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Deutschland in der Wirtschafts- und Währungsunion. Entwicklung, Auswirkung und Effekte

Seminararbeit 2015 14 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Positive und negative Effekte von Wirtschafts- und Währungsunionen

3. Vor- und Nachteile der Europäischen WWU

4. Deutschland und die EWWU

5. Kritik: Alternative Szenarien

6. Fazit

7. Quellen

1. Einleitung

Die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), die Ihren Grundstein im Maastricht Vertrag mit der Unterzeichnung des EU-Vertrags am 7. Februar 1992 fand (vgl. DEUTSCHE BUNDESBANK 2008: 124), wird oft auch als Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) oder Europäische Währungsunion (EWU) bezeichnet, auch wenn dies technisch nicht ganzheitlich richtig ist. Auch wird in der englischen Bezeichnung die Economic and Monetary Union als EMU abgekürzt, oft mit European Monetary Union gleichgesetzt (vgl. DEUTSCHE BUNDESBANK 2008: 122). Mit der Unterzeichnung des Maastricht Vertrags hatten sich die Vertragspartner verpflichtet, schrittweise, aber bis spätestens 1999 eine Wirtschafts- und Währungsunion zu gestalten (vgl. DEUTSCHE BUNDESBANK 2008: 125). Diese besteht nun schon seit über einem Jahrzehnt. Dabei nutzen mehr als 330 Millionen Menschen den Euro als Zahlungsmittel. Er ist inzwischen nach dem Doller die zweitwichtigste Reservewährung der Welt (vgl. HEISE 2014: 31). Nachbarländer binden ihre eigene Währung an den Euro, andere Wechselkurse werden durch „Währungskörbe“ bestimmt, die den Euro beinhalten. Selbst Russland hat dem Euro einen Stellenwert von 45 % in seinem „Währungskorb“ zugestanden (vgl. HEISE 2014: 35).

Spätestens jedoch seit der Immobilien- und Finanzkrise, die etwa 2009 auch Europa mit voller Stärke erreicht hatte, scheint auch die EWWU in der Krise, die sich aus einer Banken-, Staatsschulden-, und makroökonomischer Krise zusammen setzt (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2014/15: 53). Auch 2015 ist die Krise noch nicht überwunden. Die Wachstumsrate von 1,0 %, und die prognostizierte Inflationsrate von 0,7 % (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2014/15: 51) sind zwar nicht alarmierend, aber zeugen auch keinesfalls von einer florierenden Wirtschaft. Im Gegenteil, die Wirtschaftsentwicklung des Euro Raums bleibt hinter derer anderer Industrienationen zurück (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT 2014/15: 53). Nicht verwunderlich scheint es also, dass Kritiker immer wieder die EWWU als solche, aber auch insbesondere die Vorteile daraus für Deutschland zunehmend in Frage stellen. Mit der neuen Regierung in Griechenland und der Forderung nach weiteren Schuldenschnitten, soll auch beurteilt werden, ob die EWWU auch hier positiv oder negativ auf Deutschland wirkt und wirken würde.

2. Positive und negative Effekte von Wirtschafts- und Währungsunionen

Bevor jedoch verglichen wird, welche Vor- und Nachteile sich aus WWUs ergeben, soll hier eindringlich darauf verwiesen werden, dass die Ergebnisse mit der nötigen Vorsicht und Skepsis zu bewerten sind. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive kann nur schwer bewiesen werden, ob beispielsweise Wachstum in der Eurozone oder einzelnen Ländern höher oder niedriger ausgefallen wäre. Es handelt sich meist um die Abwägung von wahrscheinlichen Szenarien gegenüber anderen. Bei einer solchen Darstellung gibt es keine Kontrollgruppen. Es gibt keine realen Alternativszenarien, mit denen die Daten verglichen werden können. Vor- und

Nachteile zu benennen, ist eine hypothetische Disziplin: kein Ökonom kann ernsthaft behaupten zu wissen, wie sich die EWWU ohne „WWU“ entwickelt hätte - denn hierbei geht es um über 15 Jahre der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderung (vgl. BOFINGER 2012: 152).

Allgemein geht eine Mehrzahl der Ökonomen in Abwesenheit von Krisenzeiten davon aus, dass durch die Effekte einer WWU die Wohlfahrtsgewinne drastisch erhöht werden können (vgl. LAMA / RABANAL 2012: 6). Dabei sind verschiedene Faktoren zu identifizieren. Einerseits sorgt die einheitliche Wirtschafts- und Währungsunion für eine Integration der (Finanz)märkte. Die gemeinschaftliche Währung sorgt hierbei für eine Verringerung der Transaktionskosten im Handel zwischen den Mitgliedstaaten (MS). Dabei handelt es sich größtenteils um nominale Wechselkursrisiken, also Risiken aus dem Umtausch von Währungen, welche immer Schwankungen unterliegen, und Gewinne unerwartet schmälern können. Besonders relevant ist dies für exportorientierte Unternehmen die von langfristigen Investitionen abhängig sind, bei denen aber Sicherungen durch Termingeschäfte nur schwer möglich sind. Diese profitieren besonders von einer Währungsunion. Auch Banküberweisungen zwischen Währungsräumen sind risikobehaftet, die Absicherung gegenüber diesen ist kostenintensiv, was sich auch im Währungsmanagement verschiedener Banken im Handel zeigt. Diese Risiken entfallen, wenn die MS sich auf eine einheitliche Währung festgelegt haben (vgl. HEISE 2014: 33).

Des weiteren entsteht der Effekt der Informationskostensenkung, was zu Preistransparenz führt und damit zu mehr Wettbewerb. Eine gemeinschaftliche Währung schafft durch ihre geringeren Informationskosten zwischen den Staaten ein „plain field“ für konkurrierende Unternehmen, was insbesondere auch der Nachfrageseite den Vergleich vereinfacht. Das wiederum führt zu einem stärkeren Konkurrenzkrampf, mehr Wettbewerb und zu mehr Handel zwischen den MS, also innerhalb der WWU (vgl. BÖHMER / LIMBERS / WEIß 2013c: S.9).

Eigene Währungen sind oftmals stark volatil. Nicht zuletzt weil das Monopol der Gelddruckerei beim Staat selbst liegt, bzw. seiner Zentralbank. In einer WWU wird diese Souveränität allerdings wie in der EWWU abgegeben. Aufwertungen oder Abwertungen können nun nicht mehr von einzelnen politischen Akteuren der MS beeinflusst werden. Die EZB hat als Ziel die Preisstabilität der EWWU. Dabei sorgt eine stabile Währung auf für den Werterhalt der Kaufkraft, indem das Einkommen nicht oder nur langsam (durch Inflation) abwertet (BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG 2011: o.S.; HÄDE 2013: 433).

3. Vor- und Nachteile der Europäischen WWU

Transaktionskosten innerhalb der EWWU konnten durch die Einführung des Euro drastisch gesenkt werden. Kostenintensive Wechselkurs-Absicherungen sind nun obsolet. Durch den Wegfall der Wechselkursschwankungen und damit verbundenen Unsicherheiten sind beispielsweise auch geringere Risikoprämien zu zahlen und somit in diesen Geschäften prinzipiell sinkende Zinsen erreicht wurden (vgl. DULLIEN / HORN 1999: 11). Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Kosten für den Handel mit Waren, Dienstleistungen und Kapital. Hier sind große Einsparungen zu verzeichnen (vgl. HEISE 2014: 32, 41).

Insbesondere ist die Preistransparenz in der EWWU durch die Einführung des Euro gestiegen, im Vergleich zu Volkswirtschaften außerhalb einer WWU. Die Folge ist eine erhöhte Wettbewerbsintensität auf den verschiedenen Märkten innerhalb der Union. Dieser Effekt regt nicht nur den Handel an, und mit ihm Wachstum und Beschäftigung, sondern er nötigt die Akteure auch zu einer von mehr Effizienz getriebenen Nutzung der vorhandenen knappen Ressourcen. So haben sich auch die Handelsströme innerhalb der EWWU vermehrt (vgl. BÖHMER / LIMBERS / WEIß 2013c: 4, 8).

Diese Vor- und Nachteile für Staaten lassen sich jedoch weitaus schwerer fassen, als die Effekte auf Unternehmen oder private Haushalte. Für Unternehmen sind die gesunkenen Transaktions­und Informationskosten, auch durch den Wegfall der Wechselkursrisiken von Vorteil im innereuropäischen Handel. Der relativ niedrige Wechselkurs im Vergleich zu anderen Währungen hat zudem für exportorientierte Unternehmen Vorteile. Generell kann gesagt werden, dass der Handel innerhalb der EWWU gestiegen ist, also dass die Märkte in der Währungsunion deutlich zusammen gewachsen sind (vgl. BÖHMER / LIMBERS / WEIß 2013b: 9). Beispielsweise waren Handelsströme innerhalb der EWWU vor etwa 10 Jahren noch für nur 25 % des EU weiten BIP verantwortlich. Inzwischen sind es über ein Drittel (vgl. HEISE 2014: 41). Hier kann also von einer Intensivierung des Handels innerhalb der EWWU gesprochen werden.

Diese Integration und Kostensenkung hat auch auf den Finanz- und Kapitalmärkten zu einem vermehrten Handel geführt. Die Kapitalkosten für Unternehmen in der EWWU sind insgesamt seit der Einführung des Euro gefallen. Am Beispiel der Direktinvestitionen zwischen den MS der EWWU lässt sich zeigen, dass auch hier der Handel stark angestiegen ist. Seit 1999 haben sich deutsche Direktinvestitionen in den Ländern Frankreich, Italien und Spanien so mehr als verdoppelt (vgl. HEISE 2014: 32). Aber auch schon im ersten Jahr des Bestehens der WWU hat sich der deutsche Kapitalbestand in diesen Ländern um mehr als 30 % erhöht. Teils lag dies auch an der vermehrten Investition deutscher Automobilhersteller und -zulieferer in Spanien. Auch für Österreich gilt so beispielsweise, dass der Handel mit anderen MS seitdem relativ zum BIP stark angestiegen ist. Die gestiegene Marktintegration ist so auch mit den geringeren Kostenposten verknüpft: es wird durch deren Wegfall rentabler und ökonomisch sinnvoll, Teile des Produktionsprozesses in andere Länder der WWU zu verschieben, es steigen also auch vertikale Direktinvestitionen (vgl. HEISE 2014: 42).

Als Vor- und Nachteil kann, je nach Perspektive, die Zinsangleichung in Europa angesehen werden. Die Einführung des Euro hat dazu geführt, dass die Zinsen, beispielsweise für Staatsanleihen, konvergierten. Dabei sind diese eher in Richtung der niedrigen, deutschen Zinsen gelaufen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656952237
ISBN (Buch)
9783656952244
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298758
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Wirtschaftsgeographie
Note
Schlagworte
deutschland wirtschafts- währungsunion entwicklung auswirkung effekte

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Titel: Deutschland in der Wirtschafts- und Währungsunion. Entwicklung, Auswirkung und Effekte