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Derivation im Spanischen. Die Bedeutung der Präfigierung in der Wortbildung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wortbildungsverfahren
2.1 Derivation
2.1.1 Präfigierung
2.1.1.1 Arten von Präfixen und ihre Produktivität
2.1.1.1.1 Substantive
2.1.1.1.1.1 Präfixe, die Räumlichkeit ausdrücken
2.1.1.1.1.2 Präfixe, die Temporalität ausdrücken
2.1.1.1.1.3 Präfixe, die Gegnerschaft, Gegensatz und feindliche Haltung ausdrücken
2.1.1.1.1.4 Präfix, das Freundschaft und Sympathie zum Ausdruck bringt
2.1.1.1.1.5 Präfixe, die Negation bzw. Mangel ausdrücken
2.1.1.1.1.6 Präfixe, die Intensität ausdrücken
2.1.1.1.2 Adjektive
2.1.1.1.2.1 Präfixe, die Räumlichkeit ausdrücken
2.1.1.1.2.2 Präfixe, die Temporalität ausdrücken
2.1.1.1.2.3 Präfixe, die Gegnerschaft, Gegensatz und feindliche Haltung ausdrücken
2.1.1.1.2.4 Präfix, das Freundschaft und Sympathie zum Ausdruck bringt
2.1.1.1.2.5 Präfixe, die Negation bzw. Umkehrung ausdrücken
2.1.1.1.2.6 Präfixe, die Intensität ausdrücken
2.1.1.1.3 Verben
2.1.1.1.3.1 Präfixe, die Räumlichkeit ausdrücken
2.1.1.1.3.2 Präfixe, die Temporalität ausdrücken
2.1.1.1.3.3 Präfixe, die Negation bzw. Umkehrung ausdrücken
2.1.1.1.3.4 Präfixe, die Intensität ausdrücken
2.1.1.2 Kombination von Präfixen
2.1.2 Präfixoide

3. Schluss

4. Bibliografie
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Einführung in die spanische Wortbildung“ werde ich in meiner Hausarbeit die relevanten Aspekte des Wortbildungsverfahrens der Derivation darstellen, lege allerdings den Schwerpunkt auf die Präfigierung.

Das Gebiet der Präfixe ist breit gefächert und bietet durch die weitreichenden Forschungen eine Fülle an Literatur, ausgenommen sind hierbei die sogenannten Präfixoide, zu denen nur wenige Quellen zu finden sind.

Um den Rahmen der Hausarbeit nicht zu sprengen, gehe ich in dieser Hausarbeit nur auf die bekanntesten Präfixe ein. Meine Ergebnisse stützen sich ausschließlich auf Untersuchungen über die spanische Sprache, welche ich der Literaturliste des Seminars entnommen habe.

Zu Beginn werde ich erklären welche Wortbildungsverfahren in der spanischen Sprache zu finden sind, wobei ich die Derivation (Wortableitung) besonders berücksich- tige.

Im Folgenden werde ich die Begriffe „Präfix“ und „Präfigierung“ definieren und die Bedeutung von Präfixen im Bereich der Wortbildung näher erläutern. Anschließend benenne ich die wichtigsten Arten von Präfixen, die in der spani- schen Sprache auftreten und erläutere, wie man diese sinnvoll einteilen kann. Dies ge- schieht zur Verdeutlichung anhand konkreter Beispiele aus dem Spanischen. Ich habe mich hierbei an der Gliederung nach Thiele (1992) orientiert. Dieses Kapitel behandelt zudem die Produktivität der einzelnen Präfixe und bildet das Kernstück meiner Hausar- beit.

Danach werde ich die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten von Präfi- xen aufzeigen, die im Spanischen allerdings nur selten auftreten. Abschließend möchte ich die Sonderform der Präfixoide, welche als alleinste-hende Wörter existieren können, erklären und die bekanntesten spanischen Präfixoide nennen.

2. Wortbildungsverfahren

„Wortbildung ist ein Gefüge von sprachlichen Verfahren, die dazu dienen, neue Wortschatzeinheiten zu schaffen […] Beteiligt an einer Wortbildung sind immer Elemente des Wortschatzes, also Lexeme.“ (Wesch: 2009, 82).

Unterschieden wird zwischen desubstantivischer (Grundlage ist ein Substantiv), deadjektivischer (Adjektiv), deverbaler (Verb) und deadverbialer (Adverb) Bildung. (vgl. Wesch: 2009, 82).

Cichon (2003, 40) unterscheidet in der spanischen Sprache drei Möglichkeiten den Wortschatz zu erweitern, dies sind die Umsemantisierung (Bedeutungsverände- rung von bereits existierenden Wörtern), die Entlehnung eines Wortes aus einer ande- ren Sprache oder die Bildung neuer Wörter aus eigenen Mitteln. „[...] die beiden wich- tigsten Verfahren der Wortbildung sind (a) die DERIVATION […] und (b) die KOMPOSITI- ON […].“ (Cichon: 2003, 40).

2.1 Derivation

Die Derivation (Wortableitung) gehört neben der Komposition (Wortzusammensetzung) zu den wichtigsten Verfahren der spanischen Wortbildung. Als Derivation bezeichnet man die Verbindung aus einem (freien) Basislexem und einem oder mehreren Affixen zu einer neuen Einheit (vgl. Dietrich/Geckeler: 2007, 90).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1 (Dietrich/Geckeler: 2007, 90)

Somit zählt die Derivation zu den produktiven Wortbildungsarten im Spanischen (vgl. Klenk: 2008, 103). Das Ergebnis einer Derivation nennt man Derivat (vgl. Schpak-Dolt: 1999, 69).

„Ein Wort ist ein Derivat, wenn es so zerlegt werden kann, daß mindestens eine der unmittelbaren Konstituenten des Stamms ein Derivationsaffix ist: […]“. Ein Derivationsaffix dient zur Ableitung neuer lexikalischer Wörter. (Schpak-Dolt: 1999, 70; 19). Zu den Affixen (gebundene Wortbildungselemente) zählen Präfixe (stehen vor dem Basislexem), Infixe bzw. Interfixe (stehen im Basislexem) und Suffixe (stehen nach dem Basislexem) (vgl. de Azevedo do Campo: 1998, 111).

2.1.1 Präfigierung

„Ein Präfix ist ein Morphem, das einem Wortstamm vorangestellt wird.“ (Kabatek/Pusch: 2009, 79) z.B. im-posible.

„Präfigierung ist die Anfügung eines Präfixes an eine sprachliche Form. Im Spanischen dienen alle Präfixe der Wortbildung. Das abgeleitete Wort gehört stets zur gleichen Klasse wie das Grundwort […].“ (Schpak-Dolt: 1999, 68).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anders als die Suffixe, bei denen es sowohl zu einem Bedeutungswandel, als auch zu einem Wortklassenwechsel kommen kann, verändern die Präfixe also nur die Bedeutung, nicht aber die Wortart (vgl. Cichon: 2003, 41).

Eine Ausnahme für diese Regel ist das Wort multicolor:

multi (Präfix) + color (Substantiv) → multicolor (Adjektiv)

Die kleinsten bedeutungstragenden Elemente bezeichnet man als Morpheme (vgl. Diet- rich/Geckeler: 2007, 79). Sie „[…] sind nicht weiter in bedeutungstragende Einheiten zerlegbar […].“ (Pomino/Zepp: 2008, 71). Zu den Präfixen zählen gebundene sowie freie Morpheme, wie beispielsweise anti/contra, sobre/supra/hiper (vgl. Thiele: 1992, 14). Als gebundene Morpheme bezeichnet man solche, „[…] die sich stets mit mindestens einem weiteren Morphem verbinden müssen, damit ein Wort entsteht (amig-, -a, -o, […]).“ (Wesch: 2009, 67). Freie Morpheme sind solche, „[…] die für sich allein ein Wort bilden […].“ (Thiele: 1992, 12).

„Unter den Präfixen, die nur als gebundene Morpheme im heutigen Spanisch erscheinen, befinden sich vor allem Wortbildungselemente lateinischer und griechi- scher Herkunft. Dabei handelt es sich i.a. um geerbte Präfixe bzw. Präpositionen […] oder um sonstige entlehnte Wörter der erwähnten Sprachen, welche im heutigen Spa- nisch eine reihenbildende Funktion besitzen (griech. macro- […], lat. multi- […]).“ (Car- tagena/Gauger: 1989, 168).

„[…] los prefijos tienden a preservar su identidad fonológica y no se funden con la base léxica a la que se agregan, ni siquiera cuando confluyen dos vocales iguales (pre-escolar […]) […] No es raro que un mismo prefijo pueda aplicarse a diferentes categorías gramaticales: super-hombreN, super-valorarV, super-fácilA […].” (Varela Ortega: 2009, 57).

Weitere Eigenschaften von Präfixen sind das häufigere Herantreten an Basen im Vergleich zu Suffixen und ihre Akzentneutralität, d.h. sie beeinflussen nicht die Akzent- plazierung innerhalb eines Wortes: clásico - preclásico (vgl. Rainer: 1993, 70; Schpak- Dolt: 1999, 99).

2.1.1.1 Arten von Präfixen und ihre Produktivität

In der spanischen sowie in anderen romanischen Sprachen findet man eine Fülle an Präfixen, diese lassen sich wie folgt unterscheiden:

Einerseits finden wir die lexematischen Präfixe, „[...] die eine konkrete, auf ein griechisch-lateinisches Wort zurückgehende Bedeutung haben, etwa auto- (dt. selbst-) […]“ und andererseits die kategorialen Präfixe, „[...] die in ihrer Bedeutung abstrakter sind. Sie sind von großer Zahl, besonders in der Kategorie Raum und Zeit.“ (Cichon: 2003, 41).

Einige Präfixe sind nur im Fachwortschatz produktiv, man nennt sie gelehrte Präfixe (vgl. Thiele: 1992, 83). Zudem finden wir eine Reihe von polysemen Präfixen, das bedeutet sie treten in mehreren semantischen Gruppen auf (vgl. Thiele: 1992, 160). Zu den wenig produktiven Wortarten im Spanischen zählen Adverbien, Prono- men, Präpositionen, Konjunktionen und Interjektionen (vgl. Thiele: 1992, 198-200).

„Die Basislexeme gehören stets einer der drei Wortklassen Substantiv, Adjektiv oder Verb an.“ (Cichon: 2003, 41).

2.1.1.1.1 Substantive

„Die Zahl der aktiven Präfixe ist im Nominalbereich ziemlich groß. Aktivität von Wortbil- dungselementen darf jedoch nicht mit Produktivität gleichgesetzt werden. So ist die Zahl der wirklich produktiven Präfixe in der Allgemeinsprache beschränkt.“ (Thiele: 1992, 83).

„Es gibt wenige Präfixe, die Substantive bevorzugen; zu nennen sind höchstens co-/con-/com-/cor-, contra- und ex-.“ (Schpak-Dolt: 1999, 105). Die Präfixe ante-, anti-, pre-, pos(t)- und pro- verbinden sich sowohl mit Substantiven, als auch mit Adjektiven. Hinzu kommen die Präfixe contra-, des-/dis-/de-, so-/sub-, sobre-/super-, circun-/circum-, entre-/inter-, infra-, intro- und tras-/trans-, die in allen drei Wortarten auftreten (vgl. Schpak-Dolt: 1999, 105).

2.1.1.1.1.1 Präfixe, die Räumlichkeit ausdrücken

sobre-: sobrecama (Tagesdecke) → sobre- hat die Bedeutung „über“, „oberhalb“.

super-: superestructura (Überbau) → Im Nominalbereich gibt es nur wenige Beispiele. super- bedeutet „über”, „oberhalb”.

infra-: infraestructura (Unterbau) → infra- ist eine seltene Wortableitung im Nominalbereich und bedeutet „unter(halb)”.

sub-: suborden (Unterordnung) → sub- hat die Bedeutung „unter(halb)”.

extra-: extrarradio (Außenbezirk) → extra- tritt nur im Fachwortschatz (gelehrte Wörter) auf und bedeutet „außen, außerhalb”.

intra-: intradós (Innenwölbung) → Das Präfix intra- ist im Nominalbereich selten, introist weiter verbreitet. intra- hat die Bedeutung „innen“, „innerhalb“. pos(t)-: pospierna (Hinterbacke) → Das Präfix pos(t)- ist im Nominalbereich selten und bedeutet „jenseits”, „hinter”.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656961949
ISBN (Buch)
9783656961956
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299474
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
derivation spanischen bedeutung präfigierung wortbildung

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