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Welche Anforderungen hat selbstgesteuertes Lernen und wie kann man es fördern?

von Hilal Koc

Seminararbeit 2014 17 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Einleitung

3 Selbstgesteuertes Lernen
3.1 Definition und Abgrenzung
3.2 Aktuelle Relevanz des Themas
3.3 Diskussion um das selbstgesteuerte Lernen
3.4 Lernstufen und Lernformen

4 Welche Anforderungen hat das selbstgesteuertes Lernen?
4.1 Selbstgesteuertes Lernen als gesellschaftliche Anforderung
4.2 Anforderungen an dem Lernenden
4.3 Anforderungen an den Lehrenden
4.4 Anforderungen an die Lernumgebung

5 Wie kann man selbstgesteuertes Lernen fördern?
5.1 Direkte Förderung durch Lernstrategie
5.2 Indirekte Förderung durch Gestaltung von Lernumgebungen
5.3 Prüfen von Selbstlernkompetenzen

6 Fazit

7 Abbildungsverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

1 Zusammenfassung

Angesichts der positiven Bewertung, die die Idee und das Konzept selbstgesteuerten Lernens derzeit erfährt, werden einige Problembereiche, Defizite und offene Fragen aufgezeigt, die derzeit in der Diskussion um selbstgesteuertes Lernen wenig beachtet werden. Im Folgenden wird der Bereich des selbstgeständigen Lernens aus lernpsychologischer und pädagogischer Sicht definiert und näher betrachtet. Im Kern wird u.a. ein tiefer Einblick in die Lernformen und Lernstrategien sowie den Anforderungen an die Gesellschaft und der Person gewährt. Im Anschluss wird zusammengefasst, welche Förderungsmöglichkeiten bzw. Förderungsstrategien bezüglich des selbstgesteuerten Lernens vorhanden sind.

2 Einleitung

In der heutigen Bildungsdiskussion ist das selbstgesteuertes Lernen ein aktuelles Thema und wird in der wissenschaftlichen Diskussion breit etabliert, doch in der Praxis bestehen aber immer noch viele Fragezeichen bezüglich der Umsetzung. Ziel dieser Hausarbeit ist es aufzuzeigen, welche Anforderungen selbstgesteuertes Lernen stellt und wie sie selbstgesteuertes Lernen gefördert werden kann.

Zunächst wird erklärt, was unter dem Begriff „selbstgesteuertes Lernen“ zu verstehen ist. Insbesondere wird die aktuelle Relevanz und welche Lernstrategien am erfolgreichen selbstgesteuerten Lernen beteiligt sind, diskutiert (Kapitel 3). Selbstgesteuertes Lernen als gesellschaftliche Anforderung wird erörtert und anschließend wird skizziert, welche Anforderungen das selbstgesteuerte Lernen an den Lernenden, dem Lehrenden und der Umgebung erfordert (Kapitel 4). Schließlich wird im darauffolgenden Kapitel aufgezeigt wie selbstgesteuertes Lernen gefördert wird. Hierbei werden Strategien, Prüfung der Kompetenzen des Lernenden sowie des Lehrenden und das Gestalten der Lernumgebung um der Förderung gerecht zu werden, im Detail beleuchtet.

3 Selbstgesteuertes Lernen

3.1 Definition und Abgrenzung

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des selbstgesteuerten Lernens gehört seit vielen Jahren zum Forschungsgegenstand der Pädagogik sowie der pädagogischen Psychologie. Seit dem Anfang der 70´en Jahre findet eine verstärkte Zuwendung zu diesem Thema […] statt (Friedrich & Mandl 1990). Die unterschiedlichen Konzepte und Begriffsbestimmungen zum selbstgesteuerten Lernen in der Literatur unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander. Die Schwierigkeit liegt darin, dass im Prinzip jedes Lernen immer irgendwie selbst und fremdgesteuert zugleich ist. „ Allen neueren Lernkonzeptionen liegt ja die Auffassung zugrunde, dass Lernen ein Konstruktionsprozess des Subjekts ist. Deshalb ist ein Lernen ohne Beteiligung des Selbst nicht denkbar. Lernen findet aber immer auch in einem sozialen/kulturellen Umfeld statt, benötigt für die Konstruktion Information von außen und unterliegt damit Fremdeinwirkung“ (Prenzel 1993a, S. 240). Damit ist ein grundsätzliches Problem angesprochen, nämlich das Problem, ob die Abgrenzung von „selbst“ versus „fremd“ sich eindeutig vornehmen lässt bzw. überhaupt sinnvoll ist. Als Lösungsmöglichkeit schlagen einige Autoren vor, selbstgesteuertes Lernen nicht als Gegenstück zum fremdgesteuerten Lernen zu definieren, sondern sie sprechen von einem Kontinuum, entlang dessen sich verschiedene Grade von Selbst- bzw. Fremdsteuerung im Lernprozess abzeichnen lassen.(vgl. Hollenstein 1994). Letztendes gibt es leider oder gerade wegen der vielen und verschiedenen Diskussionen über das Thema, die weltweit geführt werden, keine einheitliche, allgemein akzeptierte Definition.

3.2 Aktuelle Relevanz des Themas

Die Fähigkeit, selbstgesteuert lernen zu können, wird in allen Bildungsinstitutionen als Voraussetzung angesehen. Beim Versuch dieser Voraussetzung entgegen zu wirken, stoßen die Lernformen der traditionellen Vermittlung von Wissen deutlich an ihre Grenzen, so dass z. B in der Industrie vermehrt auf selbstgesteuertes Lernen im Rahmen von Weiterbildung gesetzt wird. Die beruflichen Kompetenzen auf den neuesten Stand zu halten ist heutzutage von großer Bedeutung.

Der wissenschaftliche Perspektivwechsel innerhalb der Psychologie und der Erziehungswissenschaften ist ein wichtiger Aspekt. Für ein erhöhtes Interesse am selbstgesteuerte Lernen ist das grundsätzlich gestiegene Interesse der Pädagogischen Psychologie am Lernen Erwachsener als Grund zu nennen, welches durch demographische Veränderung in den westlichen Industriegesellschaften bedingt ist. Dieses Interesse liegt jedoch insbesondere auf außerschulische und institutionell nicht abhängigen Lernformen (vgl. Friedrich & Mandl, 1997,S. 237).

3.3 Diskussion um das selbstgesteuerte Lernen

Durch die schnellen gesellschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Veränderungen veraltet Inhaltswissen rasch und eine ständige Weiterqualifizierung ist erforderlich. Menschen müssen motiviert und in der Lage sein, sich auf ihre eigenen Lern-Ressourcen zu besinnen. Der Weg in die Wissensgesellschaft macht das lebenslange Lernen unverzichtbar. Die Diskussion darüber wirkt immer mehr auf die Schule ein. Es ist also eine wichtige Aufgabe der Schule, die Entwicklung solcher Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Blick zu nehmen, die lebensbegleitendes Lernen ermöglichen. Ein wichtiges Ziel in den gegenwärtigen bildungspolitischen Überlegungen ist die Autonomie, die Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen. Das eröffnet neue Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung (vgl. Döring, 2003 S.1). Die neuen Technologien können das selbstgesteuerte Lernen unterstützen und haben die Diskussion darüber sehr angeregt. Ein weiteres Argument für selbstgesteuertes Lernen ist, mit Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen, dass es einen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer demokratischen Gesellschaft leistet.

3.4 Lernstufen und Lernformen

Die Schwierigkeiten, einen sinnvollen und angemessenen Begriff zum selbständigen Lernens zu finden, sind auch darin begründet, dass das Wort „Lernen“ für sehr viele und unterschiedliche Phänomene verwendet wird, wenn etwa alle erfahrungsbedingten Veränderungen der Handlungsfähigkeit darunter gefasst werden. Lernen meint aber Unterschiedliches, je nachdem, ob einzelne Lernakte, Lernsequenzen oder umfassende Kompetenzsysteme betrachtet werden (vgl. Weinert 1997). Robert M. Gagne hat eine System von acht Lernstufen vorgeschlagen, dass sich an Komplexitätsgraden orientiert

1) Signallernen: Auf ein Signal hin antwortet das Individuum mit einer diffusen Reaktion.
2) Reiz-Reaktionslernen: Auf einen spezifischen Reiz erfolgt eine präzise Reaktion.
3) Kettenbildung: Gelernt wird eine Kette mit mehreren Reiz-Reaktions-Verbindungen.
4) Sprachliche Assoziation: Interne Verknüpfungen zwischen Ereignissen und sprachlichem Repertoire finden statt.
5) Multiple Diskrimination: Unterschiedliche Reaktionen auf ebenso viele differenzierte Reize werden erlernt.
6) Begriffslernen: Eine Klasse von Reizen wird zusammengefasst und mit einer einheitlichen Reaktion beantwortet.
7) Regellernen: Verhalten wird nach der sprachlichen Vorschrift „Wenn A, dann B“ kontrolliert.
8) Problemlösen: Mehrere Regeln werden im Denken kombiniert und eine optimale Lösung ausgewählt.

Diese Lernstufen erscheinen als aufeinander aufbauend. Menschliches Lernen nach der Phase des Säuglingsalters umfasst aber immer schon die Ebene des Problemlösens. Insofern muss man sich davor hüten, diese logischen Stufen als reale Schritte anzusehen. Menschliches Lernen ist nicht auf Signal- und Reizreaktionsverhalten reduzierbar, sondern erfolgt auf der Ebene von Bedeutungszuweisungen. Neben der Unterscheidung von Lerntypen nach Komplexitätsgraden umfasst Lernen unterschiedliche Lernformen. So gibt es den Grad der Ausgliederung von Lernen und anderen Tätigkeiten im Verhältnis von Integration und Separation; dies ermöglicht verschiedene Formen von Erfahrungs- bzw. Wissenschaftsbezug; demgemäß kann Lernen mehr zielbezogen intentional oder mehr zufällig inzident geschehen; Ziele und Ablaufe können dann eher fremd- oder eher selbstbestimmt erfolgen; sie sind stärker in Institutionen einbezogen oder eher beiläufig und informell.

Es ist wichtig, sich die Differenz dieser Dimensionen klarzumachen und außerdem zu bedenken, dass es zwischen den Polen vielfältige Ausprägungsformen gibt (Vgl.;Dietrich S., Fuchs, E., Brüninghoff 1999 ).

4 Welche Anforderungen hat das selbstgesteuertes Lernen?

Diese Anforderungen wurden von verschiedenen Autoren zu mehr oder minder systematischen Profilen zusammengestellt (z.B. Aebli, 1987; Boekarts, 1997; Friedrich, Below, Kucklick & Mandl, 1987; Garcia & Pintrich, 1994; Knowles, 1980; Simons, 1992). Fasst man sie zusammen, so zeigt sich, dass selbstgesteuertes Lernen die ganze Person fördert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Selbstgesteuertes lernen

4.1 Selbstgesteuertes Lernen als gesellschaftliche Anforderung

Betrachtet man selbstgesteuertes Lernen als gesellschaftliche Anforderung ist zu erwähnen, dass die wirtschaftliche Wandlungsprozesse, wie Marktdynamik und technologische Umbrüche es möglich machen sich weiterzubilden. Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass Lernen auf einen länger anhaltenden Vorrat möglich ist (vgl. Behrmann; Schwarz 2003,S.19). Die Gesellschaft verändert sich so schnell, dass das Wissen rasant veraltet und aktualisiert werden muss (vgl. Konrad 2008, S.2). Als Kompetenzen und Fähigkeiten, um den ständig wachsenden Umfang und die Veränderungsgeschwindigkeit von erforderlichem Wissen bewältigen zu können, sind lernmethodische Kompetenzen und Sozialkompetenzen, persönliche Fähigkeiten zum Umgang mit Risiko und Unsicherheit oder zur Bewältigung von Veränderungen entscheidend. Der Einzelne muss lernen, „sich in unbekanntem Gelände zu orientieren“ (DIFF-Studie, S.64). Der Lernprozess des Menschen wird nie als abgeschlossen betrachtet. Dadurch werden immer mehr Lernmöglichkeiten nötig.

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Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656949510
ISBN (Buch)
9783656949527
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298570
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
bestanden
Schlagworte
welche anforderungen lernen

Autor

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Titel: Welche Anforderungen hat selbstgesteuertes Lernen und wie kann man es fördern?