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Meine Traumschule. Alternative Schulkonzepte angewandt

Essay 2013 4 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Meine Traumschule…

Ich komme herein – und möchte nicht wieder gehen. Große, freundliche, lichtdurchflutete Räume, durch die Fenster sehe ich ein wenig grün, aus den Klassenzimmern hört man gemeinsames Lachen oder das Kratzen von Füllern, die arbeitsam über die Blätter huschen. Fragt man die Schüler, so sagen sie „Ich gehe gern zur Schule“ und die Lehrer erzählen, sie würden mit einem Lächeln im Gesicht zur Schule und auch am Nachmittag wieder nach Hause fahren. Es ist nicht nur Schule, sondern eine Gemeinschaft, ein Wohnraum, in dem generationenübergreifend gelehrt, gelernt und gearbeitet wird…

Eine solche Vorstellung klingt nach einer Utopie, ja, einem Traumzustand. Doch im Laufe des Seminars habe ich einige Wege kennen gelernt, die in genau diese Richtung führen. Ich werde mich beim „zusammenbasteln“ meiner Traumschule auf die Elemente konzentrieren, die man in einer Regelschule einführen kann, denn für meine persönliche Zukunft erscheint mir dieses Szenario das Wahrscheinlichste.

Eine Idee davon, dass dies möglich ist, habe ich während meines Schulbesuchs am Kepler Gymnasium Freiburg gesehen. Dies ist eine Regelschule mit … Schülerinnen und Schülern (SuS), also eine recht große Schule, dennoch kommt man sich nicht verloren vor. Die Schule ist in mehrere Gebäude aufgeteilt, von dem der eine nur den Unterstufenschülern vorbehalten ist. So können sich die Neuankömmlinge zunächst an die neue Schule gewöhnen und haben erst nach und nach Unterricht in dem Gebäude mit den „Großen“. Zudem hat das Kepler Gymnasium mehrere alternative Elemente in den Schulalltag eingebaut. Es gibt ein Lernlabor, welches sowohl für den Unterricht als auch von den Schülern zum eigenständigen Lernen genutzt werden kann, im Zuge der Hausaufgabenhilfe gibt es ein Projekt zum Thema Gartenbau für die Kinder, die Interessen haben, die normalerweise in einer Regelschule vernachlässigt werden und durch die Vorbereitungsklasse und die darauf folgende Eingliederung der Kinder in die Klassen sind diese bunt gemischt und strahlen vor kultureller Vielfalt. Schon diese wenigen Elemente erscheinen mir als erfolgsversprechende Schritte auf dem Weg zu einer Schule, die für alle, sowohl Lehrer als auch Schüler, einen friedvollen und positiven Arbeits- und Lebensraum darstellt.

In meiner Traumschule baute ich jedoch noch weitere Elemente ein. Bei allen Maßnahmen bildete stets ein Gedanke die Basis: Die ganzheitliche Erziehung des Kindes, so wie es beispielsweise die Montessori- und Waldorfpädagogik vorsehen. Schule ist nun mal nicht nur Arbeitsraum, sondern auch Lebensraum für Schüler und Lehrer, und das über viele Jahre hinweg.

Wichtig wäre mir, vor allem angesichts der steigenden Zahlen von fettleibigen und an Diabetes erkrankten Kinder, Elemente der Bewegten Schule einzubauen. Ein schön gestalteter und weitläufiger Schulhof, der Möglichkeiten zum Spielen, Spazieren, Ausruhen und Klettern gibt scheint mir hierbei das Wichtigste zu sein. Doch auch Schulungen, in denen die Lehrer lernen, bewegte Elemente in ihren Unterricht einzubauen und die Auflage, diese ein Mal in jeder Unterrichtsstunde umzusetzen, veränderten schon viel.

Die Idee von Maria Montessori und … rot/grün?..Hentig?, die Siebt-/Neunt??klässler aus der Schule zu nehmen, übernähme ich auch. Da die Jugendlichen erwiesenermaßen in dieser Klassenstufe kaum etwas lernen und zudem ihr Umfeld und sich selbst reizen und zu keiner positiven Atmosphäre beitragen, scheint es mir, als gäbe es hier Handlungsbedarf. Die Idee Montessoris, die SuS für ein Jahr auf einen eigens dafür eingerichteten, selbstversorgenden Hof zu schicken, ist nicht umsetzbar (auch Maria Montessori hat diese Idee nie umgesetzt), generell erscheint es mir schwierig, die Jugendlichen für ein Jahr an einem anderen Ort unterzubringen und von ihren Familien fortzureißen. Doch für einige Zeit ließe sich dies auf bestehenden Bauernhöfen sicher umsetzen. Die SuS arbeiteten somit körperlich und nicht geistig, sie kämen an ihre Grenzen und sähen gleichzeitig, dass sie einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten können. Alternativ könnte man die Schüler an Wald- oder Strandsäuberungen teilnehmen oder in sozialen Einrichtungen helfen lassen. Durch physische Arbeit könnten die Schüler lernen, sich in ihrem, für sie neuen und ungewohnten, Körper zurecht zu finden und wohl zu fühlen, durch gemeinsame Aktivitäten würde der Gemeinschaftssinn und der Zusammenhalt der Klasse gestärkt und durch das Leisten eines Beitrags, sei es Menschen zu helfen, Gemüse anzubauen oder einen Fluss zu säubern, erlangten die Jugendlichen Selbstvertrauen und blieben, hoffentlich, auf dem Boden der Realität, der ihnen ja manchmal während der Pubertät abhandenkommt.

Beinahe alle Alternativen Schulkonzepte sehen die Abschaffung der Benotung vor. Ich halte dies nicht für sinnvoll. Die momentane Gesellschaft ist eine Konkurrenzgesellschaft, in der Noten und Leistung eine wichtige Rolle spielen. An meiner Traumschule würden die Kinder lernen, wie man mit Leistungsdruck umgehen kann und erhalten somit die bestmögliche Vorbereitung für ihre Zukunft. Wichtig finde ich hierbei, dass ihnen die Angst vor den Noten genommen wird und dafür sind die Lehrer zuständig: Noten soll es zwar geben, doch sie sollen keine wichtige Rolle spielen, die Kinder sollen lernen, dass es auch wichtig ist, die eigenen gesetzten Ziele zu erfüllen. Dennoch sollen sie natürlich auch lernen, eine bestimmte Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erbringen, so wie es später auch von Ihnen erwartet wird. Die Benotung soll jedoch im Hintergrund stehen und darf den Lehrern auf keinen Fall als Erziehungsmaßnahme oder Druckmittel dienen. Zusätzlich führte ich noch eine schriftliche Bewertung oder Einschätzung durch zwei Lehrer verschiedener Fachrichtungen mit gleichvielen Stunden in der Klasse ein (vielleicht Deutsch- und Mathematiklehrer?), die dem Schüler ein Feedback über ihren Fortschritt, ihr Lerntempo, die Schwierigkeiten und Talente und das Verhalten in der Klasse geben. Auf diese Weise kann der Schüler Lernblockaden oder – schwierigkeiten erkennen und, alleine oder mithilfe eines Lehrers, lösen und er wird sich seiner Schwächen und, und das ist wichtig, Stärken bewusst.

Zusätzlich zur Schulung zur Bewegten Schule erhielten meine Lehrer verpflichtende Fortbildungen zur gewaltfreien Kommunikation (vor Antreten des Dienstes an meiner Schule), zur Montessori-Pädagogik und ihre Erziehung mit Liebe und sie sollten sich stets an die Spiegelneuronen erinnern und somit Tag für Tag gut gelaunt und motiviert in die Schule gehen.

Zudem führte ich ein neues Fach ein: das Schulfach Glück. Ernst Fritz-Schubert[1] entwickelte dieses Fach, welches als Pilotprojekt an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg unterrichtet wird und beeindruckende Ergebnisse und Erfolge erzeugt.

Das Fach steht auch unter dem Dach der Kosmischen Erziehung und bringt Schülern bei, ein glückliches Leben zu führen. Es setzt sich aus verschiedenen Unterrichtseinheiten zusammen. Die erste Unterrichtseinheit heißt „Freude am Leben“. Hierbei lernen die Schüler während sechs Wochen in Gruppen- und Partnerübungen, ihre Wahrnehmung für eigene und fremde Gefühle zu verschärfen, lernen Lebensbejahung und Antworten auf Fragen zur Sinnfindung, Authentizität und die Bedeutung des Lebens innerhalb der Gemeinschaft zu finden.

Eine weitere Epoche heißt „Freude an Leistung“, bei der die SuS Freude am Tätig-sein lernen sollen. Hierbei entdecken SuS in praktischen sowie theoretischen Phasen viele bis dahin unerkannte mentale Stärken und persönliche Ressourcen. Daraufhin suchen und finden sie Strategien und Wege, diese Stärken bewusst für die Zielerreichung zu aktivieren. Gleichzeitig lernen die Kinder, ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und wie man mögliche Blockaden abbauen kann.

Die dritte Phase nennt Fritz-Schubert „Freude an der Bewegung“[2]. Diese Epoche birgt viele Realisierungsmöglichkeiten: gemeinsamer Sport in einem Studio, der Konzentration und Überwindung der eigenen Trägheit verlangt, aber durch erfolgreiche Meisterung der Stunde Glückgefühle freisetzt und somit zu einem Flow-Erlebnis führt; ein gemeinsamer Ausflug in einen Klettergarten, um Teamgeist zu fördern und Selbstvertrauen zu stärken; Übungen aus der Theaterpädagogik um die Kinder neue Körper- und Bewegungserfahrungen sammeln zu lassen, ihre Identität, ihr Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Gruppe zu stärken und Emotionen als wirkliche Ressource für Entscheidungsmöglichkeiten zu erkennen. Als Abschluss der Phase „Freude an Bewegung“ gibt es eine Einheit, um die wohltuende Wirkung eines gemeinsam geplanten Essens zu erfahren. Davor lernen die SuS, Lebensmittel ökonomisch und ökologisch sinnvoll einzukaufen, entdecken die Vielfältigkeit von Produkten und Geschmacksrichtungen und erfahren schließlich die Freude am gemeinschaftlichen Zubereiten und der gemeinsam eingenommenen Mahlzeit.

Die Oberstufenschüler setzen sich im Folgenden Jahr mit den Themenbereichen (1) Seelisches Wohlbefinden, (2) Das Glück des Augenblicks, (3) Abenteuer Alltag, (4) Kultur und Kulturtechniken als Grundlage für soziales Leben und (5) Das Ich und die soziale Verantwortung auseinander. Abschließend gibt es eine Projektarbeit im Schulfach Glück, bei der die SuS sich intensiv mit dem Glücksbegriff auseinandersetzen. Hierbei dürfen sie sich unter bestimmten Vorgaben eigene Themen ausdenken und sich anschließend selbstständig, aber bei Bedarf mit Begleitung von Lehrpersonal, mit diesem Thema auseinandersetzen und die Ergebnisse schließlich vor der Klasse präsentieren.

Die Einführung dieses Fachs erscheint mir sinnvoll und erfolgsversprechend und darum darf es an meiner Traumschule nicht fehlen.

[...]


[1] Siehe Fritz-Schubert, Ernst: Glück kann man lernen. Was Kinder stark fürs Leben macht und Fritz-Schubert, Ernst: Schulfach Glück. Wie ein neues Fach die Schule verändert

[2] Diese Phase wird inzwischen in drei Phasen aufgeteilt: (1) Ernährung und körperliches Wohlbefinden, (2) Der Körper in Bewegung, (3) Der Körper als Ausdrucksmittel

Details

Seiten
4
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656957430
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298730
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Pädagogisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Alternative Schulkonzepte Erziehung Pädagogik Alternativ Montessori Waldorf Schule Gymnasium

Autor

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