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Pfalzgraf Johann und die Obere Pfalz zur Zeit der Hussiteneinfälle

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung „Die Hussen kommen!“

2 Quellenlage

3 Pfalzgraf Johann der Oberpfälzer
3.1 Johann aus Pfalz- Neumarkt
3.2 Johann und seine Obere Pfalz

4 Der Kampf gegen die hussitischen Raubzüge
4.1 Einfälle in die Obere Pfalz
4.2 Die Schlacht von Hiltersried

5 Genauere Betrachtung einer ausgesuchten Quelle

6 Lebendige Geschichte

7 Quellen

8 Literatur

1 Einleitung „Die Hussen kommen!“

Das Gespenst der Hussiten geistert nicht nur in den Winkeln mancher Köpfe umher, sondern kann auch heute noch in einigen Städten erlebt werden. Erzählungen, Volkslieder und Denkmäler prägen die Region, die von den Einfällen der Hussiten gezeichnet wurde. Zum Leben in den betroffenen Städten gehört die Lokalgeschichte dazu und bildet Grundlage für Forschung, Geschäftsidee und Zeitvertreib. So befassen sich mehrere Festspiele mit dieser Thematik. Das Neunburger Festspiel „Vom Hussitenkrieg“ bietet hierfür ein gutes Beispiel, welches die Schlacht von Hiltersried im Jahre 1433 schauspielerisch darstellt und jährlich in den Sommermonaten im Burghof von Neunburg vorm Wald aufgeführt wird. Gerade im Rahmen der mittelalterlichen Geschichte des oberpfälzer Waldes, oder der früher genannten Oberen Pfalz stellt die Zeit der hussitischen Bewegung eine interessante Kulisse dar und weckt gerade im Ortsbezug zur Pfalzgrafenstadt Neunburg vorm Wald das geschichtliche Interesse. Ebenfalls das Pfalzgraf Johann-Jahr 1983 weckte wieder das Interesse an der adeligen Person in der Stadt und ließ die Geschichte im Alltag wiederaufleben. Nicht unbeachtet sollten aber auch die Geschehnisse im Umland und im Grenzgebiet nahe den hussitischen Gebieten gelassen werden.

Im ersten Teil der Arbeit wird auf die Quellen eingegangen und beschrieben. Die allgemeine lokale Quellenlage ist im Zusammenhang zum Pfalzgraf Johann und der Schlacht bei Hiltersried eher dünn angesiedelt und beschränkt sich auf eine Hand voll datierter Überreste. Im nächsten Abschnitt der Arbeit wird auf alle bedeutenden Quellen genauer eingegangen und überblicksmäßig behandelt. Aus dieser Auswahl wurde ein Schriftstück für die genauere Betrachtung ausgewählt und am Ende der Arbeit mit anderen Aufzeichnungen verglichen. Des Weiteren wird ein Anriss über die Verhältnisse in der Region in der Zeit der Hussiteneinfälle geben und im speziellen die Person auf Pfalzgraf Johann eingegangen. Gerade die Zusammenhänge und Taten seiner Person mit dem Regierungssitz Neunburg vorm Wald sollen erschlossen werden. Die Arbeit versucht die Oberpfalz ein Stück weit näher zu beleuchten und Licht in das abermals so finstere Mittelalter zu bringen.

2 Quellenlage

Die von mir im weiteren Verlauf näher betrachtete Quelle stellt sich als besonders interessant heraus, da kein Ort, keine Zeit der Verschriftlichung oder der Verfasser zu finden ist, noch das Schriftstück als Original erhalten blieb. Jedoch stellt genau diese Lücke an Wissen das Reizvolle bei ihrer genaueren Betrachtung dar, denn hier muss sich der Historiker erst einmal mit der Glaubhaftigkeit der Überlieferung selbst und dann erst mit dem Inhalt beschäftigen und seine Erkenntnisse richtig einordnen. Das herausragende und einzigartige an diesem Bericht ist seine übersichtliche und knappe Beschreibung der Zeit vor, während der Schlacht zu Hiltersried und in der Zeit danach. Denn es liegen zwar Beschreibungen zur Schlacht vor, jedoch sind diese entweder nur kurze Erwähnungen, nicht so ausführlich oder, wie das sehr detailreiche Lied „Vom Hussenkrieg“ von Ott Ostmann in einem anderen Textschema vor. Zudem bleibt auch bei dieser Quelle die Frage nach ihrer Entstehungsgeschichte schuldig, da sich immer öfter Zweifler in der Forschung finden lassen, die vermuten, dass Ott Ostmann in seinem damaligen physischen Zustand nicht mehr in der Lage gewesen sein kann sein Werk zu vollenden.1 Nachweislich findet man die Verschriftlichung des Volkslieds in einer handschriftlich zusammengetragenen Sammlung von Inschriften, Versen, u.a., die vermehrt um die Stadt Neunburg v. W. entstanden sind. Der frühere Rektor der örtlichen Schule Paul Zedler soll (1548-1626) diese Sammlung angelegt haben. Darin war auch der Auto Ott Ostmann genannt, was die anfänglichen Zweifel an seiner Autorenschaft etwas verstreuen lassen, jedoch keinen eindeutigen Beweis liefert.

Als bedeutendste Quelle könne in diesem Fall die Gedächtniszettel, ferner hier der Gedächtniszettel aus der Pfarrkirche zu Neunburg v. W. aus dem Jahr 1562 angesehen werden. Hierin wird zur Beweisführung im Falle der Besitzlage der Stadt Cham, welche schon vor über einem Jahrhundert zum Besitz der Pfalz gehörte, auf die Verteidigung der Stadt zur Zeit der Schlacht bei Hiltersried aufgeführt. Bei der genauen Untersuchung dieser Quelle kam man sich damals überein, dass der in der Kirche aufbewahrte Zettel im Wortlaut und in der äußeren Form dem Original exakt nachgebildet worden zu sein und als rechtskräftig galt. Ebenfalls kam man bei der Untersuchung der Abschrift mit dem schlecht erhaltenen Original zu der Meinung, dass dieses zwischen den Jahren 1493 und 1503, also 60 bis 70 Jahre nach der eigentlichen Schlacht entstanden sein müsse.

So bewies diese Urkunde schon im Mittelalter ihre Bedeutsamkeit und hat diese bis heute auch dank ihrer Rolle in den Prozessakten von 1562 des genannten Falles bewahrt.2 Ferner gibt es noch weitere Gedächtniszettel, die alle ihren Grundstein in der Kirche von Neunburg v. W haben sollen, jedoch teilweise nicht mehr erhalten, oder falsch abgeschrieben wurden. Die wenigen nachweislich glaubhaften Zettel zeichnen sich durch ihre exakten Angaben von Schlacht, und Gefallenenzahlen oder zum Geschehen aus. Der Anlass zur Erstellung solcher Listen Gefallener war wohl die Mess- und Prozessionsstiftung in der Kirche zur Erbittung des Seelenheils am 14.September 1433, dem Jahrestag der Schlacht. Die Abschrift von 1562 war in Folge der Jährung des Ereignissen eine erneuerte Fassung besagter Liste und somit vom Quellenwert her hoch anzusiedeln.

Nicht zu vergessen sind auch die bayerischen Chronisten, welche die Ereignisse festgehalten haben. Der wichtigste ist herbei Andreas von Regensburg (ca.1380-1439), der uns heute durch seine tagebuchartigen Berichte und seine im Nachhinein erstellten Chroniken wichtige Ereignisse darlegt. Von seinem Standpunkt aus, der Reichsstadt Regensburg hatte er einen guten Überblick über die Vorkommnisse in der Grenzregion. Kunde über alles Neue hatte er vermutlich durch die Erzählungen Reisender, Gefolgsleute oder Händler, die durch die Stadt zogen, sowie durch Augenzeugen, die direkt mit den Hussiten in Berührung kamen. So erfuhr er auch vom Sieg bei Hiltersried, denn Pfalzgraf Johann hielt sich nach der Schlacht mit seinem Gefolge in Regensburg auf, wo der Triumph der Katholiken gefeiert wurde. Diese Tatsache scheint vor allem bei den von ihm berichteten geringen Verlustzahlen wichtig, die heutzutage recht unrealistisch klingen. „De katholocis autem, ut estimatur, quasi / citra 10 numero interierunt.“ 3 Sie decken sich jedoch mit der Liste des Gedächtniszettels, die nur aus dem Grunde mehr Menschen umfasst, da diese erst später an ihren Verletzungen erlagen. So bestätigt sich auch diese Quelle als vertrauenswürdig und gibt Einblick in das Zeitgeschehen.

Nebenbei finden sich auch noch Korrespondenzen bezüglich Hilfeleistungen für den Pfalzgrafen zur Abwehr der Angreifer. Ein Briefwechsel zwischen den bayerischen Herzögen blieb bis heute erhalten und berichtet von der akuten Gefahr und der Bitte um Aussendung von Rittern zur Unterstützung.4

Forschungsliteratur findet man schwerpunktmäßig von Autoren aus der Region, jedoch werden die hussitischen Einfälle und die Gegenmaßnahmen der Oberpfälzer ebenso in Gesamtdarstellungen, wie in dem recht jungen Sammelband „Die hussitische Revolution“ von Franz Machilek aufgeführt. Ausgehend von der Thematik der Schlacht zu Hiltersried bietet sich die Arbeit: „Die Schlacht bei Hiltersried im Jahre 1433“ von Dr. Karl Winkler an, welche allerdings schon seit 1919 besteht. Sie bildet trotz dessen eine gute Basis, da die verwendeten Quellen alle abgedruckt im Anhang zu finden sind und das Auffinden seltener Schriftstücke erheblich erleichtert, sowie diese für die breite Öffentlichkeit erhält und zugänglich macht. Zudem wird im ersten Teil der Arbeit auf den Wert der jeweiligen Quellen eingegangen und dem Leser die Eigenheiten der Überlieferung nahegebracht.

3 Pfalzgraf Johann der Oberpfälzer

3.1 Johann aus Pfalz- Neumarkt

Pfalzgraf Johann von Pfalz-Neumarkt, Sohn des rheinischen Kurfürsten und späteren deutschen Königs Rupprecht III. und Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg wurde 1883 in Neunburg vorm Wald als zweiter Sohn von acht Kindern geboren. Nach dem Ableben des Vaters im Jahr 1410 erhielt der älteste Sohn, Johanns Bruder Ludwig IV. die Kurwürde, sowie die dazugehörigen Gebiete, dem Kurpräcipuum, das ausschließlich dem Kurfürsten zustand. Eigentlich zählte auch Neunburg zu diesem Gebiet, es wurde jedoch im Zuge der Landteilung ausgeschlossen und dem Besitz des Zweitgeborenen zugeteilt. Johann bekam den größten Anteil der pfälzischen Territorien im bayerischen Nordgau, die partiell aus Pfandbesitz bestanden. Sie beinhalteten die Gebiete an der Vils, der Naab und dem Regen, sowie die Pfandschaften Burglengenfeld, Kallmünz, Schwandorf und Cham.5 Der stets auf die Vergrößerung seines Herrschaftsgebiets bedachte Pfalzgraf erwarb nach vier Jahren die Schutzherrschaft über das Kloster Waldsassen und gewann in der darauf folgenden Zeit nach dem Krieg gegen Herzog Ludwig von Ingolstadt weitere Ämter, wie Lauf und Freystadt. In Kooperation mit dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg brachte er die Gebiete Floß, Pleystein, Vohenstrauß, Parkstein und Weiden in seinen Besitz, die von da an zusammen als „Gemeinschaftsamt“6 verwaltet wurden. In den drauf folgenden Jahren gingen diese Gebiete jedoch in den Besitz Anderer über - Vohenstrauß an den Markgrafen von Brandenburg, und schließlich das gesamte Gemeinschaftsamt an Pfalz-Sulzbach. Im Gegensatz zu seinen Kooperationspartnern begegnete er seinem eigenen Bruder jedoch mit Misstrauen. Schon bei der Gebietsaufteilung kam es zu Streitigkeiten, die auch das zukünftige Verhältnis der beiden brandmarkte und es sogar so weit kam, dass Ludwig seinem Bruder nicht einmal bei der Verteidigung gegen die Hussiten helfen wollte. Als Absicherung für einen eventuellen Krieg mit dem Bruder sicherte sich Johann vertraglich sogar die Hilfe Kaiser Sigismunds zu und beteuerte die Absicht sein Machtgebiet auf die ganze Oberpfalz ausdehnen zu wollen. Auch der Streitpunkt über die Verwaltung von Kastl, mit dem dazugehörigen Kloster legte sich erst im Jahr 1437, als der Verwalter, sein jüngerer Bruder Pfalzgraf Otto den Schutz auf Johann übertrug. Um die Linie Neunburg-Oberpfalz aufrecht zu erhalten heiratete Johann am 15. August 1407 Katharina, die Tochter Herzog Wratislaw VII. von Pommern-Stolpern. Bevor sie 1426 starb, gingen aus der Ehe sechs Kinder hervor von denen nur der älteste Sohn Christoph die ersten Jahre überlebte. 1428 heiratete der Pfalzgraf erneut und führte eine kinderlose Ehe mit der Witwe Beatrix von Bayern-München.7

3.2 Johann und seine Obere Pfalz

Die Bauvorhaben des Pfalzgrafen versteilten sich über ein ganzes Gebiet und so baute er zunächst 1410 in Neumarkt das Schloss und die Hofkirche. In Neunburg wurden die Befestigungsanlagen verstärkt, sodass die Burg fortan der Hauptsitz des Amts wurde. Gerade in den Zeiten der Hussitenabwehr investierte er in die Befestigung und Wiederinstandsetzung verwüsteter Ortschaften und Sakralbauten. Zu Anfang seiner Herrschaft fehlte es dem Land nicht an Geld, sodass zum Beispiel die Haimburg zum Jagdschloss umgebaut werden konnte und Johann sich um die Vogtei einiger Klöster bemühte oder gar selbst stiftete. Das Brigittenkloster in Gnadenberg, das 1426 erbaut wurde, ging aus seinem Willen hervor und zeugt von der gegenwärtigen Frömmigkeit des Herrschers. Auch wollte Johann an seinem Geburtsort ein Kloster als Dank für den Sieg über die Hussiten einweihen, wozu er bis 1443 den Chor und die Türme der Kirche errichten ließ. Nur wegen seinem Tod wurde das Vorhaben nicht mehr vollendet. Im Jahr 1478 wurden die Bauarbeiten dann fortgesetzt und als Pfarrkirche der Stadt eingeweiht, in der die Gedächtniszettel verwahrt wurden. Für die Obere Pfalz war es von Vorteil, dass der Herrscher und sein Hofstaat im Lande blieben und nicht, wie die kupfälzischen Ämter vom weit entfernten Hauptgebiet Pfalz aus regiert wurde. Dort flossen die Einnahmen der Ämter nach Heidelberg ab, anstatt in der Region zu bleiben und die Wirtschaft des eigenen Amts zu unterstützen, sei es bei Baumaßnahmen oder der Hofhaltung, in der Untertanen aus der Umgebung beschäftigt wurden. Nach den Problemen mit den einfallenden Hussiten und dem Schaden, den sie hinterlassen hatten, sowie den Spannungen mit seinem Bruder Ludwig erlangte Johann in den Jahren 1436 bis 1443 sogar die gesamte Herrschaft über die Oberpfalz. Er übernahm bis zur Volljährigkeit von Kurfürst Ludwig IV. die Verwaltung über das Kurpräzipuum von seiner Heimatstadt aus und baute das Land bis zu seinem Tod wieder auf. Alles in Allem hat Pfalzgraf Johann von Neumarkt-Neunburg viel für die Obere Pfalz getan, sein langfristiges Ziel die gesamte Oberpfalz zu regierende erreicht und mit dem selbstständigen pfälzisch- wittelsbachischem Gebiet auf den Flächen des alten Nordgaus die Landschaft Oberpfalz geprägt und sich seinen Namen Johann der Oberpfälzer verdient.

[...]


1 Vgl.: Bücherl, Gerhard: Die Hussitenzeit 1414-1438, S.75. in: Stadt Waldmünchen (Hg.): Waldmünchen,. Geschichte einer Stadt. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stamsried, 2010.

2 Vgl.: Dr. Winkler, Karl: Die Schlacht bei Hiltersried im Jahre 1433,Würzburg-Aumühle, 1909, S.83.

3 Leidinger, Georg: Andreas von Regensburg. Sämtliche Werke, München, 1903, S.482 f.

4 Vgl.: HAM, Fürstensachen, Bd. V, fol. 380. Veröffentlicht in DRA XI., S185, Anm. 1. In: Dr. Winkler, Karl: Die Schlacht bei Hiltersried im Jahre 1433,Würzburg-Aumühle, 1909, S.96.

5 Vgl.: Spindler, Max/ Diepolder, Gertrud: Bayerischer Geschichtsatlas, München,1969.

6 Schmidt, Otto: Seit wann Obere Pfalz/ Oberpfalz. in: Laßleben, Erich: Die Oberpfalz. Monatsschrift für Geschichte, Schrifttum, Volks- und Heimatkunde. Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau. Heft 6, 99.Jahrgang, November/Dezember 2011, S.323.

7 Vgl.: Reimer, Otto: Die Familie des Pfalzgrafen Johann. In: Männer, Theo/ Pauly, Peter/ Reimer,Otto /Kindler, Manfred/ Fischer, Hans/ Wiesneth, Rudolf: Festschrift zum Pfalzgraf-Johann-Jahr 1983, Neunburg v. W., 1983.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656948254
ISBN (Buch)
9783656948261
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298471
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Mittelalterliche Geschichte
Note
Schlagworte
Jan Hus Hussiten Oberpfalz Bayern Mittelalter Hussitenkrieg Hussiteneinfälle Neunburg v.W. Geschichte

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