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Operational Excellence. Verifiziert an den Automobilunternehmen BMW und Audi

von Arthur Ritter (Autor)

Bachelorarbeit 2014 59 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau der Arbeit

3. Theoretische Erörterung des Konzeptes „Operational Excellence“
3.1 Zentrale Begriffe
3.1.1 Das Unternehmen
3.1.2 Operational Excellence (OPEX)
3.2 Begründung für die Notwendigkeit von OPEX
3.2.1 Der technologische Wandel
3.2.2 Die Globalisierung
3.2.3 Europäische Union und World Trade Organisation
3.2.4 Marktsättigung
3.3 Formen von Operational Excellence
3.3.1 OPEX-Maßnahmen im Bereich der Kundenbeziehung
3.3.1.1 Intensivierung von Marktforschung und Marketing
3.3.1.2 Gewährleistung einer schnellen logistischen Abwicklung
3.3.1.3 Berechnung der Lebenszyklusdauer von Produkten
3.3.2 Operational Excellence Maßnahmen innerhalb des Unternehmens
3.3.2.1 Technische Neuerungen und Innovationen
3.3.2.2 Wertorientierte Unternehmensführung
3.3.2.3 Personalmanagement
3.3.2.4 Aufbau einer Unternehmenskultur
3.4 OPEX als Prozess
3.4.1 Grundprinzipien
3.4.2 Vorgehensweise
3.4.2.1 Ermittlung und Bewertung des Ist-Zustandes
3.4.2.2 Festlegung der Ziele
3.4.2.3 Umsetzung
3.4.2.4 Kontrolle
3.5 Methoden von OPEX - Six Sigma
3.6 Mögliche Probleme

4. Empirische Darstellung anhand der Unternehmen Audi und BMW
4.1 Ziel der Untersuchung
4.2 Methode der Untersuchung
4.3 Die Fallstudie
4.3.1 BMW AG
4.3.2 Audi AG
4.4 Interpretation - Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei BMW und Audi

5. Conclusio

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

ABBILDUNG 1: STELLENWERT DER AUTOMOBILBRANCHE IN DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT DER JAHRE 2008-

ABBILDUNG 2: ZIELE UND BESTIMMUNGSFAKTOREN EINES UNTERNEHMENS

ABBILDUNG 3: ZIELRELEVANTE BEREICHE FÜR OPEX

ABBILDUNG 4: AUßENHANDEL DEUTSCHLANDS

ABBILDUNG 5: KREISDIAGRAMM ZU DEN WELTWEITEN AUSGABEN FÜR MARKTFORSCHUNG IN MILLIARDEN $

ABBILDUNG 6: VON WERTORIENTIERTER UNTERNEHMENSFÜHRUNG BETROFFENE BEREICHE

ABBILDUNG 7: DAMIC-ZYKLUS FÜR BESTEHENDE PROZESSE

ABBILDUNG 8: OPERATIONAL EXCELLENCE ALS GANZHEITLICHER ANSATZ

Tabellenverzeichnis:

TABELLE 1: WANDEL DER ZAHL DER ERWERBSTÄTIGEN NACH BERUFSGRUPPEN UND DER STELLUNG IM BERUF

TABELLE 2: ANGEMESSENE STRATEGIEN FÜR DIE EINZELNEN PRODUKTIONSLEBENSPHASEN

TABELLE 3: MATRIX ZUR UMSETZUNG VON OPEX BEI DER BMW AG

TABELLE 4: MATRIX ZUR UMSETZUNG VON OPEX BEI DER AUDI AG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

1. Einleitung

Die Arbeit untersucht das Thema „Operational Excellence“ und spiegelt die theoretischen Erkenntnisse an den Unternehmen aus der Automobilbranche BMW und Audi. „Operational Excellence (OPEX)“ steht dabei für ein Optimierungsprogramm, das darauf abzielt, alle Prozesse auf Effizienz, Effektivität und Qualität auszurichten, um den Kundenbedürfnissen in höherem Ausmaß gerecht zu werden, als es bisher der Fall war.1

Recherchiert man im Internet zum Thema „Operational Excellence“, fällt einem auf, dass bei der Durchsicht der Suchergebnisse bei Google die ersten Websites nur wenig Informationen zu diesem Optimierungsprogramm geben. Es machen vielmehr über 12 Firmen Reklame für einen Beratungsservice zum Thema OPEX.

Diese Firmen stellen zunächst einmal das Konzept OPEX vor, zeigen den Nutzen auf, den diese Art der Optimierung für das Unternehmen haben kann und bieten anschließend ihre Dienste feil. Manche listen als Referenzen auch namhafte Firmen auf, die ihre Dienste bereits in Anspruch genommen haben und mit der erbrachten Leistung offenbar zufrieden waren. Wieder andere weisen auf die Herausforderungen hin, mit denen Unternehmen sich auseinan- dersetzen müssen. Dabei zeigen sie oftmals auch auf, welche Bedeutung ein systemisches Denken hat, wenn es darum geht, eben diesen Herausforderungen im Unternehmensalltag zu begegnen.2

Das große und vielfältige Angebot an Consultingfirmen erweckt folgenden Eindruck: Es be- steht offensichtlich ein großer Bedarf auf Seiten der Unternehmen an dem Optimierungspro- gramm OPEX: wenn eine so große Anzahl von Unternehmen, die die einschlägigen Bera- tungsdienste anbieten, trotz der ganz offensichtlichen Konkurrenz mit der einschlägigen Dienstleistung existieren können, muss offensichtlich nach diesem Angebot eine entsprechend große Nachfrage bestehen. Dies lässt bereits an dieser Stelle den Schluss zu, dass OPEX nicht nur betrieben wird, um kurzfristig den Umsatz und/oder Gewinn zu steigern, sondern dass OPEX vielleicht zu einer Notwendigkeit geworden ist, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.3

Bei der Auseinandersetzung mit den Industriezweigen in Deutschland erkennt man schnell, dass die Automobilindustrie mit zu den tragenden Industrien in Deutschland gehört. Im Jahr 2012 lag sie mit einem Umsatz von 359,8 Mrd. Euro an erster Stelle, wenn man die einzelnen Industriezweige nach ihren Umsätzen auflistet.4

Abbildung 1: Stellenwert der Automobilbranche in der deutschen Wirtschaft der Jahre 2008-20125

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Die Automobilindustrie ist ein stark differenzierter Industriezweig, der viele Sparten und Branchen umfasst. Sie stellt verschiedenste Fahrzeuge her, wie zum Beispiel PKW und LKW. Neben dem Verkauf, der Herstellung, Instandhaltung und Reparatur werden auch alle Zuliefererfirmen zu dieser Branche hinzugezählt.

Im Jahr 2012 lag die Produktion der deutschen Automobilindustrie bei ca. 5,4 Millionen PKW. Damit konnte die Branche im Vergleich zum Jahr davor die Produktion um rund 500.000 PKW steigern.

2012 wurden noch 3,08 Millionen neue PKW zugelassen. Im gleichen Jahr wurden etwa 4,13 Millionen PKW und insgesamt Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 189,98 Milliar- den aus Deutschland ausgeführt. Damit sind Kraftwagen und Kraftwagenanteile mit einem Umsatz von 189,98 Mrd. Euro der wichtigste Exportartikel aus Deutschland.6 Der Umsatz der deutschen Automobilindustrie belief sich 2012 auf insgesamt 357 Milliarden Euro. Im glei- chen Jahr beschäftigte die Branche in Deutschland rund 742.500 Menschen, das waren etwa 20.000 Menschen mehr als im Jahr 2009.7

Angesichts der hohen Bedeutung der Automobilindustrie sowohl für die einzelnen Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft8 lautet die entscheidende Themenfrage der Arbeit:

- Was sind die Vor-und Nachteile von OPEX in der Automobilindustrie?

Aus dieser übergeordneten Fragestellung lassen sich folgende Teilfragen ableiten

- In welcher Form wird OPEX praktiziert?
- Welche Probleme können bei der Implementierung und Praktizierung von OPEX auftreten?
- Warum ist OPEX nötig geworden?
- Mit welchen besonderen Herausforderungen, in Hinblick auf OPEX, ist die Auto- mobilindustrie konfrontiert?
- An welchen Unternehmen lässt sich OPEX in der Praxis erläutern?
- Wie haben die zwei Unternehmen BMW und Audi OPEX umgesetzt?
- In welcher Form und in welchen Bereichen liefen diese ab und welche Ergebnisse konnten damit erzielt werden?

Damit hat die Arbeit folgende Zielsetzungen:

- Es wird untersucht, wie OPEX definiert, begründet und in der Praxis umgesetzt wird.
- Es werden Vorteile und Probleme von OPEX analysiert und erörtert.
- Anhand von zwei deutschen Unternehmen aus der Automobilindustrie wird exemplarisch gezeigt, wie OPEX in der Praxis umgesetzt werden kann.
- Abschließend werden die Erkenntnisse kritisch betrachtet und bewertet.

Um die oben genannte Ausgangsfrage und die Zielsetzungen der Arbeit zu beantworten, wur- de für folgender Aufbau gewählt: Zuerst wird in Kapitel 2 das methodische Vorgehen erläu- tert und darauf folgt in Kapitel 3 der Theorieteil der Arbeit. In diesem werden zuerst die rele- vanten Begriffe definiert und erläutert und im Anschluss wird dargestellt, warum nicht nur die Nachfrage nach OPEX gestiegen ist, sondern warum sich OPEX vielleicht sogar zur Notwen- digkeit entwickelt hat. Darauf folgend werden die unterschiedlichen Formen von OPEX dar- gestellt, bezogen auf die jeweiligen Bereiche in den Unternehmen. Danach wird OPEX in seiner Prozesshaftigkeit beschrieben und anschließend werden mögliche Probleme von OPEX erörtert.

Im Praxisteil, dem Kapitel 4, werden die zwei gewählten Unternehmen BMW und Audi zunächst vorgesellt und die von ihnen gewählten OPEX-Maßnahmen dargestellt. Im Anschluss daran werden deren Ergebnisse und Probleme erörtert. Eine Conclusio, welche noch einmal Bezug auf die Ausgangsfrage nimmt, wird die Arbeit abschließen.

2. Aufbau der Arbeit

Die Arbeit unterteilt sich in einen Theorie- und in einen Praxisteil. Der theoretische Teil behandelt das Thema „Operational Excellence“ in all seinen Facetten, wie auch die ihm zugrundeliegenden Fragestellungen. Im praktischen Teil werden dann die dabei gewonnen Erkenntnisse auf die Unternehmen BMW und Audi angewandt.

Somit wird in der Arbeit nach dem deduktiven Verfahren vorgegangen, was bedeutet, es wird von der Theorie auf die Praxis und vom Allgemeinen auf das Besondere geschlossen9 und darauf geachtet, ob Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten, die in der Theorie erarbeitet wur- den, in der Praxis wiederzufinden sind. Bei den zwei gewählten Verfahren handelt es sich um die qualitative und quantitative Vorgehensweisen. Hermeneutisch wird gearbeitet, um qualita- tive Ansprüche zu erfüllen, d.h. das Ziel ist nicht das Testen von Hypothesen, sondern viel- mehr das Verstehen der Bedeutung. Dieses wird sich vor allem im Bereich des 4. Kapitels wiederspiegeln. Quantitativ wird der theoretische Teil der Arbeit aufgebaut sein, was bedeu- tet, dass das Konzept OPEX anhand der Fachliteratur deduktiv erörtert und dargestellt wird.

Im empirischen Teil der Arbeit werden aus der Fachliteratur Statistiken und Graphiken über- nommen, denen empirische Studien zugrunde liegen. Dies geschieht zum einen, um eine Be- hauptung zu belegen und zum anderen, um mit Hilfe des jeweiligen Zahlenmaterials Schluss- folgerungen zu ziehen. Damit wird das empirische Material im Rahmen des Theorieteils auch eingesetzt, um die Methode der Induktion zur Anwendung zu bringen: Ausgehend von einer Untersuchung, die in einem bestimmten Rahmen durchgeführt wurde, werden Schlussfolge- rungen gezogen.10

Dabei muss das statistische Material, das aus der Literatur übernommen wird, den Anforde- rungen an die Kriterien empirischen Arbeitens entsprechen: In empirischen Überprüfungen werden allgemeine Aussagen verifiziert oder falsifiziert, die zuvor mit Hilfe der Reflexion des bisherigen Forschungsstandes auf eine Art und Weise fundiert wurden, die es begründet er- scheinen lässt, sie zu formulieren. Damit wird die Hypothese, die einer empirischen Überprü- fung zugrunde liegt, zu einem "System logisch widerspruchsfreier und empirisch gehaltvoller Aussagen. Es enthält Basisannahmen, aus denen weitere Aussagen abgeleitet werden können. Danach ist (...) zuallererst eine empirischüberprüfbare Aussageüber die Wirklichkeit."11

Die empirischen Daten der Wissenschaften erfahren auf diese Weise eine Aufbereitung, die über alltägliche Erfahrung hinausgeht.12 Allgemeine Aussagen gelten immer nur vorläufig, solange sie nicht falsifiziert sind. Sie müssen außerdem die Kriterien der Objektivität, der Reliabilität und der Validität erfüllen. Objektiv sind sie dann, wenn sie dem Grundsatz der Intersubjektivität entsprechen.13 Reliabel ist ein Ergebnis, wenn das Verfahren der Messung zuverlässig ist, also wenn mit dem gleichen Verfahren auch die gleichen Ergebnisse erzielt werden. Valide ist ein Untersuchungsverfahren dann, wenn es das misst, was es messen soll.14

Erwähnt werden soll hier die Vorgehensweise, nach der Daten und Entwicklungen, die beo- bachtet werden können, immer in den Kontext der politischen, gesellschaftlichen und unter Umständen auch der historischen Hintergründe eingeordnet werden müssen, die themenrele- vant erscheinen.15

Dabei erfolgt eine Verknüpfung des Theorie- und Praxisteils auch mit Hilfe von Vergleichen. Tauchen im Theorieteil vereinzelt Praxisbeispiele auf, dann haben diese eine ganz bestimmte Funktion: Sie sollen es ermöglichen, das OPEX der beiden ausgewählten Firmen mit dem Vorgehen der im Theorieteil erwähnten Unternehmen zu vergleichen und nach Gründen zu suchen, warum BMW und Audi andere oder die gleichen Wege gegangen sein könnten.

3. Theoretische Erörterung des Konzeptes „Operational

Excellence“

In den folgenden Abschnitten soll die Basis geschaffen werden, auf der dann die weiteren Erörterungen aufbauen können. Dazu wird der Begriff „Unternehmen“ definiert und darge- stellt, was unter dem Vorgehen und den Zielsetzungen von OPEX genau verstanden werden soll.

3.1 Zentrale Begriffe

Die zentralen Begriffe im Rahmen der folgenden Ausführungen sind das Unternehmen und Operational Excellence.

3.1.1 Das Unternehmen

Der Begriff „Unternehmen“ kann folgendermaßen definiert werden: Ein Unternehmen ist ein spezieller Betriebstyp in marktwirtschaftlichen Systemen. Konstitutive Merkmale des Unter- nehmens sind nach Erich Gutenberg das erwerbswirtschaftliche Prinzip (Streben nach Ge- winn), das Prinzip des Privateigentums und das Autonomieprinzip (Selbstbestimmung des Wirtschaftsplans).16

Nach Kaminski ist ein Unternehmen ein Ort der Produktion und Einkommenserzielung für Unternehmer, für Beschäftigte und Kapitaleigner. Um potentielle Kundenbedürfnisse zu be- friedigen, erstellen Unternehmen nicht nur Produkte, sondern stellen auch Dienstleistungen zur Verfügung.17 Unternehmen können auf nationaler und internationaler Ebene agieren und kombinieren dabei Arbeit, Werk- und Betriebsstoffe, um bestimmte Produkte herstellen zu können.18 Dabei arbeiten sie nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und beachten das Prin- zip des finanziellen Gleichgewichts. Gleichzeitig gelten für Unternehmen das Autonomie- prinzip, das erwerbswirtschaftliche Prinzip und das Prinzip des Privateigentums.19

Abbildung 2: Ziele und Bestimmungsfaktoren eines Unternehmens20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Unternehmen sind hierbei nicht nur Orte der Produktion, vielmehr auch soziale Aktionszen- tren: "Wenn von dem eigentlich untypischen Fall des 1-Personen-Unternehmens abgesehen wird, kann festgehalten werden, dass Unternehmen meist viele Personen angehören, deren Handeln der Koordination und Lenkung im Hinblick auf die Unternehmensziele bedarf."21

Daraus kann man schließen, dass Unternehmen auch soziale Systeme sind. Wenn man ein Unternehmen somit als soziales System erkennt, gewinnen die Fragen nach dem Zusammen- wirken der einzelnen Mitarbeiter, nach der Art der Arbeitsorganisation, nach der Leitung des Systems, nach der Motivation und der Bindung der Mitglieder an das Unternehmen immens an Bedeutung.

Um sich auf dem Markt behaupten zu können, muss ein Unternehmen auch nicht nur in der Lage sein, sich dem ökonomischen Druck zu stellen und ihm gerecht zu werden, sondern es muss vielmehr der Spagat zwischen sozialer und ökonomischer Perspektive schaffen. Diese zwei Perspektiven sind nicht voneinander zu trennen, sondern beeinflussen sich wechselsei- tig.22

Was ein jedes Unternehmen dabei wesentlich kennzeichnet, ist die Entstehung und Entwick- lung einer bestimmten Unternehmenskultur. Im Laufe dieser Entwicklung der Unternehmens- kultur kommen für ein Unternehmen das typische Klima, die Normen und die Werte und Grundeinstellungen zustande, die sich vor allem, aber nicht nur, in ungeschriebenen Gesetzen zeigen und äußern. Dabei wird die Kultur eines Unternehmens immer auch von dessen Ge- schichte, von Symbolen und von Ritualen geprägt. Diese Kultur ist immer auch Entwicklun- gen unterworfen.23

Ein Unternehmen hat mit seinen sozialen Aktivitäten aber nicht nur eine nach innen, sondern auch nach außen gerichtete Wirkung. Das Unternehmen ist auch immer ein Marktteilnehmer, was sich logisch aus dem Umstand erklärt, dass es Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt verkaufen möchte. Auf den Absatzmärkten, die jedes Unternehmen sich erschließen muss, treffen immer Angebot und Nachfrage aufeinander. Auf dieser Basis bilden sich die Preise, wobei Märkte immer auch ein mehr oder weniger hohes Maß an Unsicherheit aufwei- sen.24

Bei Unternehmen handelt es sich damit um Organisationen, die vor allem in komplexen, mo- dernen Gesellschaften in ihre Umwelt hineinwirken, vor allem dann, wenn sie eine gewisse ökonomische Bedeutung erlangt haben. Umgekehrt müssen sie sich aber auch ihrerseits an die Anforderungen ihrer Umwelt anpassen.25 Unter diesen Umständen werden Unternehmen, vor allem dann, wenn man es mit "komplexen Großorganisationen"26 zu tun hat, "zu bedingten und bedingenden Momenten wirtschaftlichen und sozialen Wandels in modernen Gesellschaf- ten."27

3.1.2 Operational Excellence (OPEX)

Die Abkürzung steht dabei für „Operational Excellence“. In der Literatur wird Operational Excellence als „ die dynamische Fähigkeit zur Realisierung von effizienten und effektiven Kernprozessen der Wertschöpfungskette durch die integrative Nutzung und Gestaltung von technologischen, kulturellen und organisatorischen Faktoren auf der Basis der Strategie “ 28 definiert.

„Operational Excellence“ ist somit kein Konzept, das nur den reinen Ist-Zustand verbessern soll, sondern es wird als ein kontinuierlicher Prozess gesehen, mit dem ein Unternehmen auf die Herausforderungen und Chancen der heutigen Wirtschaft reagieren und seine Wettbewerbsvorteile ausbauen kann. „ Operational Excellence repräsentiert die operationsbezogene Teilmenge der dynamischen Fähigkeiten eines Unternehmens, Wettbewerbsvorteile in einem dynamischen Umfeld zu generieren “ .29 Es ist also nicht das Ziel, nur die Effizienzsteigerung des Produktions- oder Dienstleistungsprozesses zu steigern, sondern es sollen alle Prozesse im Unternehmen auf das Konzept OPEX ausgerichtet werden.

Das Consultingunternehmen OECplus, das OPEX im Angebot hat, definiert es als ein allumfassendes Optimierungsprogramm für Unternehmen. Das Ziel der damit verbundenen Optimierungsprozesse ist die Ausrichtung des jeweiligen Unternehmens auf Kundenbedürfnisse, Qualität und Effizienz.30

Auf dieser Definition aufbauend bietet das Consultingunternehmen - Operational Excellence - Programme an, in denen es darum geht, Problemursachen schnell zu erkennen. Außerdem soll OPEX ein gleichermaßen schnelles, flexibles und angemessenes Reagieren ermöglichen. Da- bei geht es um ein abgestimmtes Zusammenspiel von Qualitätsmanagement, Lean- Management, Prozessmanagement und Führung im Sinne von Leadership-Excellence, Team- work, Multi-Project- und Verbesserungsmanagement, Kommunikation und Motivation.31

Damit ist OPEX nicht nur als das Angebot eines oder mehrerer Programme zur Optimierung des Unternehmenserfolges zu sehen, sondern muss, wenn eine Firma es konsequent betreibt, vor allem auch in seiner Prozesshaftigkeit wahrgenommen werden. Dies kommt in der Defi- nition zum Ausdruck, mit der die Universität Berkeley OPEX beschreibt, das sie in der eige- nen Einrichtung durchgeführt hat: „ Operational Excellence is a multi-year, multi-project ef- fort to make the operations of UC Berkeley more efficient so that the University may direct more resources away from administrative expenses and toward teaching and research."32

Im Zuge der Umsetzung des Operational Excellence wurden an der University of Berkeley mehr als 40 Projekte durchgeführt und evaluiert. Separate Teams stellten dabei die Koordina- tion zwischen den Bereichen sicher. Hierfür wurde auch ein eigenes Office-Programm zur Verfügung gestellt. Das OPEX-Programm erstreckte sich über mehrere Jahre.33

OPEX, im Sinne einer Optimierung wird somit zu einem ganzheitlichen Prozess, der alle relevanten Bereiche eines Unternehmens erfasst und vor allem das Management in die Verantwortung nimmt, immer bezogen auf das Gesamtziel der Unternehmensoptimierung unter dem Aspekt der Kundenzufriedenheit und der Absatzsteigerung.

Abbildung 3: Zielrelevante Bereiche für OPEX34

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

3.2 Begründung für die Notwendigkeit von OPEX

In den folgenden Abschnitten wird der Frage nachgegangen, warum der offensichtliche Bedarf an Operational Excellence gestiegen, ja warum, OPEX vielleicht sogar zu einer Notwendigkeit geworden ist.

3.2.1 Der technologische Wandel

Eine der wichtigsten Ursachen für die immer weiter gestiegene Notwendigkeit von OPEX ist in dem technologischen Wandel zu suchen, der schon in der Vergangenheit zu hochgradigen Anpassungsleistungen geführt hat und die Unternehmen zur Flexibilität und zum kontinuierli- chen Einsatz von OPEX-Maßnahmen zwingen wird, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wol- len.

Dabei ist der Begriff des Wandels so zu verstehen, wie die Soziologie ihn definiert: Der Wan- del ist ausdrücklich von der Veränderung zu unterscheiden, der sowohl das soziale als auch das politische und vor allem das wirtschaftliche Leben ständig unterliegt.35 Unter dem sozialen Wandel wird die Gesamtheit aller Veränderungen verstanden, die sich in einem bestimmten Zeitabschnitt in der Struktur eines sozialen Systems ereignen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Struktur eines sozialen Systems für regelmäßige Abläufe, bereits konsolidierte Rollen, Organisationsmuster und fest etablierte Hierarchien steht, also eine Ord- nung darstellt, die eine gewisse Veränderungsresistenz aufweist. Gleichzeitig wird die Vo- raussetzung zugrundgelegt, dass relativ kleine, auch in großer Zahl ablaufende Veränderun- gen gerade für moderne, hochkomplexe Gesellschaften typisch sind.36

Wandel wird im weiteren und im engeren Sinne definiert. Dabei versteht man unter Wandel im weiteren Sinne tiefgreifende Auswirkungen auf die makrosoziologische Perspektive. Wandel im engeren Sinne betrifft tiefgreifende Veränderungsprozesse in einem bestimmten sozialen System. Hierbei hat man es mit einem einschneidenden Regelwechsel zu tun, der alle bisherigen Selbstverständlichkeiten, Praktiken und Rollen in Frage stellt.37 "Theorien des sozialen Wandels sehen den hauptsächlichen Wandlungsmechanismus entwe- der im gesellschaftlichen Binnenraum [...], im Bevölkerungsdruck [...] oder in der Technolo- gie und in physischen Umweltveränderungen. Demgegenüber betont ein breiter Theoriestrom

[...] den Außenkontakt mit anderen Gesellschaften: Wandel als Folge des Wettbewerbs oder

des Kulturkontakts zwischen Gesellschaften oder als Folge der Integration/Absorption in gr öß ere soziale Systeme."38

Ein Grund für die Wandlungsprozesse, die vor allem seit Mitte der 1980er Jahre verstärkt zu beobachten sind, ist auch in dem technologischen Wandel zu sehen, der seit dieser Zeit einge- setzt hat:

Durch die elektronische Datenverarbeitung, durch ihren Einsatz in allen InformationsKommunikations-und Produktionsbereichen, durch die Entwicklung neuer Kommunikationsmedien und numerisch gesteuerter Planungs- sowie Produktionsprozesse wurde eine weitere Stufe der Entwicklung der Industriellen Revolution erreicht.39 "Die Neuen Technologien sind die instrumentelle Basis der sich seit ca. 1970 herausbildenden Informationsgesellschaft, auch Informations- und Wissensgesellschaft genannt."40

Insbesondere die Digitalisierung machte es möglich, Arbeitsvorgänge nicht nur innerbetrieblich, sondern auch über große geographische Räume hinweg auf kürzeste Zeit miteinander zu vernetzen.41 Gleichzeitig hat die permanente rasante Weiterentwicklung, vor allem in der Informationstechnologie, die Notwendigkeit mit sich gebracht, ständig auf dem neuesten technischen Stand sein zu müssen.

Unternehmen "werden, glaubt man den Zukunftsdesignern, nicht mehr in Werkshallen, Büro türmen und Stammbelegschaften bestehen, sondern nur noch in Teams, deren Mitglieder lo cker zur Lösung eines Problems [oftmals auch] kommunizieren, heute hier, morgen in ganz anderer Zusammensetzung in Sao Paulo oder Sidney."42

Konkret auf ein Unternehmen bezogen bedeutet dies, dass Rationalisierungsprozesse gegebenenfalls zu einer Freisetzung von Mitarbeitern führen und auch die Notwendigkeit mit sich bringen, die Beschäftigten kontinuierlich weiterzubilden. Die Veränderungen in der Arbeitsstruktur lassen alte Berufsgruppen verschwinden und neue entstehen.43

Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Zahl der Erwerbstätigen in den verschiedenen Berufsgruppen bereits in der Zeit von 1950-2002 in Deutschland verändert hat:

Tabelle 1: Wandel der Zahl der Erwerbstätigen nach Berufsgruppen und der Stellung im Beruf44

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

3.2.2 Die Globalisierung

Unter dem Begriff Globalisierung wird in der Literatur seit Jahren gestritten. Es gibt unterschiedliche Definitionen, Bewertungen und Urteile und im Zuge dieser Arbeit soll daher die folgende Definition als gültig erachtet werden.

Unter Globalisierung wird eine ökonomische Aktivität verstanden die gleichzeitig als Zustand und als Prozess betrachtet werden muss, indem die Folgen der Globalisierung mit in die Defi- nition einfließen. Internationalisiert und vernetzt werden nicht nur Kapitalströme, sondern auch Rohmaterialien, Arbeitsmärkte, Informationen, Organisation und Management.45 Ande- ren Autoren heben die Bedeutung von finanz- und unternehmensbezogenen Dienstleistungen hervor.46 Ein weiterer Aspekt der Globalisierung ist, dass die Aktivitäten von internationalen und transnationalen Unternehmen die unterschiedlichen Märkte der Welt zusammenführen.

Treibende Faktoren sind dabei die Verlagerung der Produktion, die Diversifizierung von Dienstleistungen und Produkten sowie die Direktinvestitionen in anderen Ländern.47

Als wichtigste Ursachen sind dabei die politische Deregulierung nationaler Wirtschaften und die modernen Transport- und Kommunikationsmittel zu nennen.48

Alle Folgen der Globalisierung lassen sich noch nicht abschätzen und sind auch nicht klar definiert, daher sollen im Rahmen dieser Arbeit nur jene genannt werden, die direkt mit dem Thema OPEX im Zusammenhang stehen:49

- Deregulierung nationaler Märkte
- Senkung von Lohn-und Lohnnebenkosten
- Verlagerung in Länder mit niedrigen Löhnen
- Steigende Tendenz zu Oligopolen
- Verstärkter Standortwettbewerb
- Verstärkter Wettbewerb durch Markteintritte ausländischer Firmen

Dabei ist für die Globalisierung kennzeichnend, dass bei dieser arbeitsteiligen Produktion nach dem komparativen Kostenvorteil produziert wird. Dies gilt nicht nur für das Endprodukt, sondern für nahezu jedes Einzelteil des jeweiligen Artikels.50 In Zahlen und Fakten stellt die Globalisierung sich bezogen auf Deutschland u.a. folgendermaßen dar:

[...]


1 vgl. Gleich/Sauter, (2008): S. 21-22.

2 vgl. Wassermann AG, (o. J.): S. 1 & ROI Management Consultants (o. J.): S. 1.

Hierbei handelt es sich nur um die ersten zwei Beispiele. Natürlich kann eingewendet werden, dass an Unternehmensberatung generell ein großer Bedarf besteht, aber OPEX ist ein sehr weit gefasster Begriff, den jede Unternehmensberatung mit im Angebot haben dürfte.

3 vgl. Kaminski, (2005): S.18-19.

4 vgl. Statista, (2012a): S. 1.

5 vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an: Statista, (2012a): S. 1.

6 vgl. Statista, (2012c): S. 1.

7 vgl. Statista, (2012a): S. 1.

8 vgl. Bauer, (2007): S. 21.

9 vgl. Hopfensperger, (2009): S. 1.

10 vgl. Hopfensperger, (2009): S. 1.

11 vgl. Sahner, (2004): S. 609.

12 vgl. Schurz, (2004): S. 97.

13 vgl. Schurz, (2004): S. 97-98.

14 vgl. Universität Düsseldorf (o. J.): S. 1.

15 vgl. Angehrn, (2004): S. 780-781.

16 vgl. Domschke, Scholl, (2008): S. 5.

17 vgl. Kaminski, (2005): S. 223.

18 vgl. Kaminski, (2005): S. 228.

19 vgl. Kaminski, (2005): S. 224.

20 vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an: Schierenbeck, (2003): S. 225.

21 vgl. Weber, (2005): S. 14.

22 vgl. Weber, (2005): S. 16.

23 vgl. Schneck, (2011.): S. 1003.

24 vgl. Weber, (2005): S.19.

25 vgl. Büschges, (2004):S. 392.

26 vgl. Büschges, (2004.): S. 392.

27 vgl. Büschges, (2004.): S. 392.

28 vgl. Gleich/Sauter, (2008): S.23.

29 vgl. Gleich/Sauter, (2008): S.23.

30 vgl. OEC plus (o. J.): S. 1ff.

31 vgl. OECplus, (o.J.): S. 1ff.

32 vgl. University of California, Berkeley (o. J.): S. 1.

33 vgl. University of California, Berkeley (o. J.): S. 1. Hier taucht natürlich die Frage auf, inwieweit eine Universität als Beispiel genommen werden kann, wenn es darum geht, OPEX an Firmen zu demonstrieren und zu analysieren. Hier kann als Gegenargument dienen, dass auch die Universität eine Consulting -Firma engagierte, die auf die Beratung von Unternehmen im Bereich der Privatwirtschaft spezialisiert war. Außerdem wird aus der Homepage der Universität ersichtlich, dass es sich nicht um eine staatliche Einrichtung handelt, sondern um eine private Universität, die sich im nationalen Ranking unter den zehn besten Universitäten befindet.

34 vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an: Gleich/Sauter, (2008). S.26.

35 vgl. Bornschier, (2004): S. 681.

36 vgl. Bornschier, (2004): S. 681.

37 vgl. Bornschier, (2004): S. 681.

38 vgl. Bornschier, (2004): S. 685.

39 vgl. Schäfers, (2004): S. 191.

40 vgl. Schäfers, (2004): S. 191.

41 vgl. Schäfers, (2004): S. 192.

42 vgl. Hondrich, (1997): S. 37.

43 vgl. Schäfers, (2004): S. 194-196.

44 vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an: Schäfers, (2004): S. 195.

45 vgl. Castells (2004): S. 202-203.

46 vgl. Sassen (2004): S. 203.

47 vgl. Dicken (2004): S. 203.

48 vgl. Friedchrichs (2004): S. 203.

49 vgl. Friedchrichs (2004): S. 203.

50 vgl. Schubert/Klein, (2010): S. 1.

Details

Seiten
59
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656955634
ISBN (Buch)
9783656955641
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v299129
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Department für Management Institut für Change Management und Management Development
Note
1,0
Schlagworte
operational excellence verifiziert automobilunternehmen audi

Autor

  • Arthur Ritter (Autor)

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Titel: Operational Excellence. Verifiziert an den Automobilunternehmen BMW und Audi