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Die Weimarer Republik. Entwicklung, Goldene Zwanziger, Aufbau, Literatur und Untergang

Zusammenfassung 2010 21 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Unterteilung in Zeitabschnitte

2. Entwicklung der Weimarer Republik (1918 - 1924)

2.1 9. November
2.2 10. November
2.3 Entscheidung für die Nationalversammlung
2.4 Weimarer Verfassung
2.5 Versailler Vertrag
2.6 Kapp-Putsch
2.7 Hyperinflation

3. Goldene Zwanziger (1924 -1928/29)
3.1 Dawes-Plan
3.2 Locarno-Vertrag
3.3 Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten
3.4 Der Streit um die Fürstenenteignung

4. Untergang ab 1929
4.1 Kabinett Brüning
4.2 Kabinett von Papen und von Schleicher
4.3 Ernennung Adolf Hitlers

5. Parteien in der Weimarer Republik

6. Verfassungsorgane: Weimarer Republik und BRD

7. Literatur in der Weimarer Republik
7.1 Film
7.2 Schriftsteller organisieren sich
7.3 Zensur
7.4 Zwei Autoren
7.4.1 Erich Maria Remarque
7.4.2 Bertolt Brecht

Die Weimarer Republik

1. Einleitung

Die Weimarer Republik

- bezeichnet das Deutsche Reich in den Jahren 1918/19 bis 1933
-Beginn der Epoche mit der Abdankung des Kaisers am 09. November 1918 bzw. der Weimarer Verfassung am 11. August 1919
-Ende der Epoche mit der Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933
- Bezeichnung nach der thüringischen Stadt Weimar, Tagungsort der verfassunggebenden Nationalversammlung

1.1 Unterteilung in drei Zeitabschnitte:

- 1919-1923: Krisenjahre, zahlreiche Umsturzversuche, Hyperinflation durch die Kriegsfolgen (=Reparationszahlung)
- 1924-1929: relatives Stabilität, wirtschaftliche Erholung, das außenpolitische Ansehen Deutschlands steigt wieder
- 1929-1933: Weltwirtschaftskrise, Aufstieg der Nationalsozialisten = dies führt zum Untergang der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik stellte den ersten demokratischen Verfassungsstaat in Deutschland dar und war zu ihrer Zeit eine der fortschrittlichsten Verfassungen überhaupt. Es war nach der Märzrevolution von 1848 der zweite (und erste erfolgreiche) Versuch, eine liberale Demokratie in Deutschland zu etablieren. Das Entstehen dieses Staates entsprach dem Mehrheitswillen des deutschen Volkes, unddennoch lagen von Anfang an und während der gesamten kurzen Zeit der Republik Schatten darüber. Unter anderem sind folgende Gründe zu nennen:

1. Deutschland und Europa waren durch den Ersten Weltkrieg verarmt und ökonomisch schwer angeschlagen. Die Weimarer Republik musste die Schulden des Kaiserreiches und die im Versailler Vertrag auferlegten Lasten (Reparationszahlungen) übernehmen.
2. Weimarer Staat = „konservative Republik“͘ In vielen wichtigen Bereichen und Positionen, z.B. in der Verwaltung, der Justiz und dem Militär wurden das Personal und die Beamten aus der Kaiserzeit wieder eingesetzt bzw. übernommen.
3. Die frühe Machtübergabe der alten Herrscher wurde der neuen Regierung zum Verhängnis und führte zur sogenannten Dolchstoßlegende (= die Rechte machte die Anhänger der Republik für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich, beschimpfte sie als „Novemberverbrecher“ und unterstellte ihnen, sie hätten das im Felde unbesiegte deutsche Herr mit der Revolution von hintenerdolcht.)

In den 14 Jahren der Weimarer Republik gab es ca. 20 Kabinettwechsel, im Reichstag war eine Vielzahl von bis zu 17 verschiedenen Parteien vertreten.

Ab 1930 regierte man mit Hilfe von Notverordnungen (Artikel 48 der Weimarer Verfassung) anstelle von Gesetzen. Die republik- und demokratiefeindlichen Parteien (NSDAP, rechtskonservative DNVP

und die Kommunistische Partei Deutschlands) verfügten seit dem Sommer 1932 über eine absolute Mehrheit im Reichstag.

2. Entwicklung der Weimarer Republik (1918-1923)

Die Weimarer Republik ging am Ende des Ersten Weltkrieges aus der Novemberrevolution hervor. Im Verlauf der Revolution wurde die städtische Verwaltung vieler deutscher Großstädte von revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte übernommen.

Im Oktober 1918 sendete der amtierende Reichskanzler Prinz Max von Baden ein Waffenstillstandsgesuch an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Es folgte ein mehrwöchiger Notenwechsel. Die dritte Wilson- Note vom 23. Oktober 1918 forderte von Deutschland die vollständige Kapitulation und die Abdankung des Monarchen Wilhelm II. Seit September 1918 war der Obersten Heeresleitung (OHL) bereits klar, dass der Krieg für Deutschland verloren war, dennoch wollte General Erich Ludendorff die Bedingungen der Alliierten nicht annehmen und forderte die Wiederaufnahme des Krieges.

Diese Forderungen lösten allerdings den Matrosenaufstand von Kiel aus.Die Matrosen verweigerten den Gehorsam und bildeten revolutionäre Ausschüsse. Sowohl die Soldaten, als auch die Bevölkerung waren total entkräftet, verbittert und kriegsmüde. Die Revolte breitete sich in den nächsten Tagen wellenförmig aus, erst auf die übrigen Küstengarnisonen, dann ins Landesinnere.

2.1 9. November 1918

Am Morgen des 9. November 1918 erreichte die Revolution die Reichshauptstadt. Die Ereignisse überstürzten sich:

12 Uhr: Max von Baden möchte die aufgebrachten Massen beruhigen und gibt eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt

13 Uhr: von Baden übergibt das Amt des Reichskanzlers dem Vorsitzenden der SPD Friedrich Ebert und tritt selbst zurück. Dieser Akt war verfassungsrechtlich fragwürdig, denn die Ernennung der Reichsregierung stand nur dem Kaiser zu.

14 Uhr: Philipp Scheidemann ruft vom Fenster des Reichstags eine freie demokratische „Deutsche Republik“ aus

16 Uhr: auch der Sprecher des Spartakusbundes Karl Liebknecht verkündet vom Berliner Schloss eine „Freie sozialistische Republik“ nach russischem Vorbild.

Am Abend desselben Tages begab sich der Kaiser enttäuscht über den „Verrat“ durch Max von Baden, nach Holland ins Exil; Erich Ludendorff flüchtete nach Schweden.

2.2 10. November 1918:

Die SPD und die USPD bildeten den Rat der Volksbeauftragten unter gleichberechtigtem Vorsitz von Friedrich Ebert und Hugo Hasse. Von der SPD gehörten ihm Scheidemann und Otto Landsberg an, von der USPD Emil Barth sowie Wilhelm Dittmann. Der Rat der Volksbeauftragten stellte die tatsächliche Staatsspitze dar. Die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte bestätigte die provisorische Regierung, bildete allerdings zur ihrer Kontrolle einen Vollzugsrat.

Ebenfalls am 10. November versicherte sich Ebert die Unterstützung der OHL unter Führung Wilhelm Groeners, welcher der Nachfolger Ludendorffs war. Im Gegenzug garantierte Friedrich Ebert die Autonomie der militärischer Führung (Ebert -Groener-Pakt). Mit diesem Akt begab sich die neue Regierung in eine Abhängigkeit, denn die Armee war nicht besonders republikfreundlich und beanspruchte als „Staat im Staat“ ihre ngelegenheiten ohne parlamentarische Kontrolle zu regeln.

2.3 Entscheidung für die Nationalversammlung

Vom 16. bis 21. Dezember tagte in Berlin der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte. Die Delegierten traten mit einer überwältigenden Mehrheit für die Wahl zur Nationalversammlung am

19. Januar 1919 ein. Das erste Mal in der deutschen Geschichte gingen Männer und Frauen gemeinsam an die Wahlurnen - während die Männer im Krieg an den Fronten gekämpft hatten, waren es Frauen gewesen, die die Industrieproduktion, die Verkehrsmittel und die Verwaltung in Schwung gehalten hatten. Ihnen nun die politische Gleichberechtigung zu versagen, war nicht möglich. Von den 423 gewählten Abgeordneten waren 41 weiblich, also 9,6%. Weder die folgenden Reichs- noch die deutschen Bundestage haben einen so hohen Prozentsatz wieder erreicht.

Als Reaktion auf das Bündnis von SPD und der kaiserlichen Armee verließen die Vertreter der USPD am 28. Dezember 1918 empört den Rat der Volksbeauftragten. Die USPD Vertreter wurden durch Gustav Noske und Rudolf Wissell von der SPD ersetzt.

Vom 5. bis zum 12. Januar 1919 besetzten revolutionäre Arbeiter Teile der Innenstadt und das Berliner Zeitungsviertel. Sie erklärten die Reichsregierung für abgesetzt. Der Aufstand scheiterte jedoch. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden durch Mitglieder eines Freikorps heimtückisch ermordet. Diese Tat erregte Abscheu und Empörung, und weite Bevölkerungskreise fühlten sich von der SPD und ihren Kontakte zur Armeeführung verraten.

Anfang März 1919 versuchten Spartakisten einen Putsch gegen die Regierung voranzutreiben. In den sogenannten Märzkämpfen verloren 1͘200 Menschen ihr Leben („Berliner Blutwoche“)͘ Wie der Aufstand in Berlin konnte auch die von der USPD Anfang April 1919 proklamierte Münchner Räterepublik nur mit Unterstützung massiver und äußerst brutaler Einsätze niedergeschlagen werden. Nach diesen Kämpfen verlor die revolutionäre Massenbewegung entscheidend an Dynamik.

2.4 Weimarer Verfassung

Am 6. Februar 1919 trat die Nationalversammlung in Weimar zusammen. Weimar wurde als Tagungsort gewählt, weil Sicherheit und Unabhängigkeit der Volksvertreter aufgrund der Unruhen in Berlin nicht gewährleistet schien.

Die SPD, das Zentrum und die linksliberale DDP erhielten zusammen 76% der Stimmen. Die erste demokratisch gewählte Reichsregierung der deutschen Geschichte stand unter der Leitung des Reichsministerpräsidenten Philipp Scheidemann (SPD), zum Reichspräsidenten wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert (er erhält 277 von 397 Stimmen). Der linksliberale Hugo Preuß war maßgeblich verantwortlich für den Verfassungsentwurf, welcher im Juli 1919 verabschiedet wurde und am 14. August in Kraft trat. Durch die Weimarer Verfassung wurde das Deutsche Reich erstmals eine parlamentarische Demokratie mit in der Verfassung verankerten liberalen und sozialen Grundrechten. Sie begründete eine föderative Republik mit einer Mischform aus präsidialem und parlamentarischem Regierungssystem. Zahlreiche ihrer Artikel waren direkt der Paulskirchenverfassung von 1848 entnommen und flossen ihrerseits wieder in das heute geltende Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ein.

2.5 Versailler Vertrag

Die Beratungen bezüglich der Verfassung wurden allerdings durch Verhandlungen über einen Friedensvertrag in Versailles überschattet. Die Alliierten arbeiteten Friedensbedingungen aus, die für Deutschland sehr hart waren und schwerwiegende Konsequenzen hatten.

Zentrale Punkte des Versailler Vertrags:

1. Deutschland verlor alle seine Kolonien, dazu 13% seiner Fläche (Gebietsabtretungen) mit 10% seiner Bevölkerung
2. Deutschlands militärische Macht wurde stark eingedämmt. Die Wehrmacht sollte nur noch aus 100.000 längerfristig dienenden Berufssoldaten bestehen (ohne schwere Waffen, Flugzeuge, Panzer, etc.). Die Entwaffnung ließ eine allenfalls für Polizeieinsätze verwendbare Armee übrig und nahm Deutschland jede Chance, sich militärisch zu verteidigen.
3. Die deutschen „Kriegsverbrecher“ (darunter auch der Kaiser) sollten ausgeliefert werden und vor alliierte Gerichte gestellt werden.

Noch größere Empörung als diese harten Bedingungen löste allerdings der Artikel 231, der sogenannte „Kriegsschuldartikel“ aus͘ Demnach seien Deutschland und seine Verbündete als Urheber des Krieges für alle Verluste und Schäden verantwortlich.

Die meisten Parteien Deutschlands waren sich einig den Versailler Vertrag abzulehnen. Scheidemann legte sich öffentlich auf die Nichtunterzeichnung fest, falls nicht wesentliche Änderungen zugestanden würden. Die Alliierten beharrten aber auf fast alle ihrer Forderungen. Unter dem Druck der fortbestehenden Hungerblockade und der Drohung, den Krieg wieder aufzunehmen, falls Deutschland den Vertrag nicht bedingungslos annähme, erklärte sich schließlich die Mehrheit der Nationalversammlung zur Vertragsunterzeichnung bereit. Am 28. Juni 1919 erschienen zwei deutsche Bevollmächtigte, Hermann Müller (SPD) und Johannes Bell (Zentrum), in Versailles um zu unterzeichnen.

2.6 Kapp-Putsch

Nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrags mehrten sich die kontrarevolutionären Putschversuche. Im März 1920 besetzten Freikorpsverbände² das Berliner Regierungsviertel. Unter ihrem Schutz bildete sich eine konservative Putschregierung unter der Leitung des ostpreußischen Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp. Dieser wurde zum Reichskanzler ernannt, während sich die legale Reichsregierung unter Reichskanzler Bauer nach Stuttgart zurückzog. Bauer rief von dort zum Wiederstand gegen die Putschisten, und gemeinsam mit den Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Bereits nach fünf Tagen scheiterte der Putsch, in erster Linie weil die Berliner Bürokratie und die Reichswehrführung Kapp den Gehorsam verweigerten.

Die legale Regierung kehrte zwar nach Berlin zurück, aber auch in den kommenden Jahren bis 1924 kam es immer wieder zu gewaltsamen Umsturzversuchen.

2.7 Hyperinflation

Ein Verzug bei den Reparationszahlungen führte Anfang 1923 zur Ruhrbesetzung, durch französische und belgische Truppen. Angesichts der militärischen Schwäche Deutschlands, entschloss sich die Reichsregierung zum passiven Widerstand. Man rief gemeinsam mit Parteien und Gewerkschaften im Ruhrgebiet zum Streik gegen die Besatzer auf.

Für Deutschland entwickelten sich daraus allerdings enorme Kosten. Millionen Menschen in den besetzen Gebieten mussten unterstützt werden. Die Kohle, die man aus dem Ruhrgebiet nicht mehr bekam, musste nun im Ausland eingekauft werden, und da noch ein enormer Ausfall an Steuern und Zöllen hinzukam, ergab sich ein riesiges Defizit. Die seit Kriegsende unablässig steigende Inflation erhielt einen zusätzlichen Auftrieb. Deutschland trat in die traumatisierende Periode der Hyperinflation ein. Der Wert der Papiermark fiel immer schneller und erreichte im Oktober 1923 den Höhepunkt: die Mark stand gegenüber dem Dollar bei 25 Milliarden.

Gehaltszahlungen mussten sofort in Waren umgesetzt werden, weil das Geld innerhalb weniger Stunden nichts mehr wert war. Was das bedeutete beschreibt der Held in Erich Maria Remarques Roman „Drei Kameraden“: „Zweimal am Tag gab es Geld und jedes Mal eine Stunde Urlaub, damit man in den Läden rasen und etwas einkaufen konnte,bevor der nächste Dollarkurs herauskam - dann war das Geld nur noch die Hälfte wert.“

Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann (DVP) beendete schließlich den passiven Widerstand im Ruhrgebiet und löset das Problem der Inflation durch eine neue Währung. Die Einführung der Rentenmark (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermarkstoppte schließlich diese Entwicklung.

3. Goldene Zwanziger (1924 - 1928/29)

In den Jahren zwischen 1924-1928/29 erlebte die Weimarer Republik eine Phase der relativen, aber nicht der absoluten Stabilisierung.

Maßgeblich verantwortlich für die politische „Entspannung“ war Gustav Stresemann, der unter wechselenden Regierungen Außenminister blieb. Gemeinsam mit seinem französischem Kollegen Aristide Briand versuchten sie eine deutsch-französische Annährung, und erhielten 1926 für ihre Versöhnungspolitik den Friedensnobelpreis.

Außenpolitisches Hauptziel Stresemanns war die Überwindung der Isolation, in der sich Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg befand. Seine auf Ausgleich gerichtete Politik erkannte den Versailler Vertrag zunächst an, wollte ihn aber durch ein kollektives europäisches Sicherheitssystem ersetzen. Der französische Außenminister Aristide Briand suchte vorrangig unter gesamteuropäischen Gesichtspunkten den Ausgleich mit dem ehemaligen Kriegsgegner Deutschland.

3.1 Dawes-Plan

Der sogenannte Dawes-Plan, ausgearbeitet von den US-amerikanischen Finanzexperten Charles Gates Dawes, stellte die deutschen Reparationszahlungen auf eine völlig neue Grundlage.

Dawes sah vor dem Deutschen Reich Kredite, vor allem durch Gelder aus den USA, zu gewähren. Sein Plan wurde einstimmig angenommen und am 1. September in Kraft gesetzt. Bis 1929 flossen ungefähr über 20 Milliarden Mark an ausländischen Krediten nach Deutschland. Dies bescherte der Wirtschaft eine Kräftige Konjunktur und einen raschen Wirtschaftsaufschwung.

3.2 Locarno Vertrag

Vom 05. bis 16. Oktober 1925 wurden in Locarno völkerrechtliche Vereinbarungen verhandelt und am 1. Dezember 1925 in London unterzeichnet. Sie traten am 10. September 1926 mit der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in Kraft. Beteiligt an der Konferenz in Locarno waren Deutschland, Italien, Frankreich, England, Polen und die Tschechoslowakei.

Das Vertragswerk sah vor, dass das Deutsche Reich, Frankreich und Belgien auf eine gewaltsame Änderung ihrer jeweiligen Grenzen verzichteten. Deutschland erkannte damit die im Versailler Vertrag festgelegte Westgrenze an, die von Großbritannien und Italien garantiert wurde: Bei einem Angriff Deutschlands auf Belgien oder Frankreich (wie 1914) oder aber einem Einmarsch belgischer oder französischer Truppen in Deutschland (wie 1923) würden die Garantiemächte militärisch auf Seiten des Angegriffenen eingreifen.

Deutschlands Außenpolitik war jedoch nicht einseitig nach dem Westen orientiert. Der am 24. April 1926 abgeschlossene Berliner Vertrag stellte ein deutsch-sowjetisches Freundschafts- und Neutralitätsbündnis dar. Es baute die handelspolitischen und militärischen Beziehungen beider Länder weiter aus.

Mit den Verträgen von Locarno und Berlin durchbrach Deutschland nun endgültig seine außenpolitische Isolation und trat wieder in den Kreis der führenden europäischen Mächte ein. Bei den Westmächten stieß der deutsche Wunsch nach Souveränität und Gleichberechtigung auf Verständnis.

Weitere Stationen auf dem Weg der Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern bildeten die Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Pakts, der die Ächtung des Krieges als Instrument der Politik zum Inhalt hat, und - trotz erheblicher Widerstände von rechter Seite, die in einem Volksbegehren mündeten - die Annahme des Young-Plans, der die Reparationsfrage endgültig regelte und Voraussetzungen für die vorzeitige Räumung des Rheinlands von alliierter Besatzung war.

Bei den Reichstagswahlen im Dezember hatten sowohl die republikfeindliche völkische Rechte, als auch die Kommunisten starke Verluste zu verzeichnen. Die kräftigen Gewinne der Sozialdemokraten zeigten deutlich eine wieder ansteigende Akzeptanz für die Demokratie innerhalb der Bevölkerung.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656957799
ISBN (Buch)
9783656957805
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298958
Institution / Hochschule
Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης - Thessaloniki
Note
1,5
Schlagworte
weimarer republik entwicklung goldene zwanziger aufbau literatur untergang

Autor

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