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Der völkerrechtliche Status der Antarktis

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 20 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Geschichte der Antarktis
2.1. Fakten und Daten zur Antarktis ( Rohstoffe, Landmassen, Touristik)
2.2 Erforschung und Erschließung der Antarktis. Erster Zündstoff für Konflikte

3.0 Aufkommender Bedarf an Regelungen und Verträgen
3.1 Ansprüche der Anrainer- und Entdeckungsstaaten
3.2 Der Antarktisvertrag
3.2.1 Erläuterung des Vertragsstaatensystems (Konsultativstem)
3.3 Probleme der Antarktis im Völkerrecht

4.0 Ausblicke auf zukünftige und aktuelle Problemfelder der Antarktis
4.1 Technischer Fortschritt und die mögliche Erschließung der Bodenschätze
4.2 Tourismus in der Antarktis

5.0 Zusammenfassung und Schluss

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

„Man stelle sich ein Land vor, so groß wie Australien und Europa zusammen. Sonniger als Kalifornien und doch kälter als das Gefrierfach eines Kühlschranks. Trockener als Arabien und höher als die bergige Schweiz. Leerer als die Sahara. Es gibt nur einen Ort auf der Welt, auf den diese Beschreibung zutrifft. Die Antarktis - dieser fremde, aber wunderschöne Kontinent im untersten Teil der Erde“1

Dieses Zitat soll vor allem die verschiedenen Seiten dieses Kontinentes darstellen. Es ist letztlich ein einziger Superlativ im Kontrast zu den restlichen Kontinenten. Die Frage, welcher in dieser Arbeit nachgegangen werden soll, ist die Veränderung der Sichtweisen der Staaten auf die Antarktis.

Der Wandel von einem Forschungsort, wo man freundschaftlich und offen entgegengetreten ist und die Antarktis ein Ort der Kooperation darstellte ( auch gegen sonstige Konflikte wie dem kalten Krieg etc.) zumindest aber einer Koexistenz scheint vorüber zu gehen. Durch stetigen technologischen Fortschritt erscheinen Pläne über die Erschließung und Förderung der Bodenschätze der Antarktis als nicht mehr so utopisch, wie dies zu Beginn der Vertragsgestaltungen angenommen wurde. Auch klimatische Veränderungen lassen durchaus Hoffnung aufkeimen zu den Rohstoffen vorzudringen.

Diese Arbeit versucht sodann einen Schulterschluss zwischen historischen Verläufen und Vertragsgestaltungen hin zu einer kontroversen Diskussion über die aktuelle Situation und die Zukunftsausblicke der Antarktis. Das Ganze soll unter geschichtlicher und aktueller Veränderungen hinsichtlich der Völkerrechtlichen Stellung und den völkerrechtlichen Verträgen und Abkommen betrachtet werden.

Die Ansprüche an Landmassen der Antarktis welche Anrainer- und Entdeckerstaaten angemeldet haben, gilt es ebenso zu überprüfen und zu ermitteln woher diese Ansprüche kommen und ob diese Völkerrechtlich und politisch gerechtfertigt sind. Weiter soll das ursprüngliche Vertragswerk untersucht werden und daraufhin unter Berücksichtigung der Ergebnisse ein Versucht unternommen werden, welche Anpassungen oder Veränderungen sinnvoll wären.

2.0 Geschichte der Antarktis

Zuerst müssen hier die korrekten Termini zur genauen Bestimmung der Gebiete des antarktischen Raumes definiert werden.

In der Umgangssprache meint man oft fälschlicherweise mit Antarktis lediglich den Landkontinent. Also nur die tatsächliche Landmasse, sowie die Eisgebiete. Korrekterweise muss jedoch unterschieden werden zwischen „Antarktika“ und der Antarktis.

Antarktika ist der tatsächliche Landkontinent der eine Größe von ungefähr 14.000.000 km² hat. Antarktika beherbergt den geographischen Südpol der Erde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12

Antarktis aufgenommen und zusammengesetzt aus Satellitenfotos „Blue Marble“

Die Antarktis hingehen bezeichnet die komplette Landmasse der Antarktika sowie die Meeresgebiete (Südlicher OzeanàSüdpolarmeer). Mit der Erweiterung durch die Meeresgebiete erreicht die Antarktis eine Ausdehnung von insgesamt rund 21.200.000 km².

Das exakte Datum der Entdeckung der Antarktis kann nicht ermittelt werden, da sich um den Entdeckungszeitraum zahlreiche verschiedene Erkundungsexpeditionen in den Gewässern der Antarktis befanden. Zuvor war es jedoch James Cook der erstmals 1773 erstmal den südlichen Polarkreis kreuzte.3

Im Jahre 1820 waren es 2 Marine-Kapitäne) der russische Kapitän von Bellingshausen, der britische Kapitän Bransfield) und ein US-Amerikanischer Robbenjäger (Palmer) die erstmals die Antarktis sichteten. Die Sichtungen der 3 Seefahrer fanden alle innerhalb weniger Tage bzw. Wochen statt. Die erste Landlandung fand sodann ein Jahr später durch einen US-Amerikanischen Robbenjäger namens John Davis statt.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen den geographischen Südpol zu erreichen, war es am 14.12.1911 dem Norweger Roald Amundsen geglückt und die norwegische Flagge wurde aufgestellt.

Ab den 1920er Jahre wurde zunehmend per Flugzeugen kartographiert und durch viele Film- und Fotoaufnahmen ermöglicht die Dimensionen und topographischen Gegebenheiten zu verstehen.

2.1. Fakten und Daten zur Antarktis ( Rohstoffe, Landmassen, Touristik)

Wie in Kapitel 2.0 beschrieben umfasst die Landmasse der Antarktika ungefähr 14.000.000 km², genau kann man es nicht bestimmen, da unter den kilometerdicken Eisschichten mitunter auch Wasser und Wassergräben zu finden sind. Das höchste Gebirge der Antarktis ist mit 5140 Metern das Vinson-Massiv.

Ein interessanter Punkt zu dem Vereisungsgrad der Antarktis ist, dass ca. 90% des auf der Erde vorkommenden Eises und somit rund 75% des weltweit verfügbaren Süßwassers in den bis zu 4500 Meter dicken Eisschichten der Antarktis beherbergt sind.4 Nur ca. 2,4 Prozent der kompletten Antarktis sind Eisfrei.

Somit ist der Landmassen-Kontinent Antarktika größer als Australien, jedoch geringfügig kleiner als Europa. Man kann sich hier schon vorstellen, dass es um einen riesigen Abschnitt von erschließbarem Grund geht, der nahezu unberührt ist.

Aktuelle Forschungsergebnisse aber auch Schätzungen ergeben ein Reichhaltiges Vorkommen an Rohstoffen.

So werden die gesamten Kohlevorkommen auf ca., 16,9 Milliarden Tonnen geschätzt.5

Zudem wird angenommen dass es riesige Erdöl (ca. 45 Milliarden Barrel), Erdgas (326 Billionen Kubikmeter)6 gibt. Ebenfalls vorhanden sind Edelmetalle, Buntmetalle, Eisen und Stahlveredler sowie Uran. Die folgende Grafik zeigt die bisher angenommene Verteilung der Rohstoffe auf den Land- und Seemassen der Antarktis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung Nr. 27

Die Abbildung Nr. 2 zeigt auf, dass die Rohstoffe unregelmäßig verteilt sind und die begehrten Erdöl Vorkommen lediglich an 2 Stellen vermutet werden. Unabhängig von den technischen Möglichkeiten und den zu erwartenden Kosten, stellt sich hier bereits die Frage nach einer fairen Verteilungsmöglichkeit. In wie weit hier bereits durch Völkerrechtliche Verträge Regelungen entstanden sind, wird in den nächsten Kapiteln näher beschrieben.

2.2 Erforschung und Erschließung der Antarktis. Erster Zündstoff für Konflikte

Nach der Entdeckung der Antarktis im Jahre 1820 und der ersten Landbegehung, war ein Umschwung in den Anstrengungen erkennbar. Ging es zuvor noch vorrangig um das Prestige „der Erste“ zu sein, waren nun eher wissenschaftliche Interessen die Antarktis-Expeditionen vorantrieben.

Durch die beginnende Vermessung und Kartographierung via Flugzeugen in den 1920er Jahren wurde der Grundstein für die nachfolgenden Expeditionen gelegt.

Nach dem 2. Weltkrieg fand im Jahr 1946 / 1947 die erste Großexpedition in die Antarktis statt und es wurden erste antarktische Forschungsstationen errichtet. 8

Durch die immer größer werdende Anzahl von Staaten die Expeditionen veranstalteten und Stationen einrichteten, musste eine Lösung für die Nutzung der Antarktis erarbeitet werden. Es kam im Jahr 1959 zu dem Antarktisvertrag ( vgl. Kapitel 3.2 dieser Arbeit ) welcher ein Meilenstein für die kommenden Jahrzehnte der Antarktis Forschung und Erschließung werden sollte.

Da in dieser Arbeit noch konkret und detailliert auf die Vertragsgestaltung eingegangen wird, sei hier nur in Kürze angemerkt, dass 1959 die Verhandlungen unter den Konsultativstaaten sehr freundschaftlich und respektvoll vonstattengingen. Es waren schlicht keine wirtschaftlichen Interessen vorhanden, da mit dem damaligen technischen Stand keine realistische Erschließung von Rohstoffen in der Antarktis möglich war. Es blieb demnach zuerst ein rein wissenschaftliches Untersuchungsobjekt, welches in Kooperation besser zu bearbeiten war. Durch die stetig fortschreitenden technischen Möglichkeiten und diversen Umwelteinflüssen (wie z. B. die klimatische Erwärmung und daraus folgend eine Schmelze des Eises), wird die wirtschaftliche Nutzung zunehmend interessanter. Es ist demnach zu untersuchen ob eine wirtschaftliche Nutzung grundsätzlich nach aktuellem Völkerrecht möglich ist und wenn ja, wie diese konkret aussehen kann.

3.0 Aufkommender Bedarf an Regelungen und Verträgen

Was der Völkerrechtsberater Dr. Martin Ney bei einer Forschungsexpedition in die Antarktis beiläufig bemerkte, kann wohl auf den generell und ursprünglichen Geist antarktischer Forschung ausgelegt werden. Herr Dr. Ney äußerte sich über den Umgang miteinander mit den Worten „In der Antarktis ist man per Du“9.

Gerade zu Beginn der Antarktisexpeditionen im beginnenden 20. Jahrhundert, trat man sich trotz der immer wieder problematischen politischen Lagen, überwiegend freundlich gegenüber und unterstützte sich. Die dortigen Bedingungen ließen es schlichtweg nicht zu wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Durch die harten Bedingungen von bis zu -50° Celsius und Kilometer dicke Eisschichten war es zu Beginn nicht möglich die Bodenschätze wirtschaftlich zu Erschließen.

Auf dem politischen Parket wurden jedoch von Beginn an Ansprüche an Gewisse Gebiete angemeldet. Es gab teils diffuse Begründungen für die Ansprüche. Da es sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch aus politischer Sicht wichtig war klare Verhältnisse auf dem einzigartigen Kontinent zu haben, wurden rufe, vor allem durch die Wissenschaft laut, dies vertraglich zu regeln. 10

In den folgenden Kapiteln dieser Arbeit soll nun auf die jeweiligen Ansprüche der beteiligten Länder eingegangen werden und wie die Staaten diese begründen.

Weiter wird der Antarktisvertrag vorgestellt. Dieses Multinationale Abkommen, soll im Detail betrachtet werden und seine Völkerrechtliche Auswirkung dargestellt werden.

Zudem sollen Besonderheiten des Vertragswerkers herausgearbeitet werden und die Konsequenzen für kollidierendes Internationales Recht dargestellt werden.

3.1 Ansprüche der Anrainer- und Entdeckungsstaaten

Die Entdeckung der Antarktis im 19. Jahrhundert war der Startschuss zu einem Jahrzehnte dauernden Ziehen und Rangeln um die Ansprüche an Territorien der Antarktis. Vor allem 7 Staaten haben die Antarktis mehr oder weniger unter sich verteilt, wobei hier auch Überlappungen der Ansprüche festzustellen sind.11 Im Folgenden sollen nun diese Staaten benannt und Ihre Begründungen für die gestellten Ansprüche vorgestellt werden.

Um einen kleinen Überblick über die aktuellen Ansprüche und deren Ausmaß zu vermitteln diene hier folgende Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Gebietsansprüche in der Antarktis12

[...]


1 Zitat von J. M. Dukert, Antarktis Forscher

2 Grafik aus Wikipedia: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Antarctica_6400px_from_Blue_Marble.jpg

3 Vgl. Geschichte der Antarktis, http://www.antarktis-station.de/antarktis/geschichte/

4 Vgl. Daten und Fakten über die Antarktis http://www.antarktis-station.de/antarktis/datenueberdenkontinent/

5 G.I. Kameneva, Y.V. Mikhal'skiy: Major features of the distribution of coal-bearing deposits in Antarctica. In: Antarktika. Band 24, Leningrad 1985, S. 65–75.

6 Vgl. Central Intelligence Agency: Polar Regions: Atlas, National foreign assesment center, 1978

7 http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=Infothek_artikel & extra=TERRA-Online%20/%20Gymnasium & artikel_id=388084 & inhalt=klett71prod_1.c.313893.de

8 Vgl. http://www.polar-kreuzfahrten.de/polarlexikon/antarktis/geographie-klima/geschichte/erschliessung-der-antarktis.html

9 Interview mit Herrn Dr. Martin Ney, Völkerrechtsberater des Auswärtigen Amts, abgerufen unter http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/InternatRecht/Aktuell/130204-Antarktis-Inspektion.html

10 Festgelegte Leitlinie von Wissenschaftlern in dem Internationalen Geophysikalischen Jahr. Hier wurden zudem Rufe nach besserer Internationaler Zusammenarbeit laut.

11 Vgl. Hobe, Stephan (2008): Einführung in das Völkerrecht, 9. Aktualisierte und erweiterte Auflage, Stuttgart, Seite 490f

12 Abgerufen unter http://de.rian.ru/images/26270/58/262705815.jpg

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656953371
ISBN (Buch)
9783656953388
Dateigröße
925 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298934
Institution / Hochschule
Hochschule für Politik München
Note
3,0
Schlagworte
Antarktis Russland USA Deutschland ÖL Bodenschätze Auseinandersetzungen

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