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Adolf Hitler als charismatischer Herrscher in Leni Riefenstahls Film "Triumph des Willens"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Ästhetisierung des Politischen im Nationalsozialismus

2. Typen der Herrschaft nach Max Weber

3. Leni Riefenstahl: Person und Mythos
3.1 Leni Riefenstahl: Der absolute Film
3.2 Triumph des Willens: Dokumentar- oder Propagandafilm?

4. Eine Analyse der Bauformen - die Darstellung Adolf Hitlers als charismatischer Herrscher
4.1 Hitlers Ankunft in Nürnberg
4.2 Die Inszenierung der Massen und ihre Bedeutung für die Rolle des Führers

5. Fazit und Ausblick

6. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Die Ästhetisierung des Politischen im Nationalsozialismus

Kunst und Politik befinden sich seit jeher in einem engen Verhältnis zueinander. Dies gilt insbesondere für faschistische und totalitäre Staaten, wie dem nationalsozialistischen Deutschland unter Adolf Hitler. Dennoch stand Hitler einer Vermischung dieser beiden Gegenstandsbereiche anfangs skeptisch gegenüber. Der Filmschauspielerin Tony van Eyck erklärte er 1932 in einem Interview: „Mir ist es zum Ekel, wenn unter dem Vorwand der Kunst Politik getrieben wird. Entweder Kunst oder Politik“[1] Doch nur ein Jahr später revidierte er seine Meinung und ließ in der Regierungserklärung zum Ermächtigungsgesetz verkünden:

Gleichlaufend mit dieser politischen Entgiftung unseres öffentlichen Lebens wird die Reichsregierung eine durchgreifende moralische Sanierung des Volkskörpers vornehmen. Das gesamte Erziehungswesen, Theater Film, Literatur, Presse, Rundfunk sie werden alle Mittel zu diesem Zweck sein und demgemäß gewürdigt. Sie haben alle der Erhaltung der im Wesen unseres Volkstums lebenden Ewigkeitswerte zu dienen.[2]

Wie eng Kunst und Politik im nationalsozialistischen Deutschland tatsächlich verknüpft waren, wird im folgenden Zitat des Reichspropagandaministers Dr. Joseph Goebbels deutlich: „Auch die Politik ist eine Kunst, vielleicht die höchste und umfassendste, die es gibt. Und wir, die wir die moderne deutsche Politik gestalten, fühlen uns als künstlerische Menschen.“[3] Nationalsozialistische Politik versteht sich demnach selbst als eine Form der Kunst, und eignet sich die Rhetorik der Kunstschaffenden an. So sieht Goebbels die Aufgabe darin, „zu formen, Gestalt zu geben, Krankes zu beseitigen und Gesundem freie Bahn zu schaffen.“[4]

Für die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Susan Sontag stellt diese utopische Ästhetik der physischen Vollkommenheit ein grundlegendes Charakteristikum faschistischer Kunst dar. Unvollkommenheiten, menschliche Schwächen durften nicht gezeigt werden.[5] Stattdessen führt die utopische Ästhetik zu einer idealen Erotik. Sontag beschreibt dies wie folgt: „Sexualität, umgewandelt in die magische Anziehungskraft der Führer und das Entzücken der Gefolgschaft. Das faschistische Ideal ist die Umwandlung sexueller Energien in eine spirituelle Kraft, zum Wohle der Gemeinschaft.“[6] Nationalsozialistische Kunst wollte die Menschen weniger auf intellektueller, als vielmehr auf emotionaler und visueller Ebene erreichen: Vordergründig ging es um das Zeigen von einfachen und naiven, aber ausdrucksstarken Bildern.[7]

Nach Walter Benjamin liegen die Gründe für die Ausbreitung faschistischer Ideologien in der technischen Modernsierung. In seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ legt er dar, dass es den neuen Medien, wie dem Film, verstärkt möglich ist, die Massen zu mobilisieren, indem Ereignisse und Kunstwerke ins Hier und Jetzt geholt werden können und somit ihres ursprünglichen Kontextes beraubt werden. Das Publikum ist einer Form der Zerstreuung ausgesetzt. Dem Faschismus kommt dies zu Gute. Er versucht die Massen zu organisieren, ohne die Eigentumsverhältnisse antasten zu müssen. „Er sieht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck kommen zu lassen. […] Der Faschismus läuft folgerichtig auf die Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus.“[8] Den Höhepunkt aller Ästhetisierung des Politischen stelle schließlich der Krieg dar.[9]

Diese Arbeit soll sich im Folgenden mit der Frage beschäftigen, inwiefern es Leni Riefenstahl mit ihrem Werk Triumph des Willens gelang, das Massenmedium Film für die nationalsozialistische Propaganda zu instrumentalisieren. Ein zweiter Aspekt der im Fokus der Betrachtung stehen soll, ist die filmische Darstellung Adolf Hitlers als charismatischer Herrscher. Zur Beantwortung dieser Frage soll Max Webers Herrschaftssoziologie herangezogen werden.

2. Typen der Herrschaft nach Max Weber

Unter dem Begriff Herrschaft versteht Max Weber die Chance, für Befehle jeder Art bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden. Die Motive für einen solchen Gehorsam können dabei jedoch unterschiedlicher Natur sein: angefangen von der reinen Gewöhnung, bis hin zu zweckrationalen Überlegungen. Die Voraussetzung für ein echtes Herrschaftsverhältnis ist jedoch ein inneres oder äußeres Interesse am Gehorchen. Da Sitten und Interessenlagen nicht ausreichen, um eine Herrschaft dauerhaft zu sichern, muss diese durch einen Legitimitätsglauben gestützt werden.[10] In Max Webers Herrschaftssoziologie lassen sich diesbezüglich drei Typen legitimer Herrschaft unterscheiden.

Die rationale Herrschaft basiert auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen. Sie stellt den Ausgangs- und Idealtypus der Klassifikation dar und geht von feststehenden Ordnungen aus, die für jeden nachvollziehbar sind und auch für die Herrschenden gelten.[11] Charakteristisch für eine rationale Herrschaft ist zudem eine effiziente Verwaltung, wie Weber sie in der modernen Bürokratie sieht. Klar voneinander getrennte Zuständigkeiten, das Arbeiten nach Vorschriften, eine feste Amtshierarchie und die Überwachung der Abläufe durch Kontrollinstanzen sorgten dafür, dass die Verwaltung präzise, verlässlich und berechenbar funktionieren könnte.[12]

Die traditionale Herrschaft stellt eine Abweichung von dem Idealtypus der rationalen Herrschaft dar. Weber schreibt dazu: „Traditional soll eine Herrschaft heißen, wenn ihre Legitimität sich stützt und geglaubt wird auf Grund der Heiligkeit altüberkommener (von jeher bestehender) Ordnungen und Herrengewalten.“[13] Der Herrscher ist in dieser Ordnung kein „Vorgesetzter“ sondern ein „persönlicher Herr“, dessen Verwaltungsapparat nicht aus Beamten sondern aus „Untertanen“ oder „persönlichen Genossen“ besteht. Die „persönliche Diensttreue“ ersetzt hier die zuvor geltende „sachliche Amtspflicht“.[14] Es findet eine Personalisierung des Herrschaftsverhältnisses statt, der Herrscher ist mit einem entsprechenden Handlungsspielraum ausgestattet, innerhalb dessen er vollkommen frei und willkürlich handeln darf. Erst bei einer Überschreitung des Rahmens muss er mit Widerstand rechnen, der sich jedoch nicht gegen die traditionale Herrschaft als solche, sondern vielmehr gegen ihn als Person richtet.[15]

[...]


[1] Gerd Albrecht: Filmpolitik im Dritten Reich. XII. Westdeutsche Kurzfilmtage. Oberhausen 13.-19.2.1966. S.1.

[2] Adolf Hitler: Regierungserklärung zum Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich. In: Unterrichtsarchiv.de URL:http://www.unterrichtsarchiv.de/nationalsozialismus/1933_03_23_ermaecht_regerklaerung/1933_03_23_ermaecht_regerklaerung.html

[3] Zitiert nach: Susan Sontag: Im Zeichen des Saturn. Frankfurt a.M. 1990, S.113.

[4] Ebenda.

[5] Ebd. S.112, 113.

[6] Ebd. S.114.

[7] Ebd. S.115.

[8] Rolf Tiedemann, Hermann Schweppenhäuser (Hrg.): Walter Benjamin. Gesammelte Schriften. Frankfurt a. M. 1974, S.506.

[9] vgl. Ebenda, S.506 und S.507: „Seit siebenundzwanzig Jahren erheben wir Futuristen uns dagegen, dass der Krieg als antiästhetisch bezeichnet wird … Demgemäß stellen wir fest: … Der Krieg ist schön, weil er dank der Gasmasken, der schreckenerregenden Megaphone, der Flammenwerfer und der kleinen Tanks die Herrschaft des Menschen über die unterjochte Maschine begründet. […] Der Krieg ist schön, weil er das Gewehrfeuer, die Kanonaden, die Feuerpausen, die Parfums und Verwesungsgerüche zu einer neuen Symphonie vereinigt.“

[10] Vgl. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen 1972, S.122.

[11] Vgl. Gregor Fitzi: Max Weber. Frankfurt a.M. 2008, S.77.

[12] Ebd. S.78, 79.

[13] Vgl. Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. S.130.

[14] Alle Zitate in diesem Abschnitt: Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. S.30.

[15] Vgl. Fitzi: Max Weber. S.80.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656936190
ISBN (Buch)
9783656936206
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295679
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
Medien Hitler Charisma Ästhetik Film Propaganda Riefenstahl
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Titel: Adolf Hitler als charismatischer Herrscher in Leni Riefenstahls Film "Triumph des Willens"