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Die Aktualität von Walter Euckens Prinzipien der Wirtschaftspolitik im Lichte der Staatsschuldenkrise

Bachelorarbeit 2015 72 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Person Walter Eucken
2.1 Kurzbiographie
2.2 Walter Eucken und sein Wirken in der Freiburger Schule

3 Grundlagen einer Volkswirtschaft
3.1 Funktionsweise einer modernen Volkswirtschaft
3.1.1 Preisbildung und Allokation
3.1.2 Marktformen und Wettbewerb
3.1.3 Idealtypische Wirtschaftsordnungen und ihre Kritik
3.2 Typen von Wirtschaftsordnungen in der Historie
3.2.1 Laissez-Faire
3.2.2 Zeitalter der Experimente
3.2.3 Soziale Marktwirtschaft
3.3 Unterteilung der Wirtschaftspolitik
3.3.1 Die Ordnungspolitik
3.3.2 Die Prozesspolitik

4 Die wirtschaftspolitischen Prinzipien Walter Euckens
4.1 Die konstituierenden Prinzipien
4.1.1 Primat der Währungspolitik
4.1.2 Funktionierendes Preissystem
4.1.3 Offene Märkte
4.1.4 Privateigentum
4.1.5 Vertragsfreiheit
4.1.6 Haftungsprinzip
4.1.7 Konstanz der Wirtschaftspolitik
4.2 Die regulierenden Prinzipien
4.2.1 Das Monopolproblem
4.2.2 Die Einkommensverteilung
4.2.3 Externe Effekte
4.2.4 Anormales Verhalten des Angebots

5 Die Staatsschuldenkrise
5.1 Ausgangspunkt Finanzmarktkrise
5.2 Weiterführende Ursachen der Staatsschuldenkrise

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Walter Eucken

Abbildung 2: Die Informationsfunktion des Preises

Abbildung 3: Die Nachfragekurve

Abbildung 4: Die Angebotskurve

Abbildung 5: Substitutionsgüter

Abbildung 6: Komplementärgüter

Abbildung 7: Angebot und Nachfrage

Abbildung 8: Höchst- und Mindestpreise

Abbildung 9: Marktformen

Abbildung 10: Wirtschaftsordnungen

Abbildung 11 Cournotsche Monopollösung

Abbildung 12: Anstieg der Schuldenquote 2008-2015 in den G 20 Staaten

1 Einleitung

Aus wirtschaftspolitischer Sicht leben wir in historischen Zeiten. Ob Finanzmarktkrise, Staatsschuldenkrise, Rettungsschirme oder ein andauerndes Niedrigzinsniveau, diese Themen bestimmen die Medien seit dem Jahr 2008. Eine solch lang andauernde Krisensituation gab es auf den Finanz- und Kapitalmärkten in diesem Ausmaß zuletzt 1927 im Rahmen der Weltwirtschaftskrise.

Seit dem Meistern dieser Krise ist aus Sicht der Wirtschaftspolitik viel passiert und die Wirtschaftspolitik hat selbst einige Änderungen im Laufe der Zeit vollzogen, das Wettrüsten der beiden Weltkriege, in welchem ganze Produktionszweige umgerüstet worden sind, der Wiederaufbau nach Beendigung der Kriege, das deutsche Wirtschaftswunder, das Zusammenwachsen Europas, die fortschreitende Globalisierung und letztendlich die globale Finanzmarktkrise und Staatsschuldenkrise. All diese weitreichenden Ereignisse haben die Wirtschaftspolitik beeinflusst und geprägt.

Gerade die deutsche Wirtschaftspolitik hat durch die Zeit des Wirtschaftswunders einen angesehenen Ruf. Auch die Auswirkungen der aktuellen Krise sind in Deutschland vergleichsweise geringer zu spüren gewesen, als in anderen Ländern Europas oder beispielsweise in den USA. Die Ursachen hierfür reichen viele Jahrzehnte zurück. Nach der Niederlage im 2. Weltkrieg lag Deutschland wirtschaftlich am Boden. Es fehlte an Wohnraum, die Infrastruktur lag in Trümmern und die Anlagen der Schwerindustrie wurden von den Siegermächten demontiert. Deutschland musste also neu beginnen. Es bot sich dadurch allerdings auch die Chance, eine neue grundlegende Wirtschaftspolitik einzuführen in einem Umfeld mit neuen, modernen Maschinen und einer riesigen Nachfrage aller Güter. Keine 20 Jahre später ist daraus das deutsche Wirtschaftswunder erwachsen. Federführend bei der Konzeption und Umsetzung dieser Wirtschaftspolitik waren Ludwig Erhard, Alfred Müller-Armack und Walter Eucken.

Speziell Walter Eucken gilt als Mitbegründer des Ordoliberalismus und war mit der Freiburger Schule eine treibende Kraft bei der Umsetzung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen dieser Zeit.

In diesem Rahmen stellte Walter Eucken einige wirtschaftspolitische Prinzipien auf, welche die Politik und das Handeln der Teilnehmer im Sinne der Wirtschaftspolitik sicherstellen sollte. Dies hat von der Nachkriegszeit über das Wirtschaftswunder bis zum Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise auch gut funktioniert. Wie konnte es also zu dieser Krise kommen? Sind diese Prinzipen, welche Jahrzehnte lang gut funktioniert haben und auch international als einige der sinnvollsten, wirtschaftspolitischen Prinzipien angesehen wurden eventuell überholt und nicht mehr aktuell? Oder hat man sich über diese Prinzipien hinweggesetzt und diese einfach nicht mehr eingehalten?

Diese Fragestellungen sollen in der folgenden Arbeit beleuchtet werden. Zuerst werde ich die Person Walter Eucken und die Freiburger Schule vorstellen, die einen entscheidenden Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands gehabt haben. Im Folgenden werde ich die grundsätzlichen Funktionsweisen von Volkswirtschaften und Wirtschaftsordnungen, sowie aktuelle und historische Wirtschaftsordnungen vorstellen. Danach betrachte ich die konstituierenden und regulierenden Prinzipien nach Walter Eucken und untersuche im letzten Kapitel Zusammenhänge zu der aktuellen Finanz- und Staatsschuldenkrise, ob die Nichteinhaltung der Euckenschen Prinzipien eventuell ein Mitauslöser der Krise gewesen ist und wie, beziehungsweise ob überhaupt im Rahmen der Prinzipien versucht wird die Krise zu bekämpfen.

2 Die Person Walter Eucken

2.1 Kurzbiographie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Walter Eucken

Entnommen aus Internetquelle Nr. 1.

Walter Eucken wurde am 17.01.1891, als jüngster von drei Kindern, in Jena geboren. Sein Vater Rudolf Eucken war Professor für Philosophie und Nobelpreisträger für Literatur. Walter Euckens Kindheit wurde zum einen durch eine christliche Erziehung und durch die Denkweise und Wertvorstellung seines Vaters, welcher Anhänger des deutschen Idealismus[1] war, geprägt. Diese Wertmaßstäbe und die Suche nach einer geistigen Lebensordnung wurden Walter Eucken so schon früh mit auf den Weg gegeben und durchziehen viele seiner späteren Arbeiten, wie beispielsweise die Suche nach Ordnungen oder die Beantwortung der sozialen Frage (vgl. Goldschmidt, 2000, S. 26).

Nach der Reifeprüfung am Großherzoglichen Gymnasium Carolo-Alexandrinum in Jena im Mai 1909, begann Walter Eucken sein Studium der Staatswissenschaften, Geschichte und Nationalökonomie an der Universität Kiel. Dieses Studium schließt Walter Eucken im Jahre 1913 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Der Titel seiner Dissertation lautete: Die Verbandsbildung in der Seeschifffahrt (vgl. Gerken, 2000, S. 49).

Nach einem einjährigen Militärdienst, welcher durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges bis Ende 1918 ausgedehnt wurde, heiratete Walter Eucken am 9. Dezember 1920, die spätere Schriftstellerin Edith Erdsiek. 1921 schloss Eucken seine Habilitation mit dem Thema: Die Stickstoffversorgung der Welt- Eine volkswirtschaftliche Untersuchung, in Berlin erfolgreich ab. Nach verschiedenen Lehraufträgen in Berlin und Frankfurt am Main wurde Eucken Professor für Volkswirtschaftslehre an den Universitäten von Tübingen und später Freiburg, wo er 1929 zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaften aufstieg (vgl. Gerken, 2000, S. 51).

In Freiburg verbrachte Eucken die Kriegsjahre 1939-1945. Während dieser Zeit schließt sich Eucken dem Freiburger Bonhoeffer Kreis, beziehungsweise der Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath an, in welcher Neuordnungsvorschläge für eine Nachkriegswirtschaft ausgearbeitet werden. Neben Eucken sind dort Franz Böhm und Adolf Lampe Mitglieder, die zu den späteren Weggefährten Euckens zählen. Bei Ihren Treffen, zumeist in den Privatwohnungen der Mitglieder, war die Gefahr durch die Nationalsozialisten entdeckt und des Verrats beschuldigt zu werden, ihr ständiger Begleiter. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 und den damit verbundenen Verhaftungen löste sich der Bonhoeffer Kreis auf (vgl. Gerken, 2000, S. 95). Aus Sicherheitsgründen brach Eucken auch den Briefkontakt zu seinem späteren Freund Friedrich August von Hayek ab, welcher ebenfalls ein bedeutender Ökonom war und zu dieser Zeit in London lebte (vgl. Hayek, 1992, S. 190; Röpke, 1961, S. 3-19).

Nach dem Krieg wird Eucken Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Bundeswirtschaftsministeriums in Bonn. 1947 nimmt Eucken an der Gründungsversammlung der Mont Pèlerin Society teil. Diese Versammlung hat das Ziel wirtschaftsliberale Problemstellungen zu diskutieren und den Wirtschaftsliberalismus zu fördern (vgl. Gerken, 2000, S. 104). Zusammen mit Franz Böhm gründet Eucken 1948 das Jahrbuch ORDO, in dem grundlegende Konzepte der Ordnungs- und Institutsökonomik vorgestellt und diskutiert werden und das seitdem jährlich erscheint (vgl. Gerken, 2000, S. 107). Im Frühjahr 1950 folgt Walter Eucken der Einladung Friedrich August von Hayek nach London, um dort eine Gastvorlesungsreihe zu halten. Diese auf fünf Vorlesungen konzipierte Reihe kann Eucken jedoch nicht vollenden.

Walter Eucken stirbt am 20. März 1950 nach kurzer Krankheit an einem Herzanfall in einem Londoner Hotel im Stadtteil Westminster (vgl. Zottmann, 1950, S. 175-180).

2.2 Walter Eucken und sein Wirken in der Freiburger Schule

Die Freiburger Schule war weniger eine Schule im herkömmlichen Sinne, eher ein Synonym für eine Interessengemeinschaft von Ökonomen, welche die wirtschaftliche Neuausrichtung des Nachkriegsdeutschlands und Probleme der Nationalökonomie diskutierten. Als Kern ist die Forschungs- und Lehrgemeinschaft an der Universität Freiburg in den Jahren von 1932 bis 1946 unter der Federführung von Walter Eucken, Franz Böhm und Hans Großmann-Doerth, zu verstehen (vgl. Külp, 2000, S. 17).

Die Freiburger Schule oder auch Freiburger Kreise genannt setzte sich aus drei Gruppen zusammen: Dem Freiburger Konzil, dem Freiburger Bonhoeffer-Kreis und der Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath. Jede dieser Gruppen war für verschiedene Aufgaben verantwortlich (vgl. Blumberg-Lampe, 1973).

Das Freiburger Konzil beschäftigte sich hauptsächlich mit der Ethik und der Vereinbarkeit zwischen christlichen Werten und der herrschenden Diktatur[2], sowie der daraufhin anzustrebenden Staats- Rechts- und Wirtschaftsordnung (vgl. Gerken, 2000, S. 92). Die Teilnehmer dieses Konzils waren Intellektuelle wie Professoren und Theologen. Mit Entsetzen nahmen die Mitglieder die Ereignisse der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zu Kenntnis. Ausgelöst durch diese Ereignisse veröffentlichte der Kreis die Denkschrift Kirche und Welt- Eine notwendige Besinnung auf die Aufgaben des Christen und der Kirche in unserer Zeit (vgl. Schwabe/ Reichardt, 1984, S. 635-654).

Der Bonhoeffer Kreis, benannt nach dem Theologen Dietrich Bonhoeffer[3] beschäftigt sich mit der Ordnung im Nachkriegsdeutschland, sowohl mit der Wirtschaft- als auch mit der Sozialordnung. Der Arbeitskreis erarbeitete eine geheime Denkschrift mit dem Titel: Politische Gemeinschaftsordnung. Ein Versuch zur Selbstbesinnung des christlichen Gewissens in den politischen Nöten unserer Zeit (vgl. Schwabe/ Reichardt, 1984, S. 655-774). Nach der dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 und der damit verbundenen reichsweiten Fahndung nach Mitwissern, werden die Mitglieder Constantin von Dietze, Adolf Lampe und Julius Perels verhaftet. Auch Teile der Denkschrift fallen so den Nationalsozialisten in die Hände. Der Bonhoeffer Kreis war gezwungen sich aufzulösen (vgl. Rübsam / Schadek, 1990, S. 142).

Der dritte Kreis der Freiburger Schule war die Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath[4]. Diese vormals offizielle Arbeitsgemeinschaft für Volkswirtschaft wurde im März 1943 als nicht kriegswichtig eingestuft und aufgelöst. Unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath wurde diese Arbeit jedoch im Privaten fortgeführt mit dem Ziel, Pläne für ein wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Programm der Nachkriegszeit aufzustellen. Hierbei ging es nicht um allgemeine Denkschriften, sondern um konkrete Probleme, wie Währungssanierung, Lohnpolitik, Konzentrationsproblemen, Wohnungsfragen und Finanzpolitik (vgl. Gerken, 2000, S. 96). Doch auch diese Arbeitsgemeinschaft musste sich bedingt durch die beschriebenen Verhaftungen auflösen.

Durch die Teilnahme am Freiburger Kreis setzte sich Walter Eucken und seiner Familie einem großen Risikos aus. Auch in anderen Situationen begehrte Eucken gegen die totalitäre Obrigkeit auf (vgl. Gerken, 2000, S. 88).

Bis zum Kriegsende musste sich Walter Eucken zwei Verhören der geheimen Staatspolizei unterziehen. Doch Eucken und seine halbjüdische Frau Edith überlebten den 2. Weltkrieg. Nach Kriegsende ist Eucken als Gutachter und Berater für die amerikanische und französische Militärregierung in Freiburg tätig. Die Arbeiten und Erkenntnisse aus der Freiburger Schule waren für Eucken prägend und finden sich in seinen folgenden Veröffentlichungen wieder. Sie bestimmten Euckens Ansichten im Rahmen der Nationalökonomie und Wirtschaftspolitik. Die Ansichten der Freiburger Kreise, in der Summe als Ordoliberalismus[5] bezeichnete Wirtschaftspolitik, wird oftmals auch synonym als Freiburger Schule bezeichnet.

3 Grundlagen einer Volkswirtschaft

3.1 Funktionsweise einer modernen Volkswirtschaft

3.1.1 Preisbildung und Allokation

Ein zentraler Punkt in einer modernen Volkswirtschaft ist das Wirtschaften, also planvoll das Missverhältnis zwischen unbegrenzten Bedürfnissen und knappen Ressourcen so in Einklang zu bringen, dass auf Dauer ein möglichst hohes Maß an Bedürfnisbefriedigung erreicht wird (vgl. Stewen, 2008a, S. 8). Dieses Wirtschaften ist mit einem gegenseitigen Austausch von Gütern und Dienstleistungen verbunden. Dieser Austausch vollzieht sich auf Märkten. Im Folgenden soll aus Gründen der Vereinfachung für Güter und Dienstleistungen nur von Gütern gesprochen werden.

Vereinfacht kann man sich für die Funktionsweise den kleinen Wochenmarkt vorstellen, wo Händler ihre Ware anbieten und Kunden die Ware erwerben. Doch wer welche Ware anbietet, wer welche Ware nachfragt und zu welchem Preis die Ware veräußert wird, hängt von vielen Gegebenheiten ab, die außerhalb dieses kleinen Wochenmarktes liegen. Hier spielen die grundsätzlichen Einflussfaktoren einer Volkswirtschaft, wie Preisbildung, Allokation, Marktformen, Wettbewerb und die Wirtschaftsordnung eine entscheidende Rolle. Diese werde ich im Folgenden beschreiben.

Das Angebot und die Nachfrage bestimmen den Marktpreis. Der Marktpreis ist jedoch gleichzeitig das Regulativ, welches Angebot und Nachfrage in Einklang bringt (vgl. Stewen, 2008a, S. 22). Eine notwendige Grundannahme hierbei ist die des vollkommenen Marktes. Das heißt es liegen keinen Informationsasymmetrien unter den Marktteilnehmer vor, jeder hat eine unendlich schnelle Reaktionszeit, es bestehen keine Transaktionskosten, und es bestehen keine persönlichen Präferenzen (vgl. Wurm et al., 2005, S. 294-295). Der vollkommene Markt ist zwar in der Realität nicht vorhanden, doch ist dies ein gutes Modell um die Funktionsweise von Märken anschaulich zu erklären. Das heißt, es bestehen gegenseitige Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Angebot, Nachfrage und Preis.

Der Austausch der Informationen zur gegenseitigen Beeinflussung geschieht auf dem Markt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Informationsfunktion des Preises

(in Anlehnung an Stewen, 2008a, S. 23).

Schauen wir uns zuerst die Einflussfaktoren auf die Nachfrage an. In wieweit die Nachfrager, beispielsweise die privaten Haushalte auf dem beschriebenen Wochenmarkt, ein bestimmtes Gut nachfragen, wird von verschiedenen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel dem Preis des betreffenden Gutes, der Bedürfnisintensität, dem verfügbaren Einkommen und der Preise der anderen Güter (Substitutionsgüter) bestimmt (vgl. Amely et al., 2006, S. 6).

In diesem Modell ist die Nachfragekurve gekennzeichnet durch eine fallende Gerade. Je höher der Preis ist, desto weniger Nachfrager nach diesem Gut treten am Markt auf. Je weiter der Preis fällt, desto mehr Nachfrager sind bereit das betreffende Gut zu kaufen und dafür den aufgerufenen Preis zu bezahlen:

Nachfragekurve:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Nachfragekurve

(in Anlehnung an Wurm, 2005, S. 290).

Unterstellt man, dass die übrigen Einflussfaktoren zu ceteris-paribus Bedingungen gelten, so ist es nach logischem, rationalem Verhalten erklärbar, dass bei sinkendem Preis die Nachfrage nach einem Gut steigt. Schauen wir uns nun das Gegenstück zur Nachfragekurve, die Angebotskurve an. Diese verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der angebotenen Menge und dem Preis. Hier verhält es sich genau umgekehrt wie zur Nachfragekurve, bei einem hohen Preis sind viele Anbieter gewillt, ihre Waren zu verkaufen. Sinkt der Preis, sind immer weniger Anbieter bereit, ihre Waren zu dem gesunkenen Preis (P2) abzugeben:

Angebotskurve:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die Angebotskurve

(in Anlehnung an Wurm, 2005, S. 292).

Die Einflussfaktoren auf das Angebot sind bestimmt durch den Preis des Gutes, die Konkurrenz, die Produktionskosten, die Produktionsmöglichkeit und die Lagerfähigkeit des Produktes. Unterstellen wir auch hier ceteris paribus, so entwickelt sich das Angebot anhand des Preises genau entgegengesetzt zu dem der Nachfrage. (vgl. Stewen, 2008, S. 26).

Auf zwei besondere Formen Nachfragekurve soll der Vollständigkeit halber hingewiesen werden. Hierbei handelt es sich um Substitutionsgüter[6] und Komplementärgüter[7]:

Substitutionsgüter:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Substitutionsgüter

(in Anlehnung an Amely, 2006).

Sinkt zum Beispiel der Preis für Butter, so sinkt die verkaufte Menge von Margarine. Nachfrager, welche bisher die günstigere Margarine bevorzugt haben, sind jetzt bereit für den günstigeren Preis Butter zu kaufen.

Komplementärgüter:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Komplementärgüter

(in Anlehnung an Amely, 2006).

Sinkt der Preis für Autos, so werden davon mehr verkauft und die Nachfrage nach Benzin nimmt zu. Somit können wir festhalten, dass bei komplementären Gütern die nachgefragte Menge zunimmt, wenn der Preis des anderen Gutes fällt und dass bei Substitutionsgütern die nachgefragte Menge zunimmt, wenn der Preis des anderen Gutes sich erhöht (vgl. Amely et al. 2006, S. 9). Bringen wir nun die beiden grundlegenden Kurven Angebot und Nachfrage zusammen:

Angebot und Nachfrage Kurve:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Angebot und Nachfrage

(in Anlehnung an Wurm, 2005).

Hieraus ist ersichtlich, dass das Marktgleichgewicht und somit der meiste Umsatz bei einem Preis von 15€ und einer Menge von 240 Stück vorliegt, daher spricht man an diesem Punkt vom Gleichgewichtspreis. Bei allen Preisen über 15€ besteht ein Angebotsüberhang, das heißt das Angebot ist größer als die Nachfrage. Bei allen Preisen unterhalb von 15€ besteht ein Nachfrageüberhang. Das heißt, es sind mehr Nachfrager bereit, zu einem günstigeren Preis zu kaufen, es findet sich aber kein entsprechendes Angebot. Der Nachfrageüberhang wird größer je niedriger der Preis wird (vgl. Wurm et al., 2005, S. 299).

Des Weiteren soll das Augenmerk noch auf die Höchst- und Mindestpreise gerichtet werden. Höchst- und Mindestpreise sind ein Mittel des staatlichen Preiseingriffs. Der Staat versucht dadurch gewisse Tendenzen am Markt zu verhindern oder zu beeinflussen. Zum Beispiel soll durch einen Mindestpreis die Landwirtschaft geschützt werden, so dass das Pfund Butter am Markt mindestens 2€ erzielen soll. Oder im Falle eines Höchstpreises, dass sich sozial schwache Haushalte lebenswichtige Güter überhaupt leisten können (vgl. Amely et al. 2006, S. 21). Diese Beschränkungen werden nur auf einzelnen Märkten eingesetzt und haben oftmals auch negative Nebeneffekte. Bei dem Mindestpreis entsteht ein Angebotsüberschuss, eventuell muss der Staat die Überschüsse aufkaufen oder vernichten.

Beim Höchstpreis hingegen geht das Angebot zurück, so dass ein Nachfrageüberhang entsteht. Hierbei besteht die Gefahr, dass sich ein Schwarzmarkt bildet und die lebensnotwendigen Güter nur noch von den einkommensstarken Haushalten gekauft werden können. Somit ist die Idee des Höchstpreises untergraben (vgl. Stewen, 2008a, S. 36).

Schon in der Antike (um 301 n. Chr.) wurden Preisedikte erlassen, in welchen der Preis nicht überschritten werden durfte. Auch die damit verbundenen Fehlentwicklungen wurden schon erkannt, da Preisüberschreitungen, beispielsweise auf dem Schwarzmarkt, mit der Todesstrafe geahndet wurden (vgl. Eucken, 1989, S. 95).

Höchst- und Mindestpreise:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Höchst- und Mindestpreise

(in Anlehnung an Amely, 2006).

Bei dem Höchstpreis würden Anbieter nur die Menge X0 anbieten, ihr gegenüber steht aber die höhere nachgefragte Menge X2. Beim Mindestpreis würde die Menge Y2 angeboten aber nur die Menge Y0 nachgefragt werden. Ohne Höchst- und Mindestpreis wären der meiste Umsatz und die höchste Bedürfnisbefriedigung wieder am Punkt des Gleichgewichtspreises erreicht.

Aus den bisherigen Erkenntnissen von Angebot, Nachfrage und Preisbildung lassen sich vier Preisfunktionen ableiten: 1. Koordinierungsfunktion, der Preis bringt Angebot und Nachfrage zusammen. 2. Informationsfunktion: Der Preis spiegelt das Spannungsverhältnis zwischen der Bedürfnisintensität der Nachfrager und den Produktionskosten der Anbieter wider. 3. Lenkungsfunktion: Durch den Gleichgewichtspreis wird die relative Knappheit eines Gutes bekannt, so dass bei seinem Anstieg und der damit verbundenen Knappheit von einem Gut, der Anreiz da ist, vorhandene Ressourcen anders und zwar optimaler einzusetzen. 4. Ausschaltungsfunktion: Der Gleichgewichtspreis verstärkt den Effizienzdruck auf die Wirtschaftssubjekte. Anbieter, welche zum Beispiel aufgrund ihrer Produktionskosten nicht zum Gleichgewichtspreis anbieten können, werden vom Markt ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Nachfrager und deren Bedürfnisse, welche unbefriedigt bleiben, wenn Güter nicht zum Gleichgewichtspreis nachgefragt werden können (vgl. Amely et al., 2006, S. 20-21). Somit ist in der Marktwirtschaft sichergestellt, dass die bestmögliche Allokation von begrenzten Ressourcen und die stetige Leistungsbereitschaft der Marktteilnehmer gewährleistet sind.

3.1.2 Marktformen und Wettbewerb

Je nach Anzahl der Markteilnehmer auf der Seite des Angebots und auf der Seite der Nachfrager, lassen sich verschiedene Marktformen unterscheiden. Jede der einzelnen Marktformen bietet den Seiten eine Form der Marktmacht. Je höher die Marktmacht der einen Seite, desto größer ist die Abhängigkeit der Anderen. Gleichzeitig gilt, je weniger Teilnehmer auf der einen Seite, desto größer ist deren Marktmacht, da eben durch die geringe Konkurrenz (oder sogar durch eine konkurrenzlose Situation) deren Marktstellung und Marktmacht gefestigt und ausgebaut wird.

Die folgende Tabelle bietet einen kleinen Überblick über die verschiedenen Marktformen und Marktmachtkonstellationen. Die einzelnen Bereiche, lassen sich noch weiter untergliedern (vgl. Eucken, 2004, S. 22).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Marktformen

(in Anlehnung an Wurm 2005).

Ob und in welcher Form ein Wettbewerb auf einem Markt stattfinden kann, hängt also zum großen Teil von der Marktform ab. Ebenso wie der Preis, da dieser wie beschrieben, von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Beispielsweise kann der einzige Bäcker auf dem beschriebenen Wochenmarkt sicher sein, dass all diejenigen, welche Brötchen möchten, diese bei ihm kaufen. Er kann die Preise selbst bestimmen und besitzt somit ein Monopol. Den Nachfragern bleibt nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren. Übertreibt der Bäcker dies jedoch, kann er anderen Bäckern den Anreiz geben, die längere Anfahrtstrecke und somit die höheren Kosten in Kauf zu nehmen und ebenfalls einen Stand auf diesem Wochenmarkt aufzubauen. Somit ist die Marktzutrittsmöglichkeit gegeben, welche für eine Stärkung des Wettbewerbs von enormer Bedeutung ist. In diesem Fall handelt es sich um einen offenen Markt, da keine Markteintrittsbarrieren vorliegen. Im geschlossenen Markt wird Marktteilnehmern, die neu auf den Markt wollen, der Zugang durch gesetzliche, technische oder finanzielle Barrieren versperrt (vgl. Wurm et al., 2005, S. 288). Dies könnten zum Beispiel das nötige Know-How und die nötigen Anlagen zur Raumfahrttechnik sein oder das ehemalige Briefmonopol.

Steht der Marktmacht der einen Seite keine Marktmacht mit entsprechender Stärke gegenüber, so besteht das Risiko, dass der Wettbewerb eingeschränkt oder im schlimmsten Fall sogar komplett unterbunden wird. Somit besitzt die eine Marktseite die Fähigkeit besitz den Marktpreis zu beeinflussen oder sogar zu bestimmen (vgl. Wurm et al., 2005, S. 288). Vereinfacht gesagt, wer mehr Macht hat, hat mehr Gewinn beziehungsweise einen höheren Nutzen. Dadurch ist es nachvollziehbar, dass Anbieter und Nachfrager versuchen, Konkurrenz zu vermeiden und die eigene Monopolbildung zu fördern (vgl. Eucken, 2004, S. 31). Dies sind nicht etwa Tendenzen der Neuzeit. Bereits im Mittelalter war das Handwerk in Gilden organisiert, welche so die Preise für ihre Arbeiten untereinander abstimmen konnten. Gleichzeitig war es anderen, ohne Gildenzugehörigkeit, untersagt, dieses Handwerk auszuüben. Hier liegen gleich zwei Verstöße gegen die marktwirtschaftliche Idee vor, Monopolbildung und Markteintrittsbarrieren. Auch Eucken hat die schädlichen Auswirkungen von Monopolbildung erkannt und sich im Rahmen seiner regulierenden Prinzipien eingehender damit befasst.

Monopolisten schädigen den Wettbewerb, da durch ihre Marktstrategie die vollständige Konkurrenz fehlt. Diese Konkurrenz soll nicht als Kampf Mann gegen Mann verstanden werden, sondern vielmehr als Leistungswettbewerb (vgl. Eucken, 2004, S. 247). Eucken fordert auch eine Monopolaufsicht, welche als unabhängiges Amt und nur für Fragen der Monopolaufsicht zuständig ist, beispielsweise um Monopole weitestgehend zu verhindern oder, wo dies nicht möglich ist, diese zu überwachen. Eucken bezeichnet dieses Amt als so unentbehrlich wie den Obersten Gerichtshof und führt detailliert auf, wie die Monopolkommission vorzugehen hat (vgl. Eucken, 2004, S. 294 ff.). Ebenso lehnt Eucken eine Verstaatlichung von Monopolen ab, da diese noch zusätzlich durch Gesetze gegenüber der möglichen Konkurrenz geschützt sind (vgl. Gerken, 2000, S. 21). Unumstritten ist jedoch, dass einige Güter, welche nicht privatwirtschaftlich erstellt werden können, aber für die Allgemeinheit notwendig sind, vom Staat bereitstellt werden müssen. Im Sinne der Definition hat der Staat dort ein Monopol. Diese öffentlichen Güter sind zum Beispiel innere Sicherheit, Feuerwehr und Landesverteidigung (vgl. Stewen, 2008b, S. 8). Gemäß der Definition des Ordoliberalismus soll der Wettbewerb auf den Märkten mit dem Konkurrenzgedanken und der Gewinnerzielungsabsicht innerhalb eines gesteckten Rahmens von statten gehen. Hierfür ist das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entscheidend. Welche Form dieser Rahmen hat, wird im Folgenden erarbeitet.

3.1.3 Idealtypische Wirtschaftsordnungen und ihre Kritik

Die idealtypische Wirtschaftsordnung stellt eine, wie der Name schon sagt idealtypische Definition einer Wirtschaftsordnung dar. Durch verschiedene gesellschaftliche, kulturelle und politische Einflüsse kommt diese Ordnung in der Realität so nicht vor. Bei der von externen Einflüssen vermischten, wirklichkeitsnahen Ordnung, spricht man daher von einer Realwirtschaft. Nichtsdestotrotz ist es notwendig, den Idealtypus einer Wirtschaftsordnung genauer zu definieren, um die Grundsätze der Funktionsweise einer Wirtschaftsordnung verstehen zu können. Doch was genau ist überhaupt eine Wirtschaftsordnung?

Eucken zieht hier ein anschauliches Beispiel heran. Er erklärt die grundlegenden Funktionsweisen anhand von Robinson Crusoe[8] (vgl. Eucken, 2004, S. 4 ff.). Als Crusoe nach dem Schiffbruch zuerst alle notwendigen Güter wie Kleidung, Messer, Äxte, Gewehre, Nahrung, Saatgut, Holz, Nägel, Ziegen etc. aus dem Wrack retten konnte, ging es für ihn, da seine Ressourcen endlich waren, an das Wirtschaften. Jeden Tag musste er sich einen Plan machen, was benötigt wurde und wieviel Zeit dies in Anspruch nehmen würde. Ging er in den Wald um Holz zu schlagen, dauerte dies 2 Stunden. Danach stellte sich die nächste Frage, nutzte er das Holz um ein Feuer zu machen oder um eine Unterkunft zu bauen? Schlachtete er eine der Ziegen um diese zu essen? Oder, tat er es nicht und züchtete weitere Ziegen? Dies wiederum hieße, er müsste jagen, sammeln oder fischen gehen, um Nahrung zu finden, was wiederrum mehr seiner begrenzten Tageszeit in Anspruch nehmen würde. Des Weiteren mussten die Ziegen versorgt werden, fütterte er sie mit dem Saatgut oder bestellte er davon ein kleines Feld? Wenn ja, wieviel des Korns nutze er für sich und wieviel für die Ziegen? Fragen über Fragen, welche Crusoe beantworten musste. Genau dies ist es, was eine Wirtschaftsordnung ausmacht. Wer soll was, wann für wen und wie produzieren, also die Lenkung der vorhandenen, begrenzten Ressourcen, um einen höchstmöglichen Nutzen aller zu erzielen (vgl. Amely et al., 2006, S. 38).

Natürlich gibt es auch Kritik an dieser Darstellung. Diehl, Spann und Cassel sind sich darüber einig, dass die Robinsonkonstruktion nicht zur Lösung von heutigen volkswirtschaftlichen Themen beiträgt und der Mensch in Gemeinschaften wirtschafte (vgl. Eucken, 1989, S. 152). Die Kritik ist in der Form richtig, dass eine derartige Extremform der Eigenwirtschaft, nicht zur Lösungsfindung von gesamtvolkswirtschaftlichen Problemen beiträgt, jedoch erläutert es die elementaren Bausteine einer Wirtschaftsordnung. Es wird deutlich, dass jede einzelne Handlung sich in einen Gesamtzusammenhang einfügt und zeigt die Vorteile und die Notwendigkeit von Wirtschaften auf (vgl. Eucken, 1989, S. 153).

Überträgt man dies jetzt auf eine Volkswirtschaft, mit Tausenden von Gütern, welche nachgefragt und produziert werden, mit Hunderten von Fabriken und Millionen von Arbeitern, so wird die Komplexität und Tragweite einer Wirtschaftslenkung bewusst. Genau diese Komplexität und die gegenseitige Wechselwirkung versucht die Wirtschaftsordnung in geregelte Bahnen zu lenken.

Im Rahmen der idealtypischen Wirtschaftsordnungen haben sich zwei Lenkungssysteme entwickelt. Zum einen die freie Marktwirtschaft, in welcher die Lenkung des Wirtschaftsprozesses über die Märkte geschieht, sowie die Zentralverwaltungs- oder Planwirtschaft, bei der die Planung und Lenkung der Wirtschaftsprozesse von zentralen Stellen übernommen wird (vgl. Cezanne, 2005, S. 20; Eucken, 1989, S. 79).

Die beiden Kriterien Marktorientierung und Planorientierung lassen sich mit zwei weiteren Unterscheidungsmerkmalen kombinieren, zum einen mit dem Besitz von Produktionsgütern im Privateigentum (Kapitalismus) und zum anderen mit den Produktionsgütern, beziehungsweise dem Besitz der Unternehmen im Kollektiveigentum (Sozialismus) (vgl. Piekenbrock, 2009, S. 214). Somit lassen sich im einfachsten Fall vier grundlegende Ordnungstypen unterscheiden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Wirtschaftsordnungen

(in Anlehnung an Klump, 2011, S. 192).

Ein Kennzeichen der Zentralverwaltungswirtschaft ist also, dass die einzelnen Betriebe und Haushalte ihre Wirtschaftspläne nicht mehr selbst erstellen, sondern von Planstellen vorgegeben bekommen. Einzelne Entscheidungen und Handlungen haben sich an den Vorgaben des zentralen Plans zu orientieren (vgl. Klump, 2011, S. 192). Diese Planstellen weisen die Materialien zu, geben Produktionsanweisungen und disponieren die fertig gestellten Waren (vgl. Eucken, 2004, S. 63.) Diese Lenkung findet jedoch auf globaler Ebene und nicht auf individueller Ebene statt. Das heißt oftmals wird an den tatsächlichen Bedürfnissen „vorbeidisponiert“, da es aufgrund der Masse schlichtweg nicht möglich ist, jede einzelne Tonne Eisenerz genau zu disponieren. Durch diese fehlerhafte Allokation der Güter werden an der einen Stelle Güter zweckentfremdet und an anderen Stelle fehlen genau diese (vgl. Eucken, 2004, S. 69). Des Weiteren verliert der Preis durch die zentralen Vorgaben und die Zuteilung von Rohstoffen seine Informationsfunktion zur Bestimmung der Knappheit von Gütern. Diese Bestimmung ist auch für die produzierenden Unternehmen eine Kontrollfunktion. Wenn die Preise die Kosten der Produktion nicht decken können, sollte eine Umstellung erzwungen werden. Ineffiziente Betriebe können somit in der Zentralverwaltungswirtschaft auf Kosten des volkswirtschaftlichen Wohls überdauern (vgl. Eucken, 2004, S. 70-72).

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Details

Seiten
72
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656951483
ISBN (Buch)
9783656951490
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298811
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Dortmund früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
aktualität walter euckens prinzipien wirtschaftspolitik lichte staatsschuldenkrise

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