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Linguistic Mapping Shanghai. Die Wechselwirkung von Sprache und Multikulturalität

Hausarbeit 2013 25 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Demographie Shanghais

3. Linguistic Landscaping - Wortklärung und vergangene Studien

4. Forschungsfragen / Hypothesen

5. Methodik

6. Ergebnisse
a. Offizielle vs. nicht-offizielle Zeichen
b. Fremdsprachengebrauch in den einzelnen Untersuchungszonen
c. Branchenverteilung
d. Fremdsprachengebrauch in den unterschiedlichen Branchen

7. Diskussion

8. Literatur

1. Einführung

“Alle ethnischen Gruppen Chinas in Shanghai” - mit diesem Titel eröffnete das China Internet Information Center (CIIC) am 23.11.2011 einen Artikel zur chinesischen Volkszählung, die 2011 initiiert wurde. Nach Angaben des Statistikamts in Shanghai sind heute alle 56 ethnischen Gruppen des Landes in der Stadt vertreten. Doch obgleich die Ergebnisse der letzten Volkszählung zeigen, dass sich die Bevölkerung Shanghais aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammensetzt, so erweckt die linguistische Landschaft Shanghais den Eindruck es lebten dort nur Mandarin sprechende Chinesen und englisch sprechende Geschäftsleute.

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit zielt darauf ab zu untersuchen, inwieweit sich die hier erwähnte Multikulturalität Shanghais in der linguistischen Landschaft der Megalopole wiederspiegelt. Dabei wird Peter Backhaus Studie (2006) Multilingualism in Tokyo: A Look into the Linguistic Landscape als Leitfaden für die methodische Vorgehensweise gewählt.

Im ersten Teil dieser wissenschaftlichen Arbeit wird Hintergrundwissen zur Bevölkerungsstruktur Shanghais gegeben. Anschließend werden die Methodik des Linguistic Landscaping und vergleichbare Studien zum Thema vorgestellt und kommentiert. Im selben Kapitel werden zudem die Unterschiede zwischen offiziellen und nicht-offiziellen Schildern näher beschrieben. Im nächsten Punkt werden Forschungsfragen und Hypothesen entwickelt. Schließlich wird die Methodik der aktuell vorliegenden Studie im Detail beleuchtet. Im nächsten Punkt werden die Ergebnisse vorgestellt und positive sowie negative Einflussfaktoren der Datenerhebung analysiert. Zuletzt wird ein Fazit gegeben.

2. Demographie Shanghais

In Shanghai, im wirtschaftlichen Zentrum Chinas, leben heute etwa 25 Mio. Menschen. Mehr als ein Drittel von ihnen stammt aus anderen chinesischen Provinzen. In keiner anderen Stadt Chinas leben so viele Ausländer wie in Shanghai. Mit rund 100.000 Ausländern, davon über 10.000 Deutschen, rühmt sich Shanghai als multikulturelle Megalopole. [china.diplo]

Laut Angaben von german.china.org.cn setzte sich die Bevölkerung Shanghais 2010 folgendermaßen zusammen1:

- 275.600 Menschen gehören einer anderen ethnischen Gruppe als die der Han, der größten Gruppe in China, an.“
- Mit 28,3 % sind die größte ethnische Minderheit Shanghais die Hui. Sie stammen ursprünglich aus dem Nordwesten Chinas, sprechen heute überwiegend Mandarin und sind im ganzen Land anzutreffen.
- Mit rund 12% sind die Tujia die zweitgrößte ethnischen Minderheit Shanghais. Sie ist in der Regel in den zentralchinesischen Provinzen Hunan und Hubei anzutreffen und verfügt über eine eigene Sprache, die jedoch vom Aussterben bedroht ist.
- Mit etwa 11% sind die Miao (auch Hmong) die drittgrößte ethnische Minderheit Shanghais, die ansonsten vor allem in südchinesischen Provinzen leben. Die Miao sind zudem auch häufig in südostasiatischen Ländern wie Thailand und Vietnam anzutreffen.
- Einige andere ethnische Minderheiten wie z.B. die Li sind mit nicht mehr als hundert Menschen in Shanghai sehr schwach vertreten.

Nach Angaben des China Internet Information Center ergab die letzte Volkszählung, dass im Neubaugebiet Pudong mit rund 20 % die meisten ethnischen Minderheiten leben. Dennoch sei die Zahl der ethnischen Minderheiten in den Vorstädten im Vergleich zur Volkszählung im Jahr 2010 gewachsen.

Laut Angaben des Amtes für Statistik kommen die meisten ethnischen Minderheiten aus beruflichen Gründen nach Shanghai. Fast 30 Prozent von ihnen hätten den Ergebnissen der Volkszählung zufolge einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Ausbildungshintergrund.

Eine Sozialpolitische Maßnahme Chinas sei es ethnische Minderheiten zu ermutigen, die Fachhochschule oder Universität zu besuchen. Dies gelinge durch zusätzliche Punkte bei der chinesischen Universitätsaufnahmeprüfung.

3. Linguistic Landscaping - Wortklärung und vergangene Studien

Das Linguistic Landscaping ist eine Methode, mit der eine Umgebung auf ihren Fremdsprachenbrauch hin in der Öffentlichkeit analysiert wird. Dies geschieht mittels einer Datenerhebung bei der Schilder, Poster, Aufdrucke aller Art, die Text umfassen (im Folgenden „Untersuchungsobjekte“, „Signs“, „Zeichen“ genannt) fotografiert und katalogisiert werden und der darauf befindliche Text nach unterschiedlichen Kriterien katalogisiert wird.

So unterscheidet Calvet (1990, 1994) laut Backhaus (2006:52f.) in seinen linguistischen Studien zwischen offiziellen und nicht-offiziellen Zeichen, die er für ‘in vitro’ und ‘in vivo’ Komponenten einer linguistischen Landschaft hält. Demnach beinhalten offizielle Zeichen Text, der „in vitrio“, d.h. unter kontrollierten Umständen von der Regierung veröffentlicht werde (z.B. Verkehrshinweise, Straßennamen); nicht-offizielle Zeichen hingehen umfassen Text, der von den Bürgern „in vivo“, d.h. im Alltag unkontrolliert geschrieben werde (Geschäftsnamen, Graffiti, Werbeslogans, etc.). Dies führe zu einer Gebietsmarkierung (Calvet, 1990: 75).

Im Verlauf mehrerer Studien wurde bereits festgestellt, dass diese zwei Faktoren der Gebietsmarkierung einen sehr gegensätzlichen Eindruck einer Stadt und dessen Kultur vermitteln können. So erkannte Calvet in einer seiner Studien, dass in den Straßen von Dakar, Senegal nicht-offizielle Zeichen eine Vielzahl an mehrsprachigen Elementen beinhalten, wohingegen auf offiziellen Zeichen kaum Fremdsprachen bzw. Minderheitensprachen zu finden seien, sondern lediglich die offizielle Amtssprache Französisch. Zu einem Ähnlichen Erkenntnis kam Rosenbaum et al. (1977: 189) bei einer Untersuchung der linguistischen Landschaft Jerusalems. (Backhaus 2006:53)

Ursache der Kluft zwischen offiziellen und nicht-offiziellen Zeichen gründen laut Backhaus (2006) auf der dahinterstehenden Grundeinstellung des Verfassers des Textes. So unterstreichen offizielle Zeichen i.d.R. die Dominanz der Amtssprache, wohingegen nicht-offizielle Zeichen häufig einen Hinweis geben auf einen vielfältigen Sprachgebrauch und insbesondere die englische Sprache sehr häufig verwenden. Landry und Bourhis (1997: 27). In seltenen Fällen ist der Gebrauch von Fremdsprachen in beiden Zeichentypen verhältnismäßig gleich.

4. Forschungsfragen / Hypothesen

Vergangene Studien liefern den Grund zur Annahme, dass die Bevölkerungsstruktur einen Einfluss auf die linguistische Landschaft einer Region hat (z.B. Backhaus 2006 u.v.m.). Diese Erkenntnisse lassen folgende Forschungsfragen aufkommen:

- F1: Weist die stark kulturell gefärbte Stadt Shanghai eine besonders vielfältige linguistische Landschaft auf?
- F2: Sind nicht-offizielle Zeichen häufig in anderen oder sogar mehreren Sprachen beschriftet?
- F3: Sind offizielle Zeichen vorwiegend auf Mandarin geschrieben?

Aufgrund der Forschungsergebnisse von Backhaus 2006, der davon ausgeht, dass die linguistische Landschaft einer geographischen Umgebung Aufschluss gibt über die Sprachakzeptanz und Kulturtolerant des Volkes/der Behörden, wurden folgende Hypothesen entwickelt:

- H1: Die linguistische Landschaft Shanghais weist eine besonders vielfältige linguistische Landschaft auf, da die Bevölkerung Shanghais sehr viele unterschiedliche Kulturen umfasst.
- H2: Nicht offizielle Schilder/Poster werden häufig in anderen Sprachen als dem Mandarin beschriftet.
- H3: Offizielle Schilder/Poster sind vorwiegend auf Mandarin beschriftet, da China politisch gesehen eher konservativ ist und die eigene Sprache schützen möchte.

5. Methodik

Diese Studie (August-September 2013) orientiert sich methodisch an der Vorgehensweise von Backhaus 2006. Hierfür wurden 328 Forschungsobjekte mit Textinhalt und definierbarem Rahmen (u. A. Straßenschilder, Geschäftsschilder, Poster, Plakate, Werbesticker und Leuchtreklame) in 5 verschiedenen geographischen Räumen fotografiert. Diese wurden ausgewählt, indem bestimmte Metrostationen als Orientierungspunkte gewählt wurden und die sich darum herum befindlichen Straßen als Einsatzort definiert wurden (siehe Graphik 1). Drei der Untersuchungsorte (Century Avenue, Dongchang Rd. und Luijazui) befinden sich im Stadtteil Pudong, in dem - wie zuvor erwähnt - nach Angaben des China Internet Information Center rund 20% aller registrierter Ausländer leben. Insbesondere Luijazui ist bekannt als Finanzzentrum Shanghais, da hier die größten Banken unter Anderem in den höchsten Wolkenkratzern Shanghais, ihren Sitz haben. Die Zone Linping Rd. befindet sich im Stadtteil Hongkou und die Zone Baoshan in Zhabei. Diese beiden Stadtteile sind relativ reine Wohngebiete ohne große Einkaufsstraßen und Touristenattraktionen.

Graphik 1

Die Untersuchungsobjekte wurden einzeln fotografiert und nummeriert. Die Fotografien wurden anschließend in einem Fotobearbeitungsprogramm zugeschnitten, sodass die Schrift darauf gut lesbar ist. In einem Excel-Dokument wurden anschließend einzelne Mappen für jede Zone angelegt innerhalb derer die jeweiligen fotografierten Untersuchungsobjekte katalogisiert und charakterisiert wurden. Dabei wurden folgende Parameter festgehalten.

[...]


1 wenn ein Elternteil einer ethnischen Minderheit angehört, zählt das Kind ebenfalls dazu

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668003224
ISBN (Buch)
9783668003231
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299528
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
linguistic landscape multilingualism multiculturalism signs

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Titel: Linguistic Mapping Shanghai. Die Wechselwirkung von Sprache und Multikulturalität