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Die Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat in Unternehmen

Hausarbeit 2015 24 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2 Interne Überwachung und externe Prüfung im Kontext der Abschlussprüfung
2.1 Die Rolle des Aufsichtsrats im Rahmen der Abschussprüfung
2.2 Die Rolle des Abschlussprüfers im Rahmen der Abschlussprüfung
2.3 Agency-theoretischer Ansatz als Erklärungsmöglichkeit von Abschlussprüfungen

3 Begriff und Ziele des Deutschen Corporate Governance Kodex

4 Zentrale Einflussfaktoren auf die Qualität der Abschlussprüfung unter Berücksichtigung aktueller Normen des DCGK
4.1 Die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats
4.2 Die Vergütung des Abschlussprüfers als Indikator seiner Unabhängigkeit
4.3 Die Kommunikation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat

5 Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

VERZEICHNIS DER GESETZE

VERZEICHNIS DER BERUFSSTÄNDISCHEN NORMEN

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung

„Die Qualität der Corporate Governance in der börsennotierten Aktiengesellschaft wird durch die enge Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Abschlussprüfer wesentlich determiniert.“1 Dadurch lässt sich unter Auslegung des, in der Literatur nicht eindeutig definierten, Begriffs der „Corporate Governance“2 als „die Lehre von einer optimalen Unternehmensführung und einer optimalen Überwachung eben dieser Führung“3, der hohe Stellenwert einer guten Kooperation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat ableiten.

Dies ist bedingt durch die Tatsache, dass börsennotierte Aktiengesellschaften einerseits intern durch den Aufsichtsrat gemäß § 111 Abs. 1 AktG überwacht und andererseits extern durch einen Abschlussprüfer gemäß § 316 Abs. 1 S. 1 HGB geprüft werden müssen. Die Zweckmäßigkeit der Überwachung durch zwei unabhängige Instanzen wird durch das Bestreben zur Verringerung unentdecktem Handelns seitens des Managements begründet.4 Dabei sind in den letzten Jahren besonders die Anforderungen an den Aufsichtsrat enorm gestiegen,5 sodass dem Abschlussprüfer bei der gesetzlichen Abschlussprüfung nicht nur die Funktion eines autarken Prüfers zukommt, sondern dieser ebenso als Hilfsorgan des Aufsichtsrats fungieren6 und ihn bei seiner Überwachungsaufgabe unterstützen soll. Dabei ist vom Gesetzgeber keine doppelte Prüfung, vielmehr eine gegenseitige Ergänzung der Kontrollaktivitäten beider Überwachungsinstanzen beabsichtigt.7

Vor dem Hintergrund der bestmöglichen Kooperation zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat nimmt besonders der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) eine entscheidende Rolle ein. Er zeichnet sich neben der Darstellung gesetzlicher Vorschriften besonders durch Empfehlungen und Anregungen zur Leitung und Überwachung von börsennotierten Gesellschaften aus (Präambel DCGK).

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob der DCGK in der aktuellen Fassung, als Ergänzung zu den gesetzlichen Regelungen, die besten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat bei börsennotierten Aktiengesellschaften gewährleistet. Dazu werden zentrale Einflussfaktoren auf die Qualität der Abschlussprüfung unter Berücksichtigung aktueller Normen des DCGK in Bezug auf die Abschlussprüfung genau analysiert. Als Grundlage thematisiert diese Arbeit zuvor die Rolle des Aufsichtsrats und des Abschlussprüfers im Hinblick auf die Abschlussprüfung sowie eine mögliche Theorie zur Rechtfertigung von Abschlussprüfungen. Anschließend wird ein Überblick über den Begriff, die Ziele und die Akzeptanz des DCGK vermittelt. Darauf aufbauend folgt die oben genannte Analyse, welche abschließend in einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Beantwortung der eingangs formulierten Forschungsfrage mündet.

2 Interne Überwachung und externe Prüfung im Kontext der Abschlussprüfung

2.1 Die Rolle des Aufsichtsrats im Rahmen der Abschussprüfung

Mit Ausnahme der entsendeten Mitglieder in den Aufsichtsrat und der Arbeitnehmervertreter werden Aufsichtsratsmitglieder gemäß § 101 Abs. 1 S. 1 AktG von der Hauptversammlung gewählt, wobei nach § 107 Abs. 4 AktG und § 100 Abs. 5 AktG bei kapitalmarktorientierten Unternehmen mindestens ein Mitglied des Aufsichtsrats bzw. Prüfungsausschusses über Sachverstand auf den Gebieten Rechnungslegung oder Abschlussprüfung verfügen muss.8 Bereits die Pflicht des Aufsichtsrats gemäß § 171 AktG den Vorschlag zur Verwendung des Bilanzgewinns sowie den Jahres- bzw. Konzernabschluss und den Lagebericht bzw. Konzernlagebericht zu prüfen, macht die Notwendigkeit dieser Vorgabe erkennbar. Dabei erfolgt die Prüfung des Jahres- und Konzernabschlusses durch den Aufsichtsrat nicht im selben Detaillierungsgrad wie die des Abschlussprüfers, sondern eher im Rahmen seiner Überwachungsaufgabe in Form einer Beurteilung der Abschlüsse durch kritisches Lesen und Erörterungen mit dem Vorstand und dem Abschlussprüfer.9 Nach § 107 Abs. 3 S. 2 AktG zählt die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses und der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagementsystems sowie des internen Revisionssystems genauso zu den Aufgaben des Aufsichtsrats, wie die Überwachung der Qualität und der Unabhängigkeit der Abschlussprüfung.10 In diesem Zusammenhang beinhaltet die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses und der Wirksamkeit der eben genannten Systeme „stets die Beurteilung, ob Ergänzungen, Erweiterungen oder Verbesserungen erforderlich sind.“11 Zusätzlich gibt der Aufsichtsrat eine Empfehlung für die Wahl des Abschlussprüfers an die Hauptversammlung ab (§ 124 Abs. 3 S. 2 AktG). Die anschließende Beauftragung des Abschlussprüfers (§ 111 Abs. 2 S. 3 AktG) verantwortet er genauso, wie die Bestellung (§ 84 AktG) und Vergütung (§ 87 AktG) des Vorstands.

Zur Erfüllung seiner Aufgaben ist es dem Aufsichtsrat erlaubt und gemäß Tz. 5.3.1 DCGK sogar empfohlen, fachlich qualifizierte Ausschüsse zu bilden. Besonders die Einrichtung eines Prüfungsausschusses, über den inzwischen alle DAX 30 Unternehmen verfügen,12 wird deutlich nahe gelegt (Tz. 5.3.2 DCGK), wobei die Prüfungspflicht stets beim Gesamtaufsichtsrat verbleibt.13

2.2 Die Rolle des Abschlussprüfers im Rahmen der Abschlussprüfung

Grundlegend ist festzustellen, dass gemäß § 319 Abs. 1 S. 1 HGB lediglich Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Abschlussprüfer sein können. Wie in Kapitel 1 erwähnt, sind Jahresabschluss und Lagebericht bzw. Konzernabschluss und Konzernlagebericht von börsennotierten Aktiengesellschaften nach § 316 HGB zusätzlich von einem Abschlussprüfer zu prüfen. Dabei unterscheiden sich die beiden Prüfungen allerdings insofern, als dass der Abschlussprüfer eine Prüfung der Recht- und Ordnungsmäßigkeit i. S. d. § 317 HGB vornimmt, dem Aufsichtsrat allerdings die umfassendere Prüfungspflicht zukommt.14 Der Abschlussprüfer soll nunmehr die „zeitlichen und fachlichen Defizite“15 des Aufsichtsrats ausgleichen und ihm „ein wichtiger Sparringspartner sein.“16 Dabei ist zu beachten, dass der Abschlussprüfer den Aufsichtsrat zwar deutlich entlastet17 und bestenfalls Synergieeffekte genutzt werden sollen,18 der Abschlussprüfer allerdings nicht die Rolle eines „Ersatz-Aufsichtsrats“19 einnehmen darf.

Das Ziel der externen Abschlussprüfung ist die Beurteilung, ob der Jahresabschluss mit hinreichender Sicherheit insgesamt keine wesentlichen falschen Angaben enthält.20 Die Ergebnisse der Abschlussprüfung erfasst der Abschlussprüfer im Prüfungsbericht und im Bestätigungsvermerk.21 Während letzterer das Prüfungsurteil enthält und sich auch an die externen Stakeholder richtet,22 soll der Prüfungsbericht durch die Dokumentation wesentlicher Prüfungsfeststellungen und -ergebnisse die Überwachung des Unternehmens unterstützen.23

2.3 Agency-theoretischer Ansatz als Erklärungsmöglichkeit von Abschlussprüfungen

Die Prinzipal-Agenten-Theorie bietet eine mögliche Legitimation für die externe Abschlussprüfung, indem sie das Verhältnis von Auftraggeber (Prinzipal) und Beauftragtem (Agent) beschreibt, wobei der Agent annahmegemäß über einen Informationsvorsprung verfügt. Idealtypisch soll der Abschlussprüfer dabei als unabhängiger Dritter die Informationsasymmetrien zwischen Aufsichtsrat (Prinzipal) und Vorstand (Agent) verringern.24 Ausgangspunkt sind jedoch unterschiedlich verteilte Informationen zwischen der Hauptversammlung und dem Vorstand.25 Zum Abbau dieser Informationsasymmetrien beauftragt die Hauptversammlung daher den Aufsichtsrat als Agenten,26 der seinerseits in der Funktion des Prinzipals den Abschlussprüfer als weiteren Agenten einstellt.27 Dadurch ist der Abschlussprüfer nun in das komplexe Prinzipal-Agenten-Verhältnis mit eingebunden und unterliegt demnach ebenfalls dem Risiko der Zurückhaltung von Informationen. Somit ist abschließend zu konstatieren, dass es einer sorgsamen Auswahl des Abschlussprüfers sowie einer laufenden Überwachung des Abschlussprüfungsprozesses bedarf.28

3 Begriff und Ziele des Deutschen Corporate Governance Kodex

Ein weiterer wesentlicher Faktor in Bezug auf die Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat, ist der Deutsche Corporate Governance Kodex. Er enthält, wie in Kapitel 1 beschrieben, eine Darstellung wichtiger gesetzlicher Vorschriften sowie Empfehlungen und Anregungen zur Leitung und Überwachung börsennotierter Gesellschaften. Diesbezüglich haben börsennotierte Gesellschaften gemäß § 161 Abs. 1 S. 1 AktG jährlich zu erklären, ob den Empfehlungen des Kodex entsprochen bzw. mit welcher Begründung von ihnen abgewichen wurde. Weiterhin ist die Entsprechenserklärung nach § 161 Abs. 2 AktG auf der Internetseite des Unternehmens zu veröffentlichen. Aufgrund dieser Tatsachen wird der Kodex auch als Soft Law bezeichnet,29 dessen Ziel die Erhöhung der Nachvollziehbarkeit und Transparenz des deutschen Corporate Governance-Systems ist (Präambel DCGK). Dabei hat eine Studie von McKinsey festgestellt, dass Investoren bereit sind, für westeuropäische Unternehmen mit hohen Corporate Governance Standards zwischen 12 - 14 % mehr zu bezahlen.30 Die hohe Akzeptanz des DCGK zeigt sich unter anderem anhand einer Befragung von 27 der DAX30-Unternehmen aus Oktober 2012, wonach diese die Empfehlungen des DCGK vom 15.02.2012 zu 95,8 % befolgen bzw. noch befolgen wollten.31

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass „Der [Deutsche Corporate Governance, Anm. d. Verf.] Kodex […] im Gesamtgefüge der Deutschen Corporate Governance ein fester und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unseres Corporate Governance-Rahmens […]“32 darstellt.

4 Zentrale Einflussfaktoren auf die Qualität der Abschlussprüfung unter Berücksichtigung aktueller Normen des DCGK

4.1 Die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats

Da der Aufsichtsrat einer börsennotierten Aktiengesellschaft die Interessen der Anteilseigner vertreten soll, ist die Sicherstellung der Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder von substanzieller Bedeutung, um die Qualität seiner Arbeit zu gewährleisten. Nachfolgend soll daher die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats anhand signifikanter Schwerpunkte beurteilt werden.

Ein Aufsichtsratsmitglied gilt gemäß Tz. 5.4.2 DCGK als unabhängig, sofern es in keiner persönlichen oder geschäftlichen Beziehung zu der Gesellschaft, deren Organen, einem kontrollierenden Aktionär oder einem verbundenen Unternehmen steht, die einen wesentlichen und andauernden Interessenkonflikt begründen kann. Die Unabhängigkeit ist zudem eine Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit zwischen Abschlussprüfer und Aufsichtsrat,33 da nur so eine ehrliche Kommunikation gewährleistet werden kann. Daher sollte dem Aufsichtsrat eine Mehrheit an unabhängigen Mitgliedern angehören.34 In diesem Zusammenhang mangelt es allerdings an einer gesetzlichen Regelung, bzw. einer entsprechenden Anmerkung des DCGK. Dieser empfiehlt in Tz. 5.4.2 DCGK lediglich, dass dem Aufsichtsrat eine nach seiner Einschätzung angemessene Anzahl von unabhängigen Mitgliedern angehören soll. Einzig der gemäß § 100 Abs. 5 AktG geforderte Finanzexperte hat der eben genannten Unabhängigkeitsdefinition zu entsprechen.

Weiterhin steht die Besetzungspraxis des Aufsichtsrats in der Kritik.35 Es wird angemahnt, dass es üblich sei den Aufsichtsrat mit ehemaligen Mitgliedern des Vorstandes, Vertretern von Geschäftspartnern und Vertretern von Großaktionären zu besetzen, wodurch der Aufsichtsrat eher zur Beziehungspflege genutzt werde und folglich der Unabhängigkeitsgedanke leide. Diesbezüglich haben Gesetz und DCGK in den letzten Jahren allerdings einige Regelungen eingeführt, die die Stärkung der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats zum Ziel hatten.36 Zum einen wurde 2009 mit dem Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) die sogenannte Cooling Off-Periode eingeführt. Danach dürfen gemäß § 100 Abs. 2 Nr. 4 AktG ehemalige Vorstände erst nach einer Karenzzeit von zwei Jahren in den Aufsichtsrat wechseln. Jedoch wurde als politischer Kompromiss eine Opting out-Klausel vereinbart, die einen sofortigen Eintritt erlaubt, sofern der Wahlvorschlag von Aktionären mit mehr als 25 % der Stimmrechte erfolgt.37 Hier gilt es kritisch zu hinterfragen, ob eine zweijährige Karenzzeit zur Gewährleistung der Unabhängigkeit dieser Mitglieder ausreichend ist oder ob eine Verlängerung dieser Cooling Off-Periode von Nöten ist.38 Zum anderen sollen dem Aufsichtsrat laut einer Empfehlung des DCGK in Tz. 5.4.2 maximal zwei ehemalige Mitglieder des Vorstands angehören. Außerdem soll der Aufsichtsrat gemäß Tz. 5.4.1 DCGK der Hauptversammlung bei seinen Wahlvorschlägen die persönlichen und geschäftlichen Beziehungen jedes Kandidaten zum Unternehmen, zu den Gesellschaftsorganen und zu einem zu mindestens zehn % an der Gesellschaft beteiligten Aktionär offenlegen, was zu einer verbesserten Transparenz im Auswahlverfahren führen soll. Eine zusätzliche, die Unabhängigkeit stärkende, Maßnahme im DCGK stellt die Aufwertung von einigen Anregungen in Empfehlungen dar. Seit dem 15.05.2012 soll der Aufsichtsrat bei Bedarf ohne den Vorstand tagen (Tz. 3.6 DCGK), keine personelle Identität zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses herrschen (Tz. 5.2 DCGK) und der Vorsitzende des Prüfungsausschusses unabhängig sein (Tz. 5.3.2 DCGK). Dadurch müssen börsennotierte Aktiengesellschaften nun gemäß § 161 AktG erklären, inwieweit diesen Empfehlungen entsprochen wurde.39

Problematisch gestaltet es sich allerdings in mitbestimmten Aufsichtsräten, in denen die Unabhängigkeit der Arbeitnehmervertreter oft nicht gegeben ist, da zum Beispiel die Gefahr besteht, dass ein Arbeitnehmervertreter aufgrund der möglichen Rückkehr zu seinem ursprünglichen Arbeitsplatz eine offene Kritik am Vorstand scheut. Besonders groß ist die Gefahr auch, wenn der Arbeitnehmervertreter über das Aufsichtsratsmandat versucht seine persönliche Karriere zu fördern und er daher die Gunst des Vorstands derer der Aktionäre vorzieht.40 Trotz dieser offenkundigen Unstimmigkeit findet dieser Umstand im DCGK keine Berücksichtigung.41

Zusammenfassend lassen sich im DCGK wichtige Regelungen zur Sicherung der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats erkennen. Allerdings zeigen besonders die fehlende Regelung zu Arbeitnehmervertretern sowie das Fehlen einer konkreteren Angabe zum Anteil an definitorisch unabhängigen Aufsichtsratsmitgliedern, dass weiterhin Unabhängigkeitsrisiken im Aufsichtsrat bei börsennotierten Aktiengesellschaften bestehen, „die eines wesentlichen regulatorischen Anpassungsbedarfs bedürfen.“42

4.2 Die Vergütung des Abschlussprüfers als Indikator seiner Unabhängigkeit

Neben der zuvor festgestellten hohen Relevanz eines unabhängigen Aufsichtsrats genießt der Faktor Unabhängigkeit in Bezug auf den Abschlussprüfer einen ebenso stark gewichteten Stellenwert. Nur durch die Unabhängigkeit beider Organe kann eine offene und konstruktive Zusammenarbeit miteinander sowie die Neutralität des Prüfungsurteils angenommen werden. In diesem Zusammenhang liegt die Beurteilung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers letztlich im Ermessen des Aufsichtsrats43 als dessen Prinzipal. Diese Beurteilung gestaltet sich als nicht unproblematisch, da mehrere Gründe der Befangenheit des Abschlussprüfers vorliegen können. Zu nennen sind da personelle Verflechtungen, etwa durch gleichzeitige Tätigkeit im Aufsichtsrat des Mandanten, persönliche Beziehungen zum Unternehmen oder dessen Mitarbeitern, gleichzeitige Verrichtung von Prüfungs- und Beratungsleistungen oder finanzielle Interessen, zum Beispiel durch die Abhängigkeit der Einnahmen aus dem Mandantenverhältnis.44 Nachstehend soll näher auf die, im letztgenannten Punkt erwähnte, Gefährdung der Unabhängigkeit durch die Vergütung des Abschlussprüfers eingegangen werden.

Die Vergütung der Abschlussprüfungsleistungen stellt eine wichtige Einnahmequelle für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bzw. Wirtschaftsprüfer dar. Gleichzeitig dient das Prüferhonorar dem Kapitalmarkt als ein möglicher Anhaltspunkt für die Beurteilung der Prüfungsqualität des Abschlussprüfers. Der Kapitalmarkt unterstellt dem Abschlussprüfer einen positiven Zusammenhang zwischen der Höhe seiner Vergütung und seiner Unabhängigkeit, wobei eine starke Unabhängigkeit mit einer guten Prüfungsqualität verbunden wird.45 In diesem Kontext könnte es Sinn machen, im DCGK die Empfehlung auszusprechen, neben der Höhe des Prüferhonorars und dem Verhältnis zu Nichtprüfungsleistungen, zusätzlich das zugrunde liegende Vergütungssystem für Prüfungsleistungen im Anhang anzugeben. Dies würde die Transparenz des Prüferhonorars erhöhen und einen Rückschluss auf die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers erleichtern.46

[...]


1 Velte, WiSt 2012, S. 524.

2 Vgl. Kreuzgrabe (2009), S. 7.

3 Peltzer/Werder, AG 2001, S. 1.

4 Vgl. Wassermann/Rohde, in Grundei/Zaumseil (2010), S. 377.

5 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 389.

6 Vgl. Schubert/Hommelhoff (1987), S. 85.

7 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 382.

8 Vgl. Probst, in: Freidank/Velte (2012), S. 319.

9 Vgl. Probst, in: Freidank/Velte (2012), S. 320 - 321.

10 Vgl. Nonnenmacher/Pohle/v. Werder, DB 2009, S. 1450.

11 Probst, in: Freidank/Velte (2012), S. 319.

12 Vgl. v. Werder/Talaulicar, DB 2010, S. 857.

13 Vgl. Buhleier/Krowas, DB 2010 S. 1165.

14 Vgl. Velte, DB 2011, S. 1173.

15 Hense, in: FS Budde (1995), S. 292.

16 Probst, in: Freidank/Velte (2012), S. 321.

17 Vgl. Velte, WiSt 2012, S. 524.

18 Vgl. Velte, DB 2011, S. 1173.

19 Dörner/Oser, DB 1995, S. 1085.

20 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 374.

21 Vgl. IDW, PS 200, Rz. 9 (2000).

22 Vgl. Probst, in: Freidank/Velte (2012), S. 321.

23 Vgl. IDW, PS 450, Rz. 1 (2012).

24 Vgl. Marten/Quick/Ruhnke, in: Lexikon der Wirtschaftsprüfung (2006), S. 18 - 19.

25 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 385.

26 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 386.

27 Vgl. Wassermann/Rohde, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 385.

28 Vgl. Nonnenmacher/Pohle/v. Werder, DB 2009, S. 1450.

29 Vgl. Henssler/Strohn/E. Vetter, AktG § 161 Rn. 1 - 31 (2014).

30 Vgl. McKinsey, Global Investor Opinion Survey 2002, S. 2, zitiert bei Kreuzgrabe (2009), S. 7.

31 Vgl. v. Werder/Bartz, DB 2013, S. 885 – 886.

32 Vgl. Leutheusser-Schnarrenberger, WPg 2012, S. 1.

33 Vgl. Velte, IRZ 2012, S. 262.

34 Vgl. Kehler (2008), S. 175.

35 Vgl. Kehler (2008), S. 12.

36 Vgl. Klose, in: Grundei/Zaumseil (2012), S. 338.

37 Vgl. Velte, IRZ 2012, S. 261.

38 Vgl. Velte, IRZ 2012, S. 262.

39 Vgl. Velte, IRZ 2012, S. 261 - 262.

40 Loritz, in: FS Bauer (2010), S. 681 - 682.

41 Vgl. Velte, IRZ 2012, S. 262.

42 Velte, IRZ 2012, S. 262.

43 Vgl. Velte, AG 2009, S. 105.

44 Vgl. Marten/Quick/Ruhnke, in: Lexikon der Wirtschaftsprüfung (2006), S. 798 - 799.

45 Vgl. Velte, WPg 2009, S. 1233.

46 Vgl. Velte, WPg 2009, S. 1233.

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656952336
ISBN (Buch)
9783656952343
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298700
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
Prüfungswesen Abschlussprüfer; Abschlussprüfung Aufsichtsrat DCGK Deutscher Corporate Governance Kodex Zusammenarbeit

Autor

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Titel: Die Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat in Unternehmen