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Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin"

Bachelorarbeit 2015 38 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der theoretische Hintergrund – Psychoanalytische Theorien Freuds und Lacans

3. Inszenierung der Psychoanalyse: Adaptive Elemente
3.1. Mutter- Tochter- Symbiose:
3.2. Erikas Sadomasochismus
3.3. „Aneignungsversuch einer ‚phallischen‘ Position“: Erika als Voyeurin:
3.4. Erikas Scheitern als Herrin
3.5. Konstruktion des erstarrten Herrschaftsdiskurses:

4. Dekonstruktion: Subversive Elemente
4.1. Intertextualität
4.2. Parodie Freuds und Lacans

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sie [Elfriede Jelinek] haßt Musik, sie haßt Wien, sie haßt Menschen. Und sie haßt vor allem sich selbst. Das macht die Jelinek-Lektüre so verdrießlich. Sie möchte ganz einfach ihre Leser zum Kotzen bringen. Bei labilen Naturen schafft sie es mit der Klavierspielerin bestimmt. Aber das ist eine Art von Qualität, auf die wir uns nicht einlassen mögen.1

Mit diesem rigorosen Urteil diskreditierte der Rezensent Reinhard Beuth in ‚Die Welt‘ die österreichische Autorin Elfriede Jelinek mit ihrem 1983 erschienenen Roman „Die Klavierspielerin“2. Jelinek wurde nicht nur vereinzelt mit solch einer scharfen Kritik konfrontiert, sondern traf in den Rezensionen ihrer Werke immer wieder auf Urteile, die ihr Werk als „erbarmungslos und brutal“ 3 dahinzustellen versuchten. Jelinek deutet die Ursache dahingehend aus, dass von einer Frau gefälligere Texte zu erwarten seien.4 Doch die Resonanz fiel kontrovers aus. Der Literaturkritiker Reich-Ranicki bezeichnete Jelinek als eine „ganz ungewöhnliche, völlig aus dem Rahmen fallende, radikale und extreme Schriftstellerin und in Folge dessen höchst umstritten.“5 Die österreichische Schriftstellerin hat sich mit ihrem Roman Die Klavierspielerin, der zu den erfolgreichsten Arbeiten deutschsprachiger Autorinnen gehört, Respekt verschafft.6 Nach einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten erreichte der Roman den Klassikerstatus und fand Eingang in den Kanon.7

Um auf Akzeptanz zu stoßen, so schlussfolgert Jelinek, sei es typisch gewesen, dass sie ein autobiographisches Buch schreiben müsse oder dass sie „das eigentliche persönliche Leid ausbreiten muß, um literarisch ernst genommen zu werden“.8 Die biographischen Bezüge in ihrem Roman, so stellt Janz zutreffend fest, sind jedoch keiner „weiblichen Bekenntnis- und Geständnisliteratur zuzurechnen.“9 Jelinek verweist in einem Interview auf die Tatsache, dass die Bewahrung weiblicher Authentizität als Autorin innerhalb einer phallozentrischen Gesellschaft schlichtweg unmöglich sei.10 Dort heißt es:

Aber freudianisch argumentiert müßte man sagen, daß ich mich, indem ich schreibe, faktisch zum Mann gemacht habe – vielleicht kommt daraus meine Desorientierung, weil ich eigentlich ein Mann bin, aber nicht weiß, was ein Mann ist, und daher nicht weiß, wer ich bin.11

Jelinek rekurriert auf die Freud‘sche Kulturtheorie der zufolge das weibliche Schreiben eine phallische Vermessenheit sei; eine Profession, die sich für Frauen eben nicht gebührt. Freud begründet seine These vor rund 100 Jahren, also in der Hochzeit der bürgerlichen Kultur, damit, dass er die Frau als Geschöpf ohne großes Triebstreben, folglich ohne ausgeprägtes Über-Ich ausweist, das nicht wie der Mann, den Triebverzicht nur durch kulturelle Leistungen zu kompensieren vermag. Die Frau begnügt sich daher mit Flechten und Weben und, so treibt Freud die anmaßende Fraueneinschätzung auf die Spitze, findet darin sogar noch eine geeignete Möglichkeit ihren Penisneid zu kompensieren.12 Jelineks Zitat verweist zudem auf die Unmöglichkeit einer weiblichen Identitätsfindung in einer patriarchalisch und phallozentrisch gepolten Ordnung und das Schlimme, so Jelinek, ist dieses männliche Wert- und Normensystem, dem die Frau unterliegt, und zwar so weit unterliegt, daß sie eben immer anders sein muß und die ihr zugeschriebenen Eigenschaften wie Sanftmütigkeit, Gefühlsseligkeit und Freundlichkeit ja nur das andere zu dem der Männer sind, daß man gar nicht weiß, was die Frau ist, Freud hat es zugegeben, heute geben sie ja nicht mehr zu, daß sie es nicht wissen.13

Die österreichische Autorin spielt auf das männliche Verständnis der Frau an, welches das Weibliche nur als das Andere in Abgrenzung zum Männlichen und damit als Abhängiges und Zweitrangiges zu definieren vermag. Mit ihrer Aussage, dass man gar nicht wisse, was die Frau ist, rekurriert Jelinek auf das „Rätsel der Weiblichkeit“ von Freud, der sich 1933 in seiner Vorlesung mit folgenden Worten über „Die Weiblichkeit“ äußerte: „Über das Rätsel der Weiblichkeit haben die Menschen zu allen Zeiten gegrübelt. […] von den Frauen unter Ihnen erwartet man es nicht, sie sind selbst dieses Rätsel.“14 Jelinek, deren fundierte Versiertheit im Bereich der Psychoanalyse mehrfach belegt wurde15, greift eben dieses Motiv sarkastisch in ihrer Klavierspielerin auf, wenn es heißt, dass der Klavierschüler Klemmer sich in Erika dem „Rätsel Frau“ (K 67) zuwenden wolle. In ihrem Roman folgt Jelinek nicht nur „patterns“16 der Psychoanalyse, die vor allem Freuds Theorien über die Weiblichkeit und deren Weiterführung bei Lacan entstammen17, sondern lässt die Figuren18 im Roman als „ganz nach außen gekehrte Innere“19 in Erscheinung treten, sodass der Text nichts mehr zu deuten übrig lässt.20

Aus diesem Grund wird die Psychoanalyse in dieser Arbeit nicht als Hilfsinstrumentarium verwendet, um Jelineks Roman zu dechiffrieren, sondern als ein Bearbeitungsgegenstand, dessen Bedeutung erst aus seiner kritischen Adaption heraus verstanden werden kann. In dieser Arbeit soll also nicht nur die Nähe zwischen dem Roman und der psychoanalytischen Theorie expliziert werden; vielmehr soll der subversive Gehalt offengelegt werden, der seine Wirkung dadurch erfährt, dass die psychoanalytischen Theorien bis ins Groteske verzerrt werden. Es wird also der Frage nachgegangen, inwiefern Jelinek den Diskurs Freuds und Lacans adaptiert und dekonstruiert; inwieweit sie den zitierten Theorien Wahrheit zugesteht oder aufgrund mangelnder Plausibilität zu destruieren versucht. Wie sie dies in ihrem Roman erreicht, soll in dieser Arbeit erarbeitet werden.

Als erstes werden die für den Roman Bedeutung tragenden Aspekte der psychoanalytischen Theorien Freuds und Lacans, die Jelinek in ihrer Klavierspielerin bereits als solches Wissen präsupponiert, vorgestellt.

Als nächstes werden die aus der Psychoanalyse adaptierten Elemente in Jelineks Roman dargelegt. Zunächst wird die Mutter- Kind- Symbiose thematisiert, um schließlich aufzuzeigen, inwiefern Erika infolge dieses Abhängigkeitsverhältnis zur Sadomasochistin wird.

Im dritten Kapitel wird der Fokus auf Erikas „Penisneid“ gesetzt, der sich in ihren „Aneignungsversuchen einer ‚phallischen Position‘ “21 – sie wird zur Voyeurin – offenbart.

Im nächsten Schritt wird sich zeigen, inwiefern Erikas Scheitern als Herrin eine, wenn auch fragwürdige, so doch konstitutive psychoanalytische Denknotwendigkeit darstellt. Dadurch wäre der Boden geebnet, um im nächsten Schritt aufzuzeigen, wie es Jelinek gelingt, den erstarrten Herrschaftsdiskurs und dessen misogynen Implikationen aufzudecken.

Im vierten Kapitel werden die subversiven Elemente herausgearbeitet. Hier gilt es vorerst zu klären, wie Jelineks dekonstuktivistisches Verfahren zu verstehen ist, um in den nächsten Folgeschritten zwei Strategien der Dekonstruktion vorzustellen, die ihrem Roman Anwendung finden. Zum einen wird das Mittel der Intertextualität anhand einiger Beispiele einer Analyse unterzogen, in der sich zeigen wird, wie es die psychoanalytischen Theorien untergräbt. Zum anderen soll gezeigt werden, wie die Parodie zur Dementierung der psychoanalytischen Konzepte beiträgt.

2. Der theoretische Hintergrund – Psychoanalytische Theorien Freuds und Lacans

Die psychoanalytischen Theorien Freuds und Lacans galten trotz ihrer patriarchalisch orientierten Denkrichtung als grundlegende posthumanistische Wegweiser. Sowohl Freud als auch Lacan trugen mit ihren Forschungen dezidiert zur Konsolidierung eines männlich kodierten Diskurses bei. Ihrem patriarchalischen Standpunkt gemäß legt Freud den Penis und Lacan den Phallus in den Fokus ihrer wissenschaftlichen Überlegungen.22 Während Freud sich mit dem Terminus „Phallus“, den man in seinen Schriften häufig als Synonym zum Terminus „Penis“ findet, auf das anatomische Geschlechtsteil bezieht, begreift Lacan den Phallus als Symbol, das für die Absenz des mütterlichen Penis steht.23 Auch wenn Lacan den Phallus anders als Freud im Symbolischen verortet und er selbst sein Modell als geschlechtsneutral begreift24, geht aus seiner Auslegung unzweideutig hervor, dass er die Herrschaft des Phallus keineswegs nur als Symbol begreift, „sondern [seine Theorie] eine linguistische Mystifizierung real patriarchalischer Herrschaftsstrukturen“25 darstellt.26

Die Psychoanalyse, von Freud entworfen, von Lacan weiterentwickelt und konsolidiert, weist ein weites Spektrum an Merkmalen auf, denen aufgrund ihrer phallusorientierten Exklusivität ein misogynes Potenzial innewohnt. Da es Ziel dieser Arbeit ist, aufzuzeigen, wie Jelinek einen großen Teil der besagten frauenfeindlichen Elemente adaptiert und dekonstruktivistisch konterkariert, ist es vorerst unabdingbar, die wichtigsten psychoanalytischen Elemente, die eine Gefahr für die weibliche Identität darstellen, in groben Zügen darzulegen.

Freud geht von dem kleinen Jungen als Untersuchungsobjekt aus, während er die Entwicklung des kleinen Mädchens nur als Ableitung des primären Untersuchungsgegenstandes begreift, denn, so merkt der Psychoanalytiker an, „beim kleinen Mädchen […] müsse es ähnlich zugehen, aber doch in irgendeiner Weise anders.“27 Auch nach Lacan lässt sich die Weiblichkeit nur über den Mann definieren. Der Frau wird in seiner Theorie nicht zuletzt dadurch eine inferiore Stellung zugewiesen, indem sie als Signifikant zu verstehen ist, dessen Signifikat auf die „kastrierte Männlichkeit“28 reduziert wird.29

Ebenso deutet die von Lacan vorgenommene Unterteilung in die Ordnung des Imaginären und die des Symbolischen unzweideutig auf ein dichotomisches und unausgeglichenes Geschlechterverhältnis hin. Das zeigt sich vor allem darin, dass der Mann Eingang in die symbolische, „väterlich-männliche Ordnung“30 und damit in das Gesetz und in die Sprache finden kann, während der Frau der Zugang verwehrt bleibt. Denn das Kind kann die imaginäre Entwicklungsstufe hin zum Symbolischen nur durch das Inzesttabu bewältigen. Allein durch den ‚Dritten‘ kann die symbiotische Einheit zwischen Mutter und Kind durchbrochen werden31, indem der Vater im „nom du père“, dem auch er selbst unterliegt, das Verbot ausspricht und die duale Symbiose im „non du père“ verneint.32 Das Gesetz, ein „väterlich-männliches Prinzip“, destruiert den „mütterlich-weiblichen Pol“33 und zerreißt das sich spiegelnde Subjekt, indem es dem Lustprinzip eine Grenze setzt, „um damit den Prozess zwischen dem Begehren und der Sprache zu ermöglichen“.34 Die erfolgreiche Trennung von der Mutter ist notwendig, um auf die illusorische Suggestion von Ganzheit zu verzichten. Wird dem vorherrschenden Luststreben des Kindes keine Grenze gesetzt, identifiziert es sich fortan narzisstisch mit dem, was ihm Vollkommenheit verspricht und kann sich somit niemals aus den endlosen Vorspiegelungen befreien.35 Im Falle der Nicht-Überwindung des Spiegelstadiums kann es Lacan zufolge zu einer Psychose führen, die sich in der Vorstellung eines zerstückelten Körpers bemerkbar mache.36

Auch Freud postuliert, dass die Phase der mütterlichen Bindung eine besonders intime Beziehung zur Ätiologie der Hysterie vermuten läßt, was nicht überraschen kann, wenn man erwägt, daß beide, die Phase wie die Neurose, zu den besonderen Charakteren der Weiblichkeit gehören.37

Den Knaben hingegen kann dieses Schicksal nicht ereilen. Ihm allein bleibt die erfolgreiche Bewältigung des Inzesttabus vorenthalten. Beim Anblick des weiblichen Geschlechts, das er als kastriert und damit als minderwertig wahrnimmt und dies als Strafe deutet, gibt er im ödipalen Konflikt die libidinöse Besetzung der Mutter auf, aus Angst, er könne ebenso diese Strafe erleiden.

Irgend einmal bekommt das auf seinen Penisbesitz stolze Kind die Genitalregion eines kleinen Mädchens zu Gesicht und muß sich von dem Mangel eines Penis bei einem ihm so ähnlichen Wesen überzeugen. Damit ist auch der eigene Penisverlust vorstellbar geworden, die Kastrationsdrohung gelangt nachträglich zur Wirkung.38

In der Hoffnung, die Stelle des Vaters einzunehmen, um mit der Mutter libidinös vereint zu sein, identifiziert er sich fortan mit dem Vater. Die Verdrängung des Begehrens der Mutter eröffnet dem Jungen den Eintritt in die symbolische Ordnung. Durch die Internalisierung des väterlichen Inzesttabus bildet der Junge das Über-Ich aus, „in dem Schuldgefühl, Gewissen und Verantwortungsbewusstsein wurzeln“39. Das Triebstreben des Unbewussten kann der Knabe sublimieren. Damit steht ihm der Zugang in die menschliche Kulturgemeinschaft offen.40

Das Modell des Ödipuskomplexes bezieht Freud auch auf den sexuellen Individuationsprozess des Mädchens. Wie in der Einleitung bereits angeklungen, ist das Weibliche „ein unbekannter Charakter, den die Anatomie nicht erfassen kann.“41 In Die Frage der Laienanalyse schreibt Freud:

[D]as Geschlechtsleben des erwachsenen Weibes [ist] ein dark continent für die Psychologie. Aber wir haben erkannt, daß das Mädchen den Mangel empfindet, sich darum für minderwertig hält, und daß dieser >Penisneid< einer ganzen Reihe charakteristisch weiblicher Reaktionen den Ursprung gibt.42

Der Psychoanalytiker geht davon aus, dass der weibliche Ödipuskomplex mit dem Kastrationskomplex einsetze, „der durch den Anblick des anderen Genitals eröffnet“43 wird. Er beschreibt in Über die weibliche Sexualität die Wirkungen des weiblichen Kastrationskomplexes, die dahingehend beschreibt, dass das Mädchen „die Überlegenheit des Mannes und seine Minderwertigkeit“44 anerkenne. Der Penisneid und die Auffassung einer minderwertigen Mutter veranlasst das Kind sich von der Mutter ab- und dem Vater zuzuwenden.45 Auch Lacan begreift die kindliche Hinwendung zum Vater als normatives Element eines jeden Kindes, aus der die Möglichkeit resultiere, sich geschlechtsspezifisch als Mann oder Frau zu positionieren.46 Nach diesem Verständnis ist die Hysterie, ein häufiges Krankheitssymptom im 19. Jahrhundert, eine Folge der unzureichenden Bewältigung des Ödipuskomplexes und dem damit einhergehenden Unvermögen, eine eindeutige Geschlechterrolle einzunehmen.47 Der Ödipuskomplex kann vom Mädchen nicht, wie beim Knaben, überwunden werden, da es sich, indem es sich, anstatt sich mit dem Vater zu identifizieren, wodurch der Eintritt in die symbolische Ordnung erfolgen würde, als Phallusersatz vom Vater ein Kind wünscht.48 Das weibliche Kind „gibt den Wunsch nach dem Penis auf, um den Wunsch nach einem Kinde an die Stelle zu setzen, und nimmt in dieser Absicht den Vater zum Liebesobjekt.“49 Das Mädchen kann im Gegensatz zum Knaben die Kastrationsangst umgehen, da es um etwas, was es nie besaß, nicht fürchten muss. Freud zieht den Schluss daraus, dass die Frauen kein so großes Über-Ich wie die Männer entwickeln können.50

Freud und Lacan reduzieren die Frau auf Attribute der Kastriertheit und des Penisneides.51 Am männlichen Maßstab gemessen, wird die Frau als Absenz des Männlichen und damit als inferiores Mangelwesen gebrandmarkt.52 Lacan geht in seinem Werk Encore sogar soweit, die Frau außerhalb der intelligiblen Sphäre zur verorten. Sie wird als „außerdiskursives Wesen mystifiziert“.53 Er postuliert in diesem Sinne: ‚LA femme n’existe pas‘. Er argumentiert an dieser Stelle ganz im Sinne des Konstruktivismus, der mit Gegensatzstrukturen arbeitet, die nur aufrechthalten werden können, indem die eine Seite auf Kosten der anderen marginalisiert wird, bis hin zur einem völligen Ausschluss von der symbolischen Ordnung.54

Auch Freud bleibt einem in Gegensatzstrukturen befangenen Denken verhaftet. In Abriß der Psychologie, stellt er die These auf, dass der Frau ihrem Wesen entsprechend Passivität zukomme, während dem Mann hingegen der aktive Part zugewiesen wird.55 In Über die weibliche Sexualität führt er aus, dass die Entwicklung zur weiblichen Sexualität nur unter der Bedingung der Akzeptanz ihrer Passivität erfolgen könne. Denn beim Weib, so argumentiert der Psychoanalytiker, trete die Bisexualität deutlicher hervor als beim Mann, denn [d]er Mann hat doch nur eine leitende Geschlechtszone, ein Geschlechtsorgan, während das Weib deren zwei besitzt: die eigentlich weibliche Vagina und die dem männlichen Glied analoge Klitoris.56

Freud behauptet, dass die Klitoris als genuin männlich, die Vagina hingegen als genuin weiblich begriffen werden müsse und die Frau die sexuelle Aktivität, da männliches Attribut, im Jugendalter verdrängen müsse. Die Ausrichtung der aktiven Libido müsse sie auf Triebziele richten, die zu ihrer passiven Natur nicht im Widerspruch stehen.57 Die freudsche Konsequenz daraus lautet: „Der Masochismus ist also, wie man sagt, echt weiblich.“58

3. Inszenierung der Psychoanalyse: Adaptive Elemente

Die Nähe zwischen Jelineks Roman und den psychoanalytischen Theorien Freuds und Lacans ist unbestreitbar. Marlies Janz betont, dass Jelinek nicht nur „pattern“59 der Psychoanalyse folgt, sondern auf groteske Art die „psychische[n] Prozesse als äußerliche Handlungen inszeniert“60. Der Höhepunkt ihres erzählerischem Verfahrens liegt darin, dass der Text „selber die Psychoanalyse der Figuren ausspricht und sie zu deren Figurationen werden läßt.“61 Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit keine psychoanalytische Deutung an den Figuren vorgenommen, wie es in der Literatur häufige Praxis ist.62 Vielmehr soll der Fokus auf die Art und Weise gelegt werden, wie die österreichische Autorin auf die adaptiven Elemente der psychoanalytischen Theorien referiert und diese in ihrer Klavierspielerin inszeniert.

Michael Gratzke merkt zurecht an, „daß der Roman zwar eine psychoanalytische Dechiffrierung anbietet aber zugleich durch eine forcierte Vorwegnahme unterläuft“63 und die im Roman adaptierten psychoanalytischen Theoreme daher „auf eine Entmystifizierung des ‚Trivalmythos‘ der Psychoanalyse hinarbeiten.“64 Diese Sichtweise soll in den nächsten Kapiteln plausibel gemacht werden, indem gezeigt wird, wie Jelinek den psychoanalytischen Diskurs durch ihre mimetische Inszenierung ad absurdum führt. Um Jelineks dekonstruktivistisches Verfahren zu analysieren, ist es notwendig, im nächsten Kapitel eine Darstellung der wichtigsten psychoanalytischen Elemente vorzunehmen, die Jelinek in ihrem Roman adaptiert, um darauf folgenden Kapiteln aufzuzeigen, wie diese von ihr unterminiert werden.

3.1. Mutter- Tochter- Symbiose:

Erika ist ein „Fisch im Fruchtwasser der Mutter“ (K 58). Es ist ihr nicht möglich sich von der Mutterbindung zu lösen, da sie die imaginäre Einheit durchleben, „als wären sie nur ein einziger Mensch“ (K1 27). Den ‚Dritten‘, der laut Psychoanalyse das Inzesttabu repräsentiert, schließen die beiden Kohuts konsequent aus:„[D]as Fremde liegt sicher, losgelöst von seinem ursprünglichen Ankerplatz, vor ihnen“ (K 127). Erika lebt alleine mit ihrer Mutter in einer Wohnung, seitdem der Vater in das Irrenhaus interniert worden ist. Den Vaterverlust setzt Jelinek „in eine pseudo-realistische Szenerie“65 ; auf Handlungsebene tritt zwar die Figur des Fleischhauers auf, fungiert aber nicht als eigenständige Figur mit psychologischer Tiefe, sondern dient nur als Symbol für den Vaterverlust. Er tritt auf, als Erika und ihrer Mutter „ein Glied der Familie abgeht“ (K 98) und ist ihnen beim Transport des Vaters behilflich. Seine Frage auf die Offenbarung des Verlustes mit dem Wortlaut „[w]elches spezielle Stück“(K 98) verweist, dieser pseudo-realistischen Logik folgend, nicht auf die Wurst, sondern auf den Phallus.

In der Klavierspielerin verliert die Familie mit dem Vaterverlust den Phallus.66 Die Vaterfigur wird jedoch nicht benötigt, da bereits im Mutter-Tochter-Verhältnis das väterliche Gesetz repräsentiert wird: Die beiden Kohuts, Erika und ihre Mutter sind „einander Phallus.“67

Mutter Kohut verkörpert als autoritäre Repräsentantin das patriarchalische System und beansprucht die Herrschaft über Erika. „Sie allein bestimmt die Gebote“ (K 8) und nimmt als das „Auge des Gesetzes“ (K 198) die Position des Vaters ein68

Ganz im Sinne des psychoanalytischen Postulats Lacans, dass das Kind für die Frau als Phallusersatz fungiere, musste Erika unmittelbar nach ihrer Geburt für die Mutter die Funktion des Mannes übernehmen: „Nach vielen harten Ehejahren erst kam Erika damals auf die Welt. Sofort gab der Vater den Stab an seine Tochter weiter und trat ab. Erika trat auf, der Vater ab.“ (K 5)69. Der Stab, der im Sinne Lacans als Symbol des Phallus begriffen werden kann und für das Zeichensystem in toto steht, ist einzig dazu in der Lage, die narzisstische Mutter-Kind-Einheit zu durchbrechen und wird vom Vater verkörpert.70 Indem Erika „den Stab“ (K 5), das phallische Erbe ihres Vaters erhält, wird Erika von der Mutter phallisch besetzt. An dieser Stelle inszeniert Jelinek das Lacansche Diktum: „Wenn das Begehren der Mutter der Phallus ist, will das Kind, um es zu befriedigen, Phallus sein“.71 Erika ist alleiniges Begehrensobjekt der Mutter und ist ihrer präödipalen Phase gemäß auf die Suggestion der Mutter und ihrem Versprechen nach Vollkommenheit angewiesen. Diese macht es ihr unmöglich, auf die Identifikation mit dem Ideal-ich zu verzichten, das durch den Blick der Mutter suggeriert wird.72

Erika und Mutter Kohut verbringen ihre Zweisamkeit in einer Wohnung. Denn diese Zweisamkeit „gibt Sicherheit, und Sicherheit erzeugt Angst vor dem Unsicheren.“ (K 193).73 Ein Mann ist in der Mutter-Kind-Beziehung nicht erwünscht: „Wir bleiben ganz unter uns, nicht wahr, Erika, wir brauchen niemanden.“ (K 15). Mutter Kohut weiß Erika gekonnt an sich zu binden und redet ihrer Tochter immer wieder ein: „Erika ist die Beste. Das ist das Lasso, mit dem sie die Tochter fängt.“ (K 222) Der Blick der Mutter, so heißt es nach Lacan, vermittelt dem Kind das Gefühl von Vollkommenheit. Auch Mutter Kohut erfüllt das Versprechen und Erika fühlt sich durch den illusorischen Blick ihrer Mutter „besonders unverwechselbar“ (K 14). Da Erika außerhalb der heimischen Mutter-Kind-Dyade die Suggestion ihrer Mutter als eine illusionäre erfahren könnte, besteht Mutter Kohut darauf, sich ausschließlich in ihrer Nähe aufzuhalten. Ihre Indoktrination hat Erika internalisiert: „Sie hat noch ein Mütterlein und braucht daher keinen Mann zu frei’n“ (K 15).74 Mutter Kohut hat ihre Erziehungsmethode effizient durchgeführt und ihren Wunsch damit verwirklicht: Erika hat keine Affinität zur Sexualität, lebt in Isolation und benötigt ihre Mutter als „übergeordnete Instanz“ (K 11).75 Ihre übergeordnete Stellung nutzt Mutter Kohut in allen Angelegenheiten gegenüber ihrem hilflosen Kind aus. Unmittelbar nach Erikas Geburt formte Mutter Kohut sie bereits nach ihren Vorstellungen, „als sie dann den aus ihrem Leib hervorschießenden Lehmklumpen betrachtete, ging sie sofort daran, ohne Rücksicht ihn zurechtzuhauen, um Reinheit und Feinheit zu erhalten. Dort ein Stück weg und dort auch noch.“ (K 25) Sie trachtet in Erika ihre „kleinbürgerlichen Hoffnungen“76 zu verwirken und degradiert ihre Tochter zum Instrument ihrer Interessen. Indem sie Erika zur Pianistin drillt, über die sie sich Eingang in die symbolische Ordnung von Sprache und Kunst zu verschaffen erhofft.77 Alles, was Erikas Musikkarriere zu Schaden kommen könne, räumt sie durch Drohungen aus dem Weg. Mutter Kohut „bedroht das Kind mit Erschlagen, sobald es mit einem Mann gesichtet werden sollte“ (K 83). Ihre Weiblichkeit soll sie vielmehr „im Schutt“ vergraben (K 83).78 Daher toleriert Mutter Kohut es nicht, wenn ihre Tochter Kleider kauft, unterstreichen Kleider schließlich die Weiblichkeit und rufen unerwünschte sexuelle Regungen bei den Männern hervor. Aufgrund einiger Emanzipierungsbestrebungen Erikas in Sachen Kleiderkauf kommt es schließlich zur Eskalation zwischen den beiden Kohuts: Erika reagiert rabiat auf das Verbot der Mutter und reißt ihr einen Büschel Haare aus. (K 9f.) Diese Szene adaptiert die psychoanalytische Auffassung, dass das Kleidertragen die körperliche Eitelkeit als Reaktion auf den Penisneid unterstreicht. Denn die Frau betont dem Psychoanalytiker zufolge die Reize, um sich für die „ursprünglich sexuelle Minderwertigkeit“ zu entschädigen.79

Jegliche Versuche, ihre autoerotischen Regungen auszuleben, werden jedoch angesichts der „absolute[n] Verfügungsgewalt der Mutter“80 von Vornherein zunichte gemacht. Mutter Kohut verfolgt das Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ (vgl. K 7). Sie schläft im Nebenbett und achtet darauf, dass ihre Hände nicht „wie die Ameisen unter die Decke huschen und dort an das Marmeladeglas fahren (K 54). Das mütterliche Gebot hat Erika internalisiert: „Anfassen gibt es nicht.“ (K 56) An dieser Stelle inszeniert Jelinek die psychoanalytische Annahme, dass die Frau im Jugendalter die Sexualität verdrängen müsse. Das sexuelle Begehren obliegt laut Psychoanalytiker dem Mann. Folgerichtig heißt es bei Jelinek: Erika „begehrt nichts“ (K 275).81

Eine weitere Komponente, die in der Psychoanalyse ausschließlich dem Mann zugesprochen wird, ist die Legitimität der Machtausübung. Jelinek inszeniert diese männlich kodierte psychoanalytische Sicht in ihrem Roman, indem Mutter Kohut, die das väterliche Gesetz präsentiert, uneingeschränkt von ihrem Herrschaftsposition Gebrauch machen kann. Es gelingt Erika im gesamten Roman nur an einem entscheidenden Moment als Siegerin im Streit davon zu kommen: Als Erika sich „während des Kampfes im Nachthemd“ (K 236) auf die Mutter wirft, entdeckt sie deren Schamhaar und schleudert vorwurfsvoll und entsetzt ihrer „Mutter ins Gesicht, was sie soeben erblickt hat.“ (K 237) Freud und Lacan zufolge ist ein Kind „von Anfang an der Auffassung […], die Mutter [die Frau] enthalte den Phallus“82 Da Erika der imaginären Phase verhaftet bleibt, imaginiert sie den phallischen Besitz ihrer Mutter. Doch in dem Moment, als Erika des Penismangels gewahr wird und erkennt, dass ihre Mutter das entscheidende Glied fehlt, das ihren Herrschaftsanspruch legitimieren würde, stellt Erika die ausschließlich an ihrer Mutter orientierte Weltanschauung in Frage.83 Jelinek inszeniert das Freud’sche Diktum, dass das Mädchen sich von der als kastriert entlarvten Mutter abwendet und ihr zugleich die Schuld für die eigene Kastration zuweist.84 Durch das Erkennen des Schamhaares entzieht Erika der Mutter ihren Herrschaftsanspruch, da sie ganz „im Sinne Freuds und Lacans nur den Penis als Signifikanten, als Zeichen von Macht anerkennt.“85 „Die Mutter schweigt, um es ungeschehen zu machen“ (K 237), denn sowohl Erika als auch ihre Mutter können sich nicht mit der inferioren Rolle der Frau abfinden, weil sie für beide eine Gleichsetzung mit Kastriertheit und somit mit Entmachtung bedeutet.86

3.2. Erikas Sadomasochismus

Das Thema der Sexualität läuft wie ein roter Leitfaden durch alle Werke Elfriede Jelineks.87 Da sie generell dazu neigt, den Männern die Täter- und den Frauen die Opferrolle zuzuschreiben, ist eine sadomasochistische Rollenverteilung unter ihren Figuren eine häufige Erscheinungsform. Insbesondere in der Klavierspielerin wird der Fokus auf die nämliche sexuelle Deviation gesetzt, die Jelinek in Anlehnung an Freud und Lacan inszeniert.

Erika Kohut wird von ihrer herrischen Mutter am Gängelband gehalten, schafft es nicht eine eigene sexuelle Identität zu entwickeln, sondern bleibt gerade wegen dieser mütterlichen Bevormundung der präödipalen Phase verhaftet. Sie zeigt in der privaten Sphäre ihrer Wohnung masochistische, in der öffentlichen Sphäre ihrer Arbeit und im öffentlichen Straßenverkehr sadistische Verhaltenstendenzen; während sie sich hier ihrer Mutter unterwirft, versucht sie dort ihr Minderwertigkeitsgefühl durch Ermächtigungsstrategien zu kompensieren.

„Wenn kein Mensch zu Hause ist, schneidet sie sich absichtlich in ihr eigenes Fleisch.“ (K 88) Durch masochistische Eingriffe - „Ihr Hobby ist das Schneiden am eigenen Körper“ (K 88) – versucht sie der nahezu omnipräsenten Mutter zu entkommen.88 „Sie wartet immer schon lange auf den Augenblick, da sie sich unbeobachtet zerschneiden kann“ (K 88). Die „väterliche Allzweck-Klinge“ (K 88) dient ihr zur Degradierung des eigenen Körpers, um an ihm akribisch Forschung zu betreiben, da ihr Körper ihr selbst „fürchterlich fremd“ (K 89) anmutet. Erika denkt, dass auch „[d]er Mann […] oft das Gefühl haben [muss], […] daß die Frau ihm etwas Entscheidendes in dieser Unordnung ihrer Organe verbirgt.“ (K 109) Diese Stelle klingt stark an die Behauptung Freuds an, dass die Frau einem Rätsel gleiche, über die keine fundierten Aussagen zu machen seien. Erika möchte ihre Weiblichkeit mittels der Rasierklinge selbst erkunden, um dieses „Rätsel Frau“ (K 67) zu lösen.

Jelinek schreibt der Klinge offensichtlich noch eine weitere Funktion zu. Indem die Autorin ausgerechnet in diesem sexuell anmutenden Kontext die Wörter heran- und hereinführen gebraucht, bekommt diese Episode einen inzestuösen Beigeschmack und deutet auf die Annahme Freuds hin, dass die Mädchen sich zur Kompensation des Penisneides ein Kind vom Vater wünsche. An dieser Stelle adaptiert Jelinek die Implikationen des Ödipuskomplexes für die Frau, wie sie von Freud angenommen wurden.

Erikas masochistischer Eingriff am eigenen Körper, der als „Akt der Defloration“89 begriffen werden kann, erscheint plausibel, wenn doch Freud zufolge der Penisneid und die Akzeptanz ihrer Kastration unabdingbar seien, um die Entwicklung bis hin zur Frau durchlaufen zu können. Indem Jelinek wortwörtlich die symbolische psychoanalytische Kastration inszeniert, wenn Erika ausgerechnet mit der „väterliche[n] Allzweck-Klinge“ (K 88) ihre verbundenen Fleischhälften voneinander trennt, lässt Jelinek Erika das Inzestverbot, das normalerweise der Vater repräsentiert, überschreiten.90

[...]


1 Beuth, Reinhard: Treffsicher im Giftspritzen. In: Die Welt vom 21.5.1983.

2 In dieser Arbeit werden die Textstellen aus der Klavierspielerin fortlaufend aus folgender Auflage zitiert: Jelinek, Elfriede: Die Klavierspielerin. Hamburg: Rowohlt 1990. Im Fließtext werden die herangezogenen Zitate mit K und der dazugehörigen Seitenanzahl abgekürzt.

3 Hoffmeister, Donna L.: Vertrauter Alltag, S. 125.

4 Ebd.

5 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/nobelpreis-reaktionen-handke-unglaublich-schlingensief-sensationell-1192309.html.

6 Masanek, Nicole: Männliches und weibliches Schreiben?, S. 115.

7 Klettenhammer, Sieglinde: Vom Diskurs-Roman zum Anti-Melodrama -- Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin in der Verfilmung von Michael Haneke, S. 270.

8 Hoffmeister, Donna L.: „Interview mit Elfriede Jelinek“, S. 125.

9 Janz, Marilies: Elfriede Jelinek, S. 71.

Alexandra Tacke zufolge sei eine „ironische Selbstinszenierung“ denkbar. Vgl. Janke, Pia: Jelinek-Handbuch, S. 96.

10 Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 11.

11 Jelinek, Elfriede: Dieses vampirische Zwischenleben, S. 16.

12 Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 562f.

13 Jelinek, Elfriede: Dieses vampirische Zwischenleben, S. 16.

14 Freud, Sigmund: Über die Weiblichkeit, S. 120.

15 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 45.

16 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 71.

17 Vgl. ebd.

18 Sigrid Schmid-Bortenschlager weist zurecht darauf hin, dass es sich bei den Figuren bzw. Personen in Jelineks Werken nicht eigentlich um Personen handelt, die aus Studien an der Realität hervorgegangen sind, sondern nur um „Konstruktionen, Figurationen, Sprachrohe, Personnagen, Vexierbilder, Kreuzungspunkte von Diskursen.“ Schmid-Bortenschlager, Sigrid: Das Alter ist unser aller Alter Ego, S. 12.

19 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 72

20 Vgl. ebd.

21 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 75.

22 Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 22.

23 Vgl. Pagel, Gerda: Lacan zur Einführung, S. 110.

24 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 52.

25 Weber, Ingeborg: „Poststrukturalismus und écriture féminine, S. 20., nach Michèle Pommé.

26 Vgl. ebd.

27 Freud, Sigmund: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds, S. 21.

28 Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 33.

29 Vgl. ebd.

30 Ebd.

31 Vgl. Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek, S. 73.

32 Vgl. Pagel, Gerda: Lacan zur Einführung, S. 107.

33 Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 91.

34 Pagel, Gerad: Lacan zur Einführung., S. 108.

35 Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek, S. 17.

36 Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 260.

37 Freud, Sigmund: Über die weibliche Sexualität, S. 277.

38 Freud, Sigmund: Der Untergang des Ödipuskomplexes, S. 247.

39 Pagel, Gerda: Lacan zur Einführung, S. 98.

40 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 49.

41 Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 121.

42 Freud, Sigmund: Die Frage der Laienanalyse, S. 241.

43 Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 133f.

44 Freud, Sigmund: Über die weibliche Sexualität, S. 279.

45 Freud stellte fest, dass die präödipale Phase beim Mädchen, d. h. die Mutterbindung von besonderer Intensivität war und sogar von lebenslanger Dauer anhalten könne. Vgl. Freud, Sigmund: Über die weibliche Sexualität, S. 275f.

46 Lacan wendet sich jedoch von Freuds Penisneidtheorie ab und hält dagegen, dass das Einnehmen einer geschlechtsspezifischen Position nicht aus der Erfahrung der „Existenz bzw. Nichtexistenz eines >realen< Penis“ resultiere, sondern lediglich darin bestünde, dass das Subjekt erfährt, das die Mutter ihn nicht besitzt. Der Phallus kennzeichnet „die Signifikanz einer Leerstelle [und] ist das >Symbol< für den Mangel schlechthin“. Pagel, Gerda: Lacan zur Einführung, S. 110.

47 Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben, S. 88.

48 „Jeder Analytiker hat die Frauen kennengelernt, die mit besonderer Intensität und Zähigkeit an ihrer Vaterbindung festhalten und an dem Wunsch, vom Vater ein Kind zu bekommen, in dem diese gipfelt.“ Freud, Sigmund: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds, S. 22f.

49 Freud, Sigmund: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds, S. 27f.

50 „Charakterzüge, die die Kritik seit jeher dem Weibe vorgehalten hat, daß es weniger Rechtsgefühl zeigt als der Mann, weniger Neigung zur Unterwerfung unter die großen Notwendigkeiten des Lebens, sich öfter in seinen Entscheidungen von zärtlichen und feindseligen Gefühlen leiten läßt, fänden in der oben abgeleiteten Modifikation der Über-Ich-bildung eine ausreichende Begründung.“ Freud, Sigmund: Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds, S. 27f.

51 Elisabeth Bronfen hat in ihrem Essay „Vom Omphalos zum Phallus“ darauf hingewiesen, dass Freud in seiner Ausdeutung des Ödipusmythos‘ einen ausschlaggebenden Faktor, „ob bewusst oder unbewusst“, außen vor lässt. Er schenke der Mordabsicht Ödipus‘ an seiner Mutter Jokaste keine Beachtung, obwohl gerade darin ein wichtiges Moment zu sehen sei. Dem Muttermord liegen nach Bronfen die elementaren Grundbedürfnisse der Unschuld und der Unsterblichkeit zugrunde. Durch den Mord an seiner Mutter, die das Symbol sowohl für die Geburt als auch für den Tod verkörpert, versucht Ödipus sich aller Erinnerungsspuren von Sterblichkeit und Schuld zu entledigen. Die Geste der Selbstblendung, nachdem die Mutter ihm selbstmörderisch zuvorkam, stelle also die Verleugnung der eigenen Ohnmacht dar, die Verleugnung des im Leben immer schon anwesenden Todes, symbolisch dargestellt im Omphalos, dem Bauchnabel, der stets an die einstmalige Bindung zur Lebensschenkerin gemahnt, aber auch gleichzeitig an die Unvermeidbarkeit des mit ihr assoziierten Todes, so sehr es auch zu verleugnen versucht wird. Die Einsicht in dieses Motiv und die Anerkennung dieser zwei Grundbedürfnisse, deren Erfüllung die Präsenz der Mutter widerstrebt, ist für Bronfen von essentieller Bedeutung. Sie sieht in diesen Grundbedürfnissen und deren Verdrängung den ausschlaggebenden Faktor für die Entstehung von Psychosen und führt als Beweis die von Freud aufgegriffenen Fallbeispiele dreier unter Hysterie leidenden Patientinnen, deren Krankheitsausbrüche immer im Zusammenhang mit Todeserfahrungen eingeleitet wurden. Sie diskreditiert also Freuds Zurückführung aller Symptome auf den Ödipuskomplex und stellt darüber hinaus in Anlehnung an Lacan die Forderung, den Omphalos mit dem Objekt klein a zu identifizieren. Sie plädiert nicht für eine Benachteiligung des Phallus und der symbolischen Ordnung zugunsten des Omphalos, sondern fordert eine Gleichgewichtung. Das Objekt klein a, der Omphalos, lässt sich nach Bronfens Lesart also als Schlüsselsignifikant im Unbewussten verstehen, um den alle anderen Signifikanten kreisen und durch den alleine das für das Realitätsprinzip auschlaggebende Begehren erst entstehen kann. Vgl. Bronfen, Elisabeth: Vom Omphalos zum Phallus, S. 128-152.

52 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 50f.

53 Vgl. Lacan, Jacques: Die Funktion des Geschriebenen, S. 40. In: Gratzke, Michael: Liebesschmerz und Textlust, S. 73.

54 Dahlerup, Pil: Dekonstruktion, S. 38.

55 „Wir heissen alles, was stark und aktiv ist, männlich, was schwach und passiv ist, weiblich.“ Freud, Sigmund: Abriß der Psychoanalyse, S. 115.

56 Freud, Sigmund: Über die weibliche Sexualität, S. 277.

57 Vgl. Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 547 und S. 561.

58 Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 547.

59 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 71.

60 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 172.

61 Maries Janz: Elfriede Jelinek, S. 72.

62 Hedwig Appelt und Mahler-Bungers verwenden die psychoanalytische Theorien „als Hilfsinstrument für die Interpretation des literarischen Textes, was jedoch, wie Masanek zurecht anmerkt, „nur zu einer Bestätigung des ohnehin schon Bestätigten führen kann“ Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 117.

63 Gratzke, Michael: Liebesschmerz und Textlust, S. 236.

64 Vgl. ebd., S. 237.

65 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 72.

66 Vgl. ebd.

67 Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek, S. 75. Anmerkung: Der Name Kohut gewinnt in diesem Zusammenhang neben seiner Referenz auf die historische Persönlichkeit des Psychoanalytikers eine weitere Bedeutung: Das Wort ist ein Kompositum aus dem Präfix Ko, das so viel wie neben bedeutet, und dem Nomen Hut, der nach Freud als Symbol für den Phallus steht.

68 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 187.

69 Vgl. Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 71.

70 Vgl. Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek, S. 75.

71 Lacan, Jacques: Die Bedeutung des Phallus, S. 129. In: Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 28.

72 Mahler-Bungers, Annegret: Der Trauer auf der Spur, S. 84.

73 Vgl. Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 128.

74 Vgl. Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 71f.

75 Vgl. Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 128.

76 Young, Frank: >>Am Haken des Fleischhauers>>, S. 76.

77 Vgl. Lücke, Bärbel: Elfriede Jelinek, S. 75f.

78 Vgl Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 73.

79 Freud, Sigmund: Die Weiblichkeit, S. 562.

80 Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 186.

81 Vgl. ebd., S. 183.

82 Lacan, Jacques: Die Bedeutung des Phallus, S. 129. In: Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 131.

83 Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 189. u. vgl. Masanek, Nicole: Männliches oder weibliches Schreiben?, S. 132.

84 Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 189.

85 Ebd. S. 191.

86 Vgl. Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 80.

87 Vgl. Schmid-Bortenschlager, Sigrid: Das Alter ist unser aller Alter Ego, S. 13.

88 Vgl. Meyer, Anja: Elfriede Jelinek in der Geschlechterpresse, S. 53.

89 Janz, Marlies: Elfriede Jelinek, S. 76.

90 Vgl. Pommé, Michèle: Ingeborg Bachmann – Elfriede Jelinek, S. 203.

Details

Seiten
38
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656948773
ISBN (Buch)
9783656948780
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298520
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Freud und Lacan Elfriede Jelinek Psychoanalytische Theorien Dekonstruktion Intertextualität Parodie

Autor

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Titel: Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin"