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Die Iden des März, 44 v.Chr. Ein Überblick der Verschwörung gegen Caesar

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung:

2. Caesars Person und sein Verhalten vor der Ermordung

3. Die Verschwörer

4. Die Tat

5. Die Folgen

6. Fazit

7. Bibliographie:

1. Einleitung:

„Wer einen Tyrannen tötet, hat mit Sicherheit kein Verbrechen begangen. So denkt jedenfalls das Volk von Rom, dass die Tat als das glänzende aller guten Werke ansieht“ schrieb Cicero in seinem letzten Werk.[1] Allgemein war der Tyrannenmord in der Antike positiv bewertet. Schon bei den Griechen galt wer einen Tyrannen tötet als Held. So erwarteten auch die Verschwörer gegen Caesar, dass sie nach dem Mord als Helden gefeiert würden. Es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen die Verschwörer Caesar als Tyrannen sahen. Wenn man Aristoteles’ Politea über Tyrannen liest lassen sich einige Ähnlichkeiten zwischen Caesar und Aristoteles’ Definierung eines Tyrannen finden. Das bedeutet aber nicht, dass die Senatoren und das Volk schlechteren Bedingungen ausgesetzt waren als vor Caesar. Ganz im Gegenteil waren viele der Senatoren erst unter und durch Caesar zu ihren Ämtern und ihrem Reichtum gekommen. Und das Volk liebte Caesar für seine Clementia. Caesar hatte außerdem den Bürgerkrieg beendet. Was die Senatoren wirklich störte, war das Ende ihrer Libertas, ihrem Recht als Gleiche untereinander um die Macht zu kämpfen. Caesar hatte sie alle um Längen in Macht und Einfluss überholt. Sie waren nun keine Entscheidungsträger mehr. Nur noch Repräsentanten für einen Senat, welcher keinen Einfluss mehr auf die Gesetzgebung hatte. Ihr Wunsch Caesar zu töten, als Tyrannen darzustellen und daher all seine Entscheidungen rückgängig zu machen erscheint paradox. Da sie alle von Caesar in ihre Ämter eingesetzt wurden, würden sie diese dann eben auch wieder verlieren. Dies zeigt auch die Notwendigkeit die Gründe der Verschwörer, sowie das Verhalten Caesars, welches dazu führte dass er von den Senatoren als Tyrann gesehen wurde, genauer zu untersuchen. Diese Arbeit wird die Person Caesar, sein Verhalten vor den Iden des März sowie die Motivation und Beweggründe der Verschwörer grob umreißen und soll eine Einsicht in das Geschehen um die Iden des März geben.

2. Caesars Person und sein Verhalten vor der Ermordung

Gajus Julius Caesar ist noch heute eine der bekanntesten Figuren der Antike. Er entstammte dem Patriziergeschlecht der Julier und wurde 100 v. Chr. geboren.[2] Auf seinem Weg zu Ehre und Ruhm zeigte er einen starken Willen schnell zu Macht und Ruhm zu gelangen und durchlief den Cursus honorum. Zuerst erhielt er 70 v. Chr. eine Quästur, welche er im Jahre 69 v. Chr. in der Provinz Hispania Ulterior (Südspanien) ableistete . [3] Zu dieser Zeit verstarb auch seine erste Frau Cornelia und er heiratete nach seiner Rückkehr aus Spanien Pompeia. Sie war eine Enkelin Sullas und sehr wohlhabend. Es wird, da Caesar meist in Geldnot war vermutet, dass er auch des Geldes wegen heiratete. Das Geld aus dieser Heirat nutzte er um seine politische Karriere möglichst schnell voran zu treiben. 65 v. Chr. erlangt Caesar als Ädil große Beliebtheit mit der Durchführung prachtvoller Spiele und schafft seinen ersten ungewöhnlichen Karrieresprung, indem er zum Pontifex Maximus gewählt wird (63 v. Chr.) ohne vorher je Konsul gewesen zu sein. 62 lässt er sich von Pompeia scheiden und wird Prätor. Weiterhin wird er von Marcus Licinius Grassus unterstützt, welcher zu der Zeit als der reichste Römer galt. 61 bekommt Caesar eine Proprätur in Spanien, wo er erfolgreich gegen die Iberer kämpft und große Beute macht. Dies ermöglicht ihm seine Schulden in Rom zu bezahlen und seinen Wahlkampf fortzuführen. Bei seiner Rückkehr verzichtet er sogar auf seinen Triumphzug, da dieser erst nach den Wahlen für das Konsulat gewesen wäre und ein erfolgreicher Feldherr die Stadt nicht vor seinem Triumphzug betreten darf. Dies zeigt wie erpicht er darauf gewesen war möglichst schnell an Macht und Ruhm zu gelangen. Trotz seiner Beliebtheit, welche er sich unter anderem durch die erfolgreichen Kriege in Spanien errungen hatte, hatte Caesar in Rom auch Feinde. Diese wollten sein Konsulat verhindern. So versöhnte Caesar Pompeius mit dessen altem Feind Marcus Crassus um ein Triumvirat zu gründen. Caesar schloss mit beiden ein Bündnis, dass „nichts im Gemeinwesen geschehen solle, was einem der drei missfiele“[4] Durch dieses Bündnis konnte Caesar nun das Konsulat im Jahr 59 v. Chr. durchsetzen. Dies machte Caesar mit 40 Jahren zum jüngsten Konsul jeher. Während des Konsulats setzte Caesar einige Neureglungen durch, so zum Beispiel die Landverteilung an Pompeius’ Veteranen, die Ratifizierung der östlichen Provinzen und eine Reform der Gesetze um die Statthalter von Erpressungen abzuhalten.[5] Da er sich über einige andere Senatoren hinwegsetzen musste, vor allem seinen Mitkonsul Bibulus erwartete ihn nach dem Konsulat eine Anklage. Es wurde oft scherzhaft geschrieben es sei das Konsulatsjahr „Julius und Caesar“[6], weil Bibulus sich nicht gegen Caesar durchzusetzen vermochte.[7] Caesar konnte der Anklage aus dem Weg gehen, indem er sich eine fünfjährige Amtszeit als Prokonsul in Cis- und Transalpina sicherte. Er hatte sich in Rom durch sein Konsulat weitere Feinde geschaffen. Dies machte es erforderlich „seine Machtmittel und sein Prestige durch erfolgreiche Kriege soweit zu steigern, dass ihm seine Gegner nichts mehr würden anhaben können.“[8] Als Prokonsul in Gallien führte er erfolgreiche Kriege gegen die Gallier und verschaffte sich die private Befehlsgewalt über elf Legionen, sowie großen Ruhm und Ehre. Seine Armee war ihm durch seine Großzügigkeit und seinen Führungsstil sehr treu ergeben.[9] Der Senat forderte von Caesar nach seinem Feldzug die Legionen aufzulösen. Anstatt dieser Forderung Folge zu leisten überquert Caesar am 10. Januar 49 mit den Worten: „Der Würfel ist gefallen.“ den Rubikon.[10] Und begann damit den Bürgerkrieg. Nun ging es für Caesar um alles oder nichts. Der Senat verließ sich auf Pompeius, welcher Caesar stoppen sollte. Pompeius jedoch musste nach Griechenland fliehen um dort ein Heer aufzurüsten. Als er sich dann Pompeius stellen muss schlägt er ihn nach einer Niederlage in der Schlacht bei Pharsalos entscheidend und kontrollierte somit den größten Teil des östlichen Mittelmeers. Caesar folgt dem fliehenden Pompeius nach Ägypten, wo ihm von Ptolemaios XIII in Alexandria Pompeius Kopf überreicht wird.[11] Auch lernt Caesar dort die junge Kleopatra kennen mit welcher er eine Liebesbeziehung eingeht. Er lässt Pompeius ordentlich bestatten und begnadigt viele seiner Feinde. Damit zeigt Caesar seine Milde (Clementia). Ptolemaios vertreibt Kleopatra aus Ägypten und Caesar beginnt den Alexandriaschen Krieg.[12] Nach der Vereinigung mit Mithridates Heer kann er sich gegen Achillas, Ptolemaios’ Feldherr, durchsetzen. Ptolemaios fällt in den Kämpfen, wodurch Kleopatra die alleinige ägyptische Herrscherin wird.[13] Danach zieht Caesar nach Kleinasien und vertreibt Pharnakes aus den römischen Provinzen und zieht danach zu einem Feldzug gegen die restlichen Pompeianer. Er schlägt in der Schlacht bei Thapsus die Truppen unter Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren. Als er dann letztendlich 45 v. Chr. auch die Söhne des Pompeius bei Munda schlägt ist die militärische Macht der Republikaner ausgeschaltet und Caesar kann nach Rom zurückkehren, wo er den Sieg des Bürgerkrieges mit einem Triumphzug feiert, als wäre es ein Krieg gegen einen nicht römischen Feind gewesen.[14] Anfang Oktober 45 kehrte Caesar nach Rom zurück. Dies war die letzte und längste Zeit, welche Caesar seit seinem Konsulat 59 in Rom verbrachte, diese wollte er am 18. März für einen Feldzug gegen die Parther beenden. Generell verbrachte Caesar seine Zeit lieber auf einem Schlachtfeld als in Rom.[15] 44 lies Caesar sich vom Senat zum Dictator perpetuus ernennen. Dadurch verloren die Senatoren die letzte Hoffnung, dass Caesar die Republik wieder restaurieren würde, was zuvor noch viele hofften.[16] Sobald Caesar die anderen Senatoren in Einfluss und Macht zu überholen drohte und so der Wettstreit unter Gleichen nicht mehr gegeben war wollten sie ihn loswerden. Yavetz schreibt dazu treffend: „Die Senatsaristokratie war nicht dazu bereit, sich mit einem Mann abzufinden, der es wagt, die Anderen zu überragen. Sie kannte sehr wohl die Gefahr, die darin lag, dass ein solcher Mann, wollte er Erfolg haben, sich über ihre Köpfe hinweg an die breite Masse wenden musste.“[17] Caesar verstand sich sehr gut darauf sich an die Massen zu wenden und diese für sich zu gewinnen. So versäumte er nie die ausstehenden Zahlungen an seine Veteranen zu tätigen, veranstaltete pompöse Spiele und errichtete viele neue Bauten in Rom. In der Zeit vor seinem Tod wurde Caesar mit verschiedenen Ehren überhäuft, so wurde er Parens patriae, Dictator perpetuus, sein Bildnis wurde neben dem der Götter aufgehängt, Münzen mit seinem Portrait geprägt, Festspiele zu seinen Ehren gehalten und der Monat Quinctilis wurde in Julius umbenannt.[18] Caesar lehnte jedoch auch einige der Ehrungen ab, da er sie bereits als Beleidigung empfand. So vor allem wenn man ihn König nannte oder als Antonius ihm zu den Luperkalien das Königsdiadem aufsetzen wollte. Er lies es anstatt es anzunehmen zum Capitol bringen und es Iupiter Oprimus Maximus aufsetzen.[19] Es wird jedoch spekuliert, dass dies von Caesar geplant gewesen war um das Gerücht, dass er sich zum König krönen wollte zu zerstreuen. Seine Ablehnung des Kranzes wurde mit Jubelei und Applaus beantwortet. Ein anderes Gerücht, welches in der Stadt kursierte war, dass nur ein König in der Lage sein werde die Parther zu besiegen. Sich zum König zu krönen hätte Caesar mehr Probleme als Nutzen eingebracht. Das Königtum war in der Republik schon lange verrufen und eine routinemäßige Anschuldigung für politische Gegner. So wurden auch schon Sulla, Cinna, Catilina, Clodius und andere römische Politiker von ihren Feinden beschuldigt nach dem Königtum zu streben.[20] Aber Caesar wusste sich anscheinend generell nicht nach den Sitten und Bräuchen des Senats zu verhalten. So stand er zum Beispiel, als ihm einige Senatoren eine Aufwartung machten um ihm weitere Ehrungen zu überreichen, nicht auf. Was für diese eine Beleidigung war und was zu vielerlei Spott führte.[21] Auch setzte er einfach Namen von Senatoren unter Beschlüsse, welche diese noch nicht einmal gelesen hatten. So zum Beispiel Ciceros, welcher dies natürlich auch an die Öffentlichkeit trug.[22] Generell wurden Gerüchte in Rom sehr schnell verbreitet, man traf sich auf dem Markt oder an anderen Orten und tauschte die neuesten Geschichten über den Dictator perpetuu aus. All diese Geschichten veranlassten zum einen, dass Caesar sich weitere Feinde machte, aber auch das die Verschwörer zu dem Glauben kamen, dass Caesar vom Volk nicht mehr gewollt war, was erklären könnte wieso sie glaubten nach dem Mord als Tyrannenmörder gefeiert zu werden.[23] Generell kam es zu viel bösartiger Propaganda gegen Caesar, wobei nicht eindeutig geklärt ist von wem diese ausgegangen war. Es lässt es sich vermuten, dass zumindest ein Teil von den Verschwörern ausging um Caesars Ruf zu schaden. In den letzten zwei Wochen vor Caesars Tod spitzte sich diese Propaganda gegen Caesar noch zu.[24] Einerseits kann man in Caesars Wirken Tyrannei sehen und zum anderen kann man aber kaum glauben, wie dieser auf sein Aussehen bedachte und milde Mann den Umsturz der Verfassung plante.[25] Ob er von vornherein plante die Republik zu beenden wird wohl nie sicher zu Begründen sein. Der eigentliche Grund wieso die Verschwörer Caesar loswerden wollten war, dass er ihren Lebensnerv getroffen hatte, ihren Dienst am Staat. Sie konnten diesem nicht mehr dienen. Sie hatten ihr Leben der Republik verschrieben, welche nun vor ihren Augen zerfiel. Auch sahen sie sich ihrer Entscheidungsgewalt beraubt. So schreibt Cicero: „Für Rat und Autorität war kein Platz mehr“[26] und die Senatoren fürchteten die Proskynese, sowie sie die „Freiheit des Staates“ bedroht sahen.[27] Aber natürlich gibt es unter den einzelnen Verschwörern auch unterschiedliche Motive.

[...]


[1] Mord mit gutem Gewissen, s.9

[2] Meier: Caesar, s.70

[3] Meier, Caesar. S. 174 u. 181

[4] Sueton, Caesar. 19, 2

[5] Detaillierter zum Konsulatsjahr Caesars: Meier s. 241-276 o. ein kürzerer Überblick: M. Jehne Caesar: s. 35-48

[6] Sueton, Caesar. 20, 2

[7] Sueton, Caesar. 20, 1

[8] Jehne, Caesar s.48

[9] Jehne, Caesar s. 71

[10] Sueton, Caesar. 32, o. Plutarch, Caesar. 31 „So soll der Würfel denn geworfen sein.“

[11] Meier, Caesar s. 483

[12] Jehne, Caesar s. 94-95

[13] Jehne, Caesar s. 96

[14] Meier, Caesar

[15] Dahlheim, Julius Caesar. S. 235

[16] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung. S. 194-195

[17] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung. S. 189

[18] Attentat. Mord mit gutem Gewissen. S. 19

[19] Sueton, Caesar. 79, 2

[20] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung. S. 189

[21] Plutarch, Caesar. 60

[22] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung. S. 198

[23] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung.

[24] Yavetz, Z. Caesar in der öffentlichen Meinung. S. 203

[25] Plutarch, Caesar. 4,4

[26] Cicero, Über die Pflichten 2,2

[27] Dahlheim, Julius Caesar. S. 235

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668089648
ISBN (Buch)
9783668089655
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298623
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1
Schlagworte
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