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Effektivität von computerunterstützten Lernumgebungen zur Verbesserung der Emotionserkennung bei Autismus

Eine Metaanalyse

Hausarbeit 2015 32 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung Metaanalyse

Abstract Meta-analysis

1. Einleitung

2. Problemstellung und theoretisch-empirischer Kontext
2.1. Autismus-Spektrum-Störungen
2.2. Defizite der Emotionserkennung
2.3. Computerunterstütztes Lernen in der ASD Intervention
2.4. Bereiche und Ziele der Metaanalyse

3. Methodisches Vorgehen
3.1. Literatursuche
3.2. Selektionskriterien
3.3. Kodierung
3.4. Analyse und Integration der Studienergebnisse

4. Ergebnisse

5. Diskussion
5.1. Grenzen der Metaanalyse
5.2. Reflexion des methodischen Vorgehens
5.3. Schlussfolgerung

Literaturquellen

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Flussdiagramm der Suche der in die Metaanalyse einbezogenen Studien.

Abbildung 2 Hedge's g und 95 % KI

Abbildung 3 Funnel Plot des SE und Hedges’s g der sieben Studien zu CAL in der ASD Intervention

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Ergebnisse der Effektstärkenberechnung nach dem Random-Effects Modell

Tabelle 2 Details der inkludierten Primärstudien, die die Effektivität von CAL untersuchen (basierend auf einem Pre-Post Design mit ASD Kontrollgruppe)

Formale Anmerkungen zur verwendeten Sprache

In dieser Arbeit werden, soweit dies möglich und sinnvoll ist, geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet. Bei Begriffen, wo dies nicht möglich ist, wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form benutzt. Auf die Bildung von Wortungetümen wie z. B. Teilnehmer/-innen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder Teilnehmer*innen wird verzichtet. Sofern dies nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird, sind grundsätzlich weibliche und männliche Personen gemeint.

Zusammenfassung Metaanalyse

Ein wesentliches Charakteristikum einer Autismus Störung (ASD) ist die Beeinträchtigung der Fähigkeit zur Emotionserkennung. Diese kann durch computerunterstützte Lernumgebungen (CAL) verbessert werden. Allerdings berichten Untersuchungen zum Thema gemischte Ergebnisse. Die Frage, ob CAL die Emotionserkennung verbessert, und ob Alter oder Interventionsdauer dies beeinflusst, sollte mit dieser Metaanalyse untersucht werden. Mit der Methode der Effektstärkenberechnung nach Hedges’s g wurden sieben zwischen 2005 und 2015 publizierte Studien im pre-post Design mit 107 mit CAL trainierten und 106 ASD Kontrollgruppen Teilnehmern, die die Einschlusskriterien erfüllten, integriert. Die Ergebnisse indizieren, dass der Einsatz von CAL Interventionen bei ASD Betroffenen zu einer mittleren Steigerung der Fähigkeit, Emotionen zu erkennen führt (g = .64). Der Heterogenitätstest zeigte keine signifikante Heterogenität (I2 = 31.75 %), trotzdem wurde eine Moderatorenanalyse durchgeführt. Weder die Moderatorenvariable Alter noch Interventionsdauer waren signifikant, die Interventionsdauer hat mit 5.28 % einen eher geringen Einfluss auf die Effektivität von CAL.

Schlüsselwörter: ASD, Autismus, CAL, computerunterstütztes Lernen, Emotion, Metaanalyse, Moderatoren

Abstract Meta-analysis

An essential characteristic of an autism disorder (ASD) is the impairment of the ability to emotion recognition. This can be improved by computer-based learning environments (CAL). However, studies on the topic report mixed results. The question whether CAL improved emotion recognition, and whether age or duration of intervention influenced this should be investigated with this meta-analysis. With the method of the effect size calculation according to Hedges's g seven studies published between 2005 to 2015 are integrated, with pre-post design, involving 107 trained and 106 ASD controls, met the inclusion criteria. The results indicate that the use of CAL interventions for ASD affected resulting in an average increase in the ability to recognize emotions (g ="<"/span> .64). The heterogeneity test did not show a significant-heterogeneity (I2 ="<"/span> 31.75%). However, a moderator analysis was performed. Neither the moderator variable age nor duration of intervention were significant, the duration of intervention had only a small impact (5.28 %) on the effectiveness of CAL.

Keywords: ASD, autism, CAL, computer based learning, emotion, Meta-analysis, moderating factors

Effektivität von computerunterstützten Lern-umgebungen zur Verbesserung der Emotions-erkennung bei Autismus - eine Metaanalyse

1. Einleitung

Früher ging man davon aus, dass autistische Störungen relativ selten vorkommen. In neueren epidemiologischen Untersuchungen wird von einem deutlichen Anstieg der Prävalenzzahlen berichtet (Baird et al. 2006, S. 210; Williams, Thomas, Sidebotham, & Emond, 2008, S. 676). Dies hängt zum einen mit der erhöhten Aufmerksamkeit zusammen, die autistischen Störungen in den letzten Jahren gewidmet wird und zum anderen mit der Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten (Wang, Cui, & Parrila, 2011, S. 562). Baird et al. (2006, S. 214) gehen davon aus, dass 1 % aller Kinder von irgendeiner Form von Autismus betroffen sind. Vorausgesetzt, diese Zahl ist korrekt und trifft auf die Gesamtbevölkerung zu, dann bedeutet das bei der aktuellen Bevölkerung von 80,8 Millionen Menschen in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2014, o. S.) immerhin 808.000 Betroffene. Autistische Störungen beeinträchtigen die Fähigkeiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion in allen Lebensbereichen, weshalb nach Möglichkeiten gesucht wird, diese Fähigkeiten zu trainieren. In neuerer Zeit ist im Zuge des zunehmenden Fachkräftemangels das Thema Autismus auch in der Wirtschaft angekommenen. SAP startete 2013 das globale Projekt „Autism at Work (AaW)“ und hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2020 weltweit 1 % der Gesamtbelegschaft aus Mitarbeitern mit der Diagnose Autismus besteht (SAP AG, 2013, S. 14). Der Anstieg von Autismus-Diagnosen, die Inklusionsbestrebungen (Wang et al, 2011, S. 562) und der zunehmende Fachkräftemangel begründen die Notwendigkeit, nach Möglichkeiten zu suchen, wie Menschen mit autistischen Störungen bestmöglich in die Gesellschaft integriert werden können.

Im zweiten Kapitel wird Autismus kurz beleuchtet, die relevanten Konzepte definiert und Bereiche; Ziele und die Fragestellung der Metaanalyse erläutert. Im dritten Kapitel werden die Methode mit Suchstrategie, Selektionskriterien und Kodierungsprozess beschrieben. Danach erfolgen die Erläuterungen zur statistischen Analyse und anschließend im vierten Kapitel die Ergebnisdarstellung. Zuletzt werden im fünften Kapitel die Ergebnisse und deren Generalisierbarkeit diskutiert, die Grenzen der Metaanalyse genannt, die Methode der Metanalyse reflektiert und ein Ausblick auf die Notwendigkeit zukünftiger Forschung gegeben.

2. Problemstellung und theoretisch-empirischer Kontext

2.1. Autismus-Spektrum-Störungen

Autistische Störungen zählen nach dem noch aktuellen Klassifikationssystem ICD-10 zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, worunter eine Gruppe von Störungen zusammengefasst ist, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet sind (Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 2007, S. 1):

Qualitative Auffälligkeiten in der gegenseitigen sozialen Interaktion

Qualitative Auffälligkeiten der Kommunikation und Sprache

Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster.

Ein wesentliches Charakteristikum besteht darin, dass sich die Störungen nicht zurückbilden, sondern bis ins Erwachsenenalter fortsetzen und durch therapeutische Interventionen zwar gebessert, nicht aber geheilt werden können. Innerhalb der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen werden z. B. frühkindlicher Autismus und Asperger-Syndrom klassifiziert, der im amerikanischen Sprachraum bekannte hochfunktionale Autismus (HFA) wird im ICD-10 nicht aufgeführt, im diagnostischen Erscheinungsbild kann er im Erwachsenenalter allerdings nicht mehr vom Asperger-Syndrom unterschieden werden. Die aktuelle fünfte Überarbeitung des im amerikanischen Raum verbreiteten Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder DSM-5 (American Psychiatric Association, 2013) nennt nur noch eine Autismus-Spektrum-Störung, die von leichten Einschränkungen bis zu schweren Beeinträchtigungen greift. Im Folgenden wird deshalb in dieser Arbeit unter dem Begriff ASD jede, mit einem standardisierten Test nachgewiesene Form einer Störung aus dem Autismus-Spektrum verstanden.

2.2. Defizite der Emotionserkennung

Ein Hauptmerkmal der ASD sind diverse Beeinträchtigungen der sozialen Kommunikation und Interaktion, die sich beispielsweise in einem Mangel an Verständnis von Emotionen, Motivationen und Handlungen anderer zeigen können (Ploog, Scharf, Nelson, & Brooks, 2013, S. 301; Wang, Parrila, & Cui, 2013, S. 1701). Laut Baron-Cohen, Leslie und Frith (1985, S. 39) sind der Grund dafür Defizite in der Entwicklung der „Theory of Mind“. Nach dieser Theorie benötigt man die Fähigkeit, zu verstehen, dass Handlungsentscheidungen von den Überzeugungen, Wünschen und Absichten der handelnden Person abhängen, um die Perspektive des anderen einzunehmen und dessen Handlungen vorherzusagen. Neurowissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) vermuten in einer neueren Hypothese für ASD, dass die Störung in der beeinträchtigten Fähigkeit, Ereignisse und Handlungen anderer Menschen vorherzusagen resultiert (Sinha et al., 2014, 1 ff.). Die zeitliche Dimension der Vorhersagebeeinträchtigung könnte die unterschiedlichen beobachteten Autismus-Symptome erklären.

“Impairments in the millisecond range might be more disruptive to language learning than those in the multisecond range, which may differentially affect social interactions instead. Such parametric differences may help account for the phenotypic variability observed across individuals on the autism spectrum and also potentially provide the basis for a principled taxonomy of different autism subtypes” (Sinha et al., 2014, 4-5).

Die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, ist ein entscheidender Bestandteil der sozialen Interaktion. Defizite in dieser Fähigkeit reduzieren die Möglichkeit, sich an sozialen Interaktionen zu beteiligen oder diese zu interpretieren. Diese Beeinträchtigung wird als Schlüsselelement gesehen, die es Personen mit ASD schwer macht, im sozialen Miteinander zurechtzukommen (Wang et al., 2013, S. 1701). Emotionen werden in der ASD Interventionsforschung überwiegend durch standardisierte Tests gemessen, in denen die Probanden Gefühle in Gesichtern identifizieren sollen. Im Folgenden wird unter Defiziten in der Emotionserkennung ein spezifisches Symptom verstanden, die es den Betroffenen unmöglich macht, in gleichem Maße, wie nicht ASD Betroffenen, Emotionen in Gesichtern zu erkennen. Dies muss durch valide oder in der ASD Forschung standardisierte Tests nachgewiesen worden sein.

2.3. Computerunterstütztes Lernen in der ASD Intervention

Die rasante Entwicklung von neuen Technologien und die zunehmende Verbreitung digitaler Medien eröffnet Behandlungsmöglichkeiten, die bis vor wenigen Jahren nicht denkbar waren. ASD Betroffene haben häufig relativ starke visuelle Verarbeitungskompetenzen (Kaldy, Kraper, Carter, & Blaser, 2011, S. 987; Shane & Albert, 2008, S. 1499) und eine Vorliebe für elektronische Medien, die es wahrscheinlich macht, dass computerunterstütztes Lernen, insbesondere mit Animationen, für sie besonders geeignet ist (Grynszpan, Weiss, Perez-Diaz, & Gal, 2014, S. 347, Shane & Albert, 2008, S. 1507). Computerunterstütztes Lernen bietet eine kontrollierbare, strukturierte Lernumgebung mit Möglichkeiten zur Interaktion und Individualisierung (Shane & Albert, 2008, S. 1500). Die Effektivität von computerunterstütztem Lernen bei ASD wird seit längerem erforscht (Grynszpan et al., 2014, S. 346 ff.), wobei die Computerunterstützung bisher vorrangig auf Instruktionspräsentation durch Computer oder Video-Modellierung basierte (Simpson, Langone, & Ayres, 2004; Wang et al., 2011). Video-Modellierung ist nach Wang et al. (2011, S. 566) ein effektiver Weg, um soziale Kompetenzen bei ASD zu fördern, die Möglichkeiten der neuen Technologien gehen heute jedoch mit interaktiven Computerspielen und virtueller Realität weit darüber hinaus. Inzwischen hat die ASD Interventionsforschung die Entwicklung und Evaluierung von Programmen zum Ziel, die mit Hilfe von Computerunterstützung die sozialen Fähigkeiten fördern (z. B. Moore, McGrath, & Thorpe, 2000). In der hier vorliegenden Arbeit werden unter computerunterstütztem Lernen deshalb speziell für die ASD Intervention konstruierte, computerunterstützte Lernumgebungen, wie Spiele und interaktive Trainingsprogramme am Computer verstanden.

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Details

Seiten
32
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656931706
ISBN (Buch)
9783656931713
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295324
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Lehrgebiet Mediendidaktik
Note
1,0
Schlagworte
ASD Autismus CAL computerunterstütztes Lernen Emotion Metaanalyse Moderatoren

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Titel: Effektivität von computerunterstützten Lernumgebungen zur Verbesserung der Emotionserkennung bei Autismus