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Der Fettmilch-Aufstand in Frankfurt 1614. Wirtschaftliche und religiöse Ursachen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 19 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur wirtschaftlichen Situation Frankfurts

3 Zur religiösen Ordnung Frankfurts

4 Zum Verlauf des Aufstandes
4.1 Der Ausbruch der Unruhen 1612
4.2 Der Bürgervertrag von 1612/13
4.3 Der Aufstand

5 Forderungen der Bürger
5.1 Religiöse Forderungen
5.2 Wirtschaftliche Forderungen

6 Schluss

7 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit einer ersten Supplikation (Bittgesuch) der Frankfurter Bürgerschaft an den Rat der Stadt im Jahr 1612 beginnt ein Ereignis in Frankfurt am Main, das bis 1616 dauert und als Fettmilch-Aufstand bekannt geworden ist. Dieser Aufstand bleibt der Frankfurter Nachwelt, wie dem jungen Goethe, der 150 Jahre später über die am Brückenturm der Stadt aufgespießten Köpfe der Anführer des Aufstandes berichtete1, lebhaft im Gedächtnis. Dies könnte zumindest noch einen Hinweis darauf geben, wie relevant dieser Aufstand für die zeitgenössische und später lebende Frankfurter Bevölkerung war. Der Zorn des Volkes entlud sich während des Fettmilch-Aufstandes hauptsächlich gegen die Frankfurter Juden. Diese Arbeit soll die tatsächlichen Ursachen erläutern, die zum Fettmilch-Aufstand führten und dabei insbesondere auf die religiöse und wirtschaftliche Situation in der Stadt eingehen. Weiterführend sollen die daraus resultierenden wirtschaftlichen und religiösen Forderungen der Bürgerschaft betrachtet werden.

Zur Entstehung und dem Verlauf des Fettmilch-Aufstands gibt es einige, breit gefächerte Literatur. Schon während des Aufstandes entstand eine Flut von zeitgenössischen Schriften und Darstellungen wie das Diarium historicum, eine sehr ausführliche Dokumentation der Geschehnisse.2

Bemerkenswert ist, dass Friedrich Bothes umfassendes Werk mit zahlreichen urkundlichen Belegen, meistenteils in den von mir eingesehenen Werken zum Fettmilch-Aufstand als Quelle herangezogen wird. 3 Matthias Meyns Darstellung wird besonders zur Beschreibung der wirtschaftlich-religiösen Verhältnisse Frankfurts des frühen 17. Jahrhunderts verwendet.4 Während des Fettmilch-Aufstandes kommt es zu gewaltsamen Übergriffen und zur Vertreibung der Frankfurter Juden. Aufgrund zahlreicher Faktoren können die Juden in Frankfurt im 17. Jahrhundert als Minderheit bezeichnet werden; beispielhaft kann hier ein Nachteil in der Rechtsstellung und ein Abweichendes religiöses Bekenntnis genannt werden. Über den Umgang mit den Juden während des Fettmilch-Aufstandes kann man nicht nur Informationen zu dieser Minderheit, sondern auch Erkenntnisse zur Mehrheit der Gesellschaft erhalten. Es ist möglich sich der Gesellschaft Frankfurts im 17. Jahrhundert durch genauere Betrachtung des Fettmilch-Aufstandes zu nähern. Dabei können Erkenntnisse zur städtischen Strafjustiz, zur Lebensweise einzelner Bürger, zum Aufbau der städtischen Gesellschaft, zur Akzeptanz der Hierarchien sowie zur Reaktion der Bevölkerung auf eine wirtschaftliche Depression und zu zahlreichen weiteren Themen gewonnen werden.

Um die Handelnden und ihre Motive in Frankfurt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu verstehen, werden im Folgenden zunächst die wirtschaftlich-religiösen Umstände der Stadt betrachtet.

2 Zur wirtschaftlichen Situation Frankfurts

Frankfurts wirtschaftliche Lage war zu Beginn des 17. Jahrhunderts schlecht und die Stadt blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg in einer Depression.

Dies lag unter anderem an einer „repressive[n] Politik“ des Rates der Stadt gegenüber den niederländischen Calvinisten, die ihre Tätigkeit daraufhin in Hanau fortführen und Frankfurt am Main verließen. Diese Bevölkerungsgruppe war jedoch hauptsächlich in der Luxusindustrie und im Handel tätig und trug somit maßgeblich zum Einkommen vieler Frankfurter Bürger bei. Das Wegziehen der niederländischen Calvinisten führte dazu, dass sich die wirtschaftliche Situation vieler Frankfurter Bürger verschlechterte, denn es beeinflusste auch weitere Branchen direkt.5

Der stetige Preisanstieg, bei konstant bleibenden Löhnen, beeinträchtigte die Bürgerschaft zusätzlich. Als Beispiel kann man den durchschnittlichen Tagelohn einer Weingärtnerin mit dem Gleichwert in Liter Korn vergleichen. Erhielt man im Jahr 1587 noch 3,4 Liter Korn für einen Tagelohn einer Weingärtnerin sank der Gleichwert bis zum Jahr 1611 auf 3 Liter.6 Gerade im Lebensmittelsektor war eine Preissteigerung eine starke Bürde für die Bevölkerung. Die Preissteigerung kann an der Entwicklung des Weizenpreises von einem Achtel Weizen von 2,5 Gulden im Jahr 1577 über 3,5 Gulden im Jahr 1608 bis hin zu 5,5 Gulden kurz vor dem Ausbruch der Unruhen im Jahr 1612, gezeigt werden.7 Meyn spricht in seinen Ausführungen von einem Preisanstieg von weit mehr als 100% von 1560 bis 1610.8 Unterschiedliche Faktoren begünstigten den Preisanstieg. Die Getreidepreise, und somit die Brotpreise, stiegen auch an, weil der Rat das Getreide mit hohen Steuern belegte. Mit den Einnahmen aus den Steuergeldern wurde der städtische Haushalt finanziert, dabei musste jedoch viel Geld für den Ausgleich von Schuldzinsen aufgewendet werden.9 Angesichts der hohen Schuldzinsen zeigte sich eine starke Verschuldung des Haushaltes der Stadt, welche ein Symptom einer wirtschaftlichen Krise ist. Als weitere Ursache für den starken Preisanstieg um das Jahr 1612 kann auch die bevorstehende Kaiserwahl genannt werden, die dafür sorgte, dass die Anzahl der in der Stadt Anwesenden anstieg. Darüber hinaus könnte die gestiegene Bevölkerungszahl die Preissteigerung begründet haben. Dabei rechnet Matthias Meyn mit einem maximalen Anstieg von 66% von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis in die 1610er Jahre. 10

Die begünstigten Faktoren wie ein Preisanstieg bei konstant bleibenden Löhnen oder eine hohe Verschuldung der Stadt treiben eine Krisentendenz im Frankfurt des frühen 17. Jahrhunderts voran. Eine solche Krisentendenz führt zu Unmut, denn die Faktoren wirken direkt auf die Bevölkerung der Stadt. Diese Unzufriedenheit der Bevölkerung wurde später zu einer erheblichen Gefahr für das Gesellschaftssystem Frankfurts. Daher wird die wirtschaftliche Situation als eine der Kernursachen für die Unruhen und den daraus resultierenden Aufstand gesehen.

3 Zur religiösen Ordnung Frankfurts

Frankfurt war eine protestantische Reichsstadt, in der es drei religiöse Minderheiten gab. Es lebten knapp 1.000 Katholiken, 2.500 Juden und fast 3.000 calvinistische Niederländer in Frankfurt.11 Die herrschende Patrizierschicht war lutherisch und versuchte religionspolitisch eine Vereinheitlichung des Bekenntnisses voran zu treiben indem restriktiv in die reformierten Gemeinden eingegriffen wurde. 12 Die reformierten Gemeinden bestanden aus niederländischen Exulanten. Ihnen wurde besonders wegen ihrer technischen Kenntnisse Zuflucht in Frankfurt gewährte. Weiterhin entwickelten sie sich jedoch zu einer wirtschaftlichen Konkurrenz für die lutherische Bevölkerung. Es folgte als Reaktion die restriktive Politik des Rates. Die niederländischen Exulaten blieben durch ihre eigene Sprache und Religion ein Fremdkörper in der Frankfurter Gesellschaft. Dieser Fremdkörper war jedoch wirtschaftlich in einer vorteilhaften Situation. Dies legte den Vorwurf der Bürgerschaft nahe, dass es ihnen auf Kosten der restlichen Frankfurter Bevölkerung gut ginge. 13 Ihr Dasein als mögliche Gegengesellschaft zur Frankfurter bürgerlichen Gesellschaft zeigte sich auch an ihrer Selbstverwaltung mit einer eigenen Führung und Elite. Da diese Elite insbesondere in einer ökonomisch bevorteilter Lage war, wurde sie zu einer Konkurrenz für den Patrizier Rat der Stadt. Das führte zu Misstrauen gegenüber den Reformierten, seitens dem Frankfurter Patriziat.14

Im Bezug auf den Fettmilch-Aufstand darf die ethnische und religiöse Minderheit der Juden nicht außer Acht gelassen werden. Die circa 2.500 Juden der Stadt lebten in der Frankfurter Judengasse und hatten dort ihr eigenes Sozial- und Kulturleben. 15 Die sogenannte Judenstättigkeit regelte das Leben der Juden in der Stadt. In der Judenstättigkeit war festgelegt, dass die Juden dem Kaiser direkt unterstanden, damit entzogen sie sich der Macht des Rates.16 Die größten Einnahmequellen der Frankfurter Juden im 17. Jahrhundert waren das Kreditgeschäft und der Münzwechsel. Ursächlich dafür war hauptsächlich, dass die Juden gesetzlich aus allen ehrbaren Gewerben, die eine Zunftmitgliedschaft voraussetzten, ausgeschlossen waren. Einige Frankfurter Juden nutzen jedoch die Möglichkeit, dass die Judenstättigkeit sich in manchen Punkten sehr unklar ausdrückte. Einzelne wurden somit im Handel und im Handwerk besonders weil sie keine Zunftmitgliedschaft hatten zu Konkurrenten der Frankfurter Bürgerschaft. 17

Während der wirtschaftlichen Krise zu Beginn des 17. Jahrhunderts bekamen die Juden besonders die Feindseligkeit und Voreingenommenheit der Bürgerschaft zu spüren. Ursächlich hierfür ist wohl die Beteiligung der Juden am Kreditgeschäft sowie deren Konkurrenz zur Frankfurter Bürgerschaft.

Die Katholiken waren zahlenmäßig die kleinste religiöse Minderheit in der Stadt. Sie wurden jedoch immer wieder Gegenstand des Eingriffes von Erzbischöfen aus Mainz, die versuchten das religiöse Leben der Katholiken von Einschränkungen zu befreien. Der Zwiespalt, der sich zwischen der katholischen Minderheit und protestantischen Mehrheit ergab, trug zur unsicheren Gesamtlage in der Stadt bei.

Die Analyse der religiösen Zusammensetzung der Stadt Frankfurt hat ergeben, dass sich die religiösen und ethnischen Minderheiten oftmals dem direkten Eingreifen des Stadtrates entziehen konnten. Dies lag daran, dass Obrigkeiten, die nicht Teil der städtischen Gesellschaft waren, für sie zuständig waren. Denn sowohl die Juden, als auch die Katholiken hatten Obrigkeiten die nicht dem Rat der Stadt unterstanden und konnten sich somit deren Herrschaftsanspruch entziehen. Außerdem gab es durch eine reiche calvinistische Oberschicht eine konkurrierende Elite zum Rat die dessen Herrschaftsanspruch in Frage stellte. Dadurch wurden die Calvinisten zu einem schwer kontrollierbaren und schwer einschätzbaren Faktor, der die Instabilität der Stadt unterstreicht. 18

4 Zum Verlauf des Aufstandes

Um einen genaueren Einblick in das Geschehen zu erhalten, ist es unumgänglich einen Blick auf den Ablauf des Aufstands zu werfen. Die Folgende Erläuterung soll jedoch nur einen groben Überblick geben und dabei schon auf die Hauptmotive der Beteiligten eingehen.

4.1 Der Ausbruch der Unruhen 1612

Die im Juni des Jahres 1612 stattfindende Kaiserwahl des deutschen König Matthias wurde von den Zünften genutzt um ihr Missfallen an der wirtschaftlichen und sozialen Situation in der Stadt kund zu tun. Zuvor hatte die gesamte Frankfurter Bürgerschaft dem Kaiser und den Kurfürsten einen Eid geleistet, der nach Vorschrift der Goldenen Bulle, den Wählenden sowie dem Kaiser Sicherheit in der Stadt garantierte.19 Die Eidesformel beinhaltete, dass die Stadt Frankfurt, bei Verstoß gegen den Eid, all ihre Privilegien und Freiheiten verlieren würde.20 Daraufhin wurde von den Bürgern eingefordert, dass Sie über ihre Privilegien und Freiheiten informiert würden. Viele Bürger, waren davon überzeugt, dass sie das Recht der Abgabefreiheit besäßen. 21 Dahinter reihte sich die nächste Forderung nach einer Verringerung der Anzahl der in der Stadt lebenden Juden, da diese stark gewachsen sei und die christliche Bevölkerung durch Wucher finanziell in Bedrängnis bringe. Außerdem forderten sie die Einrichtung eines wöchentlichen Kornmarkts, um einen niedrigeren Kornpreis zu erreichen. 22 Bereits zu Beginn dieses Konflikts, zeigte sich, dass es zu einer Vermengung unterschiedlichster Forderungen kam, die jedoch in den Supplikationen gemeinsam ausgesprochen wurden. Die Forderungen im Bezug auf den Kornmarkt waren wirtschaftlicher Natur, wobei die Wünsche zu den Frankfurter Juden vielmehr das soziale und religiöse System betrafen. Die Anforderung von Informationen über Privilegien und Freiheiten hingegen waren Forderungen aus dem Bereich der Verfassung. Als Vertretung der Frankfurter Bürgerschaft trat ein Bürgerausschuss auf, dessen gewählter Direktor Vincent Fettmilch war, der dem Aufstand später seinen Namen verlieh. 23 Dabei handelte es sich bei dem Bürgerausschuss um eine sehr heterogene Gruppe. Zum einen vertrat der Bürgerausschuss Zunftmitglieder wie Fettmilch selbst. Zum anderen waren auch niederländische Exulaten maßgeblich beteiligt denn die niederländischen Exulaten entlohnten Vincent Fettmilch.24 Der Rat wollte die Gesuche der Bürger aufschieben, bis der neu gewählte Kaiser und die Kurfürsten die Stadt verlassen hatten.25 Seit dieser ersten Reaktion des Rates wird die repressive Haltung des Rats gegenüber der Bürgerschaft und deren Forderungen deutlich. Diese Reaktion des Rates war nicht befriedigend für die Frankfurter Bürger. Deshalb wendete sich der Bürgerausschuss nun in weiteren Supplikationen an den neugewählten Kaiser und an die Kurfürsten. Doch auch diese verweigerten den Bürgern ihre Unterstützung und verwiesen auf den Stadtrat. Trotz der Zurückweisung des Kaisers traten die Bürger nach der Kaiserwahl am 13. Juni zur Huldigung des Kaisers Matthias am 1. Juli, an. Durch die vollzogene Huldigung hatten die Bürger jegliches Druckmittel, wie das Ablehnen der Huldigung, gegenüber dem Kaiser verloren. Somit verließ der Kaiser zwei Tage später heimlich die Stadt.26 Nun hatte der Rat wieder die alleinige Entscheidungsbefugnis über Frankfurt. Diese nutzte er auch mit einem schriftlichen Gegenbericht an die Bürgerschaft, in dem alle Forderungen von den Vorwürfen des „Judenwuchers“ über die Errichtung eines Kornmarkts bis zur Offenlegung der Privilegien abgewiesen wurden.27 Dabei kam besonders zum Ausdruck, dass der Rat die Schuld an der wirtschaftlich schlechten Lage nur bei den Bürgern selbst sah. Die Bürger sollen künftig beachten, dass sie nicht „mit unvorsichtigem haußhalten und liederlichen auffborgen sich in Schulden vertieffen und hernacher die schuldt alles Ihres Verderbens dem Judenwucher zulegen/“.28 Dies stellte nach den vorangegangenen Ereignissen keine befriedigende Antwort dar, für eine Bürgerschaft, die sich selbst als unschuldig an ihrer misslichen Lage sah und überzeugt von der Schuld der Juden war. Diese Annahme der Bürgerschaft, dass die Juden an den wirtschaftlichen Problemen Schuld trugen, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit genauer betrachtet. Die Situation verschärfte sich am 12. Juli, als zweihundert Bürger in das Rathaus der Stadt, den Römer, eindrangen und viele weitere sich vor dem Römer versammelten, um den Rat unter Druck zu setzten. Dies funktionierte wohl, denn der Rat erklärte nun zum ersten Mal in einem Schriftsatz, dass der Rat den Bürgern eine Abschrift der Privilegien übergeben werde. Die Forderung nach einem Kornmarkt wurde jedoch abgelehnt und im Bezug auf die Forderungen zu den Juden wurde darauf verwiesen, dass die Juden unter direktem Schutz des Kaisers stünden.29 Nach weiteren Spannungen durch Bewaffnung und Übernahme der Kontrolle auf den Straßen Frankfurts durch die Bürger, traf am 30. Juli 1612 ein kaiserlicher Herold mit einem Friedensangebot ein, der den von den Bürgern gebildeten Bürgerausschuss für unrechtmäßig erklärte und den Erzbischof Johann Schweikart von Mainz und den Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt als kaiserliche Kommissare zur Durchführung seines Friedensangebotes einsetzte. 30 Die kaiserlichen Kommissare und deren Subdelegierte verhandelten geschickt mit den Bürgern und dem Rat. Aus diesen Verhandlungen entstand der sogenannte Bürgervertrag.

4.2 Der Bürgervertrag von 1612/13

Der Kompromiss zwischen der Bürgerschaft und dem Rat, der Ende des Jahres 1612 entstand, wird als Bürgervertrag bezeichnet. Der Bürgervertrag beinhaltet einundsiebzig Paragraphen, im Folgenden wird kurz auf die wichtigsten Punkte eingegangen. Es fällt sofort ins Auge, dass der Großteil der Regelungen die Wirtschaftsordnung der Stadt betraf und nur ein sehr geringer Teil auf religiöse Fragen einging. Es wurde festgelegt, dass sieben Bürgerdeputierenden Einblick in die Privilegien der Stadt zu gewähren war. 31 Dies war, seit Beginn der Proteste, eine Hauptforderung der Bürgerschaft gewesen. Der Erhalt dieses Rechtes, war damit eine sehr große Errungenschaft. Ein weiterer Erfolg für die Bürger war, dass der Rat um achtzehn aus der Bürgerschaft stammende Personen erweitert werden sollte. Im selben Paragraphen wurde außerdem festgelegt, dass keine engen Familienmitglieder gleichzeitig im Rat sitzen durften. 32 Außerdem wurde ein Zunftzwang beschlossen, der alle Bürger, dazu gehörten auch die Calvinisten, dazu verpflichtete Mitglieder einer Zunft oder eine Gesellschaft zu werden. 33 Der Bürgerausschuss, der trotz vorherigem Verbot des Kaisers, noch existierte, sollte nun aufgelöst werden. 34 Außerdem sollte die Finanzpolitik des Rates nun um neun aus der Bürgerschaft stammenden „[e]rbare[n] verstaendige[n] Buerger[n] / welche Rechnungen geübt und erfahren“ sind, erweitert werden. 35 Im Bezug auf alle Protestpunkte der Bürger zu den Juden wurde nur eine Lösung zu dem Vorwurf des Wuchers gefunden. Der Höchstzins für das Kreditgeschäft der jüdischen Bevölkerung wurde auf 8% festgelegt. 36

[...]


1 Goethe, Johann Wolfgang: Werke Kommentare und Register. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Bd. 9. Autobiographische Schriften I. München 1981. S. 148f.

2 Diarium Historicum darinnen des [...] statt Franckfortt [...] gefährlicher Auffstandt[...]. Frankfurt 1615.

3 Bothe, Friedrich: Frankfurts Wirtschaftliche-Soziale Entwicklung vor dem Dreissigjährigen Kriege und der Fettmilchaufstand (1612-1616). Teil 2. Statistische Bearbeitung und urkundliche Belege. Frankfurt am Main 1920.

4 Meyn, Matthias: Studien zur Frankfurter Geschichte. Die Reichsstadt Frankfurt vor dem Bürgeraufstand von 1612 bis 1612 Struktur und Krise. Frankfurt am Main 1980.

5 Karasek, Horst: Der Fedtmilch-Aufstand. Wie die Frankfurter 1612/14 ihrem Rat einheizten. Berlin 1979, S. 31.

6 Bothe, Frankfurts, S. 212.

7 Ebd., S. 194 f.

8 Meyn, Reichsstadt, S. 212.

9 Karasek, Fedtmilch-Aufstand, S.32.

10 Meyn, Reichsstadt, S. 213.

11 Karasek, Fedtmilch-Aufstand, S. 18-19.

12 Meyn, Reichsstadt, S. 227.

13 Ebd., S. 229 f.

14 Ebd., S. 232 f.

15 Meyn, Reichsstadt, S. 233.

16 Ebd., S. 334 f.

17 Ebd., S. 233.

18 Meyn, Reichsstadt, S. 235 f.

19 Diarium historicum, S. 11-13.

20 Bothe, Frankfurts, S. 409.

21 Meyn, Reichsstadt, S. 37.

22 Diarium historicum, S. 13 f.

23 Zur Biographie Vincent Fettmilchs aus: Lustiger, Arno: Der Fettmilchaufstand in Frankfurt und die Juden. Eine Neubewertung des historischen Geschehens, in: Jasper, Willi / Knoll Joachim (Hrsg.) : Preußens Himmel breitet seine Sterne... Beiträge zur Kultur-, Politik- und Geistesgeschichte der Neuzeit. Band 1. Festschrift zum 60. Geburtstag von Julius H. Schoeps. Hildesheim 2002, S. 473: Fettmilch hatte das Frankfurter Bürgerrecht durch Heirat erhalten. Zuerst war er als Schreiber tätig, arbeitet dann als Kuchen- und Lebkuchenbäcker. Er war hoch verschuldet und konnte durch seine mitreißende Art auf seine Mitbürger wirken. Er neigte zu Gewaltausbrüchen und Jährzorn. Für den Aufstand war er durchaus ein charismatischer Anführer und guter Organisator. Ihm fehlte jedoch tiefergehendes Wissen über die Politik im Reich.

24 Lustiger, Fettmilchaufstand, S. 473.

25 Meyn, Reichsstadt, S. 38.

26 Ebd., S. 38 f.

27 Diarium historicum, S. 18 f.

28 Ebd., S. 19.

29 Ebd., S. 22 f.

30 Meyn, Reichsstadt, S. 40-42.

31 Diarium historicum, S. 112 f.

32 Ebd., S. 113 f.

33 Ebd., S. 114.

34 Ebd., S. 112.

35 Ebd., S. 117 f.

36 Ebd., S. 116.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656941897
ISBN (Buch)
9783656941903
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296097
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Frankfurt Strafjustiz Rat Stadt Frühe Neuzeit Fettmilch Aufstand Revolten Juden Sündenbock Goethe Wirtschaft 17. Jahrhundert Religion Konflikt Minderheit Unruhe

Autor

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