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Der Umgang mit Heterogenität in den deutschen und kirgisischen Schulen

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Beschreibung des kirgisischen Schulsystems

3. Die Heterogenität in zwei unterschiedlichen Schulsystemen, dem Kirgisischen und dem Deutschen
3.1 Der Umgang mit der Heterogenität im kirgisischen Bildungssystem
3.2 Der Umgang mit der Heterogenität in den deutschen Schulformen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren wird das Thema „Heterogenität in den Schulen“ öfter diskutiert (Prengel, 2005, S. 19). In den heutigen Klassen befinden sich Schüler, die sehr unterschiedlich sind: „die verschieden alt sind, auf unterschiedlichen Leistungsniveaus und mit unterschiedlichen Strategien lernen, aus verschiedenen Familien, Schichten und Kulturen kommen, sich als Mädchen und Jungen vielfältig inszenieren und sich zu einzigartigen Persönlichkeiten entwickelt haben“ (ebd.). Kann man dies als Heterogenität in den Schulen bezeichnen? Bevor ich zu meinem Thema „Umgang mit Heterogenität“ komme, möchte ich den Begriff „Heterogenität in den Schulen“ definieren. Ludwig Duncker schreibt in seinem Beitrag „Bildung und Heterogenität. Zerreißproben für das Bildungssystem“ folgendes: „Heterogenität bezieht sich aber nicht nur auf das Spektrum zwischen Minderbegabung und Hochbegabung, sondern auch auf migrationsbedingte kulturelle Vielfalt und Sprachbeherrschung, auf Medienkonsum und Freizeitverhalten, auf Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, auf Kinder mit oder ohne Behinderungen, also auf all die Differenzierungen, die sich materiell, kulturell und sozial abbilden“ (Duncker 2009, S. 226).

In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, wie der Umgang mit der Heterogenität in zwei unterschiedlichen Schulsystemen ist, dem Kirgisischen und dem Deutschen. Dafür werde ich als erstes das kirgisische Schulsystem beschreiben. Danach möchte ich anschauen, welche Lerngruppen in Kirgistan gebildet werden und welche Möglichkeiten des Chancenausgleiches für die kirgisischen Schüler bestehen.

Als nächstes möchte ich beschreiben, wodurch die Heterogenität in den deutschen Schulen gekennzeichnet ist. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, ob man über die Grundschule oder über die Sekundarstufe spricht.

Die Grundschule ist nicht so oft untersucht worden und dient als Vorbild der Schule im Bereich der „Heterogenität in der Schule“. Bei genauerer Betrachtung möchte ich wissen, ob dies wirklich so ist. Ich werde auf die Probleme der Kinder mit Migrationshintergrung näher eingehen. Danach wird das Bild von Schülern einer Schulart der Sekundarstufe ausführlich dargestellt.

Am Ende möchte ich einen Fazit ziehen, wofür die Bildung heute dienen soll und ob „die Kinder und Jugendlichen für die Praxis des Lebens in der Demokratie qualifiziert“ (Prengel 2005, S. 31) werden.

2. Die Beschreibung des kirgisischen Schulsystems

Die kirgisische Schule kann man in zwei Gruppen aufteilen. Die erste Gruppe besteht aus allgemeinbildenden Schulen, die im Weiteren als Hauptschulen bezeichnet werden. Weiterbildende Schulen wie Gymnasien, Lyzeen, Internatsschule und andere, werden in der Arbeit mit einem Oberbegriff „Gymnasien“ bezeichnet und bilden die zweite Gruppe. Für die allgemeinbildenden Schulen bzw. Hautschulen wird ein Standard an Fächern von dem Bildungsministerium festgelegt, dem so genannten Curriculum. Darin sind die Inhalte eines jeden Faches definiert, die vom Bildungsministerium als Pflichtinhalte bezeichnet werden. Das Curriculum für Gymnasien wird an den Schulen eigenständig entwickelt, aber trotzdem muss dieses von dem Ministerium bestätigt werden. In diesen Plänen müssen auch die Inhalte der Hauptschulen integriert sein, da ein grundlegender Bildungsstandard in Kirgistan vorgesehen ist. Für Kinder mit Behinderung, geistig sowie körperlich, sind spezielle Schulen vorhanden.

Das kirgisische Schulsystem wird durch drei Stufen realisiert. Erste Stufe ist die Grundbildung bzw. Grundschule, die 4 Jahre dauert. Die Grundschulen sind in beiden Schulgruppen integriert. Zweite Stufe des Bildungssystems ist die Mittelstufe, die in den anschließenden fünf Jahren verwirklicht wird (5-9 Klasse). Nach dieser Stufe müssen die Schüler die staatlichen Prüfungen bestehen, damit sie die Zeugnisse für den Hauptabschluss bekommen können. Die ersten zwei Stufen werden von beiden Gruppen angeboten. Danach können die Schüler entscheiden, ob sie in die dritte Stufe einer Schule gehen oder eine berufliche Ausbildung anfangen. Nach zwei Jahren ist die dritte Stufe der Schule abgeschlossen (10-11 Klasse). Die so genannte Oberstufe muss auch mit staatlichen Prüfungen abgeschlossen werden, um die Mittlere allgemeine Bildung (Abitur) zu erreichen. Nach den Prüfungen bekommen die Schüler ihre Abiturzeugnisse, mit denen sie die Hochschulreife erreichen und an jeder Universität studieren gehen können, wobei es keine fachlichen Einschränkungen gibt. Zusätzlich gibt es noch Schulen, in denen die Oberstufe in einem Jahr abgeschlossen werden kann. In anderen Schulen wird aus Schülermangel diese Oberstufe gar nicht mehr angeboten.

Das Schuljahr beginnt immer am 1. September und endet am 25. Mai. In der ersten Klasse sollen die Schüler nicht mehr als 33 Schulwochen haben und in der restlichen Grundschule nicht mehr als 34 Wochen, die Schulferien gehören jedoch nicht dazu. In der Mittelstufe und Oberstufe haben die Schüler 35 Schulwochen zu besuchen.

Die Schulwochenstunden werden für jede Stufe und in der Grundschule für jede Klasse unterschiedlich festgelegt. In der ersten Klasse dürfen die Schüler nicht mehr als 23, in der zweiten und dritten Klasse nicht mehr als 28 und in der vierten nicht mehr als 29 Wochenstunden haben. Für die Mittelstufe sind für die fünfte Klasse nicht mehr als 34 Stunden in der Woche und für die sechste bis neunte Klasse nicht mehr als 36 Wochenstunden eingeplant. In der Oberstufe haben die Schüler nicht mehr als 36 Stunden pro Woche zu besuchen. In Gymnasien ist die Schulstundenzahl wöchentlich höher, wird aber durch das Bildungsministerium für jedes Gymnasium individuell vorgegeben. Eine Schulstunde dauert normalerweise 45 Minuten.[1]

In kirgisischen Schulen wird im Zweischichtbetrieb unterrichtet, weil zurzeit ein sehr großer Mangel an LehrerInnen im Land herrscht. Dieser Zweischichtbetrieb gestaltet sich folgendermaßen: Dabei gehen z. B. die ersten und zweiten Klasse einer Schule vormittags in den Unterricht und die dritten und vierten Klassen in den Nachmittagsunterricht. Eine Aufteilung der Mittelstufe wird genauso gehandhabt. Nur die Oberstufe ist hier eine Ausnahme und wird nur am Vormittag unterrichtet.

In den ersten vier Schuljahren gibt es eine vorgeschriebene Schuluniform. Ab der fünften Klasse existiert eine bestimmte Kleiderordnung. Das Oberteil soll weiß und die Hose oder der Rock schwarz sein.

In den Sommerferien müssen sich alle Schüler am Erhalt der Schule für 15 Tage beteiligen. Eine begleitende Person (LehrerInnen) kontrolliert die Arbeit und unterschreibt jeden Tag, dass die Kinder da waren. Diejenigen, die nicht anwesend waren, müssen im September Arbeiten, wie z.B. Schulhof kehren oder die Klassenräume putzen, nachholen.

In der Grundschule bleiben die Kinder in ihrem Klasseraum. Ab der fünften Klasse müssen die Schüler in den Pausen die Räume wechseln. Für jedes Fach wird extra ein Raum eingerichtet, für den eine Klasse mit einem/er LehrerIn verantwortlich ist. Das gilt nicht nur für Fächer wie Chemie, Biologie, Physik und Informatik, sondern auch für Fächer wie Mathe, Deutsch, Russisch, Kirgisisch, Geografie und Geschichte. Die Fachräume sind mit den Lehrmaterialien für die gesamte Schulzeit ausgestattet.

3. Die Heterogenität in zwei unterschiedlichen Schulsystemen, dem Kirgisischen und dem Deutschen

In diesem Abschnitt möchte ich zwei unterschiedliche Schulsysteme, das Kirgisische und das Deutsche, im Blick auf die Heterogenität und den Chancenausgleich in den Schulen betrachten. Dabei werde ich noch anschauen, wie sich die gesellschaftliche auf die schulische Heterogenität übertragen lässt und welche Wirkung dies auf das Leben nach der Schule hat.

3.1 Der Umgang mit der Heterogenität im kirgisischen Bildungssystem

Kirgistan ist ein Staat in Zentralasien. Dieses Land ist ein ehemaliger Staat der Sowjetunion gewesen. Deswegen leben in Kirgistan mehrere Nationalitäten zusammen. In diesem Land gibt es zwei Sprachen, Kirgisisch als Nationalsprache und Russisch als offizielle Sprache. Dies führt zu Verständigungsproblemen, weil nicht jeder Einwohner beide Sprachen ausreichend beherrscht. Des Weiteren gibt es Nationalitäten, die keine der beiden Sprachen können. Das alles spiegelt sich im Schulsystem von Kirgistan wider.

Zur Zeit der Sowjetunion sollten alle Fächer in allen Schulen nur auf Russisch unterrichtet werden. Das Sprachproblem war damals sehr groß, weil die Menschen in der Provinz zu Hause kein Russisch gesprochen haben. Die Muttersprache (Kirgisisch) wurde in Schulen ganz selten angeboten, da auch keine LehrerInnen in der Zeit dafür ausgebildet wurden. Trotzdem gab es Versuche Kirgisisch in den Lehrplan zu integrieren.

Seit der Unabhängigkeit Kirgistans sind im Land zwei Sprachen legitim. In den 90-er Jahren wurden Klassen mit kirgisischer Muttersprache in mehreren Schulen eingerichtet. Das heißt, dass die Eltern der Schüler seitdem wählen dürfen, ob der Unterricht ihrer Kinder auf Russisch oder Kirgisisch gehalten wird. Das Problem bestand darin, dass die Lehrer immer noch keine entsprechende Ausbildung dafür hatten. Durch die Bildungsreformen der 90-er Jahre wurden die entsprechenden Ausbildungen an Universitäten eingeführt. Heute gibt es auch Schulen, in denen nur auf einer Sprache unterrichtet wird, entweder Kirgisisch oder Russisch.

Seit dem Jahr 2003 hat die Regierung eine Reform für Bilingualschulen vorgenommen. 2009 wurde dafür ein „Konzept der multikulturellen und mehrsprachigen Bildung in der Kirgisischen Republik“ vom Bildungsministerium entwickelt. Das Ziel besteht darin, die im Land gesprochen Sprachen, neben den Weltsprachen (Englisch, Deutsch), in der Schule anzubieten. Die Schüler sollen eine Übersicht über die historischen Gründe, die Literatur und die Kultur aller ethnischen Gruppen, die in Kirgistan leben, erhalten. Das soll dazu beitragen, die ethnischen Unterschiede der Gesellschaft zu verbinden (Konzept der multikulturellen und mehrsprachigen Bildung in der Kirgisischen Republik, Bischkek 2009).

Die Kinder der Kirgisischen Republik werden nicht nur in der Muttersprache unterschieden, sondern auch in den Leistungsfähigkeiten. In den Gymnasien werden Schüler aufgenommen, die eine Aufnahmeprüfung bestehen. Diese Schulen müssen oft durch monatliche Beiträge von den Eltern zusätzlich finanziert werden. Das heißt, dass diese Aufnahme an der Schule gewissermaßen den familiären Status widerspiegelt. Die Hauptschulen sind im Gegensatz dazu in Kirgistan kostenlos.

Die Schüler werden innerhalb einer Schule schon in der ersten Stufe nach Leistungen unterteilt, die mit einer Aufnahmeprüfung ermittelt werden. Dadurch wird eine Vorselektion in den naturwissenschaftlichen Bereich, einschließlich Mathematik, und geisteswissenschaftlichen Bereich vorgenommen. Nach diesen Voraussetzungen werden die Klassen gebildet. Nach der Grundschule wird das Wissen der Schüler noch einmal geprüft. Wenn das Kind das entsprechende Leistungsniveau der Klasse nicht aufweisen kann, muss es in eine Klasse mit anderen Leistungsansprüchen gehen. In der Regel sind die Kinder einer Klasse gleichaltrig.

Aus den vorher genannten Punkten erschließt sich, dass in den kirgisischen Schulen homogene Lerngruppen gebildet werden, zu denen Kinder mit gleicher Muttersprache, im gleichen Alter, mit gleichen Leistungsfähigkeiten und einem bestimmten Familienstatus gehören. Kinder mit Behinderung werden ebenfalls selektiert und gehen in eine spezielle Schule.

Die Schuluniform ist ein Merkmal der Schulen einen äußerlichen Unterschied zu vermeiden. Im Schulleben gibt es auch noch strenge Regeln und Disziplin, auf die immer geachtet wird. Wenn diese Regeln gebrochen werden, muss mit einer entsprechenden Strafe durch LehrerInnen gerechnet werden. Dies kann auch körperliche Arbeit in der Schule bedeuten, wie z. B. das Putzen des Klassenzimmers. Das zeigt auch, dass in den kirgisischen Schulen eine Hierarchie zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützt wird, was einerseits zu Problemen in einer demokratischen Gesellschaft, andererseits wiederum zum Respekt gegenüber der älteren Generation führen könnte.

Es gibt aber auch einen Chancenausgleich zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten da alle Schüler nach der elften Klasse das Abitur bekommen und sich in den Hochschulen weiterbilden können. Nach der elften Klasse wird auch eine Prüfung in der ganze Republik geschrieben, zu der die Schüler in eine fremde Schule geschickt werden, aber nicht als gesamte Klasse. Damit möchte man erreichen, dass die Schüler und Lehrer sich nicht kennen. Zu dieser Prüfung gehören mehrere Bereiche der allgemeinen Bildung, z. B. Muttersprache und muttersprachliche Literatur, Mathematik, Logik und Geschichte. Diese Prüfung wird in mehreren Varianten vorbereitet. Zusätzliche kann man noch Fächer zur Überprüfung wählen, z. B. eine Fremdsprache. Danach gibt es ein Zertifikat mit erreichter Punktzahl, mit dem man sich an den Universitäten bewerben kann. Diese sind verpflichtet eine bestimmte Menge an kostenlosen Studienplätzen zur Verfügung zu stellen. Wenn man eine Fremdsprache an einer Universität studieren möchte und diese in der oben genannten Prüfung abgelegt hat, muss man keine Aufnahmeprüfung mehr an der Universität bestehen. Die Punkte aus dem Zertifikat werden für diese Prüfung anerkannt, wobei nur eine bestimmte Anzahl an Abiturienten aufgenommen wird. Wegen der begrenzten Anzahl werden nur die Besten der Bewerber zugelassen.

[...]


[1] Bis zu dieser Stelle wurden alle Informationen dieses Kapitels von einer Internetseite übernommen: http://www.baldar.kg/index.php?option=com_content&view=article&id=435:2010-03-17-07-46-30&catid=80:2010-03-17-03-18-32 (26.02.2011). Auf dieser ist das staatliche Gesetz über den staatlichen Standard der Schulbildung in der Kirgisischen Republik von 23.07.2004 veröffentlicht.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656949312
ISBN (Buch)
9783656949329
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298636
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Pädagogisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
umgang heterogenität schulen
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Titel: Der Umgang mit Heterogenität in den deutschen und kirgisischen Schulen