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Supply Chain Management. Aufgaben, Ziele, Maßnahmen und Problemfelder

Wissenschaftlicher Aufsatz 2015 16 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Entwicklung des Supply Chain Management

3 Begriff und Bedeutung des Supply Chain Management sowie Abgrenzung zur Logistik

4 Aufgaben, Ziele und Maßnahmen des Supply Chain Management

5 Problemfelder bei der Realisierung

6 Ein praktisches Beispiel für diffuse Probleme der Supply Chain

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die globale Herausforderung der Arbeitswelt und die Veränderung der Rahmenbedingungen zu Beginn des neuen Jahrhunderts stellen Unternehmen, insbesondere die industriellen Unternehmen vor neue Aufgaben. Die Differenzierung über das Produkt reicht in vielen Fällen nicht mehr aus, um dem verschärften Konkurrenzkampf standzuhalten. Die immer komplexer werdenden Firmennetzwerke erfordern neue, zeitgemäß anpassungsfähige Geschäftsprozesse, um wettbewerbsfähige Kostenstrukturen zu erreichen.1

Es ist zu beobachten, dass sich das Handlungsumfeld von vielen Unternehmen heute grundsätzlich gewandelt hat. Es ist dynamischer, unvorhersehbarer und turbulenter geworden. Der infolge der Internationalisierung der Märkte enorm gestiegene Wettbewerbsdruck zwischen den Unternehmen, ein immer erfolgreicheres E-Business und eine neue Informationsdichte für die Kunden via Internet über Produkte, deren Preise, Verfügbarkeit sowie Lieferzeiten zwingen die Unternehmen, die Geschäftsprozesse besser aufeinander abzustimmen.2 Im globalen Wettbewerb bilden die Entwicklung lösungsorientierter Dienstleistungen für den Kunden und ein ganzheitliches Kostenmanagement die langfristigen Erfolgsgaranten. Entsprechend müssen die globalen, unternehmensübergreifenden Konzepte und die internen fertigungs- und Logistikprozesse kundenauftragsorientiert und kostenminimal ablaufen, so dass mit geringsten Mitteln der Kundennutzen maximiert werden kann. Um genau dieses Ziel zu erreichen, müssen die Geschäftsprozesse neu definiert, die Fabriken umgestaltet und die eigene Supply Chain (SC), die logistische Wertschöpfungskette aktiv gestaltet werden.3 Die gesamte Wertschöpfungskette mitsamt den darin stattfindenden Produktions- und Logistikprozesse zu betrachten, wird im Supply Chain Management (SCM) verbreitet, das in der Unternehmungspraxis auch in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) in letzter Zeit einen immer größeren Stellenwert einnimmt.

Es wird im Rahmen dieser Arbeit versucht, eine systematische Einführung in die wesentlichen Grundlagen des Supply Chain Management zu geben. Dabei soll die Notwendigkeit des SCM und dessen Einordnung in die betriebswirtschaftlichen Prozesse geklärt werden.

2 Historische Entwicklung des Supply Chain Management

Als erstes ist darauf hinzuweisen, dass die Konzepte zu Supply Chain Management im Vergleich zur Entstehung vieler anderer Managementkonzepte nicht von der Wissenschaft bzw. der betriebswirtschaftlichen Theorie initiiert wurden, sondern vielmehr aus den Bedarfen in der unternehmerischen Praxis entstanden sind.4 Das Supply Chain Management ist ein relativ junger Begriff, dessen Wurzeln in den USA liegen. Der Begriff SCM wurde in der Literatur erstmals Anfang der 80er Jahre durch die angloamerikanische Consulting-Gesellschaften verwendet. Der Begriff stand ursprünglich für eine Reduzierung von Lagerbeständen, sowohl in einem einzelnen Unternehmen wie ebenfalls unternehmensübergreifend.

Als nächstes muss man betonen, dass sich die Theorie dem Supply Chain Management in den späteren 80er Jahren ebenfalls zunächst in den Vereinigten Staaten annahm. Im Laufe der Zeit wurde das logistikorientierte Verständnis um Aspekte der Kooperation und Integration erweitert. Über die Logistik-Dimension hinaus entwickelte sich das SCM zu einer strategischen, kooperationsorientierten und unternehmensübergreifenden Managementkonzeption. Als weitere wesentliche Elemente und Prozesse des SCM gelten der Produktentstehungs- und Produktentwicklungsprozess, der Beschaffungsprozess, der Produktionsprozess, der Distributionsprozess, der Vertriebs- und Verkaufsprozess, der Entsorgungsprozess, die prozessübergreifenden Elemente des Materialflusses sowie des Wertflusses.5

Zu den Wegbereitern einer theoretischen Festigung des Begriffs zählen Bothe, Christopher, Davis sowie Ellram/Cooper und Macbeth/Ferguson. In Europa und der BRD etablierte sich das SCM in Theorie und Praxis erst Mitte der 90er Jahre. Daher sind die wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet in Europa noch recht dürftig. Dagegen existiert heute im angloamerikanischen Sprachraum auch eine Fachzeitschrift unter gleichem Namen.6

3 Begriff und Bedeutung des Supply Chain Management sowie Abgrenzung zur Logistik

Die definitorische Einordnung und Abgrenzung des Begriffs Supply Chain Management ist aufgrund der Vielzahl an Definitionen sehr problematisch. Der Begriff entstammt jedoch aus der Logistikliteratur und wurde 1982 erstmals von den amerikanischen Unternehmensberatern Oliver und Webber erwähnt.7 Sie versuchten, verschiedene Glieder der Wertschöpfungskette koordinieren und verknüpfen. Angestrebt war eine Koordination über mehrere Unternehmen hinweg.8 In den 1990er Jahren begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem SCM als sich Cooper/Ellram erstmalig mit dem Unterschied traditioneller Logistikkonzepte des Materialflusses und dem damit verbundenen Informationsfluss auseinander setzten.9

Die deutsche Literatur erkennt im Wesentlichen das Supply Chain Management als Objekt der Logistik an. Der Begriff des SCM beinhaltet demnach also alle Beschaffungs-, Produktions-, Lager- und Transportaktivitäten vom Zulieferer der Rohmaterialien bis zum (End-)Kunden.10 In diesem Sinne bedeutet das SCM genauer formuliert:

„das verbindende Element von Waren- und Informationsfluss in der Beschaffung, Produktion, Lagerhaltung, Distribution und Entsorgung, die durchgängige Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette von den Zulieferern, über die Produktion, die Distribution bis hin zum Service.“11

„die Lehre von der schnittstellenübergreifenden Systemgestaltung sowie der Analyse, Planung, Steuerung und Überwachung der vernetzten raum-zeitlichen Transformationsprozesse von Gütern, Personen und den damit zusammenhängenden Informationen.“12

„Ein ganzheitliches Managementkonzept, welches – ausgehend vom Endkunden – das Geschäftsprozess- und unternehmensübergreifende Management von Material-, Geld- und Informationsströmen in Wertschöpfungsnetzwerken umfasst.“13

Das SCM steuert „die Logistikketten aller (vernetzten) Unternehmen der Wertschöpfungskette. Dabei wird der komplette Weg des Produkts (mit den dazugehörigen Geld- und Informationsströmen) vom Zulieferer über den Hersteller, den Groß- und Einzelhandel bis hin zum Kunden betrachtet.“14 Damit ist das SCM als die umfassendste Art der Logistikplanung zu verstehen.

Das SCM ist eine Erweiterung des Logistik-Begriffs. Dabei gibt es aber zwei wichtige Unterschiede zwischen Logistik SCM und Logistik. Demnach ist die Abgrenzung zur Logistik wie folgt:

„Die Logistik beschäftigt sich vor allem mit den Informations- und Güterflüssen eines einzelnen Unternehmens. Das Augenmerk liegt hier auf den innerbetrieblichen Prozessen sowie den Informations- und Güterströmen von und zu den unmittelbaren Geschäftspartnern (direkte Lieferanten und Kunden).“15

„Dagegen betrachtet das Supply Chain Management das komplette Netzwerk vom Rohstofflieferanten zum Endverbraucher, ohne auf Unternehmensgrenzen zu achten. Eine solche Netzwerkorientierung zählt zu den Erfolgsfaktoren für Unternehmen.“16

Mit anderen Worten: Das SCM schließt also zusätzlich zu den Material- und Informationsströmen explizit auch die Geldströme mit ein.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass es sich bei einem Supply Chain Management um die Planung, Durchführung und Kontrolle aller Geschäftsaktivitäten innerhalb einer Supply Chain handelt, mit dem Ziel, die Produktivität, Qualität und Flexibilität der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen.17 Auf den ersten Blick erscheint es plausibel anzunehmen, dass Konzepte zu Supply Chain Management eine Vielzahl an Definitionen vielfältiger Verwendung sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis beinhalten. Bei näherer Betrachtung jedoch zeigt sich trotzdem, dass die Kernelemente des Supply Chain Management in der Koordination und der Integration des Material- und Warenflusses innerhalb der Wertschöpfungskette sowie der Harmonisierung von Abläufen zwischen den Mitgliedern der Lieferkette bestehen. Schließlich ist das Ziel dabei, eine optimierte Bedürfnisbefriedigung des Kunden zu erreichen.

4 Aufgaben, Ziele und Maßnahmen des Supply Chain Management

Die Aufgabe des Supply Chain Management besteht in erster Linie darin, entlang der Wertschöpfungskette partnerschaftliche Wettbewerbsvorteile für alle Beteiligten zu realisieren. Die Wettbewerbsvorteile können dabei im Wesentlichen auf Kostenreduktion entlang der Wertschöpfungskette und/oder Verbesserungen des (End-) Kundenservice beruhen. Bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben muss das SCM differente Punkte beachten. Darunter fallen vor allem Quantitäten, Qualitäten, Preise, Liefer- und Lagerorte sowie (Liefer-)Termine.18

Als nächstes ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass das SCM-Konzept daneben noch weitere zwei Hauptaufgaben hat: Die Kooperations- und Koordinationsaufgaben. Die Kooperationsaufgaben beinhalten die Auswahl der SC-Partner, den Aufbau und die Gestaltung einer Netzwerkstruktur, die Regelung der Beziehungen zwischen den SC-Partnern und die Regelung der Machtverhältnisse innerhalb der Supply Chain. Dagegen umfassen die Koordinationsaufgaben vor allem die Gestaltung und Planung unternehmensübergreifender Prozesse, die Informationsversorgung (z.B. Bereitstellung der Informations- und Kommunikationstechnologie, Gestaltung der Informationsprozesse, Steuerung der Informationsflüsse) und Steuerung der Supply Chain (z.B. Instrumente der hierarchischen Koordination, Instrumente der heterarchischen Koordination).19

Das primäre Ziel des Supply Chain Management ist es, zur Erfüllung der genannten Aufgaben einen reibungslosen Lieferablauf innerhalb des Netzwerks zu ermöglichen.20

Überdies verfolgt das SCM noch weitere Ziele, um dadurch dieses eigentliche Hauptziel zu erreichen, wobei immer das ganze Netzwerk und nie ein einzelnes Unternehmen betrachtet werden muss:21

Verbesserter Informationsfluss: Nach einer Studie beruhen zu frühe oder zu späte Lieferungen meistens auf Kommunikationsproblemen zwischen den Partnern. Für einen reibungslosen Lieferablauf muss der Informationsfluss innerhalb der Wertschöpfungskette verbessert werden. Dazu dient die Benutzung von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien wie von speziellen SCM-Softwaren und Internet oder auch Internet-Handys.

Reduktion der Lagerhaltungskosten: Ein weiteres Ziel des SCM ist die Senkung der Kosten für die Lagerhaltung entlang der Supply Chain bzw. der Lieferkette. Durch die Just-in-Time-Lieferung können diese Kosten reduziert werden. Allerdings verringern sich die Lagerhaltungskosten in der gesamten Lieferkette erst dann, wenn alle Unternehmen in der Wertschöpfungskette selbst zur Just-in-Time-Produktion übergehen. Daneben darf die Lagerhaltung nicht einfach an die Lieferanten weitergegeben werden.

Senkung der Gesamtdurchlaufzeiten: Auch Zeitziele sind bei einem erfolgreichen SCM von großer Bedeutung. Vor allem sollen die Produktentwicklungs- und Gesamtdurchlaufzeiten reduziert werden. Hierbei kann ein konsequent verfolgtes Simultaneous Engineering den Time-to-Market verkürzen. Zudem sinken die Durchlaufzeiten in der gesamten Supply Chain durch die Beseitigung Schnittprobleme sowie die optimale und vereinfachte Koordination der Materialflüsse im Netzwerk.

[...]


1 Vgl. Thaler, Klaus: Supply Chain Management. Prozessoptimierung in der logistischen Kette, Köln 1999, S. 11 ff.

2 Vgl. Chopra, Von Sunil/Meindl, Peter: Supply Chain Management. Strategy, Planning & Operation, 3. Aufl., Prentice Hall 2006, S. 2 ff.

3 Vgl. Brumme, Hendrik/Schröter, Norbert/Schröter, Ingo: Supply Chain Management und Logistik, Stuttgart 2010, S. 5.

4 Vgl. Corsten, Hans/Gössinger, Ralf: Einführung in das Supply Chain Management, 2. Aufl., Oldenbourg 2008, S. 108.

5 Vgl. Fandel, Günter/Giese, Anke/Raubenheimer, Heike: Supply Chain Management. Strategien – Planungsansätze – Controlling, Berlin-Heidelberg 2009, S. 24 ff.

6 Vgl. Werner, Hartmut: Supply Chain Management. Grundlagen, Strategien, Instrumente und Controlling, 4. Aufl., Wiesbaden 2010, S. 4.

7 Vgl. Böger, Mareike: Gestaltungsansätze und Determinanten des Supply Chain Risk Managements. Eine explorative Analyse am Beispiel von Deutschland und den USA, Diss., Technische Universität Hamburg-Harburg 2010, S. 28.

8 Vgl. Weber, Jürgen/Wallenburg, Carl Marcus: Logistik- und Supply Chain Controlling, 6. Aufl., Stuttgart 2010, S. 275.

9 Vgl. Stommel, Herbert: Inboud Supply Chain Management in der Automobilindustrie. Ein Konzept zur Steuerung von kundengetriebenen und variantenreichen Zulieferketten, Berlin 2003, S. 19 f.

10 Vgl. Hansmann, Karl-Werner: Industrielles Management, 8. Aufl., Oldenbourg 2006, S. 227 f.

11 Brumme, H./Schröter, N./Schröter, I.: ebenda, S. 17.

12 ebenda, S. 17.

13 ebenda, S. 17.

14 Supply Chain Management. Was ist Supply Chain Management?, Ziele und Maßnahmen, Probleme bei der Realisierung, in: Online-Lehrbuch BWL - Universität Erlangen: Kapitel 3, Geschäftsprozesse. Ablaufoptimierung, pdf Datei, S. 2., online unter: http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/kap3/scm/scm.PDF [Zugriff am 01.06.2012].

15 ebenda. S. 3.

16 ebenda, S. 3.

17 Siehe Hansmann, K.: ebenda, S. 228.

18 Vgl. Aufgaben und Ziele des Supply Chain Management, in: Scribd document-sharing website, pdf Datei, S. 25., online unter: http://www.scribd.com/doc/52875919/16/A-4Aufgaben-und-Ziele-des-Supply-Chain- Management, [Zugriff am 03.06.2012].

19 Vgl. Fandel, G./Giese, A./Raubenheimer, H.: ebenda, S. 9 ff.

20 Siehe Aufgaben und Ziele des Supply Chain Management, in: Scribd document-sharing website, ebenda, S. 25.

21 Vgl. Supply Chain Management. Was ist Supply Chain Manegement?, Ziele und Maßnahmen, Probleme bei der Realisierung, in: Online-Lehrbuch BWL - Universität Erlangen: Kapitel 3, Geschäftsprozesse. Ablaufoptimierung, pdf Datei, S. 3 ff., online unter: http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/kap3/scm/scm.PDF [Zugriff am 01.06.2012].

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656932819
ISBN (Buch)
9783656932826
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295310
Note
Schlagworte
supply chain management aufgaben ziele maßnahmen problemfelder

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