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Implikaturen in Grice "Logic and Conversation". Konversationelle Implikaturen nach Grice

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 22 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen

2. Die konversationelle Implikatur
2.1. Begriffsklärung
2.2. Entstehung konversationeller Implikaturen
2.3. Typen konversationeller Implikaturen
2.4. Eigenschaften konversationeller Implikaturen
2.5. Testverfahren

3. Weiterführende Forschung
3.1. Neo-Grice’sche Theorien der Implikaturen
3.2. Relevanztheorie

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass in der sprachlichen Kommunikation das explizit Gesagte viel mehr an Bedeutung beinhalten kann. So wird beispielsweise der Satz Hans wachte auf und trank einen Kaffee verstanden als Hans wachte auf und trank danach einen Kaffee. Bereits vor den 70er Jahren beschäftigten sich Sprachphilosophen mit diesem Problem. Es entwickelte sich die Annahme, dass es einen Unterschied zwischen den Operatoren der formalen Logik (^ л, v, ^, etc.) und der Bedeutung der Äquivalenten der natürlichen Sprache (nicht, und, oder, wenn,...dann, etc.) gäbe. Diese Sichtweise basierte auf dem im obigen Beispiel aufgeführten Phänomen. In der formalen Sprache würde es sich um eine einfache Konjunktion handeln, sodass sich ergeben würde, dass [Hans wachte auf] und [Hans trank einen Kaffee] zeitgleich eintreten. Jedoch besteht die Möglichkeit, dass die Verbindung zweier Aussagen mit und als zeitliche Reihenfolge interpretiert wird. Somit würde sich ergeben, dass Hans aufwachte und danach einen Kaffee trank.

Es wird deutlich, dass aus der wörtlichen Bedeutung einer sprachlichen Äußerung nicht immer hervorgeht, was tatsächlich gemeint ist, sodass das Gemeinte oft nur interpretiert werden kann. Wie auch die formale Schreibweise des obigen Beispiels verdeutlicht hat, kann ein Satz oft mehr ausdrücken, als die wörtliche Bedeutung und somit als die formale Schreibweise. Wie ist jedoch möglich, mehr bzw. etwas anderes zu meinen, als man explizit sagt? Wie kann der Gesprächspartner dabei richtig interpretieren, was der Sprecher meint? Und wie kann der Sprecher sicher sein, dass er richtig interpretiert wird?

Herbert Paul Grice widmete sich diesem Problem und widersprach der verbreiteten Annahme, dass es einen Unterschied zwischen formaler und natürlicher Sprache gäbe. Hierzu beschreibt er zunächst zwei methodische Grundeinstellungen. Während die eine Grundeinstellung eher darauf fixiert ist, möglichst viel auf die wörtliche Bedeutung der sprachlichen Ausdrücke zurückzuführen und eher zu einer Annahme reichhaltiger Wortbedeutungen und mehrdeutiger Wörter neigt, legt die andere von ihm dargestellte Grundeinstellung den Schwerpunkt eher auf die pragmatischen Regeln, statt auf die wörtliche Bedeutung. So besteht hier die Annahme minimaler Wortbedeutungen und eindeutiger Wörter.

Grice (1975) kritisiert die Sprachphilosophen beider Seiten, die das Vorhandensein eines Unterschiedes zwischen formaler und natürlicher Sprache vertreten, dadurch, dass ihrerseits „dem Wesen und der Wichtigkeit derjenigen Bedingungen nicht hinreichend Beachtung geschenkt wird, die Konversation regeln." (Kemmerling, 1993, S. 245)[1]

Ihm nach sind die formale und natürliche Sprache in ihrer Ausdruckbedeutung gleich, in der natürlichen Sprache kommt jedoch eine Bedeutungskomponente hinzu, welche er mit dem Begriff Implikatur bezeichnet. So stellt er eine Gegenüberstellung auf, indem er zwischen dem explizit Gesagten und dem mit ihr Gemeinten differenziert. Um nun von der wörtlichen Bedeutung des Gesagten auf das eigentlich Gemeinte zu gelangen, entwickelte Grice ein Verfahren, die Theorie der konversationellen Implikatur. Letzteres basiert auf seiner Grundannahme, dass sprachliche Kommunikation nur deshalb funktioniert, da die Teilnehmer durch kooperatives und rationales Handeln das gemeinsame Ziel der Verständigung verfolgen.

So werde ich im Folgenden die Grice‘sche Theorie näher darstellen. Dazu werde ich zunächst auf die von ihm als Basis gelegte Grundannahme eines bestehenden Kooperationsprinzips und die von ihm abgeleiteten Maximen eingehen. Anschließend werde ich die Entstehung der von ihm als Implikatur bezeichneten Bedeutungskomponente, ihre Typen und ihre Eigenschaften beschreiben. Abschließend werde ich auf weitere Forschungen in diesem Bereich eingehen und kurz auf Grices Theorie basierende Theorien eingehen.

1. Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen

Grice (1975) zufolge besteht eine Konversation nicht aus einzeln zu betrachtenden unzusammenhängenden Äußerungen, sondern vielmehr aus Beiträgen, die rational sind und die Konversationsteilnehmer einem gemeinsamen Ziel der Kommunikation dienen. So vertritt er die Ansicht, dass Konversationsteilnehmer während der Kommunikation bestimmten Regeln folgen. Das Ziel der Konversation kann dabei von Beginn an feststehen, sich erst im Gesprächsverlauf entwickeln oder auch unbestimmt sein, sodass beiden Teilnehmern gewisser Freiraum zusteht. Hieraus folgert Grice ein grobes Prinzip, welches die grundlegendsten Aspekte für eine auf kooperativer und rationaler Ebene stattfindenden Konversation beinhalten; das Kooperationsprinzip (kurz KP):

“Make your conversational contribution such as is required, at the stage at which it occurs, by the accepted purpose or direction of the talk exchange in which you are engaged.” (Grice, 1975, S. 45)

Um nun genauer zu beschreiben wie, die kooperativen und rationalen Äußerungen innerhalb einer Konversation konkret gestaltet werden, entfaltet Grice (1975) das Kooperationsprinzip in so genannte Maximen, welche er in Anlehnung an Kants Kategorienlehre in vier Kategorien einteilt. Diese sind Quantität, Qualität, Relation und Modalität.[2]

Die erste Kategorie umfasst die Quantität der Information, die gegeben wird und wird durch zwei Maximen vertreten.

Maximen der Quantität:

a) Mache deinen Gesprächsbeitrag so informativ, wie es für den vorhandenen Gesprächszweck erforderlich ist.
b) Mache deinen Gesprächsbeitrag nicht informativer als es nötig ist.

Die Kategorie der Qualität hat eine Obermaxime, welche vorschreibt, dass der Gesprächsbeitrag wahr sein soll. Darunter fallen zwei Maximen.

Maximen der Qualität:

a) Sage nichts, was du nicht für wahr hältst.
b) Sage nichts, für dessen Wahrheit dir angemessene Gründe fehlen.

Auf die Kategorie der Relevanz bezogen führt Grice eine Maxime auf.

Maxime der Relevanz (oder Relation):

a) Bringe nur solche Gesprächsbeiträge, die für den Zweck der Konversation relevant sind.

Die Kategorie der Modalität bezieht sich anders als die vorherigen Kategorien nicht direkt auf den Inhalt des Beitrages, sondern vielmehr auf die Art und Weise einen Beitrag zu machen. Grice führt eine Obermaxime auf, die bezüglich des Beitrages vorgibt klar zu sein und gliedert sie anschließend in vier Unterpunkte.

Maximen der Modalität (oder Art und Weise):

a) Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks.
b) Vermeide mehrdeutige Ausdrücke.
c) Fasse dich kurz und vermeide unnötige Weitschweifigkeit.
d) Bringe deine Beiträge in der richtigen Reihenfolge vor.

Dabei erwähnt Grice, dass die von ihm aufgeführten Maximen bezüglich der Wichtigkeit nicht den gleichen Rang haben. So würde das Verletzen der Maximen der Qualität, das heißt eine Aussage, die unter Umständen nicht der Wahrheit entspricht, größerer Kritik ausgesetzt werden, als die Verletzung der Maximen der Art und Weise, wobei der Sprecher beispielsweise einen unklaren Beitrag leistet.

Während diese hier aufgeführten Maximen eher normativer Natur sind, betrachtet er weitere mögliche Maximen, welche beispielsweise zur Beachtung der Höflichkeit innerhalb einer Konversation auffordern, vielmehr als ästhetische, gesellschaftliche und moralische Normen. Zwar sind auch diese stets einzuhalten, gelten aber eher allgemein und nicht spezifisch für den Akt der Kommunikation. Auch die hier aufgeführten Maximen können auf Sachverhalte allgemeiner Natur übertragen werden. Grice (1975) führt hierzu für jede Kategorie ein Beispiel auf:

1. Quantität: Wenn Person A Person B dabei hilft, ihren Wagen zu reparieren und Person B an einer Stelle eine bestimmte Anzahl von Schraube benötigt, dann erwartet Person B von Person A, dass sie ihm genau diese Anzahl von Schrauben gibt und nicht weniger oder mehr. Es besteht also die Erwartung, dass weder mehr noch weniger beigetragen wird.
2. Qualität: Wenn Person A Person B dabei hilft, einen Kuchen zu backen und Person B an einem bestimmten Punkt Zucker benötigt, dann erwartet Person B, dass Person A ihr Zucker zur Verfügung stellt und nicht Salz. Hier besteht die Erwartung, dass nicht nur vorgegeben wird beitragen zu wollen, sondern ein wirklicher Beitrag geleistet wird.
3. Relevanz: Wenn Person A sieht, dass Person B gerade die Zutaten für einen Kuchen verrührt, dann erwartet Person B von Person A, dass sie ihr in diesem Augenblick kein gutes Buch gibt. So besteht also die Erwartung, dass der Situation entsprechend gehandelt wird und ein relevanter Beitrag geleistet wird.
4. Modalität: Die Erwartungen beziehen sich auf die Art und Weise der Handlung bzw. des Beitrags. Hierunter würde z.B. die Erwartung fallen, dass ein Beitrag möglichst schnell und ohne zu zögern geleistet wird.

Grice geht von einer grundsätzlichen Befolgung dieser Maxime aus. Somit wird einem Sprecher S unterstellt, stets die Absicht zu haben, ausschließlich Wahres zu äußern, letzteres berücksichtigt und seine Äußerung dementsprechend gestaltet, und auch nur Beiträge macht, die relevant sind. So beschreibt er den Akt der sprachlichen Kommunikation[3] als kooperative Interaktion, worunter er die bereits zuvor angedeuteten Merkmale einordnet:

a. Die Gesprächspartner führen eine Konversation, wobei sie - wenn auch nur zu Beginn - ein gemeinsames Ziel haben.
b. Es sollen Beiträge gemacht werden, die voneinander abhängig sind.
c. Die Konversation soll soweit fortgesetzt werden, bis alle Teilnehmer sie beenden wollen.

Seine Unterstellung, dass jeweils Sprecher und Hörer vernünftiger Weise diese Maximen befolgen, fasst er wie folgt zusammen:

„Wem es um die für Konversation [...] zentralen Ziele geht [...], dem mu[ss] [...] ein Interesse daran unterstellt werden, an einem Gespräch teilzunehmen,

[...]


[1] Vgl. Grice, 1975, S. 43)

[2] Es sollte erwähnt werden, dass die Formulierungen der Maximen von Grice nicht als Aufforderung oder Ratschlag zu verstehen sind, sondern vielmehr als Prinzipien, die seiner Meinung nach generell gelten.

[3] Hier werden spezielle Gesprächsformen wie Streit ausgeschlossen.

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656946779
ISBN (Buch)
9783656946786
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298369
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Schlagworte
Implikatur Konversation Grice Linguistik Kooperation Kooperationsprinzip Konversationsmaximen

Autor

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