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Voraussetzungen für Online-Shops. Rechtliche Grundlagen, Aufbau der Shops und Kundenanforderungen

Akademische Arbeit 2012 23 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhalt

1. Voraussetzungen für den Online-Shop
1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen für Telemedien
1.2 Sicherheit
1.3 Aufbau des Online-Shops
1.4 Kundenanforderungen
1.4.1 Geschwindigkeit
1.4.2 Lagerbestände und Produktinformationen
1.4.3 Benutzerkomfort
1.4.4 Service
1.5 Shop-Software

2. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Voraussetzungen für den Online-Shop

Jeder, der einen Online-Shop eröffnen will, sollte die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Wie im stationären Einzelhandel sind auch hier rechtliche Rahmenbedingungen gegeben, an die sich der Betreiber halten muss. Neben diesen Rahmenbedingungen sollte der Betreiber auch für die nötige Sicherheit der übertragbaren Daten, z.B. Bankdaten der Kunden, sorgen. Der Aufbau des Online-Shops ist ebenfalls ein sehr wichtiges Kriterium. Um sich im Online-Shop orientieren zu können, wird ein klar definiertes System, z.B. Aufteilung des Warensortiments in Mode, Elektronik etc., benötigt. Neben diesen Anforderungen werden zudem ein schneller Aufbau der Homepage, aktuelle Einsicht der Lagerbestände, Benutzerkomfort und ein guter Service gefordert. In der vorliegenden Arbeit wird beschrieben, was der Betreiber beachten muss, aber auch worauf der Kunde beim Online-Shopping achten sollte.

In einem Test der Stiftung Warentest, im November 2011, zum Thema Einkauf von Bekleidung und Schuhen im Internet, hat keiner der getesteten Anbieter mit der Note „Sehr gut“ abgeschnitten. Selbst das international vertretene Unternehmen Amazon wurde nur mit der Note 2,5 bewertet. Aber auch andere bekannte Anbieter, wie Zara oder Mango, wurden mit der Note „Ausreichend“ bewertet. Diese Ergebnisse zeigen, dass nicht nur kleine Internetanbieter mit Problemen kämpfen müssen, sondern auch global agierende Internetkonzerne nicht immer die Klassenbesten sind. Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse des Tests.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Einkaufen im Internet: Bekleidung und Schuhe (Quelle: Stiftung Warentest, 2011)[1]

1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen für Telemedien

Wie im stationären Handel, muss der Betreiber eines Online-Shops sich ebenfalls an Gesetze halten. Shop Betreiber müssen nicht nur die gesetzlichen Regelungen des HGB etc. einhalten, vor allem muss das Telemediengesetz eingehalten werden. Das Telemediengesetz ist am 01.März 2007 in Kraft getreten.[2] Im TMG werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Telemedien in Deutschland geregelt. Das TMG setzt sich aus fünf Abschnitten zusammen. Die wichtigsten Gesetze des TMG werden in diesem Kapitel besprochen. Abbildung 2 zeigt die Gliederung des TMG und deren Anwendungsbereiche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Telemediengesetz (Quelle: Bundesministerium der Justiz)[3]

In Abschnitt 1 werden die allgemeinen Bestimmungen erläutert. §1 TMG gibt Auskunft darüber, in welchen Anwendungsbereich das TMG fällt. Festgeschrieben ist, dass dieses Gesetz für alle Anbieter, einschließlich der öffentlichen Stellen, unabhängig davon ob für die Nutzung ein Entgelt erhoben wird, gilt. Auch wenn nicht umsatzorientiert gehandelt wird, muss sich an das TMG gehalten werden. §2 TMG setzt fest, dass jede natürliche oder juristische Person ein Dienstanbieter ist, sobald eigene oder fremde Telemedien zur Nutzung bereitgestellt werden. Verdeutlicht wird, dass ein Nutzer jede natürliche oder juristische Person ist, die Telemedien nutzt, insbesondere um Informationen zu erlangen oder zugänglich zu machen. Gemäß §2a TMG wird das Sitzland des Dienstanbieters danach bestimmt, in dem die Geschäftstätigkeit tatsächlich ausgeübt wird.

Abschnitt 2 regelt die Zulassungsfreiheit und Informationspflichten für Dienstanbieter. §5 TMG umfasst die allgemeinen Informationspflichten. Aus §5 TMG geht hervor, dass geschäftsmäßige Dienstanbieter leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar Informationen über Namen, Anschrift, eventuell Rechtsform bei juristischen Personen, Vertretungsberechtigten, Möglichkeit der Kontaktaufnahme, eingetragenem Handelsregister etc., zur Verfügung stellen müssen.

Die Verantwortlichkeit wird in Abschnitt 3 geregelt. Dieser Abschnitt beschreibt, wann und ob ein Dienstanbieter verpflichtet ist, Informationen zu speichern. Auf diesen Abschnitt wird nicht weiter eingegangen, da der Bereich zum Thema Sicherheit und Vertraulichkeit gegenüber Online-Shops gehört.

Der Bereich Datenschutz wird in Abschnitt 4 fest gehalten. Dieser Abschnitt ist für viele Nutzer ein sehr wichtiger Punkt, da dieser Auskunft über die Weitergabe vertraulicher Daten gibt. §12 TMG sagt aus, dass personenbezogene Daten nur dann weitergegeben werden dürfen, wenn der Nutzer eingewilligt hat oder das Gesetz bzw. eine Rechtsvorschrift, die sich auf Telemedien bezieht, dies erlaubt. Der Dienstanbieter ist gemäß §13 TMG verpflichtet den Nutzer über die Art, den Umfang, den Zweck und die Verwendung der Datenerhebung zu belehren. Ohne Aufklärung dieser Punkte darf der Betreiber keine Daten erheben und verwenden, ansonsten macht sich der Betreiber strafbar. Personenbezogene Daten dürfen ebenfalls nur erhoben und verwendet werden, wenn diese für ein Vertragsverhältnis zwischen Anbieter und Nutzer relevant sind. Normalerweise handelt es sich dabei um die Bestandsdaten. Nutzungsdaten dürfen ebenfalls nur erhoben und verwendet werden, wenn die Inanspruchnahme von Telemedien ermöglicht, bzw. abgerechnet werden soll.

Werden diese Gesetze nicht beachtet, können Bußgelder verhängt werden. Die Bußgelder sind im Abschnitt 6 festgehalten. Je nach Art und Umfang des Vergehen, können Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000€ verhängt werden.

Neben diesen Bestimmungen gibt es aber auch noch andere Gesetzesvorgaben, an die sich der Betreiber halten muss. Darunter gilt z.B. auch die Aufbewahrungspflicht und die Gewährleistung, wenn gemäß §§434, 435 BGB ein Mangel vorliegt. Beim Kauf in einem Online-Shop hat der Kunde, wie im Einzelhandel, ebenfalls das Recht auf den Erhalt mangelfreier Ware. Ist dies nicht der Fall, kann die rechtliche Gewährleistung in Anspruch genommen werden. Der Betreiber muss den Rechten des Käufers, gemäß §437 BGB, nachkommen.

1.2 Sicherheit

Die Sicherheit beim Online-Shopping ist für Kunden, sowie Betreiber, ebenfalls ein sehr wichtiges Kriterium. Schon im Jahre 2003 forderten 64,2% der Online-Shop Verbraucher eine sichere Übertragung der Daten.[4] Die Sicherheitsmaßnahmen sind aber nicht nur Aufgabe des Betreibers. Auch die Verbraucher müssen Verantwortung dafür tragen, dass der eigene Computer sicher Geschütz ist, z.B. mit einer Antivirus-Software.

Viele Online-Shops fordern eine Registrierung um Einkäufe tätigen zu können. Bei der Registrierung sollte sich der Benutzer ein sicheres Kennwort überlegen, welches nur er kennt und welches schwer zu erraten, bzw. zu hacken ist. Mit einem sicheren Passwort schützt sich der Nutzer vor unerlaubtem Zugriff von dritten auf sein Konto. Ein Passwort sollte aus mindestens 8 Zeichen bestehen. Je länger das Passwort ist, desto besser ist das Kundenkonto vor unbefugtem Zugriff geschützt. Zu beachten ist, dass das Passwort mindestens eine Ziffer, ein Sonderzeichen und ein Buchstaben enthalten sollte. Ein Wechsel zwischen Groß- und Kleinschreibung ist ebenfalls empfehlenswert. Besitzt ein Kunde mehrere Kundenkonten bei verschiedenen Anbietern, sollte niemals das gleiche Kennwort für alle vorhandenen Anbieter genutzt werden. Wird nämlich ein Kennwort ausfindig gemacht, können alle anderen Kundenkonten ebenfalls problemlos eingesehen werden.[5] Zusätzlich kann der Betreiber bei der Vergabe eines sicheren Passwortes behilflich sein, indem ein Hinweis bei der Passwortvergabe angezeigt wird, wie sicher, bzw. unsicher das Passwort ist.

Oft kommt es zum Missbrauch der hinterlegten Bankdaten im Online-Shop. Demzufolge sollte der Betreiber mehrere Zahlungsmethoden anbieten, damit jeder Kunde die für sich sicherste und bequemste Art der Bezahlung auswählen kann.

Für eine sichere Transaktion im Internet wird meistens das SSL und S-HTTP Verfahren angewendet. Bei der SSL Verschlüsselung wird der Inhalt verschlüsselt durch das Netz übertragen. Ob eine Internetseite mit SSL verschlüsselt ist, zeigt das anhängende „s“ am http, also https. Jeder Internetbrowser unterstützt die SSL-Verschlüsselung. SSL ist die meistgenutzte Verschlüsselung im Internet.[6] Bei der SSL-Verschlüsselung wird die hybride Kryptographie benutzt. Es gibt jeweils einen privaten (symmetrische Verfahren) und einen öffentlichen Schlüssel (asymmetrische Verfahren). Dabei wird der öffentliche Schlüssel für die Verschlüsselung der Daten benutzt und der private für die Entschlüsselung. Der private Schlüssel ist aus dem öffentlichen Schlüssel nicht zu generieren.[7] Zur Verschlüsselung kann DES, Triple DES oder AES verwendet werden. Neben einer sicheren Datenübertragung gewährleistet SSL einen authentischen Datentransfer. Hierdurch wird sichergestellt, dass der Server und der Browser autorisiert und glaubwürdig sind. Abbildung 3 zeigt das Sicherheitsprofil von SSL.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Sicherheitsprofil von SSL (Quelle: Wannenwetsch/Nicolai, 2004)[8]

Das S-HTTP ist eine sicherheitssteigernde Variante des HTTP. Dieses ist ein WWW-Sicherheitsverfahren und findet auf der Anwendungsebene statt. In vielen Fällen wird es zur sicheren Übertragung von Zahlungsinformationen verwendet.[9] Bei S-HTTP werden RSA-Kryptografie und Kerberos-basierende Sicherheitsmaßnahmen verwendet.[10]

Beim Shoppen sowie Surfen im Internet werden oft persönliche Informationen auf dem Computer gespeichert. Diese Dateien werden im Cache gespeichert. Für den Anwender ist es empfehlenswert den Cachespeicher regelmäßig zu löschen. Die gespeicherten Dateien enthalten oft Passwörter und Benutzerdaten, die bei einem Hackerangriff missbraucht werden können. Durch das Löschen dieser Dateien wird dritten der unbefugte Zugriff verweigert. Neben den im Cache gespeicherten Informationen, gibt es auch sogenannte Cookies, die das Verhalten im Internet festhalten. Dabei können auch die Benutzerdaten und Bankdaten aufgezeichnet werden. Die in den Cookies enthaltenen Informationen können ebenfalls bei einem Hackerangriff missbraucht werden. Deshalb sollten auch die Cookies regelmäßig gelöscht werden.

1.3 Aufbau des Online-Shops

Der richtige Aufbau des Shops ist ein wichtiges Kriterium für den Erfolg oder Misserfolg des Shops. Die Errichtung der Plattform ist ein Projekt, welches viel Planung, Aufwand und hohe Kosten mit sich bringt. Die Führung eines Online-Shops sollte eine Hauptaufgabe, eine sogenannte „Chef-Sache“, sein und nicht nebenbei erledigt werden. Vor der Unternehmensgründung sollte ein Businessplan erstellt werden, indem Budget, Produktsortiment, Strategie und Marketingmethoden festgehalten werden. Hat man diesen Plan erstellt und alle wichtigen Punkte beachtet, kann mit der Einrichtung des Online-Shops begonnen werden.

[...]


[1] Stiftung Warentest (2011): Einkaufen im Internet: Bekleidung und Schuhe. Stiftung Warentest Ausgabe 11/2011, S.44

[2] Vor dem 01.März 2007 war das Teledienstgesetzt regelnd. Das TDG wurde durch das TMG vom 26.02.2007 ersetzt, welches am 01.03.2007 in Kraft getreten ist und einheitlich für alle elektronischen Informations- und Kommunikationsdienste gilt, soweit sie nicht dem Telekommunikationsgesetzt bzw. dem Rundfunkstaatsvertrag unterfallen.

[3] Bundesministerium für Gesetze: Telemediengesetz; URL: http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/index.html [Stand: 10.10.2011; Erstellung: o.J.]

[4] Vgl. Rüttinger, Stefan (2003): Homepage-Erfolg: Wie Sie im Internet mehr Geld verdienen, S.173, Norderstedt: Books on Demand GmbH

[5] Vgl. Zentraler Informatikdienst der Tu Graz (2006): Informationssicherheit, Sicheres Kennwort; URL: http://portal.tugraz.at/portal/page/portal/zid/security/informationssicherheit#faq1077 [Stand: 07.10.2011; Erstellt: Februar 2006]

[6] Vgl. Lenz/Schmidt (2004): Die elektronische Signatur, S.80ff, 2.Auflage, Deutscher Sparkassenverlag

[7] Vgl. Exner, Andre (2008): Secure Socket Layer – Sicherheit im Internet, S.5, München: GRIN-Verlag

[8] Wannenwetsch/Nicolai (2004): E-Supply-Chain-Management: Grundlagen-Praxisanwendungen-Strategien, S.233, 2.Auflage, Gabler Verlag

[9] Vgl. Illik, Johann Anton (2002): Electronic Commerce, S.194, Oldenbourg Wissenschaftsverlag

[10] RSA: Asymmetrisches Verfahren, kann zur Verschlüsselung und digitalen Signatur verwendet werden. Schlüsselpaar aus privatem und öffentlichem Schlüssel dient zur Entschlüsselung und Verschlüsselung. Kerberos: Ist zuständig für eine sichere und einheitliche Authentifizierung im ungesicherten TCP/IP-Netzwerk auf sicheren Hostrechnern.

Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656956082
ISBN (Buch)
9783668143722
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299330
Institution / Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
2,0
Schlagworte
voraussetzungen online-shops rechtliche grundlagen aufbau shops kundenanforderungen

Autor

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