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Wahrheitstheorien. Korrespondenztheorie der Wahrheit und Pragmatische Wahrheitstheorie

Ausarbeitung 2011 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Korrespondenztheorie
2.2. Pragmatische Wahrheitstheorie
2.3. Konsensustheorie
2.4. Allgemeines Programm der Konsenstheorie
2.5. Kohärenztheorie
2.6. Die sprachpragmatische Wahrheitstheorie
2.7. Die interpersonale Verifikationstheorie der Erlanger Schule
2.8. Die dialogische Wahrheitstheorie von Kuno Lorenz
2.9. Kritik an der Theorie von Kuno Lorenz
2.10. Konrad Lorenz

3. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eines der grundlegenden Probleme der Philosophie ist die Frage nach Wahrheit. Was ist wahr? Was macht etwas wahr oder falsch? Wie sind wahr und falsch unterscheidbar? Wie erlangen wir Wahrheit? Eine Wahrheitstheorie ist eine philosophische Theorie darüber, was als wahr oder falsch, aber auch als paradox festgestellt werden kann. Solche Theorien behandeln dabei insbesondere das Verhältnis von Realität und Erkenntnis und die Frage, wie Erkenntnis generell und wahre Erkenntnis im Besonderen erreicht werden kann. In der Sprachphilosophie stellt sich vor allem die Frage, wann Aussagen über die Welt als wahr gelten können. In der Philosophie gibt es verschiedene Auffassungen darüber, was Wahrheit ist, hervorzuhebende Wahrheitstheorien sind die Korrespondenztheorie, die Konvergenztheorie und die Kohärenztheorie der Wahrheit, die im Folgenden näher erklärt werden sollen.

2. Hauptteil

2.1. Korrespondenztheorie

Ihre Vertreter sind unter anderem Aristoteles und Kant. Nach dieser Theorie besteht die Wahrheit einer Aussage in ihrer Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Eine Aussage ist dann wahr, wenn der von ihr behauptete Sachverhalt tatsächlich besteht. Die Wahrheit eines Satzes hängt nicht von unserer Meinung oder dem Kontext ab und ist überzeitlich gültig. Aristoteles äußert sich dazu wie folgt: „die Sätze sind entsprechend wahr, wie es die Dinge sind“1. Nach Kant handelt es sich hier um die „Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Gegenstande“.2 Erkenntnis ist ein Angleichungsprozess, wobei „die Wahrheit als Angleichung des erkennenden Verstandes (intellectus) an das erkannte Ding (res) entsteht“.3

Es gibt drei Varianten der Korrespondenztheorie

1. Von Wittgenstein und Russell. Sie fassen diese „Angleichung“ als eine Strukturgleichheit von Aussage und Wirklichkeit auf. „Eine wahre Aussage stellt eine Tatsache dar“, die ganze reale Welt besteht aus Tatsachen. Daraus folgt nun, dass die ganze Welt prinzipiell durch wahre Aussagen beschrieben werden kann. Jede Tatsache lässt sich auch durch einen wahren Satz darstellen, und umgekehrt ließe sich auch zu jedem wahren Satz eine entsprechende Tatsache angeben.4
2. Von Tarski: Wahrheit ist ein semantischer und metasprachlicher Begriff.5 Die Aussage „der Schnee ist weiß“ ist genau dann wahr, wenn der Schnee weiß ist. Er will keine neue Definition von Wahrheit oder ein Wahrheitskriterium liefern, sondern er gibt Regeln dafür an, wie wir in einer logisch, exakten Sprache mit den Begriffen „wahr“ und „falsch“ umzugehen haben.6
3. Wahrheit ist nur ein fiktives oder reales Endziel der Forschung, die nur eine schrittweise Annäherung an die Wirklichkeit ergibt. Charles S. Peirce definiert Wahrheit als das ultimative Ziel des wissenschaftlichen Fortschritts: „Was wir unter Wahrheit verstehen, ist die Meinung, der es schicksalhaft bestimmt ist, zuletzt von allen Forschern bejaht zu werden, und das Objekt, das in dieser Meinung repräsentiert wird, ist das Reale“.7

Auch Popper war der Meinung, dass es kein Kriterium für die Wahrheit, sondern nur Kriterien für den Fortschritt in Richtung Wahrheit gebe. In den Forschungsprozessen werden ständig alte Theorien durch neue und bessere ersetzt. So kann eine Theorie nicht wahr sein, wenn sie jederzeit verworfen oder durch eine andere „wahrere“ ersetzt werden kann. Er führt deswegen den Begriff der Wahrheitsähnlichkeit ein, so werden Theorien wahrheitsähnlicher.8

Kritikpunkt daran ist, dass man die Übereinstimmung zwischen Satz und Tatsache gar nicht feststellen könne: „wir können immer nur Aussagen untereinander, aber nicht Aussagen mit Sachverhalten vergleichen. Denn wir nehmen die Welt nie unvermittelt, sondern immer durch unsere Sinnesorgane gefiltert wahr, wobei die Wahrnehmung die Welt durch unseren Verstand strukturiert wird.9

Kant sagt dazu folgendes: Wir sehen nie die „Dinge an sich“10, sondern immer nur Erscheinungen. Um aber beide Elemente der Wahrheitsrelation vergleichen zu können, müssten wir einen Standpunkt außerhalb der Welt einnehmen können, von dem aus uns die Tatsachen unmittelbar zugänglich sind. Wir nehmen nur eine interne Perspektive ein.

2.2. Pragmatische Wahrheitstheorie (James, Dewey)

Hier wird angenommen, dass sich wahre Theorien sich durch ihren Erfolg auszeichnen. Wahrheit ist, was nützlich und erfolgreich ist und daher auch historisch veränderlich und kontextabhängig. James äußert sich dazu mit folgender Behauptung: „Das Wahre ist, um es kurz zu sagen, nichts anderes als das was uns auf dem Wege des Denkens vorwärts bringt, so wie das Richtige das ist, was uns in unserem Benehmen vorwärts bringt“11.

Unter einer pragmatischen Wahrheitstheorie im ursprünglichen Sinne wird eine solche verstanden, nach der das wahr ist, was nützt. Wahrheit wird als Variante von Gutheit bzw. Nützlichkeit selbst interpretiert. Die Grundidee des Pragmatismus besteht darin, dass sich das Wesen von Objekten und Personen in deren Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Handlungen ausdrückt und sie so von den Wirkungen her bestimmt. Mit den Wirkungen sind Wert und Unwert verbunden.12

Im pragmatischen Wahrheitsverständnis wird die theoretische Kategorie nicht nur auf die ethische bezogen, sondern mit ihr konfundiert. Die Theorien dienen als Werkzeuge der Messung von Erfolg und Misserfolg: James: „Was ist (…) der Barwert der Wahrheit, wenn wir sie in Erfahrungsmünzen umrechnen“?13 Die Wahrheit wird hier nach Nützlichkeit- und Erfahrungskriterien bemessen. Das bedeute, dass keine Hypothese abzulehnen ist, aus der sich nützliche Konsequenzen für das Leben ziehen lassen.

Ein Beispiel von James: „Wenn die Hypothese von Gott im weitesten Sinne des Wortes befriedigt, dann ist sie wahr“.14 Hierbei wird einfach die Frage, ob Gott wirklich im Himmel existiert, als unwichtig übergangen, wenn er eine nützliche Hypothese ist, so genügt das. James interessiert die Religion als menschliches Phänomen, Gott ist für ihn kein wirkliches Wesen, sondern bloß eine menschliche Vorstellung mit guten Konsequenzen. Nur der Glaube hat die guten Wirkungen, nicht die Existenz Gottes.

Die Aufgabe der Philosophie ist es, herauszufinden, welche Rückwirkung diese oder jene Verhaltensweise oder Weltsicht von Objekten und Personen auf das Leben macht. Eine Idee ist solange „wahr“, wie es nützlich ist für unser Leben, an sie zu glauben. Und zwar müssen wir das wissen, bevor wir erkennen können, dass irgendetwas ‚wahr‘ ist; denn erst nachdem wir entschieden haben, dass die Wirkungen eines Glaubens gut sind, können wir ihn mit Recht als „wahr“ bezeichnen.15

Kritik von Russel an diese These: „diese pragmatische Wahrheitsauffassung bereitet mir große gedankliche Schwierigkeiten. Sie nimmt an, dass ein Glaube ‚wahr‘ sei, wenn er gute Auswirkungen hat(…)“.16 Es versteht sich von selbst, dass vieles wahr ist, was keine nützlichen Folgen hat, sondern ausgesprochen schädlich oder wertneutral ist, und dass es andererseits viele nützliche Auswirkungen von Annahmen und Vorstellungen gibt, die in keiner Weise wahr genannt werden können. Die Gleichsetzung von Wahrheit mit Erfolg ist falsch, denn auch eine Lüge kann erfolgreich und nützlich sein. Erfolgreiche Theorien können sich als Lügen erweisen, aber auch umgekehrt können erfolglose Theorien zu einer allgemein akzeptierten Lehrmeinung werden. Wir sollten uns daher hüten, Wahrheit blindlings mit Erfolg gleichzusetzten.17

2.3. Konsensustheorie (Habermas)

Eine Aussage ist wahr, wenn sie allgemein akzeptiert wird. Wahrheit ist ein diskursiver Konsens. Habermas sagt dazu: „die Bedingung für die Wahrheit von Aussagen ist die potentielle Zustimmung aller anderen“ und „wahr nehmen wir Sätze, deren Geltungsanspruch von jedem vernünftigen Menschen anerkannt werden muss“.18 Wahrheit ist nicht einfach die Meinung der Mehrheit, die per Abstimmung entschieden wird. Es müssen zusätzlich ideale Bedingungen erfüllt sein, damit ein per Konsens angenommenes Urteil als wahres Urteil akzeptiert werden kann. Dazu gehört eine sogenannte „ideale Sprechsituation“.

Damit eine ideale Sprechsituation vorliegt, fordert Habermas einen „herrschaftsfreien Diskurs“. Der Diskurs darf nicht durch die Ausübung von Druck und Zwang verzerrt werden, alle Diskussionsteilnehmer müssen gleichberechtigt sein. Keine Meinung darf der Kritik entzogen bleiben. Der Diskurs kann nur funktionieren, wenn Einigkeit besteht, welche Äußerung zugelassen sind und welche nicht. Kritisiert werden hier die hohen Anforderungen an den Diskurs, die in der Praxis kaum anwendbar sind, denn menschliche Schwächen und irrationale oder subjektive Haltungen fließen dabei immer mit ein.

[...]


1 Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, S. 27.

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Vgl. Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, S. 27f.

5 Vgl. Skirbekk, Wahrheitstheorien, S. 142.

6 Vgl. Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, S. 28.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. ebd., S. 29.

10 Ebd., S. 29.

11 Ebd.

12 Vgl. Gloy, Wahrheitstheorien, S. 222f.

13 Vgl. ebd., S. 223.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd.

16 Gloy, Karen: Wahrheitstheorien, S. 224.

17 Vgl. Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, S. 30.

18 Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, S. 30. 4

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656949756
ISBN (Buch)
9783656949763
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296306
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Philosophie
Note
1,5
Schlagworte
wahrheitstheorien korrespondenztheorie wahrheit pragmatische wahrheitstheorie

Autor

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Titel: Wahrheitstheorien. Korrespondenztheorie der Wahrheit und Pragmatische Wahrheitstheorie