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Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Theorien zu archaistischen Erklärungsansätzen
1. Der Kult um „Madonna Oriente“ in Mailand
2. Der Dianakult nach Margaret Murray
3. Der Benandanti-Kult im Friaul

C. Allgemeine Kritik an den Theorien

D. Resumée

Literaturnachweis

Internetnachweis

A. Einleitung

The Wiccan Rede

“Bide ye wiccan laws you must, in perfect love and perfect trust. Live ye must and let to live, fairly take and fairly give. For the circle thrice about, to keep unwelcome spirits out. To bind ye spell will every time, let the spell be spake in rhyme. Soft of eye and light of touch, speak ye little, listen much. Deosil go by the waxing moon, chanting out ye baleful tune. When ye Lady's moon is new, kiss ye hand to her times two. When ye moon rides at her peak, then ye heart's desire seek. Heed the north winds mighty gale, lock the door and trim the sail. When the wind comes from the south, love will kiss thee on the mouth. When the wind blows from the east, expect the new and set the feast. Nine woods in the cauldron go, burn them fast and burn them slow. Elder be ye Lady's tree, burn it not or cursed ye'll be. When the wheel begins to turn, soon ye Beltane fires will burn. When the wheel hath turned a Yule, light the log the Horned One rules. Heed ye flower, bush and tree, by the Lady blessed be. Where the rippling waters go, cast a stone, the truth ye'll know. When ye have and hold a need, harken not to others greed. With a fool no season spend, or be counted as his friend. Merry meet and merry part, bright the cheeks and warm the heart. Mind ye threefold law ye should, three times bad and three times good. When misfortune is enow, wear the star upon thy brow. True in love may ye ever be, lest thy love be false to thee.

These eight words the wiccan rede fulfill: An harm ye none, do what ye will.[1]

Dieses Mantra spiegelt die Philosophie der Wicca-Gemeinschaft wieder, die sich als moderne Hexen verstehen. Die moderne Hexenbewegung ist in unserer hoch technisierten Gesellschaft immer mehr auf dem Vormarsch. Man sehnt sich in Anbetracht der schrecklichen politischen und gesellschaftlichen Zustände scheinbar immer mehr nach einer reinen und unschuldigen Religion, die es einem erlaubt sein Bewusstsein zu schärfen und wieder zu seiner eigenen Mitte zu finden. Im Gegensatz zu einer Weltreligion wie beispielsweise dem Christentum, das sich die Erlösung der Menschheit von den Sünden auf die Fahnen geschrieben hat, versuchen die neuen Hexenkulte sich auf heidnische Riten zu besinnen und diese, übertragen in die heutige Zeit, zur Selbstfindung zu verwenden. Vielleicht haben gerade aus diesem Esoterikboom einige Historiker den Versuch gemacht die Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit durch die geheime Ausübung archaischer Kulte zu erklären.

In dieser Arbeit möchte ich die bekanntesten Theorien zu diesen archaischen Erklärungsversuchen darstellen und klären, inwiefern diese der Wahrheit entsprechen, auf Bayern und Schwaben übertragbar sind oder generell verallgemeinert werden können.

B. Theorien zu archaistischen Erklärungsansätzen

1. Der Kult um „Madonna Oriente“ in Mailand

Zwischen 1384 und 1390 wurden in Mailand zwei Frauen aus der höheren Gesellschaft verhaftet, die gestanden einem Kult um eine ominöse „Madonna Oriente“ anzugehören. Sie sagten aus, dass sie sich jeden Donnerstagabend um Madonna Oriente versammelten. Sie seien Teil ihrer Gesellschaft, die sich sowohl aus Lebenden, als auch aus Toten zusammensetzt. Es waren jedoch Gehängte oder Geköpfte von der Teilnahme ausgeschlossen, da es ihnen durch das gebrochene Genick oder den fehlenden Kopf nicht mehr möglich war sich zu verneigen. Während den Treffen war es verboten den Namen von Jesus auszusprechen, da sich Madonna Oriente innerhalb ihrer Gefolgschaft in derselben Rolle sah, wie Jesus auf Erden. Ein Verstoß gegen dieses Gebot hätte den Zorn der Göttin heraufbeschworen. Bei den Zusammenkünften wurden alle Arten von Tieren geschlachtet und von den Anwesenden zusammen verspeist. Hierbei wurde jedoch darauf geachtet, dass die Knochen und die Haut der Tiere nicht beschädigt wurden. Am Ende der Treffen ging Madonna Oriente umher und berührte die Knochen, wodurch die Tiere wieder zum Leben erwachten. Zwei Tiere durften jedoch nicht verspeist werden: der Esel, wegen seiner engen Verbindung zu Christus, und der Fuchs, über den jedoch nichts Näheres bekannt ist. Würde man gegen dieses Verbot verstoßen, würde dies das Ende der Welt bedeuten.[2] Madonna Oriente unterwies ihre Gefolgschaft im Umgang mit heilenden Kräutern, in der Kunst die Zukunft vorauszusagen und böse Flüche auszusprechen. Sie erlaubte ihnen ebenfalls ihre Künste auch anderen Menschen beizubringen, unter der Voraussetzung, dass sie nichts über die Gefolgschaft sagten. Die Göttin und ihr Gefolge gingen während ihren Treffen auch in die Häuser der Reichen und aßen und tranken dort mit ihnen. Fanden sie das Haus aufgeräumt und sauber vor, so gaben sie ihren Segen.[3]

Leider ist nicht komplett geklärt, ob dieser Kult um Madonna Oriente weitere Kreise zog, oder ob diese Zusammenkünfte physisch oder im Geiste abgehalten wurden. Nach den Parallelen zum Benandanti-Kult zu urteilen, auf den ich in einem späteren Kapitel eingehen werde, ist jedoch anzunehmen, dass die Treffen nur in der Phantasie der Delinquenten stattfanden.

2. Der Dianakult nach Margaret Murray

1921 erschien das Buch „The witch-cult in western Europe“, verfasst von der Ägyptologin Margaret Alice Murray. Sie stellt in ihrem Werk die Theorie einer wirklich existierenden Hexensekte auf, die zwar auf der einen Seite nach ihren Vorstellungen ein heidnischer Fruchtbarkeitskult gewesen sein soll, auf der anderen Seite jedoch beschreibt sie den Hexensabbat oft nach den Vorstellungen der christlichen Inquisitoren.

Murray gründet das Fundament ihres Buches auf Aussagen von überwiegend französischen Frauen. Diese schildern ihre Identität als Hexen und beschreiben Details des Kultes, so wie Riten, Initiation und den Sabbat. In diesen Aussagen wird oft beschrieben, dass sich die Frauen entweder selbst dem Gott weihen oder ihm von ihren Müttern nach der Geburt geweiht wurden. Sie erhalten nach der Initiation ein kleines Mal auf dem Körper, welches sie als Mitglied des Kultes ausweist.[4] Das spirituelle Oberhaupt der Gemeinschaft wird in den Aussagen mit einer Reihe vielfältiger Namen bedacht. Sie reichen von der Vorstellung eines männlichen Gottes, einer Feenkönigin, eines Tieres bis hin zu dem sehr oft gefallenen Namen ‚Teufel’. Murrays Betitelung des Kultes als ‚Dianakult’ ist insofern irreführend, da dies zum einen ihre eigene Bezeichnung ist, und zum anderen viele Aussagen, die sie als Belege anführt, offen von der Anbetung des Teufels handeln.[5] Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil der Initationszeremonie ist die sog. ‚sacred marriage’. Hierbei wird die Novizin symbolisch mit dem Satan vermählt und vollzieht mit ihm einen ebenfalls symbolischen Geschlechtsakt. Für Murray steht ebenso fest, dass sich die Hexen physisch zu Sabbaten zusammenfanden um dem Teufel zu huldigen. Sie beschreibt, dass dieser auf einem Thron saß oder an einem festgelegten Ort stand und ihm die Kultgemeinde huldigte. Danach fanden wüste sexuelle Ausschweifungen und Orgien statt, die sie mit heidnischen Fruchtbarkeitsriten gleichstellt, ohne dies jedoch anhand einer Quelle oder eines konkreten Beispiels zu belegen.[6]

[...]


[1] http://www.wicca.utvinternet.com/; vom 16.07.2004.

[2] Henningsen, G.; „The Ladies from Outside“, An Archaic Pattern of the Witches’ Sabbath; in: Ankarloo, B. und Henningsen, G. (Hg); Early Modern European Witchcraft, Centres and Peripheries; Oxford 1990; S.203f.

[3] Henningsen, G.; „The Ladies from Outside“, An Archaic Pattern of the Witches’ Sabbath; in: Ankarloo, B. und Henningsen, G. (Hg); Early Modern European Witchcraft, Centres and Peripheries; Oxford 1990; S.204.

[4] Schormann, G.; Hexenprozesse in Deutschland; in: ? (Hg); Kleine Vanderhoeck-Reihe; Bd. 1470; Göttingen 1981; S.101.

[5] http://www.sacred-texts.com/pag/wcwe/wcwe02.htm; vom 19.07.2004.

[6] http://www.sacred-texts.com/pag/wcwe/wcwe05.htm; vom 19.07.2004.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638310437
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29565
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Archaistische Erklärungsversuche Hexenverfolgungen Frühen Neuzeit

Autor

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Titel: Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit