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"Media Selection". Warum entscheiden sich Menschen zur Nutzung eines bestimmten Mediums?

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Kommunikationswissenschaftlicher Hintergrund
2.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz
2.2 Weiterentwicklungen des Uses-and-Gratifications-Ansatzes

3 Nutzungsmotive

4 Medium Internet: Studie „Dort bekomme ich alles.“ Internetnutzung im Alltag

5 Medium Fernsehen: Studie „Why People watch Reality TV?“

6 Medium Magazine: Studie „Was interessiert uns an Stars und Sternchen?“

7 Die ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation

8 Fazit

Literatur - und Quellenverzeichnis

1 Einführung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum sich Menschen zur Nutzung eines bestimmten Mediums entscheiden. Tagtäglich nutzt jeder von uns Medien; ob Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet. Aber wie lässt sich eigentlich unsere Medienzuwendung erklären, beziehungsweise welche Nutzungsmotive spielen dabei eine Rolle? Die für die Beantwortung dieser Frage zugrundeliegende Teildisziplin der Medien - und Kommunikationswissenschaft lässt sich gut mit der Laswell-Formel von Harold D. Laswell abgrenzen: „Who says what in wich channel to whom with what effect“ (Laswell, 1948, S.37). Dieser Satz vereint alle Forschungsfelder der Medien - und Kommunikations- wissenschaft: Die Kommunikatorforschung bezieht sich auf den Sender, beziehungsweise den Kommunikator und betrifft somit „who says“. Die Medieninhaltsforschung betrifft das „what“, da ihr Forschungsinteresse sich auf den Inhalt bezieht. „In wich channel“ wird durch die Medienforschung vertreten, die sich auf das Medium bezieht. Die Mediennut- zungsforschung interessiert sich für den Empfänger und betrifft demnach „to whom“. Der Effekt oder die Wirkung der Medien wird von der Medienwirkungsforschung („with what effect“) untersucht. Die Kommunikator-, Medieninhalts- und Medienforschung beziehen sich somit auf die prozessualen Abläufe der Medienproduktion und auf die Beschaffenheit der Medien (vgl. Schweiger 2007, S.24).

Da es aber das Ziel dieser Arbeit ist, die Gründe für die Medienzuwendung der Rezipienten zu finden, ist hier die Mediennutzungsforschung, also das „to whom“ von Bedeutung. Diese Teildisziplin analysiert die Nutzung von Massenmedien durch deren Rezipienten (vgl. Schweiger 2007, S.15), sie beschäftigt sich folglich mit den Aspekten, die die Auswahl medialer Angebote durch den Nutzenden beeinflussen (vgl. Meyen, 2001, S.11). Neben den Fragen, welches Massenmedium genutzt wird und wie oft es genutzt wird, wird auch darauf eingegangen, warum es genutzt wird. Zunächst ist zu klären, was man unter einem Massenmedium genau versteht. Die am häufigsten verwendete Definition des Massenmediums stammt von Gerhard Maletzke, nach der ein Massenmedium fünf wichtige Charakteristika aufweisen muss: (1) öffentlich (für jedermann zugänglich), (2) technisch vermittelt (mithilfe eines Mediums), (3) einseitig (nur vom Sender zum Empfänger), (4) indirekt (Produktion und Rezeption müssen nicht übereinstimmen) und (5) an ein disperses Publikum gerichtet (an räumlich getrennte Individuen). Folglich zählen zu den Massenmedien das Fernsehen, der Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften, Bücher und Tonträger (vgl. Schweiger 2007, S.17). Wichtig, aber nicht immer einfach, ist die Abgrenzung der Mediennutzungsforschung von der Medienwirkungsforschung. Die Gemeinsamkeit beider liegt in ihrem Bezug zur Interaktion zwischen den Massenmedien und deren Publikum (vgl. Schweiger 2007, S.24). Die Medienwirkungsforschung beschäftigt sich mit den Effekten, die aus der Nutzung der Medien resultieren, sie geht demnach auf die Wirkungen ein, die durch die Mediennutzung entstehen (vgl. Irmer 2010, S.19).

Im Folgenden werden die wichtigsten Theorien der Mediennutzungsforschung vorgestellt. Diese können sich auf unterschiedliche Ebenen der Medien beziehen. Man unterscheidet in Massenmedien allgemein, Mediengattungen (Fernsehen, Radio, Werbeangebote etc), Genres oder Inhaltstypen (Nachrichten, Krimis, Sportnachrichten etc) beziehungsweise Ressorts (bei Nachrichtenmedien, wie zum Beispiel Kultur, Feuilleton, Sport), Medienakteure (Moderatoren, Journalisten, Schauspieler) und konkrete Medienangebote (zum Beispiel „Tatort“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“) (vgl. Schweiger 2007, S. 18-19).

2 Kommunikationswissenschaftlicher Hintergrund

2.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz

Jeder Mensch hat körperliche, geistige und soziale Bedürfnisse. Unter die körperlichen Bedürfnisse fallen beispielsweise Hunger und Schlafen, unter die geistigen fällt zum Beispiel Neugier und ein soziales Bedürfnis ist Machttrieb (vgl. Huber 2004, S.43). Diese Bedürfnisse werden zu Motiven, die es zu befriedigen gilt. Die theoretische Grundlage der meisten Studien, die sich mit den Motiven der Medienzuwendung beschäftigen, ist der von Elihu Katz und Jay G. Blumler entwickelte Uses-and-Gratifications-Ansatz (U&G-Ansatz). Dieser Ansatz stützt sich auf folgende Grundannahmen (vgl. Schweiger 2007, S.61-63):

(1) Die Rezipienten nutzen ein Medium, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen.
(2) Die Entscheidung, ein Medium zu nutzen, geht immer vom Rezipienten selbst aus (also nicht mehr „Was machen die Medien mit den Menschen?“ sondern „Was machen die Menschen mit den Medien?“)
(3) Es gibt funktionale Alternativen zur Mediennutzung (beispielsweise ein
Museumsbesuch bei Langeweile anstatt fern zu sehen)
(4) Die Rezipienten kennen ihre Bedürfnisse und können diese auch benennen.

Informationsverarbeitung/

Bedürfnis Problemlösung Mediennutzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundgedanke des U&G - Ansatzes (erstellt nach Schweiger 2007, S.62)

Diese Abbildung verdeutlicht, dass die Bedürfnisse (derer sich die Rezipienten bewusst sind) über die Informationsverarbeitung beziehungsweise die Problemlösung letztendlich zu einer Mediennutzung führen. Die eben genannten vier Grundannahmen lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Menschen nutzen genau die Medien, mit denen sie ihre Bedürfnisse am Besten befriedigen können. Hierbei sollte erwähnt werden, dass bereits allein die Situation, in der das Medium genutzt wird, eine Befriedigung der Bedürfnisse hervorrufen kann. Das heißt also, nicht allein der Inhalt des Mediums ist ausschlaggebend für den Erhalt der Gratifikation (vgl. Schweiger 2007, S.67). Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Uses-and-Gratifications-Ansatz nicht als Theorie, sondern wie der Name schon sagt, als (Denk-)Ansatz zu verstehen ist, auf dessen Basis Theorien entwickelt werden können (vgl. Schweiger 2007, S.66). Zudem stand und steht die vierte Grundannahme, dass die Rezipienten ihre Bedürfnisse kennen und diese vor allem auch benennen können, häufig in der Kritik (vgl. Schweiger 2007, S.63). Üblicherweise erfolgt die Ermittlung der Mediennutzungsmotive mittels einer Befragung der Rezipienten (vgl. Friemel 2013, S.39). Hierfür wird den Rezipienten (nach der Mediennutzung) eine sogenannte Gratifikationsbatterie vorgelegt (vgl. Schweiger 2007, S.63). Unter einer Gratifikationsbatterie versteht man eine Liste der möglichen zu erhaltenen Gratifikationen, aus derer die Rezipienten die für sie zutreffenden wählen sollen (häufig mit Abstufungen). Fraglich ist jedoch, ob den Nutzern tatsächlich immer bewusst ist, warum sie sich genau für dieses Medium entschieden haben.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele verschiedene Gratifikationskataloge entwickelt, beispielsweise von D. McQuail et al. (1972), E. Katz et al. (1973) oder W.J. McGuire (1974) (vgl. Schweiger 2007, S.78-82). Eine einheitliche Typologie konnte sich jedoch nicht durchsetzen, was unter anderem daran liegt, dass sich die einzelnen Forschungsfragen und Untersuchungssettings auf die bereits genannten unterschied- lichen Ebenen der Mediennutzungsforschung beziehen (vgl. Friemel 2013, S.37).

2.2 Weiterentwicklungen des Uses-and-Gratifications-Ansatzes

In den 1970er Jahren schlug B.S. Greenberg eine Unterscheidung, welche bis heute ihre Anwendung findet, in gesuchte (gratification sought, GS) und erhaltene (gratification obtained, GO) Gratifikationen vor. Die Rezipienten vergleichen demnach ihre vor der Nutzung gesuchten und die während oder nach der Nutzung erhaltenen Gratifikationen (vgl. Huber 2006, S.17). Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Rezipienten das Medium favorisieren, bei dem die Differenz zwischen den gesuchten und den erhaltenen Gratifikationen am geringsten ist, bei dem also die gesuchten Gratifikationen am Besten befriedigt werden können (vgl. Schweiger 2007, S.85). Eine vollkommene Überein- stimmung der gesuchten und erhaltenen Gratifikationen stellt den Idealfall dar, der in der Realität aber so gut wie nie erreicht werden kann (vgl. Huber 2006, S.16). Problematisch ist bei diesem Modell jedoch die Bewertung der GS/GO-Diskrepanzen, da diese auf verschiedenste Weise interpretiert werden können (vgl. Schweiger 2007, S.86).

Eine Lösung für dieses Problem bietet der Erwartungs-Bewertungs-Ansatz. Dieser geht von zwei Dimensionen aus, mit Hilfe derer sich die Einstellung gegenüber einem Objekt, einem Ereignis oder Verhalten darstellen lässt (vgl. Schweiger 2007, S.86). Die erste Dimension ist die subjektive Erwartung oder Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Die zweite Dimension ist die persönliche Bewertung des eingetretenen Ereignisses (vgl. Huber 2006, S.17; Schweiger 2007, S.86). Einfacher gesagt: Ein Rezipient hat bestimmte Erwartungen an die Mediennutzung. Nach der Nutzung erhält er die Gratifikationen, welche er bewertet. Diese bewerteten Gratifikationen können wiederum einen Einfluss auf die Erwartungen ausüben und somit die zukünftige Mediennutzung beeinflussen (siehe Abbildung 2).

3 Nutzungsmotive

Wie im obigen Abschnitt bereits erwähnt, gibt es eine Vielzahl von Gratifikationskatalogen, da das methodische Vorgehen jeder Studie variiert. Im Folgenden sollen nun die am häufigsten verwendeten Nutzungsmotive erläutert werden.

M. Kunczik und A. Zipfel unterscheiden vier klassische Bedürfnisse (vgl. Kunczik, Zipfel 2001, S.345): (1) kognitive Bedürfnisse (beispielsweise das Bedürfnis nach Wissen, Verstehen, Orientierung), (2) affektive Bedürfnisse (beispielsweise das Bedürfnis nach Entspannung und Erholung), (3) soziale Bedürfnisse (beispielsweise das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, parasoziale Beziehungen), (4) Identitätsbedürfnisse (beispielsweise das Bedürfnis nach Identifikation, Selbstfindung).

Auch D. McQuail et. al nahmen 1972 eine ähnliche Unterteilung in vier Nutzungsmotive vor (vgl. Huber 2006, S.18; Schweiger 2007, S.80):

(1) „diversion“ (Unterhaltung/Eskapismus; beispielsweise Ablenkung vom Alltag), (2) „personal relationships“ (Integration; beispielsweise Beziehung zu Mitmenschen, Gesprächsgrundlage), (3) „personal identity“ (Identität; beispielsweise Entwicklung einer persönlichen Identität, Identifikation mit Mitmenschen), (4) „surveillance“ (Information; beispielsweise Umweltbeobachtung, Neugier).

Diese Nutzungsmotive finden sich in dieser oder veränderter Form in vielen Studien wieder, wie zum Beispiel in der Studie von B.S. Greenberg („Gratifications of Television Viewing and their Correlates for British Children“) aus dem Jahr 1974 oder in der Israel- Studie von E. Katz et al. („The Secularization of Leisure. Culture and Communication in Israel “) aus dem Jahr 1976 (vgl. Schweiger 2007, S. 82). Im folgenden Abschnitt werden nun die Nutzungsmotive und Ergebnisse von vier aktuelleren Studien vorgestellt.

4 Medium Internet: Studie „Dort bekomme ich alles.“ Internetnutzung im Alltag

Das Buch „Internet im Alltag. Qualitative Studien zum praktischen Sinn von Onlineangeboten“ umfasst, wie der Titel schon sagt, eine Reihe von Studien zum Thema Internetnutzung. Neben Studien die beispielsweise spezifisch nach den Nutzungsmotiven von jungen Müttern oder Homosexuellen für die Internetnutzung fragen, wird auch ganz allgemein die Internetnutzung im Alltag untersucht. Auf die zuletzt genannte Untersu- chung soll im Folgenden eingegangen werden. Die zentralen Fragen dieser Studie lauten: „Welche Bedeutung hat das Internet im Alltag und welchen praktischen Sinn verbinden die Menschen damit? Welche Angebote nutzen sie überhaupt und welche Faktoren beeinflussen den Stellenwert, den die unterschiedlichen Anwendungen aus den Bereichen der Individual-, Gruppen- und Massenkommunikation für den einzelnen haben?“ (Pfaff- Rüdiger et.al. 2009, S.41). Die theoretische Grundlage dieser Studie ist der oben bereits erläuterte Uses-and-Gratifications-Ansatz, welcher hier mit der Habitus-Kapital-Theorie von Pierre Bourdieu aus dem Jahr 1987 verknüpft wird (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.15). Bourdieu geht davon aus, dass der Habitus eines Menschen aus seinen individuellen und kollektiven Erfahrungen entsteht. Diese Erfahrungen widerrum sind von seiner sozialen Position abhängig, da gesellschaftlicher Status und menschliches Handeln nach Bourdieu zusammenhängen (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.19). Der Habitus kann zudem durch die Determinante „soziale Position“ verändert werden (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.20). Neben dem Habitus spielt auch das „Kapital“ eine wichtige Rolle, bei dem es sich um akkumulierte Arbeit handelt (vgl. Rehbein 2006, S.111). Um ihre soziale Position zu verbessern und sich von anderen abzuheben, streben die Menschen nach Kapital (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.21). Dieses untergliedert sich in ökonomisches (materieller Reichtum), kulturelles (Fertigkeiten, Fähigkeiten, Wissen), soziales (Beziehungen zu anderen Menschen) und in symbolisches (Prestige) Kapital (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.22). Bei dem ökonomischen Kapital handelt es sich um eine Art Urform des Kapitals, derer alle anderen Kapitalformen untergeordnet sind (vgl. Irmer 2011, S.98). Bezogen auf die Internetnutzung lassen sich vier Nutzungsmotive unterscheiden (vgl. Meyen/Pfaff-Rüdiger 2009, S.22): (1) Identitätsmanagment, (2) Kapitalmanagement, (3) Emotionsmanagement, (4) Alltagsmanagement. Die Auswahl der Personen erfolgte nach den folgenden Merkmalen der sozialen Position: Geschlecht, Alter, Lebensphase (Ausbildung, Berufstätig, Arbeitslos; familiärer Status), Partnerschaft, Formalbildung (Zehnklassenabschluss, Abitur, etc) und Wohnort (Stadt, Land). Insgesamt wurden 102 Personen befragt, davon 54 Frauen und 48 Männer, zum größten Teil zwischen 20 und 29 Jahren (vgl. Pfaff-Rüdiger et.al. 2009, S.43). Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war die private Nutzung des Internets seit mindestens einem halben Jahr (vgl. Pfaff-Rüdiger et.al. 2009, S.43).

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Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656965732
ISBN (Buch)
9783656965749
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299798
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,7
Schlagworte
media selection warum menschen nutzung mediums

Autor

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