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Die historische Exkursion als unterrichtsmethodische Großform

Ausarbeitung 2012 13 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das geschichtsdidaktische Potenzial der historischen Exkursion

2. Die Exkursion
2.1 Die Vorbereitung
2.2 Das Exkursionsgeschehen
2.3 Die Nachbereitung

3. Fazit mit einem Ausblick auf die Möglichkeiten und Grenzen der Exkursion

4. Literaturverzeichnis

Die historische Exkursion als unterrichtsmethodische Großform

Einleitung

In der folgenden Arbeit wird die historische Exkursion als unterrichtsmethodische Großform vorgestellt. Hierzu wird einleitend eine Definition des Begriffes Exkursion gegeben und anschließend die Typisierung von Exkursionen vorgenommen. Im ersten Teil der Arbeit wird das geschichtsdidaktische Potenzial eines historischen Lernortes vorgestellt. Der Hauptteil umfasst die Exkursion untergliedert in die Punkte: Vorbereitung, Exkursionsgeschehen und Nachbereitung. Im Anschluss an die Vorstellung der gesamten Exkursionsdurchführung wird im dritten und letzten Teil der Arbeit ein abschließendes Fazit, mit einem Ausblick auf die Möglichkeiten und Grenzen der historischen Exkursion, gezogen.

Das fachdidaktische Werk: Die historische Exkursion herausgegeben von Bernd Hey diente im Rahmen der Erstellung dieser Arbeit als Primärliteratur, jedoch ist hierbei zu beachten, dass dieses aus den 1970er Jahren stammt und daher nach neueren Erkenntnissen Kritikpunkte aufwirft. Woraus resultiert, dass weitere Werke zur Ergänzung um die neuste Perspektive hinzugezogen wurden. Unter anderem diente die Einführung in die Didaktik und Methodik: „Geschichte unterrichten“ herausgegeben von Michael Sauer zur Untermauerung, des didaktischen Potenzials eines außerschulischen Lernortes und die Arbeitshilfe: „Exkursionsdidaktik“ herausgegeben von Michael Klein zur Darstellung des Exkursionsgeschehens anhand neuster Erkenntnisse der Exkursionsdidaktik. Die Exkursionsdidaktik unterliegt heute den veränderten Bedingungen aufgrund der vollzogenen „kulturwissenschaftlichen Turns“1 der letzten Jahrzehnte. Christian Heuer sieht hierin den Anstoß für eine Diskussion über die „klassischen“ Begriffe2 - Realität, Permanenz, Authentizität und Originalität3 - der Exkursionsdidaktik, auf der das geschichtsdidaktische Potenzial des historischen Lernens an außerschulischen Lernorten fußt.4

„Die historische Exkursion ist eine Organisationsform des historisch-politischen Unterrichts, die ein bestimmtes Thema durch die Arbeit an und mit (möglichst) originalen historischen Zeugnissen außerhalb der Schule erschließt.“5

Das Zitat Bernd Heys, des Jahres 1978, beschreibt die historische Exkursion als eine Organisationsform des historisch-politischen Geschichtsunterrichts, welcher durchgeführt wird, um eine Thematik einer Unterrichtsreihe außerhalb der Schule anhand von Originalzeugnissen eines bestimmten Ereignisses oder einer bestimmten Zeit zu erschließen. Die unterrichtsmethodische Großform - historische Exkursion - wird synonym auch, wie eingangs aus dem Zitat hervorgehend, als eine Organisationsform des historischen Unterrichts, Verlagerung des Unterrichts, notwendiges Gegengewicht zur Papierflut im Geschichtsunterricht oder auch einfach als Unterrichtsveranstaltung bezeichnet. Das entscheidende Kriterium aller Synonyme umfasst „das unterrichtsbedingte Verlassen der Schule“6, das Herauslaufen aus der Schule abgeleitet vom lateinischen Verb excurrere.7 Dieses Verlassen der Schule lässt sich nach dem Ort, genauer nach dem Ziel der außerschulischen Begegnung, der zeitlichen Dauer, dem Beförderungsmittel, den Teilnehmern und dem Veranstalter, sowie für den Geschichtsunterricht am zutreffendsten, nach dem Thema und dem Lernziel typisieren.8

Eine Exkursion führt zu einem außerschulischen Lernort, an dem Geschichte begegnet wird, welche durch „genauere ortsspezifisches Untersuchung erschlossen und genutzt werden kann“.9 Hieraus resultiert, dass ein außerschulischer Lernort „ein umfassendes Erkenntnispotential“10 bietet. Der außerschulische Lernort - Ziel einer Exkursion - wird von Michael Sauer in die, „der Erinnerung dienenden Institutionen […] (und die) historische(n) Stätten“ unterschieden.11 Somit lässt sich feststellen, dass eine Exkursion zum einen in eine Institution, wie dem Museum oder dem Archiv, und zum anderen aber auch an einen Überrest, eine sogenannte historisches Stätte, z. B. ein Denkmal, führen kann. Oftmals lassen sich in den der Erinnerung dienenden Institutionen didaktisch aufbereitet Exponate oder auch - Archivalien vorfinden, welche von den Schülern12 „dekontextualisiert“ werden können.13

1. Das geschichtsdidaktische Potenzial der historischen Exkursion

Im Rahmen der kritisch-konstruktiven Didaktik entspricht die Zielsetzung der kritisch- konstruktiven Exkursion dem Kompetenzerwerb. Der kritisch-konstruktive Bildungsbegriff nach Klafki umfasst die folgenden Metakompetenzen: „Ausbildung der Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit“.14 Hieraus resultieren die „inhaltlichen“-, „personalen und sozialen“- „sowie die methodischen Kompetenzen“, welche im Rahmen einer Exkursion unter heutigen bildungs-politischen Gesichtspunkten zu erfüllen sind.15

Die „Didaktisierung“ eines außerschulischen Lernortes ist sehr unterschiedlich. Es gibt Lernorte, die keine - oder eine teilweise „Didaktisierung“ haben und andere die eigens auf das Lernen ausgerichtet sind.16 Das geschichtsdidaktische Potenzial historischer Lernorte ergibt sich aus der „Realität“ - dem „Wirklichkeitscharakter“ - und der „Permanenz“ - der „Dauerhaftigkeit“ - dieser.17 Die Begehung und die Arbeit an einem historischen Lernort sind vor allem didaktisch wertvoll, da an diesem Ort haptisch gelernt werden kann. Durch die Arbeit am und mit dem außerschulischen Lernort - einer Institution der Erinnerung oder einer historischen Stätte - der Exkursion kann „ein nicht zu unterschätzender Lerneffekt“ der Schüler erzielt werden.18 Im Rahmen der Exkursion entsteht somit eine Annäherung an das „natürliche[n] Lernen durch Beobachtung und Erfahrung der Umwelt“19, dies spiegelt auch das folgende Zitat wider:„Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere mich. Lass es mich tun und ich verstehe.“20 Auf einer Exkursion erfolgt somit eine „Realbegegnung“21 aufgrund des Wirklichkeitscharakters des historischen Gegenstandes und -Lernortes sowie deren Dauerhaftigkeit. Desweiteren wird das geschichtsdidaktische Potenzial durch die Originalität, Anschaulichkeit und Imaginationsleistung der Schüler gefördert und gesteigert. Die Originalität der historischen Exkursion entsteht durch das Betrachten von immobilen Objekten vor Ort im Gegensatz zu mobilen Sachquellen, welche in den Klassenraum transportiert werden können.22 Die Arbeit am historischen Lernort ermöglicht eine konkrete Beschäftigung mit historischen Objekten oder Orten, welche vielfältige Erfahrungen mit sich bringt. Zu den historischen Objekten eines Museums zählen sowohl Originale als auch Nachbildungen und Modelle, welche nicht die Wirklichkeit widerspiegeln, sondern der Rekonstruktion von Geschichte dienen und den Schüler dabei unterstützen dienen, da sie didaktisch aufbereitet sind und eine „hohe Anmutungsqualität“ aufweisen.23 Diese Rekonstruktion von Geschichte kann nicht im selben Maße anhand von Texten, Bildern oder Erzählungen vermittelt werden.24 Diese sind nur ein „Behelf“, welche die Fassbarkeit und Vorstellbarkeit von Vergangenheit, im Gegensatz zu einem historischen Objekt vor Ort, nicht in gleichem Maße ermöglichen.25 Desweiteren kann eine Exkursion zum Beispiel zu einem Denkmal eines bestimmten Ereignisses durchgeführt werden, wodurch die Schüler etwas über die Umstände und den historischen Kontext des Ereignisses erfahren. Dieser Einblick in die historischen Umstände des Objektes oder des Ortes regen die Multiperspektivität im Geschichtsunterricht, welche im Rahmen der Exkursion aufgegriffen werden kann, an. Hierzu erhalten die Schüler durch Imagination eine Vorstellung von früheren Lebensumständen und den damaligen Personen, welche sich in Form des Gegenwartsbezuges auf ihr eigenes Alltagsleben beziehen lassen.26 Desweiteren lässt sich das geschichtsdidaktische Potenzial ebenfalls anhand der Authentizität des außerschulischen Lernortes feststellen, welcher im Gegensatz zu den im Allgemeinen im Geschichtsunterricht verwandten Quellen und den der Erinnerung dienenden Institutionen vorzufindenden Objekten, nicht didaktisch-methodisch aufbereitet ist.27 Die Erkenntnisse über das Objekt erarbeiten sich die Schüler vor Ort. Die Institution historischer Erinnerung - das Archiv - ermöglicht den Schülern die so maßgebende Unterscheidung von Quellengattungen und vor allem Unterscheidung einer historischen Quelle von einer historisierenden Darstellung. Eine handschriftliche Quelle des vergangenen Jahrhunderts hat eine historische Fremdheit für die Schüler, da sie diese aufgrund der ihnen fremden deutschen Schrift erst entschlüsseln müssen um Zugang zum Gegenstand dieser zu erhalten.28 Desweiteren vermitteln historische Lernorte Historizität - die geschichtliche Betrachtungsweise - welche von den Schülern erschlossen wird.29

2. Die Exkursion

Die historische Exkursion als unterrichtsmethodische Großform ist „Bestandteil der Bildungs- und Erziehungsarbeit“ und somit daran gebunden „einen deutlichen Bezug zum Unterricht“ aufzuweisen, welcher eine Anbindung an das „programmatisch(e) […] Schulleben“ mit sich zieht und einer Vor- und Nachbereitung bedarf.30 Die Exkursion als unterrichtsmethodische Großform kann als Einstieg in eine Unterrichtsreihe - „motivierende“- bzw.

[...]


1 Heuer, Lernen, S. 50.

2 Ebd.

3 Mayer, Orte, S. 392f.

4 Ebd.

5 Hey, Exkursion, S. 17.

6 Hey, Exkursion, S. 15.

7 Ebd., S. 11ff.

8 Ebd., S. 17-20.

9 Sauer, Geschichte, S. 115.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden durchgängig die männliche Form - Schüler - verwendet, welche natürlich ebenfalls für die weibliche Form - Schülerinnen - steht.

13 Messmer et. Al., Definition, S.7.

14 Dickel, Philosophie, S. 38.

15 Ebd.

16 Messmer et. Al., Definition, S. 7.

17 Mayer, Orte, S. 392f.

18 Sauer, Geschichte, S. 123.

19 Hey, Exkursion, S. 69.

20 Chinesischer Philosoph: Konfuzius (553 - 473 v. Chr.).

21 Hey, Exkursion, S. 69.

22 Mayer, Orte, S. 392f.

23 Sauer, Geschichte, S. 116.

24 Hey, Exkursion, S. 13f.

25 Sauer, Geschichte, S. 115f.

26 Hey, Exkursion, S. 85.

27 Sauer, Geschichte, S. 123.

28 Ebd., S. 118f.

29 Sauer, Geschichte, S. 123.

30 Dickel, Philosophie, S. 33.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656941033
ISBN (Buch)
9783656941040
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296090
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften Fachbereich Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
exkursion großform

Autor

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Titel: Die historische Exkursion als unterrichtsmethodische Großform