Lade Inhalt...

"Looking beyond the Image". Die Schulung einer kritischen Sehverstehenskompetenz am Beispiel der Repräsentation von Native Americans in Werbespots

Mit Unterrichtsentwurf

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 36 Seiten

Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen
2.1. Von der Landeskunde zum interkulturellen Lernen
2.2. Medienkompetenz undSehverstehenskompetenz {Visual Literacy)

3. Werbespots als Unterrichtsgegenstand
3.1. Definition und Typologie
3.2. Lernprogression und Prozessorientierung
3.3. Methoden für die Analyse von Werbespots

4. Unterrichtsentwurf
4.1. Sachanalyse
4.1.1. Sozialstruktur der Native Americans
4.1.2. Darstellung von Native Americans in der amerikanischen Populärkultur
4.2. Analyse ausgewählter Werbespots
4.2.1. The Crying Indian
4.2.2. Indian Spirit
4.2.3. Help a Student, Help a Tribe
4.3. Didaktisch-methodische Analyse
4.4. Lernziele
4.4.1. Grobziele
4.4.2. Feinziele
4.5. Verlaufsplan

5. Literatur

6. Anhang
OHP 1: Modern Native American Portraits
OHP 2: Traditional Native American in Everyday Situations
Analyzing Commercials I: Types of Commercials
Analyzing Commercials II: Detailed Analysis / Persuasion Techniques
Discussion Sheet I: Time to Change Name ofRedskins
Discussion Sheet II: Redskins - A Manufactured Controvery
Erwartungsbild (Werbespotanalyse)
Erwartungsbild (Diskussion)

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „Teaching Culture through Visual Media“ an der Universität Rostock. Im Zentrum stand die Beschäftigung mit visuellen Medien als Trägern kultureller Inhalte, weshalb unterschiedliche Medientypen besonders daraufhin untersucht werden sollten, inwiefern sie sich zum „cultural learning“ und damit zum Erwerb einer interkulturellen Kompetenz mit Blick auf den anglo-amerikanischen Sprachraum eignen. Die folgende Arbeit zeigt dies am Beispiel von Werbespots als Subgenre audiovisueller Medien. Im ersten Teil werden zunächst die Begriffe „interkulturelles Lernen“ und „Visual Literacy“ in die fachdidaktische Diskussion eingeordnet und die theoretischen Aspekte der Behandlung von Werbespots im Fremdsprachenunterricht dargestellt. Daran schließt sich ein Unterrichtsentwurf an, der sich als Teil einer Unterrichtsreihe zum Thema "Ethnicity in the US - Melting Pot or Salad Bowl?" fur die Sekundarstufe II versteht und als 90-müntige Sequenz die Repräsentation von Native Americans in der amerikanischen Alltagskultur am Beispiel amerikanischer Werbespots thematisiert.

2. Theoretischer Rahmen

2.1. Von der Landeskunde zum interkulturellen Lernen

Im 2001 veröffentlichten und noch immer gültigen Rahmenplan des Landes Mecklenburg­Vorpommern für das Unterrichtsfach Englisch in der Sekundarstufe I ist bekanntlich von „landeskundlichem Wissen“ die Rede, das Lernende durch die „Beschäftigung mit anderen Kulturen“ erwerben sollen um mit Blick auf Selbst- und Sozialkompetenz ihren „Erfahrungshorizont“ zu erweitern.[1] Damit beschränkt sich das offizielle Curriculum in dieser Hinsicht auf einen Ansatz, der im Zuge der gegenwärtigen fachdidaktischen Diskussion mehr und mehr an Boden verliert: Die Ansammlung kulturellen Faktenwissens in den Mikrobereichen Geschichte, Geographie, Institutionenkunde und Alltagskultur des fremden Landes, wie sie der Rahmenplan und gängige Lehrwerke im Sinne der „Landeskunde“ vermitteln, wird zunehmend in Frage gestellt, und wie Daniela Caspari richtig konstatiert, erfolgt die Vermittlung dieses Wissens in der Regel „wenig sprachgebunden“ und könnte „im Grunde auch losgelöst von der Progression des Sprachkurses auf Deutsch vermittelt werden“[2]. Allenfalls wird die klassische Landeskunde noch als Fundament kulturellen Lernens, als „Voraussetzung für kompetentes interkulturelles Handeln“ betrachtet, nicht aber als Kern des fremdsprachlichen Kulturunterrichts.[3] Dabei ist es zunächst verständlich, dass nach der Erfahrung des Nationalsozialismus, wo bereits bestehende Ansätze der „Kulturkunde“ zu politischen Zwecken missbraucht wurden, das kulturelle Lernen im Fremdsprachenunterricht auf Phänomene reduziert wurde, die „im Alltagshandeln oder in Dokumenten sicht- und beobachtbar“ sind. Damit wurde es jedoch seiner geistesgeschichtlichen Dimension weitestgehend beraubt, also jenen Aspekten, die im „Eisbergmodell“ der Kultur unter der Oberfläche schweben und unter anderem Zeitempfinden, Erziehungsideale, Auffassung von Gerechtigkeit umfassen (Abb. 1). Der daraus resultierende Missstand fand spätestens seit den 70er Jahren in der Renovation des fachdidaktischen Kulturbegriffs und einer Neuorientierung im Bereich des kulturellen Lernens Ausdruck.[4]

„Eisbergmodell“ der Kultur. Aus: Praxis FSU 05/2007. S. 70.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inzwischen hat sich neben trans- und multikulturellen Konzepten das interkulturelle Lernen zum beherrschenden Ansatz und Herausforderer der „Landeskunde“ entwickelt. Ausgehend von einer offenen Begriffsdefinition, die Kultur als „Manifestation aller Formen menschlichen Lebens“ versteht, sowie von einer Situation, die durch eine „deutliche Zunahme direkter Kontakte zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen und der Entstehung multikultureller Gesellschaften“ geprägt ist, fordert dieses Konzept neben der Vermittlung von Kenntnissen über Oberflächenphänomene auch die Einbeziehung tiefer liegender, oft unsichtbarer Werte, die das „Wahrnehmen, Urteilen und Handeln einer bestimmten Bezugsgruppe bestimmen“[5]. Dabei ist es nicht zielführend, die Betonung nur auf Unterschiede in der fremdkulturellen Wirklichkeitswahrnehmung zu legen. Nur durch den Vergleich der eigenen und der fremdkulturellen Sichtweise lässt sich die Beziehung zwischen mehr oder weniger „verschiedenen“ Kulturen explizit herstellen - dadurch offenbaren sich nichtzuletzt auch die im Unterricht oft thematisierten „Klischees und Vorurteile“ der verschiedenen Perspektiven.

Gerade aus Sicht der Unterrichtspraxis mag das Konzept des interkulturellen Lernens zunächst komplex und abstrakt erscheinen, Caspari forumuliert dazu jedoch drei konkrete Zielstellungen:

1. ) den Erwerb von Einstellungen,u. a. die Bereitschaft, mit begrenzten sprachlichen Mitteln Kommunikation zu wagen, die Bereitschaft, offen aufFremde zuzugehen und sie zu tolerieren;
2. ) den Erwerb von Fähigkeiten, u.a. die Fähigkeit, eigene und fremde Äußerungen und Verhaltensweisen sowohl als kulturabhängig wie auch als individuell zu begreifen, und die strategische Fähigkeit, mit den eigenen eingeschränkten sprachlichen Kompetenzen konstruktiv umzugehen.
3. ) den Erwerb von Wissen, sowohl von allgemeinem Wissen über Kommunikation wie auch von kulturspezifischem Wissen als Hilfe zur adäquaten Deutung kommunikativer Äußerungen sowie zur Prävention bzw. Klärung und Aufklärung von Missverständnissen.[6]

Zusammenfassen lassen sich diese Punkte unter einer zu erwerbenden „interkulturellen Kompetenz“, die sich in kommunikativer Offenheit und kritischer Toleranz gegenüber anderen Kulturen widerspiegeln soll.

Dass der Begriff der „interkulturellen Kompetenz“ aus der Didaktik des fremdsprachlichen Kulturunterrichts nicht mehr wegzudenken ist, zeigt das 2006 erschienene Kerncurriculum für das Fach Englisch in der Sekundarstufe II.[7]Hier wird der Begriff neben der kommunikativen und methodischen Kompetenz die interkulturelle Kompetenz als Bedingung für fremdsprachliche Handlungsfähigkeit genannt, die durch den Erwerb und die Vertiefung „soziokulturelle[n] Orientierungswissens über anglophone Länder“ sowie durch „Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Bewältigung kultureller Situationen“ entwickelt werden soll.[8]2. 2. Medienkompetenz und Visual Literacy

Neben interkultureller Kompetenz gehört Medienkompetenz - also „die Fähigkeit, Medien und die dadurch vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv nutzen zu können“ - ohne Frage zu den Schlüsselqualifikationen der Gegenwart.[9]Pädagogen und Didaktiker haben zu Beginn des neuen Jahrtausends gleichermaßen erkannt, dass die neuen, digitalen Medien zu einem festen Bestandteil der Lebenswelt von Aufwachsenden geworden sind. Dementsprechend wurde die Forderung nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Computer und Internet seit den frühen 2000ern in den Lehrplänen fest verankert.[10]Während die jährlichen Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest nun einerseits auf die steigende Beliebtheit von Smartphones und mobilem Internet verweisen, zeigt sich hier andererseits auch, dass der Fernseher als klassisches Empfangsgerät noch immer einen großen Anteil am täglichen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen einnimmt.[11]Diese sind somit einer permanenten Bilderflut durch Werbung, Filme, Computerspiele und verschiedene Bildmedien ausgesetzt.

Um Aufwachsenden angesichts der Omnipräsenz visueller Medien das nötige Handwerkszeug an die Hand zu geben, um deren geheime Kommunikationsstrategien enthüllen und sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können, ist die Fähigkeit eines kritischen Sehverstehens nötig.[12]Zentral ist dabei die Annahme, dass Bilder, bewegt oder unbewegt, eine kulturspezifische Realität konstruieren, die sich mit Hilfe von Sprache verbalisieren und damit entschlüsseln lässt. Mit Blick auf die Kompetenzentwicklung von Lernenden spricht man hier von „Visual Literacy“ als einer möglichen fünften Grundfertigkeit im Fremdsprachenunterricht. Ganz entscheidend ist dabei die Unterscheidung von „biologisch bestimmter Sinneswahrnehmung“ und „kulturellen

Sehgewohnheiten“, deren dialektische Beziehung sich im Begriff der „Visualität“ widerspiegeln soll: „Nicht alles sichtbare ist kulturell bedeutsam, kann aber kulturell bedeutsam werden [...] Dann fällt es in den Bereich der Visualität“[13].

3. Werbespots als Unterrichtsgegenstand

Die Analyse von Werbung eignet sich sowohl zur Schulung der interkulturellen Kompetenz wie auch der Visual Literacy. Im Sinne Cathelats kann sie als künstliches Abbild der Realität oder „Spiegelbild der Gesellschaft“ verstanden werden, die auf kulturellen Werten und Normen basiert und diese überträgt.[14]Im Unterricht können diese durch gezielte Betrachtung spezieller Aspekte erkannt und entschlüsselt werden. Für den sinnvollen Einsatz von Werbespots im Unterricht sind zunächstjedoch einige theoretische Aspekte sowie methodische Grundprinzipien zu erschließen, die im Folgenden erläutert werden sollen.

3.1. Definition und Typo logie

Werbung wird hier im Sinne von Schweiger/Schrattenecker als „beabsichtigte Beeinflussung von marktrelevanten Einstellungen und Verhaltenweisen [...] unter Einsatz von Werbemitteln und bezahlten Medien“ verstanden.[15]Ein beliebtes Medium ist dabei der Werbefilm, dessen Form je nach Werbeumfeld, Produkt und Zielgruppe variiert. So sind Fernsehspots meist kurz gehalten, während im Kino oft längere Spots mit deutlich narrativeren Strukturen zu sehen sind. Mittlerweile ist auch das Internet eine wichtige Plattform für die Platzierung von Werbespots, wobei hier noch eher als im Fernsehen Gattungskonventionen verletzt werden können, um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen.[16]

Nach Knoblich/Raab lassen sich Werbespots in fünf unterschiedliche Kategorien einordnen, die einen bestimmten Merkmalssatz teilen, und sich jeweils an bestimmte gesellschaftliche Milieus richten. Demzufolge richten sich „Produktwerbespots“ an das Unterhaltungsmilieu junger Arbeiter, wobei das Produkt im Vordergrund steht, die Protagonisten, der Hintergrund und die Hintergrundmusik eher zurückhaltend und neutral präsentiert werden. Auch bei „Präsentatorspots“, die sich an das Harmoniemilieu alter Arbeiter richten, steht das Produkt im Vordergrund, wobei ein Präsentator der Garant für die Qualität eines Produkts sein soll, und Musik oft als Jingle die Produktpräsentation begleitet. Demgegenüber wird in „Alltagswerbespots“, die sich an das Integrationsmilieu der Angestellten und Beamten richten, das Produkt und die zugehörige Werbeargumentation zurückhaltender präsentiert. Die Protagonisten werden hier im Sinne inszenierter Realität in normalen Alltagssituationen dargestellt, zeigen dabei eine übertriebene Begeisterung für das Produkt, ohne jedoch den Rezipienten direkt zu adressieren. Oft enden diese Spots mit einer Ansprache eines Off-Sprechers. In „Lebensstilspots“, die sich an das Selbstverwirklichungsmilieu der Studenten richten, ist das Produkt teil eines Lebensstils, der idealistisch und nachahmenswert inszeniert wird und eine statusbildende Funktion innehat. Die Protagonisten sprechen dabei nicht, auch das Produkt wird nur beiläufig in einzelnen Szenen erwähnt. Hier wird Musik durchgängig zur Stimmungserzeugung genutzt, den Slogan präsentiert ein Sprecher aus dem Off. Schließlich zeigen „Kurzfilmspots“, gerichtet an das akademische Niveaumilieu, das Produkt selten oder gar nicht. Die Werbebotschaft muss durch Assoziationen vom Rezipienten selbst erkannt werden, lediglich ein Slogan wird am Ende im Off-Text präsentiert. Bei den „Kurzfilmspots“ handelt es sich demnach um die innovativste Form von Werbespots, da große Bandbreiten an Visualisierungstechniken genutzt und Musik und Geräusche intensiv eingesetzt werden.[17]

3. 2. Lernprogression und Prozessorientierung

Bei der Behandlung von Werbespots müssen wie bei allen anderen Unterrichtsmedien die gewählten Texte und die Arbeitsaufträge in ihren Inhalten, Anforderungen und Zielen auf die jeweilige Jahrgangsstufe angepasst werden. In der Unterstufe sind sie in erster Linie als Sprech- und Schreibanlass einzusetzen, die Analyse von Werbestrategien und Zielgruppen ist mit Blick auf eine noch moderate Sprachkompetenz höchstens in Ansätzen möglich. Mit zunehmendem Alter lassen sich komplexere Beobachtungsaufgaben formulieren, während bei der Auswahl an Werbespots zunehmend auch Werbung für Kampagnen und Ideen in den Fokus rücken.[18]

Unabhängig von derjeweiligen Jahrgangsstufe bietet sich für die Strukturierung des Lernprozesses bei der Behandlung von Werbespots die prozessorientierte Vorgehensweise an, also die Gliederung in pre-, while- und post-viewing activities. Durch pre-viewing activities wird das Vorwissen der Lernenden aktiviert und Neugier geweckt, während while-viewing activities Textverstehen und aktives Sehen fördern. Dabei sollen Reaktionen formuliert und Hypothesen gebildet werden, bevor in den post-viewing activities einzelne Elemente konkretisiert und auf einer analytischen Ebene untersucht werden.[19]

3. 3. Methoden für die Analyse von Werbespots

Werbespots besitzen ein umfangreiches Analysepotential, das sich gerade mit fortgeschrittenen Lernenden gut ausschöpfen lässt. Für eine detailliertere Untersuchung bieten sich etwa die dargestellten Protagonisten, das Bildarrangement, Belichtung und Kameratechniken, Musik und Geräusche, als auch die verwendete Sprache und erkennbare Werbestrategien (persuasion techniques) an. Die Analyse dieser Aspekte kann anhand von Rastern erfolgen, welche die Lernenden gemeinsam mit der Lehrkraft erarbeiten oder von dieser bereitgestellt werden.

Interessant ist bei solch einer Untersuchung besonders der Aspekt der Zielgruppe. Jeder Werbespot wendet sich an eine bestimmte target group, um seine Werbewirksamkeit zu erhöhen. Dazu werden Merkmale wie Alter, Geschlecht, Einkommen oder soziale Stellung, aufgegriffen und abgebildet. Werbung spiegelt aber auch die Werte- und Normensysteme, Wünsche, Bedürfnisse und den

Lebensstil ihrer Zielgruppe wieder.[20]Wie Henseler et. al betonen, ist die „Untersuchung von Zielgruppen [...] eng mit der genaueren Betrachtung der Art der Darstellung von Personengruppen“ verknüpft, wobei Werbefilme häufig auf stereotypische Darstellungen von „Menschen einer bestimmten Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder eines bestimmten Geschlechts“ zurückgreifen, die der Vereinfachung der Informationsvermittlung diesen soll.[21]Die Untersuchung der Repräsentation sozialer Gruppen mit Blick auf stereotypes ist deshalb ein weiterer wichtiger Analyseaspekt, schließlich basiert die konstruierte Realität der Werbewelt auf der Reduktion von „Menschen auf einen bestimmten Merkmalssatz“ und der damit verbundenen Zuweisung „zu einer bestimmten Position in gesellschaftlichen Hierarchien“.[22]

Nach einer Detailanalyse kann ergänzend die erzählte story (auch narrative) als „Zusammenhang zwischen Figuren, Handlung, Ort, Atmosphäre, Bildsprache und Themen“ untersucht werden, wobei die Identifikation von plot points (exposition - confrontation - resolution) das kritische Verständnis der Wirkungsweise von Werbespots erhöht. Dabei ist jedoch zu prüfen, ob der Werbespots sich für eine Narrativuntersuchung eignet, denn nicht jeder basiert auf einer klar strukturierten Handlungsabfolge.

4. Unterrichtsentwurf

Wie bereits Eingangs erwähnt, versteht sich der vorliegende Unterrichtentwurf als Teil einer Unterrichtsreihe zum Thema "Ethnicity and Culture in the US - Melting Pot or Salad Bowl ?" für die Sekundarstufe II. Der Ansatzpunkt ist hierbei die Frage, ob und wie in den USA verschiedene Kulturen miteinander korrelieren und wie verschiedene ethnische Gruppen und Minderheiten im kulturell dominanten Mainstream repräsentiert werden. Dazu wird zunächst Einwanderung als aktuelles Thema in den USA betrachtet, darüberhinaus sollen aber exemplarisch auch die ethnischen Gruppen der Afroamerikaner, asiatischen Amerikaner und der amerikanischen Ureinwohner und deren Situation im kulturellen Gefüge der USA lokalisiert werden. Die auf 8 Unterrichtsstunden ausgelegte Einheit soll schließlich eine Beurteilung der Problemfrage erlauben, ob man von den USA kulturell eher von einem „Melting Pot“, also einem Schmelztigel von sich gegenseitig assimilierenden Kulturen sprechen sollte, oder der Begriff „Salad Bowl“ als Symbol für die Koexistenz distinkter Kulturen passender ist. Sie lehnt sich die aktuelle kulturwissenschaftliche

Diskussion an, in deren Verlauf das traditionelle Schmelztigelmodell in die Kritik geraten ist, wobei auch das „Salad Bowl“-Konzept nicht unumstritten ist.[23]

4.1. Sachanalyse

4.1.1. Sozialstruktur der Native Americans

Die 4,4 Millionen als Ureinwohner registrierten US-Bürger {American Indians oder Native Americans), die sich in über 500 staatlich anerkannte Stammesgruppen aufteilen, machen mit 1,2% nur einen geringen Anteil der Gesamtbevölkerung der USA aus.[24]Unabhängig davon, ob sie in den Reservaten oder den modernen Großstädten leben, haben es bisher mehrheitlich nicht geschafft, aus den unteren sozialen Schichten aufzusteigen, was mit einem oft unterdurchschnittlichen Bildungshintergrund sowie der sozialen und kulturellen Entwurzelung der Vergangenheit begründet wird. Die Arbeitslosenquoten der Native Americans sind kontinuierlich signifikant höher als die der weißen Mehrheit {15,2% gegenüber 9,2% in der ersten Hälfte des Jahres 2010 in den USA).[25]Weiterhin leben 27% in Armut, verglichen mit 25,8% der schwarzen Bevölkerung bei einem Gesamtdurchschnittvon 14,3%.[26]

Die mehr als 300 Reservate, in denen die Ureinwohner nach der Annexion der vormalig von ihnen besiedelten Gebiete durch europäische Kolonialisten in einem Zustand der Segregation leben mussten, werden heute unter der Oberhoheit des Bureaeu of Indian Affairs (BIA) von den Stammesgemeinschaften selbst verwaltet. In diesen Gebieten sind Arbeitslosigkeit und soziale Probleme deutlich spürbar. Lediglich der Betrieb von staatlich anerkannten Spielcasinos hat in einigen Gebieten für einen sozialen Aufschwung gesorgt.[27]Mittlerweile leben aber mehr als 70% der Natives in urbanen Gebieten außerhalb der Reservate.[28]

Während immer mehr US-Bürger mit indianischen Vorfahren sich auf ihre ethnischen Wurzeln berufen und damit der Anteil der offiziell als Natives gezählten Bevölkerung steigt, variiert die Rolle von Lebensweise und Tradition der Vorfahren in ihrem Leben. So sind sie innerhalb der modernen Industriegesellschaft der USA überwiegend assimiliert, anders als etwa die Amish, die aus religiösen Gründen isoliert leben und den technischen Fortschritt ablehnen.

[...]


[1]Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur (Hrsg.): Rahmenplan Englisch: Gymnasium und Integrierte Gesamtschule. Jahrgangsstufen 7 - 10. Schwerin 2002, S. 14.

[2]Praxis Fremdsprachenunterricht (5/2007): „Landeskunde und interkulturelles Lernen“, S. 70f.

[3]Ebenda.

[4]Praxis FSU (05/2007), S. 70; Sonderheft Praxis FSU (2003), S. 6

[5]FSU (05/2007), S. 71.

[6]PraxisFSU 05/2007

[7]Kerncurriculum für die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe im Fach Englisch (Berlin - Land Brandenburg - Mecklenburg-Vorponmmern).

[8]Ebenda, S. 8 und S. 13.

[9]Vgl. Baacke

[10]Vgl. dazu: Rahmenplan M-V, S. 12, S. 49ff.

[11]KIM und JIM Studie 2013.

[12]FSU 87/2007, S. 2.

[13]FSU 87, S. 3.

[14]Cathelat, S. 201ff.

[15]Schweiger/Schrattenecker, zitiert via: Henseler, Roswitha, Möller, Stefan and Surkamp, Carola (2011): Filme im Englischunterricht. Grundlagen, Methoden, Genres. Seelze: Klett/Kallmeyer, S. 193.

[16]Ein prominentes Beispiel stellt der nicht-authorisierte Spot des Jungregisseurs Tobias Haase dar, in dem fiktiv für das Collision Prevention System von Mercedes-Benz geworben wird. In dem anachronistischen Spot fährt ein aktuelles Modell des bekannten Autoherstellers durch ein historisch inszeniertes österreichisches Dorf und hält zunächst vor spielenden Kindern, bevor es rasch beschleunigt und den jungen Hitler überfährt. Aus dem Off folgt der (tatsächliche) Mercedes-Benz Slogan: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen“. Siehe: <http://www.zeit.de/ kultur/film/2013-09/filmpreis-mercedes-hitler>

[17]Knoblich/Raab via Henseler et. al, S. 195.

[18]Ebenda, S. 194ff

[19]Ebenda, S. 196ff.

[20]Ebenda, S. 202ff.

[21]Zit. Ebenda, S. 202f.

[22]Ebenda, S. 204.

[23]Beide Konzepte werden beispielsweise in einer aktuellen Mikrostudie aufgegriffen: Kolb, Eva. The Evolution of New York City's Multiculturalism: Melting Pot or Salad Bowl. 2009.

[24]Walter Fleming, S. 215.

[25]<http://thinkprogress.org/economy/2013/10/29/2855951/unemployment-native-americans/>

[26]<http://www.nytimes.com/2013/04/14/us/as-american-indians-move-to-cities-old-and-new-challenges-follow.html>

[27]Zu den steuerlich bevorteilten Spielcasinos in den Stammesgebieten der Native Americans siehe: Newton, Danielle; Van Leuven, Nacy: Jackpot! Marketing the American Indian Casino. American Indians and Popular Culture, S. 179.

[28]<http://www.nytimes.com/2013/04/14/us/as-american-indians-move-to-cities-old-and-new-challenges-follow.html>

Details

Seiten
36
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656949923
ISBN (Buch)
9783656949930
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298360
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Anglistik und Amerikanistik
Note
1,0
Schlagworte
Native Americans American Indians Commercials Medienkompetenz Visual Literacy

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Looking beyond the Image". Die Schulung einer kritischen Sehverstehenskompetenz am Beispiel der Repräsentation von Native Americans in Werbespots