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Zu: Tommaso Campanellas "Der Sonnenstaat"

Seminararbeit 2001 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Biographie:
2.1. Sein Werk „Der Sonnenstaat“:
2.2. Der „Sonnenstaat“ als ideales Gegenbild der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zur Zeit Campanellas

3. Einteilung des Werkes und des Gemeinwesens in 6 Abschnitte unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Ordnung:
Das äußere Bild der Stadt:
Die Behörden und ihre Aufgaben:
Die gesellschaftliche Ordnung der Bewohner der Stadt
Die Innenpolitik (Rechtswesen)
Die Außenpolitik (Kriegswesen)
Die Religion und die Astrologie

4. Die philosophische und die religiöse Bedeutung der Zahlen 3, 4, 7, 12:

5.1. Inwieweit ist Campanellas Sonnenstaat tatsächlich so optimal?
5.2. Ein kritischer Blick auf Campanellas Gegenwelt:

6. Begriffserklärungen
6.1. Die Renaissance:
6.1.1. Philosophisches Gedankengut dieser Zeit:
6.2 Der Begriff der Utopie:

7. Literaturverzeichnis:
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:
Internetadressen:

1. Einleitung:

Jedem Menschen schwebt irgendwann einmal in seinem Leben ein Bild von einer idealen Staatsverfassung und im Vergleich zu seiner mo­menta­nen Lebenssituation bessere Lebensform vor. Schriftlich verfasste Utopien hat es zu allen Zeiten gegeben, von Platon über das Mittelalter bis zur Neuzeit.

Anhand der Staatsutopie „Der Sonnenstaat“ von Tommaso Campanella sollen die utopischen Merkmale differenziert beleuchtet werden. Schwer­punkt dieser Arbeit bilden im Rahmen einer immanenten Textinterpretation dabei die Fragen, welche Rolle die soziale Ordnung in diesem Werk spielt und ob der Sonnenstaat tatsächlich so ideal ist. Nach kurzen biographi­schen Hinweisen zu Tommaso Campanella sollen dann Informationen zum „Sonnenstaat“ und zu seiner Entstehung als Reaktion auf die politi­schen, sozialen und wirtschaftlichen Zustände seiner Zeit gegeben wer­den. In einem weiteren Schritt folgt die Aufschlüsselung des Werkes in sechs inhaltliche Abschnitte und die Erläuterung der Bedeutung der Zah­len im „Sonnenstaat“. Der Vollständigkeit halber werden im Anhang einige Begriffe erklärt, soweit es für das Verständnis der Utopie hilfreich er­scheint.

2. Biographie:

Tommaso Campanella war ein italienischer Philosoph und Dichter. Er wurde am 5. August 1568 in Stilo/ Kalabrien geboren und starb am 21. Mai 1639 in Paris.

Im Alter von fünfzehn Jahren trat er dem Dominikanerorden als Mönch bei und studierte dort Philosophie und Theologie.

Campanella befasste sich im Kloster u.a. mit der Lehre Telesios von Co­senza, dessen Erkenntnistheorie ihn stark inspirierte: Das Hauptinstru­ment der Naturerkenntnis ist die Sinneserkenntnis. Die Erfahrung ist das Wahrheitskriterium. Die Seele oder der Geist ist die feinste Materie. Da­durch, dass die Seele die äußeren Dinge in sich aufnimmt, entsteht das Erkennen.[1]

Campanella fiel schon früh durch sein starkes Interesse für Literatur auf, die nicht der kirchlichen Lehre der Zeit entsprach, wie z.B. die Theorien Telesios oder der Kabbala, und wurde daher der Ketzerei bezichtigt und mehrmals von den Mönchen strafversetzt.

Schon mit sechszehn Jahren träumte Campanella von der „Stadt der Sonne“, der „Sonnenstadt der Wahrheit“, dem „Eiland der neuen Men­schengemeinschaft“, der „Gottesstadt auf der Erde“[2]. Seine Vision verfes­tigte sich mit zunehmendem Alter und steigendem Intellekt, bis es am 10.September 1599 zum kalabresischen Aufstand kam, bei dem Campa­nella die „Gottesstadt der Sonne“, wo „christliche Gleichheit“ und „Bruder­schaft“[3] herrschen statt Hungersnot und Feudalismus, verwirklichen wollte.

Die folgenden 27 Jahre (1599 bis 1626) musste Campanella, aufgrund der Abweichung von den Lehren seiner Zeit und seiner führenden Rolle bei der Verschwörung gegen die spanische Fremdherrschaft während des kalabresischen Aufstandes, im Gefängnis verbringen. Dort schrieb er auch 1602 sein Werk „Civitas Solis“ auf. Der Sonnenstaat enthält das politische Programm, das Campanella sein Leben lang verfolgte und zu dessen Verwirklichung er sich berufen glaubte.

1626 wurde Campanella vom Papst Urban VIII. frei gelassen, jedoch wei­terhin von der spanischen Regierung verfolgt und floh 1634 mit der Hilfe eines französischen Freundes nach Paris. Dort hatte Campanella u.a. auch Umgang mit René Descartes.

Campanellas Werk umfasst insgesamt 82 Schriften. Zu seinen Abhand­lungen gehören die „Theologica“ (1613/14), die „Metafisica“ (1638) und die „De Monarchia Hispanica“, in der Campanella auch über die ihn bewegen­den Ideen, einen einheitlichen Weltstaat zu schaffen, spricht.

Campanella sah die spanische und später die französische Monarchie als Bereitungsorte seines „messianischen“ Sonnenstaats.

2.1. Sein Werk „Der Sonnenstaat“:

Formal erinnert der „Sonnenstaat“ an eine wenig überzeugende Nachah­mung des platonischen Dialogs.

Auch inhaltlich scheint sich Campanella offensichtlich an anderen utopi­schen Staatsmodellen orientiert zu haben.

Der Sonnenstaat Campanellas greift schon im Titel auf einen fiktiven anti­ken Reisebericht des Diodorus Siculus, einem Historiker zur Zeit Caesers, zurück. Die Bewohner der Insel unter dem Äquator verehrten die Sonne, beobachteten die Sterne, kannten keine Ehe und regelten ihre Ernährung so, wie es Campanella von seiner Sonneninsel berichtet.

Platons Politeia beschreibt, wie Campanellas Sonnenstaat, einen Ideal­staat, in dem das Privateigentum abgeschafft, selbst die Frauen Gemein­besitz sind („Weibergemeinschaft“) und in dem es keine Ehe und Familie gibt und wo aus Zuchtinteressen die Polygamie eingeführt wurde.

Weiterhin finden sich zu Thomas Morus einige Parallelen, dessen „Utopia sich ebenfalls auf der Insel „Taprobane“, dem heutigen Ceylon, befindet. Auch bei Morus wurde das Privateigentum abgeschafft und alle Bürger zu handwerklicher und landwirtschaftlicher Arbeit herangezogen, so dass alle- da sie zur Arbeit verpflichtet sind- mehr Zeit zur Muße und Weiterbil­dung haben.

2.2. Der „Sonnenstaat“ als ideales Gegenbild der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zur Zeit Campanellas

„Der Sonnenstaat“ entstand in einer Situation geistiger Zerrissenheit und politischer Zersplitterung.

Die Kirche kämpfte auf dem Feld des Glaubens einen aussichtlosen Kampf gegen die neuen Wissenschaften, der jedoch auch durch Ketzer­verbrennungen und erpresste Widerrufe nicht mehr zu gewinnen war. Das Staatsgebiet Italiens war in viele Einzelmächte zersplittert. Der Süden war fest in den Händen der spanischen Herrschaft, doch die Barone und ihre privilegierten Familien sträubten sich gegen die staatliche Zentralgewalt einerseits und gegen die Ansprüche der Bürger und Gemeinden anderer­seits. Der Norden Italiens war fest in französischer Gewalt.

Italien befand sich zur Zeit um 1600 in einer Epoche des starken wirt­schaftlichen Niedergangs. Die lange Periode des wirtschaftlichen Auf­schwungs zuvor brachte viele Manufakturarbeiter und das städtische und ländliche Halbproletariat hervor. Der Umschwung traf v.a. die Gesell­schaftsschicht, die zuvor in der Manufaktur oder beim Handelsherrn gear­beitet hatte, also diejenigen, die auf den direkten oder indirekten Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesen waren.

Der Staat erhöhte zudem auch noch die Steuern und Brotpreise. In der Wende vom 16. zum 17. Jh. lebten die plebejischen Massen in sehr ärmli­chen Verhältnissen: Hungersnot, Obdachlosigkeit, Krankheit, Bettlertum und Räuberei waren nirgendwo so verbreitet wie in Italien

Dichter und Philosophen, darunter auch Tomasso Campanella, nahmen sich der elenden Massen an, da sie oft selbst zu der ausgebeuteten Ge­sellschaftsschicht gehörten. Sie forderten in ihren Schriften und Werken die Abänderung der bestehenden Verhältnisse und der Gesellschaftshie­rarchie. Intelligenz fand in der damaligen Gesellschaftsordnung wenig An­erkennung und wurde eher bestraft.

Campanellas Werk „Der Sonnenstaat“ war als Protest gegen die beste­hende Gesellschaftsordnung und Hierarchie gedacht. Der alten Ordnung wurde ein auf anderen sozialen Prinzipien aufgebautes System gegen­übergestellt, das die Interessen der Unterdrückten verteidigen und wahren sollte. Campanella klagt einen Zustand an, in dem ein Teil der Menschheit auf Kosten des anderen lebt.

Er bezweckte eine umfassende Umwälzung und Veränderung aller weltli­chen und geistlichen Machtverhältnisse zur Erlangung einer „universellen Friedensherrschaft“[4]. Er bekämpfte auch die bei den Oberen seines Or­dens immer noch vorherrschende Naturbetrachtung auf Grundlage des aristotelischen Weltbildes. Campanella begrüßte die beginnende experi­mentelle Erforschung der Gestirne. Er betonte immer wieder, dass die richtige Deutung der Zeichen die Menschen in die Lage versetze, den Lauf der Dinge mitzugestalten.

[...]


[1] Bernadino Telesio: www.philosophenlexikon.de/telesio.htm

[2] Friedrich Hiebel: Campanella, der Sucher nach dem Sonnenstaat. Geschichte eines Schicksals. Verlag Freies Geistesleben GmbH Stuttgart, 1972. S. 19.

[3] Ebenda, S 152.

[4] Friedrich Hiebel: Campanella, der Sucher nach dem Sonnenstaat. Geschichte eines Schicksals. Verlag Freies Geistesleben GmbH Stuttgart, 1972. S. 152.

Details

Seiten
22
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638117869
ISBN (Buch)
9783638682688
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2969
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Tommaso Campanellas Sonnenstaat Seminar Idylle Utopie

Autor

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