Friesen, Astrid: Die vaterlose Gesellschaft. Politisches Feuilleton / Archiv | Beitrag vom 23.12.2011 unter:http://www.deutschlandradiokultur.de/die-vaterlose-gesellschaft.1005.de.html? dram:article_id=159453 (abgerufen am 23-04-2015)

Mit rund 1,45 Millionen Frauen übertrifft die Zahl der alleinerziehenden Mütter die Zahl der alleinerziehenden Väter weit. Viele von diesen Frauen sind selber auch ohne Vater aufgewachsen. Und so entsteht ein Kreis, der niemanden glücklich macht. Weder die Mutter noch das Kind. Nur hat die Mutter nie gelernt, mit einem Mann in einer stabilen Beziehung zu leben und ihm zu vertrauen, denn sie hat gelernt, dass der leibliche Vater Wichtigeres zu tun hatte, als in ihrem Leben präsent zu sein. So gibt sie ihre Wunde und Sehnsucht nach einer familiären Stabilität weiter an das Kind.

Dennoch haben auch Frauen, die vaterlos aufgewachsen sind, ein Recht auf Glück in einer langjährigen Partnerschaft. Und sie können ihr Thema überwinden und das, was sie als Kinder nie lernen konnten, jetzt lernen und integrieren. Ich möchte sogar sagen, eine Frau mit einer vaterlosen Kindheit sollte sich gestatten, das wunderbare Geschenk der Liebe und Stabilität in einer Beziehung annehmen zu dürfen. Diese Abschlussarbeit ist dem Thema gewidmet: „Wie können Frauen mit einer schwachen Eltern-Kind-Bindung und bei frühzeitiger Trennung vom Vater doch in einer langfristigen, erfüllenden Partnerschaft leben".

Ich möchte in dieser Arbeit hinterfragen, ob es für diese Frauen möglich ist, den Kreis zu durchbrechen und sich trotz aller kindlichen Verletzungen und Wut ein neues stabiles Zuhause aufzubauen. Und zwar nicht allein, sondern mit einem Partner.

2. Hauptteil

2.1. Was bedeutet eine schwache Eltern-Kind-Bindung?

Es wurde schon sehr viel darüber geschrieben, dass enge, emotionale Kontakte bei Kleinkindern die Entwicklung der neuronalen Netzwerke im Bereich des Emotionalen fördern, während negative Erfahrungen zu fehlerhaften Netzwerken führen. Bindung an eine Bezugsperson im Babyalter ist der erste tiefgreifende, emotionale Prozess, der das Gehirn eines Neugeborenen beeinflusst, und diese Erfahrung ist grundlegend, da Emotionen auch an allen späteren Lernprozessen beteiligt sind. Genau dann, wenn diese Bindung geschädigt wird, z.B. durch eine frühzeitige Trennungserfahrung, führt diese traumatische Erfahrung zu einem Anstieg der Stresshormone bei Kindern, die ihrerseits einen hohen Einfluss auf Strukturveränderungen im Gehirn hat. Dieser Stress in frühen Entwicklungsphasen kann später zu Verhaltens- und Lernstörungen oder sogar zu psychischen Erkrankungen, wie etwa Depressionen führen. Bindung beginnt bei der Geburt . Eine sichere Bindung fördert, nach den Ergebnissen bisheriger Forschung, die soziale Kompetenz, das Selbstvertrauen und auch die Selbstregulation, also alles Faktoren, die auch einen Schutz vor aggressivem Verhalten darstellen. Die emotionale Bindung eines Kleinkindes zu einer Bezugsperson bzw. zu seinen Eltern hat also eine hohe Bedeutung für dessen weitere Entwicklung, denn diese ist die beste Voraussetzung für ein Kind, auch im Erwachsenenalter Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen zu können.

So ein Kind hat bereits gelernt, ein Urvertrauen zu einer Bezugsperson aufzubauen, die ihm Schutz und Anerkennung gegeben hat und kann dies später auch als erwachsener Mensch anwenden. Unsicher gebundene Kinder haben später weniger beständige Beziehungen, zeigen Probleme im verbalen Selbstausdruck und verlassen sich mehr auf andere Menschen, als auf sich selbst. Weil sie als erwachsene Menschen nach der Bindung suchen, die ihnen in der Kindheit gefehlt hat, verlassen sie sich nun in der Partnerschaft darauf, dass der Partner alles Fehlende kompensieren kann. vgl. Stangl, W. (2012). Die frühkindliche Bindung an die Bezugsperson (werner stangls arbeitsblätter). Unter: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Bindung.shtml (abgerufen am 23-03-2015)

2.2. Wenn der Vater zu oft abwesend ist oder gar getrennt lebt

Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung Mutter und Vater, wobei vaterlos auf-wachsende Kinder oft Einschränkungen in ihrer Identitäts- und Selbstwertentwicklung, in ihrer Bindungs- und Beziehungsfähigkeit und in ihrer Leistungsfähigkeit aufweisen.

Väter sind sehr wichtig für beide Geschlechter. In meiner Arbeit möchte ich aber die wichtige Funktion eines Vaters im Leben eines Mädchens betonen. Der Vater hat eine biologische Aufgabe, die Kinder zu schützen und ihnen Anerkennung zu zollen. Mädchen, die eine gute Vaterbindung haben, gehen als Jugendliche mit Beziehungen viel umsichtiger um und suchen auch nicht blind die Bestätigung von jungen Männern, da der Vater der erste Mann in ihrem Leben sein sollte, der ihnen das Gefühl gibt, wichtig zu sein, indem er ihnen seine Aufmerksamkeit schenkt. Solche Mädchen suchen sich intuitiv schon Männer die beschützend und unterstützend sind. Wenn sie beim ersten Date ein mulmiges Gefühl im Bauch haben, verabreden sie sich nicht mehr mit ihm. Denn ihr Vater hat ihnen ein gutes Gefühl vermittelt. Und so sollte auch der neue Partner sich anfühlen. Mädchen, die keine sichere und schützende Bindung zu dem Vater erfahren haben, gehen durch das Leben wie das Rotkäppchen durch den dunklen Wald, in dem sie dem ersten, den sie treffen, ihre Lebensgeschichte erzählen. Sie merken nicht, dass derjenige, den sie gerade getroffen haben, ein Wolfsfell trägt. Wenn sie beim ersten Date ein mulmiges Gefühl im Bauch haben, dann ist ihnen dieses Gefühl schon aus ihrer Kindheit vertraut. Der Vater, der nie da war, hat ihnen ständig dieses Gefühl vermittelt. Daher achten sie auf dieses Bauchgefühl gar nicht und lassen sich auf ungünstige Beziehungen ohne Zukunft ein. Durch meine Beratungen habe ich erstaunt festgestellt, dass Frauen mit schwacher Vater-Tochter-Bindung überhaupt nicht wissen, welchen Mann sie eigentlich wollen. Sie wollen eben irgendeinen Partner. Denn Singles waren sie schon als Kind lange genug.

Das wäre noch halb so schlimm. Nun wissen sie aber auch nicht, ob der Mann, mit dem sie gerade Probleme haben, wirklich gut für sie ist. Es fehlt deutlich an einer gesunden Einschätzung. „Gut oder schlecht für mich“. Oft werden Fehler und Ursachen einer Beziehungskrise bei sich selbst gesucht (das Gefühl: Nicht gut genug zu sein, Schuldgefühle: Papa mag mich nicht). Oder sie suchen Krisenursachen auch nur bei dem Partner, weil Männer eh für eine Beziehung nicht tauglich sind (Meinung der Mutter übernommen).

vgl. Stangl, W. (2015). „Die Bedeutung des Vaters in der Erziehung“. (werner stangls arbeitsblätter). Unter: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Vater-Erziehung.shtml (Linz 2015) (abgerufen am 25-03-2015)

2.3. Lange Suche dort, wo es eine erfüllende Partnerschaft nicht geben kann

In den ersten Beziehungen von Frauen mit einer schwachen Vater-Tochter-Bindung ist es ungefähr so, als wenn man einen Gegenstand in einer dunklen Ecke verliert, den man aber unbedingt wieder finden will. Statt aber in dieser ungemütlichen, kalten, dunklen Ecke zu suchen, geht man zu der Straßenlaterne und sucht darunter, denn dort ist es ja vertrauter und heller, erst hier kann sie was sehen. So verhält sich eine Frau, die eine feste Vater-Tochter-Bindung nicht erfahren hat, in ihren ersten Beziehungen. Sie sucht im ihr vertrauten „unter der Laterne“, denn Beziehungen, die eigentlich eine Zukunft hätten, sieht sie nicht, sie liegen ja in der dunklen Ecke.

Das was sie noch nicht erfahren hat, kann sie im Dunklen nicht erkennen. Das Unbekannte macht sie unsicher und macht sogar Angst. Darum sind die ersten Männer, die ihr attraktiv erscheinen, oft schillernde Persönlichkeiten. Gutaussehend, gute Schauspieler, redegewandt (sie kann das ja nicht!) und auch sehr beschäftigt. Aus meinen Beratungen weiß ich, dass Frauen mit einer schwachen Vater-Tochter-Bindung oft genau an solche Männer geraten.

Warum… Da paradoxerweise eben diese Männer eine Partnerin suchen, von der sie Bewunderung und viel Aufmerksamkeit erhalten. Meist scheinen sie, beim ersten Treffen sehr offen zu sein. Sie strahlen da oft was ganz Besonderes aus und haben einen besonderen Charme. In Wirklichkeit suchen sie zwar Kontakt, umgehen diesen aber anschließend aus irgendeiner Angst. Bei solch einer Bindungsunfähigkeit ging oft eine frühere Verletzung oder eine schmerzliche Trennung als Ursache voraus, es kann auch eine Abweisung im Kinderalter sein, die zu so einem Verhalten führt. Deswegen sind gerade diese Männer auf der Suche nach Nähe, die ihnen damals gefehlt hat. Es ist aber genau diese Nähe, die Ihnen auch Angst macht, wenn sie merken, dass die Partnerin mehr Nähe will. Dann wird das Trauma aktiviert und der Mann zieht sich zurück. Oft heißt es dann, ich muss noch arbeiten, die Wohnung renovieren, oder die Schwester zum Arzt bringen. Und das ganz plötzlich zu unsagbaren Zeiten. Oder sie sind ständig auf Geschäftsreise oder anderweitig abwesend, wie z.B. am Sonntag 20:30 Auto waschen. Sehr oft bilden sich zwischen solchen Partnern Fernbeziehungen, die keinen Alltag aushalten und sich irgendwann von selbst beenden.

Sehr oft ist der Partner noch in einer Ehe oder hat mit irgendwelcher Sucht zu tun (auch Arbeitssucht) und daher nicht wirklich erreichbar. Frauen, die vaterlos aufgewachsen sind, wählen oft Partner, die genauso unerreichbar sind, wie ihr Vater damals. Meistens selber beziehungsscheu und genauso aus einer Familie mit schwacher Bindung.

Da treffen sich 2 hilflose Kinder, die von einander Hilfe erwarten.

Dabei ist der andere genauso hilflos und kann gar nicht helfen. Da diese Verbindung keine Zukunft hat, ist das Ende vorprogrammiert. Dieser Prozess ist oft sehr schmerzhaft, da die Trennung vom Vater erneut durchlebt wird. Aber dadurch auch sehr wichtig um überhaupt an das Thema heranzukommen und Hilfe zu suchen.

2.4. Plötzlich kommt ein beziehungsfähiger Partner und das Abenteuer beginnt

Manchmal kommt ins Leben einer Frau, die keine stabile Bindung zu dem Vater erlebt hat, ein Mann, der vorher bereits in einer langfristigen Beziehung war und sich getrennt hat. Und dieser Mann lässt auf nie auf sich nicht warten. Er ruft als erster an, zeigt offen sein Interesse, hilft und unterstützt in Allem und ist einfach da. Für manche Frauen ist das so fremd, dass sie sich sofort zurück ziehen. „Der Typ muss ja ein Problem haben, wenn er wie eine Klette an mir hängt“. Oft wird so ein gesunder Partner als jemand empfunden, der aufdringlich ist und die Frau fühlt sich richtig eingeengt. In ihrer Familie hat sie gelernt, dem Vater hinterher zu laufen, um seine Liebe und Anerkennung zu bekommen. Oder dafür etwas Besonderes tun zu müssen. Und dieser neue Mann akzeptiert sie so, wie sie ist. Da sie ihn nicht mehr gewinnen muss, nimmt es natürlich auch den gewissen Reiz an der Beziehung. Sie verliebt sich meistens nicht in ihn.

Alle andere Männer, die ja so toll und so etwas Besonderes und so schwer zu kriegen sind, sind ja viel aufregender und romantischer. Das sind echte Prinzen, die sowieso schon so eine große Auswahl an Frauen haben, dass es selbstverständlich ist, dass sie sich nicht immer rechtzeitig melden oder dass sie immer wieder was Wichtigeres als die neue Partnerin haben. In diesem Ratgeber möchte ich aber bei Frauen bleiben, die diese für sie „neue Art Mann“ nicht wegstoßen, sondern ihn als eine Chance zum Wachsen sehen. Für ihn ist am Anfang Alles ganz natürlich. Er hat sich in eine Frau verliebt und da sie ihm wichtig ist, hat er meistens auch Zeit für sie. Wenn sie etwas braucht, steht er ihr mit Rat und Tat zur Seite. Er ist in einer gesunden Familie aufgewachsen in der er eine starke Kind-Eltern-Bindung erfahren dürfte. Bei Frauen, die immer auf Distanz sind, erkennt er sofort, dass sie nicht wirklich bereit für eine richtige Verbindung sind. Wenn eine Frau mit einer schwachen Vater-Tochter-Bindung so einen Mann trifft, kann sie mit dieser Art Beziehung am Anfang nicht wirklich was anfangen. Das ist für sie ein fremdes, exotisches Terrain. Fast eine Gefahr. Der Verstand signalisiert entweder Flucht oder Verteidigung.

Eventuell wird sie selber unerreichbar (Flucht), indem sie immer mit irgendetwas Anderem beschäftigt sein wird. Oder sie geht in den Angriff über und versucht dem Mann klar zu machen, dass es ihr zu eng ist. Eventuell hat sie auch noch in eine Beziehung mit einem für sie unerreichbaren Mann. Oder besser gesagt, lebt sie in einer Ilusion von Beziehung.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656974383
ISBN (Buch)
9783656974390
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300057
Institution / Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe
Note
2,3
Schlagworte
frauen eltern-kind- bindung trennung vater partnerschaft

Autor

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Titel: Die "4 Jahreszeiten“ im Leben einer Beziehung. Wie können Frauen mit schwacher Eltern-Kind-Bindung und frühzeitiger Trennung vom Vater in einer erfüllenden Partnerschaft leben?