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Der Zusammenhang von Führung und Persönlichkeit. Weisen Führungskräfte bestimmte Persönlichkeitseigenschaften auf?

Hausarbeit 2015 22 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Führung
2.1 Definitionen
2.2 Führungstheorien
2.2.1 klassische Theorien
2.2.2 moderne Theorien

3 Persönlichkeit
3.1 Definitionen
3.2 Persönlichkeitstheorien
3.2.1 Ansatz der Typenlehre
3.2.2 Eigenschaftstheorie / Trait-Ansatz

4 Persönlichkeit und Führung
4.1 Die Bedeutung der Eigenschaftsansätze der Führung
4.2 Studie SOEP – Persönlichkeit und Karriere
4.2.1 Datenbasis und Modelle
4.2.2 Ergebnisse
4.3 Vergleich mit anderen Studien

5 Fazit

II Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Grundeigenschaften mit bipolaren Eigenschaften nach Cattell (Asendorpf, 2007, S. 149).

Abb. 2: Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells (Muck, 2006, S. 531).

1 Einleitung

„A leader is someone who walks out in front of his men, but he doesn't get too far out in front to where he cannot hear their footsteps.” (Dumaine, 1989). Dieses Zitat zum idealtypischen Bild eines Führenden stammt von Tommy Lasorda, einem ehemaligen US-amerikanischen Baseballspieler und heutigem Manager der Los Angeles Dodgers. Es lässt vermuten, dass zur Führung mehr gehört, als einfach nur vorweg zu gehen. Lasorda bringt mit dem Zitat die Bedeutung der Persönlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel (Dumaine, 1989).

Die Führung von Menschen ist in unserer Gesellschaft überall und im Rahmen ganz unterschiedlicher Zusammenhänge existent. Nicht nur in Unternehmen oder im Sport, auch in der Familie wird bereits eine Führungskultur gelebt, wenn Eltern beispielweise ihre Kinder auffordern das Zimmer aufzuräumen. Im weiteren Verlauf der Kindheit wird ebenfalls in Kindergarten, Schule oder auch auf einer Hochschule geführt. Für unsere Gesellschaft ist Führung also von klein auf an allseits präsent und stets unabhängig davon, ob man sich innerhalb oder außerhalb einer Institution oder Organisation befindet (von Rosenstiel, 2007).

In der heutigen Zeit wachsen Menschen in einer globalisierten Welt auf. Dies führt dazu, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, seinen Lebensweg zu bestreiten, als noch vor einigen Jahrzehnten. Es gibt keinen klassischen, idealtypischen Lebenslauf mehr, welcher einem früher noch oftmals bestimmte Entscheidungen einfach abgenommen hat. Diese Tatsache erfordert, dass sich jeder Mensch noch mehr mit sich selbst beschäftigen muss. Jeder muss nach seinen individuellen Wünschen und Vorstellungen forschen, um sich selbst gerecht zu werden – einfach gesagt: Es gilt heute mehr denn je die eigene Persönlichkeit zu entdecken (Krampen & Reichle, 2008).

Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, zu untersuchen, wie Persönlichkeit und Führung tatsächlich zusammenhängen, um im Detail die Frage beantworten zu können, ob und welche Persönlichkeitseigenschaften erfolgreiche Führungskräfte aufweisen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Analyse von Führung und Führenden im unternehmerischen Kontext. Der Zusammenhang von Führung und Persönlichkeit im Privatbereich wird bei dieser Untersuchung nicht berücksichtigt.

Um das beschriebene Ziel zu erreichen, ist es notwendig, sich zunächst näher mit den Grundlagen der Führung und der Persönlichkeit zu beschäftigen. Im zweiten und dritten Kapitel wird jeweils auf die unterschiedlichen Definitionen und dahinterstehenden Theorien der Führung und der Persönlichkeit eingegangen. Nur mit diesem grundlegenden Verständnis ist es möglich, im vierten Kapitel die Führung und die Persönlichkeit im Zusammenhang zu betrachten und auf die Ergebnisse einiger Studien näher einzugehen. Eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse, entsprechende Schlussfolgerungen sowie ein Ausblick auf weitere mögliche Forschungsansätze gibt es im Rahmen des Fazits im fünften und letzten Kapitel. Tommy Lasorda ist sich seiner Definition einer guten Führungskraft sicher – nun gilt es herauszufinden, ob das Verhalten von Führungskräften tatsächlich im Zusammenhang mit den jeweiligen Persönlichkeitseigenschaften steht.

2 Führung

„Jede Organisation, jedes Unternehmen bedarf der Führung, um Ziele zu erreichen.” (Rosenstiel, Regnet & Domsch, 2009, S.3). Dieser kurze und prägnante Satz macht schnell deutlich, welchen Stellenwert die Führung in unserer Gesellschaft und mittlerweile insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften hat. Rosenstiel und Kollegen (2009) stellen klar, dass die Führung wichtig ist, seitdem soziale Gesellschaften auf der Erde existieren. Der Begriff Führung ist den meisten Menschen also durchaus bekannt, da sie Führung als etwas Selbstverständliches betrachten. Besonders solch selbstverständliche Begriffe sind aufgrund fehlender Reflektion jedoch meist kompliziert zu erklären bzw. zu definieren (Rosenstiel et al., 2009). Für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Persönlichkeit und Führung ist es also von entscheidender Bedeutung die grundlegenden Definitionsansätze zu kennen, die in folgendem Unterkapitel dargestellt werden.

2.1 Definitionen

Rosenstiel, Molt und Rüttinger (2005) definieren die Führung als eine zielbezogene Einflussnahme. Beim Führungsprozess nimmt der Führende Einfluss auf den zu Führenden, um bestimmte Ziele zu erreichen. Diese Ziele werden in der Regel von übergeordneten Unternehmenszielen abgeleitet und bis auf die entsprechende hierarchische Ebene des zu Führenden heruntergebrochen (Comelli & Rosenstiel, 2009).

Pinnow (2005) definiert Führung hingegen als eine Möglichkeit, ein Umfeld zu schaffen, dem Menschen gerne angehören möchten. Er sieht Führung nicht als einen einseitigen Prozess von Führenden zum zu Führenden, sondern viel mehr als ein Zusammenspiel beider Parteien mit dem gemeinsamen Ziel ein erstrebenswertes Arbeitsumfeld zu schaffen. In einem solchem Arbeitsumfeld kann schließlich Unternehmenserfolg erreicht werden, der auch auf die gute Führung des Führenden zurückzuführen ist.

Die genannten Definitionen stellen nur einen kleinen Ausschnitt der unzähligen Definitionen zur Führung dar. Sie geben aber bereits eine Idee über den Verlauf der Entwicklung der Führungsforschung in den vergangenen Jahrzehnten. Diese Entwicklung lässt sich anhand der unterschiedlichen Führungstheorien, die im folgenden Kapitel behandelt werden, noch besser nachvollziehen.

2.2 Führungstheorien

Mit Hilfe von Führungstheorien versuchen Wissenschaftler bestimmte Führungsphänomene besser nachvollziehen zu können. Es werden hierbei Annahmen über die Beeinflussung des Führungserfolges durch bestimmte Merkmale oder Verhaltensmuster getroffen. In der Führungsforschung wird grundsätzlich zwischen klassischen und modernen Führungstheorien unterschieden. Zu den klassischen Führungstheorien zählen die Eigenschaftstheorie, die Verhaltenstheorie sowie die Situationstheorie. Moderne Ansätze, auch unter „New Leadership“ bekannt, befassen sich mit der charismatischen Führung, der emotionalen Führung und der transformationalen Führung (Weinert, 2004). Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die gängigen Führungstheorien und deren praktische Relevanz in der heutigen globalisierten Unternehmenskultur.

2.2.1 klassische Theorien

Die Eigenschaftstheorie (auch Trait-Theorie genannt) sieht den Führenden im Mittelpunkt des Führungsprozesses. Die jeweiligen Eigenschaften des Führenden prägen dessen Führungsverhalten unabhängig von der Situation oder dem Verhalten des zu Führenden. Als Führereigenschaften gelten unter anderem Verantwortungsbewusstsein, Aufgabenerfüllung, zielgerichtete Ausdauer, kreative Problemlösefähigkeit, Selbstvertrauen sowie die Bereitschaft Entscheidungen zu treffen. Als weitere Führereigenschaften zählen auch das Vertreten aller getroffenen Entscheidungen sowie das Tragen der entsprechenden Konsequenzen (Wunderer & Grunwald, 1980). Kritik an der Eigenschaftstheorie existiert deshalb, da u.a. Stogdill (1948) nicht durch Metaanalysen feststellen konnte, dass die oben genannten Führereigenschaften auch in jedem Fall mit Führungserfolg gleichzusetzen sind – dennoch ist der Eigenschaftsansatz als Führungstheorie nach wie vor sehr beliebt bei Unternehmen (Neuberger, 1976).

Eine weitere klassische Führungstheorie ist die Verhaltenstheorie der Führung. Diese setzt sich mit dem Verhalten zwischen dem Führenden und dem zu Führenden auseinander (Reichwald & Bastian, 1998). Als Annahme wird zugrunde gelegt, dass der Führungserfolg vom Führungsverhalten des Führenden abhängt, welches sich wiederrum in bestimmten Führungsstilen widerspiegelt (Northouse, 2009). Studien haben mit der Mitarbeiter- sowie der Aufgabenorientierung zwei wesentliche Merkmale von möglichem Führungsverhaltens identifiziert (Reichwald & Bastian, 1998).

Nach Stelmaszyk (1981) ist der grundlegende Ansatz der Situationstheorie, dass der Führungserfolg stets in Abhängigkeit von den Eigenschaften und dem Verhalten des Führenden gegenüber dem zu Führenden in Verbindung mit der individuellen Situation steht. Unterschiedliche Situationen erfordern demnach unterschiedliche Führungsstile. Im Rahmen dieser Situationstheorie hat insbesondere die Kontingenztheorie nach Fiedler Beachtung gefunden (Weinert, 1992).

2.2.2 moderne Theorien

Zu den modernen Führungstheorien gehört die Theorie der charismatischen Führung, welche erstmals 1977 von House beschrieben wurde. Danach verfügt eine charismatische Führungskraft über die Fähigkeit andere Menschen zu beeinflussen (Furtner & Baldegger, 2013). Robbins (2001) ergänzt den Aspekt, dass charismatische Führungskräfte zudem in ihrer Rolle als Führungspersönlichkeit akzeptiert werden. Der Unterschied zwischen der charismatischen Führungstheorie und der klassischen Eigenschaftstheorie liegt in der Wahrnehmung des Führenden seitens der zu Führenden. Führungserfolg stellt sich gemäß dieser Theorie ausschließlich dann ein, wenn das Charisma des Führenden von den zu Führenden erkannt wird (Furtner & Baldegger, 2013).

Die Theorie der emotionalen Führung nimmt an, dass sowohl Verhalten als auch Stimmung der Führungskraft das Verhalten und die Stimmung der zu Führenden beeinflussen. Führende mit einer ausgeprägten emotionalen Intelligenz sind in der Lage durch ihr an die Stimmung des zu Führenden angepasstes Verhalten, Vertrauen zu bilden. Dieses Vertrauen führt mittelfristig zu einer besseren Arbeitsleistung des zu Führenden (Goleman, Boyatzis & McKee, 2002).

Die in den letzten Jahrzehnten wohl bedeutendste Führungstheorie ist die Theorie der transformationalen Führung (Northouse, 2009). Felve geht 2006 auf den Grund für die von Northouse festgestellte Popularität näher ein. Ursächlich für diese hohe Bedeutung sind demnach die zunehmende Globalisierung und der damit verbundene stetig wachsende Wettbewerbsdruck. Aufgrund dieser Faktoren ergibt sich das Bedürfnis von Unternehmen, auf Führungskräfte zurückzugreifen, die in der Lage sind ihre Mitarbeiter durch attraktive Visionen zu motivieren. Die Schaffung von erstrebenswerten Visionen bei den zu Führenden durch den Führenden wird als transformationale Führung bezeichnet (Bass, 1985).

3 Persönlichkeit

Nachdem in den vorigen Kapiteln die theoretischen Grundlagen zur Führung bzw. zum Führungsverhalten dargestellt wurden, geht es im Folgenden um die Persönlichkeit. Was ist Persönlichkeit? Warum ist Persönlichkeit überhaupt von Bedeutung und welche theoretischen Ansätze existieren in der Persönlichkeitsforschung? Diese Fragestellungen werden in diesem Kapitel behandelt. Wollstadt (1995) betont, dass ein Unternehmen nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Mitarbeiter und Führungskräfte auch Persönlichkeiten sind. Die Persönlichkeit von Menschen hängt demnach direkt mit dem Erfolg von Organisationen zusammen und ist für Unternehmen von entscheidendem Interesse. Aus diesem Grund wird im folgenden Kapitel auf die Definitionen der Persönlichkeit eingegangen.

3.1 Definitionen

Nach Herzberg und Roth (2014) ist Gordon Allport einer der Gründerväter der Personalpsychologie. Seine Definition aus dem Jahr 1959 gilt daher als eine der meist zitierten Definitionen der Persönlichkeit: „Persönlichkeit ist die dynamische Ordnung derjenigen psychophysischen Systeme im Individuum, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umwelt bestimmen.“ (Allport, 1959, S.49).

Ebenfalls eine gewisse Einzigartigkeit der Persönlichkeit stellen Zimbardo und Gerrig (2004) in ihrer Definition fest. Sie verstehen unter Persönlichkeit die einzigartigen Eigenschaften eines Menschen, die die jeweiligen individuellen Verhaltensmuster über einen langfristigen Zeitraum hinweg beeinflussen. Diese Eigenschaften können sowohl versteckt als auch offen erkennbar sein.

Zimbardo und Gerrig (2004) setzen Persönlichkeit also mit einer psychologischen Eigenschaft gleich, was wiederrum eine Abgrenzung von Eigenschaften und Motiven notwendig macht. Eigenschaften bleiben ein Leben lang relativ stabil, sodass Menschen sich diesbezüglich nur geringfügig im Laufe des eigenen Lebens verändern (McAdams & Pals, 2006). Winter, John, Stewart, Klohnen und Duncan (1998) führen an, dass sich Persönlichkeitseigenschaften stets auf die Qualitäten eines Menschen beziehen. Motive beziehen sich hingegen auf die Gründe, den Zeitpunkt und die Art und Weise von Handlungen.

Zusammenfassend ist unter Berücksichtigung der vorgestellten Definitionen festzuhalten, dass Persönlichkeit sehr unterschiedliche Sachverhalte bezeichnet, die eine allgemeingültige Definition quasi nicht möglich machen. Herrmann (1991) stellt fest, dass die Definition der Persönlichkeit stets abhängig von der entsprechenden Persönlichkeitstheorie ist, aus der sie stammt. Im folgenden Kapitel wird auf die hier erwähnten Persönlichkeitstheorien näher eingegangen.

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Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656965831
ISBN (Buch)
9783656965848
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299759
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Düsseldorf
Note
1,0
Schlagworte
Wirtschaft Psychologie Wirtschaftspsychologie Führung Persönlichkeit Big Five Persönlichkeitseigenschaften Wirtschaftswissenschaften Mitarbeiterführung Personal

Autor

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