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Neuro-Linguistisches Programmieren im Coaching

Läßt sich NLP im Coaching mit Erfolg einsetzen?

Masterarbeit 2015 149 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

Danksagungen / Widmungen

1. Einleitung
1.1 Problemstellung:
1.2 Forschungsfrage:
1.3 Definition von Erfolg

2. Die Struktur der Magie
2.1 Was ist Neuro-Linguistisches Programmieren?
2.2 Die Entdeckung von NLP
2.3 Wovon handelt NLP?
2.4 Kritik an der Neuro-Linguistischen Programmierung (NLP)

3. Die Entwickler des NLP
3.1 Richard Bandler
3.1.1 Richard Bandler begegnet der Gestalttherapie
3.1.2 Die ersten Gruppen in den Jahren 1972 und 1973
3.1.3 Richard Bandlers Zusammenarbeit mit John Grinder
3.2 John Grinder

4. Priori Incantatio
4.1 Gregory Bateson
4.1.1 Das Werk Batesons
4.1.2 Der Neuansatz der Kommunikationstheorie
4.2 Dr. med. Friedrich (Fritz) S. Perls und die Gestalttherapie
4.3 Virginia Satir und die Family Conjoint Therapy
4.4 Milton H. Erickson, MD, der Magier der Kommunikation und die Hypnotherapie

5. Was ist Coaching?
5.1 Definitionen von Coaching
5.2 Was ist Coaching nicht, oder wie unterscheidet sich Coaching von anderen Formen der Beratung?
5.3 Wo liegen sinnvolle Einsatzbereiche im Coaching?
5.4 Welche Grenzen hat Coaching?
5.5 Veränderung in Therapie und Business
5.6 Return on Coaching

6. Die Fragebogenmethode
6.1 Probleme mit dem Fragebogen
6.2 Der Fragebogen – ein subjektives oder objektives Verfahren?
6.3 Ein Plädoyer für den Fragebogen
6.4 Die Konstruktion des Fragebogens
6.5 Offene oder geschlossene Fragen?
6.6 Art und Anzahl der Antwortmöglichkeiten
6.7 Formulierung der Instruktion
6.8 Pretest

7. Stand der Coachingforschung

8. Durchführung der Studie

9. Darstellung der Ergebnisse
9.1 Angaben zu den Personen
9.2 Ergebnisse zu I. Fragen zur Struktur
9.3 Ergebnisse zu II. Fragen zum Prozeß
9.4 Ergebnisse zu III. Erfolg
9.5 Ergebnisse zu IV. Sonstiges

10. Fazit

II. Literaturverzeichnis

III. Anlagen
III.1 Fragebogen zur Evaluation von NLP im Coaching
III.2 Ausschnitt aus der Online-Variante des Fragebogens
III.3 Curriculum Coach, DVNLP / Master Coach, DVNLP
III.4 ICI Standards for "Master Coach, ICI"
III.5 INLPTA Richtlinien NLP Master-Coach

IV. Abbildungsverzeichnis

V. Abkürzungsverzeichnis

Danksagungen / Widmungen

Diese Masterthesis widme ich meinen Kindern Lisa-Marie, Johannes Paul und William Leonard. Ebenso widme ich diese Arbeit den Entwicklern des Neuro-Linguistischen Programmierens John Grinder und Richard Bandler, sowie den Teilnehmern der Entwicklergruppen in den ersten Jahren, und allen, die bis heute einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Methode erbracht haben. Gewidmet ist diese Arbeit auch den Menschen die mit ihrer wunderbaren Arbeit Modell standen oder mit ihrer Arbeit einen Beitrag für die Entwicklung des NLP geleistet haben. Erwähnt seinen an dieser Stelle besonders die „Zaubertherapeuten“ Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson.

Dank sage ich meiner Familie, die mir den Freiraum für das zeitintensive Studium gelassen hat, und allen Freundinnen und Freunden insbesondere Anja, Amel und Ivan die mich auf diesem Weg durch ihren Zuspruch motiviert haben.

Danke an die Dozentinnen und Dozenten der Donau-Universität für das viele vermittelte Wissen und die zahlreichen Impulse. Vielen Dank an Magister Gerhard Wasner für die Betreuung meiner Arbeit und die Ermutigung über gewohnte Rahmen hinaus zu denken (Stichworte: Business Psychology 2 und heterodoxe Wirtschaftspsychologie).

Ein herzlicher Dank an die charmanten Lehrgangsbetreuerinnen Necha Demirova und Alexandra Schredl, die es mit ihrem Einsatz und Engagement geschafft haben die Studienblöcke zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Sie sind wahre Freundinnen geworden.

Meinen herzlichen Dank auch an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an meiner Fragebogenaktion, den ohne diese Beiträge wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.

Anmerkung:

Um dem Leser die Lektüre zu erleichtern, wurde durchgängig auf doppelte Formulierungen, wie Angestellte und Angestellter, Mitarbeiterin und Mitarbeiter verzichtet und statt dessen in der Regel die allgemein übliche männliche Form gewählt.

1. Einleitung

1.1 Problemstellung:

„Die Personalentwicklung hat das Ziel, die beruflichen Fähigkeiten der Mitarbeiter zu erhalten und zu verbessern, damit diese die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben besser erfüllen zu können.“ (Wöhe, 2010, S. 143)

Coaching als Instrument der Personalentwicklung gehört mittlerweile zu den üblichen Standardmethoden in den meisten Unternehmen. Von Rosenstiel weist auch auf die zunehmende Bedeutung von Coaching hin. (von Rosenstiel, 2011, S. 251) Auch im privaten Bereich wird Coaching mittlerweile von vielen Menschen zur Bewältigung von Lebenskrisen oder zur Verbesserung der Lebensqualität außerhalb der Heilkunde in Anspruch genommen.

Die Begriffe Coach, Coaching und Coachee sind in Deutschland nicht gesetzlich definiert. Jeder Mensch in Deutschland der möchte kann sich Coach nennen und Coaching anbieten. Deshalb gibt es mittlerweile Bestrebungen hier eine gesetzliche Regelung einzuführen, ähnlich dem Lebens- und Sozialberatungsgesetz in Österreich oder wie im Bereich der Mediation oder Psychotherapie.

Je nach herangezogenen Quellen gibt es mittlerweile mehr als 8.000 Menschen in Deutschland, die mehr oder weniger professionell Coaching anbieten. Mehr als 40 Coachingverbände, mit Mitgliederzahlen zwischen 40 und rund 500 Coaches als Mitglieder, tummeln sich im Verbändemarkt der Coachzunft. Ebenfalls unterschiedlich geregelt ist von den diversen Verbänden welche Mindestausbildung für eine Zertifizierung als Coach gefordert ist. Diese reicht von 60 bis 150 Stunden (150 Stunden z. B. DFC) bis zu mehr als 400 Stunden (z. B. DGSv e. V., SG e. V., DGSF e. V. und DVNLP e. V.). In manchen Verbänden wird noch zwischen Coach, Master Coach und Lehrcoach (z. B. DVNLP e. V.) oder Coach und Senior Coach unterschieden (z. B. DCV e. V.). Auch Zertifizierungen als Business Coach lassen sich entweder direkt über das Zertifikat der Ausbildung oder durch eine Nachzertifizierung erhalten. Was unterscheidet jetzt den Business Coach vom „normalen“ Coach? Auch das ist uneinheitlich geregelt.

Neben den Verbänden, die teilweise unterschiedliche hohe Ansprüche an von Ihnen anerkannte Coachausbilder richten, tummeln sich noch zahlreiche private Anbieter ohne Anbindung an einen Verband und auch die Universitäten und Hochschulen, sowie die Weiterbildungsgesellschaften der Industrie- und Handelskammern in diesem anscheinend finanziell lukrativem Markt.

Selbst innerhalb der Weiterbildungsgesellschaften der IHK´s gibt es unterschiedliche Wege zum Business Coach IHK, nämlich vom 5-tägigen Kompaktkurs an der IHK Würzburg (http://www.openpr.de/news/284376/In-fuenf-Tagen-Business-Coach-IHK-werden.html [25.05.2014].) bis zur 19 Tage umfassenden Ausbildung am IHK Bildungshaus Schwaben (https://weiterbildung.ihk-bildungshaus-schwaben.de/details.jsp?id=202771&weiterbildung=Business+Coach+IHK+-+Systemischer+Coach+mit+Supervision [25.05.2014].) Ein ähnliches Bild zeichnen die Hochschulen und Universitäten in diesem Bereich. Das absurdeste Beispiel – aus Sicht des Autors – für eine Ausbildung zum Coach sind jedoch Fernlehrgänge, bestenfalls zum Abschluß noch mit einer kurzen Präsenzphase versehen.

Auf Grund der Vielzahl der Anbieter und der vielen Absolventen der diversen Coachausbildungen kann man annehmen, daß der Beruf des Coaches für viele Menschen eine hohe Attraktivität hat.

Ebenso zahlreich wie die verschiedenen Anbieter und Formen der Ausbildungen zum Coach ist die Vielfalt der eingesetzten Coachingmethoden.

Einige Ausbildungen vermitteln im Schwerpunkt eine Methodik (z. B. systemische Beratung, Transaktions-Analyse, Neuro-Linguistisches Programmieren, Hypnose, Focusing, usw.) und andere vermitteln einen Abriß mehrerer Methoden ohne sich explizit auf eine festzulegen bzw. diese zu vertiefen. Viele der im Coaching eingesetzten Methoden sind auch solche, die in der Psychotherapie eingesetzt werden, andere wiederum sind eher spiritueller oder gar esoterischer Natur. Ein anderes Problem ist die Vermengung psychotherapeutischer Methoden mit spirituellen und esoterischen Methoden im Coaching.

Für den Interessenten, der eine Coachingdienstleistung in Anspruch nehmen will, ist das Filtern der eingesetzten Methoden und Anbieter eine zeitintensive Herausforderung.

Grundsätzlich läßt sich festhalten, daß die meisten Coaches eine Ausbildung absolviert haben, die eher lösungsorientiert ausgerichtet ist.

Besonders beliebt sind in Deutschland Ausbildungen mit einem systemischen Schwerpunkt, 55 % der Coachausbildungen haben hier einen Schwerpunkt. Mit 36 % sind NLP-basierte Ausbildungen auf Rang 2. (http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article125826505/Im-Dschungel-der-Zeugnisse.html [26.05.2014].)

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2013 Coachausbildungen getestet und für eine Ausbildung zum Coach eine Dauer von mindestens 12 Monaten und 250 Stunden Präsenzunterricht empfohlen. Die Ausbildungen zum Coach, DVNLP und Master Coach, DVNLP übererfüllen diese Anforderungen.

Immer noch wird an der Neuro-Linguistischen Programmierung (NLP) und Neuro-Linguistischen Psychotherapie (NLPt) Kritik geübt, obwohl die NLPt von der EAP als psychotherapeutische Methodik gleichwertig zu den analytischen Verfahren und der Verhaltenstherapie anerkannt ist. Ebenso bieten zahlreiche Hochschulen und Universitäten Kurse mit NLP-Inhalten, ja sogar eigene NLP-Ausbildungen an (z. B. die Universität Augsburg über ihr Zentrum für Weiterbildung, die Donau-Universität Krems, die Steinbeis Hochschule Berlin und die Hochschule für angewandtes Management in Erding).

Mittlerweile liegen auch zahlreiche Studien vor, die zumindest für einzelne Techniken und Formate innerhalb der NLP Wirksamkeitsnachweise erbringen konnten, so z. B. für den New Behavior Generator. (Konkol, 2013)

Diese kontroverse Diskussion rechtfertigt eine Untersuchung darüber, ob NLP im Coaching erfolgreich eingesetzt wird oder ob die Methodik im Coaching versagt. Die Literatur über die NLP und NLPt sowie die Anwender versprechen oft geradezu frappierend schnelle und positive Ergebnisse. Diese Master Thesis soll den erfolgreichen Einsatz von NLP im Kontext von Coaching belegen oder widerlegen.

Läßt sich ein erfolgreiches Coaching mit NLP belegen, so kann die Studie von NLP-Coaches zu Marketingzwecken verwendet werden, bzw. für Interessenten an einem Coaching als Entscheidungshilfe herangezogen werden.

1.2 Forschungsfrage:

Läßt sich ein Erfolg im Coaching beim Einsatz von NLP als Coachingmethodik belegen?

Tritt der erwartete Nutzen aus einem Coaching ein?

Welche Zeit ist für ein erfolgreiches NLP-Coaching durchschnittlich erforderlich?

Wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten für ein NLP-Coaching?

1.3 Definition von Erfolg

Um zu messen, ob ein Coaching „erfolgreich“ war, ist es unumgänglich den Begriff des „Erfolgs“ bzw. was ist „erfolgreich“ näher zu definieren.

Der Duden definiert Erfolg als positives Ergebnis einer Bemühung bzw. dem Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung. (http://www.duden.de/rechtschreibung/Erfolg, [01.07.2014])

Grundlegend gesprochen ist Erfolg die Erreichung eines Ziels. Gleichzeitig ist Erfolg ein psychologisches Konzept und ein Bedürfnis der meisten Menschen. In psychischer Hinsicht spielen Erfolgserlebnisse eine wichtige Rolle, indem sie das Gefühl vermitteln, ein Ziel erreicht zu haben. Dabei ist Erfolg kein pauschal meßbarer Wert; vielmehr wird er von jedem Menschen individuell definiert, was Teil der Persönlichkeitsentwicklung ist.

Auch jedes Unternehmen definiert seinen Erfolg anders und bemißt diesen anhand von KPIs (Key Performance Indicators), die angeben, inwieweit der angestrebte Erfolg erreicht wurde.

Trotz seiner nicht genau spezifizierten Meßbarkeit ist Erfolg ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen. (http://definition-online.de/erfolg/, [01.07.2014])

Zusammengefaßt ist Erfolg das positive Ergebnis persönlichen Handelns oder das Resultat einer wirtschaftlichen Tätigkeit einer Organisation. Die Psychologie beschreibt Erfolg als persönlichen Erfolg eines Menschen. In der BWL wird der Erfolg als das Ergebnis der wirtschaftlichen Tätigkeit eines Unternehmens gesehen, das entweder positiv “Gewinn” oder negativ “Verlust” ausfällt.

In der Wissenschaft gibt es zahlreiche Versuche, die Begriffe des (subjektiv empfundenen) Glücks oder Erfolgerlebnisses zu operationalisieren und meßbar zu machen. Als Beispiel sei das „Flow-Konzept“ von Csiskszentmihályi angeführt. Danach stellt sich ein Glücksgefühl ein, wenn die Fähigkeiten eines Menschen in gleichem Maße wachsen wie seine Herausforderungen. Steigen die Anforderungen jedoch schneller als die Fähigkeiten, kommt es zum Streß. Im ungekehrten Fall, wenn die Herausforderungen niedriger als die Fähigkeiten sind, kommt es zur Langeweile. Fehlt beides stellt sich, so Csiskszentmihályi, ein Gefühl von Apathie ein. (Csikszentmihalyi, 2004)

Arnold et. al. definieren Erfolg wie folgt: „Erfolg, positive Bestätigung von Hypothesen. Er schlägt sich im subjektiven Erleben nieder als aktivierende Variable und hat damit Einflüsse auf Motivation, Kognition und Verhalten. Der Erfolg läßt sich darstellen als Funktion von tatsächlicher Leistungsfähigkeit, vom Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgabe und vom Anspruchsniveau.“ (Arnold et. al., 1996, S. 490)

Erfolg zu haben oder nicht ist für jeden Menschen abhängig vom eigenen subjektiven Erleben und der persönlichen Sicht darauf, was Erfolg ist. Der amerikanische Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King (1929 – 1968) sagte einmal über Erfolg: “Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit.“ Und der österreichische Arzt und Entwickler der Individualpsychotherapie Dr. med. Alfred Adler (1879 – 1937) äußerte sich wie folgt zum Thema Erfolg: „Der erfolgreiche Mensch beschäftigt sich mit den Interessen der anderen, der erfolglose Mensch vorwiegend mit seinen eigenen Interessen.“ (http://www.zeitblueten.com/news/zitate-erfolg/ [01.07.2014]) Albert Einstein (1879 - 1955) sagte über Erfolg: „Der Sinn des Lebens besteht nicht darin ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller.“ Es finden sich in der Literatur zahllose unterschiedliche Zitate zu der Definition des Erfolgs, die jedoch alle zeigen, wie subjektiv und individuell unterschiedlich Menschen den Begriff sehen und erleben.

Wann ist nun ein Coaching erfolgreich? Kurz und prägnant zusammengefaßt, wenn der Klient die vorgenommenen Ziele erreicht.

2. Die Struktur der Magie

1975 veröffentlichten Richard Bandler und John Grinder ihr erstes Buch über das Neuro-Linguistische Programmieren. Es trägt den Titel „The Structure of Magic“ Vol. I. Im gleichen Jahr erschien auch „Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson“. Bereits im Jahr (1976) darauf erschien „The Structure of Magic“ Vol. II. Im Jahr 1981 erschien die erste deutsche Übersetzung von „The Structure of Magic“ Vol. I unter dem Titel „Metasprache und Psychotherapie“. Und 1982 kam unter dem Titel „Kommunikation und Veränderung“ die Übersetzung von „The Structure of Magic“ Vol. II auf den deutschen Buchmarkt. (Bandler, Richard; Grinder, John, 1981, Metasprache und Psychotherapie; 1982, Kommunikation und Veränderung; 1996, Patterns). In Anlehnung an diese erste Veröffentlichung erhielt dieses Kapitel deshalb auch als Überschrift den deutschen Titel „Die Struktur der Magie“. In diesem Kapitel soll NLP näher beschrieben werden, um dem Leser eine Vorstellung darüber zu geben, was NLP ist und wovon es handelt.

Die erste deutsche Buchübersetzung über das Neuro-Linguistische Programmieren erschien ebenfalls 1981 unter dem Titel „Neue Wege der Kurzzeit-Therapie“. Im englischen Original lautet der Titel „Frogs into Princes, 1979“. Übersetzt wurde das Buch von dem psychologischen Psychotherapeuten und Diplom-Psychologen Thies Stahl. (Bandler, Richard; Grinder, John, 1981, Neue Wege der Kurzzeit-Therapie).

Enthusiastische Worte begleiteten die ersten Veröffentlichungen zur Neuro-Linguistischen Programmierung. Um einen Eindruck dieser Begeisterung zu vermitteln werden nachfolgend drei einleitende Worte von Virginia Satir, Gregory Bateson und Milton H. Erickson vollständig wiedergegeben.

So schrieb Virginia Satir, die mit ihrer Conjoint Family Therapy mit Modell für das NLP gestanden hat, im Vorwort zu „Metasprache und Psychotherapie“:

„Mensch! Was kann einer schon dazu sagen, wenn seine Tätigkeit von vier scharfen Augen in den Köpfen von zwei fähigen Humanwissenschaftlern betrachtet wird? Dieses Buch ist das Ergebnis der Anstrengungen zweier fesselnder, begabter junger Männer, die daran interessiert sind herauszufinden, wie sich Veränderung vollzieht, und diesen Prozeß zu dokumentieren. Es scheint, daß sie eine Beschreibung der vorhersagbaren Elemente gefunden haben, die in der Transaktion zwischen zwei Menschen eine Veränderung geschehen lassen. Wenn man diese Elemente kennt, kann man sie bewußt anwenden und hat damit brauchbare Methoden, Veränderungen hervorzurufen.

Oft sage ich Leuten, daß ich ein Recht darauf habe, langsam, aber lernwillig zu sein. Das bedeutet für mich als Therapeut, daß ich nur einen Gedanken habe, nämlich Menschen, die zu mir mit Schmerzen kommen, zu helfen, in ihrem Leben etwas zu ändern. Die Art, wie ich meinen Körper, meine Stimme, meine Augen, meine Hände sowie Worte gebrauche und wie ich mit Worten umgehe, ist mein einziges Werkzeug. Da es mein Ziel ist, jedem Veränderung zu ermöglichen, stellt jeder eine neue Herausforderung dar.

Zurückschauend sehe ich, daß ich mir bewußt war, daß Änderungen stattfanden, aber ich war mir der spezifischen Elemente nicht bewußt, die die Transaktion bestimmten und die Veränderung ermöglichten. Jahrelang fragte ich mich, wie es wäre, wenn ich mir selbst gegenüberstünde, mich selbst arbeiten sähe, um den Veränderungsprozeß von der anderen Seite zu betrachten. Die Autoren verbrachten Stunden damit, sich Videofilme anzusehen und Tonbänder anzuhören, und sie fanden, daß sich Muster herauskristallisierten, die sich dokumentieren konnten. Ich tue etwas, ich fühle es, ich sehe es, mein Bauch reagiert darauf – das ist subjektive Erfahrung. Wenn ich das mit anderen tue, spüren ihre Augen, Ohren und ihr Körper diese Dinge. Richard Bandler und John Grinder haben den Veränderungsprozeß über eine Zeitspanne betrachtet und daraus die Muster des Wie dieses Prozesses destilliert. Was sie daraus lernten, bezieht sich hauptsächlich, in komplexer Weise, auf die Mathematik, Physik, Neurologie und Linguistik.

Es würde mir schwerfallen, dieses Vorwort zu schreiben, ohne daß mein eigenes Gefühl des Erstaunens, der Verwunderung und der Erregung mit hineinfließt. Ich bin seit langem Trainerin für Familientherapie, ebenso Kliniker und Theoretiker. Das heißt, ich habe gesehen, wie sich Veränderung in vielen Familien vollzieht, und ich habe viele Familientherapeuten ausgebildet. Ich habe eine Theorie darüber, wie ich Veränderung bewirke. Das Wissen über diesen Prozeß ist jetzt beachtlich erweitert worden durch Richard Bandler und John Grinder, die in einer konkreten, meßbaren Weise über die Zutaten des Was, welches das Wie ermöglicht, reden können.“

Gregory Bateson, damals Professor am Kresge College der University of California in Santa Cruz, der für Richard Bandler und John Grinder auch ein Mentor war schrieb als Einführung zu „The Structure of Magic“ Vol. I:

„Es ist eine seltene Freude, eine Einführung für dieses Buch zu schreiben, weil Richard Bandler und John Grinder etwas Ähnliches gemacht haben, wie das, was meine Kollegen und ich vor 15 Jahren versucht haben. (Anm. des Verf.: Das Buch erschien 1975)

Die Aufgabe war einfach zu definieren: die Anfangsgründe einer angemessenen theoretischen Grundlage für die Beschreibung menschlicher Interaktion zu schaffen.

Die Schwierigkeit lag im Wort „angemessen“ und in der Tatsache, daß das, was beschrieben werden sollte, nicht nur die Ereignisfolgen erfolgreicher Kommunikation enthielt, sondern auch die Muster von Mißverständnissen und des Pathogenen.

Die Verhaltenswissenschaften und besonders die Psychiatrie haben immer die Theorie vermieden, und es ist leicht, zahlreiche Manöver aufzulisten, durch die Theorie vermieden werden kann: Die Historiker (und einige Anthropologen) wählten die unmögliche Aufgabe, keine Theorie zu bilden, sondern weitere Daten aus dem, was bekannt war, zu sammeln – eine Aufgabe für Detektive und Gerichtshöfe; die Soziologen stutzten die komplexen Abwandlungen der bekannten Fakten zu einer solchen perfekten Einfachheit zurecht, so daß einzelne Goldstückchen gezählt werden konnten; Ökonomen glaubten an die transitive Präferenz, während Psychologen alle möglichen internalen Erklärungseinheiten (Ich, Angst, Aggression, Instinkt, Konflikt etc.) annahmen in einer Art, die an mittelalterliche Psycho-Theologie erinnert.

Psychiater pfuschen in all diesen Erklärungsmethoden herum: sie suchten nach Berichten aus der Kindheit, um gegenwärtiges Verhalten zu erklären, indem sie neue Daten aus dem, was bekannt war, schufen. Sie versuchten, statistische Stichproben über die Morbidität zu schaffen. Sie suhlten sich in internalen und mythischen Entitäten, in Es´s und Archetypen. Vor allen Dingen entlehnten sie Konzepte aus der Physik und Mechanik (Energie, Spannung und Ähnliches), um Wissenschaftlichkeit zu schaffen.

Aber da waren ein paar Ansätze, von denen man ausgehen konnte: die „Logischen Typen“ von Russel und Whitehead, die „Spieltheorie“ von v. Neumann, die Begriffe der vergleichbaren Form (von den Biologen „Homologie“ genannt), die Konzepte der „Ebenen“ aus der Linguistik, die Analyse schizophrener Syllogismen von v. Domarus, den Begriff der „Diskontinuität“ aus der Genetik sowie den verwandten Begriff der „binären Information“. Man fing an, Muster und Redundanz zu definieren. Und vor allem gab es die Vorstellung der Homöostase und Selbstregulation aus der Kybernetik.

Aus diesen zerstreuten Teilen entstanden eine hierarchische Klassifikation der Typen von Botschaften und folglich der Lerntypen, die Grundlage einer Theorie der Schizophrenie und damit ein sehr verfrühter Versuch, die Arten, wie Menschen und Tiere ihre Botschaften kodieren (digital, analog, ikonographisch, kinetisch, verbal etc.) zu klassifizieren.

Vielleicht war unser größtes Hemmnis zu jener Zeit die Schwierigkeit, welche Fachleute anscheinend erlebten, wenn sie zu verstehen versuchten sogar, die „Doppel-bindungen“ (double binds) in aufgezeichneten Gesprächen zu zählen. Ich verwahre irgendwo in meinen Akten einen Brief von einer Stipendienstelle, die mich darauf hinweist, daß meine Arbeit klinischer sein sollte, experimenteller und vor allem quantitativer.

Grinder und Bandler haben sich den Problemen gestellt, denen wir damals gegenüberstanden, und diese Bücher sind das Ergebnis. Sie haben Instrumente, die wir nicht hatten – oder von denen wir nicht wußten, wie wir sie benutzen sollten. Ihnen ist es gelungen, die Linguistik zur Basis einer Theorie und gleichzeitig zu einem Therapiewerkzeug zu machen. Dies gibt ihnen eine doppelte Kontrolle über psychiatrische Phänomene, und sie haben etwas gemacht, das wir dummerweise übersehen haben, wie mir heute klar ist.

Wir wußten bereits, daß die meisten Prämissen individueller Psychologie unbrauchbar waren, und wir wußten, daß wir die Kommunikationsmodi klassifizieren sollten. Aber es kam uns nicht in den Sinn, nach den Auswirkungen dieser Modi auf interpersonale Beziehungen zu fragen. In diesem ersten Band ist es Grinder und Bandler gelungen, die Syntax explizit zu machen, wie Menschen Veränderung vermeiden, und somit, wie man ihnen helfen sollte, sich zu ändern. Hier richten sie ihr Augenmerk auf verbale Kommunikation. Im zweiten Band entwickeln sie ein allgemeines Modell der Kommunikation und Veränderung, welches andere Kommunikationsmodi einbezieht, die Menschen verwenden, um ihr Erleben zu repräsentieren und zu kommunizieren. Was passiert, wenn Botschaften im digitalen Modus einem analogen Denker an den Kopf geworfen werden? Oder wenn visuelle Darstellungen einem auditiven Klienten angeboten werden?

Wir sahen nicht, daß diese verschiedenen Kodierungsarten (visuell, auditiv etc.) so weit voneinander entfernt und so gegensätzlich sind, sogar in der neurophysiologischen Repräsentation, daß kein Material in dem einen Modus jemals vom selben logischen Typus sein kann wie ein Material in irgendeinem anderen Modus.

Diese Entdeckung scheint offensichtlich, wenn die Argumentation von der Linguistik ausgeht, wie in diesem ersten Band, anstatt von kulturellen Unterschieden und der Psychose auszugehen, wie wir es taten.

In der Tat ist aber vieles, was 1955 schwer auszudrücken war, 1975 wesentlich leichter auszudrücken.

Möge es gehört werden!“

Positiv äußerte sich auch der Psychiater und Begründer der modernen Hypnotherapie Milton H. Erickson (der seiner Arbeit entnommene Anteil wird im NLP „liebevoll“ als Milton-Modell bezeichnet), im Vorwort zu Patterns, das seinem Schaffen mit der klinischen Hypnose/Hypnotherapie gewidmet ist:

„Ein Anfall von spinaler Kinderlähmung im Jahre 1919, kurz nach meinem Highschool-Abschluß (nach dem 12. Schuljahr; Anm. d. Übers.), lähmte mich mehrere Monate lang fast vollständig, ohne jedoch mein Sehen, Hören und Denken zu beeinträchtigen. Da ich zu Hause auf der Farm in Quarantäne lag, gab es nur wenig Ablenkung. Glücklicherweise hatte ich schon immer ein starkes Interesse an menschlichem Verhalten gehabt, und nun bot sich mir die Gelegenheit, das Verhalten meiner Eltern, meiner acht Geschwister und auch das meiner Krankenschwester zu beobachten. Durch meine Unfähigkeit, mich zu bewegen, war ich auf die Kommunikation zwischen den Personen in meiner unmittelbaren Umgebung beschränkt. Obwohl ich schon ein wenig über Körpersprache und non-verbales Verhalten wußte, war ich erstaunt, zu entdecken, wie viele und – für mich oft verblüffende – Widersprüche es in einem einzigen Austausch zwischen sprachlicher und nichtsprachlicher Kommunikation geben kann. Mein Interesse dadurch so geweckt, daß ich meine Beobachtungen bei jeder Gelegenheit fortsetzte.

Die Entdeckung, daß „Doppelbotschaften“ (double takes) Wahrnehmungen auf zwei verschiedenen Verstehensebenen sind und sich oft auf vollkommen verschiedene experientielle Assoziationen gründeten, eröffnete mir ein neues Beobachtungsfeld. Als ich dann entdeckte, daß selbst „Dreifachbotschaften“ (triple takes) möglich waren, begann ich mental verschiedene Variationen einer einzelnen Aussage einzuüben, um gezielt verschiedene und sogar widersprüchliche Wahrnehmungen auf verschiedenen Verstehensebenen auszulösen. Diese Bemühungen führten mich zu der Einsicht, daß unsere Kommunikation durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflußt wird, u. a. Tonalität, Zeitqualitäten, die Reihenfolge der Darbietung, Nähe und Ferne der Assoziationen, inhärente Widersprüche, Auslassungen, Verzerrungen, Redundanzen, Über- und Unterbetonung, Direktheit und Indirektheit, Mehrdeutigkeit, Relevanz und Irrelevanz – um nur einige wenige zu nennen. Es wurde mir auch deutlich, daß es mehrere Stufen der Wahrnehmung und des Reagierens gibt, von denen nicht alle notwendigerweise auf der gewohnten oder bewußten Ebene liegen, sondern auf Ebenen des Verstehens, die vom Selbst nicht klar erkannt und umgangssprachlich oft als „instinktiv“ oder „intuitiv“ bezeichnet werden.

Das vielleicht beste Beispiel bietet Frank Bacons schauspielerische Leistung in der Hauptrolle des Theaterstücks „Lightnin´“, in der allein dadurch, wie er bei verschiedenen Gelegenheiten das Wort „Nein“ betonte, mindestens sechzehn verschiedene Bedeutungen ausdrückte, u. a. ein emphatisches „Nein“, ein subtiles „Ja“, ein implizites Versprechen des „Noch nicht“, ein belustigtes „Sei nicht albern“ und sogar die exquisite Negation „Selbst dann nicht, wenn die Hölle zufrieren sollte!“ Eine Veränderung der Tonalität kann, genauso wie Körpersprache, ein regelrechtes Transformationsvokabular der verbalen Kommunikation darstellen.

Später lernte ich die experimentelle Hypnose nach Clark L. Hull kennen und wurde mir der Möglichkeiten bewußt, die sich sowohl durch eine Verringerung der Anzahl von Aufmerksamkeitsfoki wie auch durch die Auswahl und Arrangieren bestimmter Aufmerksamkeitsfoki boten. Das führte dazu, daß ich mein Wissen um die Komplexität von Kommunikation mit meinem Verständnis von Hypnose für experimentelle und psychotherapeutische Zwecke verknüpfte.

Obwohl dieses Buch von Richard Bandler und John Grinder, zu dem ich das Vorwort beitrage, weit davon entfernt ist, eine vollständige Darstellung meiner Methodologie zu sein, so ist es doch, wie sie selbst betonen, eine viel bessere Beschreibung meiner Arbeitsweise, als ich sie selbst geben könnte. Ich weiß, was ich tue, aber zu erklären, wie ich es tue, fällt mir viel zu schwer. Ein einfaches Beispiel dafür stellt das folgende Erlebnis meiner Tochter Kristina dar, als sie Medizin studierte. Sie las einen Artikel von Ernest Rossi und mir über den Double-Bind und bemerkte mit Belustigung: „So mache ich das also!“ Dr. Rossi, der zugegen war, fragte sofort: „So machen Sie also was?“ Sie antwortete: „Jeder Patient hat das Recht, seine Zustimmung zu einer Rektal- oder Hernialuntersuchung zu verweigern, und viele Patienten tun das auch. Doch wenn ich zu diesem Teil der Untersuchung komme, sage ich meinen Patienten sehr einfühlsam, ich wüßte, sie seien es doch leid, daß ich in ihre Augen, Ohren und Nasenlöcher schaute, hier und dort drückte und herumstocherte, doch sobald die Rektal- und Hernialuntersuchung abgeschlossen sei, könnten sie sich von mir verabschieden. Und sie warten immer geduldig darauf, sich verabschieden zu können.“

Auch wenn ich mir eine weitere Analyse der Komplexitäten der Kommunikation zu Zwecken der Hypnose wünschen würde, eine Analyse, die viel mehr voraussetzen würde, als dieses Buch von Bandler und Grinder umfassen kann, so würde ich mir auch eine Analyse dessen wünschen, wie und warum sorgfältig strukturierte Kommunikationen so weitreichende und wirkungsvolle Reaktionen in Patienten hervorrufen können, oft sogar Reaktionen, die nicht einmal verlangt waren. Ich bin sicher, daß solche zusätzlichen Untersuchungen irgendwann durchgeführt werden. Ich freue mich auf den zweiten Band dieser Reihe von Richard Bandler und John Grinder.

Es war mir eine Freude und eine Ehre, das Vorwort zu diesem Buch zu schreiben. Ich sage das nicht, weil es sich mit meinen hypnotischen Techniken beschäftigt, sondern weil es schon lange nötig war, zu erkennen, daß formelhafte Wiederholungen, direkte Suggestionen und autoritäre Befehle durch sinnvolles Kommunizieren ersetzt werden sollten.“

Es finden sich jedoch auch mahnende und zur Vorsicht auffordernde Worte zum NLP in der deutschen Übersetzung von „Frogs into Princes“. Im Vorwort zum Buch „Neue Wege der Kurzzeit-Therapie“ schreiben Dr. Hilarion G. Petzold (ehemaliger Professor der freien Universität Amsterdam, seit 2001 Gastprofessor an der Donau-Universität Krems für Supervision und Psychotraumatologie) und Thies Stahl: „Die Faszination der scheinbar grenzenlosen Machbarkeit dieser für den therapeutisch tätigen Praktiker äußerst hilfreichen „Technologie“, ihre Eleganz und Effektivität entspricht dem Erbe dreier der bedeutendsten Neuerer psychotherapeutischen Denkens und Tuns: Virginia Satir, Milton H. Erickson und Fritz Perls. In den Interventionsmustern des NLP sind wesentliche Dimensionen ihres Könnens aufgehoben, spiegeln sich ihre in lebenslanger Erfahrung erworbenen Fertigkeiten zu fokussierten Behandlungen wider. Es werden damit neue Wege der Kurzzeittherapie gewiesen, deren Effizienz und Vielfalt in der praktischen Anwendung Psychotherapie, Soziotherapie und Pädagogik entscheidend bereichern können. Insbesondere für die Ausbildung von Therapeuten ergeben sich Möglichkeiten, das Spektrum der Wahrnehmung für Kommunikationsvorgänge und die Aneignung kommunikativer „Skills“ erheblich zu verbessern. Bandler und Grinder haben es unternommen, „die Struktur der Magie“ – so der Titel eines ihrer Bücher – verfügbar zu machen, die außergewöhnliche Fähigkeiten Empathie, Kreativität und kommunikative Kompetenz von Perls, Erickson, Satir. Das ist ihnen für den Aspekt der Interventionstechnik gelungen.

Der geistig-ethische Hintergrund dieser therapeutischen „Zauberer“, ihre Werte, ihr Welt- und Menschenbild, auf dem ihr therapeutisches Handeln, ihre Techniken Figur wurden (und werden), fiel allerdings in der Abbildungsprozedur der essentiellen Wirkmuster ihres Tuns schlicht unter den Tisch – ein Umstand, der andererseits gerade die Klarheit und Eleganz der NLP-Techniken ermöglichte.

In diesem Zusammenhang sei an die Mahnung von Fritz Perls erinnert, die Gestalttherapie nicht rein technisch anzuwenden, und an seine Warnung vor den Gefahren eines solchen technischen Mißbrauchs der potenten gestalttherapeutischen Vorgehensweisen.

Diese Warnung soll hier wiederholt werden, geht es doch im NLP um die technische Potenz dreier Meister, von denen eine, die Meisterin (Anm. d. Verf.: gemeint ist Virginia Satir, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch lebte), noch lebt.

Die bloße Technik, ohne ein tragendes und tragfähiges therapeutisches Bündnis – und das setzt eine integrierte und differenzierte Therapeutenpersönlichkeit voraus –, die Technik allein also, wird eine dauerhafte therapeutische Wirkung nicht erbringen. Sie muß im Prozeß eingesetzt werden. Nicht die Technik bestimmt den Prozeß, sondern die Verlaufsdynamik der Therapie bestimmt die Wahl und den Einsatz der Technik. Die Verwendung des NLP setzt deshalb gediegene Kenntnisse einer dynamisch und systemisch ausgerichteten Psychotherapie voraus, das nämlich waren die Grundlagen von Satir, Perls und Erickson.“ (Bandler, Richard; Grinder, John, 1981, Neue Wege der Kurzzeit-Therapie, S. 7 - 8)

John Grinder und Richard Bandler haben die linguistische Analyse aus der Transformationsgrammatik als Hauptansatz zum Verständnis und Entschlüsseln der „therapeutischen Kompetenz und Performanz“ der damals größten Therapeuten gemacht. Insbesondere die Kenntnisse aus der Modellbildung haben sie dazu befähigt, Muster und Regeln herauszufinden, die für eine effektive Kurzzeittherapie hervorragende Bedeutung haben. Dabei stießen sie auch an die Grenzen des Ansatzes von Noam Chomsky und seiner Schule. Kommunikation ist immer gerichtet. Die Kommunikation findet immer in einer ganz spezifischen, nicht-wiederholbaren Situation, einem unwiederbringlichen Moment, zwischen zwei Menschen statt, die sich in ganz besonderer Art und Weise ansprechen. Diese Dimension von situativem Kontext, Zeitkontinuum, Personalität und Intersubjektivität kann in den herausgearbeiteten Mustern nie voll erfaßt werden. Während des Sprechens – und Sprechen ist Handlung – wird immer mehr ausgesagt als das, was zunächst ersichtlich scheint. Das haben bereits die Arbeiten von Austin und Searle verdeutlicht. Darum kann das NLP seine volle Wirkung nur dann entfalten, wenn es eingebettet ist in Kontext und Kontinuum der kommunikativen Situation und ihres Hintergrundes – und damit kommen gesellschaftliche Perspektiven unweigerlich in das Blickfeld. Verwandelt man „Frösche in Prinzen“, gemäß dem amerikanischen Originaltitel des Buches „Frogs into Princes“, so impliziert das einen in der Transaktions-Analyse verwandten rosaroten Optimismus, eine naive Ideologie des „Glücks für den Tüchtigen“, in der für Tragik und Brüchigkeit menschlicher Existenz, Unabänderlichkeit persönlichen Schicksals kein Platz ist. Was für eine Ideologie vom „guten Leben“ steht hinter diesem System? In was für eine Richtung soll angepaßt werden? Wer verfügt über diese Anpassung? Welche Rolle spielt die Person, Einstellung, Schichtzu-gehörigkeit des Therapeuten? John Grinder und Richard Bandler gefallen sich zuweilen in der Deus-ex-machina-Attìtüde (Übersetzung: Gott aus der Maschine) klassischer Experimentatoren. (http://dela.dict.cc/?s=deus+ex+machina, [24.11.2014]). Sie wissen, „wo es lang geht“ und was für den Klienten gut ist. Die Fragen nach den eigenen Werten, eigenen „blinden Flecken“, Gegenübertragungen, soziokulturellen Determinierungen werden nicht oder nur unzureichend thematisiert. Psychotherapie ist manipulativ (auch und gerade die Kunstformen analytisch-abstinenter und klientenzentriert-akzeptierender Kommunikation), und eben weil das Neuro-Linguistische Programmieren die Perfektionierbarkeit therapeutischer Manipulation so eindrücklich demonstriert, muß die Frage der Legitimierung für die Verwendung derartiger Techniken und die Frage nach der Legitimation der Therapeuten, die sie applizieren, um so ernsthafter gestellt werden. Eine nicht-manipulative Form der Therapie erfinden oder ausüben zu wollen, wäre wahrscheinlich eine naive Alternative und erscheint auch wenig umsetzbar. Die hochwirksamen Werkzeuge des NLP werfen schärfer noch als die Techniken der Verhaltenstherapie das Problem der Kontrolle der professionellen Veränderungsexperten auf. Ein Problem dürfte die Ausbildung integrierter Coach- und Therapeutenpersönlichkeiten sein, die Fragen nach den Zielen der Manipulation und nach den gesellschaftlichen Interessengruppen, die über diese Ziele befinden.

Das nun seit über 30 Jahren in Deutschland zur Verfügung stehende Instrumentarium des NLP kann sicherlich für viele Klienten in Therapie und Coaching in kürzerer Zeit Hilfe ermöglichen, als die klassischen Methoden der Therapie. Voraussetzung dafür sind der Einsatz dieser Methoden durch kompetente Therapeuten und Coaches, die ihre eigenen Problemstellungen (auch mit den klassischen Ansätzen wie TA, VT oder Gestalttherapie) aufgearbeitet haben. Es besteht sonst die Gefahr, daß NLP dem Agieren von Größenphantasien der Leute dient, die ihre eigene Bedürftigkeit mit Hilfe manipulativer Brillanz kaschieren wollen.

Im Mai 1985 antwortete Virginia Satir auf die Frage, wie der Leser in sinnvoller Weise in einem Vorwort auf NLP vorbereitet werden sollte: „Ich denke, er sollte wissen, daß es mit dem NLP das gleiche ist wie mit Strategien überhaupt – sie müssen in einen Rahmen gestellt werden, der durch Einfühlung und Liebe für die Persönlichkeit des anderen geprägt ist. Die guten Leute, die mit dem NLP arbeiten – es gibt eine ganze Reihe von ihnen –, stellen es in einen Rahmen von Menschlichkeit (humaness). Ich denke, genau das ist wichtig, denn schließlich … ging es ja aus meiner Arbeit hervor, die getragen ist von Liebe und Engagement. NLP ist ein großartiges Werkzeug, denn die Dinge, die ich mache, vor allem, wenn sie in dieser Form angewandt werden, sind durchschlagend und sehr wirkungsvoll. Doch wenn Leute keine Ahnung haben von Psychodynamik und nicht wissen, wie mit diesem Werkzeug umzugehen ist, können sie Schreckliches damit anrichten!“

In diesem Sinne plädierten Petzold und Stahl dafür, daß diese hochwirksame Technologie des NLP in Aus- und Fortbildungslehrgängen nur an solche Personen weiter vermittelt werden sollte, die über eine ausreichend breite und umfassende therapeutische Grundausbildung mit entsprechender Selbsterfahrung verfügen – sozusagen als prophylaktische Maßnahme für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen effektiven kurzzeittherapeutischen Techniken, die das NLP beinhaltet. (Bandler, Richard; Grinder, John, 1981, Neue Wege der Kurzzeit-Therapie, S. 8 - 10)

2.1 Was ist Neuro-Linguistisches Programmieren?

Diese Frage läßt sich nicht mit ein oder zwei Sätzen beantworten. Alexa Mohl schreibt im „Der große Zauberlehrling“ nur das ganze Buch kann diese Frage beantworten. Weiter weist sie darauf hin, daß zwei Buchveröffentlichungen in der deutschen Übersetzung Titel erhalten haben, die eine Antwort auf die Frage ermöglichen. Nämlich „Strukturen subjektiver Erfahrung. Ihre Erforschung und Veränderung durch NLP.“ (Autoren: Robert Dilts, Richard Bandler u. John Grinder) und „Veränderung des subjektiven Erlebens. Fortgeschrittene Methoden des NLP“ (Autor: Richard Bandler). Die erste Antwort, die Frau Dr. Mohl auf die Frage „Was ist NLP?“, geben möchte, lautet: „NLP ist eine Disziplin, die die subjektive Erfahrung des menschlichen Lebensprozesses erforscht.“ (Mohl, 2006, S. 65)

NLP versteht sich als eine Methodik, unter deren zu Hilfenahme es erlernbar ist, sich eigener oder fremder Wahrnehmungs-, Ausdrucksweisen und automatischer Denk- und Verhaltensmuster bewußt zu werden und diese zu erweitern oder zu verändern. Langjährige Forschung über die Struktur subjektiver Erfahrung (und meint, wie Menschen die Welt wahrnehmen und darauf reagieren) liegt dem Begriff zugrunde, ebenso von Kommunikation (wie Menschen sich sprachlich ausdrücken und verständigen) und von Verhaltensmuster (wie Menschen Gelerntes speichern und automatisch wiederholen). Besondere Beachtung fanden dabei die Strategien erfolgreicher Menschen, die genau beschreiben und damit für jedermann zugänglich und lernbar gemacht wurden. Die Erkenntnisse und Inhalte der NLP tragen zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation bei. Daneben bieten sie eine Vielzahl von Techniken zur Ziel- und Lösungsfindung bei Problemen. (Trageser, Münchhausen, 2000, S. I.3.1)

Ausgehend von Erkenntnissen der modernen Systemtheorie, Linguistik, Neurophysiologie und Psychologie beschreibt NLP – die wesentlichen Prozesse, wie Menschen ihre Umwelt und sich selbst wahrnehmen, diese Informationen verarbeiten, auf dieser Grundlage handeln, entsprechend miteinander kommunizieren, lernen und sich verändern.

Die Art und Weise wie Menschen bestimmte Situationen, sich selbst, andere Menschen, ihre Beziehungen, ihren Beruf und ihren Alltag erleben unterscheidet sich. Wie der Mensch sich selbst und seine Umwelt wahrnimmt, wie er denkt und fühlt und diese Gefühle bewertet, kann unterschiedlich sein. Ein und dieselbe Situation kann als angenehm und wohltuend, aber auch als schwierig und belastend erlebt werden.

NLP macht basierend auf Studien und Modellen zur menschlichen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung bewußt, welche Faktoren menschliches Erleben steuern und wie Menschen diese Erfahrungen selbst erschaffen. Auf dieser Basis sind in den letzten 40 Jahren eine Vielzahl der Handlungsmodelle entstanden.

Innerhalb der Kognitions- und Verhaltenswissenschaften ist NLP die Disziplin, die sich explizit und in umfassender Weise dem Studium der menschlichen Subjektivität zugewandt hat. NLP eröffnet mit Hilfe der dabei gewonnenen Erkenntnisse – für Einzelpersonen sowie für Gruppen und Organisationen – effiziente und gleichzeitig flexible Zugänge zu ziel- und lösungsorientierten Veränderungen. Wie andere Wissenschaften entwickelt sich NLP dabei durch neuere Forschungen und Erkenntnisse laufend weiter.

NLP-Trainings sollen ein größeres Bewußtsein von den Prozessen vermitteln, die das eigene Erleben steuern. Darüber hinaus soll es einen erweiterten Gebrauch der fünf Sinne sowie die Fähigkeit, persönliche Ziele zu formulieren und diese unter Berücksichtung diverser Einflüsse zu verwirklichen ermöglichen.

Das seit 1972 erarbeitete weltweit erarbeitete Wissen ermöglicht es Profi-Kommunikatoren – unabhängig von ihrer methodischen und inhaltlichen Ausrichtung – u. a.

„das eigene Verständnis für zwischenmenschliche Kommunikationsprozesse zu verfeinern,

sich noch leichter auf die individuelle „Realität“ des Gegenübers einzustellen,

die eigene Flexibilität im Umgang mit Menschen unterschiedlichster Herkunft nachhaltig zu erweitern sowie

sich den Herausforderungen einer im stetigen Wandel begriffenen Welt bewußt zu stellen.“ (Campbell, 2001, S. 4 f)

Diese erste Definition erklärt allerdings noch nicht den Namen NLP, weshalb hier eine

weitere Definition herangezogen werden soll:

Neuro bezieht sich auf die Funktionen des Gehirns und des gesamten Nervensystems von

dort werden unsere Gedanken, Handlungen und Gefühle gesteuert.

Linguistisch bedeutet, das wir über unsere Sprache innere Bilder oder Repräsentationen

entstehen lassen und nach außen mitteilen können.

Programmieren bezeichnet die Möglichkeit eines Eingriffes in unsere Gedanken,

Handlungen und Gefühle, um durch eine Veränderung zu den erwünschten

Verhaltensweisen oder Gefühlen zu gelangen (Landsiedel, 2008, S. 128).

2.2 Die Entdeckung von NLP

NLP wurde in den 70er Jahren von dem Linguisten Prof. Dr. John Grinder und dem Mathematiker, Computerfachmann und Gestalttherapeuten Dr. Richard Bandler ins Leben gerufen. Sie entwickelten Modelle, die effektive Arbeitsweisen von „Zaubertherapeuten“ (Dr. med. Fritz Perls - Gestalttherapie, Virginia Satir – Familientherapie / Conjoint Family Therapy und Dr. med. Milton H. Erickson - Hypnotherapie), von Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und mit Entdeckerfreude, von Spitzenmanagern und erfolgreichen Kommunikatoren/-innen analysierbar und transferierbar machen. Nach den ersten spektakulären Erfolgen in der Therapie kamen Bandler und Grinder sowie ihr Partner Robert Dilts schnell darauf, NLP-Methoden universell einsetzbar zu machen. Der Grund hierfür ist einfach: NLP ist als kybernetisches System nicht inhaltsgebunden, es befaßt sich mit der Steuerung von Prozessen. (Walker, 1996, S. 15 ff)

2.3 Wovon handelt NLP?

Das ist eine Frage der Perspektive

Wenn man sich anhand der zur Verfügung stehenden Literatur oder durch Gespräche mit Anwendern über NLP informiert, wird man eine Vielfalt unterschiedlicher Beschreibungen finden. Dieses breite Spektrum geht auf die enorme Spannweite des Ansatzes zurück. Im Folgenden wird NLP daher aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

NLP handelt von Kommunikation

Einer der Grundsätze des NLP lautet, daß Menschen permanent kommunizieren. Zum einen natürlich durch Sprache, aber auch durch Mimik, Gesten und Tonalität. Was ist die Botschaft und wie drückt der Mensch diese aus? Ist das, was Menschen einander mitteilen wollen, auch das, was das Gegenüber dann tatsächlich versteht? Wenn nicht, wie erkennt man die entsprechenden Hinweise, und wie können man diese bei der Interaktion berücksichtigen? NLP bietet hier eine Vielzahl praktischer Werkzeuge für effiziente Kommunikation.

NLP handelt von Sprache

Der menschliche Sprachgebrauch beeinflußt das Denken und Handeln. Der Prozeß, durch den Menschen eine Erfahrung in Sprache übersetzen, setzt eine Verdichtung und Verzerrung des Erlebten voraus. Man ist gezwungen, die gemachten Wahrnehmungen der außersprachlichen Wirklichkeit mit Hilfe von Worten zu transferieren. Dabei gehen dem Gegenüber oft wertvolle Informationen verloren.

NLP bietet Fragetechniken und Methoden, die dabei helfen, die Kommunikation mit anderen und sich selbst so zu gestalten, wie man tatsächlich intendiert. NLP lehrt zu verstehen, wie der Gebrauch von Sprache durch persönliche Filter beeinflußt wird.

Wenn man jemanden darum bittet, NICHT an ein Känguru zu denken, dann diese Person wahrscheinlich erst recht an ein Känguru denken. Die Worte erreichen das Gegenteil des eigentlich Beabsichtigten. Oder man beachte die Wirkung, wenn man das Wort „aber“ gebraucht. Hierzu folgendes Beispiel: „Mir gefällt, wie Sie diese Arbeit ausgeführt haben, aber …“ In Erwartung, daß nach „aber“ ein Problem folgt, wird der Zuhörer dazu neigen, alles zu vergessen, was dem „aber“ vorausging.

„ALLES KOMMUNIZIERT. IMMER.

WIR KÖNNEN NICHT NICHT KOMMUNIZIEREN.

NLP BIETET FRAGETECHNIKEN;

MUSTER UND MODELLE.

WEGE ZUR BESSEREN KOMMUNIKATION.“

Auch Werbefachleute, Medien, Politiker sowie Organisationen aller Art nutzen gezielt eine bestimmte Sprache, um ihre Botschaften zu vermitteln und im Unterbewußtsein ihrer Hörer zu verankern. Durch das im Rahmen des NLP vermittelte Wissen über die Wirkung von Sprache kann man ein tieferes Verständnis für die einströmenden Einflüsse entwickeln. Auf diese Weise dient NLP auch als eine Art Verbraucherschutz für den Geist.

NLP handelt vom Modellieren außergewöhnlicher Fähigkeiten

NLP-Prozesse und –strategien sind das Ergebnis von Forschungen, die untersuchten, wie genau Experten oder Persönlichkeiten mit außergewöhnlichen Begabungen und Fähigkeiten ihre Leistungen erreichen. NLP machte es erstmals möglich, anderen Menschen Fertigkeiten zu vermitteln, die einst als Genie, Talent oder Intuition bezeichnet wurden und für andere unerreichbar schienen.

Das Modellieren herausragender Fähigkeiten beruht auf genauen Beobachtungen des inneren Erlebens der hochbegabten Person. Auch unterstützende Überzeugungen, persönliche Wertesysteme und das eigene Selbstbild spielen hier eine bedeutende Rolle. Die Fähigkeit zum Modellieren ist der Schlüssel zur Kompetenz im NLP. Die Gabe, überdurchschnittliche Fertigkeiten in einzelne Bestandteile aufzuschlüsseln, bietet NLP-Anwendern neue Perspektiven und ermöglicht ein effizienteres Lernen.

So wurde etwa die „NLP-Rechtschreibstrategie“ anhand von Menschen modelliert, die von Natur aus die Rechtschreibung gut beherrschten. Seit die entsprechenden mentalen Prozesse eindeutig beschrieben und kodiert sind, lassen sie sich ohne weiteres Kindern und Erwachsenen beibringen, die bislang Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung hatten. Um ein anderes Beispiel zu nennen: Hat jemand das Problem, morgens früh aufzustehen? Mit Hilfe der Werkzeuge des NLP kann man herausfinden, wie sich eine Person, die gerne aufsteht, dazu motiviert. Mittels entsprechender Interventionen sind Menschen darüber hinaus in der Lage, diese „Strategie“ auch für sich selbst zu nutzen. Aber das ist noch längst nicht alles. Das Modellieren von Kompetenz ermöglicht eine Fülle effektiver Anwendungen in den unterschiedlichsten Bereichen wie Psychotherapie, Pädagogik, Wirtschaft, Gesundheit, Sport und persönlicher Entfaltung.

„EINE FRAGE DER PERSPEKTIVE:

SPRACHE – KOMMUNIKATION – SUBJEKTIVITÄT.

SENDER UND EMPFÄNGER.

BOTSCHAFTEN, DIE SO ANKOMMEN,

WIE SIE WIRKLICH GEMEINT SIND.“

NLP handelt von geistiger Leistungsfähigkeit

NLP beschreibt auf präzise Weise die Wahrnehmungen und geistigen Prozesse, wie Menschen ihre „persönliche Realität“ kreieren: Wie weiß man, was man weiß? Wie tun man, was man tut? Wie kommt es, daß man sich in bestimmten Augenblicken ängstlich und in anderen glücklich fühlt? Wie ist es möglich, daß Menschen etwas gefällt oder mißfällt? Wieso lernen manche eine Sache leicht und die anderen nur unter erschwerten Bedingungen oder gar nicht?

„NLP BIETET UNS EINE GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR UNSER GEHIRN.

NLP-MODELLE MACHEN ERFAHRBAR, WIE WIR UNSERE ERFAHRUNG

„KODIEREN“, WENN WIR VERSTEHEN, AUF WELCHE WEISE UNSER GEHIRN

FUNKTIONIERT, IST ES LEICHTER, ETWAS ZU ÄNDERN, NEUES ZU LERNEN

UND EFFIZIENT ZU KOMMUNIZIEREN.“

NLP handelt vom Studium subjektiver Erfahrungen

Jeder Mensch hat seine eigene Weise, die Welt wahrzunehmen, auf sie zu reagieren und aus seiner Erfahrung zu lernen. NLP ist ein Werkzeug, das Anwender dahingehend unterstützt, sich der individuellen und (sub-)kulturellen Eigenarten von Menschen bewußt zu werden. NLP untersucht das Zusammenwirken unserer Wahrnehmungsfilter, Gedanken, Gefühle und Handlungen, um unsere ureigene subjektive Erfahrung zu erschaffen. Es hilft zu verstehen, wie ein Mensch sich in seiner Umwelt bewegt und wie er sich die Welt erklärt.

Gerade weil NLP davon ausgeht, daß man dies alles auf unterschiedliche Art und Weise tut, verzichtet es auf schematisierte Formeln. NLP ermöglicht es, die Einzigartigkeit einer Person wahrzunehmen, diese zu respektieren und dadurch besser auf den Einzelnen einzugehen. Die Unterschiede von Menschen wert zu schätzen ist daher ein integraler Bestandteil des NLP. (Campbell, 2001, S. 6 ff)

2.4 Kritik an der Neuro-Linguistischen Programmierung (NLP)

Obwohl die Neuro-Linguistische Programmierung nun seit 1975 bekannt ist und in vielen Bereichen angewandt wird, steht die Methodik nach wie vor in der Kritik. Deshalb erscheint es zunächst geboten auf diese Kritik kurz und angemessen einzugehen.

Googelt man mit den Begriffen „NLP“ und „Kritik“ erhält man innerhalb von Sekunden rund 199.000 Treffer. Bördlein kritisiert das seiner Ansicht nach „krasse“ Mißverhältnis zwischen Selbsteinschätzung durch NLP-Anwender und der theoretischen Fundierung der NLP. (Bördlein, 2005) Auch „Die Skeptiker“ verweisen auf eine mangelnde wissenschaftliche Untersuchung. Die Liste der Kritiker ließe sich noch weiter fortführen. (Die Skeptiker, GWUP e. V., 2013)

Alexa Mohl schreibt in der Einleitung zum „Zauberlehrling“, daß die akademische Forschung und Lehre hinsichtlich des NLP skeptisch geblieben ist, und führt dies im wesentlichen darauf zurück, daß es noch keine „Theorie“ des NLP gebe. (Mohl, 1993, S. 12)

Im Jahr 2001 hat die European Association of Psychotherapy (EAP, Homepage: http://www.europsyche.org/) die Neurolinguistische Psychotherapie (NLPt) als gleichwertige Methode zu den analytischen und systemischen Verfahren anerkannt. Grundlage hierfür war eine Studie der Universität Wien. Die EAP erteilt außerdem, nach geltendem EU-Recht, Psychotherapeuten die in Neurolinguistischer Psychotherapie ausgebildet sind, bei Erfüllung weiterer Voraussetzungen das European Certificate of Psychotherapy (ECP). In anderen Ländern gibt es Studiengänge der Psychologie mit Vertiefung in NLP, so z. B. in Großbritannien, Nicaragua und Mexiko.

Hauptvorwurf an NLP ist die Behauptung, daß NLP unwissenschaftlich ist. Dazu der Diplom-Psychologe Stephan Landsiedel:

„Der Vorwurf, daß NLP unwissenschaftlich sei, kommt in der Regel von Personen, die ihrerseits Akademiker sind (und meistens auch selber im psychologischen, heilpraktischen oder Coaching-Bereich tätig sind). In der Tat richtet NLP sich an einen Personenkreis, der über Universitäten hinausreicht. Die Vorläufer und Begründer (Prof. Dr. John Grinder und Dr. Richard Bandler) waren und sind zwar meistens Wissenschaftler, das Konzept von NLP belief sich aber darauf, die effizientesten Kommunikations- und Behandlungsmethoden zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen. Dieser eklektische Ansatz hatte zur Folge, daß in den NLP-Fundus auch solche Methoden aufgenommen wurden, die nicht zum Fundus von Psychologen und Psychotherapeuten gehören – will meinen, daß bestimmte Methoden von NLP unwissenschaftlich im Sinne von „nicht aus der Wissenschaft kommend“ sind.

Generell ist NLP allerdings nicht der Hokuspokus, zu dem seine Gegner es machen. Grundlage der NLP-Philosophie ist der Konstruktivismus, eine anerkannte sozialwissenschaftliche Denkschule, die von der Subjektivität jeder Wahrnehmung ausgeht. Ebenso wurden viele Methoden aus anderen humanistischen Therapieschulen nutzbar gemacht (z. B. Familientherapie, Gestalttherapie, u. a.).

Ein Grund für diese Reputation "NLP = unwissenschaftlich" liegt letztlich aber auch im Umgang bestimmter Anwendergruppen mit dem Gegenstand der Debatte. Nicht wenige NLP-Anbieter haben vorrangig ihren eigenen Gewinn im Auge anstatt das Training, andere verwässern Ausbildungsstandards oder verweigern sich ihnen vollkommen. Dazu kommt noch, daß von den Rändern aus Brücken von NLP zu anderen, parawissenschaftlich oder esoterisch orientierten Feldern geschlagen werden. Man kann also durchaus diese Überschneidungsbereiche zu NLP unwissenschaftlich nennen.

Auf der anderen Seite gibt es auch akademische Anerkennung, so gibt es beispielsweise eigene NLP-Studiengänge, die der Psychologie angegliedert sind; in Österreich ist die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) als psychotherapeutische Methode offiziell anerkannt. Zusammenfassend kann man folgendes feststellen: NLP ist keine Wissenschaft, eher ein Unterbereich der Psychologie. Aber ebenso wenig, wie NLP eine eigene Wissenschaft darstellt, kann man sagen, daß NLP unwissenschaftlich ist.“ (Landsiedel, 2012)

NLP, Transaktionsanalyse, Gestaltberatung und systemische Beratung werden auch in Wirtschaftskontexten, Pädagogik, Supervision und Coaching angewandt. Außer am NLP wird jedoch an keiner der anderen Methoden derart massiv Kritik geübt. Sicherlich zu beanstanden ist eine Überbetonung des Pragmatismus im NLP, und daß es unterlassen wurde für einige Methoden innerhalb des NLP für eine hinreichende theoretische Fundierung zu sorgen. Daran wird jedoch gerade vielfach gearbeitet. An vielen Hoch- und Fachhochschulen werden NLP-Inhalte vermittelt oder sogar NLP-Ausbildungen (z. B. an der Donau-Uni in Krems, Steinbeis Hochschule in Berlin, FH f. angewandtes Management in Erding) durchgeführt.

3. Die Entwickler des NLP

In diesem Kapitel werden die beiden Hauptentwickler des NLP John Grinder und Richard Bandler sowie ihr Hintergrund vorgestellt. Es ist durchaus beabsichtigt eine persönliche Schilderung der Geschichte des NLP und der beiden Schlüsselfiguren zu zeichnen. Dabei wird hauptsächlich die Zeit von der Vorkonzeption des NLP von 1972 bis zu seiner Reife 1981 beschrieben. Diese Schilderung soll dabei helfen leichter einen Zugang zur Entstehungsgeschichte und zum NLP zu finden. Weiter sollen die persönlichen Beziehungen zwischen Gregory Bateson, Milton H. Erickson, Virginia Satir, Fritz Perls, Robert Spitzer, Richard Bandler und John Grinder die sich in Palo Alto und Santa Cruz ergeben haben aufgezeigt werden. Damit soll verdeutlicht werden, welche Einflüsse auf die Arbeit der beiden Entwickler des NLP eingewirkt haben und endlich in die Entwicklung des NLP mündeten.

3.1 Richard Bandler

Richard Wayne Bandler (* 24.02.1950 in New Jersey, USA) ist das einzige Kind jüdischer Eltern. Die Familie zog einige Zeit nach der Geburt von Richard von New Jersey nach Kalifornien. Dort wuchs er in einem der ärmeren Stadtteile von San Jose im Süden der San Francisco Bay Area auf. (Walker, 1996, S. 21)

Eine zeitlang besaß seine Familie dort ein Restaurant. Richard hielt sich dort viel auf, und beobachtete seine Mutter beim Kochen, dabei entwickelte sich seine Kochbegabung. Nach Terence McClendon bereitete er später fantastische Speisen zu. Bandler war jedoch nicht in der Lage die Vorteile seiner Kochkunst zu genießen. Nach einer Messerstecherei in seiner Jugend mußte ihm ein Teil seines Darms entfernt werden, da er einen Stich in den Bauch erhalten hatte. Dies machte es ihm später unmöglich frisches Gemüse zu verdauen, deshalb wurde Fleisch sein ein und alles. (McClendon, 2003, S. 14)

In den 60er Jahren war Bandler eines der langhaarigen Blumenkinder, die in dieser Zeit immer öfter auf den Straßen der amerikanischen Westküste zu sehen waren. Später organisierte er als aktives Mitglied der Gegenkultur der Hippies einige der großen Rockkonzerte dieser Zeit. (Walker, 1996, S. 21) Seinen Schulabschluß erwarb er an der Freemont High School. (http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Richard_Bandler [30.11.2014] u. McClendon 2003, S. 14) Anschließend besuchte er das Foothills College in den Los Altos Hills. Nach dem Abschluß wechselte er an die University of California in Santa Cruz. Dort belegte er zunächst Computerwissenschaften und Mathematik, wechselte aber später zu Verhaltenswissenschaften. (McClendon, 2003, S. 14 u. Walker, 1996, S. 24)

Diese Zeit war stark geprägt von der Ablehnung des gesellschaftlichen Mainstreams. Die stark materialistisch geprägte Orientierung der amerikanischen Gesellschaft, der kalte Krieg und das Wettrüsten zwischen Ost und West sowie das kriegerische Engagement der USA in Vietnam hatten eine Gegenbewegung erzeugt, die sich der damaligen Leistungsgesellschaft entgegensetzte. Viele junge Menschen suchten damals einen Ausweg aus den Problemen der Zeit. Liebe, Frieden und persönliches Glück wurden zu den neuen Leitmotiven. Dieses neue Lebensgefühl fand seinen Ausdruck in Stadtflucht, Drogenkonsum, religiöser Musik und vor allem in der neuen Rockmusik. Gerade der Sommer 1967 – heute bekannt als Summer of Love – wurde zur Blütezeit der „Westcoast-Music“. Klangvolle Namen prägten diese Zeit, die heute teilweise Kultstatus haben, wie SANTANA, THE GREATFULL DEAD, JANIS JOPLIN, JEFFERSON AIRPLANE, THE BYRDS, THE STEVE MILLER BAND und viele andere. Der Höhepunkt dieser kulturellen Revolution war im August 1969 mit dem Woodstock-Festival erreicht. (Walker, 1996, S. 21 – 23)

Robert S. Spitzer ein amerikanischer Psychiater, der auch Präsident des Verlagshauses Science & Behavior Books in Palo Alto war, wurde durch seine Frau Becky auf den 17jährigen und talentierten Richard Bandler aufmerksam gemacht. Richard war von Becky Spitzer eingestellt worden, um deren Sohn Dan Schlagzeugunterricht zu geben. Becky Spitzer war beeindruckt von Richard, weil er sich für philosophische Fragen interessierte und eine besondere Art des Musikunterrichts anwandte. Das Ehepaar Spitzer bemühte sich deshalb den jungen Richard zu fördern. Robert Spitzer zog Richard u. a. für Verlagsarbeiten heran. Außerdem erledigte er Lagerarbeiten, und fertige Video und Tonbandaufnahmen von Therapieworkshops an. (Walker, 1996, S. 22)

Die akademische Laufbahn von Bandler begann ungestüm. Spitzer schreibt, daß er seine Professoren fast zur Verzweiflung getrieben hat. Auch in Details sei er nicht bereit gewesen Kompromisse zu schließen und sich den Ritualen des akademischen Betriebs zu unterwerfen. (Spitzer, 1992, S. 40 f.)

3.1.1 Richard Bandler begegnet der Gestalttherapie

Am Anfang seines Studiums belegte Bandler Kurse in Philosophie, Mathematik und den Computerwissenschaften. Sein Interesse für die Verhaltenswissenschaften gewann jedoch zunehmend Oberhand. Besonderes Interesse hatte er an Rolfing, der Familientherapie und vor allem an der Arbeit von Fritz Perls.

Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie befand sich damals nach eigener Einschätzung auf dem Höhepunkt seines Schaffens, sowohl hinsichtlich seiner Lehrtätigkeit, als auch seiner schriftstellerischen Arbeit. Im Dezember 1969 hatte er mit Robert Spitzer einen Vertrag über mehrere Bücher abgeschlossen. Gegenstand dieser Bücher sollte psychotherapeutische Praxis und Philosophie der Gestalttherapie sein. Zusammen mit seiner Frau Lore Perls und dem Sozialphilosophen Paul Goodman hatte Fritz Perls die Grundlagen der Gestalttherapie erarbeitet. Perls sollte die Bücher so abfassen, daß der gebildete Laie die Grundlagen und das Wesen seines Ansatzes verstehen sollte. Zusätzlich zu den Manuskripten sollten Transkriptionen von Filmen, die Perls bei der Arbeit zeigen, in die Bücher mit aufgenommen werden. Perls war der Ansicht, daß diese Transkriptionen eine gute Basis für das Verständnis über den eigentlichen Prozeß der Therapie abgeben würden. Perls war davon überzeugt, daß diese Live-Transkriptionen das Wesentliche der Gestaltarbeit mehr enthüllen würden, als das Lesen theoretischer Texte. (Walker, 1996, S. 24) Leider starb Perls im März 1970 und so wurde das Projekt in Frage gestellt. (Perls; Baumgardner, 1990, S. 7)

Spitzer stand nun vor der Frage, was er mit dem umfangreichen von Perls hinterlassenen Material anfangen sollte. Zunächst bat er einige Schüler von Perls um Unterstützung bei der Herausgabe des Werkes. Diese lehnten jedoch ab. Deshalb bat er Mitte des Jahres 1972 Richard Bandler darum.

Bandler sollte zunächst einführende Gestaltsitzungen von Perls auswählen und verschriftlichen. Durch Transkriptionen sollten die Manuskripte von Perls ergänzt werden. Spitzer schrieb später, wie Bandler sich mit hohem Engagement an die Arbeit machte und jeden Tag Filme anschaute und genaue Transkriptionen anfertige. Durch diese intensive Beschäftigung fing Bandler an, wie Perls zu sprechen und sich so zu verhalten. Spitzer schildert amüsiert, wie er sich dabei ertappte Bandler mit „Fritz“ anzusprechen. (Spitzer, 1992, S. 41)

Unter dem Titel „The Gestalt Approach“ erschien zuerst ein unvollständiges Manuskript. Darauf folgte ein zweites Buch mit dem Titel „Eye Witness to Therapy“. Das Buch enthält überwiegend Transkriptionen aus Lehrfilmen von Perls (Perls, 1976). (Walker, 1996, S. 24) Zwei Jahre später veröffentliche Bandler das Buch „Legacy from Fritz“, mit einer weiteren Auswahl von Transkriptionen (Perls; Baumgardner, 1990). (Walker, 1996, S. 25)

Richard Bandler kannte Fritz Perls nicht persönlich, es ist jedoch naheliegend, daß er durch diese frühe Arbeit an diesen Veröffentlichungen maßgeblich durch Perls beeinflußt wurde. (Walker, 1996, S. 26)

3.1.2 Die ersten Gruppen in den Jahren 1972 und 1973

Zu Beginn der 70er Jahre hat sich der Lehrbetrieb an der University of California in Santa Cruz durch ein liberales Klima ausgezeichnet. Die Lehrtätigkeit war hier nicht ausschließlich durch orthodox-wissenschaftliche Auffassungen geprägt. Besonders das Kresge College an dem Gregory Bateson lehrte war gerade unter Psychologiestudenten sehr beliebt. Hier war ein Freiraum für experimentelle Gruppenaktivitäten entstanden. (Walker, 1996, S. 26)

Bandler war von den praxisfremden Inhalten enttäuscht. Im Frühjahr 1972 bot er deshalb am Kresge College ein praxisorientiertes Seminar an. Dabei nutzte er eine Möglichkeit, die Studenten der höheren Semester eingeräumt wurde. Wer im vierten Jahr studierte, besaß die Berechtigung, selbst Seminare zu planen und durchzuführen. Die Studenten, die an diesen Seminaren teilnahmen erhielten dafür Bescheinigungen, die genauso anerkannt wurden, wie die von den lehrenden Professoren. (McClendon, 2003, S.17)

Im behavioristisch orientierten Lehrbetrieb dieser Zeit war gestalttherapeutische Arbeit ein Novum. Die damals erlebnisorientierten Gruppen gingen von ihrem Ansatz her auf die Konzepte von Carl Rogers (dem Begründer der Gesprächspsychotherapie) zurück. Rogers hatte sich im Jahr 1962 durch Gründung der „Gesellschaft für humanistische Therapie“ als dritte Kraft neben der damals vorherrschenden Psychoanalyse und des Behaviorismus etabliert. Der non-direktive und auf Wachstum ausgerichtete Ansatz von Rogers galt damals auch in progressiven akademischen Kreisen als akzeptiert. Als Beleg dafür können die zahlreichen Gruppenencounteraktivitäten, die sich im Umfeld einiger Hochschulen gebildet hatten und in Mode gekommen waren herangezogen werden.

Trotz zahlreicher programmatischer Parallelen zum gestalttherapeutischen Ansatz von Perls (dieser wird auch zu den humanistischen Psychotherapien gezählt) waren die Encounter-Prozesse in den 70er Jahren von ihrem Grundgedanken her doch gruppendynamischer konzipiert und auf „authentische Begegnung“ ausgerichtet (Ausführungen in Wexler u. Rice, 1974). Bandlers Gestaltgruppen unterschieden sich deshalb deutlich von den damals üblichen „Encounter Sessions“. Von Anfang an war Bandler daran interessiert, die therapeutische Wirkung der Gestaltarbeit i. R. einer Gruppe zu erforschen. Die eigenen Seminare eröffneten ihm nun auch die Möglichkeit seine bis dahin überwiegend theoretische Kompetenz in der Praxis zu entfalten. (Walker, 1996, S. 26 - 27) McClandon schildert in „The Wild Days“ wie ungewöhnlich und teilweise bizarr diese Seminare von Bandler waren. (McClendon, 2003, S.14 - 24)

3.1.3 Richard Bandlers Zusammenarbeit mit John Grinder

John Grinder wurde Supervisor für Richard Bandlers Gestalttherapie-Seminare. Grinder hatte sich Anfang der 70er Jahre bereits einen Namen innerhalb der auf Noam Chomsky zurückgehenden Schule der Transformationsgrammatik gemacht. Er war nun unter Gregory Bateson als Assistenzprofessor für Linguistik tätig.

Grinder engagierte sich sehr für fortschrittliche Lehrmethoden. Als er Bandler kennenlernte war er auf dem Gebiet der Beratung und Psychotherapie ein Neuling. Er erkannte schnell Bandlers Begabung auf dem Gebiet der Psychotherapie.

Auch bei den interessierten Studenten stießen die Aktivitäten Bandlers auf ein hohes Interesse. Durch Mund-Propaganda kamen schnell weitere Gestaltgruppen zusammen. Die Gruppen fanden am Wochenende oder in Nachtsitzungen statt. Anfangs leitete Bandler die Gruppen allein. Später kam John Grinder dazu. Bandler führte ihn persönlich durch den therapeutischen Prozeß. (Walker, 1996, S. 28)

O’Connor und Seymour stellten das Geschehen damals wie folgt dar:

„Richard begann wöchentliche Gestalt-Encounter-Gruppen zu leiten und verlangte von den Teilnehmern fünf Dollar pro Abend. Er nahm … Kontakt mit John Grinder auf und interessierte ihn so sehr für Gestalt, daß auch er an diesen Gruppen teilnahm.

Als John kam, war er begeistert. Richard wußte von sich, daß er Gestalt-Gruppen erfolgreich leiten konnte, aber er wollte genau wissen, wie er es machte und welche Muster effektiv waren. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Fähigkeit einfach hat und anwendet oder ob man sich darüber hinaus auch dessen bewußt ist, was denn genau dabei zum Erfolg führt. So trafen John und Richard eine Vereinbarung: Richard sollte John beibringen, wie er Gestalttherapie machte, und John sollte Richard bewußtmachen, was genau er da tat. So nahm John also regelmäßig an der Montagabendgruppe teil und modellierte Richard. Richard machte ihm deutlich, welches seiner Meinung nach die wichtigsten Muster waren, indem er sie mit seinen Augen und mit unterschiedlichen Stimmlagen anzeigte. John lernte sehr schnell. Er brauchte zwei Monate, um die Muster „auszupacken“ und in der Lage zu sein, eine Gruppe wie Richard zu leiten. Er machte dann dienstags abends eine Gruppe, die er „Wunder-Wiederholungsgruppe“ nannte. Die Leute erlebten dienstags abends mit John die gleichen Wunder in ihrem Leben, wie andere sie bereits am Montagabend mit Richard erlebte hatten.“ (O’Connor; Seymour, 1992, S. 263 f.)

Im wesentlichen ist „Modellieren“ ein Verfahren, bei dem darum geht, spezifische Fertigkeiten eines Menschen für andere erlernbar und nutzbar zu machen. Bei dieser Methodik wird zunächst ein Vorbild ausgewählt, und anschließend bei der Ausführung des interessierenden Verhaltens systematisch und genau beobachtet und anschließend dazu befragt. Im Anschluß werden unter Zuhilfenahme von Modellvorstellungen grundlegende Regeln und Muster des Verhaltens abgeleitet. Diese werden dann nachgeahmt und ausprobiert sowie auf ihre Wirksamkeit getestet. (Weerth, 1992, S. 8)

Ursprünglich war das „Modellieren“ in den USA im Bereich der Verkaufstrainings unter der Bezeichnung „Master-Modelling“ angewendet worden. Zum ersten Mal setzten nun Bandler und Grinder dieses Verfahren in der therapeutischen Kommunikation ein. Ermöglich wurde dies, da John Grinder zum Zeitpunkt seiner Begegnung mit Richard Bandler bereits damit experimentiert hatte, das Erlernen von Sprachen zu modellieren. (Walker, 1996, S. 30)

In die Zusammenarbeit mit Bandler brachte Grinder also zuerst sein linguistisches Wissen und seine Kenntnisse über den Prozeß der Modellbildung mit ein. Bandler verfügte über Erfahrungen im Bereich der zeitgenössischen psychotherapeutischen Schulen wie Gestalttherapie, Familientherapie, Rolfing und in Reichianischer Körperarbeit. Zusätzlich verfügte Bandler über ein bemerkenswertes Talent über das erfolgreiche Nachahmen von Verhalten. (Walker, 1996, S. 30)

Die in der Anfangszeit experimentell und weitgehend gestalttherapeutisch ausgerichteten Gruppen von Bandler und Grinder waren in der Gegend von Santa Cruz bald fester Bestandteil der Gruppenaktivitäten. Wie ausgefallen die Aktivitäten waren, wird von Terence McClendon in seinem Buch „The Wild Days, NLP 1972 - 1981“ ausführlich beschrieben. Auch die Persönlichkeit von Richard Bandler, der – gemessen an seinem jungen Alter – sehr energisch die Verwirklichung seiner Projekte vorantrieb, gab diesen Gruppen von Beginn an eine besondere Note. Seine Grundhaltung spiegelte sich in einer von ihm häufig genutzten Redewendung wieder: „GO FOR IT … NOW!!!“ – „TU ES … JETZT!!!“ (Walker, 1996, S. 30)

3.2 John Grinder

John Thomas Grinder (* 10.01.1939 in Michigan, USA) studierte an der University of San Francisco und schloß diese mit einem B.A. in Psychologie ab. Nach seinem Studium trat er in das Militär ein. Er erreichte den Dienstgrad eines Captain bei den US Special Forces, und war in Europa in Deutschland, Italien und Jugoslawien eingesetzt. Er arbeitete anschließend für die CIA. Nach dem Ende seiner Dienstzeit studierte er Anglistik und Linguistik. Er schloß sein Studium mit einem Ph.D. an der University of California, San Diego im Jahr 1971 ab. Seine Dissertation hat den Titel „On Deletion Phenomena in English“, diese wurde 1976 bei Mouton veröffentlicht. Anfang der 70er Jahre hatte er sich bereits einen Namen in der auf Noam Chomsky zurückgehenden Schule der Transformationsgrammatik gemacht. Er war nun als Assistenzprofessor unter Gregory Bateson am Kresge College tätig. (Walker, 1996, S. 28 u. http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/John_Grinder [30.11.2014].)

4. Priori Incantatio

„Priori Incantatio“ ist lateinisch und bedeutet der „erste bzw. vorherige Zauber“. Diese Kapitelbezeichnung wurde gewählt, weil Bandler und Grinder ihr erstes Buch unter dem Namen „The Structure of Magic“ veröffentlichten. In diesem Kapitel werden nun die Grundlagen und die Personen beschrieben, auf die sich Bandler und Grinder bei der Entwicklung des NLP hauptsächlich bezogen haben, u. a. jene „Zaubertherapeuten“ die Modell für die Neuro-Linguistische Programmierung standen, sowie bedeutungsvolle weitere wichtige Ansätze. Um NLP wirklich zu verstehen, ist dieser Blickwinkel von zentraler Bedeutung.

4.1 Gregory Bateson

Gregory Bateson (* 09.05.1904 in Grantchester, England - † 04.07.1980 in San Francisco, Kalifornien, USA) wurde als dritter Sohn des Genetikers William Bateson geboren. Er studierte ab 1922 an der Universität von Cambridge Zoologie und später Anthropologie. 1925 beendete er sein erstes Studium.

Er betrieb in den 30er Jahren Feldforschungen in Neu-Guinea. 1932 lernte er bei einem Studienaufenthalt in Neu-Guinea die berühmte Anthropologin Margaret Mead kennen, die später seine Frau wurde. 1933 kam er nach England zurück, und bemühte sich seine Beobachtungen zu strukturieren. Er entwickelte ein neuartiges Modell der Persönlichkeitsbildung aus kulturell standardisierten Mustern der Interaktion. Die Resultate wurden 1936 im Buch „Naven“ veröffentlicht. (Bateson, 1936) Sein ebenfalls 1936 veröffentlichtes Buch „A Survey of the Problems suggested bye a Composite Picture of the Culture of a New Guinea Tribe drawn from Three Points of View“ schrieb er bereits in Neu Guinea. Anschließend arbeitete er als Ethnologe, dabei standen Fragen der Evolutionstheorie im Mittelpunkt seiner Forschungen. Zusammen mit Norbert Wiener und John von Neumann war er ab 1942 an den ersten Entwicklungen der Kybernetik und der Informationstheorie beteiligt. Dieses Feld der Wissenschaft half ihm neue Erkenntnisse über die zwischenmenschliche Kommunikation zu gewinnen, an der er eine sehr lange Zeit reges Interesse bekundete. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete er in der ganzen Welt für das Office of Strategic-Services. Dabei bereiste er: China, Burma, Ceylon und Indien.

Im Jahr 1947 wurde er Gast-Professor für Anthropologie an der Harvard University. Danach arbeitete er in San Francisco am „Langley Porter Neuropsychiatrie Institute“ und am „Palo Alto Veterans Administration Hospital“, hier entwickelte er die „Double Bind-Theorie“.

In den Jahren 1963 und 1964 war er Direktor des „Communication Research Institute“ in St. Thomas, U. S. Virgin Islands und von 1964 bis 1972 war er am „Oceanic Institute“ in Hawaii beschäftigt. In dieser Zeit studierte er auch Kommunikationswissenschaften. Bateson befaßte sich während seines Lebens mit vielen Wissenschaften, insbesondere interessierte er sich für Zoologie, Psychologie, Anthropologie und Ethnologie. (http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Gregory_Bateson [30.11.2014].)

Bateson gilt als einer der bedeutendsten und fruchtbarsten Denker des 20. Jahrhunderts. Morris Berman, einer der angesehener Wissenschaftshistoriker, bezeichnete die Arbeit von Bateson als „eine der kreativsten intellektuellen Unternehmungen … , die je ein einzelner eingegangen war“. (Berman, 1985, S. 220) Ohne die vielfältigen Anstöße von Bateson wären systemtheoretisch fundierte Therapieansätze undenkbar. Sein Lebenswerk war zugleich grundlegend für viele ganzheitliche Anschauungen, die bis heute das wachsende ökologische Bewußtsein in der westlichen Welt zum Ausdruck bringen. (Berman et. al., 1986, S. 131 – 152)

Batesons Werk ist trotz seiner enormen Bedeutung nur einem kleinen Publikum bekannt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Seine Ideen sind recht ungewöhnlich. Er war ausgebildeter Anthropologe, dennoch bemühte er sich zeitlebens um Erkenntnisse, die transkulturell gültig waren. Bateson lehnte Ideen ab, die nur eigene kulturelle Prägungen ideologisch zuließen oder überhöhten. Mit seinen Gedankengängen ging er oft über gewohnte Denkrahmen hinaus. Er nutzte ohne zu zögern die Erkenntnisse unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen wie Anthropologie, Psychologie, Soziologie, Linguistik, Zoologie, Botanik, Geschichte, Kunst und Kybernetik um seine Ideen zu erläutern. Seine Ideen verweigern sich deshalb einfachen Reduktionen auf schlichte Kernaussagen. Weiter ist seine Sprache in vielerlei Hinsicht unkonventionell und verwirrend. Dadurch wird der Zugang zu seinen Texten erschwert. (Walker, 1996, S. 58)

4.1.1 Das Werk Batesons

Nach den anthropologischen Studien der 30er Jahre beschäftigte sich Bateson ab Anfang der 40er Jahre mit den Fragen sozialer Lernprozesse. 1935 heiratete Bateson Margaret Mead. Im März 1936 reiste das Paar nach Bali. Sie erforschten dort zwei Jahre lang verschiedene Gegenden. Neben den Interviews und den Notizen fertigten sie erstmals Filme und Fotografien an. 1939 gingen sie nach New York und werteten die Unterlagen dort aus. (Walker, 1996, S. 62) Im Jahr 1942 veröffentlichten sie das Buch „Balinese Character. A Photografic Analysis“. (Bateson; Mead, 1942)

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Details

Seiten
149
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656945796
ISBN (Buch)
9783656945802
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296344
Institution / Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung – Departement für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin
Note
2
Schlagworte
Neuro-Linguistisches Programmieren NLP Coaching NLPt Neuro-Linguistische Psychotherapie Personalentwicklung ROI von Coaching DVNLP Coach Business Coaching Business Coach Erfolg von Coaching Coachee Klient Mediation Beratung Training Counseling

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Titel: Neuro-Linguistisches Programmieren im Coaching