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Sowjetische Kooperation mit dem sozialistischen Äthiopien unter besonderer Berücksichtigung des Ogadenkrieges 1977 - 1978

Hausarbeit 2004 17 Seiten

Afrikawissenschaften - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2.1. Historische Beziehungen zwischen Äthiopien und der Sowjetunion
2.2. Die Revolution - Machtkämpfe und Abkehr von den USA
2.3. Der Ogadenkrieg als Wendepunkt - die Sowjetunion in einem Dilemma
2.4. Nach dem Krieg

3. Schlussbetrachtung

4. Literatur

1. Einleitung

Neben Angola gilt auch Äthiopien als Paradebeispiel für sowjetisches Engagement in Afrika.

Das Jahrhunderte alte äthiopische Kaiserreich wurde nach der Revolution 1974 innerhalb von nur einem Jahrzehnt in einen sozialistischen Staat transformiert, der fast völlig auf die Hilfe und die Militärmacht der UdSSR angewiesen war. Die sowjetische Intervention im Horn von Afrika veränderte die geopolitische Situation der Region nachhaltig.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, in wie weit das sowjetische Engagement in Äthiopien unter Mengistu langfristig und geopolitisch geplant war und wie sich unter diesem Aspekt die Beziehungen zu Somalia entwickelten. Ferner soll die Tiefe des sowjetischen Einflusses auf die äthiopische Führung aufgezeigt werden. Der Ogadenkrieg als Schlüsselereignis der sowjetisch-äthio-somalischen Beziehungen soll hier besonders hervorgehoben werden. Durch diesen Krieg soll aufgezeigt werden, dass lokale und innerafrikanische Konfliktlinien und Gegebenheiten das Bild von afrikanischen "Stellvertretern" für die rivalisierenden Supermächte als nicht haltbar erscheinen lassen.

Nach einem kurzen Abriss der historischen Beziehungen Rußlands zu Äthiopien soll mit der Revolution 1974 und der gleichzeitigen Entmachtung des langjährigen äthiopischen Kaisers Menelik II. der Wandel weg vom Einfluß der USA hin zu einer Sowjetisierung beschrieben werden. Parallel zur endgültigen Machtübernahme Mengistu Haile Mariams 1976 und der gleichzeitigen Radikalisierung des äthiopischen Sozialismus verlief eine fortlaufende Eskalation des Ogadenkonflikts. Hier soll, als Hauptteil dieser Arbeit, der Fokus auf das Dilemma der Sowjetunion gelegt werden, die sich schließlich gezwungen sah, gewissermaßen wider Willen Somalia als ehemaligem sowjetischen Bruderstaat den Rücken zu kehren.

Zur Zeit des Kalten Krieges sind eine Reihe von Publikationen zum Engagement und Interventionen der Sowjetunion im Horn von Afrika erschienen, die allerdings durch eine oftmals ungesicherte Quellenlage gekennzeichnet sind, vor allem militärische Aspekte betreffend. Hervorzuheben sind nichtsdestoweniger die Werke von Clapham, Henze sowie Patman, die nach wie vor als Standardwerke angesehen werden können.[1] Mit dem Zerfall der Sowjetunion ließ auch das Interesse der Erforschung sowjetischer Afrikapolitik nach. Hervorzuheben ist allerdings das auf neuerem Forschungsstand ruhende Werk Ghebresillasies.[2]

2.1 Historische Beziehungen zwischen Äthiopien und der Sowjetunion

Schon seit 1855 versuchte der äthiopische Kaiser Theodore vom russischen Zaren Hilfe zur Verteidigung seines Reiches zu bekommen. 1880 erwiderte das Russland schließlich diese Kontaktversuche.

Äthiopien sollte als Außenposten des orthodoxen Christentums dienen, der Russland als europäischer Hegemonialmacht zukünftig politischen Einfluß ermöglichen könnte.[3] So finanzierte die russische Kirche einige christlich-orthodoxe Kolonien in Äthiopien.

Menelik II. versammelte in den darauffolgenden Jahren neben anderen europäischen Militärberatern auch russische Repräsentanten, die ihm dabei zur Seite standen, Äthiopien zu konsolidieren und auszudehnen. So lieferte Russland Waffen an Menelik für den Kampf gegen die italienischen Invasoren.[4]

Die ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts sahen eine an Äthiopien relativ uninteressierte russische Führung, nicht zuletzt aufgrund der eigenen russischen Oktoberrevolution. Dies änderte sich im Wesentlichen erst im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. 1943 begannen formelle diplomatische Beziehungen, die sich 1956 auf Botschaftsebene fortsetzten.[5] Die UdSSR war vor allem an strategisch-militärischen Möglichkeiten (Stützpunkt nahe der arabischen Welt, erhoffte Kontrolle des Indischen Ozeans) innerhalb ihrer Flottenpolitik interessiert. Darüber hinaus versprach sich Äthiopien vor allem ein Diversifizierung der Auslandskontakte, die im Wesentlichen aus der Zusammenarbeit mit den USA bestanden.[6] So sollte die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ausdrücklich als ein Signal an die USA verstanden werden, sich mehr zu engagieren.[7] Bereits 1959 erhielt Kaiser Haile Selasssie auf seinem ersten Moskaubesuch Kredite in geringem Umfang.[8]

Nichtsdestotrotz ist zu beachten, dass das äthiopische Bündnis Haile Selassies mit den USA ungleich stärker und intensiver war als Beziehungen zur UdSSR, so dass der sowjetische Einfluss weiterhin eng limitiert blieb. Die Aufrüstung Somalias durch die UdSSR verursachte eine erste massivere Aufrüstung der äthiopischen Armee mit amerikanischem Waffenmaterial.[9]

So vollzog sich das erste massive Engagement der UdSSR in Somalia, nicht in Äthiopien. Zementiert wurde diese Zusammenarbeit durch den Putsch Siad Barres 1969. Das neue somalische Regime proklamierte schließlich einen "wissenschaftlichen Sozialismus", der der sowjetischen Ideologie weitestgehend entgegenkam. Zwischen 1972 und 1976 erhielt das ungleich kleinere Somalia mehr Offensivwaffen als Äthiopien von den USA. Selbst wenn den Sowjets nicht an einer Invasion Äthiopiens gelegen war, so gab es für die gelieferten Waffen faktisch keine andere Verwendungsmöglichkeit.

2.2 Die Revolution - Machtkämpfe und Abkehr von den USA

Nach der sozialistischen Revolution 1974 und der Konsoliderung von Mengistus Macht innerhalb des Derg (Provisorisches Militärkommitee) 1977 kühlten sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und den USA rapide ab. Zunächst allerdings standen die USA der Revolution von 1974 gelassen gegenüber. Auch die politischen Ziele und Reformen der Revolutionäre standen der amerikanischen Politik nicht im Wege, solange sie keine offen marxistische oder anti-amerikanische Haltung offenbarten.[10] Vor diesem Hintergrund versuchten die USA sich mit der neuen äthiopischen Führung zu arrangieren und stützten diese sogar mit einer Militärhilfe, die zwischen 1974 und 1977 etwa 180 Mio. $ betrug.[11]

Der Bruch mit den USA vollzog sich schließlich vor allem durch die immer stärker sichtbar werdende Hinwendung zum Sozialismus sowie schließlich auch der Radikalisierung der Revolution durch die Machtergreifung Mengistus.

Die sowjetischen Medien beobachteten die äthiopischen Entwicklungen genau und hörten nicht auf zu betonen, dass es sich bei der Vernichtung von Haile Selassies Feudalegime um mehr als nur einen "gewöhnlichen" Militärputsch handelte.[12] Nichtsdestotrotz ist zu konstatieren, dass sich die Beziehungen beider Länder zwischen 1974 und 1976 nicht signifikant ausgeweitet haben, auch wenn seit 1970 bereits eine Reihe sowjetischer Kontaktversuche mit äthiopischen Junioroffizieren nachgewiesen sind.[13] Mehr als symbolische Gesten und Besuche fanden zunächst nicht statt. Nichtsdestoweniger stellte der sowjetische Botschafter in Addis Abeba, Anatoly Ratanov, in Aussicht, dass die Sowjetunion durchaus bereit sei die USA als Waffenlieferanten und Militärberater zu ersetzen.[14] Im März 1975 erfolgte ein erster Besuch eines sowjetischen Generals in Addis Abeba, der potentiell lieferbare Waffensysteme vorstellte. Viele Repräsentanten und Mitglieder des DERG zeigten Interesse, wollten Waffenlieferungen zunächst allerdings eher ergänzend zu den amerikanischen Lieferungen verstanden wissen.

[...]


[1] Clapham, Christopher (1985): The Soviet Experience in the Horn of Africa, in: Feuchtwanger, E.J. / Nailor, Peter: The Soviet Union and the third world, S. 202 - 223. Henze, Paul B.(1983): Russians and the Horn - Opportunism and the Long View, EAI Papers, No.5. Patman, Robert G. (1990): The Soviet Union in the Horn of Africa - The diplomacy of intervention and disengagement, Cambridge.

[2] Ghebresillasie, Girma (1999): Kalter Krieg am Horn von Afrika - Regional-Konflikte: Äthiopien und Somalia im Spannungsfeld der Supermächte 1945 - 1991, Baden-Baden.

[3] Henze, S. 3.

[4] Ghebresilasie, S. 115.

[5] Ghebresilasie, S. 120.

[6] Clapham, S. 207.

[7] Ghebresilasie, S. 120.

[8] Patman, S. 161.

[9] Matthies, S. 274.

[10] Matthies, S. 275.

[11] Matthies, S. 275.

[12] Patman, S. 151.

[13] Patman, S. 193.

[14] Patman, S. 172. Faktisch allerdings habe dieses Angebot Ratanovs aussserhalb seiner Kompetenzen gelegen.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638311823
ISBN (Buch)
9783656112594
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29743
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Abteilung für Afrikanistik und Äthiopistik
Note
1,0
Schlagworte
Sowjetische Kooperation Berücksichtigung Ogadenkrieges Geschichte Horns Afrika
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Titel: Sowjetische Kooperation mit dem sozialistischen Äthiopien unter     besonderer Berücksichtigung des Ogadenkrieges 1977 - 1978