Lade Inhalt...

Unterrichtsstunde: Konsumgüter DDR und BRD im Vergleich

Lebenswelten DDR und BRD

Unterrichtsentwurf 2014 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse

2. Sachanalyse

3. Didaktische Überlegung

4. Methodische Überlegung

5. Lernziele

6. Verlaufsplan

7. Reflexion

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1. Bedingungsanalyse

Die vorliegende Unterrichtsstunde wurde für die 5. Klasse der Montessori-Schule in Xxx entwickelt. In dieser lernen gegenwärtig neun Mädchen und sechs Jungen. Die SuS waren vorher an einer herkömmlichen Schule und sind dem Konzept der Montessori-Schule noch nicht lange vertraut. Dafür haben sie sich jedoch schon sehr gut einleben und arrangieren können. Im Unterricht kommen häufig szenische Gestaltungsmittel zum Einsatz, so sind die Klasse und der Raum mit modernen Technologien wie Beamer, Wlan, IPad, Apple TV und MacBook ausgestattet. Die SuS reagieren dabei immer motiviert, wenn die Geräte zum Einsatz kommen.

Der Unterrichtsgegenstand „Lebenswelten DDR und BRD“ ist den SuS seit Beginn dieser Unterrichtseinheit bekannt. So wurde im Verlauf der vorigen Stunden zunächst grundlegendes Wissen um Begriffe wie Ost und West, Mauerbau und Mauerfall, Jugend der DDR und BRD erarbeitet.

Die Aufteilung und Ausstattung des Klassenraums sind als besonders positiv anzuführen. So wirkt das Raumkonzept sehr durchdacht, ordentlich, strukturiert und keinesfalls überladen.

Mit der für diese Stunde vorgesehenen Arbeitsform der Partner- beziehungsweise Gruppenarbeit eignet sich die Aufteilung der Sitzordnung sehr gut, da jeweils drei SuS an einem Tisch sind. Zur zeitlichen Orientierung der Stunde ist zu sagen, dass es kein Klingelzeichen gibt, wenn eine Pause von fünf Minuten ist. Die SuS sind es gewohnt, ihre Arbeitszeit selbst zu kontrollieren oder durch Vorgabe der Lehrkraft.

2. Sachanalyse

Der Lebensstandard der DDR war von dauerhaften Alltagsproblemen geprägt. So zählte das Beschaffen von Waren des täglichen Gebrauchs und von Konsumgütern dazu. Besonders knapp waren langlebige Konsumgüter, deren Verteilung streng geregelt war. Lange mussten die Bürger der DDR auf ein Auto warten. Zum Einkaufen ging es in den Konsum oder die HO (Handelsorganisation). Das Wort „Konsum“ kommt aus dem lateinischen cosumo und bedeutet „Verbrauch“. Weiterhin typisch für die DDR war ein Nebeneinander von hochsubventionierten Waren des Grundbedarfs einerseits und überteuerten „Luxusgütern“ andererseits. Eine einfache Grundversorgung war den Bürgern der DDR jedoch gesichert. Normal war es auch, dass vor den Lebensmittelgeschäften Menschenschlangen standen, um Südfrüchte wie Orangen und Kiwis zu bekommen, die es so nur selten gab. In den sechziger Jahren wurden Intershops errichtet, in denen erst einmal nur Westbürger und Transitreisende gegen Devisen – „harte“ Westmark[1] – spezielle Produkte erwerben konnten. Devisen bezeichnen Zahlungsansprüche – Forderungen – in fremder Währung im Ausland, die durch Ersparnisse bei ausländischer Bank ergeben. Damit gemeint sind: Schecks, Zahlungsanweisungen oder Wechsel (Buchgeld), die im Ausland fällig sind.[2] Ab 1974 durften auch DDR-Bürger, die Westmark oder Forum-Checks besaßen, dort einkaufen. Westgeld bekam man als DDR-Bürger von Westverwandten. Dies führte zur Zweiklassen-Gesellschaft und somit zum Unmut einiger Bürger, die keine gutsituierten Westverwandten hatten. Dadurch hatte der DDR-Bürger leider nur einen begrenzten Einblick in die Warenwelt der BRD. Im Sortiment waren Nahrungsmittel, Alkohol, Tabakwaren, Kleidung, Spielwaren, Schmuck, Kosmetika, technische Geräte, Tonträger und vieles mehr. Die DDR-Wirtschaft blieb aber deutlich hinter der der Bundesrepublik zurück.[3]

Nichtsdestotrotz gab es auch in der DDR Lebensmittel und Güter, die mit Produkten der Bundesrepublik mithalten konnten. Beispielsweise wurde die „Rama“ zu „Cama“ umbenannt. Coca-Cola war im Osten die Vita-Cola oder die Club-Cola. Die Creme „Nivea“ gab es in der DDR als „Florena“. Lediglich nach einem Prozess mit Nivea, musste die „Nivea-des Ostens“ zumindest die blau-weiße Farbgebeung der Florena-Cremedose leicht abändern.[4] Der beliebte Schokoladen-Brotaufstrich „Nutella“ war in der DDR „Nudossi“ mit einem höheren Nussanteil von 37 Prozent. Nutella wurde von dem italienischen Konditor Pietro Ferrero entwickelt. Der Name setzt sich zusammen aus dem englischen Wort „Nut“ (Nuss) sowie der italienischen Endung „ella“ (weibliche Verkleinerungsform), also das „Nüsschen“. Im Gegensatz zu Nutella, setzt sich der Name „Nudossi“ aus „Nu“ für Nuss und „dossi“ von Vadossi (ursprünglicher Hersteller) zusammen. Auch der heute noch bekannte Sekt namens „Rotkäppchen“ ist ein Produkt aus der DDR. In der Bundesrepublik gab es dafür den Sekt namens „Mumm“. Ein weiteres und noch heute beliebtes Lebensmittel ist die Knusperflocke von Zetti. Eine alternative Variante im Westen sind die Choco Crossis. Genauso findet man heute noch „Fit“ in den Regalen der Supermärkte. Fit ist ein Spülmittel aus der ehemaligen DDR und in der Bundesrepublik war es „Pril“. Wer allerdings nicht auf Markenware der BRD verzichten wollte, ließ sich ein „Westpaket“ zukommen, also ein Paket mit etwaigen Produkten, die die Westverwandtschaft zusammengestellt hat. Sogenannte „Mangelware“ wurde sich geschenkt.

3. Didaktische Überlegung

Die Thematik zur Geschichte der deutschen Teilung ist im Rahmenplan Mecklenburg Vorpommerns erst in der zehnten Klasse vorgesehen.[5] Die SuS der Montessori-Schule in Xxx sind jedoch sehr daran interessiert verschiedene Projekte unter diversen Themen zu behandeln, so auch die Thematik der DDR und der BRD. Die Montessori-Schule achtet darauf, dass im Mittelpunkt derer Arbeit in der Schule die Interessen und Bedürfnisse der SuS im Mittelpunkt stehen. Pädagogischer Ansatzpunkt ist ferner die aktive Förderung kindlicher Unabhängigkeit und Selbstständigkeit durch Selbsttätigkeit. Ein zentrales Thema der Montessori-Schule ist die Möglichkeit der SuS zu freier Entscheidung eines zentralen Themas. Wenn ein bestimmtes Projekt geplant ist, so hält sich die Schule auch an den vorgegebenen Rahmenplan als Grundlage und an den Vorstellungen der SuS. Projekte ermöglichen mannigfaltige Erlebnisse und Begegnungen mit der Umwelt der SuS und sollen zielgerichtetes Arbeiten fördern. Eine Initiative eines Projekts kann entweder von Schülern, Lehrkräften oder außerschulischen Partnern innerhalb und außerhalb der Schule erfolgen. So gestaltet sich die Einstiegsphase in der Regel zusammen mit den SuS und den Lehrern. Es folgt die Planungs- und Durchführungsphase. Die Projektabläufe bieten den SuS verschiedene Formen der Rückkopplung. Am Ende eines Projekts präsentieren die SuS ihre Ergebnisse durch Ausstellungen, Plakate, Vorträge, Referate oder Internetpräsentationen. Hierbei ist es auch möglich die verschiedenen Formen miteinander zu koppeln.

Die Geschichte der deutschen Teilung ist ein zentrales Thema in der Schule sowie im Alltag der SuS. Die SuS der 5. Klasse wurden nach 1990 geboren und sozialisiert. Daher erscheinen ihnen Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte als selbstverständlich. Folglich ist es ihnen häufig nicht bewusst, dass nach 1945 ein großer Teil der Menschen in Deutschland in Unfreiheit lebte. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet die Möglichkeit, die Bedeutung zentraler Freiheitsrechte zu reflektieren. Lebensmittel aus der DDR sind heute noch käuflich erwerblich, ohne zu wissen, dass es ein typisches Gut dessen ist. Vermittelt man den SuS dieses Wissen, so kommt dieser Thematik eine hohe geschichtskulturelle Bedeutung hinzu, da sie den SuS auch in ihrer alltäglichen Lebensumwelt häufig begegnet. Ebenso dürfte die Erinnerung in vielen Familien eine persönliche Signifikanz besitzen, da viele Familien, die in der DDR lebten, von der Lebensmittelknappheit betroffen waren. In der vorliegenden Unterrichtsstunde erarbeiten die SuS die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lebensmittel und Produkte zwischen DDR und BRD und erkennen dabei, dass viele Produkte aus der DDR noch heute gekauft werden können und dass die DDR für die Grundversorgung sorgte.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen wird es immer geben, ob es sich um Lebensmittel oder andere Güter handelt. In der Schule treffen die SuS im Sachkundeunterricht, Politik oder Gestaltungsunterricht auf die deutsche Teilung. Aber auch außerschulisch werden sie unterschiedlichen Lebensmitteln, die jedoch ähnlich sind, begegnen: Welche Schokolade schmeckt besser; Welches Waschmittel riecht besonders gut, usw. Zudem werden sie auch in der Werbung mit Lebensmitteln konfrontiert.

Der Einstieg erfolgt über das Reichen von Toastbrothäppchen, die jeweils mit Nutella und Nudossi bestrichen worden sind. Jeder der SuS bekommt ein Häppchen mit Nutella und ein Häppchen mit Nudossi. Die SuS wissen bis Dato nicht, dass es zwei unterschiedliche Brotaufstriche sind, da es um das Finden des „Geschmacks“ zweier Kulturen durch den Vergleich dieser Häppchen geht. Hierbei erfahren die SuS den unterschiedlichen Geschmack durch haptisches Lernen.

Um die erste Erarbeitungsphase vorzubereiten, sollen die SuS sich mit den Produkten Ost und West vertraut machen, indem sie – eigens von der Lehrkraft gebastelte Supermärkte mit klassischen Produkten der DDR und BRD aus zwei Schuhkartons – betrachten. Die SuS sollen beliebte Konsumgüter benennen und zwischen typischen Ost- und Westprodukten unterscheiden. Sie sollen erkennen, dass es in der DDR andere Produkte gab, jedoch nicht minderwertige Güter. Dabei wird die Deutungs- und Reflexionskompetenz der SuS gefestigt, indem sie einfach Vergleiche zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit vornehmen. Ferner bekommen die SuS ein erstes Arbeitsmaterial – den Beobachtungsbogen, mit dem sie unterstützende Fragen beantworten sollen. Mit diesen Fragen leitet die Lehrkraft den Unterrichtsvorgang gezielt auf die Mangelware der DDR, da in diesem Supermarkt kein Obst zu finden war. Die SuS organisieren dabei selbstständig fachliche Arbeitsprozesse und präsentieren adäquat ihre Arbeitsergebnisse, indem sie zielgerichtet themenbezogen recherchieren und die Ergebnisse in verschiedenen Sozialformen auswerten.

Durch ein Video, in dem es um die Eröffnung der Intershops geht, wird die Thematik der Mangelware nochmals vertieft. Mit dem Video ist eine kritische Annährung an Begrifflichkeiten wie Konsumgesellschaft, Konsumgüter und Intershops möglich. Die SuS lernen mit der Filmquelle historische Perspektivität genauer zu analysieren, sich in verschiedene Perspektiven hineinversetzen, indem sie mit Perspektivität in der Filmquelle und derer Darstellung auf Geschichte kritisch umgehen. Mit der zweiten Erarbeitungsphase werden die Begrifflichkeiten im Plenum erarbeitet, indem die Lehrkraft zusammen mit den SuS die Begriffe klärt. Um die gelernten Inhalten anzuwenden, folgt die Verwendung des zweiten Arbeitsmaterials – Rätsel und gleichzeitig eine Ergebnissicherung. Das Rätsel wurde von der Lehrkraft entwickelt und beinhaltet sechs Begriffe, die im Verlauf der Unterrichtsstunde erarbeitet worden sind. Die SuS lernen die ausgewählten Fachbegriffe aus dem Video und der zweiten Erarbeitungsphase anzuwenden.

[...]


[1] Zschiesche, Arnd/ Errichiello, Oliver: Erfolgsgeheimnis Ost. Survival- Strategien der besten Marken – und was Manager daraus lernen können, Wiesbaden 2009, S. 68.

[2] Aubeck, J. Heinz: Wirtschaftsmathematik für Schule und Ausbildung, Norderstedt 2006, S. 34.

[3] Vgl. Weber, Hermann: Die DDR 1945-1990 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 20), München 2012, S. 38.

[4] Vgl. Zschiesche, Arnd/ Errichiello, Oliver 2009, S. 66.

[5] Rahmenplan Geschichte. Gymnasium, Integrierte Gesamtschule. Jahrgangsstufen 7-10, hrsg. vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2002, S. 34.

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656939948
ISBN (Buch)
9783656939955
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295490
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
unterrichtsstunde konsumgüter vergleich lebenswelten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Unterrichtsstunde: Konsumgüter DDR und BRD im Vergleich