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Die Rolle des Journalisten im Film des New Hollywood am Beispiel von Alan J. Pakulas "All the President’s Men" (1976)

Hausarbeit 2014 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wie geht New Hollywood mit dem Journalisten um?

2. New Hollywood - Ein neues cinematografisches Selbstverständnis

3. Ein kurzer Überblick über den Watergate-Skandal und die gesellschaftliche Lage der USA

4. Darstellung des Journalisten im Film „All The President’s Men“
4.1. Charaktereigenschaften des Journalisten im Film
4.2. Der journalistische Blick auf die Medien Zeitung und Fernsehen
4.3. Der journalistische Beitrag zur Aufklärung der Watergate Affäre

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Wie geht New Hollywood mit dem Journalisten um?

Vor einigen Jahren waren gewisse Journalisten in England negativ in die Presse gekommen, weil diese Anrufbeantworter abgehört und sich somit illegal Zugang zur Privatsphäre von Politikern, Prominenten und Sportlern verschafften.1 Doch wieso greifen Journalisten zu solch perfiden Methoden? Blickt man zurück in die journalistische Weltgeschichte, so wird immer wieder ein Thema erwähnt, wenn es um eine große Aufklärungsstory geht: Watergate. In dieser Arbeit will ich das Thema filmhistorisch aufarbeit und auf die Frage eingehen, wie die Ära des New Hollywood mit dem Journalisten und seiner Arbeit umgeht. Wird dieser als gemeiner Sensationssucher oder als selbstloser Wahrheitsheld porträtiert? Um diese Fragen beantworten zu können will ich einen Film im geschichtshistorischen Kontext analysieren. Im ersten Schritt will ich auf die wirtschaftliche Situation (New) Hollywoods eingehen, um daraufhin die gelesellschaftliche Lage während des Watergate Skandals zu beleuchten. Aufbauend auf den Erkenntnissen will ich den ersten großen journalistischen Politik-Thriller „All the President’s Men“ (1976) und seinen Umgang mit der Rolle des Journalisten untersuchen und am Ende werde ich die Ergebnisse zusammentragen.

2. New Hollywood - Ein neues cinematografisches Selbstverständnis

In diesem Abschnitt will ich die Kernelemente des New Hollywood umreißen, um ein besseres Verständnis für die Produktionszeit zu erlangen, in dem der Film „All the President’s Men“ entstanden ist. Denn es war vor Beginn der New Hollywood Ära nicht erdenklich, dass ein solch brisantes, politisches Thema in so einem großen Rahmen inszeniert wird. Wie kam es also dazu, dass Robert Redford die Filmrechte für 450.000 $ erwarb und ein Budget von 5 Millionen € (23,7 Mio. € Inflationsbereinigt) für den Film ansetzte?2 Hierzu müssen wir einen genaueren Blick auf die wirtschaftliche- und ökonomische Lage Hollywoods im speziellen, aber auch der US-Gesellschaft im allgemeinen während der 60er Jahren werfen.

In seinem Werk „Kino im Aufbruch“ (2007) arbeitet der Autor Lars Damman vor allem 4 Themenfelder heraus, die zur Etablierung und Förderung neuer Filmtypen führten, zu dem auch der politische journalisten Thriller „All the President’s Men“ zählt. An erster Stelle sei der Fall Paramount erwähnt:

Bis zum Jahre 1948 durchzog Hollywood ein undurchsichtiges Studiosystemgeflecht, welches vor allem eine Benachteiligung von kleineren Produktionen und Kinos bedeutete. Nachdem das oberste US-Gericht im besagten Jahr die großen Produktionsfirmen Hollywoods, welche durch Paramount vertreten wurden, zu Transparenz aufforderte, wurden die „kartellartigen Strukturen“3 offensichtlich. So mussten Kinobesitzer z.B. Filme abnehmen, ohne den Titel zu kennen genannt „blind booking“ oder gar Filme im Paket abnehmen („block booking“).4 Selbstredend, dass kleinere, studiounabhängige Produktionen hiedruch massiv benachteiligt waren. Die Auflösung dieser Strukturen führte wiederum dazu, dass das Filmgeschäft grundsätzlich stark geschwächt wurde, da das Ziel dieser Absatzmaßnahmen vor allem eins war: (Finanzielle-) Sicherheit. Durch die Aufhebung der Absatzsicherung in Form von blind oder block booking wurden Investoren wie Banken oder Versicherungen ein Stück der return on investement Sicherheit genommen.5

Doch dieses war nur ein brüchiger Baustein im bröckelnden Hollywood Bau, welcher von einer weiteren technologischen Entwicklung verstärkt wurde: Das (Farb-) Fernsehen. Zwar wurde der Fernseher bereits im Jahre 1939 in den USA eingeführt, jedoch dauerte es aufgrund hoher Preise noch einige Jahre, bis sich dieses Medium in den heimischen 4-Wänden als wesentliches Unterhaltungsmittel durchsetzte. Vor allem die Farb TV-Premiere des Walt Disney Films „Wonderful World“ im September 1961 führte zum großem Publikumsinteresse, welches mehr Konsumenten davon überzeugte, einen Farb-Fernseher zu kaufen.6 Da die bewegte Unterhaltung nun nicht mehr auf das Kino angewiesen war, versuchten die Kinostudios mit Blockbustern, groß inszenierten Produktionen mit bekannten Schauspielern und hohen Produktions- und Marketingbudgets, die Zuschauer wieder zurück auf den Kinosessel zu locken. Eindrucksvoll zeigt das Budget des Films Cleopatra (1963) mit 44 Mio. $ (325 Mio. $ Inflationsbereinigt) wie sehr sich ein Film Studio in einen Blockbuster reinsteigern konnte. Noch heute zählt dieser zu den teuersten Filmen aller Zeiten7, welcher dabei fast zum Bankrott der Produktionsfirma 20th Century Fox führte.8

Die negative Kinosituation wurde noch um zwei weitere Facetten ergänzt, welche ich zum Schluß dieses Abschnittes grob skizzieren werde. Zum einen sah sich das Kino mit einer neuen gesellschaftlichen Situation konfrontiert. In den 50er Jahren wuchs der Wohlstand in den USA und damit einhergehend auch die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

„Neue Sportarten wie Wellenreiten, Surfen oder Skateboarding, aber auch das Musikhören oder das Reisen und ihre Industrien teilten sich mit dem Kino einen diversifizierten Freizeitmarkt, auf dem das Klientel ihr zur Verfügung stehendes Geld nun breiter streute.“9

Darüberhinaus zogen viele junge Familien raus aus der Stadt in Vororte und gaben ihr monatliches Haushaltsbudget für familiäre-, oder wohlstands- Gegestände wie Autos oder Stereoanalagen aus.10 Dies führte zum anderen dazu, dass aufgrund fehlender Einnahmen viele (Filmkunst-) Kinos schließen mussten. „Im Zeitraum von 1948 bis 1963 sank die Anzahl der Kinos in den USA um 32% von 18.631 auf 12.652“.11 All dies führte nicht dazu, dass das Hollywood Kino unterging, sondern vielmehr wurde an dieser Stelle der Nährboden für eine neue, frische, innovationsorientierte Independent-Kultur geschaffen. Genau dieses war die Zeit, in der Robert Redford mit seiner eigenen Produktionsfirma Redford's Wildwood zusammen mit dem Regisseur Alan J. Pakula mit dem Film „All the President‘s Men“ die Rolle des Journalisten groß in einem Politik-Thriller in (New) Hollywood etablierten.

„Pakula headlined a style and vision for the political thriller that forsook many trademak Hollywood elements and yet at the same time demonstrated the historical precedents and key influences that directed his work and this sub-genre of political movies during the decade“.12

Diese bis dahin noch nicht gekannte Inszenierung, vor allem des Journalisten, fand großen Anklang und führte zu einem großen Erfolg des Films. So konnten z.B. Oscars für: Beste Film Adaption, beste Art Direction eingeräumt werden und dem geschätzten Budget von 8,5 Mio $ stehen einem Erfolg von 70,6 Mio. $ gegenüber.13

Doch wie kam es dazu, dass ein solch komplexes politisches Thema auf so große Resonanz stieß, wo man doch normalerweise davon ausgeht, dass ein Hollywood Film vorwiegend einen Unterhaltungswert mit einfachen, verständlichen Handlungssträngen hat? Dieser Frage will ich im nächsten Kapitel nachgehen, in dem ich bündig auf die wesentlichen Ereignisse von Watergate während der Nixon Ära eingehen, um die vielschichtige Thematik ganzheitlicher verstehen zu können.

3. Ein kurzer Überblick über den Watergate-Skandal und die gesellschaftliche Lage der USA

Klebeband: Ein Stoff, welcher eigentlich zwei oder mehr Teile zusammenführt und diese dann zusammenhält wirkte in der politisch brisanten Zeit der 70er Jahre in den USA als genau das Gegenteil: Nämlich als Trennmittel, welches zur Überführung der Einbrecher in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate Gebäude führte. In diesem Abschnitt will ich die für das Verständnis des behandelten Films wesentlichen Vorfälle des Watergate-Skandals zusammentragen, um ein genaueres Bild davon zu erlangen, wie es dazu kam, dass Richard Nixon am 9. August 1974 als bisher einziger US-Präsident zurücktreten musste.

Der Watergate-Skandal beschreibt eine Reihe von Ereignissen, welche am 17. Juni 1972 ihren öffentlichen Startschuss erhielten. An dem besagtem Datum versuchten 5 Männer im Auftrag des Nixon Wahlkommitees Abhörwanzen im Büro der Demokratischen Partei zu installieren und Einsicht in wichtige Dokumente zu erhalten. Die Einbrecher sind aufgeflogen, weil sie wiederholt versuchten eine Tür mit einem Klebeband offen zu halten, welches jedoch von den Sicherheitsmitarbeitern entdeckt wurde.14 Die zwei Washington Post Reporter Carl Bernstein und Bob Woodword wurden auf den Einbruch aufmerksam und begannen eine intensive Recherchearbeit, welche das undurchsichtige politische Geflecht Nixons auflösen sollte. Durch die stetige Berichterstattung in der Washington Post zu diesem Thema wuchs der Druck auf den Präsidenten, welcher zu Beginn alle Anschuldigungen, dass er in dem Watergate Fall involviert sei, dementierte. Doch wie sich auf Untersuchungen des FBIs und der Washington Post Reporter hin herausstellte war der Präsident direkt in diesem Sachverhalt und diversen anderen Aktivitäten involviert, welche nicht legale Maßnahmen nutzten, um sich Vorteile zu verschaffen (z.B.: Illegale Wahlkampffinanzierung).

[...]


1 Krönig, Jürgen: Der große Lauschangriff des Boulevard. In: zeit.de, URL: http://www.zeit.de/online/2009/29/england-abhoer-skanda l (13.03.2014).

2 Shales, Tom; Zito, Tom und Smyth, Jeannette: When Worlds Collide: Lights! Camera! Egos! In: WashingtonPost.com, URL: http://www.washingtonpost.com/wp- srv/style/longterm/movies/features/dcmovies/postinfilm.htm (13.03.2014).

3 Vgl. Damman, Lars: Kino im Aufbruch. Marburg, 2007 S. 21.

4 Ebd.

5 Ebd. S. 22.

6 McGinn Spring, Kathleen: The Story of Color Television In: PrincetonInfo.com, URL: http://161.58.97.168/200111/11114c01.html (13.03.2014).

7 Acuna, Kirsten: The 25 Most Expensive Movies Ever Made In: businessinsider.com, URL: http://www.businessinsider.com/most-expensive-movies-ever-made-2012-12?op=1 (13.03.2014).

8 Whitney, Erin: 'Cleopatra': 25 Things You Didn't Know About the Elizabeth Taylor Classic In: moviefone.de, URL: http://news.moviefone.com/2013/06/12/cleopatra-25-things-you-didnt-know-about- the-elizabeth-taylo/ (13.03.2014).

9 Vgl. Damman, Lars: Kino im Aufbruch. Marburg, 2007, S. 25.

10 Ebd.

11 Ebd. S. 27.

12 Scott, Ian: American Politics in Hollywood Film. Edinburgh, 2011 S. 137 f.

13 Vgl. IMDB In: http://www.imdb.com/title/tt0074119/business?ref_=tt_dt_bus (13.03.2014).

14 AnotherPeakDoku: Die Watergate Affaere: All The Presidents Men (2004). In: Youtube, 21.03.2013, URL: https://www.youtube.com/watch?v=1PqVMf4GwXs (13.03.2014).

Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656945017
ISBN (Buch)
9783656945024
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296226
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Medienkultur und Theater
Note
2,0
Schlagworte
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