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Wie sollte ein "barrierefreies" Aufnahmegespräch im Rahmen der pflegerischen Anamnese bei Patienten mit Asperger-Syndrom gestaltet werden?

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in das Thema und Methode

2 Autismus
2.1 Die Autismus - Spektrum - Störungen
2.2 Das Asperger - Syndrom

3 Die Krankenhausaufnahme
3.1 Die Bedeutung von Barrierefreiheit
3.2 Die pflegerische Anamnese bei Patienten mit dem Asperger - Syndrom

4 Zusammenfassung und Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einführung in das Thema und Methode

„Menschen mit Behinderungen erfahren in vielen Lebenssituationen Beeinträchtigungen, die sie von der Teilhabe an sozialen und gesellschaftlichen Prozessen ausschließen. Ein Bereich, der bisher unzureichend in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten ist, stellt das Krankenhaus dar.“ (Bienstein 2006)

In dieser Hausarbeit soll die Fragestellung: „Wie sollte ein "barrierefreies" Aufnahmegespräch im Rahmen der pflegerischen Anamnese bei Patienten mit Asperger-Syndrom gestaltet werden?“ behandelt werden. Dazu wird zuerst die Autismus-Spektrum-Störung beschrieben, was dazu führen soll, näher auf das Asperger-Syndrom einzugehen. Im Anschluss daran wird die Krankenhausaufnahme beleuchtet. Dabei soll der Begriff „Barrierefreiheit“ genauer definiert werden. Zusätzlich möchte die Autorin dem/der Leser/-in kurz darstellen, was eine pflegerische Anamnese bei der Krankenhausaufnahme überhaupt bedeutet. Daraufhin wird das Aufnahmegespräch durch Pflegekräfte bei Patienten mit dem Asperger- Syndrom beschrieben. Es sollen mögliche Probleme beschrieben werden, auf die Pflegekräfte während der Aufnahme stoßen können. Dies dient dem Zweck, Rahmenbedingungen aufzustellen, die es Pflegekräften und Patienten mit dem Asperger-Syndrom ermöglichen, eine pflegerische Anamnese „barrierefrei“ durchführen zu können. Zum Ende dieser Arbeit wird die Autorin noch einmal kurz die Ergebnisse reflektieren um zu einer Beantwortung der Fragestellung zu gelangen und ihre persönliche Meinung zu dem behandelten Thema zu schildern.

Zur Bearbeitung der Arbeit wurde in Moodle bereitgestellte Literatur von der betreuenden Professorin verwendet. Zusätzlich wurde im Katalog der Bibliothek der Fachhochschule Frankfurt am Main und im Internet Literatur recherchiert. Es wurden Quellen aus den Jahren 2004 bis 2013 ausgewählt, die der Autorin als sinnvoll erschienen. Die verwendete Literatur ist deutsch- oder englischsprachig und lässt sich in Monographien, Sammelbändern, Zeitschriftenartikel und dem Internet wiederfinden. Es wird in der maskulinen Form von Patienten geschrieben, dies dient ausschließlich der Einfachheit. Die verwendeten Quellen finden sich im Literaturverzeichnis. Um Abkürzungen zu klären, dient der Anhang.

2 Autismus

Autismus ist im klinischen Wörterbuch folgendermaßen definiert: „Kontaktstörung mit Rückzug in die eigene Vorstellungs- und Gedankenwelt und Isolation von der Umwelt; Vork.: z.B. bei Schizophrenie, Neurose oder bestehende Persönlichkeitsstörungen. Vgl. Autismus, frühkindlicher; Asperger-Syndrom; Denken, autistisches.“ (Pschyrembel et al. 2004)

Daraus lässt sich ableiten, dass Autismus in verschiedenen Formen auftreten kann. Dies soll in diesem Kapitel deutlich werden.

2.1 Die Autismus - Spektrum - Störungen

„Die Autismus-Spektrum-Störungen umfassen eine Vielzahl von Symptomen, ein weites Spektrum an klinischen Manifestationen und eine große Variationsbreite von Ausprägungsgraden. Autismus-Spektrum- Störungen gelten als Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems („neurodevelopmental disorders“) und sind mit Beeinträchtigungen basaler Hirnfunktionen assoziiert, die die Kontaktfähigkeit beeinflussen.“ (Remschmidt et al. 2007, A873)

In der Literatur ist beschrieben, dass als Autismus-Spektrum-Störungen der frühkindliche Autismus oder Kanner-Syndrom, das Asperger-Syndrom und der atypische Autismus zusammengefasst wurden (Ebert et al. 2012, 841; Remschmidt et al. 2007; Remschmidt 2006, Vogeley 2012, 105). Unter dem ICD-10 lassen sich die Autismus-Spektrum-Störungen unter den Codes F84.- finden, die untergeordnet sind zu den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (DIMDI 2014).

Der frühkindliche Autismus bzw. Kanner-Syndrom ist als schwerste Form des Autismus anzusehen. Hier zeichnet sich eine Entwicklungsstörung bereits vor dem dritten Lebensjahr ab. Beim Kanner-Syndrom lässt sich eine Abkapselung erkennen und es kommt zu einer verspäteten Sprachentwicklung. Die erlernte Sprache klingt eher mechanisch und einstudiert. Menschen mit Kanner-Syndrom sind in der Interaktion stark beeinträchtigt, daraus resultieren Probleme, Bindungen mit anderen Menschen einzugehen. (DIMDI 2014, F84.0; Remschmidt et al. 2007, A873f.; Remschmidt 2008, 16ff.; Remschmidt et al. 2006, 18f.)

Beim atypischen Autismus treten die Entwicklungsstörungen häufig erst nach Vollendung des dritten Lebensjahres auf, können aber alle Symptome des frühkindlichen Autismus beinhalten, oder die Entwicklungsstörung wird bereits vor Vollendung des dritten Lebensjahres erkannt, es treten jedoch nicht alle klassifizierten Symptome des KannerSyndroms auf. Hier ist häufig eine Intelligenzminderung erkennbar. Aus diesem Grund wird der atypische Autismus im ICD-10 unterschieden und ist zudem noch unterschieden nach Erkrankungsalter und Symptomatik. (DIMDI 2014, F84.1; Remschmidt 2008, 67)

Näher wird auf die Autismus-Spektrum-Störung an dieser Stelle nicht eingegangen, es wird auf die angegebene Literatur verwiesen. Das Asperger-Syndrom soll im nachfolgenden Kapitel eingehend behandelt werden.

2.2 Das Asperger - Syndrom

„Abgegrenzt werden muss der frühkindliche Autismus zunächst vom Asperger-Syndrom (autistische Persönlichkeitsstörung). Die Unterschiede zwischen diesen beiden autistischen Syndromen liegen vor allem im Krankheitsbeginn, im sprachlichen und intellektuellen Bereich, sowie in den motorischen Besonderheiten: Kinder mit Asperger-Syndrom lernen früher sprechen, entwickeln oft auch eine differenzierte Sprache und weisen meist gute bis durchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten auf. Sie entwickeln oft ausgeprägte Sonderinteressen, mit denen die sich nahezu ausschließlich beschäftigen, und zeigen, wenn sie älter sind, oft zwanghafte Verhaltensweisen.“ (Remschmidt 2008, 24) Hans Asperger beschrieb diese Entwicklungsstörung 1944 erstmals als „autistische Psychopathie“ (Remschmidt et al. 2006, 2) und hob diese somit vom frühkindlichen Autismus ab (Remschmidt 2008, 12)

Das Asperger-Syndrom manifestiert sich ab einem Alter von 3 Jahren. Das Verhältnis männlich/weiblich beträgt 8:1. Anders als beim frühkindlichen und atypischen Autismus, sind Menschen mit Asperger- Syndrom nicht in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt. (Ebert et al. 2012, 841; Remschmidt et al. 2007, A874; Roy et al. 2009, 59f.; Vogeley 2012, 128) In der Literatur wird die Intelligenz bei dem Asperger-Syndrom häufig diskutiert. Einheitliches Ergebnis jedoch ist, dass die Intelligenz beim Asperger nicht eingeschränkt ist. Jedoch ist nicht eindeutig erkennbar, ob der „High-Functioning-Autismus“ eine Form des Asperger- Syndroms ist, oder eine alleinstehende Form darstellt. (Remschmidt 2008, 51f; Remschmidt et al. 42ff.; Roy et al. 2009, 61; Vogeley 2012, 104f.) Die Symptomatik des Asperger-Syndroms zeigt sich wie folgt: Soziale Interaktion Es besteht eine Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion. Menschen die mit dem Asperger-Syndrom leben, haben große Schwierigkeiten mit dem Aufbau sozialer Bindungen. Dies liegt vor allem darin begründet, dass sie selbst keine Empathie zeigen können. Sie können bei ihrem Gegenüber keine non-verbalen Verhaltensmuster erkennen und diese infolgedessen auch nicht deuten. Ebenso gilt dies für die Sprache. Sowohl veränderte Stimmlage, als auch Zweideutigkeit kann von Menschen mit Asperger nicht interpretiert werden. In Gesprächen ist es bspw. auch nicht möglich, Blickkontakt konstant zu halten. Außerdem kann es sein, dass Gesprochenes oder Reaktionen nicht in den Kontext eines Gespräches passen, da wie bereits erwähnt, kaum oder keine Empathie vorhanden ist. (Ebert et al. 2013, 13ff.; Ebert et al. 2012, 842f.; Remschmidt 2008, 47; Remschmidt et al. 2007, A875; Remschmidt et al. 2006, 19, 86ff.; Vogeley 2012, 95ff.) Im Erwachsenenalter lassen sich für die Betroffenen zwar meist gewisse Verhaltensmuster erlernen, es ist jedoch auffällig, dass Menschen mit Asperger-Syndrom häufig zurückgezogen leben. So fällt es ihnen ebenfalls schwer, Partnerschaften einzugehen, da hier ein hohes Maß an Interaktion erforderlich wäre. Die Kommunikation mit anderen findet gerne in schriftlicher Form statt, da in diesem Falle nicht auf non- verbale Verhaltensmuster geachtet werden muss. (Ebert et al. 2012, 843f.; Roy et al. 2009, 60f.)

Theory of mind

In der Literatur wird diese Symptomatik mit der „Theory of Mind“ erklärt, „Definition: Mit dem Begriff »Theory of Mind« ist die Fähigkeit gemeint, psychische Zustände (Gefühle und Gedanken) anderen Personen und sich selbst zuzuschreiben, also die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Gefühle, Wünsche, Absichten und Vorstellungen und diejenigen anderer zu erkennen, zu verstehen und vorherzusagen.“ (Remschmidt et al. 2006, 46). Damit lässt sich erklären, weshalb Menschen mit dem Asperger- Syndrom wenig empathiefähig sind. (Ebert et al. 2013, 20ff.; Ebert et al.

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656950882
ISBN (Buch)
9783656950899
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296368
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Fachbereich 4
Note
1,0
Schlagworte
aufnahmegespräch rahmen anamnese patienten asperger-syndrom

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