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Museum als außerschulischer Lernort im Geschichtsunterricht. Chancen und Herausforderungen

Seminararbeit 2014 20 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ziel außerschulischer Lernorte im Geschichtsunterricht am Beispiel Museum
2.1 Das Museum als außerschulischer Lernort
2.2 Wissensvermittlung im Museum
2.2.1 Die Aufgaben eines Museums
2.2.2 Die Möglichkeiten des historischen Lernens im Museum
2.2.3 Arbeitsform im Museum
2.3 Fachdidaktische Anforderungen
2.4 Erwerb von Kompetenzen bei SuS

3. Der Museumsbesuch
3.1 Die Organisation des Museumsbesuches
3.1.1 Die Vorbereitung
3.1.2 Die Durchführung
3.1.3 Die Nachbereitung

4. Gründe für einen Museumsbesuch im Rahmen des Geschichtsunterrichts – Pro/ Contra

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Museum ist im Allgemeinen „eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“[1] Nach Gesser und Kraft dient ein Museum der Sammlung von Gegenständen, diese sie konservieren und bewahren. Ferner haben sie die Aufgabe, die in ihnen verwahrten Objekte und Gegenstände wissenschaftlich zu erforschen und es ist ihre Absicht, diese Werte einem Publikum zu präsentieren und zu vermitteln. Das Lernen an außerschulischen Lernorten etablierte sich erst 1939 mit Unterstützung von Adolf Reichwein, der im Berliner Museum für Volkskunde die Abteilung „Schule und Museum“ einrichtete.[2] Das Museum ist ein eigenständiger Lernort, der besondere Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung stellt. Der Museumsbesuch muss gut durchdacht sein und die Lehrkraft muss sich im Klaren sein, was sie bei den SuS erreichen will, für das Fach und auch ganz allgemein. Ferner muss der Besuch folgerichtig in den Unterricht eingegliedert werden. Allenfalls wird der Besuch am Anfang, in der Mitte oder zum Abschluss einer Lehrplaneinheit durchgeführt. Außerdem muss der Gang in das Museum gut strukturiert sein. Die SuS benötigen ihrem Alter entsprechende Arbeitsaufträge, die sie bei der Entdeckung der Ausstellungsobjekte unterstützen.

Diese Seminararbeit untersucht das Museum als außerschulischen Lernort und wie sich dieser im Geschichtsunterricht nutzen lässt. Dabei wird zuerst auf das Ziel außerschulischer Lernorte im Geschichtsunterricht am Beispiel Museum eingegangen, indem das Museum ganz allgemein als außerschulischen Lernort kenntlich gemacht wird und die Chance der Wissensvermittlung mit den Aufgaben eines Museums sowie die Möglichkeiten des historischen Lernens dargestellt werden.

Im Anschluss werden die fachdidaktischen Anforderungen beschrieben und welche Kompetenzen SuS bei einem Museumsbesuch erwerben können. Ferner wird der Museumsbesuch im Geschichtsunterricht definiert, während die Organisation (Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung) untersucht wird. Weiter werden Gründe für einen Museumsbesuch im Rahmen des Geschichtsunterrichts vorgestellt, so dass eine abschließende Untersuchung zum Museum als außerschulischen Lernort erfolgen kann.

Die Literaturlage zu diesem Thema ist sehr umfangreich und vielseitig. Basis bilden hier die Werke von Susanne Popp und Bernd Schönemann „Historische Kompetenzen und Museen“. Dieser Band ist wegen seiner Aktualität und guten Strukturierung geeignet, da er die Kompetenzmodelle der Geschichtsdidaktik für das historische Lernen in Museen, die Schülerkompetenzen in historische Museen und die neue Vielfalt – Museumstypen darstellt. Die Reihe „Museum konkret“ bietet zudem einschlägige Literatur, die als theoretische Grundlage dient. Darunter zählt „Museum Experimentell“ von Martin Schmidt und Marlise Wunderli, „Lebendiges Geschichtslernen“ von Bodo von Borries sowie „Anschauen, Vergleichen, Ausprobieren – Historisches Lernen in Kinder- und Jugendmuseen“ von Susanne Gesser und Heike Kraft. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung und einer Auswertung der Analysen.

2. Das Ziel außerschulischer Lernorte im Geschichtsunterricht am Beispiel Museum

2.1 Das Museum als außerschulischer Lernort

Geschichte können SuS nicht nur im Klassenzimmer lernen, da es eine ganze Reihe interessanter Möglichkeiten außerhalb der Schule gibt. Eine der wichtigsten ist das (historische) Museum. SuS werden täglich mit Geschichte konfrontiert – unbewusst oder bewusst. Ziel des Faches Geschichte ist es, den SuS Geschichtsbewusstsein zu vermitteln und ihnen eine historisch fundierte Gegenwartsorientierung zu ermöglichen. Das Museum hat die Möglichkeit Geschichte für die SuS greifbarer zu machen, was mit einem Schulbuch weniger erreicht werden kann. Die Quellen in einem Schulbuch sind zwar reichlich, aber auch nur abgedruckt. Die unmittelbare Begegnung mit Originalen im Museum stellt Orientierungsgrundlagen und Normen der Bewahrung von Erbe und Tradition, aber auch der Beschäftigung mit Gegenwart und Zukunft. Die SuS erleben, entdecken und erlernen ästhetische Werte. Sie erfahren den Zugang zu vergangen Epochen und zu fremden Kulturen, schärfen ihren Blick auf die Welt und Umwelt. Dabei lernen sie neue Kompetenzen, wie Teamfähigkeit und Duldsamkeit, gesellschaftliches Engagement, Kommunikationsfähigkeit und Kreativität. Dieser Bildungsprozess verankert sich in den Köpfen der SuS, weil Erfahrungen im Museum gesammelt werden, die ganzheitlich eingebunden, selbst nachvollziehbar, sinnlich erlebbar und somit als Lernprozesse stärker motiviert sind.

Mit der Zeit haben sich Museen umorientiert und bieten neben das Ausstellen von Epochen, Regional-, Kunst- oder Weltgeschichte auch pädagogisches Fachpersonal an, das spezielle Angebote für SuS entwickelt hat. Berit Pleitner schreibt, dass sich das Museum in den letzten vierzig Jahren vom „Musentempel“ zum „Lernort“ und letztendlich zum „Freizeit- und Erlebnisort“ entwickelt hat und bemüht ist, den Besuchern anschauliche und unterhaltsame Bildung zu vermitteln.[3] Ein weiteres Charakteristikum der Erforschung und Vermittlung von Geschichte im Museum ist der Objektbezug. „Das historische Museum versammelt zum einen die materiellen, nichtschriftlichen Hinterlassenschaften der Vergangenheit […].[4] Zum anderen werden die Überreste aus einer Öffentlichkeit versucht zugänglich zu machen, was historische Erkenntnis ermöglicht. Dahingehend unterscheidet sich das Museum von der Bibliothek oder einem Archiv, als auch von anderen Formen der Geschichtsvermittlung, wie dem Geschichtsbuch oder dem Film. In Museen befinden sich nur mobile Objekte, welche zu immobilen Objekten werden, da sie in Vitrinen, auf Podesten und in Inszenierungen sind.[5] Die Sachquellen im Museum dienen somit den Sammlungs-, Forschungs- und Präsentationszwecken des Museums. Die Sachquellen im Museum liegen dort nicht zur Nutzung im Geschichtsunterricht, da sie einen eigenen Verwendungszusammenhang haben.

Ferner haben sich die Rahmenbedingungen für schulisches Arbeiten in vielen Museen verbessert. Dietmar von Reeken zeigt etwaige Punkte auf, die wichtig für eine sinnvolle Arbeit mit Sachquellen und deren Darstellung im Museum sind.[6] Die Ausstellung im Museum ist auch eine Form, Geschichte zu erzählen, was den SuS kenntlich gemacht werden muss, da den Besuchern nicht die Vergangenheit direkt im Museum begegnet. Die Exponate sind Teil einer Ausstellung, die inszeniert werden, egal, wie das Objekt gezeigt wird. Außerdem ist es sinnvoll etwas über das Museum an sich zu erfahren und nicht nur im Museum zu lernen, da die SuS daher etwas über die Charakteristik der Geschichtsdarstellung lernen. Also lernen sie die Gestaltungsprinzipien, die Zielsetzungen, die Sammlungsgeschichte, die Präsentationsgeschichte und was der Mitarbeiter im Museum selbst zum Thema des Unterrichts im Museum beiträgt. Die Ausstellungen im Museum sind meistens historische Momentaufnahmen und können nur geringfügig Verläufe und Entstehungen aufzeigen. Daher ist es umso wichtiger, dass geeignete Methoden herangezogen werden, um diese „Unbeweglichkeit“ aufzulösen. Zudem ist es von nicht minderer Bedeutung, dass das Museum Möglichkeiten zur Eigentätigkeit für SuS bietet. Beispielsweise können das das Bearbeiten von Feuersteinen, das Mahlen von Getreide, das Steinbohren sein oder es können Rollenspiele in historischer Kleidung durchgeführt werden. Die Aufgaben des Museum gliedern sich in Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln der historischen Relikte.

2.2 Wissensvermittlung im Museum

Vermittlungsmethoden innerhalb des Museums helfen den SuS die Gegenstände im Museum selbst zu erschließen. Die methodische Kunst nach H. Roth ist es, tote Sachverhalte wieder zum Leben zu erwecken.[7] Mit Aktivität und Produktivität der SuS wird der Aufbau von langfristig gespeicherten und abrufbaren Wissensstrukturen gefördert. Wie Aebli sagt: „Man kann sich Vorstellungen und Begriffe nicht in fertiger Form einverleiben. Man muss sie nachschaffen, nachkonstruieren. Nur dann sind sie etwas wert. Dem Begriff geht das Begreifen voraus, der Einsicht das Einsehen.“[8]

2.2.1 Die Aufgaben eines Museums

Eine Aufgabe des Museums besteht im Sammeln. Laut dem Deutschen Museumsbund geht das Sammeln kultureller und natürlicher Objekte bis in die Anfänge menschlicher Gesellschaften zurück.[9] Das private Sammeln als Wunsch, die Zeit durch materielle Belege festzuhalten, bietet den heutigen Grundstein vieler Museen. Museale Sammlungen sind die Resultate einer Tätigkeit, in der historische Auswahlkriterien, Bewertungen und Interessen eine Rolle spielen.[10] Das Sammeln erfolgt zielgerichtet und hat den Zweck zur Erweiterung, Zusammenführung und Ergänzung der vorhandenen Sammlungsbereiche. Besonders Naturobjekte kommen sofort in den Sammlungskreislauf, weil sie selten sind und einen hohen wissenschaftlichen Erkenntniswert haben.

Nicht nur das Sammeln ist eine Aufgabe des Museums, auch das Bewahren zählt zu einer. Laut der Definition des Deutschen Museumsbundes setzt sich das Museum mit dem Bewahren zur Aufgabe, Objekte vor dem Verfall zu schützen und für die Nachwelt zu bewahren, so dass der Wert erhalten bleibt.[11] Ein Wert eines Objekts steigt, je älter, je seltener und symbolträchtiger es ist. „Also je nachdem, auf welche bedeutenden Personen, Ereignisse und Zusammenhänge der Vergangenheit es verweist“.[12] Zum Bewahren gehört das Vorbeugen, Konservieren, Restaurieren der Objekte und die sachgerechte Behandlung. Bedingung ist ein gutes Klima, Luftreinheit, Lichtschutz in den Schausammlungen und Sammelstellen sowie die Sicherheit der Gebäude, in denen die Objekte beherbergt sind. Die bewahrten Objekte sind zudem endlich und können nicht reproduziert oder kopiert werden. Diese bewahrten Objekte werden dort dauerhaft gelagert, aber es ist nicht gewährleistet, dass sie vor dem materiellen Alterungsprozess geschützt sind. Daher werden einige Objekte nicht in öffentlichen Räumen zur Schau gestellt, um eine Abnutzung entgegenzuwirken. Grütter ist der Meinung, dass so der Symbolcharakter der Authentizität verloren geht, da die historischen Objekte unsichtbar werden und nur noch als Simulation existieren. Dadurch verschwindet ihr Charakter auf die Vergangenheit.[13]

Eine weitere Aufgabe des Museums ist das Erforschen, das „die wissenschaftliche Bearbeitung von Objekten bzw. Objektgruppen und Objektzusammenhängen“[14] beinhaltet. Ziel ist es, die Erfahrungen und Informationen zu dokumentieren und öffentlich zu machen. Zuerst erfolgen eine Inventarisierung und der Nachweis der Herkunft des Objekts. Damit kann das Objekt wissenschaftlich in seinen ursprünglichen Kontext eingeordnet werden, so dass es thematisch präsentiert werden kann. Erforscht wird auf der Grundlage der quellen- und traditionskritischen Methoden der modernen Geschichtswissenschaften. Es wird zunächst das konkrete Material des einzelnen Objekts bearbeitet, die Entstehungs- und Gebrauchsgeschichte und die historischen und sozikulturellen Strukturen erforscht und zu guter Letzt wird das System von Zeichen und anderen Gebilden konstituiert.[15] Somit ist das erforschte Objekt museumsspezifisch, aber auch ein Teil der gesamten geschichtswissenschaftlichen Forschung.

Auch das Ausstellen gehört zu einer Aufgabe eines Museums. Mit dem Ausstellen erreicht man einen Beziehungs- und Bedeutungszusammenhang. Die gewonnen Informationen aus der Erforschung werden hier vermittelt. Das erfolgt in Form von Objektbeschriftungen und dazugehörigen Informationstexten. Die Ausstellungen sind entweder dauerhaft oder wechselhaft. Wenn die Objekte nicht einzeln präsentiert werden, dann immer wieder in neuen thematischen Zusammenhängen. Mit dem Ausstellen wird jedoch nicht ein Spiegelbild des realen Lebensgeschehens wiedergegeben. Vielmehr vollzieht sich eine Interpretation durch das sich erinnernde und orientierende Bewusstsein aus der modernen Geschichtstheorie.

[...]


[1] ICOM Deutschland: Museumsdefinition, http://www.icom-deutschland.de/schwerpunkte-museumsdefinition.php, zuletzt abgerufen: 03.09.2014.

[2] Vgl. Gesser, Susanne/ Kraft, Heike: Anschauen. Vergleichen Ausprobieren. Historisches Lernen in Kinder- und Jugendmuseen (Museum konkret), Schwalbach am Taunus 2006, S. 20.

[3] Vgl. Pleitner, Berit: Geschichte im Museum, in: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.), Geschichtsmethodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 42012, S. 120-128.

[4] Grütter, Heinrich Theodor: Geschichte im Museum, in Bergmann, Klaus/ Fröhlich, Klaus/ Kuhn, Annette/ Rüsen, Jörn/ Schneider, Gerhard (Hrsgg.), Handbuch der Geschichtsdidaktik, Seelze-Velber 51997, S. 707-714.

[5] Vgl. Reeken, Dietmar von: Sachquellen dargestellt. Das Museum als Lernort, in: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.), Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2003, S. 148-150.

[6] Vgl. Reeken, Dietmar von 2003, S. 149f.

[7] Matthes, Michael: Einführung, in: Museumspädagogischen Dienst Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Schule Jugend und Sport und dem Außenamt der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.), Schule und Museum. Vom Nutzen des Museums für die Schule. Anregungen für den Unterricht in den Fächern Geschichte, Deutsch, Musik, Bildende Kunst, Erdkunde/Sachkunde, Berlin-Milow 1998, S. 11.

[8] Mayer, Ulrich: Handlungsorientierung als Prinzip und Methode historischen Lernens, in: Henke-Bockschatz, G. (Hrsg.), Geschichte und historisches Lernen. Jochen Huhn zum 65. Geburtstag, Kassel 1995, S. 121.

[9] Vgl. Deutscher Museumsbund: Geschichte und Definition, http://www.museumsbund.de/de/das_museum/geschichte_definition/aufgaben_des_museums/sammeln/, zuletzt abgerufen: 04.09.2014.

[10] Vgl. Grütter, Heinrich Theodor 1997, S. 707f.

[11] Vgl. Deutscher Museumsbund: Geschichte und Definition, http://www.museumsbund.de/de/das_museum/geschichte_definition/aufgaben_des_museums/bewahren/, zuletzt abgerufen: 04.09.2014.

[12] Grütter, Heinrich Theodor 1997, S. 709f.

[13] Vgl. ebd.

[14] Deutscher Museumsbund: Geschichte und Definition, http://www.museumsbund.de/de/das_museum/geschichte_definition/aufgaben_des_museums/forschen/, zuletzt abgerufen: 08.09.14.

[15] Vgl. Grütter, Heinrich Theodor 1997, S. 710f.

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656935995
ISBN (Buch)
9783656936008
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295489
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
museum lernort geschichtsunterricht chancen herausforderungen

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Titel: Museum als außerschulischer Lernort im Geschichtsunterricht. Chancen und Herausforderungen