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Soziale Kontrolle und Drogenkonsumräume in Frankfurt am Main

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 14 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Verschiebung der offenen Drogenszene in das Bahnhofsviertel und das Stadtbild

3. Das Bahnhofsviertel, der Gentrifizierungsprozess und die Folgen

4. Ordnungspolitische Aspekte: Soziale Kontrolle, Exklusion und Sicherheit

5. Bezug zur Kernfrage

6. Kritisch-reflexive Stellungnahme

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Kontext dieser Hausarbeit soll erörtert werden, ob und inwiefern externe Instanzen und äußere Bedingungen Drogenabhängige dahingehend beeinflussen, das Angebot von Drogenkonsumräumen nicht zu nutzen. Dazu wären zum Beispiel das individuelle Umfeld der AdressatInnen zu zählen und überdies auch externe Instanzen wie Bevölkerung oder Politik. Wiederum in der Verknüpfung von Theorie und Praxis interessiert primär, wie einerseits in dem Arbeitsfeld tätige Fachkräfte Sozialer Arbeit die Thematik sozialer Kontrolle beschreiben und was andererseits in der Fachliteratur zu dem besagten Sachverhalt vorzufinden ist. Dies soll weiterhin in Bezug auf Übereinstimmungen sowie Widersprüche dialektisch erörtert werden.

Innerhalb dieser Ausarbeitung sollen also nun Aspekte erörtert sowie verglichen wer- den, welche nicht die Inhalte von Drogenkonsumräumen betreffen, sondern vielmehr auf äußere Rahmenbedingungen, Entwicklungen und Einflüsse zu beziehen sind.

2. Die Verschiebung der offenen Drogenszene in das Bahnhofsviertel und das Stadtbild

Auf die Frage nach der Wahl der Standorte für Drogenkonsumräume generell gibt eine Fachkraft Sozialer Arbeit an, dass sich die Sozialarbeiter dort aufhalten würden, wo sich die offene Drogenszene befinde, was wiederum damit zu tun habe, dass eine Verlagerung, beziehungsweise Verschiebung der offenen Drogenszene von der Frankfurter Taunusanlage in das Frankfurter Bahnhofsviertel stattgefunden habe. Diese Aussage erscheint plausibel und demnach sollen nun der Prozess sowie die Ursachen der Verschiebung der offenen Drogenszene anhand der formulierten Aus- sagen der Sozialarbeiter und der Literatur beschrieben, beziehungsweise verglichen werden.

In Bezug auf die Ursachen der Verschiebung der offenen Drogenszene verweist der die Fachkraft darauf, dass dies mit dem Stadtbild zu tun habe und spricht überdies davon, dass sich dort eine offene Szene und damit Zustände etabliert hätten, welche in keiner Form kontrolliert, gesteuert und gelenkt werden konnten . Es sei aus ord- nungspolitischer Sicht formuliert worden, dass es nicht sein könne, jeden Morgen einige Drogentote in der Taunusanlage aufzulesen und dass diese Tatsache mitunter auch zur Gründung von Konsumräumen geführt habe. Dem sei nach der Verschie- bung der offenen Drogenszene jedoch zunächst der mobile Spritzendienst vorange- gangen, welcher im Bahnhofsviertel ein ähnliches gesundheitspräventives Angebot zur Verfügung gestellt habe, bis sich einige motivierte Sozialarbeiter dazu entschlos- sen hätten, die Errichtung von Drogenkonsumräumen in Angriff zu nehmen.

Vergleicht man die Aussagen der Fachkräfte mit literarischen wissenschaftlichen Aus- führungen zur Verschiebung der offenen Drogenszene von der Taunusanlage in das Bahnhofsviertel, finden sich fast ausschließlich Überschneidungen, beziehungsweise Übereinstimmungen. So formuliert Benkel, dass 1992 eine Initiative namens >Bahn- hof als Visitenkarte< Interventionen angestrebt hätte, nach denen die offene Drogen- szene aus der Taunusanlage in das Frankfurter Bahnhofsviertel verlagert worden sei, da das Bahnhofsviertel nicht den Ansammlungsraum für eine offene Szene habe bie- ten können, wie dies die Taunusanlage durch deren Grünflächen und Ruhepole ge- boten habe (vgl. Benkel 2010: 32). In diesem Zusammenhang formuliert der Autor weiterhin, dass die Räumung der Taunusanlage anfänglich mit Bekämpfung und spä- ter mit Verwaltung des Drogenproblems zu assoziieren sei, was gegenwärtig einen Erfolg der ordnungspolitischen, also sozialen Kontrolle darstelle. Als Resultat dessen erfasst der Autor, dass die Taunusanlage nun einen geordneten, sauberen sowie we- nig belebten Bereich darstelle, welcher das Bankenviertel von dem Bahnhofsviertel abgrenze. Die Verlagerung in das Bahnhofsviertel sei überdies als Triumph gesehen worden, da das Bahnhofsviertel laut einiger Stimmen ohnehin schon immer für Devi- anz, also abweichendes Verhalten gestanden habe, in welches die offene Drogen- szene gut hineinpasse (vgl. ebd.).

Hinsichtlich der Verschiebung der offenen Drogenszene kann zusammenfassend also konstatiert werden, dass ordnungspolitische Aspekte die Hintergründe dafür darstellen, es jedoch immer auf die jeweilige Betrachtungsweise ankommt - geht man nun davon aus, dass es vordergründig um das Stadtbild oder vordergründig um die Reduzierung der Drogentoten und gesundheitspräventive Aspekte ging - möglicherweise waren auch beide Aspekte gleichermaßen von Relevanz.

Die Fachkraft der Sozialen Arbeit gibt zudem an, dass sich Drogen- sowie Rotlicht- szenen häufig um Bahnhöfe bewegen würden, da dort viele Menschen verkehren würden, welche man nach Geld fragen oder im Zuge von Beschaffungskriminalität ausrauben könne - es sei logisch nachvollziehbar, dass sich eine Drogenszene nicht fernab von anderen Menschen befinde. Diese Aussage bestätigt sich einerseits an- hand der Ausführungen von Schmincke, welche formuliert, dass Bahnhöfe einerseits eine Form von Offenheit oder Zugänglichkeit repräsentieren würden; andererseits weicht die Autorin von diesem ausschließlichem Blickwinkel ab und differenziert inso- fern, dass der Frankfurter Bahnhof und das Bahnhofsviertel gegenwärtig immer stär- ker Aspekte der Kontrolle aufweisen würden, welche auf Normalisierung der Gege- benheiten abzielen würden (vgl. Schmincke 2010: 105 ff.). Es erscheint also nach- vollziehbar, dass sich Drogenszenen häufig in Bahnhofsnähe ansiedeln, andererseits erweist sich die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung hinsichtlich der Anwen- dung von Kontrolle in Bahnhofsumgebung als interessant, da bisher nur vermutet werden kann, inwiefern beispielsweise eine offene Drogenszene von dieser Entwick- lung betroffen sein wird oder betroffen sein könnte.

Die Fachkraft beantwortet die Frage nach der Verbesserung des Stadtbildes damit, dass es sich seiner Meinung nach insofern verändert habe, dass die offene Drogenszene mit all ihren negativen Begleiterscheinungen deutlich abgenommen hätten - gleiches betreffe auch den öffentlichen Konsum sowie gesundheitspräventive Aspekte, beispielsweise hinsichtlich des herumliegenden benutzten Bestecks zum Konsumieren der jeweiligen psychoaktiven Substanzen. Dies wird auch innerhalb der bereits formulierten Ausführungen hinsichtlich der Verschiebung der offenen Drogenszene aus der Taunusanlage in das Bahnhofsviertel deutlich.

Bezug nehmend auf die Frage nach der Umfeldbetreuung hinsichtlich des Stadtbil- des gibt die Fachkraft an, dass Flyer verteilt und Interessierten zudem Führungen im Konsumraum oder Vorträge zum Konsumraum angeboten werden würden. Dies deckt sich auch mit den Formulierungen von Akzept e.V., nach denen eine regelmä- ßige Reinigung des näheren Umfeldes von Drogenkonsumräumen, die Durchführung von Kontrollgängen, das Entgegennehmen von Beschwerden sowie generelle Nach- barschaftsarbeit zu gewährleisten seien (vgl. Akzept e.V. 2011: 21 ff.).

Die Frage, ob gegenwärtig Spannungen innerhalb des Bahnhofsviertels zwischen Drogenabhängigen sowie Anwohnern beständen, bejaht und verneint die Fachkraft gleichermaßen und verweist in diesem Zusammenhang auf zwei im Jahr 2012 durchgeführte Anwohnerinitiativen. Die eine dieser Initiativen sei an Stadt, Presse und Polizei getragen worden, in deren Zuge sich Anwohner über die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände beschwert und darüber hinaus das Angebot der Drogen- konsumräume sowie die Sozialarbeiter in Frage gestellt hätten - es sei innerhalb dieser Initiative die Forderung nach der Vertreibung der Drogenabhängigen und der Schließung der Drogenkonsumräume vertreten worden. Eine andere Gegeninitiative jedoch sei mit dem Hintergrund in das Leben gerufen worden, dass eher Furcht vor dem Gentrifizierungsprozess sowie den damit verbundenen Mieterhöhungen beste- he, als vor der offenen Drogenszene, mit welcher man sich längst arrangiert habe. Auf politischer Ebene würde jedoch nur Minimalkonsens entstehen und es zu keiner Entscheidung in eine eindeutige Richtung kommen, da es politisch immer Befürwor- ter der einen Seite, wie auch Befürworter der anderen Seite gebe. Aufgrund der Ak- tualität der Spannungen und Initiativen ist diesbezüglich keine wissenschaftliche Lite- ratur vorzufinden, wodurch auch kein dementsprechender Vergleich angeführt wer- den kann. Vielmehr soll nun der Gentrifizierungsprozess als nächster Punkt themati- siert werden.

3. Das Bahnhofsviertel, der Gentrifizierungsprozess und die Folgen

Anknüpfend an die im letzten Unterpunkt beschriebene Umfeldbetreuung und der Furcht einiger Anwohner des Bahnhofsviertels vor dem Gentrifizierungsprozess, soll dieser nun mit den damit verbundenen Hintergründen und Folgen erörtert werden. Laut der Fachkraft beschreibe der Gentrifizierungsprozess die Luxussanierung von Wohnungen im Frankfurter Bahnhofsviertel. Die damit verbundenen hohen Mieten würden sich wohl nicht mit einer offenen Drogenszene vereinbaren, welche sich praktisch direkt vor der jeweiligen Haus- oder Wohnungstür befinde. Die Hintergrün- de dafür entsprächen rein ökonomischen Interessen. Überdies betrachtet die Fach- kraft den Gentrifizierungsprozess kritisch, weil durch diesen auf Dauer Personen, also auch Klienten der Drogenkonsumräume aus ihren angestandenen Milieus ver- drängt werden würden. Auch dort bereits sesshafte Anwohner würden dem Gentrifi- zierungsprozess kritisch gegenüberstehen.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656959731
ISBN (Buch)
9783656959748
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299490
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Fachbereich Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Kontrolle Drogenkonsumraum Drogenkonsumräume Drogenabhängigkeit Drogenhilfe Frankfurt am Main Bahnhofsviertel

Autor

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Titel: Soziale Kontrolle und Drogenkonsumräume in Frankfurt am Main